Zitate: Nie ist der Mensch tätiger, als wenn er nichts tut, und nie ist er weniger allein, als wenn er für sich alleine ist.
Der Mensch der sich selbst gefunden hat, leistet nichts mehr, er ist.
Verantwortung zu übernehmen bedeutet aber auch, auf Projektionen zu verzichten und sein Alleinsein zu akzeptieren. Hannah Arendt
Das Ich muß sterben, damit wir im Selbst wiedergeboren werden können. Das Selbst kennt keine anderen, denn es ist allein. Ernst Jünger
Der Pöbel ist wirklich überall!
Helmut Kohl, 30.11.2000 in Berlin. Jeder hat seine Art, sich zu verändern oder - was aufs gleiche hinauskommt - wahrzunehmen, wie sich alles verändert. Nichts ist in dieser Hinsicht anmaßender, als den anderen Vorschriften machen zu wollen. Meine Art und Weise, nicht mehr derselbe zu sein, ist per defintionem das Eigentümlichste von dem, was ich bin. Und doch gibt es Gott weiß weshalb - jene Agenten ideologischer Zirkulationen, deren Trillerpfeifen wir hören: nach rechts, nach links, hierher, weiter weg, auf der Stelle, jetzt nicht... Beides, das Bedürfnis nach Identität und das unbedingte Gebot, mit der Tradition zu brechen, riecht gleicherweise faul. MICHEL FOUCAULT Die Zeit, die bleibt. Für manche Menschen ist die Zeit zum Verfliegen bestimmt und das Denken zum Stillstand verurteilt. - Für Andere ist die Zeit verharrt und das Denken in Bewegung. Nicht etwa deshalb, weil es ständig Neues denkt, sondern weil es dasselbe immer wieder neu denkt und allein daraus lebt und atmet. Ein Traktat des beweglichen Denkens. JEAN DANIEL Die Zeit ist das, was sich wiederholt. Und die Gegenwart - geritzt vom Pfeil der Zukunft, der sie fortreißt, indem er sie auseinanderreißt - die Gegenwart hört nicht auf wiederzukommen - wiederzukommen als einzigartige Differenz. Was nicht wiederkommt, ist das Analoge, das Gleiche, das Identische. Die Differenz kommt wieder, und das Sein, das von der Differenz univok ausgesagt wird, ist nicht der allgemeine Strom des Werdens und auch nicht der wohlzentrierte Kreis des Identischen. Das Sein ist die von der Krümmung des Kreises gelöste Wiederkehr: Wiederkunft. Drei Tode gibt es: Tod des Werdens, verschlingender Vater und gebärende Mutter; Tod des Kreises, der in jedem Frühling das Leben in die Blumen wiederkehren läßt; Tod der Wiederkunft: unaufhörlich sich wiederholdende Zerfaserung der Gegenwart, ewiger und gewagter Riß, der mit einem Schlage da ist und mit einem Schlage ein für alle Male affimiert ist. In ihrer Brechung, in ihrer Wiederholung ist die Gegenwart ein Würfelwurf. Sie gehört nicht zu einem Spiel, in das auch ein Körnchen Zufälligkeit und Ungewißheit mischt. Sie ist der Zufall im Spiel und das Spiel selber als Zufall. In ein und demselben Wurf werden die Würfel geworfen und die Regeln gewürfelt. Der Zufall fällt nicht dort und da sondern ein für allemal. Michel Foucault Mit der Zeit lernst Du, dass eine Hand halten nicht dasselbe ist wie eine Seele zu berühren Und dass Liebe nicht Anlehnen bedeutet und Begleitung nicht Sicherheit Du lernst allmählich, dass Küsse keine Verträge sind und Geschenke keine Versprechen Und Du beginnst, Deine Niederlagen erhobenen Hauptes und offenen Auges hinzunehmen mit der Würde des Erwachsenen, nicht maulend wie ein Kind Und Du lernst, all Deine Straßen auf dem Heute zu bauen, weil das Morgen ein zu unsicherer Boden ist Mit der Zeit erkennst Du, dass sogar Sonnenschein brennt, wenn Du zuviel davon abbekommst Also bestell Deinen Garten und schmücke selbst Dir die Seele mit Blumen, statt darauf zu warten, dass andere Dir Kränze flechten Und bedenke, dass Du wirklich standhalten kannst ... und wirklich stark bist. Und dass Du Deinen eigenen Wert hast.
(Kelly Priest) Roland Rottenfußer: Wie lange willst du warten? Eine Ermutigung, aufzubrechen und auszubrechen aus selbstgebauten Käfigen – und aus den Zwängen eines Wirtschaftssystems, das Menschen auf ihre Verwertbarkeit reduziert. Diesmal ausnahmsweise in Gedichtform. (Roland Rottenfußer) Wie lange willst du warten? Dies ist das Zerrbild deines Traums, Die Asche deiner Ambition. Und selbst die Ferne lockt dich kaum, Tahiti liegt im Fernsehraum, Und alle Lieder kennst du schon. Gedanken formen dein Verlies. Du findest nicht aus dir heraus. Du schreckst zurück, wenn du genießt, Ein mattes Grau ist dein Türkis Und die Verbannung dein Zuhaus’. Doch in dir lebt dies andere Wesen, Voll Tränen, voll Stolz und wilder Zärtlichkeit. Und du kannst nur mit ihm genesen, Denn wo die Angst ist, ist auch die Lust nicht weit. Wie lange willst du warten Und auf der Schwelle stehen? Da draußen blüht ein Garten Voll Duft und Orchideen. Tritt in die Weite, fordere dein Leben ein. Und nur wer es allen recht macht, bleibt allein. Wie lange willst du warten, Wie viel hast du vertagt? Das Glück legt keine Karten, Es gibt sich dem, der wagt. Ob du dich sicher oder unbeholfen fühlst, Das ist dann egal: Du weiß, du spielst. Von deiner Zukunft zehrt die Bank, Und an Vergang’nem trägst du schwer. Von so viel Kränkung wird man krank, Für so viel Treue niemals Dank Und nur die Forderung: gib mehr! Doch deine Wut ist gut bewacht, Weil du gekonnt den Milden mimst. Du wurdest so lang klein gemacht, Bis du, kastriert von ihrer Macht, Glaubst, dass du Bess’res nicht verdienst. Doch in dir formt sich schon die Wende, Der Ausweg aus deiner Ausweglosigkeit. Ganz sicher: dies ist nicht dein Ende, Doch für den Anfang hast du nicht ewig Zeit. Wie lange willst du warten, Bevor du dich erhebst? Die Seele stirbt in Raten, Wenn du in Knechtschaft lebst. Entreiß dich denen, die dich nur als Beute sehen. Denn nur wenn du frei bist, dann bist du auch schön. Wie lange willst du warten, Wie viel ist unterdrückt? Und das Diktat der Smarten Hat fast dein Licht erstickt. Und nicht mehr lang, dann bist du Teil von ihrer Welt – Für immer erkaltet und entstellt. Wie lange willst du warten, Bevor du dir vergibst Und aufhörst, zu verraten, Was du am meisten liebst? Du bist kein Irrtum und du bist nicht, was dir fehlt, Doch wenn du dich hingibst, dann bist du die Welt. Wie lange willst du warten? Die Stunden sind gezählt. Drum zögere nicht zu starten, Ganz gleich, was dich jetzt quält. Wenigstens aufrecht treibst du dann dem Ende zu, Und das, was dann stirbt, bist nicht mehr du. "Man kann alle Menschen für einige Zeit belügen. Einige Menschen kann man auch für alle Zeit belügen. Aber man kann nicht alle Menschen für alle Zeit belügen" Abraham Lincoln
»Wenn ich von der Zeit spreche, dann deshalb, weil sie noch nicht ist. Wenn ich von einem Ort spreche, dann deshalb, weil er verschwunden ist. Wenn ich von einem Menschen spreche, dann deshalb, weil er schon tot ist.«Jean Baudrillard - Um den Wert eines Jahres zu erfahren, frage einen Studenten, der im Schlussexamen durchgefallen ist.
- Um den Wert eines Monats zu erfahren, frage eine Mutter, die ihr KIND zu früh zur Welt gebracht hat.
- Um den Wert einer Woche zu erfahren, frage den Herausgeber einer Wochenzeitschrift.
- Um den Wert einer Stunde zu erfahren, frage die Verlobten, die darauf warten sich zu sehen.
- Um den Wert einer Minute zu erfahren, frage jemanden, der seinen Zug, seinen Bus oder sein Flugzeug verpasst hat.
- Um den Wert einer Sekunde zu erfahren, frage jemanden, der bei den Olympischen Spielen eine Silbermedaille gewonnen hat.
- Die Zeit wartet auf niemanden. Sammle jeden Moment, der dir bleibt, denn er ist wertvoll. Teile ihn mit einem besonderen Menschen und er wird dir noch wertvoller.
Kritik am Staat!In der Tat gibt es keine einzige Dienstleistung des modernen Staates, die spezifisch staatlich wäre. In Wirklichkeit hat sich der Staat im Laufe der Jahrhunderte eine ganze Latte positiver gesellschaftlicher Errungenschaften schlicht unter den Nagel gerissen. Nicht eine davon ist wirklich mit dem Prinzip der Staatlichkeit verknüpft - wie man gerade heute heute überall beobachten kann, wo die meisten Regierungen versuchen, gerade diese positiven Aufgaben wieder loszuwerden - weil sie ihnen zu teuer geworden sind. Angefangen von der Post über die Eisenbahn, Krankenhäuser, Straßen- und Städtebau, Universitäten und Schulen bis hin zur Rentenversorgung, Altersversicherung und Arbeitslosenunterstützung gibt der Staat die Verantwortung für Bereiche zurück, die er sich irgendwann dort angeeignet hat, wo sie entstanden sind in der Gesellschaft. Denn alle diese Einrichtungen haben sich dereinst unabhängig von Königen, Kaisern oder Regierungen entwickelt - aus der gesellschaftlichen Kreativität der Menschen. Aber Gesellschaft ist nicht gleich Staat. Die Ursprünge dieser sozialen Errungenschaften liegen in Dorf- und Stadtgemeinden, Klöstern, Handwerkergilden, Privatfirmen, Einzelinitiativen oder der kollektiven Selbsthilfe Betroffener. Und wie das Wort "Errungenschaft" ahnen lässt, mussten sie der Obrigkeit nicht selten regelrecht abgetrotzt werden. Erst nach langer Zeit, oft unter dem Druck von Sozialreformern und gegen den Widerstand von Regierungen, haben sich Staaten solche Einrichtungen angeeignet. Ob unsere modernen "Sozialstaaten" mit ihrem bürokratischen Apparat diese Aufgaben optimal, human, gerecht und effektiv erfüllen, ist eine Frage, die selbst Politiker zunehmend bezweifeln. Die Tatsache, dass immer mehr dieser Bereiche in die Privatwirtschaft zurückgegeben werden - was natürlich kaum eine bessere Alternative ist -, lässt eher auf das Gegenteil schließen.Soziale Aufgaben machen den Staat nicht aus. Was den Staat tatsächlich ausmacht - und was er auch nie privatisieren würde -, sind seine spezifischen Institutionen wie Regierung, Parlament, Gesetzgebung, Bürokratie, Staatsbeamtentum, Steuerhoheit, Geld- und Erziehungsmonopol, Justiz, Polizei, Armee, Zoll, Geheimdienste - und nicht zuletzt das Recht, jeden zu bestrafen (und notfalls zu töten), der gegen eines dieser Dinge aufbegehrt. Dies sind die eigentlichen Manifestationen von Herrschaft - sie sind genuin staatlich. Alles andere ist ursupiert. Der moderne "demokratische" Staat ist gerade mal hundert Jahre alt, aber schon tut er so, als läge ausgerechnet im Sozialen sein Wesen. HORST STOWASSER - Das Buch findet Ihr in meiner Bibliothek. „Freiheit pur – Die Idee der Anarchie“ gibt es auch als kostenlosen pdf-Download. Große Teile der Neuen Sozialen Bewegungen und der Subkultur der 70er Jahren erkannten, „daß im Sozialstaat nicht tatsächlich Demokratie, Basisdemokratie oder ähnliches verwirklichbar war, sondern daß der Sozialstaat im Kern bürokratisch war, zu einer Enteignung von Subsistenz- und Selbstorganisationsfähigkeiten führte und vor allem: weil finanzielle Zuwendung immer und unmittelbar mit sozialer Kontrolle verknüpft war. Die Bürokratisierung des Sozialstaats basierte auf kontrollpolitische Erfassung wie Volkszählung, Rasterfahndung, Registrierung, Verrechtlichung aller Lebensbereiche. Je differenzierter die gesellschaftliche Organisation, je bürokratischer der Apparat, der die Chose am laufen hielt, desto hysterischer die Reaktion auf oppositionelles Verhalten, das irgendwo einen Keil in die verzahnten Abhängigkeiten treiben konnte. Atomstaat, Polizeistaat, 'Sicherheitsstaat' (...) waren die unabwendbaren Begleiter des Sozialstaats selbst auf dem Höhepunkt seiner Ausformung“ (Marin 1997, 7). Aus einer anarchistische Perspektive gibt es keinen Grund den disziplinierenden und normalisierenden Sozialstaat zu verteidigen, weil er dem Prinzip der individuellen Freiheit in einer freien Gesellschaft im Weg steht, und kein Schritt in Richtung Sozialismus und Anarchismus ist. Der Sozialstaat hat vielmehr eine Schutzfunktion gegen sozialrevolutionäre Bewegungen. ...und was die andere Hälfte der großen Koalisation, ...???...unsere böse Regierung befürwortet...den Abbau dieses "Scheisssozialstaates" & stattdessen die "neoliberale Diktatur des Profits". - Das wird in dem Text der "Postanarchisten" ebenfalls gut geklärt. G.F. - Da hilft wirklich nur die Anarchie!!!- Ob ich jetzt Postanarchist bin? - Auf jeden Fall bin ich nicht Rambo.
Der Neoliberalismus ist ökonomisch betrachtet eine Reaktion auf die ökonomische Krise des Kapitals in der Mitte der 70er Jahren. Der sozialstaatliche regulierte Kapitalismus war unwiderruflich in die Krise geraten. In dessen Folge suchte das Kapital nach neuen Akkumulationsmöglichkeiten. Bei diesem Weg mußte die starre Form der Regulation aufgebrochen werden. Die Deregulierung und Flexibilisierung ist somit ein zentrales Moment des Neoliberalismus und kann als „Klassenkampf von oben“ begriffen werden. Der Neoliberalismus ist aber nur ein andere kapitalistische Formation als der fordistische Sozialstaat. Häufig wird heute in der Linken die Kritik am Neoliberalismus mit einer Verteidigung des Sozialstaates gekoppelt. Der Neoliberalismus wird in diesem Diskurs nicht mehr als eine kapitalistische Formation stehen, die Neoliberalismuskritik ist keine Kapitalismuskritik mehr. Anstatt für eine sozialrevolutionäre Überwindung kapitalistischer Vergesellschaftung zu kämpfen, wird der sozialdemokratische Reformkapitalismus im Gewand des Sozialstaates verteidigt. Der Kampf gegen den Neoliberalismus kann nur ein Kampf gegen den Kapitalismus sein. Die Verteidigung des Sozialstaates sollten AnarchosyndikalistInnen und andere AnarchistInnen den SozialdemokratInnen, demokratischen SozialistInnen und reformistischen Gewerkschaften überlassen. - Wer den gesamten Text auswendig lernen will...???... Hier der Link!
Dient das Volk mehr dem Staat als der Staat dem Volk, muß der Staat verschwinden. Karlheinz Deschner
Wer Lesen kann besitzt das Rüstzeug alles zu Lernen. Falls er den Willen dazu hat. Wenn man sich berauscht, dann am Besten mit Erkenntnis. Bereitschaft ist der Vater allen Muts.
„Ziviler Ungehorsam wird zur heiligen Pflicht, wenn der Staat den Boden des Rechts verlassen hat.“ (Mahatma Gandhi).
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum | Was das BIP wachsen lässt. | Was das BIP nicht anzeigt. | | - Nukleare Sprengköpfe und andere Waffen - Krieg - Gefängnisse - Luftverschmutzung - Ausgaben für die Staatsbürokratie - Zerstörung der Natur - Verbrauch endlicher Ressourcen - langwierige Krankenbehandlungen - Permanente Einnahme von Medikamenten - Autos mit hohem Benzinverbrauch - Konsum legaler Drogen, Werbung für diese und Entzugskuren von ihnen - Konsum auf Pump | - Gerechtigkeit/ die Verteilung des Reichtums - Zufriedenheit - Maß der Selbstverwirklichung - Qualität der Bildung - Freundschaft - Liebe - Gesundheit - seelisches Wohlbefinden - Genuss von Natur - ehrenamtliche Tätigkeiten - spirituelle Erfüllung |
Vermögensverteilung in Deutschland: 50 % der Bevölkerung haben 0,1 % des Vermögens. 40 % der Bevölkerung haben 41,2 % des Vermögens. 10 % Prozent der Bevölkerung haben 58,8 des Vermögens.
Niemals vergessen: Böse Kriege sind nur möglich, wenn gute Menschen sie unterstützen
Vor Gericht: Der Kern der Sache! Ich habe im Laufe der Zeit in Dutzenden von Gerichtssälen gesessen, manchmal als Angeklagter, doch meistens als Zeuge in Prozessen gegen andere. Ich habe dabei viel gelernt. Der Gerichtssaal ist ein Beispiel für die Tatsache, dass in unserer Gesellschaft, die oberflächlich betrachtet im weitesten Sinne liberal und demokratisch sein mag, die Klassenzimmer, Arbeitsplätze, die Führungsetagen der Unternehmen, die Gefängnisse und Militärkasernen offenkundig undemokratischer Natur sind und von einer Person oder einer winzigen Machtelite dominiert werden. (Howard Zinn)
1. das Ich ist ein Mythos. 2. Alles verändert sich. 3. Wer an etwas festhält, leidet. BUDDHA »Niemand lebt vom Geld. Stattdessen leben wir von den Lebens-Mitteln, die von der Erde kommen, und wir leben durch gute Beziehungen. (Quelle Oya-Magazin - Heide Göttner-Abendroth) Wenn jemand hungrig am Tisch sitzt, während sich andere am gleichen Tisch den Bauch vollschlagen, ist das kein gutes Haushalten. Der Kapitalismus erhebt den Anspruch, die »wirtschaftlichste Organisationsform« für einen Haushalt zu sein. Dennoch schafft er es nicht, obwohl genug Nahrung vorhanden ist, die Menschen zu ernähren. Solange dies so ist, handelt es sich nicht um Wirtschaft, sondern um eine Ideologie. Solange wir uns in diesem System bewegen, werden unsere Fähigkeiten zu Waren. In diesen Waren drückt sich die Haltung der Menschen aus, die sie erzeugen. Sie zirkulieren heute um den ganzen Globus, und mit ihnen die Funktionalisierung der Konsumbedürfnisse ebenso wie der spirituellen Bedürfnisse, da ja mit Hilfe der Werbung die Produkte spirituell aufgeladen werden und man so den Mangel an Sinn in der Arbeit durch den Konsum ihrer Ergebnisse zu kompensieren sucht. Ich glaube, es geht nicht um einen »Kapitalismus 3.0«, sondern um ein ganz anderes Menschenbild. Die Urfrage der Produktion ist doch: Was brauche ich überhaupt? Am wirtschaftlichsten ist eigentlich, möglichst wenig zu verbrauchen. Je weniger ich konsumiere, je weniger Zeit und Kraft ich darauf verwenden muss, Konsumgüter für meinen Lebensunterhalt herzustellen, desto mehr Zeit bleibt, sich der Frage nach dem Lebenssinn zuzuwenden. Ich denke, wir können nur aus einer solchen Perspektive zu neuen Formen des Wirtschaftens finden. (Quelle Oya-Magazin - Frank Wilhelmi)
Die Zehn Angebote des evolutionären Humanismus (Originalfassung) Vorbemerkung: Diese zehn „Angebote“ wurden von keinem Gott erlassen und auch nicht in Stein gemeißelt. Keine „dunkle Wolke“ sollte uns auf der Suche nach angemessenen Leitlinien für unser Leben erschrecken, denn Furcht ist selten ein guter Ratgeber. Jedem Einzelnen ist es überlassen, diese Angebote angstfrei und rational zu überprüfen, sie anzunehmen, zu modifizieren oder gänzlich zu verwerfen. 1. Diene weder fremden noch heimischen „Göttern“ (die bei genauerer Betrachtung nichts weiter als naive Primatenhirn-Konstruktionen sind), sondern dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern! Diejenigen, die behaupteten, besonders nah ihrem „Gott“ zu sein, waren meist jene, die dem Wohl und Wehe der realen Menschen besonders fern standen. Beteilige dich nicht an diesem Trauerspiel! Wer Wissenschaft, Philosophie und Kunst besitzt, braucht keine Religion! 2. Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten! Du wirst nicht alle Menschen lieben können, aber du solltest respektieren, dass jeder Mensch – auch der von dir ungeliebte! – das Recht hat, seine individuellen Vorstellungen von „gutem Leben (und Sterben) im Diesseits“ zu verwirklichen, sofern er dadurch nicht gegen die gleichberechtigten Interessen Anderer verstößt. 3. Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Bedenke, dass die Stärke eines Arguments völlig unabhängig davon ist, wer es äußert. Entscheidend für den Wahrheitswert einer Aussage ist allein, ob sie logisch widerspruchsfrei ist und unseren realen Erfahrungen in der Welt entspricht. Wenn heute noch jemand mit „Gott an seiner Seite“ argumentiert, sollte das keine Ehrfurcht, sondern Lachsalven auslösen. 4. Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten – es sei denn, es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale der Humanität durchzusetzen! Wer in der Nazidiktatur nicht log, sondern der Gestapo treuherzig den Aufenthaltsort jüdischer Familien verriet, verhielt sich im höchsten Maße unethisch – im Gegensatz zu jenen, die Hitler durch Attentate beseitigen wollten, um Millionen von Menschenleben zu retten. Ethisches Handeln bedeutet keineswegs, blind irgendwelchen moralischen Geboten oder Verboten zu folgen, sondern in der jeweiligen Situation abzuwägen, mit welchen positiven und negativen Konsequenzen eine Entscheidung verbunden wäre. 5. Befreie dich von der Unart des Moralisierens! Es gibt in der Welt nicht „das Gute“ und „das Böse“, sondern bloß Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Bedürfnissen und Lernerfahrungen. Trage dazu bei, dass die katastrophalen Bedingungen aufgehoben werden, unter denen Menschen heute verkümmern, und du wirst erstaunt sein, von welch freundlicher, kreativer und liebenswerter Seite sich die vermeintliche „Bestie“ Homo sapiens zeigen kann. 6. Immunisiere dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein Geschenk, das du nicht abweisen solltest. Durch solche Kritik hast du nicht mehr zu verlieren als deine Irrtümer, von denen du dich besser heute als morgen verabschiedest. Habe Mitleid mit jenen Kritikunfähigen, die sich aus tiefer Angst heraus als „unfehlbar“ und ihre Dogmen als „heilig“ (unantastbar) darstellen müssen. Sie sollten in einer modernen Gesellschaft nicht mehr ernst genommen werden. 7. Sei dir deiner Sache nicht allzu sicher! Was uns heute als richtig erscheint, kann schon morgen überholt sein! Zweifle aber auch am Zweifel! Selbst wenn unser Wissen stets begrenzt und vorläufig ist, solltest du entschieden für das eintreten, von dem du überzeugt bist. Sei dabei aber jederzeit offen für bessere Argumente, denn nur so wird es dir gelingen, den schmalen Grat jenseits von Dogmatismus und Beliebigkeit zu meistern. 8. Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst! Du verfügst als Mensch über ein außerordentlich lernfähiges Gehirn, lass es nicht verkümmern! Achte darauf, dass du in Fragen der Ethik und der Weltanschauung die gleichen rationalen Prinzipien anwendest, die du beherrschen musst, um ein Handy oder einen Computer bedienen zu können. Eine Menschheit, die das Atom spaltet und über Satelliten kommuniziert, muss die dafür notwendige Reife besitzen. 9. Genieße dein Leben, denn dir ist höchstwahrscheinlich nur dieses eine gegeben! Sei dir deiner und unser aller Endlichkeit bewusst, verdränge sie nicht, sondern „nutze den Tag“ (Carpe diem)! Gerade die Endlichkeit des individuellen Lebens macht es so ungeheuer kostbar! Lass dir von niemandem einreden, es sei eine Schande, glücklich zu sein! Im Gegenteil: Indem du die Freiheiten genießt, die du heute besitzt, ehrst du jene, die in der Vergangenheit im Kampf für diese Freiheiten ihr Leben gelassen haben! 10. Stelle dein Leben in den Dienst einer „größeren Sache“, werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen woll(t)en! Eine solche Haltung ist nicht nur ethisch vernünftig, sondern auch das beste Rezept für eine sinnerfüllte Existenz. Es scheint so, dass Altruisten die cleveren Egoisten sind, da die größte Erfüllung unseres Eigennutzes in seiner Ausdehnung auf Andere liegt. Wenn du dich selber als Kraft im „Wärmestrom der menschlichen Geschichte“ verorten kannst, wird dich das glücklicher machen, als es jeder erdenkliche Besitz könnte. Du wirst intuitiv spüren, dass du nicht umsonst lebst und auch nicht umsonst gelebt haben wirst! (Aus :„Manifest des Evolutionären Humanismus“, Alibri Verlag, Aschaffenburg 2005, S.156-159)
Dies ist ein offenes Experiment. Ein in Worte fassen von dem, was bereits in der Luft liegt. Je häufiger diese Erklärung gelesen, gedacht oder ausgesprochen wird, umso mehr wird ihre Energie sich in unserer Welt und Gesellschaft manifestieren. Wenn du das Gefühl hast, was du hier liest, in dir wiederzufinden, mach es zu deinem Statement. Finde Wege, die Erklärung zu lesen, sie zu teilen und in Aktion umzuwandeln. ERKLÄRUNG KULTURELLER REVOLUTIONÄRE 2009 Kulturelle Revolutionäre in 2009… _leben, handeln und arbeiten mit und nicht gegen die Natur _wissen, dass Leben zu komplex ist, um es zu intellektuell zu verstehen _schaffen und unterstützen lokale, autonome Ökonomien _wertschätzen und bewahren Vielfalt aller Art _wertschätzen und praktizieren gegenseitige Abhängigkeit, da sie wissen, dass nichts getrennt existiert _betrachten sich als gleichwertig zu allen Lebensformen _beschützen und unterstützen Leben _lieben und unterstützen Kinder bedingungslos _arbeiten an sich selbst, hin zu grösserer Bewusstheit _kennen ökologische Prinzipien und integrieren sie in ihr Leben _sehen Musik und Tanz als integrale Bestandteile ihres Ausdrucks und ihrer Kommunikation _leben auf einer lebendigen Erde und betrachten sie als heilig _wissen wie sie ihre Nahrung anbauen _wissen ihr sinnliche Bewusstheit zu schätzen _feiern das Leben _kooperieren _verlagern ihr Denken von ‘Entweder oder’ zu ‘Sowohl als auch’ _teilen ihr Wissen _verstehen und integrieren Prozess als eine Art und Weise zu sein _sind nicht mit ihrem Körper, ihren Gedanken oder Emotionen identifiziert _sehen den Verstand als Werkzeug _erkennen, dass es kein richtig oder falsch gibt _sind nicht mit einem sozialen Etikett, ihrer Vergangenheit oder Zukunft identifiziert _sind sich bewusst, dass die Essenz dessen was sie sind das Leben selbst ist _übernehmen Verantwortung für ihre Emotionen _sind sich ihrer Beziehungen zu ihrer lebendigen und scheinbar nicht-lebendigen Umgebung bewusst und wertschätzen diese _wertschätzen und integrieren die Weisheit von Frauen _wertschätzen und integrieren die Weisheit von indigenen Kulturen _wertschätzen das Wissen von Generalisten _sind sich über Wandel und Veränderung als eines der Kernprinzipien der Evolution bewusst _arbeiten in Richtung Diversifikation und Dezentralisierung _nehmen an dem Ort, an dem sie leben, Anteil und bauen Beziehungen zu ihm auf _werden von abhängigen Konsumenten zu verantwortungsvollen Produzenten _suchen nach Wegen, dass ihre Interessen und Talente sich entfalten können _haben den Mut sich Gesetzen, die Selbstregierung, Selbstversorgung und Selbstbestimmung illegal machen, zu widersetzen und ihnen nicht zu folgen _sind über das derzeitige Geldsystem informiert und identifizieren es als kontemporäre Form der Versklavung _identifizieren und boykottieren biologische, kulturelle, soziale und philosophische Monokulturen _boykottieren Monopole jeglicher Art _stellen jeden in Frage, der eine einzelne Lösung vorschlägt _wertschätzen Umwelt- und menschliche Ethik mehr als Profit Maximierung _boykottieren Konzerne und Banken, die auf Profit Maximierung hinarbeiten _fordern Land und Wälder als Gemeingut zurück _fordern Wasser als Gemeingut zurück _fordern biologische Vielfalt und Wissen als Gemeingut zurück _sind sich bewusst, dass sie zu jeder Zeit am Prozess der Ko-Kreation teilnehmen _erlauben dem Leben sich durch sie zu entfalten Berlin, 03/2009
Sich wieder und wieder (und für immer) anpassen. Sich den gegebenen Tatsachen, den wirtschaftlichen Sachzwängen, den Konsequenzen dieser Sachzwänge anpassen, als ob die Konjunktur an sich schicksalhaft wäre, die Geschichte abgeschlossen und die Epoche entgültig erstarrt. Sich der MARKTWIRTSCHAFT anpassen, das meint eigentlich: der SPEKULATIONSWIRTSCHAFT. Sich den Folgen der Arbeitslosigkeit anpassen, das bedeutet übersetzt: ihrer schamlosen Ausbeutung. Sich der Globalisierung anpassen heißt mit anderen Worten: der ultraliberalen Politik, die sie steuert. Sich der WETTBEWERBSFÄHIGKEIT anpassen bedeutet: der Opferung aller mit dem Ziel einen Ausbeuter den Sieg über einen anderen Ausbeuter davontragen zu lassen, beide Spieler desselben Spiels. Sich dem Kampf gegen die öffentlichen Defizite anpassen bedeutet: der systematischen Zerstörung der wesentlichen Infrastrukturen und sozialen Errungenschaften. Sich den geradezu aufrührerischen wirtschaftlichen Deregulierungen anpassen, Elementen einer reaktionären und regressiven Revolution - die sich aber in aller Ruhe, mit offizieller Duldung, wenn nicht sogar Ermunterung ausgebreitet haben, während sie doch jegliches Gesetz aufheben, das der spekulativen WILLKÜR Grenzen setzt; während sie doch ungestraft gegen Gesetze vestoßen, welche geschaffen waren, um die Ungerechtigkeit in Schranken zu halten und ohne die die Tyrannei triumphiert. Sich dem Zynismus der zulässigen mafiosen Verhaltensweisen anpassen, die schon mehr als vertraut geworden sind: nämlich traditionell. Sich so der Produktionsverlagerung, der Kapitalflucht, den Steueroasen, der Deregulierung, den menschenverachtenden Fusionen, der kriminellen Spekulation anpassen, die hingenommen werden, als ob sie Naturgesetzen gehorchten, gegem die sich aufzulehnen nutzlos wäre. Sich selbstverständlich der Arroganz der Dummheit, ihren göttlichen Hoheitsrechten anpassen...Sich in Wahrheit jenem dumpfen Klima der Repression anpassen, in dem man nur kämpfen kann, wenn man auf das verzichtet, wofür man kämpft, auf das, was an dessen Ursprung steht und was sich durch einen Taschenspielertrick zum allgemeinen Ziel gewandelt zu haben scheint, zum Hauptpostulat, das im Hintergrund bleibt, aber implizit als wünschenswert und legitim gilt - auf jeden Fall aber als unumgänglich. Dann bleibt nur noch, die Antworten hinzunehmen, die uns von jenen, die sich weigern, Fragen zuzulassen, eingehämmert werden.Sich der Diktatur des Profits anpassen.VIVIANE FORRESTER - Die Diktatur des Profits___Seite 27 - 28 - Zu finden in meiner Bibliothek! Keine Aufklärung ohne Kritik und keine Kritik ohne Aufklärung. Darin sind sich Foucault, Popper und Adorno einig - wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
Reich sein In so genannt traditionellen Gemeinschaften ist der Wert des Gebens ein bedeutsamer Teil der jeweiligen Kultur. Das hat einmal ein Anthropologe hautnah erfahren, als er eine Siedlung amerikanischer Indianer besuchte. Er bat, zu den reichsten Männern am Ort gebracht zu werden. Sofort stellten ihm die Dorfältesten mehrere Menschen mit einem entsprechenden Lebensstandard vor. Als der Besucher schließlich neugierig fragte, wer das denn sei, der in jenem luxuriösen Haus am Hang lebe, sagte man ihm: „Der ist nicht REICH. Der hat noch all sein Geld.“
Die Ausgangslage
Politische Inkompetenz, aufgeblähte Bürokratien, Vetternwirtschaft, obrigkeitlicher Privilegiengenuß, Geldverschwendung in Milliardenhöhe, Parteiismus und Berufsideologentum, vor allem aber der überall Platz greifende Gebotszwang, das sind nur einige der Defizite der Staatsgesellschaft. Sie werden heute überall offen angeprangert und deren Folgen für die Gesellschaft besorgt diskutiert. Die Redewendung "Politik als Ärgernis" stellt geradezu eine Verharmlosung und Abschwächung dessen dar, was der Bürger empfindet, wenn er mit den Defiziten der Staatspolitik konfrontiert ist.
In den letzten Jahrzehnten sind z.B. in Deutschland fast alle nachhaltigen Reformversuche gescheitert, sei es beim Gesundheitswesen, in der Rentenpolitik, in der Verkehrs-, Umwelt-, Steuer-, Arbeits- und Bildungspolitik. - Es gibt erste Anzeichen für die Unregierbarkeit der Menschen mittels Macht und Gewalt gesellschaftspolitischer "Hoheitlichkeit", jedenfalls auf der Basis der bisher bestimmenden politischen Ideologien. Längst haben die Machteliten der Gesellschaft den Überblick über ihr Tun verloren. Deshalb wissen sie auch nicht, in welchem Maße sie dazu beitragen, ihre Untergebenen und deren soziale und naturale Umwelt zu ruinieren. "Menschenrechts"-Verpflichtungen werden bis zum Steinerweichen heruntergebetet und den Newcomern auf dem weltumfassenden Staatskarussell unter die Nase gerieben. Die Proklamatoren dieser Rechte wollten die Selbstentfaltung des Individuums gegen einen überbordenden Staatsbetrieb sichern. Die politische Praxis der "alten Demokratien" hingegen hat es bis heute nicht geschafft und schafft es immer weniger, die inzwischen exorbitante Behinderung der individuellen Selbstentfaltung zu beseitigen.
Von Defiziten der Staatspolitik ist inzwischen unverblümt die Rede. Es gibt die vernichtenden Formeln ("Staat als Zumutung"; S. Papke; "Staat als Alptraum", T. Tettamanti). Aber heute sind nirgendwo echte und an die Wurzel gehende Ansätze erkennbar, die beschriebenen Defizite, die ja wirkliche Humanitätsdefizite sind, zu beheben. Die Machteliten jedenfalls sehen nicht so aus, als wenn sie hier gegensteuern könnten. Sie demonstrieren Kurzsicht statt Weitblick, Routine statt Innovation, und auch - - Heuchelei statt Aufrichtigkeit.
* Statt uns der Staat in seiner Rolle als Monopolist seine Dienstleistung so bietet, wie wir sie je einzeln brauchen (und sie dann auch je einzeln abgerechnet haben möchten!), nötigt er uns - aufgrund seiner Konzernstruktur mit Einheitskassenwesen - in ein Leistungs-Gegenleistungs-Geflecht hinein, das wir in dieser Form gar nicht haben wollen und das uns viele Lebensressourcen kostet.
* Statt sich der Staat in seiner Rolle als Rechts- und Schiedsinstanz darauf beschränkt, unserer Spontaneität die Grenzen zu setzen, die sein müssen, damit die Rechte der anderen nicht ge- oder gar zerstört werden, presst er uns in nahezu allen Lebensgestaltungs- und Entfaltungsbereichen in einen vorentworfenen Normschematismus ("Zivilgesetze") hinein. Der nötigt uns ein Verhalten ab, das weder unserem persönlichen Recht noch dem des jeweils anderen nützt. Auf unsere Persönlichkeitsbildung wirkt sich das so aus, dass wir über allerlei Bildungszwänge in Fremdlehrpläne hinein gestoßen werden, die einen Lehrstoff vermitteln, der weitgehend lösungsinkompatibel ist und lediglich in der Phantasie der staatsbeamteten Lehrplangestalter dazu taugt, das Leben zu meistern. Als ob das Leben nicht auch in jungen Jahren genügend kleine und große Freuden und Nöte schüfe, die das Lernen auf ganz natürliche Weise herausfordern und fördern - wenn man sie nur ungehindert zuließe! Aber der Selbstentwicklung und persönlichen Selbstentfaltung stehen überall Barrieren im Weg. Eigenlernpläne sind nicht gefragt, ja werden wie Schreckgespenster verteufelt und sogar unter Polizeieinsatz zunichte gemacht.
* Statt uns die Chance einer echten Mitbestimmung bei der Machterteilung einzuräumen, nötigt uns der Staat Machtverleihungsrituale auf, die mit einer wahrhaft freien, gleichen und allgemeinen Wahl nur den Namen gemeinsam haben. Dass wir uns an den Machtkämpfen der Politprofiteure und deren Reklameveranstaltungen auch noch finanziell beteiligen müssen, dass also das "hoheitliche Gewerbe" noch nicht einmal dieses Risiko auf sich nimmt, ist noch eine der harmloseren Varianten des unfreiwilligen Staatszynismus, die wegen ihrer naiven Unverfrorenheit eher zur Belustigung Anlass gibt.
Das ist die derzeitige gesellschaftspolitische Situation. Aber warum machen wir ihn nicht, den schon so oft mit markigen Worten beschworenen "Schritt in eine andere Zukunft"?
Die herbeigesehnte Zukunft wird blockiert, und zwar vor allem durch das Ignorieren der Kritik am Bestehenden. Die Ignoranz hält sich zäh, und besonders bei den Machteliten der Gesellschaft. Aber auch wir, das Volk, sind nicht gerade innovationsfreudig. Nach statistischen Umfragen glaubt der weitaus größte Teil der deutschen Bevölkerung, dass er von den Staatsfunktionären dilettantisch regiert, ja sogar belogen und betrogen wird. - Wo bleibt der Sturm der Entrüstung? Wo bleibt der Protestruf der Gebeutelten? Viele von uns leben offenbar ganz zufrieden in ihrer gut kaschierten Knechtschaft, auch wenn sie die Staatspolitik nicht gerade lieben. Andere leiden geduldig vor sich hin. Teile der Jugend scheren aus - auf Jugendart: Wo die solide politische Basis fehlt, da polarisieren nur noch Meinungen die Gemüter. Wo es nur eine demokratische Mogelpackung gibt, da darf man sich sowohl extrem "rechts" als auch extrem "links" an den Ufern hehrer Moralität wähnen.
Das Ziel
Der Staatsgesellschaft gegenüber erwächst der Wunsch nach einer gesellschaftspolitischen Alternative, einer neuen Positivität. Die bereits überall vorhandene gesellschaftspolitische Sensibilität für das Neue in klares Bewusstsein zu verwandeln. Um dabei zu vernünftigen Ergebnissen zu kommen, muss bei den einschlägigen Begriffsapparaten einiges vom Kopf auf die Füße gestellt werden.
Vor jedem Eingang in eine neue Positivität stehen zunächst einmal Fragen. So auch hier: - Aus welchen Quellen soll das Neue geschöpft werden? - Welches Richtmaß soll gelten? - Und vor allem: Wie können die beiden Pole Idealität und Realität einander näher kommen?
Gegebene Antworten und Anregungen zum Aufbau einer neuen Gesellschaftsform sind nur dann zu verstehen, wenn man den Blickwinkel ändert, will sagen: die politischen Einrichtungen schlicht als Dienstleistungseinrichtungen begreift und den Bürger als souveränen Verbraucher und nicht als vor verbeamteten "Hoheiten" knienden Bittsteller ("Staats-Bürger").
Die von uns als Alternative favorisierte Gesellschaft ist die staatsfreie Bürgergesellschaft. Niemand kann sich die Gesellschaft aussuchen, in die er hineingeboren wird. Sie ist vorgegeben. Umso dringlicher erscheint es, eine gesellschaftspolitische Organisationsform zu haben, die es jedem im Entwicklungsstadium voll ausgebildeter Bewusstheit leicht macht, dem Schicksal des Hineingeborenseins nachträglich seine volle Zustimmung zu geben. Mit unserem Plädoyer für die Bürgergesellschaft wollen wir keine neue Gottheit zur Anbetung empfehlen. Solche Anbetung sehen wir eher dort, wo das Bestehende tabuisiert und mystifiziert wird und wo aus der Tatsache, dass keiner Anstalten macht, politische Gesellschaftlichkeit zu verändern, geschlossen wird, dass mit dieser soweit alles in Ordnung sei.
Einer wahrhaften Bürgergesellschaft steht der Staat im Wege. Sie wird eine Gesellschaft ohne Staat sein müssen. Dass solche Vorstellung automatisch zur baldigen Auflösung heutiger Staaten führe, darf nicht erwartet werden. Solange sich die Untertanen in ihrer Rolle als "Staats-Bürger" von politischen Funktionärsgangs klaglos wie eine Vieherde hin und her stoßen lassen, ist eine Änderung der politischen Verhältnisse nicht in Sicht. Das Ende der Staaten würde erst eingeleitet, wenn die Untertanen damit begännen, ihr politisches Verhalten zu ändern und - infolge dessen - zu wahren Bürgern zu werden. Der Staat kann als Staat nur überleben auf den Schultern eines unterwürfigen "Souveräns", eines ihn duldsam tragenden Volkes.
Steuerverschwendung in Milliardenhöhe, horrende öffentliche Verschuldung, Parteienfilz, Ämterpatronage, Inkompetenz der politischen Eliten und vieles andere mehr sind Schlagworte, die schon so oft durch die Medien geisterten, dass unsere wache Aufmerksamkeit inzwischen müde, unsere Wut flau und unser Widerstandswille gebrochen ist. - Gibt es keine akzeptablen gesellschaftspolitischen Alternativen? Müssen wir es bei dem bloß blässlichen Wunsch nach Änderung unserer Verhältnisse bewenden lassen? - Keineswegs! Das bislang über die Möglichkeiten politischer Erneuerung Gesagte stimmt uns nicht traurig. Wir sehen einen Silberstreif am Horizont: Für eine Gesellschaft ohne "Hoheitlichkeit" und ohne "Hoheiten", für eine wahre Bürgergesellschaft also, gibt es Hoffnung erweckende Perspektiven. Dies wäre eine Gesellschaft, die größten Wert auf die Entflechtung politischer Macht legt. Anstelle des Staatskonzerns hätte sie nur ein paar getrennt voneinander agierende und abgeschlankte politische Dienstleistungsmonopole. Diese würden durch (von den jeweiligen Nutzern!) ausgewählte Fachkompetenz strengstens kontrolliert. Außerdem: Jede Art von Gebotsdiktatur hätte in einer solchen Gesellschaft keinen Platz. Selbstbestimmung hätte absolute Priorität. Oberster Rechtsgrundsatz wäre: das für alle gleiche Recht auf freie Lebensentfaltung.
Die Form, in der politische Regie und Kontrolle heute stattfindet, nämlich als Parteiparlamentarismus, wird in einer Gesellschaft wahrhaft frei gesinnter Bürger nicht durchzuhalten sein. Eine bestimmte, und zwar basisnahe Form von Demokratie wird sie dennoch entwickeln, eine Form allerdings, die den Namen Demokratie wirklich verdient. Dies setzt ein neuartiges Modell für die Auswahl politischer Regie voraus, ein Modell, das mit den heute üblichen Vorstellungen über das so genannte "Wählen" nichts mehr zu tun hat.
Wahrhafte gesellschaftspolitische Souveränität begänne also mit einem Tabubruch der besonderen Art: dem Entwurf einer politischen Gesellschaftlichkeit ohne Staat, also einer völlig neuartigen politischen Verfassung der Gesellschaft. Manch einer von uns möchte solchem Ansinnen sicher mit einem Aufschrei der Entrüstung begegnen. Eine Gesellschaft ohne "Regierung" und ohne "Staat" zu proklamieren, dürfte weithin Kopfschütteln, wenn nicht sogar Empörung auslösen. Denn die Gewöhnung an "Vater Staat" ist etwas überaus Nachhaltiges. Eine Gesellschaft ohne Staat? - Für die meisten (wenn auch sonst so "kritischen"!) Zeitgenossen völlig undenkbar! Von keinem der Vertreter des öffentlichen Bewusstseins - selbst derer aus dem gesellschaftspolitischen Kritikerlager - ist zu vernehmen, dass er sich eine funktionierende Gesellschaft ohne Staat vorstellen könnte. Des ungeachtet gilt:
* "Das größte Problem, nicht nur in Amerika, nicht nur in Russland, nein, auf der ganzen Welt, ist dieses: Wie können wir den Bürger schützen vor dem modernen Staat?"
* "Es gehört nicht notwendig zum Menschen, einen Staat zu haben; aber es gehört zum Menschen, mit anderen zusammenzuarbeiten, weil er als Einzelner die Aufgaben, die ihm das Leben und sein Geist stellt, nicht bewältigen kann."
* "Der Staatsapparat ist ein Zwangs- und Unterdrückungsapparat. Das Wesen der Staatstätigkeit ist, Menschen durch Gewaltanwendung oder Gewaltandrohung zu zwingen, sich anders zu verhalten, als sie sich aus freiem Antriebe verhalten würden."
"Der Staat ist die von Gott gestiftete Erhaltensordnung." Eine solche Sentenz zu äußern, blieb niemand anderem vorbehalten als Fabian von Schlabrendorff, einem staatspolitischen Erfolgsmenschen, der - nicht zufällig übrigens - laufbahnmäßig bis ganz nach oben kam. Er hat es nämlich bis zum Verfassungsrichter gebracht. Seine forsche Äußerung über die Gottesstiftung ist beileibe nicht überall auf fruchtbaren Boden gefallen. Denn die diesbezüglichen Meinungen gehen weit auseinander. Schon vor vielen Jahrzehnten konnte man Sätze lesen wie die:
* "Immerhin hat das den Staat zur Hölle gemacht, dass ihn der Mensch zu seinem Himmel machen wollte." (Friedrich Hölderlin)
* "Der grausamste, unheilvollste Aberglaube ist das Vaterland, der Staat." (Leo Tolstoi)
* "’Auf der Erde ist nichts Größeres als ich: der ordnende Finger bin ich Gottes’ - also brüllt das Untier. Und nicht nur Langgeohrte und Kurzgeäugte sinken auf die Knie!" (Friedrich Nietzsche über den Staat)
Der Staat wird nicht selten so hingestellt, als sei er etwas Naturgegebenes. Blasphemiker versteigen sich sogar zu der These, der Staat sei Gotteswerk (s.o.). Demgegenüber muss daran erinnert werden, dass die Menschheit auch noch nach ihrer Vertreibung aus dem Paradies ohne "hoheitliche" Obrigkeit zurechtkam. - "Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?" lautete eine der Parolen der Bauernkriegszeit, einer Periode, in der auf deutschem Boden die Notwendigkeit einer von der übrigen Gesellschaft mitversorgten Obrigkeit zum ersten Mal massiv in Frage gestellt wurde.
"Die ’unbefleckte Empfängnis’ des Staates gibt es nicht. Weder seine Entstehung, noch der weitere Verlauf seiner Entwicklung kann auch nur entfernt den Eindruck vermitteln, dass der Staat zum Schutze der Freiheit des Einzelnen da sei. Erfüllt er diese Aufgabe doch ab und zu, und mehr schlecht als recht, so hat dies nur etwas mit Relikten aus vorstaatlicher Zeit zu tun, die eher ein Fremdkörper in seinem Gefüge sind." (Detmar Doering) Einen Staat als Staat verwerfen, das meint nicht das Aufzeigen irgendwelcher Fehler oder Missgestaltungen am Staat. Es meint nicht die Entehrung, Befleckung oder Beleidigung des Staates. Es meint auch nicht das Nörgeln und Herumzerren an bestimmten staatlichen Machthabern. Es meint ganz nüchtern das absolute Aus des Staates in seiner Rolle als Bezugsgröße positiven persönlichen Verhaltens. Und wo der Staat gestorben ist, "weckt ihn keiner wieder auf" (Erhard Eppler).
Der Gedanke an das Aus des Staates ängstigt viele. Die Angst wird von den Staatsprofitlern kräftig geschürt. Denn auch hier ist es wie überall: "Den Lohn der Angst kassieren die Angstmacher" (Jürgen Blum). Unter dem Druck aufgeblähter Warnungen vor Anarchie und Chaos ziehen auch die weiter am Karren des Staates, die ihm eigentlich längst die Faust zeigen wollten: Was soll werden ohne Staat? Muss nicht alles in einem politischen Hexensabbat enden? - Der Staat, dieses Relikt "aus der guten alten Zeit", hat seinen Zenit überschritten. Bald wird seine Stunde schlagen. Der Staat ist ein längst fälliges Auslaufmodell. - Hat es nicht in erster Linie mit der Verschlafenheit unseres Geistes und der Richtungslosigkeit unserer Sinne zu tun, dass wir das Unikum "Staat" überhaupt noch dulden?
Die Tage des hoheitlichen Spuks sind gezählt. Eines Tages wird der schon von Max Stirner vorgeprägte Leitspruch einer schlüssigen Humanität: "Ich bin der Mensch" (und sonst gar nichts!!) gesamtgesellschaftlich Oberwasser bekommen und ähnlich wie der Leitspruch der Demokratie: "Wir sind das Volk" eine zwar bis an die Zähne bewaffnete aber politisch abgewirtschaftete Regierungsmacht gewaltfrei in die Knie zwingen.
Je mehr Menschen die Unstimmigkeit der Staatspolitik empfinden und - in welcher Form auch immer - die Flucht vor ihr ergreifen, desto mehr gerät das System ins Strudeln. Schon heute kann es nur am Laufen gehalten werden, indem (wie bei den Nazis) - in schwesterlicher Eintracht mit der Gewaltandrohung - die Gesinnungsethik strapaziert wird. Der Staat hat die Verantwortungsethik längst durch eine scheinheilige Gesinnungsethik ersetzt (N. Walter).
Die Speerspitzen des Zeitgeists sind dabei, auf allen Gebieten des Staatswesens einen Sichtwechsel zu vollziehen. Zwar hinkt das professionell-theoretisierende Bewußtsein staatsbeamteter Wissenschaft dieser Entwicklung weit hinterher. Es vermochte bisher nicht, ihr in vernünftigem Abstand zu folgen. So steht es ihr unvorbereitet und vermutlich bald auch hilflos gegenüber. - Aber hervorragende Autoren weitab vom Karavanenzug hoheitlicher Geistpotenz haben bereits eine Fülle überzeugender Argumente gegen die gesellschaftliche Berechtigung des Staates vorgelegt. Über das theoretische Aus des Staates bedarf es eigentlich keines Disputs mehr.
Aber auch praktisch ist der Staatsbetrieb vielerorts schon am Ende. Das zeigt sich einstweilen zwar erst in punktuellen Verweigerungsakten. Aber solche Akte nehmen zu. Z.B. finden in Deutschland schon 16% aller wirtschaftlichen Leistungen jenseits des fiskalischen Zugriffs des Staates statt.
Es sind die hausgemachten Systemmängel selber, die den Staat zermürben. Nicht der "störrische Bürger" also, nicht die "skandalgeile Presse", nicht die "zähe Bürokratie" stellen die Fallen, in die die altersschwache Staatspolitik immer mehr hineintappt. Sie geht an ihren eigenen Widersprüchen zugrunde. Sie wird vielleicht Erholungsphasen durchlaufen. Die unbeugsame Kraft dynamisch wirtschaftender Menschen wird dem Staat einige Zeit noch die Mittel zuspielen, die sein Leben verlängern. Aber irgendwann ist Schluss.
Sicher werden noch Jahre darüber ins Land gehen, bis der Staat so morbide geworden ist, dass viele Bürger die Notwendigkeit erkennen, ihre gesellschaftspolitischen Angelegenheiten unter eigene Regie zu nehmen und bereit sind, die umfangreiche und aufreibende Vorarbeit dafür zu leisten. Erst dann wäre der Weg frei für eine wahre Bürgergesellschaft. Aber bevor nur ein Anflug von Chance für einen solchen Bewusstseinswandel besteht, vergeht eben Zeit. Und je mehr Zeit unter der Ägide der Staatsgesellschaften vergeht, desto mehr geht die Entwicklung in Richtung eines einheitlichen Weltstaats.
Dass eines Tages die Nationalstaaten zu einem globalen Gesamtgebilde verwachsen könnten und auf diese Weise die auch von mir ersehnte Kosmopolitik in die Hände eines Superstaates gelangte, ist eine Horrorvision für mich. Dann wäre Kosmopolitik nur über den Staat zu haben, einen Staat zudem, der eine ungeheure Macht bei sich bündelte. Dem muß die Menschheit zuvorkommen, wenn sie nicht in das unwürdigste Helotentum ihrer Geschichte fallen will.
Weil der Staat den Keim seines Untergangs schon in sich trägt, sitzt er auf einer Zeitbombe - vielleicht nicht einmal ahnungslos. Sein Überleben ist zwar vorläufig noch durch die "Bajonette der Exekutive" und die Dynamik wirtschaftender Menschen gesichert. Seine Finanzstrategen müßten Genies der Torheit sein, würden sie - ein solches Potential hinter sich - das Schiff nicht noch eine Weile schaukeln könnten. Trotzdem: ein Zurückdrehen des Rades der Geschichte ist nicht möglich.
Das kollektive Wohlgefühl innerhalb des "Gemeinwesens" ist längst kollektiver Ungeduld und Skepsis gewichen. Sogar im Lager der "Experten" breitet sich Unmut aus. Die Menschengesellschaft scheint dazu verdammt - die Vorgänge im ehemaligen Ostblock seit 1989 beweisen es einmal mehr - sich näher und näher an die Prinzipien ihres gesellschaftlichen Wesens heranzutasten. Seien die Umwege auch noch so groß und die Opfer noch so zahlreich. Offenbar ist die politische Entwicklungsrichtung langfristig vorgezeichnet: weg von der Staatsgesellschaft - hin zu einer wahrhaften Bürgergesellschaft. Insofern dürfte jeder einzelne Versuch, dieser Idee näher zu kommen, von der Geschichte belohnt werden.
Der Weg
Ein Rückbau des Staats ist politisch unmöglich. Der Staat muss weiter und weiter und weiter - bis er sich ausgewütet hat, d.h. bis zum bitteren Ende. Und das Ende wird kommen. Warum? - Der Staat wird an der Größe der an ihn gestellten und von ihm provozierten Erwartungen allmählich ersticken. Das macht Hoffnung auf ein einigermaßen "natürliches" Ende des Staates.
Das Beste, was der Gesellschaft passieren kann, ist das Ableben des Staates auf "natürliche" Weise: wenn er aus sich selbst heraus kraftlos zusammensinkt. Aber trotz aller Hoffnung auf solch ein gewissermaßen natürliches Ende: ganz ausgeschlossen ist es nicht, daß der Staat eines Tages doch noch an einem seiner vielen Stolpersteine tödlich verunglückt, also eines "unnatürlichen" Todes stirbt. Dann würde allerdings - schonungsloser als sonst - das ganze Ausmaß des von ihm hinterlassenen Elends und die Hilflosigkeit derjenigen, die auf ihn guten Glaubens bauten, auf einen Schlag offen zutage treten. Das wäre eine Wehklageveranstaltung wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. - Sogar ein Blutbad wäre nicht auszuschließen. (Uwe Timm) Da ich den obengenannten Text im "Großen & Ganzen" zum Thema "Staat" erhellend finde - Uwe Timm aber im Grunde ein - neoliberaler, sogenannter IndividualFDPanarchist ist, (was immer das sein mag)...???...hier gleich zur Aufklärung ein Text, gegen den Neoliberalismus! G.F.
Der Neoliberalismus als eine neue kapitalistische Formation bedeutet kein Abschied vom Sozialstaat, sondern nur ein Umbau, der eine Ökonomisierung des Sozialen bedeutet, d.h. auch daß der Staatsrassismus nicht mit dem Neoliberalismus verschwinden wird, sondern ebenfalls eine neue Dimension erreichen wird. Eine Frage wird sein, wie sich die Entwicklung der Gentechnologie auf die Privatisierung der Versicherungstechnologien auswirken wird: „Die fortschreitende Entschlüsselung des Genoms produziert immer mehr genetische Dispositionen, Mutationen und Krankheitsrisiken“ (Lemke 2000, 237).
Die Faust? -
Ist eine Abwandlung des Anarcho-Symbols des schwarzen Kreuzes mit Faust, das Symbol der Anarchistischen Organisation zur Eliminierung aller Gefängnisse, welches seinen Ursprung im Russland des Zarenreiches hatte. Symbolik der Faust: "Einheit - viele schwache Finger können sich vereinen, um eine starke Faust zu bilden" (in diesem Sinne wird das Symbol der Faust auch von anderen politischen Organisationen verwendet). Über die Jahre habe ich häufig Gefangene besucht. Ich verbrachte auch einen Tag in Block Neun, dem Hochsicherheitstrakt des berüchtigten Walpole-Gefängnisses in Massachussets. Ich habe in mehreren Gefängnissen unterrichtet. Ich bin überzeugt davon, dass die Gefängnisse dazu dienen, den Schein zu erwecken, dass das Kriminalitätsproblem gelöst wird. Den Kriminalitätsopfern ist damit nicht geholfen. Das Prinzip der Vergeltung wird so perpetuiert, an der Gewaltspirale wird weitergedreht. Das Gefängnis ist ein grausamer und untauglicher Ersatz für die Beseitigung der Ursachen der meisten Verbrechen, die bestraft werden - Armut, Arbeitslosigkeit, Verzweiflung, Rassismus, Gier. Die Verbrechen der Reichen und Mächtigen bleiben meist straflos. Es ist ein Beispiel unbeugsamer Haltung, dass Frauen und Männer, wenn es auch nicht besonders viele sein mögen, die Hölle des Gefängssystems überleben und an ihrer Menschlichkeit festhalten. (HOWARD ZINN)
Zeitgenosse ist, wer wie wir selbst noch keine Zeit hatte, eine Autorität zu werden. Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder der Partei - mögen sie noch so zahlreich sein - ist keine Freiheit, "FREIHEIT ist immer nur die Freiheit DER ANDERSDENKENDEN"- (Rosa Luxemburg)
Arbeitsdisziplin?
In früheren Zeiten diente die Polizei einem Produktionssystem, das ausreichend willige Arbeitskräfte brauchte. Die Justiz strafte die Herumlungerer, und ihre Vertreter trieben sie mit dem Bajonett in die Fabriken. So proletarisierte die europäische Industriegesellschaft ihre Bauern und konnte in den Städten die Arbeitsdisziplin aufrecht erhalten. Wie kann heutzutage die Disziplin der Arbeitslosigkeit aufrecht erhalten werden? Welche Gehorsamstechniken können gegen die wachsenden Massen wirken, die keine Arbeit haben, noch jemals eine haben werden? Was macht man mit den Ertrinkenden, wenn es so viele sind, damit ihr Um-Sich-Schlagen nicht das ganze Schiff untergehen läßt? In der heutigen Zeit ist die "Staatsräson" die Räson der Finanzmärkte, die die Welt lenken und nichts weiter produzieren als Spekulation. Marcos der Sprecher der Indion von Chiapas, hat das Geschehen mit den passenden Worten beschrieben: Wir wohnen, so hat er gesagt, dem "Striptease" des Staates bei; der Staat legt alles ab, außer seiner unverzichtbaren Unterhose, der Repression. Die Stunde der Wahrheit: Schuster, bleib´bei deinen Leisten. Der Staat verdient die Existenz nur noch, um die Auslandsschuld zu zahlen und den sozialen Frieden zu garantieren. EDUARDO GALEANO "Das Leben und die Zeit des Menschen sind nicht von Natur aus Arbeit, sie sind Lust, Unstetigkeit, Fest, Ruhe, Bedürfnisse, Zufälle, Begierden, Gewalttätigkeiten, Räubereien etc. Und diese ganze explosive, augenblicklickhafte und diskontinuierliche Energie muss das Kapital in kontinuierliche und fortlaufend auf dem Markt angebotene Arbeitskraft transformieren. Das Kapital muss das Leben in Arbeitskraft synthetisieren, was Zwang impliziert: den des Systems in Beschlagnahme." Michel Foucault Im Jahre1994 sprang in Laguna Beach, Südkalifornien, ein Hirsch aus dem Wald. Der Hirsch lief durch die Straßen und prallte gegen die Autos, sprang dann über einen Zaun und durch ein Küchenfenster, lief in ein Hotel und raste, rot vom eigenen Blut, an den verblüfften Gästen der Restaurants am Strand vorbei. Dann stürzte er sich ins Meer. Die Polizei zog ihn mit Seilen aus dem Wasser, wo er schließlich verblutete. Er ist einfach durchgedreht, erklärten die Polizisten. Ein Jahr später stahl in San Diego, ebenfalls in Südkalifornien, ein Vietnamkriegsveteran einen Panzer aus einem Waffenlager. Mit dem Panzer walzte er vierzig Autos platt, brachte ein paar Brücken zum Einsturz und raste auf alles zu, was sich ihm in den Weg stellte, während ihn die Polizei mit Streifenwagen verfolgte. Als er an einer Böschung hängenblieb, stürmte die Polizei den Panzer, öffnete die Luke und erschoss den Mann, der einmal Soldat gewesen war. Die Fernsehzuschauer konnten das Spektakel live miterleben. Er ist einfach durchgedreht, erklärten die Polizisten. Tiere und Menschen können also, wenn sie momentan überlastet, gestresst oder durch frühere Erlebnisse traumatisiert sind durchdrehen? G.F.    10 Gebote, um den Planeten, die Menschheit und das Leben zu retten Von Evo Morales Ayma, Präsident der Republik Bolivien
1. Mit dem Kapitalismus aufhören Um den Planeten, das Leben und die menschliche Spezies zu erhalten, müssen wir mit dem Kapitalismus aufhören. Es ist Zeit, die finanziellen Schulden des Südens gegen die ökologischen Schulden des Nordens aufzurechnen.
2. Auf Kriege verzichten Nichts und niemand kann sich aus einem Krieg ausschließen. Die Kriege sind die größte Verschwendung und Plünderung von Leben und der natürlichen Ressourcen. Wir, die indigenen Völker des Planeten, müssen der Welt sagen, dass wir glauben, dass die Millionen und Millionen von Dollar, die heute in die Industrie des Todes investiert werden, in einen großen gemeinsamen Fonds gehen sollten, um den Planeten, die Menschheit und das Leben zu retten.
3. Eine Welt ohne Imperialismus und Kolonialismus Das kapitalistische System trägt in seinen Eingeweiden den Imperialismus und den Kolonialismus. Den anderen zu beherrschen, den anderen zu unterwerfen, den anderen zu kontrollieren und den anderen unterzuordnen sind die Formen des „Lebens“ dieses Modells der „Entwicklung“, die auf der Konkurrenz basiert und nicht auf der Ergänzung/Vollständigkeit.
4. Das Wasser als Recht aller Lebewesen Ohne Wasser gibt es kein Leben. Der Grundwasservorrat geht weltweit zurück. Um uns mit dieser Weltkrise des Wassers auseinanderzusetzen, müssen wir damit anfangen, den Zugang zu Wasser als Menschenrecht zu erklären und folglich als eine öffentliche Dienstleistung, die nicht privatisiert werden kann. Wenn das Wasser privatisiert und vermarktet wird, können wir kein Wasser für alle garantieren. Es ist fundamental, den Zugang zu Wasser zum Menschenrecht zu erklären.
5. Saubere und umweltfreundliche Energiearten Einige Daten ermöglichen uns zu verstehen, was in der Welt im Hinblick auf die Anwendung von Energie und ihre Beziehung zur Natur vor sich geht. Die Entwicklung sauberer und umweltfreundlicher Energien ist eine weitere grundlegende Aufgabe zur Rettung des Planeten, der Menschheit und des Lebens.
6. Achtung vor der Mutter Erde Der Schändung unserer Mutter Erde und aller ihrer Lebewesen werden wir mit der Kraft der Erkenntnis und der Liebe zur Schöpfung entgegenwirken. Die Erde kann nicht nur als eine natürliche Ressource angesehen werden. Wir respektieren die Natur, ehren unsere Mutter Erde und erkennen die Naturgesetze als höchstes Gesetz an.
7. Die Grunddienstleistungen als Menschenrecht Der Zugang zu Wasser, Energie, Bildung, Kommunikation, Gesundheit und Transport ist ein Grundrecht, das jeder Staat seiner Bevölkerung als grundlegendes Menschenrecht garantieren muss. Diese Dienstleistungen können nicht zu privaten Geschäften gemacht werden. Sie müssen zur Grundlage der öffentlichen Dienste werden.
8. Verbrauchen, was notwendig ist, und Konsum des lokal Produzierten Wir müssen Schluss machen mit dem Konsumismus, der Verschwendung und dem Luxus. Im ärmeren Teil des Planeten verhungern jedes Jahr Millionen Menschen; gleichzeitig werden im reicheren Teil des Planeten Millionen Dollar ausgegeben, um die Fettleibigkeit zu bekämpfen. Wir verbrauchen im Exzess, wir vergeuden Naturressourcen und produzieren Müll, der die Mutter Erde vergiftet. Verbrauchen, was notwendig ist, und dem Verbrauch dessen, was wir lokal produzieren, den Vorrang geben, das ist von erstrangiger Bedeutung, um den Planeten, die Menschheit und das Leben zu retten. 9. Respekt vor kultureller und wirtschaftlicher Vielfalt Der Kapitalismus reduziert die Menschen auf ein Leben als Konsumenten. Wir – die indigenen Völker dieses Planeten – glauben nicht an Einheitslösungen für alle. Menschen sind verschieden. Wir leben in Gemeinschaften mit Identitäten, mit eigenen Kulturen. Eine Kultur zu zerstören, die Identität eines Volkes anzugreifen – das ist der größte Schaden, den man der Menschheit zufügen kann.
10. „Vivir Bien“ – das gute Leben Wir – die indigenen Völker dieses Planeten – wollen einen Beitrag leisten für eine gerechte, vielfältige und ausgeglichene Welt, die einschließt und nicht ausgrenzt. Wir sagen „Vivir Bien“ – das gute Leben.
Ich denke, dass wir Menschen unsere Wurzeln wiederentdecken können – und sollten. Ich glaube daran, dass die Menschheit eine gerechtere Welt aufbauen kann. Eine vielfältige Welt, eine Welt, die integriert und ausgeglichen ist, eine Welt im Einklang mit der Natur, mit der Mutter Erde. Boliviens Initiative für einen internationalen Tag der Mutter Erde
Vorschlag zur Ausrufung des „Internationalen Tags der Mutter Erde“ durch die Regierung Boliviens auf der UN-Generalversammlung 2009:
Die Regierung Boliviens schlägt der Generalversammlung der Vereinten Nationen vor, die Resolution zur Ausrufung des Internationalen Tags der Mutter Erde, der an jedem 22. April gefeiert werden soll, anzunehmen. Diese Initiative beabsichtigt besonders: – Ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass alle Menschen ein Recht auf gesundes Leben in Harmonie mit der Natur haben, so wie es die Deklaration von Rio 1992 über Umwelt und Entwicklung bestimmt. – Das Bewusstsein für die große Bedeutung des Schutzes unseres Planeten, der das Zuhause aller Lebewesen und die Quelle allen Lebens selbst ist. – Über die Zusammenhänge, die zwischen den Menschen, anderen Lebewesen und unserem Planeten bestehen, zu reflektieren. Dies sollte aus dem Verständnis heraus geschehen, dass sowohl die Menschen als auch die Umwelt Teil desselben Systems sind. – Warum der 22. April? Gegenwärtig gibt es bei den Vereinten Nationen keinen Tag der Mutter Erde. Es gibt einen Internationalen Tag der Umwelt, der sich auf den Schutz der natürlichen Ressourcen bezieht, doch gibt es bisher noch keine Gelegenheit, zu der die Erde als Ganzes und wir Menschen als Teil derselben geehrt werden. Viele Länder auf der Erde haben bereits seit 1970 den 22. April als Tag der Erde gefeiert. Der „Internationale Tag der Mutter Erde“ beabsichtigt keineswegs, diesen Tag zu ersetzen. Vielmehr soll dieser Tag gestärkt auf Grundlage der gegenwärtigen Realität reinterpretiert werden. Der Internationale Tag der Mutter Erde fördert eine Vision von der Erde als eine Einheit, die alle Lebewesen, die in unserer Natur existieren, am Leben erhält. In diesen Zeiten des wachsenden Interesses an der Umwelt, akzentuiert diese Vision die Idee eines Lebens im Gleichgewicht und in Harmonie mit der Natur, die unser aller Zuhause ist. ♠
Internet Auf den Seiten der Lateinamerika-Nachrichten finden sich mehrere lesenswerte Interviews über die neue Verfassung Boliviens, so etwa mit dem Schriftsteller Ramón Rocha Monroy, mit der indigenen Präsidentin der verfassungsgebenden Versammlung Sylvia Lazarte, aber auch mit dem radikalen Indigéna-Aktivisten Felipe Quispe Huanca, einem wichtigen Kritiker von Evo Morales: www.lateinamerikanachrichten.de Noch mehr Informationen zur Entwicklung in Bolivien und ganz Lateinamerika gibt es zum Beispiel bei der Informationsstelle Leiteinamerika (www.ila-bonn.de/lateinamerika/home.htm) bei www.bolivialine.de oder beim „Nachrichtenpool Lateinamerika“ (www.npla.de) wissenschaft & umwelt INTERDISZIPLINÄR 13/2009 Vorwort von Gunther Tichy Nachhaltiges Wachstum? Zum Thema dieses Hefts Das Thema dieses Hefts gehört zu den am heftigsten umstrittenen und am kontroversesten diskutierten unserer Zeit. Als Herausgeber haben wir mit den hier versammelten Beiträgen versucht, die Vielfalt der Standpunkte zum Ausdruck zu bringen: Neben den (Wachstums-)Experten und Expertinnen aus dem Feld der Ökonomie kommen auch Disziplinen wie Ökologie, Politologie, Soziologie und Interessenvertreter zu Wort. Die Komplexität und Grenzenlosigkeit des Themas sowie die unterschiedlichen Positionen der Beiträge machen einen einleitenden Problemaufriss erforderlich, in dem das Thema in einen größeren Zusammenhang gestellt und zugleich abgegrenzt wird; dem musste das traditionelle Editorial zum Opfer fallen. Die Charakterisierung der einzelnen Beiträge wurde in die Einleitungen der jeweiligen Abschnitte verlagert. Das Thema nachhaltiges Wachstum lässt sich aus mindestens fünf Gründen außerordentlich schwer abgrenzen: Erstens gibt es keine klare und unumstrittene Definition von Nachhaltigkeit. Zweitens sind Diskussionen über (Wirtschafts-)Wachstum und Nachhaltigkeit extrem ideologiebehaftet – die unterschiedlichen Standpunkte spiegeln vielfach eher Werturteile als intersubjektiv überprüfbare Fakten. Während für diejenigen am einen Extrem des Spektrums der aus Kapitalismus und Geldwesen resultierende Wachstumszwang die entscheidende Ursache der Probleme ist, sehen jene am anderen Ende des Spektrums gerade in der innovativen Dynamik der Marktwirtschaft die einzige Chance für eine Lösung unserer Probleme. Diskussionen über nachhaltiges Wachstum zeigen daher eine starke Tendenz, rasch und unvermittelt in Grundsatzdebatten über Wirtschaftssysteme überzugehen, in denen Nachhaltigkeit zu einem Nebenaspekt wird. Drittens kann man bei der Auseinandersetzung mit nachhaltigem Wachstum kaum von der Frage nach den Grenzen des Wachstums absehen. Wie stark der emissionsbedingte Klimawandel ausfallen und welche Folgen er wo haben wird, ob, wie weit und wie rasch der technische Fortschritt Substitute für nicht erneuerbare Ressourcen schaffen kann, inwieweit Märkte und Konsumenten bereits gesättigt sind oder jedenfalls in naher Zukunft sein werden, sodass Bedürfnisse bloß noch „künstlich“ geschaffen werden könnten – all das sind Fragen, die allein schon Bände füllen könnten. Viertens fehlt es in Europa seit Beginn der Industriellen Revolution an Erfahrung mit Perioden ohne Wachstum, und die Erfahrungen aus den vorhergehenden Perioden der frühen Neuzeit und des Mittelalters – oder aus der Geschichte der asiatischen Länder(1) – sind weder attraktiv noch ohne weiteres auf unsere Welt übertragbar. Das müsste eigentlich Anlass zu einer breiten Diskussion der historischen Erfahrungen mit langsamem Wachstum geben: Unter welchen Voraussetzungen war langsames Wachstum in der Vergangenheit tatsächlich „nachhaltig“? Welche Folgen zog es nach sich? Und wie können seine negativen Begleiterscheinungen vermieden werden? Fünftens schließlich erfordern diejenigen Voraussetzungen und Folgen nachhaltigen Wachstums, über die im Großen und Ganzen Einigkeit und Gewissheit herrscht – Bevölkerungsstagnation, Arbeitsmarkt- und Verteilungsprobleme – eine breite Diskussion. Wie kann das Erste erreicht und das Zweite überwunden werden? Die Herausgeber haben sich entschlossen, das erste Abgrenzungsproblem, die nicht unumstrittene Definition von Nachhaltigkeit, schlichtweg zu ignorieren. Problem zwei, die Kapitalismusdebatte, wird an dieser Stelle kurz umrissen, in den Beiträgen aber im Großen und Ganzen tunlichst vermieden, da ansonsten zu befürchten war, dass sie die für dieses Heft zentrale Nachhaltigkeitsdebatte dominieren würde. Problemkomplex drei, die Wachstumsgrenzen, wird als gegeben angenommen; diese Grenzen und ihre Ursachen werden also dargestellt, aber nicht weiter hinterfragt. Die geschichtliche Erfahrung, Problemkomplex vier, muss vernachlässigt werden, würde angesichts des gegenwärtigen Diskussionsstands auch wenig zu unserer Problemstellung beitragen. Problemkomplex fünf, die nötigen Voraussetzungen und zu erwartenden Schwierigkeiten, vor die uns nachhaltiges Wachstum stellen würde, finden in den Einzelbeiträgen hingegen ausreichend Platz. Die Probleme der gegenwärtigen Wirtschaftskrise werden weder hier noch von den Autorinnen und Autoren eingehend behandelt: Es ist nicht zu erwarten, dass die Krise selbst – und noch weniger die Maßnahmen zu ihrer Überwindung – zur Lösung der längerfristigen Wachstumsprobleme beiträgt. Die Schwerpunkte dieses Heft es liegen also darin, die Notwendigkeit und Möglichkeit nachhaltigen Wachstums darzustellen, die Wahrscheinlichkeit seiner Realisierung abzuschätzen und seine Probleme, seine Folgen sowie Instrumente zur Abschwächung seiner negativen Effekte zu diskutieren. Kapitalismus und Nachhaltigkeit Unser Mangel an historischer Erfahrung mit wachstumslosen Perioden führt zwangsläufi g dazu, dass wir einen unmittelbaren Konnex von Wachstum und Marktwirtschaft sehen – in der eurozentristischen Konzentration auf unsere Moderne (Gegenwart und jüngere Vergangenheit) kennen wir gar nichts anderes. Wird Wachstum kritisiert, geht dies daher nicht selten mit einer Kritik an dem uns vertrauten System von Markt- und Geldwirtschaft einher. Unter den Wachstumskritikern sind es vor allem Ökologen, die dazu tendieren, einen Finanzmarkt-getriebenen Kapitalismus als die entscheidende Ursache des Wachstumszwangs zu sehen. So wie ein Fahrrad oder ein Flugzeug bloß in Bewegung stabil gehalten werden kann, sei Wachstum Voraussetzung für die Stabilität des kapitalistischen Systems. Diese Debatte kann in diesem Heft nicht im Detail verfolgt werden: Erstens würde sie, wie schon erwähnt, zu weit führen und die Nachhaltigkeitsdebatte an den Rand drängen. Zweitens ginge sie am eigentlichen Problem vorbei: Zwar waren „kapitalistische“ Marktwirtschaften in der Realisierung des Wachstumsziels und bei der Erreichung von Wohlstand bisher am effizientesten, aber das bedeutet nicht, dass die kommunistischen Planwirtschaften oder die verschiedenen „Dritten Wege“ weniger wachstumsorientiert gewesen wären – sie waren vielfach sogar noch wachstumssüchtiger, allerdings weniger erfolgreich. Und die wenigen Länder, die glauben, auf Wachstum (und Wohlstand der Bevölkerung) verzichten zu können (Kuba, Nordkorea), taten das nicht mit, sondern markant gegen den Willen des überwiegenden Teils der Bevölkerung. Drittens wird der Einfluss von Finanz- und Geldwesen überschätzt. Zwar ist richtig, dass im angloamerikanischen Modell der Kapitalmarkt und mit ihm eher Fondsmanager als Unternehmer im Zentrum von Entscheidungen stehen, doch gilt das nicht für das europäische Modell.(2) Wenn Systemkritiker behaupten, Wachstum wäre in diesem System eine Notwendigkeit, weil Unternehmen ihre Kredite verzinsen und tilgen müssen, dann übersehen sie, dass diese Kredite bloß aufgenommen wurden, um Wachstum (der Produktion und der Investitionen) zu finanzieren.(3) Schulden sind im Allgemeinen Folge, nicht Ursache des Wachstums. Bei Nullwachstum bestünde kein Bedarf an Kreditfinanzierung der (stagnierenden) Produktion. Überdies mangelt es den systemkritischen Argumenten vielfach an Konsistenz: Manche fordern eine Einschränkung der Geldschöpfung, die das Wachstum sicherlich dämpfen würde, also eine restriktive Wirkung des Geldsystems, andere fordern lokale Währungen vom Schrumpfgeld-Typ, was wohl zu weniger Hortung und höheren Ausgaben, also zu einer expansiven Wirkung des Geldsystems führen würde. Viertens darf aus der Tatsache, dass Marktwirtschaft und Wachstum bisher stets zugleich beobachtet wurden, nicht zwangsläufig geschlossen werden, dass Marktwirtschaft ohne Wachstum unmöglich wäre; allerdings wird meist übersehen, dass eine Marktwirtschaft ohne Wachstum etwas anders aussehen würde: Einige marktwirtschaftliche Mechanismen würden sich automatisch anpassen, andere müssten durch Maßnahmen der Wirtschaftspolitik angepasst werden. Versuchen wir zur Illustration das folgende Gedankenexperiment: Angenommen, es wäre tatsächlich zu einem Kulturwandel gekommen, die Konsumenten wären zur Überzeugung gelangt, dass ein noch schwereres Drittauto, ein noch größerer Fernsehapparat oder der Ersatz der noch durchaus funktionsfähigen Hifi-Anlage durch eine modernere sinnlos wäre; und sie hätten auch eingesehen, dass es noch sinnloser wäre, für solcherart sinnlose Ausgaben auch noch länger zu arbeiten und Überstunden zu machen. Die aus dieser Einsicht resultierende Kaufzurückhaltung bedeutet natürlich, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt und die Produktion zurückgenommen werden muss. Mit der Kapazitätsauslastung sinken auch Beschäftigung und Gewinne. Der Gewinnrückgang ist insofern unproblematisch, als bei langsamerem Wachstum auch weniger investiert werden muss (und kann); bei Nullwachstum müssen Netto-Investition, Zins, Gewinn und Akkumulation gegen Null tendieren. Problematisch hingegen wird die Lage für die Arbeitnehmer sein, da die Beschäftigung ceteris paribus im Ausmaß von Nachfragerückgang plus Produktivitätsfortschritt sinken muss. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die freiwillige Arbeitszeitreduzierung (etwa durch Verzicht auf Überstunden) der erforderlichen Pro-Kopf-Arbeitszeitreduzierung entspräche. Eher werden manche arbeitslos werden und andere – gezwungen oder freiwillig – unverändert lange arbeiten (müssen). Deswegen und als Folge von Strukturproblemen, die sich aus dem nichtlinearen Verlauf des Entschleunigungsprozesses ergeben – manche Branchen und Berufe werden mehr, andere weniger betroffen sein –, werden auch Verteilungsprobleme entstehen, die durch Arbeitszeit- und Verteilungspolitik kompensiert werden müssen.(4) Eine nicht wachsende Marktwirtschaft erscheint somit durchaus nicht unmöglich; ohne wirtschaftspolitische Begleitmaßnahmen besteht jedoch die erhebliche Gefahr von Arbeitslosigkeit und von Verteilungsproblemen. Die Widerstände gegen Nullwachstum liegen daher nicht im System an sich, sie liegen in den Präferenzen des überwiegenden Teils der Beteiligten: in den Präferenzen der Konsumenten, die zumindest bisher Einkommenszuwächse vermehrter Freizeit vorgezogen haben; in denen der Gewerkschaften, die bei niedrigerem Wachstum nicht ohne Grund Arbeitslosigkeit befürchten; der Unternehmer, für die Wachstum von Produktion und Gewinnen als das Erfolgskriterium gilt; aber auch in den Präferenzen der reicheren Hälfte der Bevölkerung, der bewusst ist, dass ohne Wachstum Umverteilung nicht mehr aus dem Zuwachs, sondern allein aus der Substanz möglich ist.(5) Diese Präferenzen zu ändern wird nicht leicht fallen; dennoch mögen diejenigen, die den Umbau von Marktwirtschaft und Geldsystem als Voraussetzung für Nullwachstum sehen, bedenken, dass die Lobbyingkräfte, die eine Systemänderung – Abschaffung der Marktwirtschaft – blockieren, wohl mindestens so stark sind wie diejenigen, die Nullwachstum verhindern wollen; denn: Sofern es eine Hegemonie des Kapitals gibt, Nullwachstum tendiert dazu, sie zu unterminieren! Grenzen des Wachstums – Grenzen des Wohlstands? Grenzen des Wachstums, jedenfalls in der verbreiteten Definition als prozentueller Zuwachs des Bruttoinlandprod ukts (BIP), werden seit langem diskutiert. Es begann mit der Erkenntnis, dass exponentielles Wachstum eine „explosive“ Tendenz zunehmend höherer absoluter Zuwächse bedeutet, eine für die meisten, jedenfalls auf lange Sicht, schwer vorstellbare Entwicklung. Als zweite wichtige Grenze trat die Endlichkeit der meisten Ressourcen hinzu; zunächst waren es die fossilen Energieträger, doch zeigte sich bald, dass das Problem viel tiefer reicht: So bedarf es selbst für die Produktion und Nutzung erneuerbarer Ressourcen und Energieträger ausreichend verfügbarer „Natur“ und vielfach auch für jene nicht erneuerbarer Ressourcen, etwa seltener Metalle. Als dritte und heutzutage sorgenvoll beobachtete Grenze des Wachstums erwiesen sich die Emissionen, die zu der von IPCC und anderen erwarteten Klimaerwärmung führen. Alle Versuche, Ressourcenverbrauch und Emissionen vom Wirtschaftswachstum abzukoppeln, waren bisher bloß beschränkt erfolgreich. Eine vierte, ganz andere Wachstumsgrenze wird von vielen in der Sättigung der Bedürfnisse gesehen; käme es auf diesem Weg tatsächlich zu einer markanten Wachstumsverlangsamung, würden sich viele Probleme quasi automatisch lösen. In der europäischen und US-amerikanischen Realität lassen sich solche Tendenzen jedoch bisher keineswegs erkennen, und in Asien und Afrika lässt sich von Sättigung nicht einmal träumen. Dennoch stellt sich die Frage, ob fortgesetztes BIP-Wachstum, wenn es nicht an andere Grenzen stößt, irgendwann zu einer Sättigung führt; eine vielschichtige Diskussion, bei der es erstens um die Frage geht, ob menschliche Bedürfnisse begrenzt oder unbegrenzt sind – abermals eine Frage, die in diesem Heft nicht einmal andiskutiert werden kann. Die Vertreter der Sättigungsthese meinen, dass ein guter Teil unserer Bedürfnisse nicht ,„echt“, sondern von der Industrie generiert sei; der englische Journalist und Ökonom Fred Hirsch hielt dem schon vor drei Jahrzehnten entgegen, dass es sich bei Bedürfnissen nicht um ein absolutes, sondern um ein relatives Phänomen handle: Man schufte, um mehr und Besseres zu haben als der Nachbar. Doch wenn man es erreicht hat, hat es der Nachbar auch schon, das Spiel geht also weiter und generiert fortlaufend nicht bloß Wachstum, sondern auch Enttäuschungen. Zweitens gilt es zu beachten, dass das BIP für Fragen nach Sättigung und Wohlstand eine ungeeignete Messgröße ist. Wie im ersten Abschnitts dieses Heft s genauer gezeigt wird, misst es bewusst bloß Markttransaktionen – also etwa weder Hausarbeit noch Kindererziehung, häusliche Krankenpfl ege oder Do-ityourself-Aktivitäten –, und es misst bloß Ströme, vernachlässigt also Bestände – der Verbrauch von Umwelt und Ressourcen wirkt daher BIP-steigernd. Das BIP ist somit kein geeigneter Maßstab, um Wohlstand oder Sättigung zu messen, und es war von seinen Erfindern auch nie als solcher gedacht. Weder muss ein steigendes BIP eine Steigerung des Wohlstands bedeuten, noch setzt höherer Wohlstand ein höheres BIP voraus. Das bedeutet drittens, dass eine Entkoppelung von BIP-Wachstum und Wohlstand sehr wohl möglich ist, und darauf beruhen die Hoff nungen auf qualitatives Wachstum: dass mit steigendem Wohlstand allmählich immaterielle Bedürfnisse an die Stelle von materiellen treten. Ob Tempo und Ausmaß dieser Verschiebung allerdings ausreichen werden oder ob es dazu des viel beschworenen, aber kaum je genauer beschriebenen Kulturwandels bedarf und wie dieser zustande kommen soll, muss in diesem Rahmen offen bleiben. Qualitatives oder Null-Wachstum? Der erwartete Wandel von materiellen zu immateriellen Bedürfnissen, die zunehmende Bedeutung von Dienstleistungen und intelligenter technischer Innovationen zur Einsparung von Ressourcen stehen an der Basis des erhofft en Übergangs zu qualitativem Wachstum. Es käme dabei zu einem Wohlstandszuwachs ohne BIP-Wachstum und mit geringerem Ressourcenverbrauch. Vor überzogenen Hoffnungen auf Letzteres wird allerdings anhand des sogenannten Rebound-Effekts gewarnt: Der geringere Verbrauch von Ressourcen lasse deren Preise sinken und führe dadurch zu zusätzlicher Ver(sch)wendung. Der private Personenverkehr etwa habe das deutlich gezeigt: Zwar hätte der spezifische Kraftstoffverbrauch durch den technischen Fortschritt kräftig gesenkt werden können, doch wurde das durch größere, schwerere und allradgetriebene Autos mehr als kompensiert.(6) Qualitatives Wachstum sei daher, nach Ansicht vieler, keine Lösung. Nullwachstum könnte die Ressourcen-, Emissions- und Klimaprobleme eher lösen, doch werden seine Voraussetzungen und Implikationen zumeist unzureichend diskutiert. Es wird gerne verdrängt, dass es sich um weltweites Nullwachstum handeln müsste, und das setzt zunächst einmal ein Nullwachstum der Weltbevölkerung voraus. Die damit verbundenen Probleme lassen sich leicht aufzeigen: Nach der jüngsten UN-Bevölkerungsprognose wird die Weltbevölkerung von derzeit 6,8 Milliarden bis 2050 auf acht bis zehneinhalb Milliarden Menschen anwachsen und sich erst 2070 stabilisieren; selbst wenn jede Frau in den ärmsten Ländern ab sofort nur noch zwei Kinder bekommen würde, wäre – infolge der großen Zahl der Jugendlichen – ein Anwachsen der Bevölkerung dieser Länder um eine Milliarde nicht zu vermeiden. Nullwachstum also erst ab 2070? Und selbst wenn das noch rechtzeitig käme: Was eine Beschränkung der Kinderzahl in Gesellschaften mit derzeit noch hoher Kinderzahl (und schlechter Altersversorgung) bedeutet, kann man ermessen, wenn man die europäische Debatte um die schrumpfende Kinderzahl, den dadurch angeblich bedingten Bedeutungsverlust Europas und die angeblich gefährdete Altersversorgung verfolgt. Nullwachstum impliziert aber nicht bloß Null-Bevölkerungswachstum, sondern auch, und vor allem, eine weltweite drastische Einschränkung von Ressourcenverbrauch und Emissionen. Will (und muss) man den armen Ländern einen Aufholprozess und damit einen größeren Anteil am Ressourcenverbrauch ermöglichen(7), muss die Einschränkung in Europa und Amerika umso stärker ausfallen. Dies nicht zuletzt deshalb, weil eine Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch/Emissionen in den armen aufholenden Ländern in der näheren Zukunft kaum möglich sein wird und der Anteil des besonders problematischen Energieträgers Kohle dort besonders hoch ist. Insofern bedeutet weltweites Nullwachstum eine besondere Herausforderung für Europa im Sinne des Weltwohlstands: Wie kann man in einem (Halb-)Kontinent mit schrumpfender und alternder Gesellschaft Wohlstand und Lebensqualität bei sinkendem Ressourcenverbrauch sichern? Auf ganz lange Sicht halten manche eher physikalisch orientierte Wissenschaftler selbst Nullwachstum für eine nicht nachhaltige Lösung. Recycling wäre stets bloß teilweise möglich, sodass die Lagerstätten konzentrierter Materialien früher oder später ausgebeutet wären; das Material wäre zwar nicht verschwunden, aber als Folge der Recyclingverluste in diffuser Form verstreut (Dissipation) und daher nicht mehr rückholbar. Nicht Null-Wachstum, sondern weltweite Kontraktion müsste daher, ihnen zufolge, das Ziel sein, jedenfalls auf lange Sicht. Wachstumszwang oder Wachstumsdrang? Wie bereits oben erwähnt, muss im System der Marktwirtschaft kein absoluter, unüberwindlicher Wachstumszwang liegen. Das Wachstum würde zwangsläufig reduziert werden, schränkten die Konsumenten ihre Nachfrage ein und verzichteten Geld- und Fiskalpolitik auf expansive Maßnahmen. Die mit Nullwachstum verbundenen negativen Folgen für Arbeitsmarkt und Verteilung müssten allerdings durch Verkürzung der Lebensarbeitszeit und entsprechende Umverteilung abgefedert werden. Das bedeutet jedoch, dass ceteris paribus sehr wohl ein relativer Wachstumszwang besteht, solange der Kulturwandel des Nachfrageverzichts der Konsumenten noch nicht eingetreten ist und die Bereitschaft zu verstärkter internationaler und nationaler Umverteilung ebenso fehlt wie Instrumente zur Verkürzung der Lebensarbeitszeit (der folgende Abschnitt wird auf diese Probleme noch zurückkommen). In gleicher Weise ergibt sich natürlich ein Wachstumszwang aus dem vermutlichen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, solange nicht alle Konkurrenten dieselben Maßnahmen ergreifen. Die Aussage „Kein Wachstumszwang, wenn die Konsumenten auf zusätzliche Nachfrage verzichten und sich das System automatisch anpasst“ weist natürlich auf einen inhärenten Wachstumsdrang hin. Es gehört zu den liebenswerten Wünschen unserer Gesellschaft , dass es die Kinder einmal besser haben sollen, und zu den weniger liebenswerten Eigenschaften, Nachbarn und Freunde im herzeigbaren materiellen Wohlstand übertrumpfen zu wollen. Auch das „bessere Leben der Kinder“ bezieht man zumeist eher auf materielle Güter und eventuell Bildung, und dafür bedarf es höherer Individualeinkommen. Dafür, dass die Zukunft der Kinder nicht durch Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung und Klimaerwärmung gefährdet wird, soll der Staat, die Politik oder Kyoto sorgen, aber bitte nicht auf Kosten des eigenen Einkommens und Lebensstandards. Insofern wird auch nicht Nullwachstum als solches von der Bevölkerung abgelehnt als vielmehr die Instrumente zu seiner Realisierung.(8) Solche Aussagen mögen billig oder sarkastisch erscheinen, doch jeder Ältere möge auf sein Leben zurückblicken; wenn er halbwegs erfolgreich war, auf den Stolz darauf, dass er arm begonnen hat, und es aus eigener Kraft zu etwas gebracht hat. Nicht bloß Personen, auch Länder und Epochen messen ihren Erfolg am jeweiligen Wachstum;(9) anders als etwa die antiken oder asiatischen Kulturen, die die Entwicklung der Weltgeschichte vielfach in Zyklen oder Kreisen sehen,(10) ist die europäische Kultur etwa seit dem 18. Jahrhundert durch lineare Entwicklungsstrukturen und striktes Fortschrittsdenken geprägt. Bedauerlicherweise verbreitet sich dieses „Fortschritts“-Denken immer rascher auch über die übrigen Teile der Welt: Wer wen überholt und wie rasch internationale Einkommensdifferenzen ausgeglichen werden, erscheint wichtiger als das Wohlbefinden als solches. Werden wir den Übergang schaffen? Eines der größten Probleme der Debatte um nachhaltiges Wachstum ist die tiefe Kluft zwischen der breiten Literatur über die physischen Grenzen des Wachstums und die desaströsen Folgen ihrer Überschreitung einerseits, und der unzureichenden Beschäftigung mit potenziellen Strategien zur Erreichung einer nachhaltigen Wirtschaft andererseits. Sind solche überhaupt möglich, und wenn, wie müssten sie aussehen? Manche Autoren oder Autorinnen flüchten in wohlklingende Forderungen, etwa nach einem Kulturwandel, ohne ernsthaft zu überlegen, wie eine solche Strategie konzipiert und implementiert werden könnte;(11) andere träumen in Utopien: in vergangenheitsorientierten wie der Ersetzung der Massenproduktion durch do-it-yourself oder der Rückkehr zu kleinen lokalen autarken Kreisläufen; oder in blauäugigen kommunitaristischer Prägung oder solchen mit Befreiung vom Arbeitszwang. Die „Realisten“ hoffen, einen Richtungswechsel durch Energie- und Emissionssteuern, Emissionszertifikate und verschiedene Regulierungen einleiten zu können. Dem Fehlen realisierbarer und wirksamer Ideen zur Erreichung einer nachhaltigen Art und Weise des Wirtschaftens stehen Abstumpfung und Attentismus – Zusehen und Zuwarten – der Öffentlichkeit gegenüber. Letztere resultieren mit einer gewissen Logik aus der seltsamen Mischung von Horrorszenarien und Fatalismus, mit der die Ökologie an die Öffentlichkeit tritt. Schon 1972 hatte Meadows’ erster Club-of-Rome-Bericht gedroht, die Mitglieder der UN hätten noch etwa ein Jahrzehnt Zeit, sonst würde die Bewältigung der Probleme die menschlichen Fähigkeiten übersteigen (UN-Generalsekretär Sithu U Thant in der Einleitung); heute, 37 Jahre später, hört die Öffentlichkeit nach wie vor, Öl werde in dreißig Jahren ausgehen; das angedrohte Waldsterben ist ebenso ausgeblieben wie andere Horrorszenarien, und so ist es nicht allzu sehr verwunderlich, dass sich die Öffentlichkeit durch Meldungen über die drohende Klimakatastrophe bei gleichzeitigem Fatalismus der Experten(12) nicht ernstlich aus der Ruhe bringen lässt. Es gilt, sehr viel intensiver über realistische Strategien und Instrumente für den Übergang zu Nachhaltigkeit mit oder ohne Wachstum nachzudenken, mehr über das, was man tun kann, und weniger über das, was passieren wird. Ein Kulturwandel im Konsumverhalten der Bevölkerung ist sicherlich eine der unabdingbaren Voraussetzungen für eine Wende, aber ein solcher lässt sich weder durch Fachartikel herbeischreiben noch durch Horrorszenarien erzwingen. Auch wäre es zu einfach, die Schuld auf die Industrie abzuschieben: Die „echten“ Bedürfnisse der Bevölkerung seien längst gedeckt, es gelte nur noch, die Sinnlosigkeit der künstlich geschaffenen bewusst zu machen. Dabei wird die Macht der Industrie erheblich überschätzt: Keineswegs alles, was sie erfindet, anpreist und vermarkten möchte, wird von Bürgerinnen und Bürgern akzeptiert: Die Misserfolge reichen von Atomkraft über US-Autos bis zu genetisch modifizierten Tieren und Lebensmitteln. Der Beitrag der Konsumenten hingegen wird unterschätzt: SUVs, die Benzin fressenden Geländewagen von Städtern, Villen am Waldrand, Dachgeschosswohnungen, Drittwohnungen, Luxusuhren, Designermode können den Konsumenten bloß deswegen eingeredet und verkauft werden, weil dafür tatsächlich ein Bedürfnis besteht: einerseits die Freude, sich diesen Luxus leisten zu können, vor allem aber das Gefühl, es weiter gebracht zu haben als andere und das auch zeigen zu können;(13) die Glücksforschung hat sehr klar herausgearbeitet, dass die Lebenszufriedenheit in wohlhabenden Ländern nicht vom absoluten, sondern vom relativen Einkommen abhängt, von dem, was man mehr hat als andere. Ein Kulturwandel im Nachfrageverhalten, ein Wandel vom demonstrativen zum „notwendigen“ Konsum, ist unter der Voraussetzung, dass gerade die Mode-generierenden Konsumenten eher Protze als Asketen sind, eine heroische Aufgabe. Aufklärung und ethische Appelle allein werden wohl nicht ausreichen, aus kindlichen Verbrauchern, die mit ihrem „Infantilismus“ (Benjamin Barber) und ihren SUVs das Klima zerstören, erwachsene, nachhaltigkeitsorientierte Staatsbürger zu machen; Aufklärung und ethische Appelle konnten auch bisher nicht verhindern, dass die Entwicklung in die falsche Richtung lief – zu mehr statt zu weniger Prestigekonsum. Aufklärung wird durch ein breites Spektrum wirtschaftspolitischer Maßnahmen ergänzt werden müssen, die neue Rahmenbedingungen setzen. Dazu gehört zunächst, dass der Produktivitätsfortschritt in Hinkunft nicht in Einkommen, sondern in Freizeit abgegolten wird. Damit ist aber nicht ein Übergang zur 35- oder 30-Stunden-Woche gemeint; das wäre zu wenig. Es muss um eine Verkürzung der Lebensarbeitszeit, um mehr Zeit für Kindererziehung und Weiterbildung, um neue Arbeitszeitmodelle wie die Vier-Tage-Woche und ähnliche innovative Ansätze gehen. Die Reduzierung der Arbeitszeit erfordert außerdem einen Umbau des Systems der Sozialversicherung, nämlich eine stärkere Finanzierung über Steuern und eine partielle Entkopplung von Pensionsansprüchen und Arbeitszeit. In Ergänzung zur Reform des Arbeitssystems ist eine (deutlich) höhere Besteuerung von Luxuskonsumgütern einerseits, von energie-, emissions- und ressourcenintensiven Produkten andererseits anzudenken,(14) und zwar zur Nachfragesteuerung, aber auch zur Kompensation von Rebound-Effekten. Der Versuch eines Kulturwandels zu nachhaltigem Wachstum durch weniger Einkommen, weniger Konsum und mehr Freizeit hat aber bestenfalls dann Erfolgschancen, wenn es gelingt, die negativen Folgen auf Beschäftigung und Verteilung zu kompensieren. Selbst wenn alle Arbeitnehmer zugleich Lohnzuwachs und Zusatzkonsum gegen Freizeit tauschen würden, wären sie von den Folgen des Nachfrageausfalls unterschiedlich betroffen: In einigen Branchen wird die Nachfrage stärker zurückgehen, sodass Arbeitskräfte freigesetzt werden, in anderen schwächer; die zusätzliche Besteuerung von Luxus- und ressourcenintensiven Gütern wird diese Struktureffekte verstärken. Arbeitsmarkt- und verteilungspolitische Absicherungsmaßnahmen werden daher unverzichtbar sein. Noch viel mehr gilt das alles, wenn man über die nationalen Probleme hinaus an die internationale Beschäftigungs- und Verteilungsproblematik denkt. Es erscheint eher unwahrscheinlich, dass Maßnahmen der hier skizzierten Art in absehbarer Zeit durchdacht, im Detail ausgearbeitet und (vor allem) politisch durchgesetzt werden können. Soziologen glauben sogar, dass das erst nach einer Sequenz von Krisen möglich sein wird. Soweit es die Ressourcenverknappung betrifft, erscheint eine solche Verzögerung weniger problematisch: Die Verknappung wird zwangsläufig zu Preissteigerungen der jeweiligen Ressource und damit zu autonom ablaufenden, wenn auch unangenehmen Anpassungsprozessen führen. Anders liegt der Fall bei Emissionen und Klimawandel: Eine existenzverträgliche Umweltqualität und gemäßigte mittlere Welttemperaturen sind öffentliche Güter, für die Marktautomatismen fehlen; zögerndes Abwarten würde unmittelbar in schwere Probleme führen. Wenn die Prognosen der Klimaforschung und der Pessimismus der Soziologie auch bloß annähernd richtig sind, wird ein potenzieller Kulturwandel vermutlich zu spät kommen. Parallel zu den eben erwähnten Anstrengungen zur Vermeidung des Schlimmsten und nach dem Prinzip „let’s hope the best and expect the worst“ wäre daher ein Plan B zu erwägen. Er müsste die schwersten Schäden der Klimaerwärmung auflisten und präventiv Abhilfemaßnahmen konzipieren – von Dammbauten über Umsiedlungen bis zu gesundheits- und verteilungspolitischen Maßnahmen.(15) Gegen einen solchen Vorschlag kann eingewendet werden, dass er von einer echten Lösung der Probleme ablenkt. Doch könnte gerade eine ernste Diskussion über die konkrete Art, den Umfang und die Lokalisierung der gefährlichsten Schäden die Dramatik der Lage drastisch vor Augen führen; auch sei daran erinnert, dass die Politik allzu oft vor dem Nichts gestanden ist, wenn der einzige existierende Plan gescheitert war und ein Plan B fehlte. Die bisherigen Erfahrungen mit Kyoto, die übliche Wirkungsverzögerung wirtschaftspolitischer Maßnahmen und die herakleische Dimension eines Kulturwandels lassen erhebliche Zweifel aufkommen, dass das Wettrennen gegen die Klimaerwärmung mit den traditionellen Strategien noch gewonnen werden kann. Soweit ein kurzer, leider eher pessimistischer Aufriss der Probleme, die im Folgenden breiter und kontrovers dargestellt werden. Wir hoffen, dass das Heft einen kleinen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leistet. Abschließend verbleibt mir, den Autorinnen und Autoren, den Gutachtern und vor allem meiner Mitherausgeberin herzlich zu danken; es war eine perfekteZusammenarbeit: Ich habe geleitet, sie hat gearbeitet, und die gar nicht seltenen Meinungsdifferenzen konnten immer irgendwie überwunden werden. GUNTHER TICHY, Jg. 1937, Studium der Volkswirtschaftslehre und -politik und der Rechtswissenschaften in Wien und New York; Konsulent am Österr. Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Professor (in Ruhe) für Volkswirtschaftslehre und -politik an der Karl-Franzen-Universität Graz, bis 2005 Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften; Schwerpunkte Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik. E-Mail:
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Von: Benny Haerlin Gut dass man mal drüber geredet hat? Der Welternährungsgipfel der FAO wird in die Geschichte als ein Armutszeugnis internationaler Politik eingehen. Die Weltgemeinschaft der Potentaten und Staatschefs erwies sich einmal mehr als unfähig und unwillg, wirkliche Probleme gemeinsam anzugehen. Ein Vorgeschmack auf Kopenhagen? Die Schlusserklärung wurde bereits in der ersten Sitzung verabschiedet: Floskeln und Allgemeinplätze, Prinzipien und technische Details über die nach wie vor von Eifersucht und Streiterei geprägten internationalen Gremien, die die größte Menschenrechts-Verletzung aller Zeiten, den vermeidbaren Hunger eines Sechstels der Menschheit, weiter verwalten sollen. Zusätzliche Hilfsmittel wurden nicht zugesagt. Wie sich die einzelnen Staaten ihre bisherigen Zusagen zurecht rechnen und wieviel Geld tatsächlich auf dem Tisch liegt, ist selbst Eingeweihten ein Rätsel. Doch die öffentlichen internationalen Mittel, die in die Bekämpfung des Hungers gesteckt werden sollen, sind ohnehin nicht der entscheidende Punkt. Solange Länder wie Indien (ca 270 Millionen Hungernde) ihre durchaus vorhandenen Mittel zur Bekämpfung des Hungers nicht einsetzen und dafür nicht von der Weltgemeinschaft kritisiert werden, so lange die First Ladies aus afrikanischen Ländern, in denen mehr als 20 Prozent der Bevölkerung hungern, nach Rom zum Shoppen [1] kommen und solange die Länder, die den Weltagrarhandel beherrschen, sich durch untere Chargen vertreten lassen, muss von einem globalen Konsens gesprochen werden, den Hunger zu akzeptieren. Erst wenn die städtische Bevölkerung wieder auf die Barrikaden geht, weil neue Preis-Sprünge auch für sie das täglich Brot unerschwinglich machen, werden, wie im vergangenen Jahr, Krisentreffen einberufen werden, die "das Schlimmste" verhindern sollen. Das Schlimmste aber ist nicht der Hungertod von Millionen, das Schlimmste ist die Destabilisierung von Regierungen, die in den vergangenen drei Tagen in Rom ihre Untätigkeit hinter mehr oder weniger wohlklingenden Phrasen zu verstecken suchten. Bis dahin werden sich die FAO und die Weltbank weiter in den Haaren darüber haben, wer denn nun die eigentliche Hoheit über die Hungerprogramme haben soll. Derweil werden reiche Länder in armen Ländern Ackerland aufkaufen [2], um für die eigene Versorgung mit Lebensmitteln oder auch Agrarsprit vorzusorgen. Für die Nichtregierungs-Organisationen am Katzentisch des Gipfels war dies eines der zentralen Themen [3]. Dem FAO-Direktor blieb nur, zu versprechen, "Verhaltensregeln" dafür aufzustellen und gleichzeitig derartige "private Investitionen" zu begrüßen. Ihm stehen nach dem Gipfel nicht mehr Mittel zur Verfügung als zuvor. Dafür soll ein erweitertes Komitee für Ernährungssicherheit [4], erstmals auch unter Einschluss von Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft, über künftige Maßnahmen diskutieren. Über internationale Gelder und Investitionen wird auch in Zukunft anderswo entschieden. Beispielsweise hier: 10 Milliarden Dollar [5] investiert China in die landwirtschaftliche Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten allein in diesem Jahr. Damit könnte es mehr bewirken als alle Reden in Rom zusammen. "Wir können nicht zulassen, dass die Chinesen Afrika aufkaufen," sagte eine NGO-Vertreterin am Rande des Gipfels. Und mit dieser Meinung trifft sie möglicherweise auch die Stimmungslage vieler westlicher Staatschefs. 1,4 Milliarden [6] investierte die Bill & Melinda Gates Foundation unter der Führung eines ehemaligen Vize-Präsidenten von Monsanto in landwirtschaftliche Entwicklungsprojekte und will damit v.a. eine "Grüne Revolution" in Afrika anstoßen. 20 Milliarden [7] soll die Weltbank in einem Treuhand-Fonds der Industriestaaten gegen den Hunger verwalten, ohne einen einzigen Betroffenen an der Aufstellung und Umsetzung der Vergabekriterien zu beteiligen. Mehr zum Thema auf www.weltagrarbericht.de [1] http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,661941,00.html [2] farmlandgrab.org [4] http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2009/nr47/International/18626.html [4] http://pressemitteilungen.epo.de/?p=3613 [5] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,660054,00.html [6] http://blogs.taz.de/saveourseeds/2009/10/19/bill_gates [7] http://www.fian.de/fian/index.php?option=content&task=view&id=664 Benny Haerlin ist Initiator von Save our Seeds, einer europäischen Initiative gegen Gentechnik im Saatgut. http://www.saveourseeds.org/ Antifaschistische/Antirassistische Infos Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) Antifaschistisches Infoblatt (D) Der rechte Rand (D) Antifaschistische Nachrichten (D) Informationsdienst gegen Rechtsextremismus (D) Zag - Zeitschrift antirassistischer Gruppen (D) Für eine Welt ohne Rassismus (Ö) United against racism (europaweites Netzwerk) Rassismus streichen Montag, 25. Januar 2010 “Die eleganteste Form der Diktatur”  Albrecht Müller Albrecht Müllers Buch “Meinungsmache” deckt auf, wie uns die Medien manipulieren. Der ehemalige deutsche Berufspolitiker (SPD) macht deutlich: Medienkompetenz ist heute ein Schlüssel zur geistigen Selbstverteidigung. Wer die Tricks der Meinungsmacher durchschaut, ist gegen aktuelle wie zukünftige Kampagnen immun. Obwohl das Buch schon mehrfach in unserem Magazin erwähnt wurde, hier noch einmal etwas ausführlicher, denn das Thema “Medienmanipulation” ist sehr zentral – auch für die Motivation von “Hinter den Schlagzeilen”. (Roland Rottenfußer, Zitate, wo nicht anders angegeben, von Albrecht Müller)«Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten – wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten –, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.» George Orwell schrieb diese hellsichtigen Sätze in «1984». Und sie sind so aktuell wie eh und je. In modernen gelenkten Demokratien gibt es zwar keine Einheitsparteien mehr, wohl aber eine neoliberalen Meinungs-Monokultur, der fast flächendeckend Einfluss ausübt. Albrecht Müller zeigt in seinem hervorragenden Buch «Meinungsmache», dass Medien durchaus so etwas wie eine vierte Macht im Staat sind – nur derzeit fast immer eine destruktive: «Wo mediale Macht ist, neigt sie immer dazu, sich zu verstärken, weil als Politiker Angst haben muss, bestraft zu werden, wer wider den Stachel löckt». «Einheitsmeinungen» sind auch heute noch im Umlauf. Albrecht Müller gibt ein paar Beispiele für Standardbehauptungen in den Medien: «Die Deutschen müssen sich an mehr Ungleichheit gewöhnen; die Risiken des Lebens müssen privatisiert werden; Unternehmer und Eliten müssen durch niedrige Steuern im Land gehalten werden; die wahren Ausbeuter sitzen in der Unterschicht; ‚Chancengleichheit’ ersetzt eine gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen; die Deutschen müssen in der Welt grössere Verantwortung übernehmen und dazu auch Kampfeinsätze durchführen.» Weitere «alternativlose» Thesen besagen, «Alterarmut sei unabwendbar, wenn man nicht privat vorsorge, (…) die Finanzkrise komme aus Amerika und sei sozusagen überraschend über uns gekommen, (…) wir müssten alle Banken retten, denn sie seien systemrelevant.» Wir hören solche Behauptungen überall – in Talkshows, Radiomagazinen, Zeitschriften und Zeitungen, von Politikern (fast) aller Parteien wie von «unabhängigen» Experten. Wir sind geneigt, nur das zu hinterfragen, wozu es eine einigermassen etablierte Alternative gibt. Und wir haben uns daran gewöhnt, Medien einen gewissen Vertrauensvorschuss zu geben. «Es stand in der Zeitung» gilt vielfach noch immer als Synonym für «Es ist wahr». Ein fataler Fehler, meint Albrecht Müller, ein deutscher Sozialdemokrat alter Schule, der in jungen Jahren massgeblich an der Organisation von Wahlkämpfen Willy Brandts beteiligt war. «Heute werden wir allerdings auf vielen Feldern und in schnellem Rhythmen zum Opfer von bewusst angelegten Kampagnen der Meinungsbeeinflussung. Diese Kampagnen werden systematisch und strategisch geplant. (…) Durch gezielte Meinungsmache beherrschen heutzutage grosse Interessen mit teilweise feudalem Charakter das gesellschaftliche und politische Geschehen. Das geschieht in engem Schulterschluss mit der neoliberalen Bewegung, deren Glauben an die heilsame Wirkung von Privatisierung, Deregulierung, Entstaatlichung und Kommerzialisierung aller Lebensbereiche hierzulande mit gekonnter und gut organisierter Meinungsbeeinflussung in politische Entscheidungen umgesetzt werden.» Demokratie wird gegen das Volk organisiert. Die genannten politischen Konzepte sind nicht nur (aus linker Sicht) gegen die Interessen der Bevölkerungsmehrheit gerichtet, sie widersprechen auch deren erklärtem Willen. Jedenfalls war dies so, bevor entsprechende mediale Umerziehungskampagnen gegriffen haben. Vereinfacht gesagt geht es bei modernem Kampagnenjournalismus darum, die Kälber dazu zu bringen, ihre Metzger selbst zu wählen, also bereitwillig ihrer eigenen Entrechtung und Ausbeutung zuzustimmen. Kein einfaches Unterfangen: «Es ist nicht leicht, Menschen davon zu überzeugen, dass die Reichen die Armen ausplündern sollen; ein PR-Problem, das bis jetzt noch nicht gelöst wurde», spottete der bedeutende US-Intellektuelle und Medienkritiker Noam Chomsky. Vielleicht war Chomsky da noch zu pessimistisch. Besagtes «PR-Problem» wird heute von den Medien-Machern glänzend gelöst. Erschütternd beschreibt Albrecht Müller diesen Prozess in seinem Kapitel «Berlusconi ist überall». Einige Kritiker der herrschenden Wirtschafts- und Finanzarchitektur lassen in Kommentaren die Hoffnung durchblicken, die Herrschaft des Neoliberalismus könne bald ihr Ende finden. Im politischen Prozess schlage das Pendel doch immer irgendwann in die Gegenrichtung aus. Albrecht Müller ist da nicht so optimistisch: «Das Bild vom Pendel geht an der Realität vorbei, wenn Meinungsmache eine grosse Rolle spielt. Denn dann werden die Sanktionen abgeblockt, die auf eine schlechte Performance folgen sollen. Die schlechte Performance erscheint nicht als schlecht, weil mit viel kommunikativer Kraft ‚aus Mist Marmelade’ gemacht werden kann.» Statt des «Pendels» verwendet Müller daher das Bild der «schiefen Ebene». Wie das Beispiel Italien zeigt, kann es auch, wenn schon ein sehr niedriges Niveau der politischen Kultur erreicht ist, immer noch weiter abwärts gehen, wenn politische und mediale Macht an einem Strang ziehen. Der Verfall, so Müller, geht so weit, «dass wirtschaftliche und publizistische Macht sogar darüber entscheiden, wer regiert. Noch dazu so brutal und offen wie in Italien, wo Berlusconi ohne Scheu die Interessen der wirtschaftlich Bessergestellten vertritt. Und natürlich weiss er, wie man bei der Mehrheit der Nichtbessergestellten den Eindruck erweckt, sie wären in seiner politischen Bewegung gut aufgehoben. Von einer Demokratie kann man in diesem Fall nicht mehr sprechen.» Zusammenfassend behauptet der Autor deshalb sogar: «Meinungsmache ist auch die eleganteste Form der Diktatur.» Anders gesagt: Mächtige Interessengruppen haben deshalb nichts dagegen, dass wir wählen, was wir wollen, weil die Medien dafür sorgen, dass wir nur das wollen, was wir sollen. Damit wurde jedoch ein Kernbereich von freiheitlicher Demokratie zerstört: ein lebendiger, vielseitiger Meinungsbildungsprozess, der im Prinzip ergebnisoffen ist. Die Desillusionierung, die sich einstellt, wenn wir das Spiel der Meinungsmacher durchschaut haben, kann aber auch der erste Schritt zu geistiger Gegenwehr sein. Wir können lernen, bei allen Presseverlautbarungen zu unterscheiden zwischen der eigentlichen Botschaft, um die es geht und ihrer Übersetzung in eine manipulative Kunstsprache. Das, was eigentlich gemeint ist wird von den Verfassern quasi codiert; der mündige Leser muss diesen Code entschlüsseln, um die ursprüngliche Botschaft zu rekonstruieren. Das klingt mühsam. Es kann aber, wie Albrecht Müller versichert, auch Freude bereiten, eine solche Herausforderung anzunehmen und sich nicht länger verdummen zu lassen. Ein praktisches Beispiel für Medienmanipulation in fünf Schritten: 1: Strategisches Ziel der Neoliberalen Bewegung ist es, die rigide Hartz-IV-Gesetzgebung in Deutschland zu etablieren, Arbeitslosigkeit also in einen demütigen Alptraum zu verwandeln. So kann Druck auf die Arbeitenden ausgeübt werden, damit diese sich mit schlechteren Arbeitsbedingungen abfinden. 2: Kurzfristiges Ziel muss es also jeweils sein, eine Stimmung in der Bevölkerung zu schaffen, die sich in Wahlerfolgen für die Hartz-IV-Parteien niederschlägt (also CDU, SPD, FDP und Grüne) 3: Die Botschaft, die über die Medien zu transportieren wäre, lautet als: «Hartz IV ist ein voller Erfolg. Machen wir weiter so!» 4: Als Zeitschrift verkündet man diese Botschaft aber nicht selbst, sondern lässt eine in der Öffentlichkeit anerkannte Persönlichkeit ins selbe Horn blasen. So erscheint man als Medium neutral und seriös. 5: Zwischen dem Interviewer und einer linientreuen Persönlichkeit wird ein Scheindialog inszeniert. Die Kernbotschaft wird dabei nochmals mit Hilfe verschiedener Tricks getarnt, damit sie für den Lesern schwerer erkennbar ist. Wie das Ergebnis einer solchen «Codierung» aussehen kann, zeigt ein Interview der BILD-Zeitung mit dem ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog, das Albrecht Müller in seinem Buch zitiert: «BILD: Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Wettbewerbsfähigkeit steigt: Die Erfolge der Agenda 2010 sind unübersehbar. Warum begeistern sich die Menschen nicht an diesen Erfolgen? Herzog: Weil alles zu lange zerstritten und zerredet wurde. Und weil sich niemand zu diesen Erfolgen bekennt, weder die Regierung noch die Medien.» Die Botschaft, dass die Agenda 2010, sprich Hartz IV, ein voller Erfolg gewesen sei, wird den Lesern hier quasi nebenbei untergejubelt. Sie ist zwischen dem Interviewer und seinem «Star» unhinterfragter Konsens. Diskutiert wird nur darüber, wie es kommt, dass die Bevölkerung dieser Grosstat nicht angemessen huldigt und wie man das in Zukunft ändern kann. Als mündige Leser müssen wir uns von solch offensichtlichen Beispielen für Medienmanipulation aber nicht entmutigen lassen. Wir können die Schritte, die von der ursprünglichen Botschaft bis zu ihrer verschlüsselten Präsentation in der BILD-Zeitung führen, in umgekehrter Reihe zurückverfolgen. Bis wir wieder zum Ausgangspunkt gelangen: «Die Hartz-IV-Gesetzgebung soll in Deutschland fest etabliert werden». So werden wir mit etwas Übung zu geschickten Übersetzen, zu Dolmetschern mit dem Spezialgebiet «Mediensprech-Deutsch». Wenn immer mehr Menschen die Tricks der neoliberalen Hofberichterstatter durchschauen, wird sich das in kritischen Leserbriefen, in sinkenden Auflagen und Einschaltquoten der Leitmedien, in veränderten Wahlergebnissen niederschlagen. Letztlich auch in einer veränderten geistigen Grundstimmung im Land, die bewirkt, dass die Bürger von Objekten haarsträubender Verdummungskampagnen wieder zu Subjekten des politischen Geschehens werden. Einige Tricks der Meinungsmacher in Kurzform (angelehnt an Albrecht Müller: «Meinungsmache») Wiederholung: Dieselbe Botschaft wird den Lesern/Zuschauern so lange eingehämmert, bis sie geglaubt wird. Die gleiche Botschaft aus unterschiedlichen Ecken: Wenn etwas von CDU und SPD, von Spiegel und Bild, von Gewerkschaftern und Wirtschaftsprofessoren behauptet wird, kann es doch nicht falsch sein, oder? Manipulation durch Wortwahl: Sprache kann positive oder negative Assoziationen transportieren, die uns auch unbewusst beeinflussen («Reform», «Liberalisierung der Finanzgesetzgebung», «Friedensschaffende Massnahme»). Affirmatives Auftreten: Je unsinniger eine These, desto bestimmter treten ihre Befürworter auf. Nur keinen Zweifel an der eigenen Meinung aufkommen lassen! Immer im Angriff bleiben: Wer sich nicht in die Defensive drängen lässt, sondern stets attackiert, bestimmt das Geschehen. Sich auf Experten berufen: Neutral sind all die Talkshow-Professoren und Wirtschaftsexperten natürlich nicht. Wichtig ist nur, dass das Volk dies glaubt, dann schluckt es manche Kröte leichter. Pars pro Toto: Ein Teil steht für das Ganze. Wenn z.B. ein «Sozialschmarotzer» gezeigt wird, der es sich auf Mallorca gut gehen lässt (Teil), dann wird suggeriert, dass das Sozialhilferecht insgesamt viel zu milde ist (Ganzes). Angst machen: Ein Volk, das sich fürchtet, ist leichter manipulierbar und flüchtet sich gern unter die Rockschösse einer rigiden Obrigkeit. So kann man z.B. den Abbau von Bürgerrechten besser verkaufen. Übertreibung: Wenn nicht sofort jeder Bürger seinen Fingerabdruck beim Passamt hinterlegt, bedeutet dies Kapitulation vor dem Terrorismus und den Untergang der freien Welt. Inszenierte Scheinkonflikte: Eine «rechte» Partei fordert die Entsendung von 1000 Soldaten nach Afghanistan, eine «linke» will sich auf 500 Soldaten beschränken. Die Frage, warum überhaupt dort Krieg geführt wird, taucht gar nicht erst auf. Verschweigen: Medien beeinflussen nicht nur, was gedacht wird, sondern auch, worüber überhaupt nachgedacht wird. Ein Thema, das in den Medien gar nicht vorkommt, kann die Mächtigen auch nicht in Bedrängnis bringen. Buchtipp: Albrecht Müller: Meinungsmache – Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen. Verlag Droemer, 447 S. geb., Fr. /Euro 19,95 Albrecht Müllers Blog: www.nachdenkseiten.de Englischsprachige / französischsprachige Anarcho - Seiten Anarchiearchievs (Archiv englischsprachiger Texte) Crimethinc (Anarchopolitik kann auch Spaß machen!) Abolishing the borders from below (englischsprachiges Magazin aus Osteuropa) Anarchist Black Cross (Gefangenenhilfe - Organisation) Sekretariat der IAA (Anarchosyndikalistische Internationale) Solidarity federation (GB) Industrial Workers of the world (USA) Zabalza (südafrikanische AnarchistInnen) Workers Solidarity Movemet (Irland, viele Texte & Argumente) Anarchafeminism (umfangreiche Textsammlung) Raise the fist! Emma Goldman papers Anarchy Youth Spunk Press (hunderte englischsprachige Texte) AK Press Machnoinfo Anarchosyndikalism (umfangreiche Seite) They lie we die (sehr umfangreiche französischsprachige Seite) Soilent Michi - 28.03.2010Du darfst alles veröffentlichen:) Soilent Michi Soilent Michi - 28.03.2010..yes..Zeit-Raum-etc. Einstein war auch ein Freak, genauso wie Hoffmann, der LSD Typ...es waren keine Hochleistungs metal Bolzer, sondern Freaks, Bukowskis und verfolgte.... Intelligenz ist kein Segen, wenn du sie nicht vermitteln kannst. Ich bin ehrlich...:Meine Intelligenz hat nur Ärger ausgelöst, sinnlos und konstruiert...nur für Freaksein, Wissenschaft, Rockertum, Subkultur..Und ich hab im Exil einen Job..In DK Und mit einmal werden in Deutschland meine neuen dänischen Freunde gefilzt...was soll das???? Ich habe schon, besoffen vor Jahren davon gesprochen, Leute zu kriminalisiern über Netzerke..Sinnlos. Ich muss dazu sagen, daß 10 Jahre Bergstedt sehr sehr anstrengent waren, und vorher auch..die länge meiner Akte ist lang.... Egal... Mein Ding ist es zu De eskalieren, was dem System scheißegal ist. Ich mach es einfach..Mir geht nicht der Arsch auf Grundeis wegen den "Rockern" sondern wegen der mir sichtbaren Kontrolle. Das ist auffällig..Kann meinen Koopf kosten. Ne Gitarre ist besser als ne scheiss Knarre. Un manchmal kotzt mich mein nüchtern sein so an, dass es schlimm ist. Egal.Ich steh zu meinem Wort. Wissenschaft, PunkHool und Deeskalation. Bin übrigens in Kolding und perfekt überwacht.. Peace and Love Soilent Michi Es sind die Ahnungslosen, die uns ins Verderben stürzen. G.F. "Wir sind eingemauert, supergrmarktet, ab-gesondert, klima-be-anlagt, multigeplext, programmiert, gehirn-gewaschen worden, unabänderlich geleitet von Materialismus, Konsumismus und Kapitalismus; wir haben unsere Herzen nicht mehr schlagen hören, haben unseren geschrumpften, verhungernden Geist nur noch schemenhaft wahrgenommen." Jim Morrison (The Doors) Die herrschenden Gedanken sind weiter nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse; also der Verhältnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen, also die Gedanken ihrer Herrschaft.
Du bist ein Netz-Junkie, ... wenn du um 3 Uhr früh aufwachst und beim Rückweg vom Bad zum Bett deine email checkst. wenn du ein Tatoo hast auf dem steht: dieser Körper kann am besten mit dem Netscape Navigator 2.0 oder höher betrachtet werden. wenn deine Kinder Eudora, Mozillia und Dotcom heissen. wenn die halbe Zeit deiner Flugreise dein Laptop auf den Knien liegt und dein Kind im Oberkopf-Gepaeckfach liegt. wenn du zwei Jahre laenger studierst, weil du dort einen kostenlosen Email- und Netzzugang hast. wenn du Leute auslachst, die nur ein 9600 Baud Modem haben. wenn du bei deiner traditionellen Post Smileys verwendest. :-)) wenn du zwei Stunden nach einem Totalcrasch deines Systems verzweifelt die Modemnummer deines Providers anwaehlst und versuchst, direkt mit dem dortigen Modem zu kommunizieren - und es gelingt dir. wenn du ein com nach jedem Punkt in deiner Textverarbeitungssoftware tippst.com wenn du den Gang zur Toilette als "herunterladen" bezeichnest. wenn du dich selbst mit "name at desktop punkt co punkt at" vorstellst. wenn alle deine Freunde ein @ in ihren Namen haben. wenn deine Katze ihre eigene Homepage hat. (francine - *g*) wenn du deine Mutter nicht anrufen kannst ... weil sie kein Modem hat. wenn du deine Email checkst und die Software sagt: "keine neuen Nachrichten." und du daraufhin sofort nochmals die email checkst. wenn deine Telefonrechnung samt Verbindungsaufstellung in einem Paket kommt. wenn du das Geschlecht deiner besten Freunde nicht kennst, weil sie neutrale Spitznamen haben und du noch nie daran gedacht hast sie zu fragen. wenn du in deinem neuen Haus einziehst und zuerst in Netscape einsteigst, bevor du dir die Gegend anschaust. wenn du dem Taxifahrer sagst du wohnst in "http://8020.graz.universitaetsstrasse 7/haus/weiss.html." wenn du beginnst deinen Kopf waehrend du grinst zur Seite zu neigen. Quelle - www.anarchismus.de
Auswirkungen der Bewusstseinsindustrie und ihrer Kommunikationsmittel - feliz. ... Mail an Felix. http://www.feliz.de/html/fern.htm. www.feliz.de/html/fern.htm  Das wollen sie von dir: Hab Angst, glotz TV, konsumiere, gehorche, halt's Maul und träum weiter. Deshalb, sei mutig, schalte ab, verzichte, lehn dich auf, sag was und wach auf.
"Wie willst Du eine "Revolution" gewinnen, wenn der Feind schon Stützpunkte in Deinem Kopf errichtet hat?" - Einfach machen! - Ich wurde schon mehrmals gefragt: Warum ich diese Texte & Informationen gesammelt habe? - Vor allem erstmal für mich selbst. Ich stöbere gern im Cyberspace nach guten Texten! - Wer außer mir noch gerne Texte zur Aufklärung studiert und sucht, wird hier genauso gerne immer wieder zurückkommen, zum Stöbern & Lesen wie ich selbst... G.F.«Wenn wir die Rechte der Natur verteidigen, dann verteidigen wir auch die Menschenrechte.» Evo MoralesLaden Sie sich die Broschüre 30 Jahre Greenpeace herunter (6,94 MB). Umweltzerstörung setzt voraus, daß der Mensch sich als getrennt erlebt von der Natur - wenn er nichts mehr mit ihr zu tun hat, dann kann er mit ihr machen, was er will. In der westlichen Zivilisation erlebt der Mensch auch seinen Körper als getrennt von sich selbst. Entweder ist der Körper ein Objekt, mit dem man sich aufgrund von Attraktivität und Schönheit gesellschaftliche Vorteile verschaffen kann, oder er wird durch Genußgifte nach Belieben mißbraucht. Der Mensch erlebt sich nicht als Einheit mit seinem Körper, und ebenso erlebt er sich in der Regel nicht als Einheit mit dem Universum.- Heinz-Peter Röhr Wären Internet und Wikipedia in ihrer fortdauernden Entstehung den Regeln des Markts und nicht jenen der Gemeingüter unterworfen, würden sie heute kaum die Fülle an Innovationen und Informationen bieten, die jedem Menschen offenstehen. Doch das Internet ist als Gemeingut entstanden. 1989 schrieb Tim Berners-Lee die Seitenbeschreibungssprache HTML und das entsprechende Internetprotokoll http. Berners-Lee wollte, dass die Ergebnisse von allen frei weiterentwickelt und genutzt werden können. Die gemeinsamen Ressourcen sind der Code und das Wissen über die Netzarchitektur. Die Gemeinschaft sind all jene, die Code und Wissen weiterentwickeln, sowie jene, die die Regeln des Netzes pflegen: Netzneutralität etwa oder dass das World Wide Web Consortium nur patentfreie Standards zulässt. Kein Markt und kein Staat haben dies gewährleistet, sondern die Internet Community selbst. Grundbedingung für die Entfaltung des Internets als Gemeingut waren die Idee des Teilens und der Verzicht auf Kontrolle über andere. Aber nicht nur in der digitalen Welt sind gemeingutreproduzierende Spielregeln möglich.  Ich bin Blindtext. Von Geburt an. Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, was es bedeutet, ein blinder Text zu sein: Man macht keinen Sinn. Man wird hier und da aus dem Zusammenhang gerissen. Oft wird man gar nicht erst gelesen. Aber bin ich deshalb ein schlechter Text? Ich weiss, dass ich nie die Chance haben werde, im Stern zu erscheinen. Aber bin ich darum weniger wichtig? Ich bin blind! Aber ich bin gerne Text. Und sollten Sie mich jetzt tatsächlich zu Ende lesen, dann habe ich etwas geschafft, was den meisten normalen Texten nicht gelingt. AUGUSTIN SOUCHY
"Ich bin kein Revolutionär, Sozialist oder irgedetwas dieser Art. Ich habe damit überhaupt nichts zu tun. Eine kompromisslose Individualität ist meine Politik. Alle politischen Gruppen, die ich auf diesem Planeten kenne, scheinen darauf abzuzielen, Individualität zu unterdrücken. Sie brauchen Wählerstimmen. Sie brauchen Einheiten. Macht nichts ob rechts oder links, die Taktiken sind oft diesselben. Worum es diesen Leuten geht, ist die Uniformität der Masse...Ich hasse all diese Gruppierungen, jede Sorte von Versammlungen dieser Art. Sie zerstören Persönlichkeit und Individualität. Vielleicht ist ein Raum, der voll von Leuten mit unterschiedlichen Meinungen ist, chaotisch, aber er ist wunderbar chaotisch, ungemein unterhaltsam und ausgesprochen lehrreich. Das ist die Weise, auf die wir Sachen lernen - nicht indem wir alle derselben Doktrin folgen. Wahrscheinlich kann die Welt, die ich mir wünsche, nicht wirklich existieren, weil es zu viele Schafe da draußen gibt, die geführt werden wollen. Lass die Schafe blöken, für mich ist das nichts. Ich bin lieber das einsame Schaf, das gegen die Wölfe kämpft. Das ist viel besser. Wenn du in einem Arbeiterklassemilieu aufwächst, dann wird von dir erwartet, dass du da auch drinnen bleibst und den Regeln dieses kleinen Systems folgst. Das kann mir alles gestohlen bleiben. Es ist alles falsch, gleichermaßen beschissen. (JOHN LYDON)
Was zunächst von zentraler Bedeutung scheint, ist, sich den Individualisierungs- und Kontrollmechanismen des Staates zu entziehen. Das heißt etwa, A.S.Neill zu folgen und staatliche Bildungseinrichtungen as das zu erkennen, was sie sind, nämlich Indoktrinierungsapparate, und nach Ausbildungswegen abseits dieser Institutionen zu suchen. Es heißt weiterhin, Kreavität, Orginalität und Mut zur kritischen Intervention in jeder Lebenslage zu fördern. Es heißt, sich nach Möglichkeit abstrakten nationalstaatlichen Pflichten wie dem Wehrdienst zu entziehen. Es heißt, Widerstandsstrategien zu entwickeln gegen überwachungsstaatliche Praktiken wie Volkszählungen, Hausdurchsuchungen, Meldepflichten, Bürokratiedespotismen. Es heißt, in sozialen Konflikt- oder Problemfällen nicht sofort zu Polizei, Rechtsanwalt oder Behörde zu rennen, sondern Umgang mit solchen Situationen abseits staatlicher Interventionen zu lernen.Die Herrschaftsnetze, die Kapitalismus und Staat gesponnen haben, sind wahrhaftig eng. Es kommt darauf an, ein entsprechendes solidarisches Handeln im Alltag zu entwickeln. So scheint es durchaus von politischer Relevanz zu sein, typisch bourgeoises Alltagsverhalten, das immer auch auf Kosten anderer geht, abzubauen. Wir brauchen keine genervten Stresshaufen, die alle anschnauzen, die ihnen über den Weg laufen; keine ungeduldigen Kunden, die im Laden die Oma, die beim Zahlen mal etwas länger braucht, mit bitterbösen Blicken strafen; keine nervös hupenden Autofahrer; keine Wichtigtuer, die es nicht aushalten, nicht im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen; keine Quatschköpfe, die meinen, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben; und keine Angeber, die die besten Linken sein wollen. Wer nett zu seinen Freunden ist, aber nicht einmal hinhört, wenn der Nachbar in der U-Bahn als "Kanake" angepöbelt wird, dessen "Nettigkeit" wird von dem verhöhnt, was nur als Naivität oder Rassismus gedeutet werden kann. Auch wenn Rassismus dabei schlimmer ist als Naivität, ist beides unentschuldbar, weil es das mit Füßen tritt, was unmittelbar zur Solidarität gehört: das Empfinden individueller Verantwortlichkeit für die soziokulturellen und ökologischen Lebenszusammenhänge, in denen wir existieren. Solidarität nur im Familienkreis gilt nicht. Solidarität kennt keine Grenzen. (Gabriel Kuhn - Jenseits von Staat und Individuum)
Verantwortlichkeit kann sich nie auf Abstraktionen wie den Staat beziehen. Abstraktionen wie Staat, Volk oder Nation sind keine Lebenszusammenhänge, sondern totalitäre Apparate bzw. Ideologien. Verantwortlichkeit ist nicht knechtische Unterordnung. Wer sich einem Staat, seinem Volk oder seiner Nation verpflichtet, übernimmt keine Verantwortung für einen Lebenszusammenhang, sondern unterwirft sich einer abstrakten Macht. An die Stelle von Verantwortlichkeit treten die chauvinistischen, widerlichen und hasserfüllten Identitäten von Patriotismus, Nationalismus und Faschismus. (Gabriel Kuhn - Jenseits von Staat und Individuum) Bild - Gerold
Marcuse überteibt keineswegs, wenn er den eindimensionalen Menschen der hochkapitalistischen Ära als Sklave bezeichnet: Die Sklaven der entwickelten industriellen Zivilisation sind sublimierte Sklaven, aber sie sind Sklaven. Bild - Gerold
"Die Ideologie des Konsums drängt darauf, den Umstand, daß Emotionen von der Familie auf die Arbeit übertragen werden, auf Dauer zu stellen. Wenn sie täglich drei Stunden (der Hälfte ihrer Freizeit) vor dem Fernsehenr sitzen, dann werden die Arbeiter mit Werbespots bombadiert, in denen ihnen eingeredet wird, sie "brauchten" noch mehr Dinge. Um diese zu kaufen, benötigen sie mehr Geld. Um mehr Geld zu verdienen, müssen sie länger arbeiten. Da sie infolge dessen länger von zu Hause weg sind, entschädigen sie ihre Lieben mit Geschenken, die wiederum Geld kosten. Sie machen Liebe zu Geld. Und der Kreislauf beginnt von vorn. (Quelle - Zygmiunt Baumann)
 Konsumgesellschaft? - In der Konsumgesellschaft kann niemand ein autonomes Subjekt sein. ohne zunächst zur Ware zu werden, und niemand kann seine Autonomie verteidigen, ohne ständig jene Fähigkeiten zu erneuern, die man von einem verkäuflichen Produkt erwartet und fordert. Die "Autonomie" des "Subjekts" und die meisten Fähigkeiten, die sie ihm angeblich verleiht, sind auf die endlose Herausforderung ausgerichtet, eine verkäufliche Ware zu sein und zu bleiben. Die hervorstechendste, allerdings sorgsam verborgene Eigenschaft der Konsumgesellschaft ist die Transformation des Verbrauchers in eine Ware bzw. seine Auflösung in einem Meer der Waren, in dem, um einmal GEORG SIMMEL zu zitieren, die Bedeutung und der Wert der Unterschiede der Dinge und damit der Dinge selbst als nichtig empfunden wird, do daß sie in einer gleichmäßg matten und grauen Tönung erscheinen, während sie alle mit gleichen spezifischem Gewicht in dem fortwährend bewegten "Geldstrom" schwimmen. Die Hauptaufgabe des Verbrauchers und zugleich das Hauptmotiv seiner unablässigen Konsumaktivitäten ist es deshalb, sich vor der "matten und grauen" Ununterscheidbarkeit unwirklicher Dinge abzuheben, die mit dem gleichen "spezifischen Gewicht" dahintreiben, und so die Blicke der "Blasierten", der anderen Konsumenten auf sich zu lenken. Mit jedem Arbeitsvertrag wird der Warenfetischismus entzaubert, jeder Abschluß eines entsprechenden Geschäfts läßt ihn und die aus ihm folgende Täuschung bzw. Selbsttäuschung deutlich zutage treten. Wenn der Warenfetischismus die menschliche, allzu menschliche Substanz der Industriegesellschaft verbergen sollte, so ist es nun die Aufgabe des Individualitätsfetischismus, die kommerziele und nichts als kommerzielle Realität der KOnsumgesellschaft zu verschleiern. Der Individualismus ist in der Verbrauchergesellschaft das, was die Ware in der Industriegesellschaft war: ein FETISCH - ein ganz und gar menschliches Produkt, dem man übermenschliche Autorität zuspricht, indem man seine allzumenschlichen Ursprünge und die menschlichen Aktivitäten, durch die es hervorgebracht wurde (denn wie sollte es sonst entstehen?) vergessen macht oder für irrelevant erklärt. Die Individualität des Verbrauchers entsteht aus den Entscheidungen, die er beim Einkaufen trifft, Entscheidungen, bei der eigene Vorlieben und die vermeintlichen Vorlieben derer den Ausschlag geben, denen sich der Verbraucher später zum Kauf anbieten will. Wer ihn seiner Individualität beschreiben will, braucht nur seinen Einkaufszettel zu kopieren. Was für die Materialisierung einer individuellen "inneren Wahrheit" gehalten wird, ist in Wirklichkeit die Idealisierung der erworbenen materiellen Objekte, in denen Konsumentscheidungen zum Ausdruck kommen. Als Käufer sind wir von Marketingmanagern und Werbetextern darauf getrimmt worden, die Rolle des Subjekts zu spielen, eine Maske, die wir mit Leben füllen müssen, ein Drama, das im wirklichen Leben stattfindet. Das Versprechen der Modeszene im nächsten halben Jahr voraus zu sein bedeutet, nicht auf der Strecke zu bleiben, man entgeht der Gefahr der Ausgrenzung, des Verlassenwerdens, der Einsamkeit. Zweitens hat die frohe Botschaft ein eingebautes Verfallsdatum: Ihre Gültigkeit beschränkt sich auf das "nächste halbe Jahr." Die unterschwellige Nachricht lautet: Beeilen Sie sich - verschwenden Sie keine Zeit. WAS SIE AUSWÄHLEN, IST IHRE SACHE. DOCH ZUM AUSWÄHLEN SIND SIE VERPFLICHTET. Gerade die Unmöglichkeit der Zufriedenheit ist, wie eine "funktionale Voraussetzung" der Konsumgesellschaft. In einer solchen Gesellschaft gelten jene, die nur ihre "authentischen" Bedürfnisse befriedigen wollen, als schlechte Verbraucher und soziale Außenseiter. Sozialisationsprozesse sind dann erfolgreich, wenn die Individuen am Ende genau das tun wollen, was das System benötigt, um sich zu reproduzieren. Diese Gleichschaltung kann explizit erfolgen, etwa wenn Menschen aufgefordert werden, sich den Interessen eines Kollektivs (sei es eine Nation oder ein Staat) unterzuordnen, ein Verfahren, das typisch war für die Feste Moderne bzw. die Gesellschaft der "Produzenten" und das oft als "geistige Mobilmachung", staatsbürgerliche Erziehung oder ideologische Indoktrination bezeichnet wird. Sie kann allerdings auch auf subtilere Art sichergestellt werden: durch den offenen oder verborgenen Zwang, bestimmte Verhaltensweisen und Problemlösungsmuster einzuüben, ohne die das System nicht funktionieren würde (tatsächlich haben die Menschen oft gar keine ander Wahl, da ihnen Handlungsalternativen oder die entsprechenden Fertigkeiten fehlen). Diese Form der "Gleichschaltung" ist typisch für die Flüchtige Moderne und die Gesellschaft der Konsumenten. Ind der FLÜCHTIGEN MODERNE wird die Gruppe mit ihren Anführern, ihrer Hierarchie und Hackordnung durch den SCHWARM ersetzt. Ein Schwarm kommt ohne all jene Symbole und Strategien aus, die eine Gruppe zu ihrer Herausbildung und Fertigung braucht. Schwärme bedürfen nicht der Selbstproduktion oder Selbsterhaltung; sie versammeln sich bei Gelegenheit, lösen sich auf und finden bei einer anderen Gelegenheit,angelockt von neuen und beweglichen Zielen, wieder zusammen. Der Reiz dieser beweglichen Ziele reicht in der Regel aus, um die Schwärme zu koordinieren und jeden Befehl oder andere Mittel der Koordination "von oben" überflüssig zu machen. "Schwärme kennen im Gegensatz zu Gruppen weder Dissidenten noch Rebellen, höchstens "Deserteure", Stümper oder "Einzelgänger". Die wenigen, die während des Fluges den Anschluß verlieren, haben sich verirrt, sie sind "verschollen" oder auf der Strecke geblieben. Sie müssen nun eben alleine nach Nahrung suchen - aber ihr Leben als Einzelgänger währt meist nicht lang, da Schwärme wesentlich bessere Chancen haben, ein angemessenes und erreichbares Ziel zu finden, als einzelne Individuen. Und wer eingebildete, sinnlose oder gefährliche Ziele verfolgt, vervielfacht das Risiko des Scheiterns und mindert so die Chance des Überlebens. Die Konsumgesellschaft tndiert zur Auflösung von Gruppen, an ihre Stelle setzt sie den Schwarm. Konsum ist eine äußerst einsame Tätigkeit (vielleicht sogar der Archetyp der Einsamkeit). Selbst wenn man zusammen mit anderen konsumiert, entstehen keine dauerhaften Bindungen. Die Bindungen zwischen den Verbrauchern überdauern nie den Akt selbst. Sie halten den Schwarm für die Dauer des Fluges zusammen (d.h. bis sich das Ziel wieder ändert), sie sind aber offenkundig an diesen Anlaß gebunden und ohne ihn derart dünn und zerbrechlich, daß sie auf die zukünftigen Bewegungen der Individuen keinen Einfluß haben. (Zygmunt Baumann) Kurz: Das Wort bezeichnet eine Welt, die sich bedauerlicherweise erheblich von der unseren unterscheidet - in der wir aber liebend gerne leben würden und die wir eines Tages zurückzuerobern hoffen. (Quelle - Zygmunt Baumann) "Internationale Arbeitsteilung" Sie können nicht lesen, die Kinder, die in den Straßen Zeitungen verkaufen. Sie kennen die Schokolade nicht, die Tagelöhner, die den Kakao ernten. Sie haben kein Mobiltelefon, die Bergarbeiter, die das Coltan abbauen, das für die Herstellung von Mobiltelefonen unverzichtbar ist. Diejenigen die Minen legen, verkaufen Beinprothesen. Diejenigen, die Raketen säen, ernten Wiederaufbauverträge. Sie sterben nicht in den Kriegen, die Waffenproduzenten, die Kriege produzieren und die öffentliche Meinung produzieren, die die Kriege bejubelt. Weil die Welt demokratisch ist, ruft der König von Zeit zu Zeit die Kuh, das Kalb, das Ferkel, die Ziege, das Lamm, den Hasen, das Kaninchen, den Nandu, das Gürteltier, den Tapir, das Huhn, die Ente, den Truthahn, den Fasan, den Krebs, die Krabbe, den Tintenfisch, die Languste, die Seezunge, den Seehecht und den Adlerfisch zusammen. Dort auf dem Gipfel heißt der König sie willkommen: "Ich habe euch gerufen", sagt er, "weil ich wissen möchte, mit welcher Soße ihr verspeist werden wollt." Eine schüchtene Stimme erhebt sich aus der Menge: "Ich will überhaupt nicht verspeist werden". "Dies steht nicht zur Debatte", entscheidet der König und stellt kopfschüttelnd fest, wie wenig Bürgersinn seine Untertanen doch haben. - "EDUARDO GALENO"
Bild - Gerold Der eine fragt: "Was kommt danach?" Der andere fragt nur: "Ist es recht?" Und also unterscheidet sich, Der Freie von dem Knecht! Theodor Storm
In Zeiten, da Täuschung und Lüge allgegenwärtig sind, ist das Aussprechen der Wahrheit ein revolutionärer Akt. (George Orwell)
Die neoliberale Ideologie praktiziert eine erschreckende Gehirnwäsche. Für die Reichen ist diese Gehirnwäsche ein Segen. Jeder Widerstand gegen die Privatisierung der Welt wird mit einem Bannfluch belegt. Wer immer den exorbitanten Reichtum der Reichen gefährdet, stellt sich selbst außerhalb der zivilisierten Welt. Den Besitzenden ist die neoliberlae Ideologie wohlgefällig - sorgt sie doch dafür, dass sie ihre Schäfchen ins Trockene bringen können. Und die Armen? Sie haben keine Ideologie mehr. Die Neoliberalsimus hat ihnen das Gehirn leergewaschen. Ihnen bleibt nichts als ein elementares starkes Gerechtigkeitsgefühl, die unauslösliche Forderung nach einem "Recht auf Leben". In Wirklichkeit wird das vom globalisierten Kapital zugerichtete Individuum auf seine reine Funktionalität reduziert. Es hat nur den Eindruck frei zu sein, weil es im Labyrinth der auf es einwirkenden Warenverhältnisse die Entfremdung nicht zu durchschauen vermag, die es beherrscht und seiner Individualität beraubt. Marx Horkheimer entlarvt die neoliberale Lüge von der durch das Kapital hervorgebrachten Individualität: "Die Maschine hat den Piloten abgeworfen, sie rast blind in den Raum. Im Augenblick ihrer Vollendung ist die Vernunft irrational und dumm geworden. Das Thema dieser Zeit ist Selbsterhaltung, während es gar kein Selbst zu erhalten gibt. (...) Und weiter: Individualität setzt das freiwillige Opfer unmittelbarer Befriedigung voraus zugunsten von Sicherheit, materieller und geistiger Erhaltung der eigenen Existenz. Sind die Wege zu einem solchen Leben versperrt, so hat einer wenig Anreiz, sich momentane Freuden zu versagen. (...) Gesellschaftliche Macht ist heute mehr denn je durch Macht über Dinge vermittelt. Je intensiver das Interesse eines Individuums an der Macht über Dinge ist, desto mehr werden Dinge es beherrschen, desto mehr werden ihm wirkliche individuelle Züge fehlen, desto mehr wird sein Geist sich in einen Automaten der formalisierten Vernunft verwandeln. Das vom globalisierten Kapital zugerichtete Individuum besitzt keinerlei Identität, keinerlei Freiheit mehr.
Wir erleiden die entsetzlichste Offensive, die sich noch vor zehn Jahren niemand hätte vorstellen können. Kein Nationalstaat, keine übernationale Organisation, keine demokratische Bewegung widersteht dieser Offensive. Die Herren des wirtschaftlichen Krieges plündern den Planeten. Sie greifen die Staaten und deren normative Macht an, sie zerstören die Souveränität des Volkes, sie untergraben die Demokratie, sie verheeren die Natur und vernichten die Menschen und deren Freiheiten. Sie bestreiten radikal das Menschenrecht auf das Streben nach Glück. Keine bestehende Gegenmacht - weder eine staatliche noch eine gewerkschaftliche - ist in der Lage, ihre Allmacht herauszufordern. Auf den Straßen von New Dehli flehen tausende Frauen und Kinder, die durch die Wolke Bhopal blind geworden sind, die Passanten um Almosen an. Während die Fürsten von Dow Chemical sich in ihren Wolkenkratzern in Midland in Michigan ihrer Profite erfreuen. In seiner Existenz, seiner Entwicklung und seiner Fortpflanzung ist der Mensch immer auf andere Menschen angewiesen. Es gibt keinen Menschen ohne Gesellschaft, ohne Geschichte - und ohne Mitgefühl. Die Beziehungen der Reziprozität, der Komplementarität und der Solidarität sind konstitutiv für jeden Menschen. Was kann man tun gegen den Zynismus der Kosmokraten, die entfesselte Gewalt ihrer Schergen, die Missachtung des Rechts auf das Streben nach Glück? Man muß Kant lauschen und die REVOLUTION noch einmal von vorn beginnen. Denn zwischen der Feudalmacht, welche sie auch sein mag, ist der Krieg permanent und der Widerspruch radikal. Eine Überzeugung lebt tief in mir. Alle diese künftigen Kämpfe werden ein Nachhall des Aufruf von Gracchus Babeuf sein, des Anführers der Verschwörung der Gleichen, der am 27.Mai 1797 blutüberströmt zum Schaffott getragen wurde: (...) Möge der Kampf beginnen über das berühmte Kapitel der Gleichheit und des Eigentums! Möge das Volk alle alten barbarischen Institutionen stürzen! Möge der Krieg der Reichen gegen den Armen endlich diesen Anschein großer Kühnheit auf der einen Seite und großer Feigheit auf der anderen einbüßen! (...) Ja, ich wiedehole es, alle Missstände sind auf ihrem Gipfel, sie können sich nicht verschlimmern. Sie können nur durch einen totalen Umsturz beseitigt weren. (...). Fassen wir das Ziel der Gesellschaft ins Auge! Fassen wir das gemeinsame Glück ins Auge und ändern wir nach tausend Jahren diese groben Gesetze! (Quelle - Jean Ziegler - DAS IMPERIUM DER SCHANDE - Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung)
Das tägliche Massaker des Hungers Wo ist Hoffnung? - Von JEAN ZIEGLER, 30. Dezember 2008: (Auszüge einer Rede, Wien - November 2008)
„Das Recht auf Nahrung ist das Recht auf einen regelmäßigen, permanenten und freien Zugang, sei es direkt durch Produktion, sei es indirekt mittels monetärer Kaufmittel, auf eine qualitativ und quantitativ adäquate Nahrung, die den Traditionen des Volkes, dem der Konsument angehört, entspricht und die ein psychisches und physisches, kollektives und individuelles, würdiges und befriedigendes Leben ermöglicht, das frei ist von Angst.“
Das ist die Definition des Menschenrechtes auf Nahrung. Die Realität, die mit diesem Menschenrecht angesprochen wird, ist die folgende:
Alle 5 Sekunden verhungert ein Kind auf diesem Planeten. Jeden Tag sterben 100.000 Menschen am Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen. 923 Millionen Menschen – einer auf sechzehn, denn wir sind heute 6,3 Milliarden auf der Welt – sind permanent schwerstens unterernährt. Sie sind invalide durch permanente schwerste Unterernährung! (Zahlen aus dem World Food Report 2007, veröffentlicht im April 2008). Und derselbe World Food Report sagt, dass die Weltlandwirtschaft in der heutigen Entwicklungsphase ihrer Produktionskräfte, ohne genetisch veränderte Nahrung, 12 Milliarden Menschen normal ernähren könnte (d.h. mit 2.700 Kilokalorien pro erwachsenem Individuum und Tag). Wir sind 6,3 Milliarden! Praktisch die doppelte Zahl der Menschen könnte normal ernährt werden. Es gibt also keine Fatalität.
Die Folge der industriellen, technologischen, elektronischen Revolution hat die Produktionskräfte der Menschheit unglaublich gesteigert. Heute ist der objektive Mangel besiegt und die Fatalität eliminiert. Ein Kind, das heute am Hunger stirbt, wird ermordet.
Wer die Menschen lieben will, muss ganz stark hassen, was sie unterdrückt (Jean Paul Sartre)
Menschen sterben, Kinder sterben überall auf die gleiche Weise, von Guatemala bis Bangladesch, von Somalia bis in die Mongolei. Ich werde erklären, wie der physiologische Vorgang abläuft. Aber die Kausalstränge, die zu diesem täglichen Massaker führen, das sich in eisiger Normalität Tag und Nacht auf diesem Planeten abspielt, sind unglaublich komplex.
Zuerst einmal die physiologische Realität: Ein Mensch kann drei Minuten ohne Luft, drei Tage ohne Wasser, drei Wochen – wenn er ein wenig Flüssigkeit hat – ohne Nahrung überleben. Bei unterernährten Kindern setzt der Zerfall natürlich sehr viel früher ein. Zuerst braucht der Körper die Zucker- und Fettreserven auf. Dann wird der Mensch lethargisch. Dann immer dünner und dann bricht das Immunsystem zusammen. Durchfälle beschleunigen die Auszehrung. Mundparasiten und andere Infektionen verursachen in den Atemwegen schreckliche Schmerzen. Dann beginnt im letzten Stadium der Raubbau an den Muskeln. Die sterbenden Kinder liegen am Boden, können sich nicht mehr auf den Beinen halten, die Muskeln schwinden, die Arme baumeln kraftlos am Körper, die Gesichter von Kleinkindern zerfallen, gleichen denen von Greisen und dann kommt der Tod. Es ist also eine sehr, sehr schmerzhafte Agonie. Der physiologische Ablauf der Hungeragonie ist in allen Kulturkreisen, in allen Altersgruppen, auf allen Kontinenten absolut identisch.
Der hauptsächlichste, evidenteste Grund für das Massaker ist zuerst einmal die Überschuldung. Die 122 Entwicklungsländer hatten am 31. Dezember 2007 eine kumulierte Auslandsschuld von 2.100 Milliarden Dollar. 4,8 Milliarden der 6,3 Milliarden Menschen leben in der südlichen Hemisphäre. Und in den 49 ärmsten Ländern (das ist eine Kategorie bei der UNO) werden praktisch 80 bis 90 Prozent aller Staatseinnahmen für den Schuldendienst verbraucht. Es gibt also keine Möglichkeit für Honduras, Bangladesch, Somalia, Mali, Burkina Faso usw., irgendwelche Investitionen in der Landwirtschaft oder in der Produktion zu tätigen,.
Dann der zweite Grund: der Weltwährungsfond, die absurde mörderische Politik des Weltwährungsfonds. Es geht um ein System der strukturellen Gewalt, das mörderisch ist und gleichzeitig absurd. Mörderisch, weil es tötet, und absurd, weil es zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit zu Beginn dieses Jahrtausends unnütz tötet. „Pour aimer les hommes, il faut détester fortement ce qui les opprime“ (Sartre) – „Wer die Menschen lieben will, muss ganz stark hassen, was sie unterdrückt“. Es geht um strukturelle Gewalt!
Der Weltwährungsfonds: Er verwaltet die Auslandsschuld der ärmsten der Entwicklungsländer. Dort sitzen diese schwarzen Raben aus Washington direkt im Regierungsbüro und befehlen dem Premierminister! Der Weltwährungsfond hat ein statutarisches Ziel und das ist die Bedienung der Auslandschuld, zu ermöglichen, dass diese Schuld bedient wird!
Jedes Mal, wenn der finanzielle Engpass kommt, wenn Neuverhandlungen mit dem betreffenden Land über Stundung, Umschuldung, neue Kredite usw. geführt werden, zwingt ihm der Weltwährungsfonds ein Strukturanpassungsprogramm auf. In jedem Strukturanpassungsprogramm, in absolut jedem, gilt das Primat der Förderung der Exportlandwirtschaft. Das ist normal, denn mit Rupee, Bolívar oder Peso können diese Länder keine Auslandsschulden an die UBS oder die Chase Manhattan Bank abzahlen. Sie brauchen Devisen. Devisen können sie nur durch Export erarbeiten und deshalb müssen Baumwolle, Zuckerrohr, Erdnüsse, Sisal usw. gepflanzt werden. Dort, wo Zuckerrohr und Baumwolle wachsen, wächst aber kein Maniok, wächst keine Hirse, wächst kein Mais. Das heißt, die Plantagenwirtschaft, die Exportlandwirtschaft, die den Entwicklungsländern in der Schuldknechtschaft aufgezwungen wird, führt zu Hunger, zu Tod.
Ich gebe ein Beispiel: Mali, ein uraltes Bauernland. 1 Mio. Quadratkilometer, sehr fruchtbarer Boden beidseits des Nigerflusses, jedenfalls hinauf bis Timbuktu, 10 Mio. Einwohner, uralte Bauernkulturen. Wirklich, die Bauern, die können etwas, sind kompetent, arbeiten: die Bambera, die Tukulor, die Haussa, die Zarma usw. Letztes Jahr hat Mali 380.000 Tonnen Baumwolle exportiert und musste 72 Prozent seiner Nahrung importieren. Vor allem Reis aus Kambodscha, aus Vietnam, aus Thailand. Und dieser Reis bleibt einen halben Monat, zwei Monate auf dem Meer. Die Preise sind alle „FOB“, das heißt „Free On Board“, also die Versicherung kommt noch dazu, die Abfahrtskontrolle kommt noch dazu, die Transportkosten kommen noch dazu. Das Beispiel Mali ist absolut paradigmatisch. Also: Der Weltwährungsfond und seine Strukturanpassungsprogramme sind sicher auch ein Grund für das Massaker.
Dann ein dritter Grund für das Massaker, das die bäuerliche Bevölkerung dieser Welt – die produzierende Bevölkerung dieser Welt – tötet und verwüstet, ist die EU-Agrarpolitik. Letztes Jahr haben alle Industrienationen zusammen für ihre Bauern 349 Milliarden Dollar an Produktions- und Exportsubventionen ausgegeben. Sie können also heute auf jedem afrikanischen Markt – je nach Saison – für ein Drittel oder die Hälfte des Preises gleichwertiger inländischer Agrarprodukte italienisches, französisches, deutsches, englisches Gemüse und Früchte kaufen. Und ein paar Kilometer weiter steht der Wolof- oder der Tukuleur-Bauer mit seiner Frau, seinen Kindern, rackert sich ab bis zum Umfallen vor Ermüdung, 14 Stunden am Tag unter brennender Sonne, und hat nicht die geringste Chance, ein menschenwürdiges Existenzminimum zu erringen.
Von 53 Staaten des afrikanischen Kontinents sind 37 praktisch reine Agrarstaaten. Beim EU-Agrardumping, das sich erklärt durch elektoralistische (wahltaktische) Überlegungen, geht es um strukturelle Gewalt: Wenn der Präsident Sarkozy die Chambre d’agriculture (Landwirtschaftskammer) in Frankreich verärgert, indem er die Exportsubvention streicht, dann ist er weg vom Fenster. Das Agrardumping ist mörderisch.
Von der ländlichen Bevölkerung sind 43 Prozent marktgebunden. Das heißt, deren eine Ernte genügt nicht, um bis zur zweiten Ernte zu überleben. Sie müssen also bereits die zweite Ernte mit Krediten belasten. 43 Prozent sind auf Markt-Zusatzkäufe angewiesen. Kausalitäten, die die ländliche Bevölkerung ruinieren, und Kausalitäten, die jede Bevölkerung zu Grunde richten, die in den Kanisterstädten lebt, die also keinen Zugang zur Produktion hat. 2,2 Milliarden Menschen leben nach Weltbankstatistik in extremster Armut unterhalb des Existenzminimums, haben nicht das absolut Nötigste zum Überleben. In den Favelas von Sao Paulo, in den Smokey Mountains von Manila, in den Kanisterstädten von Karatschi – dort muss das letzte Reiskorn gekauft werden. Zu Beginn des Jahres (2008) sind die Agrarpreise unglaublich in die Höhe geschnellt (sie sind gerade ein wenig zurückgegangen und wohl in Bewegung wie die anderen Börsenprodukte auch): Von Januar bis Juni ist der Weltmarktpreis für Reis um 83 Prozent gestiegen, für Weizen um 114 Prozent und für Mais um 110 Prozent. 70 Prozent ungefähr aller Nahrungsmittel auf der Welt sind die drei Grundnahrungsmittel: Reis, Weizen und Getreidemais. Alle diese Preise, Weltmarktpreise „Free On Board“, sind explodiert und haben weitere Hunderte und Hunderte von Millionen Menschen in den Abgrund gerissen. Die Hungerzahlen, die wir dann im nächsten World Food Report für das Jahr 2008 lesen können, werden fürchterlich sein. Sie werden vielleicht ein Drittel höher sein als heute, glaubt die Weltbank.
Woher kommt die Verwüstung durch Weltmarktpreisexplosionen für Grundnahrungsmittel? Es gibt zwei evidente Kausalitäten: die Agrartreibstoffe und die Spekulation. Letztes Jahr haben die Vereinigten Staaten unter dem Bioethanol-Programm 138 Millionen Tonnen Mais verbrannt, ein Drittel der Maisernte, und Hunderte von Millionen Tonnen Weizen. Ich gebe nur ein Beispiel: Wenn Sie ein Bioethanol-getriebenes Auto mit einem 50-Liter-Tank haben und Sie füllen den Tank auf, müssen Sie dafür 358 Kilo Mais verbrennen. Mit 358 Kilo Mais lebt ein Kind in Sambia oder in Mexiko, wo der Mais Grundnahrungsmittel ist, ein Jahr lang. Ein Jahr lang! Also die Agrartreibstoffe, auch die der zweiten Generation, sind mörderisch. Die EU ist auf dem gleichen Weg: Im Jahr 2020 sollen 10 Prozent aller Treibstoffe in den 27 EU-Ländern pflanzlichen (im Original: „vegetal“) und nicht mehr fossilen Ursprungs sein. Selbst die EU-Ökonomen sind einverstanden, müssen jedoch eingestehen: „Selbst wenn man in Europa das Brachlandverbot aufhebt, hätte die europäische Landwirtschaft nicht die Kapazität, Biotreibstoffe in der benötigten Menge zu liefern.“ Afrika, der von Hunger verwüstete Kontinent, müsste – um die europäische Mobilität zu sichern – die Rohstoffe für diese Agrartreibstoffe liefern.
Der zweite Grund ist die Spekulation. Die Finanzkrise hat ja schon im letzten November – Dezember (2007) angefangen. Die Hedge-Fonds sind abgewandert an die Chicago Stock Exchange, also an die weltgrößte, älteste Nahrungsmittel- und Agrarrohstoffbörse der Welt. Dort investiert man in gewohnter Manier Milliarden und Abermilliarden Spekulationskapital in Termingeschäfte, in so genannte Futures usw. Sie können jetzt schon die ganze Sojaernte vom nächsten September von Brasilien aufkaufen – zum festen Preis. In Genf gibt es die UNCTAT (United Nations Conference on Tariff and Trade), eine UNO-Organisation. Dort sitzt Prof. Heiner Flassbeck, Oskar Lafontaines ehemaliger Staatssekretär. Er ist jetzt dort Chefökonom und hat errechnet – in dem so genannten Flassbeck-Bericht vom 1. Juli 2008, der heute als autoritativ gilt – dass 37 Prozent (!) der Weltmarktpreissteigerung der drei genannten Grundnahrungsmittel reine Spekulationsgewinne sind. Punkt. Die ganze neoliberale Theorie ist eine Lüge
Das Menschenrecht auf Nahrung wird bekämpft von den Vereinigten Staaten, von Großbritannien, von Australien, Kanada und von den Söldnern der Organisation des internationalen Finanzkapitals: der Weltbank, des Weltwährungsfonds und der Welthandelsorganisation. Und zwar prinzipiell bekämpft von allen Neoliberalen.
Eine Kapitalart hat sich autonomisiert: das Finanzkapital. Liberalisierung und Privatisierung sind unglaublich fortgeschritten. Das ist die so genannte Globalisierung. Laut Weltbankstatistik hat sich das Weltbruttosozialprodukt in der Zeit von 1992 bis 2002 mehr als verdoppelt und der Welthandel mehr als verdreifacht. Der Energieverbrauch verdoppelt sich alle vier Jahre. Aber gleichzeitig steigt der Hunger. Gleichzeitig wachsen die Leichenberge.
In Darfur ist ein fürchterlicher Vernichtungskrieg gegen den afrikanischen Bevölkerungsteil im Westen im Gang, gegen die Masalit, die Zaghawa und die Fur – verantwortet von dem islamistisch-diktatorischen Regime unter General Omar al-Bashir. 300.000 Menschen sind umgebracht worden und 2,2 Millionen „displaced persons“ leben in siebzehn Lagern, die nach der Konvention der Vereinten Nationen von 1951 der Verantwortung der UNO unterstehen. Das heißt also, alle drei Tage kommen die weißen Lastwagen mit der UNO-Fahne in diese Lager, bringen Mehlsäcke, Reissäcke, Milchpulver, Wasser, Grundbasismedikamente usw. für diese Menschen. Die Leute leben also ausschließlich vom World Food Programm, dem Welternährungsprogramm. Die Tagesration für Erwachsene in den Camps beträgt heute 1.500 Kalorien. Das von der Weltgesundheitsorganisation festgesetzte Existenzminimum liegt jedoch bei 2.200 Kalorien. Die westlichen Staaten, die Industrienationen geben kein Geld mehr für die humanitäre Hilfe aus. Und die UNO redet nicht gern darüber. Ich sage es, weil die Leute es wissen sollen, in demokratischen Staaten muss man das wissen: Die UNO organisiert die Agonie des Hungers in den Lagern, auch in Somalia, auch in Nordkenia, wo die blau-weiße UNO-Flagge weht – dort, wo die UNO gemäß Völkerrecht verpflichtet ist, die Menschen am Leben zu erhalten. Also die ganze neoliberale Theorie ist eine reine „contrevérité“, ich würde gern „Lüge“ sagen, aber dann heißt es wieder, der ist ein dogmatischer Paleo-Marxist. Ich sage jetzt einmal: entspricht nicht der Wirklichkeit.
Ich habe in meinem Guatemala-Bericht einige Empfehlungen gegeben. In Guatemala leben 10 Millionen Einwohner, 5 Prozent ausländische und einheimische Großgrundbesitzer kontrollieren über 85 Prozent des bebaubaren Bodens. Auf der Sierra del Yucatán sehen die Mayafrauen mit 30 Jahren aus, als ob sie 80 wären: keine Zähne mehr, grauer Teint. Die Kinder haben Arme und Beine wie Zündhölzer. Eine meiner Empfehlungen in dem Bericht an die UNO war: Agrarreform in Guatemala und Schaffung eines Grundbuches. Es gibt nicht einmal ein Grundbuch seit 1825, also seit der Entstehung des postkolonialen Nationalstaates. Die Latifundias, die großen Besitzer schicken einfach die Pistoleros und wenn sie ein Mayadorf in Besitz nehmen wollen, dann erschießen sie ein paar Leute, die anderen fliehen. Und da habe ich Agrarreform und Grundbuch verlangt! Der amerikanische Botschafter ist auf mich losgegangen wie auf einen Aussätzigen und hat gesagt: „Wie können Sie! Diese Zeiten sind vorbei, wo die Diktatur den Markt beherrscht, wo Staaten in das Marktgeschehen eingreifen sollten!“
Wurde abgelehnt. Total abgelehnt. Ganz konkret. Das einzige, was ich da herausholen konnte, ist, dass die Weltbank jetzt vier Helikopter bezahlt, um wenigstens eine topografische Erfassung des Landes zu machen. Das sind die Voraussetzungen, damit vielleicht einmal im Jahr 3500 ein Grundbuch kommt und dann im Jahr 4000 eine Agrarreform.
Die 500 größten transnationalen Konzerne der Welt haben letztes Jahr 52 Prozent des Weltbruttosozialproduktes kontrolliert, also alle auf der Welt in einem Jahr produzierten Güter, Dienstleistungen, Patente, Kapitalien. Eine Macht, wie sie nie ein Kaiser, nie ein König, nie ein Papst auf diesem Planeten gehabt hat. Die Finanzoligarchien haben eine Macht, wie sie nie bestanden hat in der Geschichte der Menschheit ... „Die Unmenschlichkeit, die einem anderen angetan wird, zerstört die Menschlichkeit in mir.“ (Immanuel Kant)
Natürlich, die Situation ist düster. Die Aussichten sind düster. Ein Beispiel: Am 12. Oktober (2008) sind im Élyséepalast die 15 Staats- und Regierungschefs der Eurozone unter dem Vorsitz von Frau Merkel und Nicolas Sarkozy zusammengekommen. Sie haben dreieinhalb Stunden getagt und sich geeinigt, 1.700 Milliarden Euro freizusetzen, zu mobilisieren und freizugeben für die Interbankenkredite sowie die Eigenkapitalrendite der Banken von drei auf fünf Prozent heraufzusetzen. 1.700 Milliarden! Die acht Milleniumsziele (inkl. Abschaffung – zuerst Halbierung und dann Abschaffung des Hungers), die die 192 Staatschefs der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen im September 2000 zu Beginn des neuen Jahrtausends festgesetzt haben, würden pro Jahr 81 Milliarden Dollar kosten, auf fünf Jahre. Das sind etwa 1 Prozent der Riesensummen, die jetzt von den Eurozone-Staatschefs in die Bankruinen hineingeworfen werden – düstere Aussichten. Und natürlich: Die 81 Milliarden pro Jahr bekommt niemand aus eben jenen Staaten, die 1.700 Milliarden für ihre spekulierenden Bankhalunken freisetzen. Das ist eine düstere Aussicht.
Die mörderische Weltordnung des Raubtierkapitalismus kann gebrochen werden
Georges Bernanos, der französische (Schriftsteller),hat gesagt: „Dieu n'a pas d'autres mains, de le nôtre“ – Gott hat keine anderen Hände als die unseren. Entweder wir ändern diese Welt oder sonst tut es niemand. Der moralische Imperativ muss organisiert werden und er wird organisiert. Die planetarische Zivilgesellschaft ist im Entstehen, das neue historische Subjekt ist in der Genesis – steht an seinem Beginn. In Wien gibt es eine unglaublich aktive Attac-Sektion. Die habe ich in Heiligendamm letztes Jahr kennen gelernt. Heiligendamm, die G-8-Staatschefs hinter Stacheldraht. Ein Unterseeboot, Polizeihelikopter, 12.000 schwer bewaffnete Polizisten vor diesem Hotelkasten – von Wilhelm II. an die baltische See gesetzt – und jenseits des Stacheldrahtes Mecklenburgs die Zelte von 180.000 Menschen: Gewerkschafter, links, rechts. Alles, was sie wollen, alle Altersklassen, aus 41 Ländern, die gesagt haben: „So eine Welt nicht, wie ihr sie da fabriziert“.
Am 22. bis 28. Januar kommen wir zusammen zum neuen Weltsozialforum in Belém do Pará, im Norden Brasiliens. Die planetarische Zivilgesellschaft – die gibt es, sie ist ein identifizierbares, historisches Subjekt! Das ist kein vages Projekt, sondern Bewegungen, die sich langsam koordinieren, wie eine lebendes Internet, die wachsen und getragen sind ausschließlich vom moralischen Imperativ. Nicht von einer politischen Theorie. Es gibt kein Zentralsekretariat, es gibt keinen Vorstand, es gibt kein Programm, das man verteidigen kann. Nichts.
Es sind Leute, die im Kampf stehen: Frauen für die Gleichberechtigung, Katholiken in Köln für die Entschuldung, Attac für die Tobin-Steuer – also die Anti-Spekulationssteuer – Greenpeace für die Erhaltung der Natur, die noch vorhanden ist usw. usw. Es sind die Widerstandsfronten, die sich in diesen sozialen Bewegungen mobilisieren. Aber die so mächtig sind, dass heute keine Welthandelskonferenz mehr auf europäischem Boden stattfinden kann. Das muss man auch wieder sagen: In Seattle war das letzte Mal (stürmischer Applaus).
Jeder redet von der Doha-Runde. Jetzt soll die EU die Sache zum Abschluss bringen. 2001 war die letzte Verhandlungsrunde. Die Doha-Runde ist jetzt gestoppt, sie ist paralysiert wegen des Agrarabkommens. Doha, wissen Sie wo das ist? Ich habe das nämlich nicht gewusst. Das ist ein absolut obskures Scheichtum im Persischen Golf (Katar). Wo Menschenrechte nicht einmal im Flüsterton erwähnt werden können. Da gibt es eine Insel – dazu noch mit Kriegsschiffen umgeben. Dort wurde die letzte Welthandelskonferenz, die Doha-Runde beschlossen. Nach Doha müssen die heute, die Herren der Welt. Nach Doha! Verstehen Sie? Das zeigt deren demokratische Legitimität. Die ist nämlich null.
Ich will zum Schluss kommen. Ich möchte, dass Sie mir glauben, dass dieses historische Subjekt heute eine soziale Kraft ist und wächst und kumulative Kraft hat. Die Koordination wird immer stärker, und zwar jenseits von Parteien, Gewerkschaften usw. Diese planetarische Zivilgesellschaft ist die Hoffnung im theoretischen Klassenkampf, wie Sartre sagt; das sind die neuen Bewusstseinsinhalte wie im praktischen Klassenkampf, nämlich dem Kampf um die Herrschaftsbeziehungen, wie sie tatsächlich auf dieser Welt sind.
Willy Brandt – ich war lange Zeit im Büro der sozialistischen Internationale, die jetzt ein ziemlich verkommener Haufen ist, aber sie war unter Willy Brandt eine großartige Kraft, die älteste internationale politische Organisation der Welt. Karl Marx war der erste Generalsekretär. Und Willy Brandt – der leider im September 1992 gestorben ist – hat uns immer gesagt: „Wenn ihr öffentlich redet, was immer ihr auch sagt“, die Analyse muss ja stimmen, auch wenn sie absolut düster ist, „am Schluss muss Hoffnung sein. Keiner darf aus dem Saal ohne Hoffnung gehen.“
Und drum schließe ich jetzt mit dem letzten Vers vom „Canto General“ von Pablo Neruda. Am 11. September 1973 ist Salvador Allende gestorben in der brennenden Moneda, im Präsidentenpalast von Santiago. Einen Monat später, vor Kummer und Verzweiflung, ist sein intimster Freund, Pablo Neruda, der Dichter, auf der Isla Negra gestorben und der letzte Vers des Canto General, dieses unglaublichen epischen Gedichtes heißt: „Podrán cortar todas las flores, pero no podrán detener la primavera.“
Sie – unsere Feinde – können alle Blumen abschneiden, aber den Frühling werden sie nie aufhalten können.
Ich danke Euch.
Auszüge aus der Wiener Rede – transkribiert, überarbeitet und gekürzt: Redaktion HINTERGRUND Jean Ziegler sprach am 18. November 2008 im Festsaal des Wiener Rathauses vor 2.500 Gästen im Rahmen der „Wiener Vorlesungen“. Veranstalter war die Kulturabteilung der Stadt Wien.
Jean Ziegler ist Soziologe, Politiker und Sachbuchautor. Bis zu seiner Emeritierung im Mai 2002 war er Professor für Soziologie an der Universität Genf und ständiger Gastprofessor an der Sorbonne in Paris. Er war bis 1999 Abgeordneter im Nationalrat des Schweizer Parlaments, von 2000 bis 2008 UN-Sonderberichterstatter. Am 26.3.2008 wurde Jean Ziegler in den Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats gewählt. So das Fazit von Jean Ziegler in seinem Bericht aus dem Innern der neuen Weltwirtschaft. Die Globalisierung polarisiert die Weltgesellschaft: Den Wenigen, ... "Ich habe mir geschworen, nie wieder, auch nicht zufällig, auf der Seite der Henker zu stehen." (J. Ziegler) Bild - Reporter ohne Grenzen
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Die Legende vom nachhaltigen Wachstum Ein Plädoyer für den Verzicht von Niko Paech Würden wir eine Welt vermissen, in der man sich zwischen drei Dutzend Fernsehprogrammen, Internet, DVD, Kino und anderen Zerstreuungen glaubt entscheiden zu müssen und in der Spaß zum Freizeitstress wird? Wäre es nicht schöner, wieder mehr selbst zu gestalten? Mehr Zeit für die Kinder zu haben. Endlich mal wieder selbst Musik zu machen oder zu kochen, dem Nachbarn zu helfen oder sich ehrenamtlich zu engagieren. Aber wie soll das gehen bei 40 Stunden Arbeit pro Woche, manchmal auch mehr? Wer so viel arbeitet, möchte sich auch mal etwas gönnen: ein neues Auto, ein iPad, einen neuen Flachbildfernseher - die Playstation für die Kinder nicht zu vergessen. Und schon steckt man fest im Teufelskreis aus Konsumbedürfnissen und Zeitmangel. Tagtäglich muss sich der zeitgenössische Konsument seinen Weg durch ein dichtes Gestrüpp käuflicher Selbstverwirklichungsangebote bahnen. Auf dem Rummelplatz der glitzernden Verführungen den Überblick zu behalten, kostet vor allem eines: Zeit. Alles will zur Kenntnis genommen, betrachtet, geprüft, abgewogen, verglichen, zum Gegenstand einer Kaufentscheidung und eines Kaufakts werden und schließlich auch noch genutzt werden. Dabei wird auch die Zeit immer knapper, die den vielen Konsumobjekten gewidmet werden muss, damit sie überhaupt Genuss stiften können. Dies liegt sowohl an der Reizüberflutung, die unsere Aufmerksamkeit und Zeit stiehlt, als auch daran, dass wir uns immer mehr Dinge leisten können, auf die wir unsere Zeit verteilen müssen. Inzwischen braucht man schon einen gewissen Selbstschutz, um in diesem Hamsterrad nicht die Orientierung zu verlieren. Ein möglicher Ausweg bestünde in einem entschleunigten Lebensstil, angefangen mit einer Entrümpelung: Von welchen Energiesklaven, Konsumkrücken und Komfort verheißenden Infrastrukturen könnte sich die Gesellschaft und jeder Einzelne freimachen? Der Abwurf von Wohlstandsballast wirkt befreiend. Es gilt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, statt sich in einer frustrierenden Vielfalt von Glücksversprechen zu verlieren. Prinzipiell wäre es ganz einfach, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Zumindest für die Besserverdienenden in den Industrieländern: Wer nur 20 Stunden pro Woche dem Gelderwerb nachgeht, kann die verbleibende Zeit dem selbst bestimmten Leben widmen. Diese Menschen könnten zu einer vorteilhaften Balance aus Selbst- und Fremdversorgung finden, zu einer neuen "urbanen Subsistenz". Sie bedeutet weniger materiellen Konsum und mehr Souveränität über die eigene Zeit, weniger Abhängigkeit von globaler Fremdversorgung. Doch zurück zur Wirklichkeit, die geprägt ist von einer märchenhaften Expansion der Dinge, die man zu brauchen glaubt, um frei und glücklich zu sein, und in der nichts geht ohne den Glauben an das unbegrenzte Wachstum. Von ihm hängt angeblich nicht nur der Wohlstand ab, sondern auch Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden, die nur garantiert werden können, wenn alles immer mehr wird. Diese Vision hat lange funktioniert. Mit der Verzahnung von wirtschaftlichem Wachstum und technischem Fortschritt schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis alle Engpässe und Hindernisse beseitigt wären, die der gebotenen Selbstverwirklichung noch im Wege stehen. Dabei galt es nicht nur, die Instrumente der individuellen Glückssuche fortwährend zu verbessern, sondern diese über quantitatives Wachstum einer immer größeren Anzahl von Erdbewohnern zugänglich zu machen - um so dem historischen Großvorhaben einer befriedeten Menschheit näher zu kommen. Dabei wissen wir schon lange, dass unbegrenztes Wachstum ein Mythos ist. Anfang der 1970er Jahre störte ein Zwischenruf die allgemeine Wachstumsparty. Der Club of Rome veröffentlichte 1972 seinen Bericht "Die Grenzen des Wachstums", der einen Wendepunkt markierte: Danach ließ sich gesellschaftlicher Fortschritt nicht mehr umstandslos in einen bedingungslosen Wachstumsimperativ übersetzen. Mit den "Grenzen des Wachstums" trat ein Phänomen zutage, welches fortan ökologische Lebensgrundlagen genannt wurde. Es war der Anstoß zu kritischen Reflexionen, die den modernen Industrie- und Konsumkomplex zwar als Verursacher neuer Knappheiten entlarven konnten, den Glauben an die Allmacht von Technik, Wissenschaft und Wachstum aber nicht wirklich erschüttert haben. Damals wurde das unhaltbare Modell des unbegrenzten materiellen Wachstums durch eine vermeintlich geläuterte Fortschrittszuversicht verdrängt, die eng mit den Vorstellungen von einer nachhaltigen Entwicklung verwoben ist. Doch was hier als ökologische Aufklärung daherkam, verleitete im Grunde nur zu einer weiteren Verschärfung des ökonomischen und technischen Machbarkeitswahns. Denn fortan begnügten sich die Fortschrittsideologen nicht mehr damit, die materialisierten Symbole für Freiheit und Wohlergehen immer weiter zu mehren, sondern behaupteten allen Ernstes, dies obendrein auf ökologisch unschädliche Weise vollbringen zu können. Damit begann der große Selbstbetrug des "nachhaltigen", des "grünen" Wirtschaftens, das als "qualitatives" und "kohlenstofffreies" Wachstum schöngeredet wird. Der Traum vom dematerialisierten Wachstum ist aber nicht mehr als eine Travestie der Irrlehre vom unbegrenzten Wachstum. Frei nach dem Motto: Der in Geld transferierte Output einer weltweit arbeitsteiligen Industrie kann weiterhin unbegrenzt wachsen, während gleichzeitig die geschundene Biosphäre entlastet wird. Um die Vision vom nachhaltigen Wirtschaften glaubwürdig erscheinen zu lassen, wird jedoch der Zielkonflikt zwischen ökonomischen Wachstum und ökologischer Nachhaltigkeit verleugnet beziehungsweise durch eine Scheinargumentation vermeintlich entkräftet. Ausgangspunkt für das Greenwashing des "nachhaltigen" Wachstums ist die Unterscheidung zwischen qualitativem und quantitativem Wachstum. Dies suggeriert, dass sich industrielle Wertschöpfung in zwei Dimensionen aufspalten lässt: Man unterscheidet kurzerhand zwischen den rein qualitativen Werten - das sind die nutzbringenden Funktionen, um derentwillen die Güter überhaupt produziert werden - und einer materiellen Dimension des Outputs, die allein als ökologisch problematisch erscheint. Immer mehr haben heißt immer mehr verbrauchen Die solchermaßen sauber herausgelöste Qualität soll weiter wachsen, da sie ja ökologisch unbedenklich ist, den angestrebten Konsumnutzen erhöht und zugleich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigert. Der Nachhaltigkeitsdiskurs hat zwei Entkopplungsmythen hervorgebracht. Beide erheben den Anspruch, die qualitativen (wünschenswerten) von den quantitativen (unerwünschten) Bestandteilen der industriellen Maschinerie trennen zu können. Der erste Mythos zielt darauf, die Ressourcen effizienter zu nutzen. Der zweite ist das nahezu unbegrenzte Recycling, also die Idee, materielle Stoffkreisläufe durch Wiederverwertung ökologisch transformieren zu können. Die angeblich gesteigerte Ressourceneffizienz kann man sich am Beispiel Passivhaus klarmachen. Solche Häuser bieten ihren Bewohnern dieselben Annehmlichkeiten wie konventionelle Wohnhäuser, verbrauchen aber nur einen Bruchteil der Wärmeenergie. Ähnliches gilt für Energiesparlampen, Dreiliterautos oder Kühlschränke, deren Energiebedarf sich - unter Beibehaltung der gewohnten Wohlstandsmerkmale - reduzieren lässt. Neben dem technischen Fortschritt sorgen auch veränderte Arrangements von Verfügungsrechten dafür, dass eine Entkopplung theoretisch möglich erscheint. So versinnbildlicht das oft zitierte Beispiel des Carsharings ein alternatives Mobilitätssystem, in dem die Teilnehmer auf das Eigentum eines Autos verzichten und stattdessen ein befristetes Verfügungsrecht konsumieren, also den angestrebten Nutzen (Fortbewegung per Auto) in Reinform abrufen. An gefahrenen Kilometern soll indes nicht gespart werden, denn das würde dem zentralen Versprechen dieser Dienstleistungsstrategie zuwiderlaufen: Entlastung der Ökologie ohne Wohlstandsverlust. Ein ähnliches Versprechen enthält der zweite Aspekt des Entkopplungsszenarios, der auf der - behaupteten - ökologischen Konsistenz beruht. Hier geht es, anders als bei der Effizienz, nicht um die quantitative Verringerung des materiellen Inputs, sondern um einen qualitativ veränderten industriellen Stoffwechsel. Nach dem Vorbild der Natur sollen alle materiellen Kreisläufe geschlossen, insbesondere die verwendeten Substanzen, Energieträger und Umwandlungsprozesse perfekt in die Ökologie eingebettet werden. Was biologisch abbaubar ist, zerfällt nach seiner Nutzung buchstäblich zu neuer Nahrung für die Ökologie. Auch jenseits organischer Systeme soll dieses Prinzip angewandt werden, nämlich als technische Wiederverwertbarkeit. Wenn das Design aller Produkte, Technologien und Infrastrukturen deren restlose Demontage und Wiederverwendung zuließe, entfiele nicht nur jede ökologische Belastung, sondern es entstünde sogar industrielle Nahrung für neue Wertschöpfung. Ein derart futuristisches Ressourcenkarussell, das sich schnell genug drehen müsste, weil sonst kein Wirtschaftswachstum denkbar wäre, verbraucht allerdings viel Energie. Kein Problem, sagen seine Protagonisten, denn Wind, Sonne, Biomasse und Geothermie sind reichlich vorhanden und ökologisch konsistent, weil emissionsfrei. Doch die Gesetze der Thermodynamik lassen sich auch in einer ausgeklügelten Dienstleistungs- oder Kreislaufwirtschaft nicht austricksen. So wie das effiziente Carsharing weiterhin Autos als "Dienstleistungserfüllungsmaschinen" benötigt, kommt die Konsistenzstrategie nicht ohne Windkraft- und Solaranlagen aus, deren Produktion und räumliche Ausbreitung alles andere als immateriell ist. Entlastung gelingt also höchstens graduell. Der pro Wertschöpfungseinheit anfallende ökologische Verschleiß - gemessen etwa in Emissionen, Abfällen, Materialen, Wasser, Flächen und Biodiversität - mag zwar sinken, jedoch niemals auf den Wert null. Die ökologische Gesamtbilanz des Systems verbessert sich nicht, wenn ressourcenverbrauchende Neuerungen lediglich Vorhandenes ergänzen. Anders formuliert: Nachhaltiges Carsharing würde erfordern, dass Pkw-Besitzer ihr Fahrzeug ausrangieren, um zu Nutzern einer Dienstleistung zu werden. Unterm Strich muss sowohl die Autoproduktion als auch die Zahl der gefahrenen Kilometer sinken, um einen positiven Umwelteffekt zu haben. Wie aber soll dann das Bruttoinlandsprodukt wachsen? Für die Bauwirtschaft würde das heißen, dass für jedes zusätzliche Passivhaus ein weniger energieeffizientes Haus abzureißen wäre. Andernfalls nähme lediglich die zu beheizende Wohnfläche zu. Doch selbst wenn ein solcher Austausch des Gebäudebestands gelingen würde, stünde dem verminderten Wachstum an neuen Gebäuden eine Zunahme an Entsorgungsfällen gegenüber. Wohin aber mit der ausrangierten Materie in einer immer engeren Welt? Wie viel Energie wäre nötig, um Materie verschwinden zu lassen oder einer Wiederverwertung zuzuführen, zumal viele der Abfälle gar nicht kreislauffähig sind? Zudem müsste das Ausrangieren oder "Abwracken" einen ausreichend hohen Zyklus der Neuschöpfung speisen, damit die entstehenden Umsatzerlöse für das nötige Wirtschaftswachstum sorgen - ein "Wegwerfmodus", der wiederum zu Lasten einer ökologisch effizienten Nutzungsdauer ginge und außerdem die Rentabilität der Immobilien verringern würde. Betrachtet man den gesamten Energieaufwand, wird deutlich, dass nur die energetische Optimierung vorhandener Gebäude - anstelle von Neubauten - die CO(2)-Belastung senken kann. Aber selbst eine groß angelegte Sanierungsoffensive würde nur ein begrenztes Wertschöpfungspotenzial erzielen und bestenfalls einen vorübergehenden Konjunkturimpuls auslösen. Wenn schließlich alle geeigneten Gebäude saniert sind, wird ein Bausektor in heutiger Dimension nicht mehr gebraucht. Es gäbe nur noch Bedarf für Instandhaltungsmaßnahmen, gelegentliche Renovierungen und den sporadischen Ersatz einzelner Gebäude. Dieses Szenario würde zwar eine beträchtliche CO(2)-Minderung bringen, aber kein Wirtschaftswachstum, sondern einen konstant niedrigen Wertschöpfungsstrom. Noch eklatanter zeigt sich der Widerspruch zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit bei den erneuerbaren Energien: Wenn der flächendeckende Ausbau von Bio-, Solar- und Windenergieanlagen nicht mit einem gleichzeitigen Rückbau fossiler und atomarer Kraftwerke einhergeht, werden die Umweltbelastungen sogar zunehmen, weil die Produktions- und Logistikketten der neuen Anlagen zusätzlich zu Buche schlagen. Aber selbst wenn die Erneuerbaren tatsächlich zu einer absoluten CO(2)-Reduktion beitragen könnten, würden sie doch noch immer unversiegelte Flächen verbrauchen. Und die gehören inzwischen zu den knappsten Ressourcen überhaupt. Ihr massiver Verbrauch ist mit einer wirklich nachhaltigen Wirtschaft nicht vereinbar. Oft wird behauptet, die gegenwärtige parallele Nutzung fossiler, atomarer und erneuerbarer Kapazitäten sei nur eine vorübergehende Phase. Das könnte sich jedoch als Irrtum erweisen. Denn durch die Erneuerbaren steigt das Elektrizitätsangebot insgesamt. In der Folge sinkt der Marktpreis für Strom, und die Nachfrage nimmt zu. Da die moderne Konsumgesellschaft darauf ausgelegt ist, immer mehr Funktionen und Gerätschaften zu mechanisieren, zu automatisieren, zu digitalisieren und damit unweigerlich zu elektrifizieren, werden sich noch mehr Menschen an einen noch energieintensiveren Lebensstil gewöhnen. Eine spätere Rückkehr auf das Verbrauchsniveau vor Einführung der Erneuerbaren würde ihnen einen Verzicht auf Konsumansprüche abverlangen. Aber dazu wird es nicht kommen, denn derlei Lebensstildebatten sind unbequem, wer dem Credo der ökologischen Modernisierung folgt, vermeidet oder verdrängt sie besser von vornherein. Einer solchen unumkehrbaren Entwicklung wäre vorzubeugen, indem der Aufbau neuer Kapazitäten an den sofortigen - oder sogar vorherigen - Rückbau alter Energieanlagen gebunden wird. Der resultierende Wertschöpfungssaldo aus Rück- und Neubau dürfte sich kaum mit ökonomischem Wachstum vereinbaren lassen. Es kann sogar insgesamt zur Schrumpfung kommen, wenn der fossile Sektor mehr Wertschöpfung verliert als im regenerativen Sektor langfristig entstehen kann. Es ist also falsch, anzunehmen, dass sich ökonomisches Wachstum und Ressourcenverbrauch durch Effizienz- und Konsistenzmaßnahmen entkoppeln ließe. Ganz im Gegenteil gilt, dass Effizienz und Konsistenz die Umweltbelastung nur dann senken werden, wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst. "Entkopplung" kann es nach dieser Logik nicht geben. Abschied von der Vorstellung, das Neue wäre sicher besser Gerade weil die sogenannte Exnovation (Beseitigung) alter Technologien und Produkte eine Voraussetzung für Nachhaltigkeit ist, lässt sich die ökologische Vorteilhaftigkeit des Wandels nicht leicht ermitteln. So wäre von den Vorteilen des Passivhauses im Vergleich zum Altbau der Ressourcenaufwand sowohl für die Entsorgung als auch für den Neubau zu subtrahieren. Noch schwieriger wird die Abwägung, weil auch alle möglichen Neben- und Spätfolgen der neuen Lösung einzukalkulieren sind. Wie soll die Verringerung von Emissionen gegen den Verbrauch von Fläche bilanziert werden? Dass dieses Dickicht aus Unwägbarkeiten unweigerlich zur Achillesferse der ökologischen Modernisierung wird, liegt an deren bedingungsloser Innovationsfixierung. Ohne Innovation kein technischer Fortschritt. Innovation bedeutet, dass der Bestand an vorhandenen Optionen um neue Lösungen erweitert wird. Wann immer aber neue, bislang unbekannte Lösungen für den Fortschritt nutzbar gemacht werden, handelt es sich zunächst um reine Addition. Die Innovationsorientierung stemmt sich gegen jede Genügsamkeit oder Zurückhaltung, die den Selbstverwirklichungsansprüchen quantitative Grenzen setzen könnte. Innovation verspricht unbegrenzte Elektromobilität, statt den motorisierten Individualverkehr zu verringern. Sie stellt Passivhäuser in Aussicht, statt die Menschen darauf einzustimmen, dass sie mit weniger oder demselben Wohnraum auskommen können. Sie beschwört das gigantische Wüstenstromprojekt Desertec, träumt von der Einlagerung schädlicher Treibhausgase in unterirdischen Gesteinsschichten und treibt sowohl Kernfusion als auch den Ausbau von Bioenergie und Offshore-Windparks voran, statt zu kreativem Stromsparen einzuladen - und die Hälfte aller Kohlekraftwerke einfach ersatzlos stillzulegen. Nur auf der Grundlage eines solchen expansiven Verständnisses von Innovation lässt sich eine nachhaltige Entwicklung überhaupt als wachsende Wirtschaft vorstellen. Statt ursachenadäquat all jene Praktiken zu unterlassen, die ökologische Probleme hervorrufen, wird Nachhaltigkeit in ein Projekt des zusätzlichen Bewirkens umfunktioniert. Damit ist das Festhalten am Wachstumsdogma - in der vermeintlich ökologieverträglichen Variante - legitimiert und ein maßlos gewordenes Wohlstandsmodell gegen kulturellen Wandel geschützt. Die überfällige Diskussion über niedrigere Ansprüche und den Lebensstil erscheint obsolet. Innovation braucht den Vorstoß ins Ungewisse. Sie sucht die unstetige, nicht lineare Veränderung und damit nachgerade den Bruch mit allem Vorhandenen und Bekannten. Weil sie neue Zusammenhänge aufdecken und nutzen wollen, entziehen sich Innovationsprozesse der genauen Prognose und Steuerung. Dabei werden - der Fortschritt hat seinen Preis - Risiken bewusst in Kauf genommen. Die unbeabsichtigten Nebenfolgen einer Innovation zeigen sich erst, wenn ihre Verbreitung und Anwendung vollzogen ist, so dass es für vorbeugende Gegenmaßnahmen zu spät ist. Aus dem Versuch, ein Problem zu lösen, erwachsen neue Probleme an einem anderen Ort, zu einer späteren Zeit oder in einem anderen ökologischen Kontext. Dies erfordert neue innovative Gegenmaßnahmen, die ihrerseits neue Probleme schaffen, ohne die Ausgangsprobleme vollständig zu beseitigen. So entsteht ein Teufelskreis, der die Probleme systematisch von der Gegenwart in die Zukunft verschiebt. Auch die ökologische Modernisierung krankt daran, dass zwischen der Reichweite innovativer Vorstöße und dem Wissen über mögliche Spätfolgen ein immer tiefer werdender, unüberbrückbarer Graben klafft. Dies lehrt etwa das Desaster der Biotreibstoffe, deren Anbau der Umwelt mehr schadet als nützt und in vielen Ländern den auf Subsistenzlandwirtschaft angewiesenen Kleinbauern ihre Existenzgrundlage raubt. Ähnliches gilt für die Informations- und Kommunikationstechnologien, wo nach all den digitalen Verheißungen schon bald ein böses Erwachen droht: Gigantische Mengen von Elektroschrott, neue Energiefresser, steigende Strahlenbelastungen sowie Kriege um afrikanisches Coltan sind die sichtbarsten Folgen. Der innovationsgetriebene Fortschritt - auch der zwecks Nachhaltigkeit forcierte - löst soziale und kulturelle Veränderungen aus, die im vorhinein schwer einzuschätzen, oft kontraproduktiv und außerdem unkorrigierbar sind. Vor allem aber ist die Innovationsorientierung im Kern strukturkonservativ. Umweltfreundliche Produkte und Technologien wie der Dreiwegekatalysator, der Hybridantrieb, der Brennstoffzellenantrieb oder die Elektromobilität immunisieren maßlose Mobilitätsansprüche gegen jede Kritik. Passivhäuser legitimieren das unausgesprochene "Menschenrecht", nach Lust und Laune Einfamilienhäuser in die Landschaft zu bauen. Und dass die Erneuerbaren emissionsfrei sind, wird als Rechtfertigung herangezogen, um unbequemes Energiesparen zu vermeiden. Angenommen, es würde sich herausstellen, dass Mobilfunk als Teil jener digitalen Revolution, der einst hohe Dematerialisierungspotenziale zugetraut wurden, doch krebserregend ist. Wie könnte dann die Handykommunikation, von der sich die Menschheit inzwischen vollständig abhängig gemacht hat, unterbunden werden? Das mobile Telefon ist längst Teil der Alltagskultur, keine Macht der Welt könnte es per Rückrufaktion wieder aus dem Verkehr ziehen. Es bliebe nur eine nächste Innovationswelle, die wie ein Gegengift die negativen Folgen der vorherigen Technologie neutralisieren würde - ohne diese zu entfernen. "Unter dem Imperativ der Innovation werden Gegenwartskrisen niemals aus begangenen Irrtümern oder Fehlentscheidungen erklärt. Krisen sind in dieser Lesart immer und ausschließlich Resultat eines Novitätsmankos. Wer in der Krise steckt, ist nicht modern genug. Punktum. Für die Innovateure liegt die Rettung in der Zukunft des Nie-Dagewesenen. Jede Besinnung, jedes Innehalten, jedes Zögern ist darum verlorene Zeit, geradezu Sabotage gegen die vorwärts weisenden Rettungsbemühungen", so Marianne Gronemeyer in ihrem Buch "Immer wieder neu oder ewig das Gleiche".(1 ) Diese Argumentationsfigur macht es möglich, am Mythos von der Entkopplung trotz seines nicht zufälligen, sondern systematischen Scheiterns unbeirrt festzuhalten. In dieser Logik ist jede fehlgeschlagene Modernisierungsphase nur ein weiterer Beweis dafür, dass die richtigen Innovationen eben noch nicht entwickelt wurden oder dass die bisherigen Innovationsanstrengungen nicht stark genug waren. Mit Nachhaltigkeitszielen lässt sich der zunehmende Konsum- und Mobilitätswohlstand inzwischen kaum noch vereinbaren. Folglich müssen immer dramatischere Effizienz- oder Konsistenzvisionen herbeikonstruiert werden, um wenigstens die theoretische Möglichkeit einer Entkopplung aufrechtzuerhalten. Sogenannte Zukunftsprojekte wie etwa Desertec oder eine Steigerung der Ressourcenproduktivität um den Faktor 10 muten da wie Science-Fiction an. Sie rechtfertigen das Festhalten am Entkopplungs- und Wachstumsparadigma - und überantworten das Schicksal unseres Planeten samt der auf ihm lebenden Menschheit einem technologischen Fortschritt, der noch gar nicht eingetreten ist und dessen künftiges Eintreten nur erhofft, beschworen oder geglaubt werden kann. Na dann: halleluja! Nachhaltige Entwicklung kann indes nur eine Kunst der Reduktion sein. Deshalb zielt eine Postwachstumsökonomie darauf, Expansionszwänge zu überwinden. Der wichtigste besteht in einem Lebensstil, der vollständig von geldvermittelter und global arbeitsteiliger Fremdversorgung abhängig ist. Wenn Bedürfnisse, die einst durch Handwerk, Eigenarbeit, Subsistenz, lokale Versorgung und soziale Netzwerke befriedigt wurden - oder auf deren Befriedigung man schlicht verzichtete -, durch käufliche Produkte, Dienstleistungen und eine komfortable Automatisierung/Mechanisierung erfüllt werden, ist die Existenzsicherung einer Geld speienden Wachstumsmaschine ausgeliefert. Mit zunehmender Spezialisierung, die eine immer größere Distanz zwischen Verbrauch und Produktion schafft, steigt die Anzahl der Wertschöpfungsstufen, deren Investitions- und Kapitalbedarf zur Notwendigkeit ökonomischen Wachstums beiträgt. Eine Postwachstumsökonomie beginnt daher mit einer Genügsamkeitsstrategie. Sie konfrontiert die verzweifelte Suche nach weiteren Steigerungen von Güterwohlstand mit einer Gegenfrage: Welcher Plunder, der nur wachstumsabhängig macht, ließe sich über Bord werfen? Der zweite Schritt bestünde in einer Reaktivierung nichtkommerzieller Versorgung: Eigenarbeit, handwerkliche Fähigkeiten, (urbane) Subsistenz, Community-Gärten, Tauschringe, Netzwerke der Nachbarschaftshilfe, Verschenkmärkte, gemeinschaftliche Nutzung von Geräten sowie regionale Kreisläufe auf Basis zinslos umlaufgesicherter Komplementärwährungen würden zu einer graduellen Deglobalisierung verhelfen. Würden diese Strategien mit einer Halbierung der durchschnittlichen Erwerbsarbeit kombiniert, bräuchte der auf Geldwirtschaft und industrieller Arbeitsteilung basierende Komplex nur noch halb so groß zu sein. Zudem wäre er so umzugestalten, dass die Neuproduktion von Gütern eine eher untergeordnete Rolle spielte. Der Fokus läge auf dem Erhalt, der Um- und Aufwertung vorhandener Produktbestände und Infrastrukturen und auf der längeren und intensiveren Nutzung von Gegenständen. Zudem wären Elemente einer Geld- und Bodenreform sowie die Einführung individueller Kohlendioxidbilanzen notwendig. Eine derartige Postwachstumsökonomie wäre genügsamer, aber auch stabiler und ökologisch weitaus verträglicher. Und sie würde auch die vielen Menschen entlasten, denen im Hamsterrad der materiellen Selbstverwirklichung schon ganz schwindelig wird.
Das politische System der BRD und des weltweiten Kapitalismus befindet sich in der Krise oder sollen wir sagen im Niedergang. Es hat seine Integrationskraft verloren. Immer weniger Menschen trauen den herrschenden Eliten zu, daß sie die anstehenden Probleme lösen können. Dies wäre eigentlich eine gute Gelegenheit für Menschen, die die herrschende Ordnung ablehnen, die gesellschaftlichen Strukturen in ihrem Sinne zu verändern.
Die verschiedenen Strömungen der sogenannten "Linken" in der BRD sind jedoch nicht in der Lage, diese Chance wahr zu nehmen. Sie haben weder ein überzeugende Analyse, die die Probleme der Menschen erklärt, noch ein Angebot, wie sich durch gemeinsames Handeln die Lage verändern ließe.
Die allumfassende und andauernde Ausbeutung, Unterdrückung, Verdummung und Deformation bis in die innersten Bereiche der Persönlichkeit ist nicht nur von "oben" aufgezwungen. Den Menschen fehlt das Vertrauen in sich selbst, ihre Angelegenheiten ohne Führung der "Eliten" aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft zu regeln.
Ein Diskussions- und Handlungszusammenhang, der die herrschenden Verhältnisse verändern will, kann sich nur auf die Fähigkeit des Menschen (und des Lebens ganz allgemein) zur Selbstorganisation stützen. Eine neue Elite aus Funktionären mit einer neuen Ideologie und neuen Patentrezepten welcher Art auch immer kann kein klar denkender Mensch wollen.
Laßt uns also gemeinsam erforschen wie das herrschenden System unsere Fähigkeit zur Selbstorganisation beschneidet und zerstört, um daraus seinen Nutzen zu ziehen. Sei das auf dem Gebiet der Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, der Produktions- und Eigentumsverhältnisse der Wissenschaft, des Denkens, der öffentlichen Meinung, der Kunst des Persönlichen Selbstbildes, der Identität, des Rollenverhaltens, der Sexualität.
Laßt uns unsere vergrabenen und zerstörten Fähigkeiten der Selbstorganisation wieder entdecken - Das Universum ist lebendig und intelligent, es entwickelt sich und wir können Teil dieses Prozesses sein, ob als Einzelner oder als Gruppe. Kann uns das Bewußtsein, Teil eines intelligenten, lebendigen Universums zu sein, helfen, uns trotz der allgegenwärtigen Bedrohung und Verarschung gemeinsam zu entwickeln und zu organisieren?ww www.anarchie.de Das Ende der Arbeit Was viele bei der Diskussion um die Wirtschaftskrise vergessen: Unser gegenwärtiges System kann schon deshalb nicht länger funktionieren, weil uns ganz einfach die Arbeit ausgeht. Endlich wird die Arbeit knapp!
Denn mit der technischen Entwicklung und der Steigerung der Arbeitsproduktivität haben sich die Voraussetzungen für Arbeit fundamental verändert. In einem Interview mit der Stuttgarter-Zeitung brachte US-Ökonom Jeremy Rifkin die Entwicklung jüngst auf den Punkt: "Wir sind mitten in einer Umwälzung, die die industrielle Revolution noch übertrifft. Durch die ersten Mechanisierungsschübe verloren Millionen von Menschen ihre Jobs und wanderten vom Land in die Städte, um dort mit den Maschinen zusammen zu arbeiten. Aber die Computer und Informationstechnik von heute machen immer mehr Menschen ganz überflüssig. [...] Wir vollziehen gerade einen Wandel hin zu einem Markt, der zum allergrößten Teil ohne menschliche Arbeitskraft funktioniert. Bis 2010 werden nur noch zwölf Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Fabriken gebraucht. Bis 2020 werden es weltweit nur noch zwei Prozent sein." Sein Fazit: "Langfristig wird die Arbeit verschwinden." Das sollte eigentlich eine gute Nachricht sein. Schon jetzt müssten wir nach verschiedenen Berechnungen nur noch 3-6 Stunden arbeiten, um das gleiche Wohlstands-Niveau zu halten, wie vor 10 Jahren - wenn es bei Arbeit überhaupt darum ginge, die Sachen herzustellen, die alle Menschen brauchen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Auch die Befürworter des Bürgergeldes verweisen immer wieder auf die Tatsache, dass es völlig absurd ist, ein System zu erhalten in dem Arbeitslosigkeit ein Problem darstellt, während es gleichzeitig Arbeitslosigkeit produziert: "In Zeiten produktivitätssteigernder Rationalisierungen stellen Aufrufe zur Vollbeschäftigung nichts als einen Ausdruck von Realitätsverlust dar. Um "Vollbeschäftigung" herzustellen müsste man die Wirtschaft an der Modernisierung hindern, massiv Löhne senken oder künstlich steuerfinanzierte "Arbeit" schaffen." schreibt die Bundesagentur für Einkommen in ihrem Aufruf zum 1. Mai. Die Lüge erhaltenDie Regierung tut dennoch alles erdenkliche, um die Illusion aufrecht zu erhalten - noch immer ist die Reduzierung der Arbeitslosigkeit Thema Nummer eins in den Wahlkämpfen und für die Herkunft der Arbeitslosigkeit bekommen wir immer wieder dieselben Lügen aufgetischt: 1. Arbeitslosigkeit entsteht, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern Die Wahrheit: Die Zahl der Jobs die in Deutschland verschwinden, weil sie zum Beispiel nach Osteuropa oder China verlagert wird, ist verschwindend gering. Sie macht gerade mal ein Prozent der abgebauten Stellen aus.
Der wirkliche Jobkiller ist der technologische Fortschritt. 2. Arbeitslosigkeit entsteht, weil die Leute für die bestehenden Jobs nicht richtig ausgebildet sind.
Die Wahrheit: Selbst wenn alle Arbeitslosen in Deutschland Professor Dr. Dr. Ing. wären, hätten sie immer noch keinen Job. 3. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Die Wahrheit: Die Vergleiche zu den USA, mit denen hier immer wieder argumentiert wird, greifen kaum, wenn man sich die Auswirkungen eines abgespeckten Sozialsystems genauer anschaut: Allein 2 Millionen Menschen sitzen in den USA zum Beispiel in Gefängnissen. Die Lüge muss aber aufrecht erhalten werden, weil nur durch das gegenwärtige System eine Umverteilung des Reichtums von unten nach oben möglich ist. Nur in der bestehenden Logik können Menschen gezwungen werden, menschenunwürdige oder moralisch bedenkliche Arbeit anzunehmen. Die Zeit nach der ArbeitEs wird Zeit zu erkennen, das Lohnarbeit nicht mehr notwendig ist, sondern nur der perverse Auswuchs eines Systems ist, dass soziale Ungerechtigkeit manifestiert und langfristig zum Scheitern verurteilt ist. Es gilt nun Utopien zu wagen für eine Zeit nach der Arbeit. Das sieht auch Jeremy Rifkin ähnlich: "Ich sehe zwei Alternativen für unsere Zukunft. Die eine ist eine Welt mit Massenarmut und Chaos. Die andere ist eine Gesellschaft, in der sich die von der Arbeit befreiten Menschen individuell entfalten können. Das Ende der Arbeit kann für die Menschheit einen großen Sprung nach vorn bedeuten. Wir müssen ihn aber auch wagen." Wie das Aussehen könnte, wird zur Zeit an vielen Stellen diskutiert: Bürgergeld/Bedingungsloses Grundeinkommen, Währungen auf Zeitbasis, massiver steuerfinanzierter Ausbau des Non-Profit Sektors, Ressourcenbasierte Ökonomie ... Vorschläge gibt es genug. Alle Vorschläge werden aber nur dann funktionieren, wenn sich gleichzeitig auch das Bewusstsein der Menschen ändert: Wenn nicht mehr gearbeitet wird, um eine Minderheit Reich zu machen, sondern ein erfülltes Leben in Wohlstand für alle zu ermöglichen. Dazu muss zunächst der mit der Lohnarbeit zusammenhängende, fast religiöse Wahn beendet werden, zu dem wir alle konditioniert wurden. Menschen können sich durch gegenseitige Kooperation aus dem Zwang der Lohnarbeit zumindest teilweise befreien. Wenigstens im Kopf sollten wir wieder frei werden, denn: Eine mögliche Welt ist anders! (Quelle - David Rotter - www.sein.de)
ARBEIT - Erst die Arbeit - dann das Vergnügen! Das ist das Leitmotiv, das wie ein Abzählvers klingt und vom Kopf nach unten den Bewegungen des Körpers, einen militärischen Rhythmus gibt. Das ist die alte Leier, harmlos, aber eindringlich, die den Rückzug der entstehenden Intelligenz begleitet. Und sicherlich wird bald eine andere Intelligenz unter der Führung der Arbeit das Feld besetzen, eine Intelligenz, bei der das Herz am wenigsten zählt und am besten versteinert. Bild - Gerold
Techniken: Es scheint , daß man einigen Anregungen von Jürgen Habermas folgend drei Haupttypen von Technik unterscheiden kann: die Techniken zur Erzeugung, Umformung, Manipulierung von Dingen; die Technik zur Verwendung von Zeichen; und schließlich die Technik zur Bestimmung des Verhaltens von Individuen, zur Aufzwingung gewisser Zwecke oder, Ziele. Also die Produktionstechniken, die Signifikations- oder Kommunikationstechniken und die Herrschaftstechniken.
Ich aber wurde mir mehr und mehr bewußt, daß es in allen Gesellschaften noch einen anderen Typ von Technik gibt: Techniken, die es Individuen ermöglichen, mit eigenen Mitteln bestimmte Operationen mit ihren eigenen Körpern, mit ihren eigenen Seelen, mit ihrer eigenen Lebensführung zu vollziehen, und zwar so, daß sie sich selber transformieren, sich selber modifizieren und einen bestimmten Zustand von Vollkommenheit, Glück, Reinheit, übernatürlicher Kraft erlangen. Nennen wir diese Techniken Technologien des Selbst.
Diese Selbsttechnologie impliziert wohl in jeder Kultur eine Reihe von Wahrheitsverpflichtungen: die Wahrheit aufdecken, durch die Wahrheit erleuchtet werden, die Wahrheit sagen. All das soll für die Konstitution oder für die Transformation des Selbst wichtig sein. Michel Foucault  Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch, Vertreter einer vergangenen Zeit: Laßt uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr. Wir besitzen keine gewählte Regierung, und wir werden wohl auch nie eine bekommen - und so wende ich mich mit keiner größeren Autorität an Euch als der, mit der die Freiheit selber spricht. Ich erkläre den globalen sozialen Raum, den wir errichten, als gänzlich unabhängig von der Tyrannei, die Ihr über uns auszuüben anstrebt. Ihr habt hier kein moralisches Recht zu regieren noch besitzt Ihr Methoden, es zu erzwingen, die wir zu befürchten hätten. Regierungen leiten Ihre gerechte Macht von der Zustimmung der Regierten ab. Unsere habt Ihr nicht erbeten, geschweige denn erhalten. Wir haben Euch nicht eingeladen. Ihr kennt weder uns noch unsere Welt. Der Cyberspace liegt nicht innerhalb Eurer Hoheitsgebiete. Glaubt nicht, Ihr könntet ihn gestalten, als wäre er ein öffentliches Projekt. Ihr könnt es nicht. Der Cyberspace ist ein natürliches Gebilde und wächst durch unsere kollektiven Handlungen. Ihr habt Euch nicht an unseren großartigen und verbindenden Auseinandersetzungen beteiligt, und Ihr habt auch nicht den Reichtum unserer Marktplätze hervorgebracht. Ihr kennt weder unsere Kultur noch unsere Ethik oder die ungeschriebenen Regeln, die unsere Gesellschaft besser ordnen als dies irgendeine Eurer Bestimmungen vermöchte. Ihr sprecht von Problemen, die wir haben, aber die nur Ihr lösen könnt. Das dient Eurer Invasion in unser Reich als Legitimation. Viele dieser Probleme existieren gar nicht. Ob es sich aber um echte oder um nur scheinbare Konflikte handelt - wir werden sie lokalisieren und mit unseren Mitteln angehen. Wir schreiben unseren eigenen Gesellschaftsvertrag. Unsere Regierungsweise wird sich in Übereinstimmung mit den Bedingungen unserer Welt entwickeln, nicht Eurer. Unsere Welt ist anders. Der Cyberspace besteht aus Beziehungen, Transaktionen und dem Denken selbst, positioniert wie eine stehende Welle im Netz der Kommunikation. Unsere Welt ist überall und nirgends, und sie ist nicht dort, wo Körper leben. Wir erschaffen eine Welt, die alle betreten können ohne Bevorzugung oder Vorurteil bezüglich Rasse, Wohlstand, militärischer Macht und Herkunft. Wir erschaffen eine Welt, in der jeder Einzelnen an jedem Ort seine oder ihre Überzeugungen ausdrücken darf, wie individuell sie auch sind, ohne Angst davor, im Schweigen der Konformität aufgehen zu müssen. Eure Rechtsvorstellungen von Eigentum, Redefreiheit, Persönlichkeit, Freizügigkeit und Kontext treffen auf uns nicht zu. Sie alle basieren auf der Gegenständlichkeit der materiellen Welt. Es gibt im Cyberspace keine Materie. Unsere persönlichen Identitäten haben keine Körper, so daß wir im Gegensatz zu Euch nicht durch physische Gewalt reglementiert werden können. Wir glauben daran, daß unsere Regierungsweise sich aus der Ethik, dem aufgeklärten Selbstinteresse und dem Gemeinschaftswohl eigenständig entwickeln wird. Unsere Identitäten werden möglicherweise über die Zuständigkeitsbereiche vieler Eurer Rechtssprechungen verteilt sein. Das einzige Gesetz, das alle unsere entstehenden Kulturen grundsätzlch anerkennen werden, ist die Goldene Regel. Wir hoffen, auf dieser Basis in der Lage zu sein, für jeden einzelnen Fall eine angemessene Lösung zu finden. Auf keinen Fall werden wir Lösungen akzeptieren, die Ihr uns aufzudrängen versucht. In den Vereinigten Staaten habt Ihr mit dem "Telecommunications Reform Act" gerade ein Gesetz geschaffen, das Eure eigene Verfassung herabwürdigt und die Träume von Jefferson, Washington, Mill, Madison, Tocqueville und Brandeis beleidigt. Diese Träume müssen nun in uns wiedergeboren werden. Ihr erschreckt Euch vor Euren eigenen Kindern, weil sie Eingeborene einer Welt sind, in der Ihr stets Einwanderer bleiben werdet. Weil Ihr sie fürchtet, übertragt Ihr auf Eure Bürokratien die elterliche Verantwortung, die Ihr zu feige seid, selber auszüben. In unserer Welt sind alle Gefühle und Ausdrucksformen der Humanität Teile einer umfassenden und weltumspannenden Konversation der Bits. Wir können die Luft, die uns erstickt, von der nicht trennen, die unsere Flügel emporhebt. In China, Deutschland, Frankreich, Rußland, Singapur, Italien und den USA versucht Ihr, den Virus der Freiheit abzuwehren, indem Ihr Wachposten an den Grenzen des Cyberspace postiert. Sie werden die Seuche für eine Weile eindämmen können, aber sie werden ohnmächtig sein in einer Welt, die schon bald von digitalen Medien umspannt sein wird. Eure in steigendem Maße obsolet werdenden Informationsindustrien möchten sich selbst am Leben erhalten, indem sie - in Amerika und anderswo - Gesetze vorschlagen, die noch die Rede selbst weltweit als Besitz definieren. Diese Gesetze würden Ideen als nur ein weiteres industrielles Produkt erklären, nicht ehrenhafter als Rohmetall. In unserer Welt darf alles, was der menschliche Geist erschafft, kostenfrei unendlich reproduziert und distribuiert werden. Die globale Übermittlung von Gedanken ist nicht länger auf Eure Fabriken angewiesen. Die zunehmenden feindlichen und kolonialen Maßnahmen versetzen uns in die Lage früherer Verteidiger von Freiheit und Selbstbestimmung, die die Autoritäten ferner und unwissender Mächte zurückweisen mußten. Wir müssen unser virtuelles Selbst Eurer Souveränität gegenüber als immun erklären, selbst wenn unsere Körper weiterhin Euren Regeln unterliegen. Wir werden uns über den gesamten Planeten ausbreiten, auf daß keiner unsere Gedanken mehr einsperren kann. Wir werden im Cyberspace eine Zivilisation des Geistes erschaffen. Möge sie humaner und gerechter sein als die Welt, die Eure Regierungen bislang errichteten. John P 
Hans A. Pestalozzi: AUFRUF ZUR REBELLION Sie behaupten, sie wollten den Frieden - und bereiten den Krieg vor.
Sie behaupten, sie müßten den Krieg vorbereiten, um den Frieden zu schützen, und verschweigen, daß diese Formel noch immer zu Krieg geführt hat.
Sie behaupten, sie wollten unsere Souveränität schützen, und machen uns vom Ausland abhängig.
Sie behaupten, sie wollten das Volk schützen, und provozieren seine Vernichtung.
Sie behaupten, vor dem Regime in Moskau auf der Hut sein zu müssen, und liefern uns dem Regime in Washington aus.
Sie behaupten heute, gegen die kommunistische Weltrevolution kämpfen zu müssen, und behaupten morgen, das Sowjetsystem sei am Ende.
Sie behaupten, mit dem Bundesgrenzschutz die Grenzen der Republik verteidigen zu müssen, und setzen ihn gegen die eigenen Bürger ein.
Sie behaupten, uns vor totalitären Staaten schützen zu müssen, und arbeiten mit faschistischen Regimes zusammen.
Sie werfen uns »Zerstörung des politischen Friedens« vor, und meinen Polizeieinsatz gegen Andersdenkende.
Sie predigen Dialog, und drohen mit dem Rücktritt.
Sie geben sich demokratisch, und verbieten die Teilnahme an Demonstrationen. Sie loben den Schutz der Minderheiten, und berufen sich auf eine angebliche schweigende Mehrheit. Sie pochen auf die Ganzheit der Demokratie, und schließen die Randgruppen aus.
Sie werfen uns vor, kritiklos irgendwelchen Drahtziehern zu folgen, und knieten zwölf Jahre vor dem »Führer«.
Sie nennen uns Chaoten, Kriminelle, Asoziale, und machen aus der Polizei brutale Schlägerbanden.
Sie geben vor, den Rechtsstaat schützen zu müssen, und verhaften unsere Nachkommen gleich massenhaft.
Sie berufen sich auf internationale Abmachungen, und knallen uns mit chemischen Waffen nieder, die im Kriegsfall verboten sind.
Sie warnen uns vor der Militarisierung der Jugend im Osten, und führen bei uns den Wehrkundeunterricht ein.»Der Mensch ist böse.« So lautete die richtige Antwort auf die Frage im Religionsunterricht, ob der Mensch gut oder böse sei. Sie war Anlaß zu meiner ersten tiefgreifenden Rebellion. Ich befand mich mitten in einer unerhört positiven Aufbruchstimmung, trotz oder vielleicht gerade wegen der Pubertätsprobleme, die alles Bisherige in Frage stellten. Ich glaubte an meine Zukunft, das Kriegsende öffnete die Welt; Kameradschaften und Freundschaften schufen Beziehungen, die endlich die Elternbindung zu lösen erlaubten; die fordernde Sexualität versprach bisher Unvorstellbares. Und nun die Ohrfeige von »höchster Instanz«, denn der Religionslehrer, der Pfarrer verkörperte doch- so war uns beigebracht worden - die höchste Autorität, das A und O unseres Lebens: »Du bist böse, deine Freundinnen und Freunde sind böse, deine Mitmenschen sind böse!« Ich begann mich zum erstenmal grundsätzlich zu verweigern. Vom Verstand her konnte ich es wohl noch kaum erfassen. Das Gefühl sagte mir: Auf dieser Basis wirst du nie ein eigenes Leben gestalten können. Wenn diese Voraussetzung stimmt, ist es unmöglich, gemeinsam mit deinen Mitmenschen eine Zukunft aufzubauen. Du wirst immer von der Autorität abhängig sein, die darüber befindet, wie du dich zu verhalten hast, um »gut« zu werden. Ein Leben in Angst, böse zu bleiben? Ein Leben unter dem Zwang, den Anforderungen der »Autorität« gerecht werden zu müssen? Ein Leben in Schuldgefühlen, zu wenig zu leisten, nicht zu genügen, immer wieder zu versagen? Angst und Schuld als Basis meines Lebens?
Was ich intuitiv nicht erfassen konnte: Schuldgefühle und Angst sind in dieser unserer Gesellschaft nötig; ihre Prinzipien, Strukturen und Abhängigkeiten wären sonst nicht möglich. Angst ist nötig, um »freiwillig« zu gehorchen. Angst ist Voraussetzung der »freiwilligen« Unterordnung. Schuldgefühle bringen mir bei, daß Eltern und Lehrer mich erziehen müssen. Schuldgefühle lassen mich Strafe akzeptieren. Schuldgefühle machen mich abhängig von der »Autorität«.
»Du willst nicht mehr böse sein? Komm, wir sagen dir, wie du dich zu verhalten hast!«
Es ist so. Es gibt Leute, die daran interessiert sind, daß ich Angst habe. Es gibt Leute, die ohne meine Schuldgefühle nicht sein könnten. Es sind die Leute, die an der Macht sind.
Es dauerte lange, sehr lange, bis ich merkte, daß dieses Prinzip, wogegen ich mich im Bereich der Religion erfolgreich zur Wehr gesetzt hatte, unser ganzes Leben beherrscht.
»Du bist krank! Du bist unzufrieden! Du vernachlässigst deine Kinder! Du bist unfähig, deine Freizeit zu gestalten! Glaube nicht, du könntest einfach so gesund und zufrieden sein. Wir, die Wirtschaft, sagen dir, was du zu schlucken, zu schlürfen, anzuschaffen, den Kindern zu kaufen hast.«
Eine Gesellschaft, die ihren »Erfolg« einzig und allein daran mißt, wieviel Ware in einem Jahr hergestellt und wieviele Dienstleistungen erbracht wurden, ohne nach dem Sinn zu fragen, muß von einem negativen Lebensprinzip ausgehen. Zufrieden sein, glücklich sein, gesund sein sind in einer solchen Gesellschaft wertlos: Positive Zustände erhöhen das Bruttosozialprodukt nicht. Unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft können in ihrer heutigen Konzeption nur überleben, wenn wir unglücklich, unzufrieden, krank, unfähig sind. Wenn Wirtschaft darin besteht, negative Zustände zu beseitigen, und wenn die gleiche Wirtschaft behauptet, ständig weiter wachsen zu müssen, dann kann sie nur ein Interesse haben: die negativen Zustände zu verstärken. Und dies tut sie mit Erfolg. Gleichzeitig gibt sie uns aber vor, die Menschen glücklich zu machen. »Es geht euch ja so gut wie noch nie!« Damit hat sie uns bei der Angst: »Paßt auf! Wenn ihr euch nicht so verhaltet. wie wir es sagen, verliert ihr euren Wohlstand - das, was euer Glück ausmacht!«
Auf die Politik übertragen: Jede Politik, die in den letzten zehn bis zwanzig Jahren betrieben wurde, hat das Gegenteil dessen erreicht, was sie anstrebte.
Die Verkehrspolitik hat dazu geführt, daß der Stau auf unseren Straßen noch nie so groß und das Defizit der Bundesbahn noch nie so hoch war.
Die Landwirtschaftspolitik hat dazu geführt, daß Hunderttausende von Bauern liquidiert wurden, wir in unserer Nahrungsmittelversorgung völlig vom Ausland abhängig geworden sind und unsere Böden zerstört werden. Entwicklungspolitik hat dazu geführt, daß die armen Länder immer ärmer wurden und die reichen Länder immer reicher.
Die Mittelstandspolitik hat das Geschäft der Großen gemacht. Die Großen wurden immer größer, die Kleinen wurden liquidiert.
Friedenspolitik hat dazu geführt, daß wir dem Krieg so nahe sind wie nie mehr seit dem Zweiten Weltkrieg.
Anders ausgedrückt: Kein einziges Problem, welches vor zehn oder zwanzig Jahren bestanden hat, ist einer Lösung auch nur einen Schritt näher gebracht worden. Im Gegenteil: Die Probleme haben sich verschärft. Aber alle Politiker und alle Regierungen haben nur das eine Ziel: genauso weiterzumachen wie bisher oder die bisherigen Trends sogar nach Möglichkeit noch zu verstärken. Und auch dafür brauchen sie unsere Angst. Angst vor dem Neuen, das nötig wäre - keine Experimente! Also Angst vor der Zukunft.
Wie soll in einer solchen Gesellschaft Frieden etwas anderes sein können als Abwesenheit von Krieg? Ist da nicht eine derartig perverse Einstellung selbstverständlich, die behauptet, je mehr man rüste, desto mehr sichere man den Frieden? Wenn für die Herren dieser Gesellschaft positive Zustände nicht nur nicht denkbar, sondern die negativen Zustände für die Aufrechterhaltung der eigenen Macht notwendig sind, wie sollten sie da zugeben können, daß Frieden eben nicht Abwehr des Krieges durch Militär ist, sondern Kriegsbereitschaft und Militär den Frieden gefährden und verhindern?
»Wir brauchen wieder einen Krieg, damit unsere Wirtschaft wieder einen Auftrag hat; sie muß von vorne beginnen können«, sagte mir kürzlich ein Exponent des deutschen Managements. Es ist so: In einer friedlichen Gesellschaft kann diese Wirtschaft nicht so weitermachen.
Wir brauchen die Drohung mit dem Krieg. Eine friedliche Gesellschaft macht keine Geschäfte mit Waffen.
Wir brauchen die Angst vor dem Krieg. Eine friedliche Gesellschaft braucht keine »Autoritäten«.
Wir brauchen die Angst vor dem Feind. Eine friedliche Gesellschaft kann auf Machtstrukturen verzichten.
Wir brauchen die Angst, unseren Lebensstandard verlieren zu können. Eine friedliche Gesellschaft braucht keine Ausbeutung der Natur, der Dritten Welt, der kommenden Generationen.
»Wir brauchen deine Angst. Denn nur so können wir dir einreden, es müsse so sein, wie es heute ist!«Die Antwort jenes Pfarrers bleibt mir unvergeßlich, dem die Frage gestellt wurde, was er vom Motto »lieber rot als tot« halte. Er stellte die Gegenfrage: »Was wäre Ihnen lieber: Wenn Ihre Tochter zerfetzt in einem Bombentrichter bei Bonn liegen oder friedlich in ihrer Wohnstube in Leipzig sitzen würde?«
Was ist denn das eigentlich, das mehr wert sein soll als unser Leben? Mehr wert als das Leben unserer Kinder? Mehr wert als Leben auf diesem Planeten überhaupt? Oder nach Haig: Mehr wert als der Frieden? Was ist denn das eigentlich, das wir verteidigen wollen oder sollen? Was ist dieser Wert, der mehr wert sein soll als alles übrige?
Sie sagen: Die Freiheit.
Freiheit auf der Basis von Angst und Schuldgefühlen? Wessen Freiheit? Welche Freiheit?
Ist es die Freiheit, für die unsere Väter, deren wir in Ehrfurcht zu gedenken haben, gefallen sind - wie es ein Spitzenpolitiker kürzlich formulierte?
Oder ist es die Freiheit, nach der Pfeife Washingtons tanzen zu müssen?
Die Freiheit, aufrüsten zu müssen, Waffen herstellen zu müssen, Waffen expor tieren zu müssen?
Oder ist es die Freiheit des Konsumenten, zwischen dem Einkaufszentrum Ost und dem Einkaufszentrum West wählen zu dürfen;zwischen Waschmitteln mit und ohne blaue Kügelchen wählen zu dürfen; zwischen Fertigmahlzeiten von Maggi und solchen von Knorr wählen zu dürfen?
Oder die Freiheit des Arbeiters, zwischen einem Fließband bei Opel und einem solchen bei VW wählen zu können; der Kassiererin, zwischen einer Supermarktkasse bei Coop und einer solchen bei Edeka wählen zu können? des Computerfachmanns, zwischen IBM und Siemens wählen zu können?
Oder die Freiheit des Lehrers, sich kritiklos unterzuordnen oder entlassen zu werden? Die Freiheit des Journalisten, auf die Inserenten Rücksicht zu nehmen oder entlassen zu werden? Die Freiheit des Pfarrers, dem Bischof zu gehorchen oder entlassen zu werden? Die Freiheit des Staatsangestellten, die eigene politische Überzeugung zu verheimlichen oder entlassen zu werden? Die Freiheit des Politikers, sich dem Fraktionszwang zu fugen oder ausgeschlossen zu werden?
Die Freiheit, am Wochenende mit dem Wagen möglichst weit wegfahren zu können, weil man es an seinem Wohnort nicht mehr aushält? Die Freiheit, im Urlaub vom Hochhaus im Vorort von Frankfurt in ein Hochhaus an der Costa Brava übersiedeln zu können? Die Freiheit, eine Zweitwohnung haben zu können, weil die Verhältnisse in der Erstwohnung unerträglich sind? Die Freiheit, ohne Geschwindigkeitsbegrenzung über die Autobahn rasen zu können, keine Sicherheitsgurte tragen zu müssen? tausend Kinder im Jahr umzubringen, um mobil zu sein? Ist es diese Freiheit, für die wir unser Leben hergeben sollen?
Eine Freiheit, die gar keime echten Alternativen offenläßt? »Du kannst ja gehen, wenn es dir nicht paßt«, als Inhalt unserer Freiheit?
Oder eine Freiheit, die in Rücksichtslosigkeit, Schrankenlosigkeit, Bindungslosgkeit besteht - also eine rein negative Freiheit?
Wäre echte, positive Freiheit, die nicht nach dem »frei wovon«, sondern »frei wofür« fragt, nicht etwas ganz anderes? Eine Freiheit, die die Möglichkeit gibt, gestalten zu können? Und ist es nicht genau diese positive Freiheit, die uns in unserer Gesellschaft verwehrt wird? Weil die alles dominierende Freiheit die negative Freiheit der Wirtschaft ist; die negative Freiheit des Kapitals, sich dorthin begeben zu können, wo es am meisten rentiert? Ohne Rücksicht auf den Menschen? Ohne Rücksicht auf die Möglichkeit, Zukunft gestalten zu können?
Wenn es unseren Politikern und Militärs ernst wäre mit der Behauptung, es gehe in der weltweiten Auseinandersetzung um die Wahrung unserer Freiheit, weshalb tun dann gerade sie ihr möglichstes, um die echte positive Freiheit immer weiter abzubauen: Überwachung, Computerkontrolle, Radikalenerlasse, Berufsverbote, Verstärkung der Polizei, Schließung von Freiräumen, die Diffamierung all jener, die Neues zu schaffen versuchen?
Würde nicht die wichtigste Verteidigungsmaßnahme darin bestehen, endlich jene Freiheit zu schaffen, die mich erst fähig macht, mich einem äußeren Feind zu widersetzen, d. h., innerlich autonom zu werden?
Sie sagen: Die Demokratie!
Welche Demokratie? Wo haben wir denn überhaupt Demokratie? Demokratie in der Schule, in der Kirche, in der Wissenschaft, an der Universität, in der Familie, im Sport, in der Wirtschaft, in der Bundeswehr? Wo in all diesen Bereichen haben wir wenigstens das demokratische Bekenntnis? Beschränkt sich denn unsere Demokratie nicht einzig und allein auf einen Teilbereich der staatlichen Entscheidungsfindung? Und besteht die Möglichkeit des einzelnen Bürgers nicht nur darin, alle vier Jahre zwischen einigen Damen und Herren wählen zu können? Und wenn ich da - weil es keine echten Alternativen gibt - nur noch zwischen Pest und Cholera wählen kann, will ich dann nicht lieber gesund bleiben?
Wäre Demokratie nicht etwas völlig anderes als das Ablaufen von bestimmten staatlichen Institutionen? Eine Demokratie, die auch durch einen »Feind«, eine »Besetzung« nicht zu zerstören ist? Weil sie in meiner inneren Einstellung und meinem Verhalten den Mitmenschen gegenüber bestehen würde? Aber weshalb werden nun ausgerechnet jene, die es ernst meinen mit dieser echten Demokratie und die versuchen, demokratische Prinzipien auf andere Lebensbereiche wie Schule, Wirtschaft, Kirche zu übertragen, als Feinde unserer Demokratie bezeichnet? Geht es also gar nicht um Demokratie, sondern um die autoritären Machtstrukturen, die sich so leicht unter dem Mäntelchen Demokratie verbergen lassen? Sind es nicht eben diese Strukturen, die uns für einen totalitären Feind anfällig machen? Er muß ja lediglich die »führenden Persönlichkeiten« auswechseln.
Wäre dann nicht die wichtigste Verteidigungsmaßnahme die Veränderung der heutigen Strukturen, die Verwirklichung echter Demokratie? Dies ist aber nicht möglich, solange das Prinzip Militär unsere Gesellschaft beherrscht.
Sie sagen: Unseren Wohlstand.
Das Leben hergeben für zwei statt einem Kotelett pro Woche; für einen Wagen' der 250 statt nur 120 Sachen fährt; für den Urlaub an der Costa Brava, statt in den Bayerischen Alpen; für frisches Gemüse aus der Sahel-Zone im Winter, statt der eigenen Kartoffeln; für das geheizte Chlor-Schwimmbad im Keller, statt des sauberen Freibades im Sommer?
Das Leben hergeben für einen Wohlstand, der die Natur ausbeutet, die Dritte Welt ausbeutet, die kommenden Generationen ausbeutet?
Und welches ist das größere Versagen, das größere Verbrechen einer Gesellschaft: Von Zeit zu Zeit nicht all jene Waren zu haben, die wir angeblich in sinnloser Überfülle haben müssen, oder jedes Jahr Tausende von Tonnen Nahrungsmittel zu vernichten, während Millionen Menschen verhungern?
Sie sagen: Die soziale Marktwirtschaft.
Das Leben hergeben für ein wirtschaftliches Instrument? Um die Marktwirtschaft auszuschalten; braucht es die Russen nicht. Die Unternehmer mit ihren Kartellen, Fusionen, Verflechtungen, Bankabhängigkeiten sorgen selbst dafür.
Sie sagen: Unsere Kultur. Micky Maus, Frankfurter Skyline, Hamburger, Autobahnen, Konservendosen, Konservenmusik, zwanzig Fernsehprogramme, Bild-Zeitung, Ketch-up, Musicals, Cowboy-Filme, Peep-Shows, Blue-Jeans, Miss World, Mr. Universum. Mein Leben wert?
Sie sagen: Das Staatsgebiet. Die Konsequenz ist die Neutronenbombe. Alles intakt; das Volk versaftet.
Sie sagen: Das Volk, uns selbst. Wieviel Prozent: 90%, 50%, 25% Überlebende? Oder reichen die 5%, die uns in Aussicht gestellt werden?
Wäre es für uns - wenn Demokratie, Freiheit, Kultur usw. uns ausmachen - nicht viel wichtiger, an deren Verwirklichung zu arbeiten und diese Begriffe mit echtem Inhalt, mit Leben zu erfüllen, statt, wie das Kaninchen, gebannt auf die imaginäre Schlange zu starren, die all diese unsere angeblichen Errungenschaften verschlingen will?
Ist es nicht ein alter Trick der Mächtigen, einen äußeren Feind aufzubauen, um die eigenen Konflikte unterdrücken und die eigene Unfähigkeit verbergen zu können?
Sollten die Fragen nicht ganz anders lauten: Was ist das, was ich erhalten will? Was macht mich aus? Was würde machen, daß ich ich sein kann, wir wir sein können? Was wollen wir mit unserer Gesellschaft? Was wäre Gemeinschaft, in der ich mich wohl fühle? Was ist meine, unsere Eigenart, die ich schützen will?
Wodurch ist all dies 'bedroht'?
Ist es vielleicht die Gefahr eines ökologischen Kollapses? Weshalb kämpfen wir dann nicht in erster Linie gegen all jene Manager, Gewerkschaftsführer und Politiker, für die das Bruttosozialprodukt noch immer wichtiger ist als unsere Umwelt?
Ist es vielleicht die Verschärfung des Nord-Süd-Konflikts? Warum kämpfen wir dann nicht in erster Linie gegen jene, die behaupten, wir müßten weiter wachsen - womöglich, um der Dritten Welt helfen zu können -, während dieses Wachstum zu Lasten der Dritten Welt geht?
Ist es vielleicht die Groß-Technologie, die uns immer abhängiger vom Ausland macht? Die immer weniger Leuten immer mehr Macht über immer mehr Menschen verleiht? Die unsere Gesellschaft für Störungen immer noch anfälliger macht? Warum kämpfen wir dann nicht in erster Linie gegen AKWs, Autobahnen, Großindustrien?
Ist es vielleicht der Anspruch der multinationalen Unternehmen, die Nationalstaaten zu überwinden und die menschliche Gesellschaft der Zukunft zu gestalten? Weshalb kämpfen wir dann nicht in erster Linie gegen jene, für die der Profit der alleinige Steuerungsfaktor für unsere Zukunft sein soll?
Ist es vielleicht die Entwicklung unserer Wirtschaft, die mit ihrer Konzentration, ihrer Zentralisation, ihren Großstrukturen, ihren Verflechtungen, ihren Abhängigkeiten Demokratie unmöglich macht? Weshalb kämpfen wir nicht in erster Linie gegen jene, die uns - nach ihren eigenen Aussagen - immer mehr von sogenannten Sach-- und Systemzwängen abhängig machen?
Ist es vielleicht die Vermassung durch Standardisierung, Normierung, Massenproduktion, Massenkommunikation? Weshalb kämpfen wir dann nicht in erster Linie gegen jene, die behaupten, Sozialismus sei die Unterdrückung des Individuums, während sie selber einerseits den genormten Menschen verlangen, andererseits durch das Konkurrenz-Prinzip Egoisten, Egozentriker, Narzißten züchten?
Oder ist all das, was unsere Eigenart ausmacht, das wir schützen wollen, einzig und allein, oder doch vordringlich, durch die russischen Atomraketen und Panzerarmeen bedroht?
Wer setzt denn diese kuriosen Prioritäten?
Was wäre ein Problemen gelöst, wenn die Sowjetunion kapitalistisch würde?
Was will eigentlich die Friedensbewegung?
Selbstverständlich geht es in erster Linie einmal um den Kampf gegen die Mittelstrecken-Raketen. Dieser Kampf allein ist schon ein wichtiger Teil der Bewegung. Wenn er erfolgreich sein sollte: Ist Abbau von Angst nicht allein schon wichtig? Ist die Verhinderung einer weiteren Eskalation nicht bereits etwas Entscheidendes? Ist die Geste des Verzichts nicht ein wichtiger Schritt?
Und doch die Vorbehalte: Wenn der Erfolg der Friedensbewegung einzig und allein in diesem Schritt bestehen würde, könnte sie sogar das Gegenteil dessen bewirken, was sie anstrebt. Entspannungsgefühle müssen noch keine Entspannung sein. Eine Entspannung, die darin besteht, daß wir nur - wie bisher - x-mal umgebracht werden können, statt - wie geplant - y- mal, ist kein Schritt in die Zukunft. Eine solche Entspannung kann uns einlullen, indem sie uns einen Frieden im Sinne der Militärs und Politiker vorgaukelt: Es besteht keine unmittelbare Kriegsgefahr. Sind wir dadurch einem echten Frieden näher gekommen? Einem Frieden, der nicht in der Kriegsabwehr besteht?
Ist der nächste Schritt schon wesentlich mehr: Der Verzicht auf Atomwaffen in Europa? Oder gar der Aufbau einer rein defensiven Territorial-Truppe in der Bundesrepublik, z. B. ohne Panzer?
Ist nicht erst der Verzicht auf Militär ganz allgemein das Entscheidende? Wäre nicht erst der Verzicht auf Militär die einzige realistische Lösung, während alle anderen, d.h. die militärischen Lösungen reine Spekulation bleiben? Hat sich nicht - wenn wir endlich aus der Geschichte lernen wollten - militärische Spekulation noch immer als falsch erwiesen? Führt diese Spekulation nicht immer entweder zur Niederlage oder zu noch mehr Kriegen oder zur Übernahme der Mentalität des Besiegten durch den Sieger und damit schließlich zum Sieg des Besiegten? Also Entmilitarisierung, Blockfreiheit, Neutralität als das Entscheidende der Friedensbewegung? Haben wir dann Frieden?
Können wir friedlich sein in einer Gesellschaft, die auf dem Konkurrenz-Prinzip beruht? Konkurrenz heißt Kampf. Konkurrenz hat zwar immer einen Gewinner, den man groß vorzeigt. Sie hat aber immer auch einen Verlierer, einen Besiegten, einen Versager; die Karriere schon dem jungen Menschen als Lebensziel vorgibt? Karriere heißt ebenfalls Kampf. Kampf gegen den Mitmenschen. Ich muß ihn übertrumpfen, unterdrücken wollen; die Hierarchie als selbstverständliches Ordnungsprinzip befürwortet? Hierarchie heißt, daß es Mächtige gibt und Ohnmächtige, daß es Leute gibt, die befehlen dürfen, und solche, die gehorchen müssen.
Friedensbewegung muß viel mehr sein und ist viel, viel mehr als Bekämpfen der Mittelstrecken- Raketen, Blockfreiheit und Neutralität, als Entmilitarisierung. Die Friedensbewegung kann zur entscheidenden Bewegung dieses Jahrhunderts werden. Sie kann Anfang einer Revolution - einer Umwälzung - sein, die an die Französische Revolution anschließt. In der Friedensbewegung haben sich all jene Kreise zusammengefunden, die mit dem Bekenntnis unserer Gesellschaft zu Demokratie, Christentum, Humanität, Gerechtigkeit endlich ernst machen wollen. Es sind unzählige Kreise, Vereinigungen, Gruppen, Grüppchen, die sich in Bonn versammelt hatten. Sie lassen sich inhaltlich nicht erfassen. Vor allem lassen sie sich nicht organisieren, nicht strukturieren. Es wäre ein Widerspruch in sich, denn das Neue besteht u. a. in der Nicht- Organisation, der Nicht-Strukturierung. Das Wesentliche ist, daß all diesen Gruppen, die wir insgesamt als Alternativ-Bewegung bezeichnen können, eine gemeinsame Grundhaltung zu eigen ist:
Rücksichtnahme statt Eigennutz Liebe statt Ablehnung Solidarität statt Konkurrenz Eingeordnetsein statt Überwindung Hoffnung statt Angst Sein statt Haben.
Die Friedensbewegung versucht, all jenes zu verwirklichen, das erst Frieden echt machen würde. Wir probieren Gemeinschaften aus, die nicht denjenigen prämieren, der den anderen unterdrückt, sondern wo jeder den anderen als Partner akzeptiert; in denen nicht derjenige Gewinner ist, der den anderen fertigmacht, sondern wo jeder mit jedem für jeden leben will; die nicht von Starken beherrscht werden, sondern in denen Menschen leben, die sich nach dem Schwachen richten; die nicht rational sein wollen, sondern in denen man Gefühle haben und zeigen darf.Friedensbewegung ist der Aufstand der Bürger gegen die Experten; der Aufstand von Menschen mit Zukunft gegen die alten kranken Männer, die uns regieren; der Aufstand der Optimisten gegen die Pessimisten; der Aufstand der autonomen Menschen gegen die Autoritäten; der Aufstand der realistischen Träumer gegen die defaitistischen Spekulanten. »Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin.«
Friedensbewegung macht bewußt; löst Betroffenheit aus; macht fähig, sich zu verweigern; macht fähig, an eine Zukunft zu glauben.Frieden ist nicht passiv sein; nicht nachgeben; nicht Ruhe; nicht Anpassung. Frieden ist Konfrontation: Wie soll ich sonst den anderen erkennen können? Frieden ist Konflikte suchen: Frieden ist Konflikte suchen: Wie soll ich sonst wissen, wo die Probleme liegen? Frieden ist Polarisation. Oder gibt es nur den einen Pol, den Pol der Mächtigen? Frieden ist Auseinandersetzung. Oder will ich den anderen überwältigen? Frieden ist Einvernehmen. Oder will ich der Minderheit diktieren?
Anpasser, Angepaßte, aufgepaßt: Ihr wollt überleben? Mit Rüstung? Mit Atomwaffen? Mit der Neutronenbombe? Mit Militär? Ihr wollt überleben? Indem sie euch zu Tode rüsten? Indem sie aus unserem Europa ihr Schlachtfeld machen? Überleben werdet ihr nur ohne Waffen. Überleben wird aber nur, wer Widerstand leisten kann. Widerstand leisten können nur jene, die schon vorher Widerstand geleistet haben. Widerstandsfähig war nie die schweigende Mehrheit. Widerstandsfähig sind nur die Rebellen. Die schweigende Mehrheit - die Angepaßten - passen sich unverzüglich auch einem neuen Herrscher an. Rebellen bleiben Rebellen. Wollt ihr überleben? Dann rebelliert! Hier und jetzt!
(1982).
Dank an Hans A. Pestalozzi für die Erlaubnis der Veröffentlichung. (2001).
Hans A. Pestalozzi: * 1929 in Zürich; † 14. Juli 2004 in Steintal bei Wattwil, Toggenburg, Schweiz. Anarchistische Pädagogik
Außenseiter werden alles mögliche genannt: AußenseiterInnen, Ronin, Freischaffende, Unabhängige, Eigenständige, Nonkonformisten, SpinnerInnen, UnruhestifterInnen, Verrückte, Visionäre, IkonoklastInnen, EinzelgängerInnen, AngeberInnen, Aufständische, Träumende...sie werden als alles mögliche bezeichnet: schlau, kreativ, unternehmenslustig, phantasievoll, aktiv, produktiv, genial, erfindungsreich, originell, talentiert, exzentrisch. "Die Eigenschaften des Stadtguerillero sind Initative, Einfallsreichtum, Flexibilität, Vielseitigkeit, und Geistesgegenwart." Timothy Leary Verantwortung. - Niemand will Verantwortung. Die wollen, das ihnen gesagt wird, was sie machen sollen, was sie glauben sollen, was wirklich wahr ist und was wirklich falsch ist. (Charles Manson) Klar es sind die richtigen Leute eingesperrt, aber die Motive, die hinter unseren Verurteilungen standen - speziell der meinen - waren absurd. Die Medien, Regisseure und Buchautoren haben aus einer Maus einen Elefanten gemacht. Der Mythos Charles Manson hat mehr Leuten den Kopf verdreht, als jemals mit mir Kontakt hätten haben können. Zum Teufel, in dem Buch, das diesen District Attorney reich gemacht hat, war ich imstande, seine Armbanduhr zum Stehen zu bringen! In einem Film konnte ich die Zeiger einer Uhr mit einem bloßen Blick bewegen. Die einzige Weise, auf die ich je eine Uhr zum Stehen gebracht habe, war, darauf zu treten! Seit diesem Film hab ich jede Uhr angestarrt, die mir untergekommen ist. Und weißt du was? Wie sehr ich mich auch angestrengt habe, keine Uhr blieb jemals stehen und Zeiger bewegten sich auch keine. Aber all dieser Scheiß macht Leute glauben, ich hätte irgendwelche magischen Kräfte! (Charles Manson) Niemand mit wirklichem Selbstrespekt würde Sachen auf die Straße schmeißen, stehlen, lügen oder irgend jemanden bescheißen. Du würdest niemanden so behandeln, wie du dich nicht selbst behandeln würdest. Wenn ich mich selbst respektiere, brauche ich meinen Schmerz oder meine Schwäche nicht an anderen auszulassen. - Je mehr du über dich selbst weißt, desto weniger Schaden wirst du anderen zufügen. (Henry Rollins)
Bild - Indymedia
"MENSCHEN SIND FÄHIG SICH SELBST ZU VERWALTEN, WENN MAN SIE LÄSST". Der neue Mensch
Die Funktion der neuen Gesellschaft ist es, die Entstehung eines neuen Menschen zu fördern dessen Charakterstruktur folgende Züge aufweist: die Bereitschaft, alle Formen des Habens aufzugeben, um ganz zu sein Sicherheit, Identitätserleben und Selbstvertrauen, basierend auf dem Glauben an das, was man ist, und auf dem Bedürfnis nach Bezogenheit, auf Interesse, Liebe und Solidarität mit der Umwelt, statt des Verlangens, zu haben, zu besitzen und die Welt zu beherrschen und so zum Sklaven des eigenen Besitzes zu werden Annahme der Tatsache, daß niemand und nichts außer uns selbst dem Leben Sinn gibt, wobei diese radikale Unabhängigkeit und Nichtheit (no-thingness) die Voraussetzung für ein volles Engagiertsein sein kann, das dem Geben und Teilen gewidmet ist die Fähigkeit, wo immer man ist, ganz gegenwärtig zu sein Freude aus dem Geben und Teilen, nicht aus dem Horten und der Ausbeutung anderer zu schöpfen Liebe und Ehrfurcht vor dem Leben in allen seinen Manifestationen zu empfinden und sich bewußt zu sein, daß weder Dinge noch Macht, noch alles Tote heilig sind, sondern das Leben und alles, was dessen Wachstum fördert bestrebt zu sein, Gier, Haß und Illusionen, so weit wie es einem möglich ist, zu reduzieren imstande zu sein, ein Leben ohne Verehrung von Idolen und ohne Illusionen zu führen, weil eine Entwicklungsstufe erreicht ist, auf der der Mensch keiner Illusionen mehr bedarf bestrebt zu sein, die eigene Liebesfähigkeit sowie die Fähigkeit zu kritischem und unsentimentalem Denken zu entwickeln imstande zu sein, den eigenen Narzißmus zu überwinden und die tragische Begrenztheit der menschlichen Existenz zu akzeptieren sich bewußt zu sein, daß die volle Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und der des Mitmenschen das höchste Ziel des menschlichen Lebens ist Wissen, daß zur Erreichung dieses Zieles Disziplin und Anerkennung der Realität nötig sind Wissen, daß Wachstum nur dann gesund ist, wenn es sich innerhalb einer Struktur vollzieht, und den Unterschied zwischen »Struktur« als Attribut des Lebens und »Ordnung« als Attribut der Leblosigkeit, des Toten, zu kennen Entwicklung des eigenen Vorstellungsvermögens, nicht nur zur Flucht aus unerträglichen Bedingungen, sondern als Vorwegnahme realer Möglichkeiten andere nicht zu täuschen, sich aber auch von anderen nicht täuschen zu lassen; man kann unschuldig, aber man soll nicht naiv sein sich selbst zu kennen, nicht nur sein bewußtes, sondern auch sein unbewußtes Selbst - von dem jeder Mensch ein schlummerndes Wissen in sich trägt sich eins zu fühlen mit allem Lebendigen und daher das Ziel aufzugeben, die Natur zu erobern, zu unterwerfen, sie auszubeuten, zu vergewaltigen und zu zerstören, und statt dessen zu versuchen, sie zu verstehen und mit ihr zu kooperieren unter Freiheit nicht Willkür zu verstehen, sondern die Chance, man selbst zu sein - nicht als ein Bündel zügelloser Begierden, sondern als fein ausbalancierte Struktur, die in jedem Augenblick mit der Alternative Wachstum oder Verfall, Leben oder Tod konfrontiert ist Wissen, daß das Böse und die Destruktivität notwendige Folgen verhinderten Wachstums sind Wissen, daß nur wenige Menschen Vollkommenheit in allen diesen Eigenschaften erreicht haben, aber nicht den Ehrgeiz zu haben, das Ziel zu erreichend, eingedenk, daß ein solcher Ehrgeiz nur eine andere Form von Gier und Haben ist was auch immer der entfernteste Punkt sein mag, den uns das Schicksal zu erreichen gestattet - glücklich zu sein in diesem Prozeß stetig wachsender Lebendigkeit, denn so bewußt und intensiv zu leben, wie man kann, ist so befriedigend, daß die Sorge darüber, was man erreichen oder nicht erreichen könnte, gar nicht erst aufkommt. Erich Fromm: Haben oder Sein (1976) “Ich gehöre zu einem 6 Milliarden – jetzt bald 7 Milliarden zählenden Wesenskollektiv, genannt Menschheit und bin Gehirn gewaschen worden!” Ooopsss - ach je, da war doch noch was gewesen, was war das noch gleich? Oh, jau, die Meinung von ca. 7 Milliarden anderen Menschen. Aber das sprichst du ihnen ja sowieso ab, denken können wir auch nicht - wie "gut", das wir dich haben, was? Jeder einzelne von uns ist aufgerufen dazu, zum Revolutionär im ureigensten Interesse zu werden. Und dem seiner Kinder, sie sind die allerletzte Hürde, uns haben sie schon im Sack. Die Mikrochippung der Kinder wird der Schlussakt sein, dieses teuflischen Planes zur Eroberung des Planeten. WIR sind die EINZIGE Hilfe, die Kinder noch bekommen können. Viele Eltern kommen ihrer Pflicht einfach nicht mehr nach, ich selbst kann jeden Tag beobachten, wie sie zusehends sich selbst überlassen bleiben. Denn ihre Eltern sind sooo “im Stress” .. .
Das Optimum kann mit mir beginnen ..Wir sind “Agenten der Veränderung”, wenn ihr mich fragt, Träger der Frequenz und damit Stabilisatoren um ein ganz bestimmtes Niveau des Bewusstseins zu ermöglichen. Für einige von uns, braucht es wirklich nicht mehr, als einfach DA zu sein. Nicht jeder will kämpfen oder Revolutionen lostreten, die besten Revolutionen sind sowieso jene, die gar nicht als solche erkannt werden und plötzlich, kaum hat man sich “umgedreht”, schon ist ein ganzes Paradigma gefallen! Darauf trinke ich – mögen die alten Paradigmen fallen! Es ist sinnlos, die Massen zum umdenken zu bewegen, aus den ganz einfachen und teilweise heute angestellten Überlegungen heraus, weil die Masse ein Riesenschaf ist, das schon Hitler verstanden hat, für seine Zwecke abzurichten. Deswegen müssen es die einzelnen Individuen sein, die den Karren aus dem Dreck holen müssen! Ja, das denke ich, indem wir uns einfach auf uns selbst konzentrieren, uns selbst verbessern und uns selbst ein Freund sind, was im Moment noch viel zu wenig Anwendung findet, so glaube ich, das wir auf das große Ganze einen positiven Einfluss ausüben .. thats it!
Wird es soweit kommen, dass Blogger inhaftiert werden? Mir werden immer wieder derlei Unkenrufe “mitgegeben”, ich werd euch was sagen: “Wenn schon, ist mir Sch … egal, dies ist meine Form des Protestes und des gewaltfreien Widerstandes, liebt mich oder lasst es .. ist mir gleich! Und das werde ich auch jedem Staatspolizisten – in Österreich, noch immer mit dem liebevollen Wort STAPO belegt – sagen, sollten sie vor der Haustür stehen. Es ist wichtig, das Menschen das tun. Stellt euch vor, wenn keiner was sagen würde oder anderer Meinung, als die vorgegebene hätte … schrecklich, das finde ich furchtbar, Leute. Ganz ernsthaft: Dafür in den Knast zu gehen, stelle ich mir sicher nicht “prickelnd” vor, aber es gibt wenig in diesem Leben, dass einen Sinn ergibt – dass ist eins dieser Dinge, die für mich ganz ohne Zweifel Sinn ergibt! Man muss bereit dazu sein, auch etwas aufs Spiel zu setzen, wenn es um etwas wertvolles geht. Die Freiheit und die geäußerte Meinungsfreiheit, die WAHRHEIT wenigstens sagen zu dürfen, dürfte eins vom wertvollsten sein, das wir als Menschen und als Nation “besitzen” und wir sollten dafür auch eintreten! Sonst ist alles nur laue Luft und ohne Substanz, wenn es niemanden gibt, der bereit ist etwas von sich zu geben ..
„Das Schlachtfeld der Zukunft wird das menschliche Gehirn sein“. Zu dieser Schlussfolgerung kam die Defense Intelligence Agency, das militärische Pendant zur CIA, auf der Basis einer Studie, mit der sie führende Wissenschaftler beauftragt hatte. Zu den wichtigsten Zukunftsvisionen der Militärs gehören heute weniger Bomben oder Raketen, sondern vielmehr neuartige Bewusstseins verändernde Drogen, Scanner, die den mentalen Zustand eines Menschen analysieren können, Sinnesverstärker für besseres Hören und Sehen usw. Auf dem Schlachtfeld wird möglicherweise gar nicht mehr geschossen werden, sondern man wird „pharmakologische Landminen“ ausstreuen, mit denen der Gegner nur verteidigungsunfähig gemacht wird. Militär- und Geheimdienstforscher lenken jetzt also das Schwergewicht ihrer Bemühungen auf die Gehirn- und Bewusstseins Forschung, wobei außersinnliche Wahrnehmungsformen wie die Telepathie eine herausragende Rolle spielen. (Steven Black) 
Was stellt sich tatsächlich der Einführung der Freiheit, Gleichheit & Brüderlichkeit unter uns entgegen? Der Ehrgeiz, d.h. das Verlangen, das Volk zu beherrschen, zu regieren. - Wo steckt der Ehrgeiz? - In den Parteien, d.h. in denen, welche das Volk zu beherrschen & zu regieren wünschen. - Worin schöpft eine Partei den Grund ihrer Existenz? - In der Sicherheit, wenn sie siegreich ist, zu ihrem Nutzen, die nationalen Freiheiten und Steuern mit Beschlag belegen zu können, d.h. in der Möglichkeit, sich der Autorität über alles zu bemächtigen & sich so dem Volk & den rivalisierenden Parteien aufzuzwingen.  Wie kann sich eine Partei aufzwingen? - Indem sich sich der Verwaltung (administration) bemächtigt. Was ist die Administration? - Sie ist etwas gewisses Abstraktes, Unbestimmtes, Unlogisches, Widerspruchsvolles, Dunkles, Unbegreifliches, Willkürliches, Absurdes, Ungeheuerliches. Etwas das nicht von Herzen kommt, da es trocken & gefühllos ist, noch von der Wissenschaft, da sich niemand darin auskennt. Ein Werkzeug ohne Form, Ausdruck & Proportionen. Ein unheilvoller & feiger Mythus, dessen Kultus eine Million ebenso unverschämter wie fanatischer Geistlicher beschäftigt. Etwas Blindes, das alles sieht, etwas Taubes, das alles hört, impotent & allvermögend, unwägbar & alles erdrückend, unsichtbar & alles erfüllend, ungreifbar & alles berührend, unfaßbar & alles packend, unverletzlich & alles verletzend. Ein leuchtender Nebelschwaden, der Donner, Blitz & Erstickung enthält...Das ist die Regierung! Anselme Bellegarrigue
"Regiert sein, d.h. unter polizeilicher Überwachung stehen, inspiziert, spioniert, dirigiert, mit Gesetzen überschüttet, reglementiert, eingepfercht, belehrt, bepredigt, kontrolliert, eingeschätzt, abgeschätzt, zensiert, kommandiert zu werden durch Leute, die weder das Recht noch das Wissen noch die Kraft dazu haben... Regiert sein heißt, bei jeder Handlung, bei jedem Geschäft, bei jeder Bewegung notiert, registriert, erfaßt, taxiert, gestempelt, vermessen, bewertet, versteuert, patentiert, lizensiert, autorisiert, befürwortet, ermahnt, behindert, reformiert, ausgerichtet, bestraft zu werden. D.h. unter dem Vorwand der öffentlichen Nützlichkeit & im Namen des Allgemeininteresses ausgenutzt, verwaltet zu werden; schließlich beim geringsten Widerstand, beim ersten Wort der Klage unterdrückt, bestraft, heruntergemacht, beleidigt, verfolgt, mißhandelt, zu Bodengeschlagen, entwaffnet, geknebelt, eingesperrt,füsiliert, beschossen, verurteilt, verdammt, deportiert, geopfert, verkauft, verraten & obendrein verhöhnt, gehänselt, beschimpft und entehrt zu werden: Das ist die Regierung, da ist die Gerechtigkeit, das ist ihre Moral..." Pierre Joseph Proudhon Angst?
...er wußte nun plötzlich was Angst ist, und dass sie nur von dem überwunden werden kann, der sie erkannt hat. Man hatte vor tausend Dingen Angst, vor Schmerzen, vor Richtern, vor dem eigenen Herzen, man hatte Angst vor dem Schlaf, Angst vor dem Erwachen, vor dem Allleinsein, vor der Kälte, vor dem Wahnsinn, vor dem Tode - namentlich vor ihm, dem Tode. Aber all das waren nur Masken und Verkleidungen. In Wirklichkeit gab es nur eines, vor dem man Angst hatte: das Sich-fallen-Lassen, den Schritt in das Ungewisse hinaus, den kleinen Schritt hinweg über all die Versicherungen, die es gab. Und wer sich einmal, ein einziges Mal hingegeben hatte, nur einmal das große Vertrauen geübt, und sich dem Schicksal anvertraut hatte, der war befreit. Er gehorchte nicht mehr den Erdgesetzen, er war in den Weltraum gefallen und schwang im Reigen der Gestirne mit. So war das. Es war so einfach, jedes Kind konnte das verstehen, konnte das wissen. (Hermann Hesse)
Wer bin ich, wenn ich bin, was ich habe, und dann verliere, was ich habe? Nichts als ein besiegter, gebrochener, erbarmenswerter Mensch, Zeugnis einer falschen Lebensweise. Weil ich verlieren kann, was ich habe, mache ich mir natürlich ständig Sorgen, dass ich verlieren werde, was ich habe. Ich fürchte mich vor Dieben, vor wirtschaftlichen Veränderungen, vor Revolutionen, vor Krankheit, vor dem Tod, und ich habe Angst zu lieben, Angst vor der Freiheit, vor dem Wachsen, vor der Veränderung, vor dem Unbekannten. So lebe ich in ständiger Sorge und leide an chronischer Hypochondrie, nicht nur in Bezug auf Krankheiten, sondern hinsichtlich jeglichem Verlust, der mich treffen könnte; ich werde defensiv, hart, misstrauisch, einsam, von dem Bedürfnis getrieben, mehr zu haben. (Erich Fromm) Wir alle leben inmitten eines Meeres aus Konfusion und Irrationalität! Wieso sind die Menschen auf dieser Welt alle so verwirrt? Wissen weder woher sie kommen, noch warum sie auf der Welt sind? Habt ihr euch das schon einmal gefragt? Ich bin sicher, einige von euch tun das! Manche werden sich das sogar öfters fragen, dann gibts da noch so welche, die pausenlos an nichts anderes mehr denken können – und ja, schließlich haben wir dann noch jene unter uns, die an “sowas keine Zeit verschwenden”. Die völlig zufrieden sind damit, am morgen aufzustehen, zu frühstücken und einen “gepflegten Schiss” hinzulegen, in ihre monotone Arbeitsstelle fahren, das dafür erhaltene minimale Gehalt für ein Fahrzeug anzuzahlen, dass, wenn sie mit abzahlen fertig sind, nur mehr den Schrottwert besitzt, während sie den kümmerlichen Rest ihres “Lohns” in Versicherungen investieren, die einen gegen die “Übel der Welt” “schützen” sollen. Und das tun sie Tag für Tag, für Monat für Jahre, manche schaffen das sogar ganze Jahrzehnte lang, wo sie dann den “Lohn für ihre Mühen” bekommen – die Rente. (Steven Black)
Die Dummheit... Wie dumm ist die Dummheit? Betrachtet man jedoch diese grenzenlose Monotonie etwas genauer, so leuchtet plötzlich die Vielfalt auf, die keine Mitte, kein Oben, kein Jenseits hat. Ein knisterndes Licht läuft umher und beleuchtet reihum diese losen Etikette, diese starren Momentaufnahmen, die sich nun wortlos und für immer Zeichen zuwerfen: mit einem Male wird die alte, dunkle träge Gleichgültigkeit von den Zebrastreifen des Ereignisses zerrissen und das ewige Phantasma spricht aus dieser Dose, aus diesem einzelnen körperlosen Gesicht. Die Intelligenz antwortet der Dummheit nicht: Michel Foucault
Von der Volksherrschaft des Kapitals zur demokratischen Erwirtschaftung des gesellschaftlichen Reichtums Die Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass das Geld auf dem Finanzmarkt immer wieder die Wirtschaft in eine Fiktion des Wertwachstums treibt, weil sie Geld zu verwerten sucht, das nur beschränkt anwendbar ist. Das Geld saugt dort, wo es nicht verwertbar ist, wo es also kein wirkliches Mehrprodukt schafft, alle Werte auf, die es auch durch nichts Wirkliches ersetzen kann. Das Geld, das die Banken auf den Markt werfen und um das die Aktienmärkte kämpfen, zergeht immer wieder in immer größere Blasen, welche zunächst die Krisen des Finanzmarkts und dann auch die reale Wirtschaft, Betriebe und Arbeitsplätze niedermachen. Und das Zerstörte verbleibt als ungeheuere Schuldenlast des Staates, welche seine Bürger zu tragen haben, die gerade noch die Werte für das Geld erzeugen mussten, bevor es sich in erneuerte Schuld auflöste. Das Kapital betreibt diesen Unsinn schon sein über 200 Jahren und verschärft ihn zu immer größeren Verwertungslöchern. Da hinein gestopft werden muss dann wieder realer Wert, also menschliche Arbeit, die nichts anderes zu bringen hat, als die Löcher des Finanzmarktes wieder zu flicken. Auf der anderen Seite hat sich gezeigt, dass die Politik nicht mehr in der Lage ist, diesen Entwertungskreislauf wirklich aufzufangen. Die Mittel, die hierfür früher noch tauglich waren, vor allem die Eroberung von wirtschaftlichem Einfluss auf andere Märkte und Länder durch Kriege und anschließender Marktentwicklung auf verbrannter Erde, sind immer weniger tauglich, die Marktentwicklung für das Kapital sicher zu stellen. Die Politik ist nun auch für alle sichtbar in einem Dilemma. Nur schwer kann sie die Hintergründe verbergen, auch wenn sie sich nur angebliche Fehlleistungen der Banken oder Manager in den Vordergrund stellt. Nein, sie haben nicht falsch funktioniert. Die Banken mussten Kredite verschleudern, um ihr ungedecktes Geld loszuwerden. Und die Manager mussten in Geld schwimmen, um der Wirklichkeit ihrer Taten entzogen zu bleiben. Betrug, Korruption, Insolvenzverschleppung, Lohndumping, Betriebsschließungen usw. waren zur Selbstrettung nötig um privat zu sichern, was gesellschaftlich sowieso schon wertlos war. Ja, es war pure Notwehr der Klasse der Geldbesitzer gegen die Entwertungstendenz ihrer Wirtschaft. Und so ähnlich funktioniert auch die Selbstrettung des bürgerlichen Staates, die Notwehr der Politik gegen ihre eigene Überflüssigkeit. Aber sie ist noch weit grotesker, als die der Wirtschaft. Das Strecken der derzeitigen Krise auf 20 Jahre Staatsverschuldung ist schon von der Rückzahlung her eine Illusion, wäre die ganze Wirtschaftsleistung 20 Jahre dazu gezwungen, einen Berg von 1,6 Billionen Euro abzutragen. Bislang in relativ guten Zeiten war man schon glücklich, wenn alleine die Neuverschuldung sich reduzieren ließ. Aber Geld funktioniert auf dem Finanzmarkt eben anders: Es wird durch Banken geschöpft und durch Banken vertan und durch National- und Länderbanken vergeben und kreditiert. Es handelt sich bei dem Geld, das in der sachbezogenen Wirtschaft zirkuliert, bei dem Geld also, das noch wirklich als Zahlungsmittel auftritt, gerade noch um ca. 3-5 % der vorhandenen Werte. Die anderen Werte bestehen nur noch aus Verpflichtungen durch Schuldverhältnisse, sei es in Form von Wertpapieren, Devisen, Staatsschulden oder Kredite. Aber das ist alles nicht so schlimm, wenn man weiß, dass es letztlich ja des Bürgers Pflicht ist, das Allgemeine zu erhalten und also sich auch der übergroßen Schuld pflichtschuldigst zu beugen. Die einfache Vorstellung eines besseren Lebens hat auch schon mal ganze Volkswirtschaften vom Übel der Gegenwart erlöst und mit dem Heil einer großen Zukunft, mit der Fiktion von Größe und Weltmacht versorgt. So lässt sich auch im Abgrund leben. Es genügt vielleicht schon, wenn die Westerwelle noch weiter in den Osten schwappen kann. Arbeitsloigkeit und Niedergang ist man dort ja längst gewohnt. Die Verschuldungsspiralen der Nationalwirtschaft können auf Dauer weder durch Ökonomie noch durch Politik aufgehalten werden. Alleine die Zinsen für die Staatsverschuldung von derzeit ca. 74 Milliarden Euro pro Jahr fressen alles auf, was erwirtschaftet werden könnte – mal ganz zu schweigen davon, dass die Tilgung nicht von denen getragen wird, die sie verursacht haben, sondern von den Bürgern, die nichts anderes einsetzen können, als ihr Leben und ihre Kraft. Die Politik kann die Probleme nicht mehr lösen, sondern diese nur in immer engerer Logik forttreiben, weil sie nicht mehr auf den Punkt kommen kann, wo sich das System wieder auf Null stellen lässt. Die alten Mechanismen versagen. Die Illussion ist ungemein teuer. Ein dritter Weltkrieg lohnt sich nicht mehr wirklich, auch wenn permanente Kriege die Deckungskrisen der Wirtschaft und Politik in der Waage halten müssen. Es ist inzwischen schon vielen ganz normalen Nationalökonomen und Politkern klar, dass die Wirtschaft sich innerhalb des bestehenden Systems nicht mehr erholen kann. Nur die herrschende Politik und das herrschende Kapital wollen das grausame Spiel noch weitertreiben, weil sie eben davon leben. Die anderen müssen mit einer versteinerten Welt zurecht kommen. Hoffnungslosigkeit, Depressionen und Aggressionen machen sich breit, wenn die Beteiligung an der gesellschaftlichen Entwicklung keine Zukunftsperspektive mehr ist. Den Preis zahlen die Menschen. Die einen durch ihre Arbeit, die anderen mit der Armut, in sie sie geraten, wenn sie aus den Arbeitsverhältnissen herausfallen oder schon draußen sind. Allein schon das Vorhaben der sogenannten Steuerreform wird die Länder und Kommunen schwer belasten. In Niedersachsen spricht man schon vom Kollaps der Landespolitik. Das konkrete Sozialverhältnis in den Städten und Gemeinden wird immer mehr Armut zu bewältigen haben, weil immer mehr Armut und immer weniger Sozialgeld durch die Zerschlagung der Arbeitsstätten oder Arbeitsplätze da sein wird. Und wer die soziale Entwicklung unter solchen Bedingungen kennt, der weiß auch, dass sich hier der gesellschaftliche Niedergang in der Verwahrlosung von großen Teilen der Bevölkerung forttreibt und reaktionäre Erregungen in Gang setzt. Die sozialen Probleme werden auch die politischen zu Platzen bringen. Die ökonomische Form der bürgerlichen Gesellschaft hat die politische Form ihrer Repräsentanz voll im Griff. Die bürgerliche Gesellschaft, die Gesellschaft, die sich durch versammelte Meinungen in ihren Parlamenten repräsentiert sehen will und sich durch Gütertausch ökonomisch erhält, ist längst am Ende. Der Kapitalismus in der jetzigen Form aber noch lange nicht. Der Verschuldungskapitalismus könnte noch einige Zeit so weiterlaufen, wenn dem Verbrauch von Menschen, Natur und Kultur nicht endlich durch die Menschen selbst ein Ende gesetzt werden kann. - Doch wie kann dies gehen? (Quelle - www.kulturkritik.net- Wolfram Pfreundschuh)
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Autonomie?
Autonomie beinhaltet die Fähigkeit, ein Selbst zu haben, das auf dem Zugang zu eigenen Gefühlen und Bedürfnissen gründet. Da bei einer Fehlentwicklung der Autonomie Gefühle und Bedürfnisse Ausdruck der Ideologie des Herrschens und nicht einer inneren Integration sein können, müssen wir erkennen, daß die Bedürfnisse und Gefühle selbst nicht mit Autonomie gleichzusetzen sind. Es ist wichtig, sie im Rahmen ihrer Entwicklung zu differenzieren. Die MACHTPOLITIKEN, die uns als Realismus vorgehalten werden, bringen die Welt jeden Tag dem Abgrund näher. Es war immer schon so, nur hatten die Mächte nie solche Vernichtungsmittel zur Verfügung. Und wie schon früher, so auch jetzt, versucht man im Namen der Realität, uns den tödlichen Ausgang und die tödliche Gesinnung zu verneinen. Jene, die an der Macht sind, behaupten uns ohne Eigennutz beschützen zu wollen. Aber wie Friedrich Nietzsche es über die Philosophen in "Jenseits von Gut und Böse" sagte, gibt es nichts Unpersönliches. Wenn Staatsmänner(oder -frauen) in ihrem Sein gespalten sind, müssen sie fortwährend mit einer Lüge leben. Was sie uns offerieren, kann dann nur vom Gefüge des Menschlichen getrennt sein. Wir werden dieses aber erst erkennen können, wenn wir selbst aufhören, nach Göttern zu suchen. Dafür muß man sich von den Ängsten befreien, die einen dazu brachten; das Göttliche außerhalb des eigenen Selbst zu finden. Wenn nicht dann führt Rebllion nur dazu, eine Kirche zu stürzen, um eine andere auferstehen zu lassen. Die Mächte und ihre Ausstrahlungen dauern an. Unter solchen Bedingungen schafft man nur neue Formen der TYRANNEI. Es ist Mitgefühl und Liebe, die die Wandlung zu einem wahren Selbst möglich machen. Es ist unsere Aufgabe, falsche Lehren zu bekämpfen, indem wir die WAHRHEIT in uns offenbaren....Es ist die große Aufgabe, alle Menschen über den Weg des gegenseitigen Verstehens zu vereinigen. Der Schlüssel ist Barmherzigkeit... Es gibt keine Methode oder Technik, die zu einem Selbst führen. Die Erwartung solch einer Lösung entspricht schon einem Selbst, das ohne Bewußtsein in der Annahme gefangen ist, daß ein Mensch wie ene Maschine auf Knopfdruck funktioniere. Die Einstellung ist der Schlüssel zur Autonomie. Wenn man sein Mitgefühl und seine Liebe zu anderen wirken läßt, wird man sie finden. Die Mannigfaltigkeit der Wege zu ihr entspricht der Einzigartigkeit des einzelnen. Deswegen muß man seinen Weg alleine finden. Begleitung und Freunde sind dabei nötig, aber die Verantwortung für die Wahl des Weges muß die eigene sein. Auf diesem Weg gibt es kein "you take care of me" (sorge für mich). Man muß es wagen, das eigene Selbst zum Erleben zu bringen, um zu erfahren, daß die Angstgespenster, die im Wege stehen, eigentlich machtlos sind. Es ist unser Schicksal daß, wenn wir nie die Chance hatten, uns aufzulehnen, wir die Absurdität durchleben müssen, nie ein eigenes Selbst gelebt zu haben. Durch Rebellion allein macht noch keinen Menschen. Sie ist nur ein erster Schritt zu einem langen, schwierigen und nie endenden Weg zur Überwindung der Furcht vor der Freiheit, ein eigenes Selbst und ein menschliches Herz zu haben. (Quelle - Arno Gruen - Der Verrat am Selbst) HAUPTFEIND - Es sei daran erinnert, daß jeder, aber auch jeder Staat einen Hauptfeind Nr. 1 besitzt, nämlich die eigene Bevölkerung. Wenn im eigenen Land die Politik ausbricht & die Leute auf der Straße aktiv werden, können sich daraus schreckliche Folgen ergeben. - Darum ist Ruhe die erste Bürgerpflicht, nicht zu vergessen Gehorsam & Passivität. Noam Chomsky Antimilitarismus
SPIEGEL - "Wir sind das Ende die Fortsetzung und der Anfang, Wir sind der "Spiegel", der eine Linse ist, die ein Spiegel ist, der eine Linse ist. Wir sind die Rebellion. Wir sind die unbeugsame Geschichte, die sich sellbst wiederholt, um sich nicht länger zu wiederholen, der Blick zurück, um nach vorne gehen zu können. Wir sind die große Herausforderung des Neoliberalismus, der wunderbarste Unsinn, der respektloseste Taumel, der menschliche Wahnsinn. Wir sind Menschen, die das tun, was in der Realität getan werden muss: Wir träumen..." Notes from Nowhere KONZERNE - Früher oder später muß man der Tatsache ins Auge sehen, daß ein Konzern zu den totalitärsten Einrichtungen der menschlichen Geschichte gehört: Er wird zentral verwaltet, das Autoritätsgefälle geht von oben nach unten, die Kontrolle liegt in der Hand von Besitzern und Investoren. Noam Chomsky
STAAT - Die Wirkungen staatlicher Propaganda sind umso größer, je mehr sie von den gebildeten Schichten unterstützt & keine Kritik daran zugelassen wird. Diese Lektion haben Hitler & viele andere gelernt, bis auf den heutigen Tag. Man muß zuerst begreifen, wie die Welt funktioniert. Sie belohnt nicht Ehrlichkeit & Unabhängigkeit, sondern Gehorsam & Dienstfertigkeit. Noam Chomsky DAS KARTELL DER KASSIERER - "Wer den Gebührenschneidern der Banken entkam, den Verlockungen der Absahner auf dem grauen Markt widerstand & den Strukis der Versicherer die Tür wies, darf sich gratulieren. Gewonnen hat er damit aber noch lange nicht. Das gierigste Mitglied im Kartell der Kassierer wird ihn auf jeden Fall erwischen: der Staat. Gegen die Räuber in den Parlamenten & in der öffentlichen Verwaltung nehmen sich selbst die Herren der Allianz & der Deutschen Bank wie Zwerge aus." - Blasenartig steigen aus dem Lobbysumpf immer wieder neue Steuerskandale auf, die von der Komplizenschaft zwischen Politikern, Bürokraten & dem großen Kapital künden. Günter Ogger SELBSTBEDIENUNGSLADEN - Der von Beamten & Angestellten des öffentlichen Dienstes beherrschte & von vielen Parlamentarieren in Stadt, Land & Bund auf Touren gehaltene "Selbstbedienungsladen" namens "STAAT" betrachtet seine Bürger als lästige Störfaktoren deren Nützlichkeit sich allein an der Höhe ihrer Steuerzahlungen bemißt. Der Spiegel der Macht bietet uns zum Ausgleich: die Lüge der Niederlage der Hoffnung, die Lüge der Niederlage der Menschheit, die Lüge der Niederlage der Würde. Der Spiegel der Macht bietet uns zum Ausgleich: die Lüge des Sieges des Zynismus, die Lüge des Sieges der Unterwürftigkeit, die Lüge des Sieges des Neoliberalismus. Subcommandante Marcos Der Schrei - Im Anfang war der Schrei. Wir schreien. Wenn wir schreiben oder lesen, vergessen wir schnell, dass im Anfang nicht das Wort ist, sondern der SCHREI. Angesichts der Verstümmelung des menschlichen Lebens durch den Kapitalismus, ein Schrei der Trauer, ein Schrei des Entsetzens, ein Schrei des Zorns, ein Schrei der Verweigerung: NEIN. Nein ist das Subjekt der Revolution, die zum Ausbruch bereite Antriebskraft gesellschaftlicher Veränderung. NEIN zur Unterdrückung. NEIN zur stumpfsinnigen, gefährlichen Zerstörung durch das Kapital. Dieses NEIN ist ein Fest, eine Explosion neuen Lebens ein Experimentieren mit neuen Formen gesellschaftlicher Organisation. John Holloway
War ein Kampf des Lorbeers wert, spart dem Tod die Spende, aber nehmt des Toten Schwert: führt den Kampf zu Ende. Erich Mühsam ”Viele Leute finden Sicherheit in der Masse, Glück in der Anonymität und Würde in der Routine. Sie wollen nichts besseres sein als ein Schaf unter einem Hirten, ein Soldat unter einem Hauptmann, ein Sklave unter einem Tyrannen. Die wenigen, die sich entfalten müssen, werden Hirten, Hauptmänner und Führer dieser willigen Gefolgschaft.” Ich tat reinen Gewissens und gläubigen Herzens meine Pflicht. Adolf Eichmann, deutscher SS-Obersturmbannführer und Massenmörder (1906-1962)Was wäre, wenn wir in einer Gesellschaft lebten, in der nicht Banker, sondern Lehrer, Krankenschwestern usw. mit finanziellen Belohnungen überschüttet würden? Was wäre, wenn wir ein Finanzsystem hätten, das Fairness belohnt statt Gier? Das ist Ihnen zu utopisch?" Wer ohne Geld auf die Welt kommt, läuft sein Leben lang im Hamsterrad. Und vor lauter „Streß“ in unserer „schnelllebigen Zeit“ hat er nicht einmal die Zeit, um darüber nachzudenken. Wer moralisch und ethisch einwandfrei ist, wer der Gesellschaft Nutzen stiftet und arbeitet, der kann der Zinsfalle kaum entkommen. Wer hingegen andere Menschen belügt und betrügt und ihnen geschickt das Geld abjagt, der kassiert Boni, Abfindungen, Provisionen, Diäten, Pensionen, Yachten, Schlösser, Dienstwagen und so weiter, ganz ohne Fleiß, nur durch den Verkauf des eigenen Gewissens und der Menschen, die einem vertraut haben. Diese Negativ-Selektion führt logisch und konsequent zum Zerfall der Gesellschaft.
„Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.“ (Henry Ford, 1863 - 1947). “Du sollst den Glauben an die Menschheit nicht verlieren. Die Menschheit ist ein Ozean; auch wenn ein paar Tropfen des Ozeans schmutzig sind, so wird davon nicht der ganze Ozean schmutzig.“ Mahatma Gandhi
"In Erwägung, dass wir hungrig bleiben Wenn wir dulden, dass ihr uns bestehlt Wollen wir mal feststellen, dass nur Fensterscheiben Uns vom guten Brote trennen, das uns fehlt." Bertolt Brecht Die grundsäztliche Akzeptanz von Konkurrenz und Profitprinzip ebenso wie die politizistische Oberflächenhuberei haben offenbar die Kultur einer reflekrierten Kritik der politischen Ökonomie derart ruiniert , daß sogar die primitivsten Denkfiguren der bürgerlichen ökonomischen Ideologie in den linken Diskurs eingemeindet worden sind. Robert Kurz "Das was Huntington Kampf der Kulturen" genannt hat, hat zuerst im Schosse des Abendlandes selbst stattgefunden. Die von den gegenwärtigen Machteliten der USA und Westeuropa emsig betriebene Eliminierung aller Wertvorstellungen, Gesellschaftsmodelle und Lebensweisen, die ihren Expansionsinteressen zuwiderlaufen, kann nur deshalb auf Weltebene durchgeführt werden, weil die kulturelle GLEICHSCHALTUNG im Innern der westlichen Gesellschaft schon vollzogen worden ist. Heleno Sana „Ein Mensch soll nicht alles tun, sondern etwas; und weil er nicht alles tun kann, soll er nicht ausgerechnet etwas Unrechtes tun.“ Henry David Thoreau Ich bin nicht geboren, um mein Schicksal in die Hände von Sadisten, Betrügern, Lügnern und Machtmenschen zu legen, die aus mir ein willenloses Partikel ihres Herrschaftswahns machen wollen. Was ich bin oder werden will, entscheide ich, nicht sie. Ich bin geboren, um meine Freiheit, meine Selbstachtung und mein angeborenes Recht auf ein von mir gewähltes Leben bis zu meinem Tode zu verteidigen. (Quelle - Zitat von Heleno Sana aus seinem Buch - "Würde und Widerstand)
„Armer Mann und reicher Mann / standen da und sah’n sich an. / Und der Arme sagte bleich: / Wär’ ich nicht arm, wärst du nicht reich.“ Bertolt Brecht Wohlstand ist, wenn man mit Geld, das man nicht hat, Dinge kauft, die man nicht braucht, um damit Leute zu beeindrucken, die man nicht mag.
Alexander von Humboldt
Wir waren es gewöhnt, in einer Welt der Lügen zu leben, darum wurden die Verbrecher immer sicherer und frecher! Sie haben UNS mit nahezu allem ausgeplündert und betrogen, was man sich nur vorstellen kann. Wir leben in einer verlogenen Welt, on einer verlogenen Zeit, haben eine verlogene Währung, die von verlogenen Banken gedruckt und ausgegeben wird. Dieses Währungssystem ist ein Schuld-Zins-Knecht-System und kein richtiges Geld! Es ist nur ein Zahlungsversprechen, was JEDERZEIT verfallen kann. Alle 60 Jahre MUSS es Crashen und eine neue verlogene Währung ausgegeben werden, damit das “Spiel” von neuem beginnen kann – wieder 60 Jahre lang! Früher wusste man: Ging es auf die 60 Jahre zu, wird es Krieg geben, der Krieg wurde zum entschulden genutzt. Heute hat man andere “Instrumente”! In dieser verlogenen Welt, arbeiten rund um die Uhr verlogene Politiker, im Verein und Hand in Hand, mit verlogenen Wissenschaftlern. Man hat verlogene Institutionen zugelassen, die sich das Vertrauern der Bürger erschlichen, um sie um ihr hart verdientes Geld zu bringen. Alles was wir zu Wissen glauben, fast alles – ist FALSCH!(Steven Black) 
Die Entscheidungsmöglichkeiten des Nationalstaates nehmen in finanzieller und ökonomischer Hinsicht immer mehr ab, aber dies heißt nicht, daß er seine Macht verlieren wird. Die multinationalen Konzerne und die supranationalen Organisationen sind die ersten, die den Staat brauchen, um die Widersprüche des neoliberalen Kapitalismus in den Griff zu bekommen. Sie brauchen ihn auch als Repressionsinstrument gegen Unzufriedenheit und soziale Revolte. Dies ist die Rolle, die jetzt der Staat übernimmt, auch innerhalb der Europäischen Union, die sich im übrigen in zunehmenden Maße als ein Superstaat entwickelt, der sich als noch zentralistischer, bürokratischer und interventionistischer erweist als der klassische Nationalstaat. (Quelle - Heleno Sana)
Wird geladen... Freiheit erreicht man in erster Linie nur, mit sozialer Verantwortung, Solidarität und Mitmenschlichkeit. Eine Freiheit, die sich dieses moralischen Imperativs glatt entledigt und keine Augen für die Bedürfnisse der Benachteiligten und der in Not geratenen Menschen hat, ist keine wahre Freiheit, sondern eine Variante der Rücksichtslosigkeit. Ein Reich des Egoismus und des Materialismus in dem der Wert des Einzelnen durch die Höhe seines Bankkontos gemessen wird. Freilich: Damit kann man vielleicht die Habgier und andere niedrige Triebe des Menschen befriedigen, aber langfristig keine wirkliche freie und rationale Gesellschaftsordnung aufbauen, wie schon jetzt der besorgniserregende Zustand der Welt ahnen läßt. Daß es noch schlimmer werden kann, läßt sich unschwer voraussehen. (Quelle -Heleno Sana) "Cuándo querrá Dios del cielo Que la justicia se vuelva Y los pobres coman pan Y los ricos coman ... mierda." (Wenn Gott im Himmel es einmal will, Daß das Recht sich wendet Und die Armen essen Brot Und die Reichen fressen ... Scheisse.) Quelle: Abel Paz - DURUTTI. - Vers aus Anadalusien. Politisches Gedicht von Roland Rottenfußer (Ein Beitrag des Webmagazins auf "Hinter den Schlagzeilen") Die Ausgegrenzten ziehen Wartenummern. Die Luft ist stickig und verbraucht, nirgendwo Mut. Die Händler schreien und die Sänger werden stummer, Nur in den Schächten schwelt verhalten etwas Wut.
Die Visionäre sparen sich kühnere Entwürfe, Selbst die Satiren wirken blutleer, wie kastriert. Die Demonstranten fragen scheu, was sie noch dürfen, Und an der Börse wird ein Gesslerhut platziert.
Die Menschenwürde, hieß es, wäre unantastbar. Jetzt steht sie unter Finanzierungsvorbehalt. Ein Volk in Duldungsstarre, grenzenlos belastbar. Die Wärmestuben überfüllt, denn es wird kalt.
Wie effizient ihr uns in euer Netz einspinnt – ich muss euch fast Bewunderung zollen! Aber habt ihr uns gefragt, ob wir die Welt, die ihr geschaffen habt, auch wollen?
Für eure Spielschulden bezahlen unsere Kinder. Die habt ihr fürsorglich schon pränatal versklavt. Ab und zu muckt ein Grieche auf oder ein Inder, Die Deutschen nicht, die sind seit jeher eher brav.
Und die Altvorderen fördern keinen mehr, sie casten. Die Jungen leben nur noch für den Lebenslauf. Man mahnt die Ausgezehrten, konsequent zu fasten, Und tischt den Übersättigten ein Festmahl auf.
Die Saubermänner fordern harte Strafen, So können sie sich jede Selbstkritik ersparen. Denn sehr viel leichter regiert es sich mit Schafen, Die sich verstört um ihre schlechten Hirten scharen.
Wir dürfen wählen, was wir wollen, solang wir nur das denken können, was wir sollen. Aber habt ihr uns gefragt, ob wir die Welt, die ihr geschaffen habt, auch wollen?
Den Technokraten ist es peinlich, noch zu fühlen, Und statt der Güte hofiert man Bonität. Ihr lullt uns ein mit Euren Hamburgern und Spielen, Schauen wir vom Bildschirm auf, ist es vielleicht zu spät.
Zu tausenden als Nutzmenschen gezüchtet, Den Ökonomen zur Verwertung überstellt. Ein wenig Aufschub finden wir nur in den Süchten. Gibt es noch etwas, irgendetwas, was uns hält?
Die Diktatur ist nicht ganz ausgereift, sie übt noch. Wer ihren Atem spürt, duckt sich schon präventiv. Und nur der Narr ist noch nicht ganz erstarrt, er liebt noch Und wagt zu träumen, deshalb nennt Ihr ihn „naiv“.
Und mit sanfter Penetranz sachzwängt ihr uns in unsere vorgeschriebenen Rollen. Aber habt ihr uns gefragt, ob wir die Welt, die ihr geschaffen habt, auch wollen?
Gelenkte Scheindemokratie, Angriff auf die Menschenwürde und «faschistische Verschiebung» - Ein Versuch, unsere Epoche zu porträtieren, einmal nicht als Essay, sondern als politisches Gedicht. (Von Roland Rottenfußer)
Der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble - für viele ein Vorkämpfer für Überwachungs- und Polizeistaat. Habt ihr uns gefragt? Die Ausgegrenzten ziehen Wartenummern. Die Luft ist stickig und verbraucht, nirgendwo Mut. Die Händler schreien und die Sänger werden stummer, Nur in den Schächten schwelt verhalten etwas Wut. Die Visionäre sparen sich kühnere Entwürfe, Selbst die Satiren wirken blutleer, wie kastriert. Die Demonstranten fragen scheu, was sie noch dürfen, Und an der Börse wird ein Gesslerhut platziert. Die Menschenwürde, hieß es, wäre unantastbar. Jetzt steht sie unter Finanzierungsvorbehalt. Ein Volk in Duldungsstarre, grenzenlos belastbar. Die Wärmestuben überfüllt, denn es wird kalt. Wie effizient ihr uns in euer Netz einspinnt – ich muss euch fast Bewunderung zollen! Aber habt ihr uns gefragt, ob wir die Welt, die ihr geschaffen habt, auch wollen? Für eure Spielschulden bezahlen unsere Kinder. Die habt ihr fürsorglich schon pränatal versklavt. Ab und zu muckt ein Grieche auf oder ein Inder, Die Deutschen nicht, die sind seit jeher eher brav. Und die Altvorderen fördern keinen mehr, sie casten. Die Jungen leben nur noch für den Lebenslauf. Man mahnt die Ausgezehrten, konsequent zu fasten, Und tischt den Übersättigten ein Festmahl auf. Die Saubermänner fordern harte Strafen, So können sie sich jede Selbstkritik ersparen. Denn sehr viel leichter regiert es sich mit Schafen, Die sich verstört um ihre schlechten Hirten scharen. Wir dürfen wählen, was wir wollen, solang wir nur das denken können, was wir sollen. Aber habt ihr uns gefragt, ob wir die Welt, die ihr geschaffen habt, auch wollen? Den Technokraten ist es peinlich, noch zu fühlen, Und statt der Güte hofiert man Bonität. Ihr lullt uns ein mit Euren Hamburgern und Spielen, Schauen wir vom Bildschirm auf, ist es vielleicht zu spät. Zu tausenden als Nutzmenschen gezüchtet, Den Ökonomen zur Verwertung überstellt. Ein wenig Aufschub finden wir nur in den Süchten. Gibt es noch etwas, irgendetwas, was uns hält? Die Diktatur ist nicht ganz ausgereift, sie übt noch. Wer ihren Atem spürt, duckt sich schon präventiv. Und nur der Narr ist noch nicht ganz erstarrt, er liebt noch Und wagt zu träumen, deshalb nennt Ihr ihn naiv. Und mit sanfter Penetranz sachzwängt ihr uns in unsere vorgeschriebenen Rollen. Aber habt ihr uns gefragt, ob wir die Welt, die ihr geschaffen habt, auch wollen? Montag, 05. Oktober 2009
Hier in Frankreich herrscht gegenwärtig die grösste Ruhe. Nur ein leiser, monotoner Tropfenhall. Das sind die Zinsen, die fortlaufend hinabträufeln in die Kapitalien, welche beständig anschwellen; man hört ordentlich, wie sie wachsen, die Reichtümer der Reichen. Dazwischen das leise Schluchzen der Armut. Manchmal klirrt etwas wie ein Messer, das gewetzt wird. (Heinrich Heine 1842)

Steht nicht an meinem Grab und weint. - Ich bin nicht da, ich schlafe nicht. - Ich bin in tausend wehenden Winden. - Ich bin der glitzernde Diamant auf dem Schnee. - Ich bin die Sonne auf dem reifen Korn. - Ich bin der weiche Septemberregen. - Wenn du erwachst in der Stille des Morgens, - Bin ich im huschenden Flug eines Vogelschwarms. - Ich bin das zärtliche Licht der Sterne, - die leuchten des Nachts. - Steht nicht an meinem Grab und weint; - Ich bin nicht da, - ich bin nicht gestorben. (Unbekannter Autor des Makah-Stammes) Er glaubt in einer freien Gesellschaft, einer wahren Demokratie zu leben, wo "Meinungsvielfalt herrscht. Schließlich kann er an jeder Ecke wo es Zeitungen gibt sehen, wieviele täglich verkauft werden. Und auch, wenn es viele Zeitungen gibt erkennt er nicht das ihre Ansichten gar nicht so verschieden sind. Denn alle wichtigen Meinungsbildenden Medien sind streng zentralisiert, und agieren gemeinschaftlich unter der Regie von gerade mal 5 Konzernen, die eine weltweite Kontrolle von Meinungen ermöglicht. Es ist eine tägliche Flut von sich anscheinend widersprechenden Ansichten-höchstens drei - dies erzeugt ein Dickicht "Globaler Einheit".. unsichtbar und subt il. Würde er sich erinnern, das keine zwei Meinungen von Einzelpersonen gleich sind, würde er realisieren das es sich bei den öffentlich verkauften Zeitungen und Magazinen-den Massenblättern, um eine gut organisierte Methode handelt um das Denken zu kontrollieren. "Es steht ja in der Zeitung, also muss es wahr sein.." kann er überall hören. Wenige erkennen, das die vorgegebenen Ansichten auf eine bestimmte AGENDA hin, einer Weisungsrichtung der Wirtschafts-Politik handelt, um die Menschen zu gängeln-und einem "Tunnelblick" unterzuordnen.Nicht Individualität, sondern UNIFORMITÄT ist erwünscht.
Ich zitiere: Die Polizei ist eine große einheitsstiftende Kraft in einer ohne sie dem Zerfall geweihten Welt.   Natürlicherweise erkennen und anerkennen daher die Polizeien vrerschiedener und auch verfeindeter Regime gewisse gemwinsame Interessen, in denen Zusammenarbeit geboten ist, Auf dem Gebiet der Zirkulation von Büchern... Wird man soweit gelangen, die Zensurmethoden der verschiedenen Regime zu vereinheitlichen ? Nicht zu vereinheitlichen, aber ein System zu schaffen, in dem sie einander ausbalancieren und sich gegenseitig unterstützen... WELTKARTE: Das feinabgestufte Farbenschema bezeichnet: - die Länder, in denen alle Bücher systematisch beschlagnahmt werden; - die Länder, in denen nur die vom Staat publizierten oder genehmigten Bücher zirkulieren dürfen; - die Länder, in denen eine grobe, summarische und unberechenbare Zensur herrscht; - die Länder, in denen die Zensur feinnervig, gebildet, sensibel für die unterschwelligen Implikationen und Assoziationen ist und von ebenso penbiblen wie raffinierten Intellektuellen ausgeübt wird; - Die Länder, in denen es zwei Distributationsnetze gibt, ein legales und ein clandestines; - die Länder, in denen es keine Zensur gibt, weil es keine Bücher gibt, aber viele potentielle Leser; - die Länder, in denen es keine Bücher gibt und niemand ihr Fehlen beklagt; - die Länder schließlich, in denen jeden Tag Bücher für jeden Geschmack und jede Geistesrichtung erscheinen bei allgemeiner GLEICHGÜLTIGKEIT. Nirgendwo wird heute das geschriebene Wort so hochgeschätzt wie in Polizeiregimen...Gibt es ein besseres Kriterium zur Unterscheidung der Nationen, in denen Literatur eine wirkliche Achtung genießt, als das der zu ihrer Kontrolle und Repression bereitgestellten Summen? ---------_______________________Italo Calvino________
Wenn die Kämpfe um die Wiederaneignung der Reproduktion, jene der Arbeiter_innen in Produktion und Dienstleistung, aber auch die weltweiten revoltierende Massenarmut miteinander kommunizieren, sich von unten koordinieren und Selbstverwaltungsstrukturen außerhalb und gegen die kapitalistische Verwertung organisieren (auch als Projekte der „Solidarischen Ökonomie“ bezeichnet), dann kann sich die Krise zu eine Chance für eine revolutionäre Umwälzung entwickeln.
Mit anderen Worten: Es geht um die Verbindung von Anarchismus, Kommunismus und Sozialismus. Massimo de Angelis (2007, S. 245, Übersetzung von mir): „Anarchistische Praxen ohne kommunistische sind individualistisch oder gettoisiert. Kommunismus ohne Anarchismus ist hierarchisch und repressiv.“Der Anarchismus bietet die lebendige Perspektive der Selbstorganisation, der Kommunismus die Fähigkeit zur Organisation. (Quelle - Robert Foltin - Wir sind die Krise des Kapitalismus. www.grundrisse.net) Bis zum entgültigen Zusammenbruch der Sowjetunion im August 1991 lebten fast ein Drittel der Menschheit unter dem korrupten System des Staatskapitalismus, das sich fälschlicherweise kommunistisch nannte. An Geld mangelt es nie, wenn man damit auf die große Erlösung mit großen Erlösen spekulieren kann. Der Kapitalismus ist schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts in einer Endlosschleife von Wiederaufbau, Wirtschaftswunder, Überproduktion, Kapitalvernichtung, Naturzerstörung, Kulturzerstörung, imperialer Selbstermächtigung, Weltordnungskrieg und wieder von vorn. Und so könnte das auch wieder weitergehn – allerdings mit immer weniger Lebenssubstanz und immer weniger Natur und einer zunehmenden Barbarisierung der menschlichen Kulturen. (W.Pfreundschuh)
In unserem Zusammenhang sind vor allem die Folgen dieser mit Lohndumping, Sozialabbau und Outsourcing einhergehenden neoliberalen Politik von Relevanz. Die von den Neoliberalen eingeleiteten Reformen brachten bald die ihnen immanenten, unüberwindlichen Widersprüche zum Vorschein. Die stagnierenden Löhne, die Steuergeschenke an Wohlhabende und der Sozialabbau ließen tatsächlich bald die Profite und die Vermögen kräftig wachsen, doch zugleich sank die Massennachfrage. Zu den Warenbergen, die keine Käufer fanden, gesellten sich Berge von Kapital, das kaum in der weiteren Warenproduktion profitable Investitionsmöglichkeiten finden konnte. Es drohten somit klassische Überproduktions- und Überakkumulationskrisen.Abhilfe schuf hier der seit den 80er Jahren immer weiter expandierende und fortwährend deregulierte Finanzsektor, der zu einer regelrechten finanziellen Explosion ansetzte, für die sich im angelsächsischen Raum schnell der Begriff "Financialisation of capitalism", Fiiianzialisierung des Kapitalismus, etablierte. Die Tragik unserer Epoche besteht nur darin, dass weit und breit keine revolutionäre Klasse, kein revolutionäres Subjektauszumachen ist. Der ideologische Sieg des Kapitalismus scheint gerade in seiner Niederlage absolut zu sein, für breiteste Bevölkerungsschichten sind Alternativen zur kapitalistischenvergesellschaftung schlicht undenkbar. Sollte keine breite, progressive, antikapita,listische Bewegung innerhalb des einsetzenden Krisenprozesses entstehen, droht uns der zivilisatorische Zusammenbruch. Die Aufgabe der revolutionären, antikapitalistischen Linken besteht zuvorderst darin, das öffentliche Bewusstsein über diese höchst gefährliche Situation - die jederzeit in Barbarei umschlagen kann - zu verbreitern und postkapitalistische,jenseits der uferlosen, fetischisierten Kapitalreproduktion angesiedelte gesellschaftliche Alternativen zu diesem autodestruktiven, spätkapitalistischen System zu diskutieren und aufzuzeigen. Wir müssen - in den konkreten Kämpfen vor Ort - zuerst revolutionäres Bewusstsein schaffen; also das Bewusstsein darüber, dass wir uns in einer revolutionären Situation befinden, dass das kapitalistische System an seine Entwicklungsgrenzen gestoßen ist. Die konkrete Aktion, der Abwehrkampf vor Ort, der Streik, die Betriebsbesetzung, die Straßenblockade, die Demonstration - diese vor uns liegenden Kämpfe müssen bereits alsteil des Ringens um eine postkapitalistische Gesellschaft aufgefasst und propagiert werden.Wir müssten ja an konkreten Kämpfen ansetzen - mit den Menschen streiten, die in dieser Krise unterzugehen drohen, diese konkreten Kämpfe zusammenführen zu ihrem gemeinsamen, objektiven, um des Überlebens der menschlichen Zivilisation willen absolut notwendigen, scheinbar so "abstrakten" Ziel: der Überwindung dieses über uns zusammenbrechenden kapitalistischen Systems. Das Räsonieren über Konjunkturprogramme - die ohnehin nur die mit der Finanzialisierung untergegangene Defizitkonjunktur in staatlicher Regie bis zum Staatsbankrott fortftihren werden - können wir getrost der CDU und SPD überlassen. Ein "Zurück" zum bereits in den 70ern in der Krise befindlichen Keynesianismus, zu massiven Konjunkturprogrammen, wird ebenso wirkungslos bleiben wie eine erneute Regulierung der Finanzmärkte. Genauso könnte man einen Krebskranken mit Hustenbonbons zu heilen versuchen. (Quelle - www.kulturkritik.net)
(Sozial-)Staatlichkeit, Neoliberalismus und Anarchie Der Sozialstaat kann als ein Kompromiß zwischen Kapital und organisierter ArbeiterInnenbewegung betrachtet werden, der die Reproduktionsbedingungen des Kapitals mit denen der Arbeitskraft zum gegenseitigen Vorteil verband. Mit der Krise des Fordismus wurde dieser Kompromiß, der sowie so nur in den westlichen Industriestaaten bestand hatte, aufgekündigt. Zu einem durch das Kapital, aber auch durch die Neuen Sozialen Bewegungen, die sich gegen die Entmündigung, Disziplinierung, Normierung und Normalisierung durch den Wohlfahrtsstaat im „Modell Deutschland“ auflehnten, denn der Wohlfahrtsstaat ist – nicht nur in Deutschland – an den Obrigkeits- und Bevormundungsstaat gekoppelt. Die soziale und kulturelle Krise des Fordismus wird durch die „68er-Bewegung“ und dem Entstehen der Neuen Sozialen Bewegungen markiert. Große Teile der Neuen Sozialen Bewegungen und der Subkultur der 70er Jahren erkannten, „daß im Sozialstaat nicht tatsächlich Demokratie, Basisdemokratie oder ähnliches verwirklichbar war, sondern daß der Sozialstaat im Kern bürokratisch war, zu einer Enteignung von Subsistenz- und Selbstorganisationsfähigkeiten führte und vor allem: weil finanzielle Zuwendung immer und unmittelbar mit sozialer Kontrolle verknüpft war. Die Bürokratisierung des Sozialstaats basierte auf kontrollpolitische Erfassung wie Volkszählung, Rasterfahndung, Registrierung, Verrechtlichung aller Lebensbereiche. Je differenzierter die gesellschaftliche Organisation, je bürokratischer der Apparat, der die Chose am laufen hielt, desto hysterischer die Reaktion auf oppositionelles Verhalten, das irgendwo einen Keil in die verzahnten Abhängigkeiten treiben konnte. Atomstaat, Polizeistaat, 'Sicherheitsstaat' (...) waren die unabwendbaren Begleiter des Sozialstaats selbst auf dem Höhepunkt seiner Ausformung“ (Marin 1997, 7). Aus einer anarchistische Perspektive gibt es keinen Grund den disziplinierenden und normalisierenden Sozialstaat zu verteidigen, weil er den Prinzip der individuellen Freiheit in einer freien Gesellschaft im Weg steht, und kein Schritt in Richtung Sozialismus und Anarchismus ist. Der Sozialstaat hat vielmehr eine Schutzfunktion gegen sozialrevolutionäre Bewegungen. Der Neoliberalismus als eine neue kapitalistische Formation bedeutet kein Abschied vom Sozialstaat, sondern nur ein Umbau, der eine Ökonomisierung des Sozialen bedeutet, d.h. auch daß der Staatsrassismus nicht mit dem Neoliberalismus verschwinden wird, sondern ebenfalls eine neue Dimension erreichen wird. Eine Frage wird sein, wie sich die Entwicklung der Gentechnologie auf die Privatisierung der Versicherungstechnologien auswirken wird: „Die fortschreitende Entschlüsselung des Genoms produziert immer mehr genetische Dispositionen, Mutationen und Krankheitsrisiken“ (Lemke 2000, 237). Eine angebliche „genetische Dispositionen“ kann eine Auswirkung auf die Art und Weise bekommen, wie Menschen sich versichern können, dies betrifft vor allem Lebens- und Krankenversicherungen. Die genetische Diagnostik produziert eine unbekannte Anzahl genetischer Risiken und RisikoträgerInnen, die versicherungstechnisch reflektiert werden müssen. Versicherungen könnten bei bestimmten genetische Risikopotentiale eine bestimmte Lebensführung verlangen, bestimmte Risiken nicht oder nur bei erhöhten Beiträgen versichern. Während die (sozial-)staatliche Versicherungstechnologien von kollektiven sozialen Risiken ausgehen, wird durch eine Privatisierung eine Individualisierung der Risiken stattfinden. Jedes Individuum stellt eine unterschiedliches Risiko für die Versicherung dar, da jedes Individuum unterschiedliche Risikofaktoren (Arbeit, genetische Disposition, Alter etc.) besitzt. Neben einer Naturalisierung und Biologisierung sozialer und ökonomischer Verhältnisse findet nun auch noch eine „Genetifitierung“ (vgl. Lemke 2000) statt: „Gene werden für Phänomene verantwortlich gemacht, von denen bisher angenommen wurde, dass sie soziale, ökologische oder psychologische Ursachen haben“ (Lemke 2000, 232). Der neoliberale Staatsrassismus ist aber nicht vergleichbar mit der klassischen Eugenik, es geht um eine genetische Regierungskunst, die Heilung von diesseitigen Übels verspricht und bei guter Führung – Wohlbefinden und Wohlstand, Gesundheit und Glück. Der Neoliberalismus ist ökonomisch betrachtet eine Reaktion auf die ökonomische Krise des Kapitals in der Mitte der 70er Jahren. Der sozialstaatliche regulierte Kapitalismus war unwiderruflich in die Krise geraten. In dessen Folge suchte das Kapital nach neuen Akkumulationsmöglichkeiten. Bei diesen Weg mußte die starre Form der Regulation aufgebrochen werden. Die Deregulierung und Flexibilisierung ist somit ein zentrales Moment des Neoliberalismus und kann als „Klassenkampf von oben“ begriffen werden. Der Neoliberalismus ist aber nur ein andere kapitalistische Formation als der fordistische Sozialstaat. Häufig wird heute in der Linken die Kritik am Neoliberalismus mit einer Verteidigung des Sozialstaates gekoppelt. Der Neoliberalismus wird in diesem Diskurs nicht mehr als eine kapitalistische Formation sehen, die Neoliberalismuskritik ist keine Kapitalismuskritik mehr. Anstatt für eine sozialrevolutionäre Überwindung kapitalistischer Vergesellschaftung zu kämpfen, wird der sozialdemokratische Reformkapitalismus im Gewand des Sozialstaates verteidigt. Der Kampf gegen den Neoliberalismus kann nur ein Kampf gegen den Kapitalismus sein. Die Verteidigung des Sozialstaates sollten AnarchosyndikalistInnen und anderen AnarchistInnen den SozialdemokratInnen, demokratischen SozialistInnen und reformistischen Gewerkschaften überlassen. (Quelle - Jürgen Mümken - (http://www.postanarchismus.net)  Die 5-Stunden-Woche! Die Ursache der Not, insbesondere in den nicht industrialisierten Ländern, sowie die Ursache dafür, dass wir heute 40 Stunden pro Woche arbeiten, liegt darin, dass heute 3/4 aller Weltbürger, Menschen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren, von den notwendigen güterwirtschaftlichen Arbeiten durch die Geldwirtschaft ferngehalten werden, so daß auch ein erheblicher Teil der Weltbevölkerung arbeitslos ist. Mit einer weltweiten Verbreitung modernster umweltschonender Produktionsmittel zur Anhebung der Produktivität des arbeitenden Menschen, mit der Nutzung des Energieträgers Wasserstoff und dessen Produktion für den Weltbedarf in den Wüsten der Erde und mit einer dezentralen Erzeugung von Wasserstoff in den höheren Breitengraden können wir mit nur 5 Stunden Arbeit pro Woche leben! In meiner Berechnung in meinem ersten Band, "Die 5-Stunden-Woche", zeige ich, dass mit der heutigen Technik fünf Stunden Arbeit pro Woche vollauf genügen, ohne dass auch nur für einen von uns eine Einbuße im Luxus oder in der Lebensqualität entsteht. Dies ist bei einer gleichzeitigen Verbesserung des Umweltschutzes möglich, so dass auch die Qualität und Gesundheit unserer uns umgebenden belebten Natur erheblich steigen wird! Vorerst führe ich einen rein rechnerischen Nachweis, ohne den Versuch zu unternehmen, auf die Frage nach der Fähigkeit des heutigen Menschen für eine solch fortschrittliche Gesellschaft eine Antwort zu finden. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die ich für eine 5-Stunden-Woche andeute, gehören zum angenommenen Idealbild einer Gesellschaft, die gerade von Egoisten mit dem eigennützigen Ziel entwickelt werden könnte, durch einen allgemeinen, straffen Zusammenschluss die 5-Stunden-Woche und ihre vielseitigen materiellen Vorzüge zu verwirklichen! Die Zukunft wird zeigen, ob dem Egoismus der Allgemeinheit und somit dem Eigennutz des einzelnen eine 5-Stunden-Woche näher liegt als eine 40-Stunden-Woche. (Quelle-A-Kongress 2009) Hier der Direktlink zu dieser Page! 5-Stunden-Woche Hauptseite
Diese Suche nach äußerer Stimulation führt zu einer Sucht, die nicht als solche erkannt wird. Wir werden nicht müde, unseren Besitz zu vergrößern, ständig müssen wir unsere Herrschaft über Dinge, Personen und wirtschaftliche und politische Systeme erweitern. Je mehr wir diesem Bestreben folgen, um so mehr geraten wir in eine Abhängigkeit von diesem Aktionismus. Zugleich sind die äußeren Dinge in ihrer Rückwirkung auf unser Selbst Grund dafür, daß unser Erlebnishunger nicht mehr zu stillen ist und die Abhängigkeit von äußerer Stimulation immer größer wird. Denn diese Art der Bewegung, die innere Prozesse wie unser Bedürfnis nach Zuwendung und Liebe nicht tangiert, verstärkt das künstlich geschaffene Verlangen nach dieser Art Bewegung, die den Anschein von Lebendigsein gibt. Das kreative Innere jedoch bleibt unberührt und deshalb leer. Wenn das äußere keinen Halt mehr gibt, bricht auch die Persönlichkeitsstruktur von Menschen immer mehr auseinander. Diese Gefahr besteht zum Beispiel, wenn das soziale Gefüge einer Gesellschaft zerfällt, weil die Verteilung von Status und Besitz zu immer größerer Ungleichheit führt, wenn Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden, wenn Menschen immer weniger Mitgefühl empfinden, weil der andere im Kampf um den sozialen Status als Bedrohung erlebt wird, denn sich mit ihm zusammenzutun könnte den eigenen Status herabsetzen. Dadurch wächst die Isolation des Einzelnen. Solche Vorgänge verstärken das Gefühl, Opfer zu sein. Der Haß, der damit einhergeht, muß immer mehr nach außen projiziert werden. Die Folgen sind Fremdenhaß, die Suche nach vermeintlichen Feinden, Progrome, Genozide, überhaupt eine erhöhte Bereitschaft zur Gewalttätigkeit. Menschen, die ihren Haß nicht nach außen verlagern können, verlieren unter solchen Bedingungen das Gefühl, ihr Leben im Griff zu haben. Sie fühlen sich ohnmächtig und hilflos, neigen zu Depressionen oder entwicklen Krankheiten. Auch das sind Folgen einer Sozialisation, in deren Verlauf sich entweder eine eigene Identität herausbildete oder es durch Verlust des Eigenen zu einer Nicht-Identität kam. Bei Menschen, die sich im Laufe dieser Entwicklung nicht völlig mit äußeren Autoritäten identifiziert haben, führt das Aufsteigen des eigenen Opferseins zu einer nach Innen gelenkten Aggression. Je stärker solche Menschen noch in der Lage sind, Schmerz und Leid als Teil ihrer Selbstentwicklung zu erleben, desto mehr werden die nach Innen gelenkten Aggressionen Depressionen hervorrufen. Bei denjenigen, die Schmerz und Leid weniger als eigene seelische Erfahrung zulassen können, wird es eher zu Auswirkungen auf der somatischen Ebene kommen. (Quelle - ARNO GRUEN - Der Fremde in uns) Reflexionen des Genossen Fidel DIE ANDERE TRAGÖDIE Während meinem Treffen am 13. Juli mit den Wirtschaftsfachleuten des Forschungsinstituts über die Weltwirtschaft CIEM habe ich diesen von dem ausgezeichneten Dokumentarfilm des französischen Regisseurs Yann Arthus-Bertrand erzählt, in dem die bewundernswertesten und am besten informierten internationalen Persönlichkeiten zu Worte kommen und der über eine weitere schreckliche Gefahr für die menschliche Gattung handelt, die vor unseren eigenen Augen abläuft: die Zerstörung der Umwelt. Der Dokumentarfilm behauptet klipp und klar und kurz und bündig Folgendes: „Bei dem großen Abenteuer des Lebens auf der Erde hat jede Art eine spezielle Rolle zu spielen, nimmt jede Art ihren Platz ein. Keine ist unnütz oder schädlich, alle tragen zum Gleichgewicht untereinander bei. Und hier ist es, wo du, Homo sapiens, intelligentes menschliches Wesen, in die Geschichte eintrittst. Dir kommt ein großartiges, von der Erde zur Verfügung gestelltes Erbe von 4 Milliarden Jahren zugute. Dich gibt es erst seit 200 000 Jahren, aber du hast schon das Angesicht der Welt verändert.“ „Die Erfindung der Landwirtschaft hat unsere Geschichte verändert. Das war vor knapp 10 000 Jahren.“ „Die Landwirtschaft war unsere erste große Revolution. Sie führte zu den ersten Überschüssen und zum Entstehen der ersten Städte und Zivilisationen. Die Erinnerungen an die tausenden Jahre auf der Suche nach Nahrung verflogen. Durch die Verwandlung des Korns in die Hefe des Lebens haben wir die Anzahl der Sorten vervielfältigt und gelernt, diese an unsere Boden- und Klimaverhältnisse anzupassen. Wir sind wie alle Arten auf der Erde. Unsere tägliche Hauptsorge besteht darin, uns zu ernähren. Wenn der Boden nicht gerade sehr fruchtbar ist und das Wasser sehr knapp wird, dann sind wir fähig, außerordentliche Anstrengungen zu unternehmen, um der Erde ausreichend zu entnehmen, um am Leben zu bleiben.“ „Die Hälfte der Menschheit bearbeitet den Boden, mehr als drei Viertel davon mit den Händen.“ „Energie pur. Die Sonnenenergie, die über Millionen Jahre von Millionen Pflanzen eingefangen wurde, seit mehr als 100 Millionen Jahren. Sie ist Kohle. Sie ist Gas. Aber vor allem ist sie Erdöl.“ „In den letzten 60 Jahren hat sich die Erdbevölkerung fast verdreifacht. Und über 2 Milliarden Menschen sind in die Städte umgezogen.“ „New York. Die erste Megalopole der Welt ist das Symbol der Ausbeutung jener Energie, welche die Erde dem menschlichen Erfindergeist zur Verfügung stellt. Die Arbeitskraft von Millionen Immigranten, die Energie der Kohle, die unumgängliche Macht des Erdöls. Die Vereinigten Staaten waren die Ersten, die auf die phänomenale, revolutionäre Macht des ‚schwarzen Goldes’ gesetzt haben. Auf dem Lande wurden die Menschen durch die Maschinen ersetzt. Ein Liter Erdöl erzeugt soviel Energie wie 100 Händepaare in 24 Stunden.“ „Sie erzeugen ausreichend Getreide, um 2 Milliarden Menschen zu ernähren. Aber ein Großteil von diesem Getreide wird nicht dazu verwendet, Menschen zu ernähren. Hier und in anderen Industrienationen wird es zu Viehfutter oder Biokraftstoffen verarbeitet.“ „So weit wie das Auge reicht, unten Düngemittel, oben Kunststoff. Die Gewächshäuser von Almería, Spanien, sind der Garten von Europa. Eine Stadt von pflanzlichen Erzeugnissen einheitlicher Größe wartet jeden Tag darauf, dass hunderte LKWs sie in die Supermärkte des Kontinents bringen. Je entwickelter ein Land ist, umso mehr Fleisch verbrauchen seine Einwohner. Wie kann die weltweite Nachfrage befriedigt werden, ohne auf Tierfarmen im Stil von Konzentrationslagern zurückzugreifen? Immer schneller. Wie der Lebenszyklus des Viehs, das vielleicht niemals eine Wiese gesehen hat.“ „In diesen Nahrungsmittelposten-Anlagen, die mit Millionen Tieren voll gestopft sind, wächst keine einziger Halm Weidegras. Ein Fuhrpark von LKWs aus jedem Winkel des Landes bringt tonnenweise Getreide, Sojafutter und Proteinkörner, die zu vielen Tonnen Fleisch werden. Im Ergebnis werden 100 Liter Wasser benötigt, um ein Kilogramm Kartoffeln zu erzeugen, 4 000 Liter für ein Kilogramm Reis und 13 000 Liter für ein Kilogramm Rindfleisch. Ohne das im Produktionsprozess und bei der Beförderung verbrannte Erdöl zu berücksichtigen.“ „Wir wissen, dass das Ende des billigen Erdöls nahe bevorsteht, aber wir weigern uns, es zu glauben.“ „Los Angeles. In dieser Stadt, die sich auf über 100 Kilometer erstreckt, ist die Anzahl der Autos fast genau dieselbe wie die Anzahl der Einwohner.“ „Der Tag scheint nur eine blasse Widerspiegelung der Nächte zu sein, die die Stadt in einen Himmel voller Sterne verwandeln.“ „Überall schürfen die Maschinen und fördern und entnehmen der Erde die in ihren Tiefen seit ihrer Schaffung vergrabenen Sternenstücke… die Mineralien.“ „…80% dieses Mineralreichtums wird von 20% der Weltbevölkerung verbraucht. Vor Ende dieses Jahrhunderts werden durch den übermäßigen Bergbau fast die gesamten Reserven des Planeten zu Ende gehen.“ „Seit 1950 hat sich das Volumen des Welthandels um zwanzig Mal vergrößert; 90% des Handels erfolgt über den Meeresweg. Fünfhundert Millionen Container werden jährlich transportiert und in die größten Verbrauchszentren geschickt…“ „Seit 1950 hat sich der Fischfang um fünf Mal erhöht, von 18 auf 100 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Tausende Fabrik-Schiffe sind dabei, die Ozeane auszuleeren. Drei Viertel der Fischereigebiete sind erschöpft, am Ende oder laufen diese Gefahr.“ „Fünfhundert Millionen Menschen leben in den Wüstengebieten der Welt, mehr als die Bevölkerung von Europa insgesamt.“ „Israel hat die Wüste in Ackerland verwandelt. Auch wenn diese Farmen jetzt Tropfen für Tropfen bewässert werden, so steigt doch der Wasserverbrauch in dem Maße wie die Exporte zunehmen.“ „Der einstmals mächtige Fluss Jordan ist jetzt nur ein Flüsschen, sein Wasser wurde in Kisten mit Früchten und Gemüse in die Supermärkte auf der ganzen Welt geflogen.“ „Indien läuft Gefahr, zu dem Land zu werden, das im kommenden Jahrhundert am meisten unter Wassermangel zu leiden haben wird. Die großflächige Bewässerung hat seine zunehmende Bevölkerung ernährt und in den letzten 50 Jahren wurden 21 Millionen Brunnen gegraben.“ „Las Vegas wurde in der Wüste gebaut. Dort leben Millionen Menschen. Weitere Tausende kommen jeden Monat an. Ihre Bewohner gehören zu den größten Wasserverbrauchern der Welt.“ „Palm Springs ist eine weitere Stadt in der Wüste mit tropischer Vegetation und luxuriösen Golfplätzen. Wie lange noch wird dieses Trugbild weiter blühen? Die Erde kann dies nicht aushalten.“ „Der Fluss Colorado, der diese Städte mit Wasser versorgt, ist einer der Flüsse, die schon nicht mehr bis zum Meer gelangen.“ „Schon vor dem Jahr 2025 könnte der Wassermangel 2 Milliarden Menschen betreffen.“ „Die gesamte lebende Materie ist miteinander verbunden: Wasser, Luft, Erde, Bäume.“ „Die primitiven Wälder verschaffen drei Viertel der Artenvielfalt des Planeten ein Habitat, das heißt dem gesamten Leben auf der Welt.“ „…in nur 40 Jahren wurde der größte Regenwald der Welt, im Amazonasbecken, um 20% vermindert, er musste Viehranchs oder Sojafarmen weichen; 95% dieses Soja wird als Vieh- und Geflügelfutter in Europa und Asien verwendet. So wird ein Wald in Fleisch verwandelt.“ „Über 2 Milliarden Menschen, knapp ein Drittel der Weltbevölkerung, hängt noch von der Kohle oder Holzkohle ab. In Haiti, einem der ärmsten Länder der Welt, ist die Holzkohle eines der wichtigsten Konsumgüter der Bevölkerung.“ „Auf den Hügeln von Haiti sind nur noch 2% der Wälder übrig…“ „Jede Woche erhöht sich die Stadtbevölkerung der Welt um eine Million Menschen. Ein Mensch von je sechs lebt jetzt in einem prekären, ungesunden und überbevölkerten Umfeld ohne Zugang zu solch täglichen Bedürfnissen wie Wasser, Entwässerung, Stromversorgung. Der Hunger breitet sich erneut aus. Er betrifft knapp 1 Milliarde Menschen. Auf dem gesamten Planeten kämpfen die Armen ums Überleben, während wir weiter nach Ressourcen graben, ohne die wir schon nicht mehr leben können.“ „Unsere Tätigkeiten geben riesige Mengen Kohlendioxyd in die Atmosphäre ab. Ohne dass wir uns dessen bewusst geworden sind, Molekül um Molekül, haben wir das Klimagleichgewicht der Erde gestört.“ „Die Eisdecke des Nordpols schmilzt aufgrund der globalen Erderwärmung, die Eisdecke hat in 40 Jahren 40% ihrer Dicken verloren. Ihre Oberfläche während des Sommers wird von Jahr zu Jahr geringer. Schon um das Jahr 2030 könnte diese in den Sommermonaten vollkommen verschwinden. Manche sagen um 2015.“ „Bis zum Jahr 2050 könnte ein Viertel der Arten der Erde vom Aussterben bedroht sein.“ „…da Grönland sich sehr schnell erwärmt, fließt das Süßwasser eines gesamten Kontinents in das Salzwasser der Ozeane.“ „Das Eis von Grönland enthält 20% des gesamten Süßwassers der Erde. Wenn es schmilzt, wird der Meeresspiegel um circa sieben Meter steigen. Die Atmosphäre unseres Planeten ist ein unteilbares Ganzes. Es ist ein Gut, das wir alle miteinander teilen.“ „In Grönland tauchen schon Seen in den Landschaften auf. Die Eisschicht schmilzt mit einer Geschwindigkeit, die vor 10 Jahren nicht einmal die pessimistischsten Wissenschaftler vorausgesehen haben. Jene von Gletschern ernährten Flüsse vereinigen sich immer mehr und erscheinen an der Oberfläche. Man war der Meinung, dass das Wasser tief unter dem Eis gefrieren würde, aber im Gegenteil, es fließt unter dem Eis und führt die Eiskruste zum Meer, wo diese zerbricht und zu Eisbergen wird.“ „Allein im 20. Jahrhundert hat die Ausdehnung des Wassers durch die Erwärmung eine Erhöhung von 20 Zentimetern verursacht. Alles wird unbeständig. Die Korallenriffe reagieren äußerst sensibel auf die geringsten Temperaturschwankungen des Wassers; 30% sind verschwunden. Sie sind ein wesentliches Glied in der Kette der Arten.“ „Wenn der Meeresspiegel immer schneller so steigen wird, was werden dann die großen Städte wie Tokio, die bevölkerungsreichste Stadt der Welt, tun?“ „…in Sibirien und in vielen Teilen der Welt ist es so kalt, dass der Boden ständig gefroren ist. Das ist als Permafrost bzw. Dauerfrostboden bekannt. Unter dieser Oberfläche ruht eine klimatische Zeitbombe: Methan, ein zwanzig Mal mächtigeres Treibhausgas als Kohlendioxyd. Wenn der Permafrost schmilzt, könnte der Methanausstoß an die Luft verursachen, dass der Treibhauseffekt außer Kontrolle gerät, und zwar mit solchen Folgen, die niemand voraussagen kann.“ „Zwanzig Prozent der Bevölkerung der Welt verbraucht 80% ihrer Ressourcen.“ „Die Welt investiert zwölf Mal mehr in Militärausgaben als in Hilfe für die Entwicklungsländer.“ „Fünftausend Menschen sterben jeden Tag aufgrund dessen, dass sie verseuchtes Wasser trinken, 1 Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu Trinkwasser.“ „Circa eine Milliarde Menschen leiden an Hunger.“ „Über 50% des auf der Welt gehandelten Getreides wird als Viehfutter oder Biokraftstoff verwendet.“ „Die Arten sterben tausend Mal schneller aus, als es gemäß dem natürlichen Rhythmus geschehen würde.“ „Drei Viertel der Fischereigebiete sind erschöpft, weisen verminderten Fischbestand auf oder derselbe geht gefährlich zurück.“ „Die Durchschnittstemperatur in den letzten 15 Jahren ist die höchste je registrierte.“ „Die Eisschicht ist 40% dünner als vor 40 Jahren.“ In den letzten Minuten des Dokumentarfilms schlägt der Regisseur Yann Arthus-Bertrand einen etwas sanfteren Ton an, um einige positive Tatsachen und Ereignisse von jenen Ländern zu loben, - ohne jemandem zu nahe treten bzw. beleidigen zu wollen - die er sich zu nennen verpflichtet sah. Seine abschließenden Worte lauteten: „Es ist an der Zeit, dass wir uns alle zusammentun. Nicht das, was vorbei ist, ist wichtig, sondern das, was bleibt. Wir haben noch die Hälfte der Wälder der Welt, tausende Flüsse, Seen und Gletscher und tausende erfolgreiche Arten. Wir wissen heute, dass die Lösungen hier sind. Wir haben alle die Macht zum Verändern. Worauf warten wir also? Es hängt von uns ab zu schreiben, was das Nächste ist. Gemeinsam.“ Das Thema, das den größten Teil meiner Bemühungen in Anspruch genommen hat – die unmittelbare Gefahr eines Krieges, welcher der letzte der Vorgeschichte unserer Gattung sein würde und dem ich seit dem 1. Juni neun Reflexionen gewidmet habe, - stellt ein Problem dar, das sich mit jedem Tag verschlimmert. Wie es logisch ist, hegen 99,9% der Menschen die Hoffnung, dass sich ein elementarer gesunder Menschenverstand durchsetzt. Leider sehe ich aufgrund aller Elemente der Realität, die ich wahrnehme, schon nicht mehr auch nur die geringste Möglichkeit, dass dem so sei. Deshalb meine ich, dass es viel praktischer wäre, dass unsere Völker sich darauf vorbereiten, dieser Realität ins Auge zu sehen. Darin wird unsere einzige Hoffnung bestehen. Die Iraner haben genau das gemacht, was wir im Oktober 1962 getan haben, wo wir uns entschieden haben, eher zu sterben als unsere Sache aufzugeben. Das war sowohl gestern als auch heute aufgrund des Zufalls, nicht wegen Verdiensten der Intelligenz oder der individuellen Geschichte von irgendeinem von uns. Die jeden Tag aus dem Iran kommenden Nachrichten entfernen sich keinen Millimeter von der von ihnen aufgezeigten Position, ihre gerechten Rechte auf Frieden und Entwicklung aufrecht zu erhalten, nur ein Element ist neu: es ist ihnen schon gelungen 20 Kilogramm 20prozentig angereichertes Uran herzustellen, ausreichend, um ein atomares Geschoss zu bauen, was diejenigen noch mehr verrückt macht, die schon seit langem die Entscheidung getroffen haben, sie anzugreifen. Das habe ich am Freitag, dem 16., mit unseren Botschaftern analysiert. Nicht einmal Obama könnte diese verändern, wozu er auch in keinem Augenblick den Willen gezeigt hat. Fidel Castro Ruz 18. Juli 2010 16:28 Uhr
Mit dem Alkibiades" Platons wird klar, daß man für sich selbst Sorge zu tragen hat, denn man ist berufen, die Stadt zu regieren. Im eigentlichen Sinne beginnt die Sorge um sich selbst aber mit den Epikuräern und wird mit Seneca, Plinius etc. verallgemeinert: ein jeder muß Sorge für sich tragen. Die griechische und griechisch-römische Ethik ist um das Problem der persönlichen Entscheidung zentriert, um eine Ästhetik der Existenz. MICHEL FOUCAULT Man hat vielleicht die Perspektive gewechselt und ist herumgegangen um das Problem, das imer dasselbe ist, d.h. das Verhältnis zwischen Subjekt, Wahrheit und Konstitution der Erfahrung. Ich habe versucht zu untersuchen, auf welche Weise Gebiete wie die des Wahnsinns, der Sexualität und der Delinquenz wieder in ein bestimmtes Spiel der Wahrheit hineinkommen können, und wie auf der anderen Seite über diese Einfügung der menschlichen Praktiken und Verhaltensweisen ins Spiel der Wahrheit das Subjekt selbst berührt worden ist. Eben das war das Problem der Geschichte des Wahnsinns und der Sexualität. MICHEL FOUCAULT Kampf der Arbeit! | Links: Büchertips: -
Paul Lafargue - Das Recht auf Faulheit -
Paoli - Mehr Zuckerbrot, weniger Peitsche -
Ludwig Unruh - Hauptsache Arbeit (Broschüre) | 
| 
| | ArbeiterInnenklasse und Beschäftigungsverhältnisse Manifest der Jugend von Gaza: Es muss sich was ändern! - [ Diese Seite übersetzen ]Now in its fourteenth year, Sharek Youth Forum has positioned itself as one of the leading independent, apolitical and impartial youth organizations in ... www.sharek.ps/about-sharek
DAS MANIFEST FÜR WANDEL VON DER JUGEND VON GAZA! 26. 12. 2010
Fuck Hamas. Fuck Israel. Fuck Fatah. Fuck UN. Fuck USA! Wir, die Jugend von Gaza, haben die Nase gestrichen voll von Israel, Hamas, der Besatzung, den Menschenrechtsverletzungen und der Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft! Wir wollen schreien und diese Mauer aus Schweigen, Ungerechtigkeit und Gleichgültigkeit so durchbrechen wie die israelischen F16 die Schallmauer; schreien aus der ganzen Kraft unserer Seele, um die immense Frustration abzulassen, die uns auffrisst wegen der beschissenen Situation, in der wir leben; wir sind wie Läuse zwischen zwei Nägeln, leben einen Alptraum in einem Alptraum, ohne Raum für Hoffnung, ohne Raum für Freiheit.
Wir sind krank davon, in diesem politischen Kampf gefangen zu sein; krank davon, dass unschuldige Bauern in den Pufferzonen erschossen werden, weil sie sich um ihr Land kümmern; krank von bärtigen Typen, die mit ihren Gewehren rumlaufen, ihre Macht missbrauchen und junge Leute ins Gefängnis stecken, die für das, woran sie glauben demonstrieren; krank von der Schand-Mauer, die uns vom Rest unseres Landes trennt und uns auf einem Stück Land von der Größe einer Briefmarke gefangen hält; krank, als Terroristen hingestellt zu werden, als hausgemachte Fanatiker mit Sprengstoff in unseren Taschen und dem Bösen in unseren Augen; krank von der Gleichgültigkeit, die uns von der internationalen Gemeinschaft entgegenkommt, den sogenannten Experten, Experten darin, von ihrer Besorgnis zu reden und Resolutionen zu entwerfen, aber Feiglinge im Durchsetzen ihrer Vereinbarungen; wir sind krank und müde, ein beschissenes Leben zu leben, von Israel in einem Gefängnis gehalten zu werden, von der Hamas zusammengeschlagen zu werden und vom Rest der Welt komplett ignoriert zu werden.
Eine Revolution wächst innen in uns, eine immense Unzufriedenheit und Frustration, die uns zerstören wird, es sei denn wir finden einen Weg, diese Energie zu kanalisieren in etwas, das den Status quo herausfordern und uns irgendeine Art von Hoffnung geben kann. Der letzte Tropfen, der unsere Herzen vor Frustration und Hoffnungslosigkeit zittern ließ kam am 30. November, als Hamas Funktionäre zum Sharek Youth Forum kamen, einer leitenden Jugend Organisation (www.sharek.ps), mit ihren Gewehren, ihren Lügen und ihrer Aggressivität, alle rausschmissen, einige gefangen nahmen und Sharek die Arbeit verboten.
Einige Tage später wurden Demonstranten vor dem Sharek Gebäude geschlagen und einige gefangen genommen. Wir leben wirklich einen Alptraum, in einem Alptraum. Es ist schwer Worte zu finden für den Druck, unter dem wir stehen. Wir haben die Operation Cast Lead knapp überlebt, als Israel sehr effektiv die Scheisse aus uns herausbombte, tausende Häuser zerstörte und noch mehr Leben und Träume. Sie wurden Hamas nicht los, was ihre Absicht gewesen wäre, aber sie haben uns gewiss für immer in Schrecken versetzt und allen posttraumatische Stressymptome hinterlassen, da man ja nirgendwo hin rennen konnte.
Wir sind eine Jugend mit schweren Herzen. Wir tragen in uns eine so immense Schwere, dass es schwer für uns ist, uns an einen Sonnenuntergang zu freuen. Wie soll man sich daran freuen, wenn dunkle Wolken den Horizont bemalen und trostlose Erinnerungen hinter unseren Augen ablaufen wann immer wir sie schließen? Wir lächeln um den Schmerz zu verstecken.
Wir lachen um den Krieg zu vergessen. Wir hoffen, um nicht auf der Stelle Selbstmord zu begehen. Während des Krieges bekamen wir das unfehlbare Gefühl, dass Israel uns vom Angesicht der Erde wegradieren wollte. Während der letzten Jahre hat Hamas alles getan was sie konnten, um unsere Gedanken, unser Verhalten und unsere Sehnsüchte zu kontrollieren. Wir sind eine Generation junger Leute, die gewohnt ist, Raketen zu sehen; zu ertragen, was als unmöglicher Auftrag erscheint: ein normales und gesundes Leben leben, und nur knapp toleriert sein von einer massiven Organisation, die sich in unserer Gesellschaft ausgebreitet hat wie ein bösartiges Krebsgeschwür, die Chaos verursacht und alle lebenden Zellen, alle Gedanken und Träume wirkungsvoll abtötet, und die mit ihrem Terrorregime die Menschen lähmt. Ganz zu schweigen von dem Gefängnis, in dem wir leben, einem Gefängnis, das von einem sogenannt demokratischen Land aufrechterhalten wird.
Die Geschichte wiederholt sich selbst auf die grausamste Weise, und niemand scheint sich darum zu kümmern. Wir haben Angst. Hier in Gaza haben wir Angst, ins Gefängnis zu kommen, verhört, geschlagen, gefoltert, bombardiert, getötet zu werden. Wir haben Angst zu leben, weil jeder einzelne Schritt, den wir tun, wohl durchdacht sein muss. Überall sind Beschränkungen. Wir können uns nicht bewegen, wie wir wollen, nicht sagen, was wir wollen, nicht tun was wir wollen. Manchmal können wir nicht einmal denken, was wir wollen, weil die Besatzung unsere Hirne und Herzen so furchtbar besetzt hat, dass es weh tut, und das führt dazu, dass wir endlos Tränen der Frustration und der Wut vergießen wollen!
Wir wollen nicht hassen. Wir wollen nicht alle diese Gefühle fühlen, wir wollen keine Opfer mehr sein. GENUG! Genug Schmerz, genug Tränen, genug Leiden, genug Kontrolle, Beschränkungen, ungerechte Rechtfertigungen, Terror, Folter, Ausflüchte, Bombardierungen, schlaflose Nächte, tote Zivilisten, schwarze Erinnerungen, schwarze Zukunft, Gegenwart mit Herzschmerzen, gestörte Politik, fanatische Politiker, religiöser Blödsinn, genug Gefangennahmen! WIR SAGEN STOP! Dies ist nicht die Zukunft, die wir wollen! Wir wollen drei Dinge. Wir wollen frei sein. Wir wollen in der Lage sein, ein normales Leben zu leben. Wir wollen Frieden. Ist das zu viel verlangt? Wir sind eine Friedensbewegung, die aus jungen Leuten in Gaza und Unterstützern an anderen Orten besteht, und die nicht ruhen wird bis jeder in dieser ganzen Welt die Wahrheit über Gaza kennt, und zwar so, dass keine stille Zustimmung oder laute Gleichgültigkeit mehr akzeptiert wird.
Dies ist das Manifest für Wandel von der Jugend aus Gaza!
Wir werden damit beginnen, die Besatzung zu zerstören, die uns selber umgibt, wir werden aus diesem geistigen Gefängnis ausbrechen und unsere Würde und unsere Selbstachtung wiedergewinnen. Wir werden unsere Köpfe hoch tragen, auch dann, wenn wir auf Widerstand stoßen. Wir werden Tag und Nacht daran arbeiten, diese elenden Umstände zu verändern, in denen wir leben. Wir werden Träume bauen, wo wir Mauern begegnen. Wir hoffen nur dass du – ja, du, der oder die du dieses Statement jetzt gerade liest! – uns unterstützen kannst.
Um herauszufinden wie, schreibe bitte etwas auf unsere Wand oder nimm direkten Kontakt auf:
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Wir wollen frei sein, wir wollen leben, wir wollen Frieden. BEFREIT DIE JUGEND VON GAZA!
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