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Geschrieben von: GF   
Freitag, 18. Juli 2008 um 00:00

 

 

Der Pöbel ist wirklich überall!

Helmut Kohl, 30.11.2000 in Berlin.

Die Zeit

ist das, was sich wiederholt.

Und die Gegenwart - geritzt vom Pfeil der Zukunft,

der sie fortreißt, indem er sie auseinanderreißt - die Gegenwart

hört nicht auf wiederzukommen - wiederzukommen

als einzigartige Differenz.

Was nicht wiederkommt, ist das Analoge, das Gleiche, das Identische.

Die Differenz kommt wieder,

und das Sein,

das von der Differenz univok ausgesagt wird,

ist nicht der allgemeine Strom des Werdens

und auch nicht der wohlzentrierte Kreis des Identischen.

Das Sein ist die von der Krümmung des Kreises gelöste Wiederkehr:

Wiederkunft.

Drei Tode gibt es:

Tod des Werdens,

verschlingender Vater und gebärende Mutter;

Tod des Kreises,

der in jedem Frühling das Leben in die Blumen wiederkehren läßt;

Tod der Wiederkunft:

unaufhörlich sich wiederholdende Zerfaserung der Gegenwart,

ewiger und gewagter Riß,

der mit einem Schlage da ist

und mit einem Schlage

ein für alle Male affimiert ist.

In ihrer Brechung, in ihrer Wiederholung ist die Gegenwart ein Würfelwurf.

Sie gehört nicht zu einem Spiel,

in das auch ein Körnchen Zufälligkeit und Ungewißheit mischt.

Sie ist der Zufall im Spiel und das Spiel selber als Zufall.

In ein und demselben Wurf werden die Würfel geworfen

und die Regeln gewürfelt.

Der Zufall fällt nicht dort und da sondern ein für allemal.

Michel Foucault

 

"Man kann alle Menschen für einige Zeit belügen.
Einige Menschen kann man auch für alle Zeit belügen.
Aber man kann nicht alle Menschen für alle Zeit belügen"

Abraham Lincoln

 


»Wenn ich von der Zeit spreche, dann deshalb, weil sie noch nicht ist. Wenn ich von einem Ort spreche, dann deshalb, weil er verschwunden ist. Wenn ich von einem Menschen spreche, dann deshalb, weil er schon tot ist.«

Jean Baudrillard

 

 

  • Um den Wert eines Jahres zu erfahren, frage einen Studenten, der im Schlussexamen durchgefallen ist.
  • Um den Wert eines Monats zu erfahren, frage eine Mutter, die ihr KIND zu früh zur Welt gebracht hat.
  • Um den Wert einer Woche zu erfahren, frage den Herausgeber einer Wochenzeitschrift.
  • Um den Wert einer Stunde zu erfahren, frage die Verlobten, die darauf warten sich zu sehen.
  • Um den Wert einer Minute zu erfahren, frage jemanden, der seinen Zug, seinen Bus oder sein Flugzeug verpasst hat.
  • Um den Wert einer Sekunde zu erfahren, frage jemanden, der bei den Olympischen Spielen eine Silbermedaille gewonnen hat.
  • Die Zeit wartet auf niemanden. Sammle jeden Moment, der dir bleibt, denn er ist wertvoll. Teile ihn mit einem besonderen Menschen und er wird dir noch wertvoller.

Schuldenuhr - Bild von Wally!


 

Zeitgenosse ist, wer wie wir selbst noch keine Zeit hatte, eine Autorität zu werden.

Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder der Partei - mögen sie noch so zahlreich sein - ist keine Freiheit, "FREIHEIT ist immer nur die Freiheit DER ANDERSDENKENDEN"- (Rosa Luxemburg)

 

Arbeitsdisziplin?

In früheren Zeiten diente die Polizei einem Produktionssystem, das ausreichend willige Arbeitskräfte brauchte. Die Justiz strafte die Herumlungerer, und ihre Vertreter trieben sie mit dem Bajonett in die Fabriken. So proletarisierte die europäische Industriegesellschaft ihre Bauern und konnte in den Städten die Arbeitsdisziplin aufrecht erhalten.
Wie kann heutzutage die Disziplin der Arbeitslosigkeit aufrecht erhalten werden? Welche Gehorsamstechniken können gegen die wachsenden Massen wirken, die keine Arbeit haben, noch jemals eine haben werden? Was macht man mit den Ertrinkenden, wenn es so viele sind, damit ihr Um-Sich-Schlagen nicht das ganze Schiff untergehen läßt?
In der heutigen Zeit ist die "Staatsräson" die Räson der Finanzmärkte, die die Welt lenken und nichts weiter produzieren als Spekulation. Marcos der Sprecher der Indion von Chiapas, hat das Geschehen mit den passenden Worten beschrieben: Wir wohnen, so hat er gesagt, dem "Striptease" des Staates bei; der Staat legt alles ab, außer seiner unverzichtbaren Unterhose, der Repression. Die Stunde der Wahrheit: Schuster, bleib´bei deinen Leisten. Der Staat verdient die Existenz nur noch, um die Auslandsschuld zu zahlen und den sozialen Frieden zu garantieren.
EDUARDO GALEANO

"Das Leben und die Zeit des Menschen sind nicht von Natur aus Arbeit, sie sind Lust, Unstetigkeit, Fest, Ruhe, Bedürfnisse, Zufälle, Begierden, Gewalttätigkeiten, Räubereien etc. Und diese ganze explosive, augenblicklickhafte und diskontinuierliche Energie muss das Kapital in kontinuierliche und fortlaufend auf dem Markt angebotene Arbeitskraft transformieren. Das Kapital muss das Leben in Arbeitskraft synthetisieren, was Zwang impliziert: den des Systems in Beschlagnahme." Michel Foucault

 

Im Jahre1994 sprang in Laguna Beach, Südkalifornien, ein Hirsch aus dem Wald. Der Hirsch lief durch die Straßen und prallte gegen die Autos, sprang dann über einen Zaun und durch ein Küchenfenster, lief in ein Hotel und raste, rot vom eigenen Blut, an den verblüfften Gästen der Restaurants am Strand vorbei. Dann stürzte er sich ins Meer. Die Polizei zog ihn mit Seilen aus dem Wasser, wo er schließlich verblutete.

Er ist einfach durchgedreht, erklärten die Polizisten.

Ein Jahr später stahl in San Diego, ebenfalls in Südkalifornien, ein Vietnamkriegsveteran einen Panzer aus einem Waffenlager. Mit dem Panzer walzte er vierzig Autos platt, brachte ein paar Brücken zum Einsturz und raste auf alles zu, was sich ihm in den Weg stellte, während ihn die Polizei mit Streifenwagen verfolgte. Als er an einer Böschung hängenblieb, stürmte die Polizei den Panzer, öffnete die Luke und erschoss den Mann, der einmal Soldat gewesen war. Die Fernsehzuschauer konnten das Spektakel live miterleben.

Er ist einfach durchgedreht, erklärten die Polizisten.

Tiere und Menschen können also, wenn sie momentan überlastet, gestresst oder durch frühere Erlebnisse traumatisiert sind  durchdrehen? G.F. Besiegelt


 

http://www.sabbeljan.de/wp-content/uploads/2007/03/unbefugten.jpgSoilent Michi - 28.03.2010

Du darfst alles veröffentlichen:)

 Soilent Michi
Soilent Michi - 28.03.2010

..yes..Zeit-Raum-etc. Einstein war auch ein Freak, genauso wie Hoffmann, der LSD Typ...es waren keine Hochleistungs metal Bolzer, sondern Freaks, Bukowskis und verfolgte....
Intelligenz ist kein Segen, wenn du sie nicht vermitteln kannst.
Ich bin ehrlich...:Meine Intelligenz hat nur Ärger ausgelöst, sinnlos und konstruiert...nur für Freaksein, Wissenschaft, Rockertum, Subkultur..Und ich hab im Exil einen Job..In DK Und mit einmal werden in Deutschland meine neuen dänischen Freunde gefilzt...was soll das???? Ich habe schon, besoffen vor Jahren davon gesprochen, Leute zu kriminalisiern über Netzerke..Sinnlos. Ich muss dazu sagen, daß 10 Jahre Bergstedt sehr sehr anstrengent waren, und vorher auch..die länge meiner Akte ist lang....
Egal...
Mein Ding ist es zu De eskalieren, was dem System scheißegal ist. Ich mach es einfach..Mir geht nicht der Arsch auf Grundeis wegen den "Rockern" sondern wegen der mir sichtbaren Kontrolle. Das ist auffällig..Kann meinen Koopf kosten. Ne Gitarre ist besser als ne scheiss Knarre. Un manchmal kotzt mich mein nüchtern sein so an, dass es schlimm ist. Egal.Ich steh zu meinem Wort. Wissenschaft, PunkHool und Deeskalation. Bin übrigens in Kolding und perfekt überwacht..
Peace and Love
Soilent Michi

Es sind die Ahnungslosen, die uns ins Verderben stürzen. G.F.

"Wir sind eingemauert, supergrmarktet, ab-gesondert, klima-be-anlagt, multigeplext, programmiert, gehirn-gewaschen worden, unabänderlich geleitet von Materialismus, Konsumismus und Kapitalismus; wir haben unsere Herzen nicht mehr schlagen hören, haben unseren geschrumpften, verhungernden Geist nur noch schemenhaft wahrgenommen." Jim Morrison (The Doors)

 

 

 Die herrschenden Gedanken sind weiter nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse; also der Verhältnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen, also die Gedanken ihrer Herrschaft.

 

 

Ein Gedicht von Ralf Burnicki:

"Warum Anarchie?"

Weil die Tage im Kapitalismus verbrennen - und kein Wasser die Flammen löscht. - Weil sein Licht überall ist und auf den Körper geklebt jeden Zentimeter des Lebens erniedrigt. - Weil den Nächten die Worte fehlen. - Und der Schlaf der Vorbote der Arbeit ist. - Weil das Klingeln des Weckers den Morgen erbricht, - und weil die sinnloseste Fortsetzung der Übelkeit die Betriebe sind. - Weil die Jahre zur Arbeitszeit verkommen. - Weil die Hoffnung den Kredit abzahlen muss.

 

Weil die Mittage von den Chefetagen herunterfallen wie Steine. - Weil die Steine nicht zurückfliegen dürfen. - Weil Betroffene kein Rückgaberecht besitzen. - Weil die Entscheidungen von oben kommen. - Weil es Gewinner und Verlierer gibt. - Weil das alles so bleiben soll. - Weil die Geschichte mit dem Zeigefinger nach unten zeigt. - Und irgendwer die Angst vor der Freiheit erfand.

 

Weil die Sonne auf dem Dienstweg daher kommt - und Nachmittage Verzichtserklärungen gleichkommen. - Weil der Staat das Ende aller Revolutionen festschreibt. - Weil das Leben eine Landschaft ist, - für die Dienstwagen der Regierungen. - Und weil Wahlen nur Rastplätze sind, - auf denen Parteien Stimmen Gassi führen. - Weil die Zukunft eine Veranstaltung von Parteizentralen ist. - Während die Konzerne Rastplätze bauen und Verzichtserklärungen verteilen.

 

Weil uns die Arbeit ermüdet. - Und kein Atem bleibt für die Frage nach Freiheit. - Weil die Abende kurz sind und jeder Tag uns ins Feuer stößt. - Weil sich das alles ändern kann. - Weil Hierarchien keine Ideen sind und Macht keine Antwort. - Weil Rastplätze kein Ersatz für Landschaften sind. - Weil in Zukunft jede und jeder mitreden soll. - Weil der Tag allen Menschen gleichermaßen gehört. - Weil wir Fragen in die eigenen Hände nehmen können. - Weil wir neue Sätze schaffen. - Weil wir keine Verzichtserklärung unterschreiben. Ralf Burnicki

 

 

Der Weg ist das Ziel?
" Der Spaziergänger"
Umwege und Abwege. Wir könnten uns verlieren in dem grenzenlosen, unbekannten Terrain abseits der großen Straßen, in dem die Zeit so anders fließt, nicht eingedämmt von Terrain-
, Fahr- oder Stundenplänen, nicht kanalisiert und kontrolliert, vom Sekundenzeiger zerhackt, Minute für Minute der Nutzung zugeteilt - nein, wild, unvorhersehbar, träg mal und dann wieder turbulent, bewegungslos und dann wieder wie wahnsinnig tosend, unberechenbar, ziellos.
Einfach so. Den Augenblick genießen, den Verheißungen in der Luft nachspüren, empfänglich sein für das Leben ringsum.
Einer Sehnsucht folgen. Sich treiben lassen.
...ich hätte mir notieren sollen, wer das geschrieben hat. G.F.
http://smilies-world.de/smilies_pictures/1880.gif

Du bist ein Netz-Junkie, ...
wenn du um 3 Uhr früh aufwachst und beim Rückweg vom Bad zum Bett deine email checkst.
wenn du ein Tatoo hast auf dem steht: dieser Körper kann am besten mit dem Netscape Navigator 2.0 oder höher betrachtet werden.
wenn deine Kinder Eudora, Mozillia und Dotcom heissen.
wenn die halbe Zeit deiner Flugreise dein Laptop auf den Knien liegt und dein Kind im Oberkopf-Gepaeckfach liegt.
wenn du zwei Jahre laenger studierst, weil du dort einen kostenlosen Email- und Netzzugang hast.
wenn du Leute auslachst, die nur ein 9600 Baud Modem haben.
wenn du bei deiner traditionellen Post Smileys verwendest. :-))
wenn du zwei Stunden nach einem Totalcrasch deines Systems verzweifelt die Modemnummer deines Providers anwaehlst und versuchst, direkt mit dem dortigen Modem zu kommunizieren - und es gelingt dir.
wenn du ein com nach jedem Punkt in deiner Textverarbeitungssoftware tippst.com
wenn du den Gang zur Toilette als "herunterladen" bezeichnest.
wenn du dich selbst mit "name at desktop punkt co punkt at" vorstellst.
wenn alle deine Freunde ein @ in ihren Namen haben.
wenn deine Katze ihre eigene Homepage hat. (francine - *g*)
wenn du deine Mutter nicht anrufen kannst ... weil sie kein Modem hat.
wenn du deine Email checkst und die Software sagt: "keine neuen Nachrichten." und du daraufhin sofort nochmals die email checkst.
wenn deine Telefonrechnung samt Verbindungsaufstellung in einem Paket kommt.
wenn du das Geschlecht deiner besten Freunde nicht kennst, weil sie neutrale Spitznamen haben und du noch nie daran gedacht hast sie zu fragen.
wenn du in deinem neuen Haus einziehst und zuerst in Netscape einsteigst, bevor du dir die Gegend anschaust.
wenn du dem Taxifahrer sagst du wohnst in "http://8020.graz.universitaetsstrasse 7/haus/weiss.html."
wenn du beginnst deinen Kopf waehrend du grinst zur Seite zu neigen. Zunge ausstreckenQuelle - www.anarchismus.de

 


http://www.spiegel.de/img/0,1020,102956,00.jpgIch bin Blindtext. Von Geburt an. Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, was es bedeutet, ein blinder Text zu sein: Man macht keinen Sinn. Man wird hier und da aus dem Zusammenhang gerissen. Oft wird man gar nicht erst gelesen. Aber bin ich deshalb ein schlechter Text? Ich weiss, dass ich nie die Chance haben werde, im Stern zu erscheinen. Aber bin ich darum weniger wichtig? Ich bin blind! Aber ich bin gerne Text. Und sollten Sie mich jetzt tatsächlich zu Ende lesen, dann habe ich etwas geschafft, was den meisten normalen Texten nicht gelingt. AUGUSTIN SOUCHY

 

 

"Ich bin kein Revolutionär, Sozialist oder irgedetwas dieser Art. Ich habe damit überhaupt nichts zu tun. Eine kompromisslose Individualität ist meine Politik. Alle politischen Gruppen, die ich auf diesem Planeten kenne, scheinen darauf abzuzielen, Individualität zu unterdrücken. Sie brauchen Wählerstimmen. Sie brauchen Einheiten. Macht nichts ob rechts oder links, die Taktiken sind oft diesselben. Worum es diesen Leuten geht, ist die Uniformität der Masse...Ich hasse all diese Gruppierungen, jede Sorte von Versammlungen dieser Art. Sie zerstören Persönlichkeit und Individualität. Vielleicht ist ein Raum, der voll von Leuten mit unterschiedlichen Meinungen ist, chaotisch, aber er ist wunderbar chaotisch, ungemein unterhaltsam und ausgesprochen lehrreich. Das ist die Weise, auf die wir Sachen lernen - nicht indem wir alle derselben Doktrin folgen. Wahrscheinlich kann die Welt, die ich mir wünsche, nicht wirklich existieren, weil es zu viele Schafe da draußen gibt, die geführt werden wollen. Lass die Schafe blöken, für mich ist das nichts. Ich bin lieber das einsame Schaf, das gegen die Wölfe kämpft. Das ist viel besser. Wenn du in einem Arbeiterklassemilieu aufwächst, dann wird von dir erwartet, dass du da auch drinnen bleibst und den Regeln dieses kleinen Systems folgst. Das kann mir alles gestohlen bleiben. Es ist alles falsch, gleichermaßen beschissen. (JOHN LYDON)

http://db.riskwaters.com/data/bjp/280104/cover1.jpg

Was zunächst von zentraler Bedeutung scheint, ist, sich den Individualisierungs- und Kontrollmechanismen des Staates zu entziehen. Das heißt etwa, A.S.Neill zu folgen und staatliche Bildungseinrichtungen as das zu erkennen, was sie sind, nämlich Indoktrinierungsapparate, und nach Ausbildungswegen abseits dieser Institutionen zu suchen. Es heißt weiterhin, Kreavität, Orginalität und Mut zur kritischen Intervention in jeder Lebenslage zu fördern. Es heißt, sich nach Möglichkeit abstrakten nationalstaatlichen Pflichten wie dem Wehrdienst zu entziehen. Es heißt, Widerstandsstrategien zu entwickeln gegen überwachungsstaatliche Praktiken wie Volkszählungen, Hausdurchsuchungen, Meldepflichten, Bürokratiedespotismen. Es heißt, in sozialen Konflikt- oder Problemfällen nicht sofort zu Polizei, Rechtsanwalt oder Behörde zu rennen, sondern Umgang mit solchen Situationen abseits staatlicher Interventionen zu lernen.

Die Herrschaftsnetze, die Kapitalismus und Staat gesponnen haben, sind wahrhaftig eng.

Es kommt darauf an, ein entsprechendes solidarisches Handeln im Alltag zu entwickeln. So scheint es durchaus von politischer Relevanz zu sein, typisch bourgeoises Alltagsverhalten, das immer auch auf Kosten anderer geht, abzubauen. Wir brauchen keine genervten Stresshaufen, die alle anschnauzen, die ihnen über den Weg laufen; keine ungeduldigen Kunden, die im Laden die Oma, die beim Zahlen mal etwas länger braucht, mit bitterbösen Blicken strafen; keine nervös hupenden Autofahrer; keine Wichtigtuer, die es nicht aushalten, nicht im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen; keine Quatschköpfe, die meinen, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben; und keine Angeber, die die besten Linken sein wollen.

Wer nett zu seinen Freunden ist, aber nicht einmal hinhört, wenn der Nachbar in der U-Bahn als "Kanake" angepöbelt wird, dessen "Nettigkeit" wird von dem verhöhnt, was nur als Naivität oder Rassismus gedeutet werden kann. Auch wenn Rassismus dabei schlimmer ist als Naivität, ist beides unentschuldbar, weil es das mit Füßen tritt, was unmittelbar zur Solidarität gehört: das Empfinden individueller Verantwortlichkeit für die soziokulturellen und ökologischen Lebenszusammenhänge, in denen wir existieren. Solidarität nur im Familienkreis gilt nicht. Solidarität kennt keine Grenzen. (Gabriel Kuhn - Jenseits von Staat und Individuum)

Verantwortlichkeit kann sich nie auf Abstraktionen wie den Staat beziehen. Abstraktionen wie Staat, Volk oder Nation sind keine Lebenszusammenhänge, sondern totalitäre Apparate bzw. Ideologien. Verantwortlichkeit ist nicht knechtische Unterordnung. Wer sich einem Staat, seinem Volk oder seiner Nation verpflichtet, übernimmt keine Verantwortung für einen Lebenszusammenhang, sondern unterwirft sich einer abstrakten Macht. An die Stelle von Verantwortlichkeit treten die chauvinistischen, widerlichen und hasserfüllten Identitäten von Patriotismus, Nationalismus und Faschismus. (Gabriel Kuhn - Jenseits von Staat und Individuum)

Bild - Gerold

Marcuse überteibt keineswegs, wenn er den eindimensionalen Menschen der hochkapitalistischen Ära als Sklave bezeichnet: Die Sklaven der entwickelten industriellen Zivilisation sind sublimierte Sklaven, aber sie sind Sklaven.

Bild - Gerold

 

 "Die Ideologie des Konsums drängt darauf, den Umstand, daß Emotionen von der Familie auf die Arbeit übertragen werden, auf Dauer zu stellen. Wenn sie täglich drei Stunden (der Hälfte ihrer Freizeit) vor dem Fernsehenr sitzen, dann werden die Arbeiter mit Werbespots bombadiert, in denen ihnen eingeredet wird, sie "brauchten" noch mehr Dinge. Um diese zu kaufen, benötigen sie mehr Geld. Um mehr Geld zu verdienen, müssen sie länger arbeiten. Da sie infolge dessen länger von zu Hause weg sind, entschädigen sie ihre Lieben mit Geschenken, die wiederum Geld kosten. Sie machen Liebe zu Geld. Und der Kreislauf beginnt von vorn.  (Quelle - Zygmiunt Baumann)


http://www.preussen-chronik.de/bilder/459_Krieg_und_Leichen___die_letzte_Hoffnung_der_Reiche.jpeg
Konsumgesellschaft? - In der Konsumgesellschaft kann niemand ein autonomes Subjekt sein. ohne zunächst zur Ware zu werden, und niemand kann seine Autonomie verteidigen, ohne ständig jene Fähigkeiten zu erneuern, die man von einem verkäuflichen Produkt erwartet und fordert. Die "Autonomie" des "Subjekts" und die meisten Fähigkeiten, die sie ihm angeblich verleiht, sind auf die endlose Herausforderung ausgerichtet, eine verkäufliche Ware zu sein und zu bleiben. Die hervorstechendste, allerdings sorgsam verborgene Eigenschaft der Konsumgesellschaft ist die Transformation des Verbrauchers in eine Ware bzw. seine Auflösung in einem Meer der Waren, in dem, um einmal GEORG SIMMEL zu zitieren, die Bedeutung und der Wert der Unterschiede der Dinge und damit der Dinge selbst als nichtig empfunden wird, do daß sie in einer gleichmäßg matten und grauen Tönung erscheinen, während sie alle mit gleichen spezifischem Gewicht in dem fortwährend bewegten "Geldstrom" schwimmen. Die Hauptaufgabe des Verbrauchers und zugleich das Hauptmotiv seiner unablässigen Konsumaktivitäten ist es deshalb, sich vor der "matten und grauen" Ununterscheidbarkeit unwirklicher Dinge abzuheben, die mit dem gleichen "spezifischen Gewicht" dahintreiben, und so die Blicke der "Blasierten", der anderen Konsumenten auf sich zu lenken.
 
Mit jedem Arbeitsvertrag wird der Warenfetischismus entzaubert, jeder Abschluß eines entsprechenden Geschäfts läßt ihn und die aus ihm folgende Täuschung bzw. Selbsttäuschung deutlich zutage treten.
Wenn der Warenfetischismus die menschliche, allzu menschliche Substanz der Industriegesellschaft verbergen sollte, so ist es nun die Aufgabe des Individualitätsfetischismus, die kommerziele und nichts als kommerzielle Realität der KOnsumgesellschaft zu verschleiern.
 
Der Individualismus ist in der Verbrauchergesellschaft das, was die Ware in der Industriegesellschaft  war: ein FETISCH - ein ganz und gar menschliches Produkt, dem man übermenschliche Autorität zuspricht, indem man seine allzumenschlichen Ursprünge und die menschlichen Aktivitäten, durch die es hervorgebracht wurde (denn wie sollte es sonst entstehen?) vergessen macht oder für irrelevant erklärt.
 
Die Individualität des Verbrauchers entsteht aus den Entscheidungen, die er beim Einkaufen trifft, Entscheidungen, bei der eigene Vorlieben und die vermeintlichen Vorlieben derer den Ausschlag geben, denen sich der Verbraucher später zum Kauf anbieten will. Wer ihn seiner Individualität beschreiben will, braucht nur seinen Einkaufszettel zu kopieren. Was für die Materialisierung einer individuellen "inneren Wahrheit" gehalten wird, ist in Wirklichkeit die Idealisierung der erworbenen materiellen Objekte, in denen Konsumentscheidungen zum Ausdruck kommen.
 
Als Käufer sind wir von Marketingmanagern und Werbetextern darauf getrimmt worden, die Rolle des Subjekts zu spielen, eine Maske, die wir mit Leben füllen müssen, ein Drama, das im wirklichen Leben stattfindet.
 
Das Versprechen der Modeszene im nächsten halben Jahr voraus zu sein bedeutet, nicht auf der Strecke zu bleiben, man entgeht der Gefahr der Ausgrenzung, des Verlassenwerdens, der Einsamkeit.
Zweitens hat die frohe Botschaft ein eingebautes Verfallsdatum: Ihre Gültigkeit beschränkt sich auf das "nächste  halbe Jahr." Die unterschwellige Nachricht lautet: Beeilen Sie sich - verschwenden Sie keine Zeit. 
 
WAS SIE AUSWÄHLEN, IST IHRE SACHE. DOCH ZUM AUSWÄHLEN SIND SIE VERPFLICHTET.
 
Gerade die Unmöglichkeit der Zufriedenheit ist, wie eine "funktionale Voraussetzung" der Konsumgesellschaft. In einer solchen Gesellschaft gelten jene, die nur ihre "authentischen" Bedürfnisse befriedigen wollen, als schlechte Verbraucher und soziale Außenseiter.
 
Sozialisationsprozesse  sind dann erfolgreich, wenn die Individuen am Ende genau das tun wollen, was das System benötigt, um sich zu reproduzieren. Diese Gleichschaltung kann explizit erfolgen, etwa wenn Menschen aufgefordert werden, sich den Interessen eines Kollektivs (sei es eine Nation oder ein Staat) unterzuordnen, ein Verfahren, das typisch war für die Feste Moderne bzw. die Gesellschaft der "Produzenten" und das oft als "geistige Mobilmachung", staatsbürgerliche Erziehung oder ideologische Indoktrination bezeichnet wird. Sie kann allerdings auch auf subtilere Art sichergestellt werden: durch den offenen oder verborgenen Zwang, bestimmte Verhaltensweisen und Problemlösungsmuster einzuüben, ohne die das System nicht funktionieren würde (tatsächlich haben die Menschen oft gar keine ander Wahl, da ihnen Handlungsalternativen oder die entsprechenden Fertigkeiten fehlen). Diese Form der "Gleichschaltung" ist typisch für die Flüchtige Moderne und die Gesellschaft der Konsumenten.
 
Ind der FLÜCHTIGEN MODERNE wird die Gruppe mit ihren Anführern, ihrer Hierarchie und Hackordnung durch den SCHWARM ersetzt. Ein Schwarm kommt ohne all jene Symbole und Strategien aus, die eine Gruppe zu ihrer Herausbildung und Fertigung braucht. Schwärme bedürfen nicht der Selbstproduktion oder Selbsterhaltung; sie versammeln sich bei Gelegenheit, lösen sich auf und finden bei einer anderen Gelegenheit,angelockt von neuen und beweglichen Zielen, wieder zusammen. Der Reiz dieser beweglichen Ziele reicht in der Regel aus, um die Schwärme zu koordinieren und jeden Befehl oder andere Mittel der Koordination "von oben" überflüssig zu machen.
 
"Schwärme kennen im Gegensatz zu Gruppen weder Dissidenten noch Rebellen, höchstens "Deserteure", Stümper oder "Einzelgänger". Die wenigen, die während des Fluges den Anschluß verlieren, haben sich verirrt, sie sind "verschollen" oder auf der Strecke geblieben. Sie müssen nun eben alleine nach Nahrung suchen - aber ihr Leben als Einzelgänger währt meist nicht lang, da Schwärme wesentlich bessere Chancen haben, ein angemessenes und erreichbares Ziel zu finden, als einzelne Individuen. Und wer eingebildete, sinnlose oder gefährliche Ziele verfolgt, vervielfacht das Risiko des Scheiterns und mindert so die Chance des Überlebens.
 
Die Konsumgesellschaft tndiert zur Auflösung von Gruppen, an ihre Stelle setzt sie den Schwarm.
 
Konsum ist eine äußerst einsame Tätigkeit (vielleicht sogar der Archetyp der Einsamkeit). Selbst wenn man zusammen mit anderen konsumiert, entstehen keine dauerhaften Bindungen. Die Bindungen zwischen den Verbrauchern überdauern nie den Akt selbst. Sie halten den Schwarm für die Dauer des Fluges zusammen (d.h. bis sich das Ziel wieder ändert), sie sind aber offenkundig an diesen Anlaß gebunden und ohne ihn derart dünn und zerbrechlich, daß sie auf die zukünftigen Bewegungen der Individuen keinen Einfluß haben. (Zygmunt Baumann)
 
 
 

 

rotehilfe.jpg

GEMEINSCHAFTEN? - Gerade für uns - die wir nun einmal in unbarmherzigen Zeiten leben, Zeiten des Wettbewerbs, in denen man den anderen stets um eine Nasenlänge voraus sein muß, in denen sich keiner in die Karten schauen läßt und niemand einem zur Seite springt, in denen Hilferufe mit der Mahnung beantwortet werden, sich gefälligst selbst zu helfen, und in denen einem nur noch die Banken Kredit geben, und selbst sie nur in ihren Werbespots, nicht in ihren Filialen - klingt das Wort "Gemeinschaft" süß. Es erinnert uns an all das, was wir vermissen, an die Sicherheit, die Zuversicht und das Vertrauen, das wir entbehren.

Kurz: Das Wort bezeichnet eine Welt, die sich bedauerlicherweise erheblich von der unseren unterscheidet - in der wir aber liebend gerne leben würden und die wir eines Tages zurückzuerobern hoffen. (Quelle - Zygmunt Baumann)

 

 

"Internationale Arbeitsteilung"

Sie können nicht lesen, die Kinder, die in den Straßen Zeitungen verkaufen.

Sie kennen die Schokolade nicht, die Tagelöhner, die den Kakao ernten.

Sie haben kein Mobiltelefon, die Bergarbeiter, die das Coltan abbauen, das für

die Herstellung von Mobiltelefonen unverzichtbar ist.

Diejenigen die Minen legen, verkaufen Beinprothesen.

Diejenigen, die Raketen säen, ernten Wiederaufbauverträge.

Sie sterben nicht in den Kriegen, die Waffenproduzenten, die Kriege produzieren

und die öffentliche Meinung produzieren, die die Kriege bejubelt.

Weil die Welt demokratisch ist, ruft der König von Zeit zu Zeit die Kuh, das Kalb,

das Ferkel, die Ziege, das Lamm, den Hasen, das Kaninchen, den Nandu,

das Gürteltier, den Tapir, das Huhn, die Ente, den Truthahn, den Fasan, den

Krebs, die Krabbe, den Tintenfisch, die Languste, die Seezunge, den Seehecht

und den Adlerfisch zusammen.

Dort auf dem Gipfel heißt der König sie willkommen:

"Ich habe euch gerufen", sagt er, "weil ich wissen möchte, mit welcher Soße ihr verspeist

werden wollt."

Eine schüchtene Stimme erhebt sich aus der Menge:

"Ich will überhaupt nicht verspeist werden".

"Dies steht nicht zur Debatte", entscheidet der König und stellt kopfschüttelnd fest,

wie wenig Bürgersinn seine Untertanen doch haben. - "EDUARDO GALENO"


 


Bild - Gerold

Der eine fragt: "Was kommt danach?"

Der andere fragt nur: "Ist es recht?"

Und also unterscheidet sich,

Der Freie von dem Knecht!


Theodor Storm


In Zeiten, da Täuschung und Lüge allgegenwärtig sind,
ist das Aussprechen der Wahrheit ein revolutionärer Akt.
(George Orwell)
 

       
 
 
Die neoliberale Ideologie praktiziert eine erschreckende Gehirnwäsche. Für die Reichen ist diese Gehirnwäsche ein Segen. Jeder Widerstand gegen die Privatisierung der Welt wird mit einem Bannfluch belegt. Wer immer den exorbitanten Reichtum der Reichen gefährdet, stellt sich selbst außerhalb der zivilisierten Welt. Den Besitzenden ist die neoliberlae Ideologie wohlgefällig - sorgt sie doch dafür, dass sie ihre Schäfchen ins Trockene bringen können.
 
Und die Armen? Sie haben keine Ideologie mehr. Die Neoliberalsimus hat ihnen das Gehirn leergewaschen. Ihnen bleibt nichts als ein elementares starkes Gerechtigkeitsgefühl, die unauslösliche Forderung nach einem "Recht auf Leben". 
 
In Wirklichkeit wird das vom globalisierten Kapital zugerichtete Individuum auf seine reine Funktionalität reduziert. Es hat nur den Eindruck frei zu sein, weil es im Labyrinth der auf es einwirkenden Warenverhältnisse die Entfremdung nicht zu durchschauen  vermag, die es beherrscht und seiner Individualität beraubt.
 
Marx Horkheimer entlarvt die neoliberale Lüge von der durch das Kapital hervorgebrachten Individualität: "Die Maschine hat den Piloten abgeworfen, sie rast blind in den Raum. Im Augenblick ihrer Vollendung ist die Vernunft irrational und dumm geworden. Das Thema dieser Zeit ist Selbsterhaltung, während es gar kein Selbst zu erhalten gibt. (...) Und weiter: Individualität setzt das freiwillige Opfer unmittelbarer Befriedigung voraus zugunsten von Sicherheit, materieller und geistiger Erhaltung der eigenen Existenz. Sind die Wege zu einem solchen Leben versperrt, so hat einer wenig Anreiz, sich momentane Freuden zu versagen. (...) Gesellschaftliche Macht ist heute mehr denn je durch Macht über Dinge vermittelt. Je intensiver das Interesse eines Individuums an der Macht über Dinge ist, desto mehr werden Dinge es beherrschen, desto mehr werden ihm wirkliche individuelle Züge fehlen, desto mehr wird sein Geist sich in einen Automaten der formalisierten Vernunft verwandeln.
 
Das vom globalisierten Kapital zugerichtete Individuum besitzt keinerlei Identität, keinerlei Freiheit mehr.
 
 
Wir erleiden die entsetzlichste Offensive, die sich noch vor zehn Jahren niemand hätte vorstellen können.
Kein Nationalstaat, keine übernationale Organisation, keine demokratische Bewegung widersteht dieser Offensive.
Die Herren des wirtschaftlichen Krieges plündern den Planeten. Sie greifen die Staaten und deren normative Macht an, sie zerstören die Souveränität des Volkes, sie untergraben die Demokratie, sie verheeren die Natur und vernichten die Menschen und deren Freiheiten.
Sie bestreiten radikal das Menschenrecht auf das Streben nach Glück.
Keine bestehende Gegenmacht - weder eine staatliche noch eine gewerkschaftliche - ist in der Lage, ihre Allmacht herauszufordern. Auf den Straßen von New Dehli flehen tausende Frauen und Kinder, die durch die Wolke Bhopal blind geworden sind, die Passanten um Almosen an. Während die Fürsten von Dow Chemical sich in ihren Wolkenkratzern in Midland in Michigan ihrer Profite erfreuen.
In seiner Existenz, seiner Entwicklung und seiner Fortpflanzung ist der Mensch immer auf andere Menschen angewiesen. Es gibt keinen Menschen ohne Gesellschaft, ohne Geschichte - und ohne Mitgefühl. Die Beziehungen der Reziprozität, der Komplementarität und der Solidarität sind konstitutiv für jeden Menschen.
Was kann man tun gegen den Zynismus der Kosmokraten, die entfesselte Gewalt ihrer Schergen, die Missachtung des Rechts auf das Streben nach Glück? Man muß Kant lauschen und die REVOLUTION noch einmal von vorn beginnen. Denn zwischen der Feudalmacht, welche sie auch sein mag, ist der Krieg permanent und der Widerspruch radikal.
Eine Überzeugung lebt tief in mir.
Alle diese künftigen Kämpfe werden ein Nachhall des Aufruf von Gracchus Babeuf sein, des Anführers der Verschwörung der Gleichen, der am 27.Mai 1797 blutüberströmt zum Schaffott getragen wurde: (...) Möge der Kampf beginnen über das berühmte Kapitel der Gleichheit und des Eigentums! Möge das Volk alle alten barbarischen Institutionen stürzen! Möge der Krieg der Reichen gegen den Armen endlich diesen Anschein großer Kühnheit auf der einen Seite und großer Feigheit auf der anderen einbüßen! (...) Ja, ich wiedehole es, alle Missstände sind auf ihrem Gipfel, sie können sich nicht verschlimmern. Sie können nur durch einen totalen Umsturz beseitigt weren. (...).
Fassen wir das Ziel der Gesellschaft ins Auge! Fassen wir das gemeinsame Glück ins Auge und ändern wir nach tausend Jahren diese groben Gesetze! 
(Quelle - Jean Ziegler - DAS IMPERIUM DER SCHANDE - Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung)
 

Das tägliche Massaker des Hungers

Wo ist Hoffnung? -

Von JEAN ZIEGLER, 30. Dezember 2008:

(Auszüge einer Rede, Wien - November 2008)

„Das Recht auf Nahrung ist das Recht auf einen regelmäßigen, permanenten und freien Zugang, sei es direkt durch Produktion, sei es indirekt mittels monetärer Kaufmittel, auf eine qualitativ und quantitativ adäquate Nahrung, die den Traditionen des Volkes, dem der Konsument angehört, entspricht und die ein psychisches und physisches, kollektives und individuelles, würdiges und befriedigendes Leben ermöglicht, das frei ist von Angst.“

Das ist die Definition des Menschenrechtes auf Nahrung. Die Realität, die mit diesem Menschenrecht angesprochen wird, ist die folgende:

Hunger Alle 5 Sekunden verhungert ein Kind auf diesem Planeten. Jeden Tag sterben 100.000 Menschen am Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen. 923 Millionen Menschen – einer auf sechzehn, denn wir sind heute 6,3 Milliarden auf der Welt – sind permanent schwerstens unterernährt. Sie sind invalide durch permanente schwerste Unterernährung! (Zahlen aus dem World Food Report 2007, veröffentlicht im April 2008). Und derselbe World Food Report sagt, dass die Weltlandwirtschaft in der heutigen Entwicklungsphase ihrer Produktionskräfte, ohne genetisch veränderte Nahrung, 12 Milliarden Menschen normal ernähren könnte (d.h. mit 2.700 Kilokalorien pro erwachsenem Individuum und Tag). Wir sind 6,3 Milliarden! Praktisch die doppelte Zahl der Menschen könnte normal ernährt werden. Es gibt also keine Fatalität.

Die Folge der industriellen, technologischen, elektronischen Revolution hat die Produktionskräfte der Menschheit unglaublich gesteigert. Heute ist der objektive Mangel besiegt und die Fatalität eliminiert. Ein Kind, das heute am Hunger stirbt, wird ermordet.

Wer die Menschen lieben will, muss ganz stark hassen, was sie unterdrückt (Jean Paul Sartre)

Menschen sterben, Kinder sterben überall auf die gleiche Weise, von Guatemala bis Bangladesch, von Somalia bis in die Mongolei. Ich werde erklären, wie der physiologische Vorgang abläuft. Aber die Kausalstränge, die zu diesem täglichen Massaker führen, das sich in eisiger Normalität Tag und Nacht auf diesem Planeten abspielt, sind unglaublich komplex.

Zuerst einmal die physiologische Realität: Ein Mensch kann drei Minuten ohne Luft, drei Tage ohne Wasser, drei Wochen – wenn er ein wenig Flüssigkeit hat – ohne Nahrung überleben. Bei unterernährten Kindern setzt der Zerfall natürlich sehr viel früher ein. Zuerst braucht der Körper die Zucker- und Fettreserven auf. Dann wird der Mensch lethargisch. Dann immer dünner und dann bricht das Immunsystem zusammen. Durchfälle beschleunigen die Auszehrung. Mundparasiten und andere Infektionen verursachen in den Atemwegen schreckliche Schmerzen. Dann beginnt im letzten Stadium der Raubbau an den Muskeln. Die sterbenden Kinder liegen am Boden, können sich nicht mehr auf den Beinen halten, die Muskeln schwinden, die Arme baumeln kraftlos am Körper, die Gesichter von Kleinkindern zerfallen, gleichen denen von Greisen und dann kommt der Tod. Es ist also eine sehr, sehr schmerzhafte Agonie. Der physiologische Ablauf der Hungeragonie ist in allen Kulturkreisen, in allen Altersgruppen, auf allen Kontinenten absolut identisch.

Der hauptsächlichste, evidenteste Grund für das Massaker ist zuerst einmal die Überschuldung. Die 122 Entwicklungsländer hatten am 31. Dezember 2007 eine kumulierte Auslandsschuld von 2.100 Milliarden Dollar. 4,8 Milliarden der 6,3 Milliarden Menschen leben in der südlichen Hemisphäre. Und in den 49 ärmsten Ländern (das ist eine Kategorie bei der UNO) werden praktisch 80 bis 90 Prozent aller Staatseinnahmen für den Schuldendienst verbraucht. Es gibt also keine Möglichkeit für Honduras, Bangladesch, Somalia, Mali, Burkina Faso usw., irgendwelche Investitionen in der Landwirtschaft oder in der Produktion zu tätigen,.

Dann der zweite Grund: der Weltwährungsfond, die absurde mörderische Politik des Weltwährungsfonds. Es geht um ein System der strukturellen Gewalt, das mörderisch ist und gleichzeitig absurd. Mörderisch, weil es tötet, und absurd, weil es zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit zu Beginn dieses Jahrtausends unnütz tötet. „Pour aimer les hommes, il faut détester fortement ce qui les opprime“ (Sartre) – „Wer die Menschen lieben will, muss ganz stark hassen, was sie unterdrückt“. Es geht um strukturelle Gewalt!

Der Weltwährungsfonds: Er verwaltet die Auslandsschuld der ärmsten der Entwicklungsländer. Dort sitzen diese schwarzen Raben aus Washington direkt im Regierungsbüro und befehlen dem Premierminister! Der Weltwährungsfond hat ein statutarisches Ziel und das ist die Bedienung der Auslandschuld, zu ermöglichen, dass diese Schuld bedient wird!

Jedes Mal, wenn der finanzielle Engpass kommt, wenn Neuverhandlungen mit dem betreffenden Land über Stundung, Umschuldung, neue Kredite usw. geführt werden, zwingt ihm der Weltwährungsfonds ein Strukturanpassungsprogramm auf. In jedem Strukturanpassungsprogramm, in absolut jedem, gilt das Primat der Förderung der Exportlandwirtschaft. Das ist normal, denn mit Rupee, Bolívar oder Peso können diese Länder keine Auslandsschulden an die UBS oder die Chase Manhattan Bank abzahlen. Sie brauchen Devisen. Devisen können sie nur durch Export erarbeiten und deshalb müssen Baumwolle, Zuckerrohr, Erdnüsse, Sisal usw. gepflanzt werden. Dort, wo Zuckerrohr und Baumwolle wachsen, wächst aber kein Maniok, wächst keine Hirse, wächst kein Mais. Das heißt, die Plantagenwirtschaft, die Exportlandwirtschaft, die den Entwicklungsländern in der Schuldknechtschaft aufgezwungen wird, führt zu Hunger, zu Tod.

Ich gebe ein Beispiel: Mali, ein uraltes Bauernland. 1 Mio. Quadratkilometer, sehr fruchtbarer Boden beidseits des Nigerflusses, jedenfalls hinauf bis Timbuktu, 10 Mio. Einwohner, uralte Bauernkulturen. Wirklich, die Bauern, die können etwas, sind kompetent, arbeiten: die Bambera, die Tukulor, die Haussa, die Zarma usw. Letztes Jahr hat Mali 380.000 Tonnen Baumwolle exportiert und musste 72 Prozent seiner Nahrung importieren. Vor allem Reis aus Kambodscha, aus Vietnam, aus Thailand. Und dieser Reis bleibt einen halben Monat, zwei Monate auf dem Meer. Die Preise sind alle „FOB“, das heißt „Free On Board“, also die Versicherung kommt noch dazu, die Abfahrtskontrolle kommt noch dazu, die Transportkosten kommen noch dazu. Das Beispiel Mali ist absolut paradigmatisch. Also: Der Weltwährungsfond und seine Strukturanpassungsprogramme sind sicher auch ein Grund für das Massaker.

Dann ein dritter Grund für das Massaker, das die bäuerliche Bevölkerung dieser Welt – die produzierende Bevölkerung dieser Welt – tötet und verwüstet, ist die EU-Agrarpolitik. Letztes Jahr haben alle Industrienationen zusammen für ihre Bauern 349 Milliarden Dollar an Produktions- und Exportsubventionen ausgegeben. Sie können also heute auf jedem afrikanischen Markt – je nach Saison – für ein Drittel oder die Hälfte des Preises gleichwertiger inländischer Agrarprodukte italienisches, französisches, deutsches, englisches Gemüse und Früchte kaufen. Und ein paar Kilometer weiter steht der Wolof- oder der Tukuleur-Bauer mit seiner Frau, seinen Kindern, rackert sich ab bis zum Umfallen vor Ermüdung, 14 Stunden am Tag unter brennender Sonne, und hat nicht die geringste Chance, ein menschenwürdiges Existenzminimum zu erringen.

Von 53 Staaten des afrikanischen Kontinents sind 37 praktisch reine Agrarstaaten. Beim EU-Agrardumping, das sich erklärt durch elektoralistische (wahltaktische) Überlegungen, geht es um strukturelle Gewalt: Wenn der Präsident Sarkozy die Chambre d’agriculture (Landwirtschaftskammer) in Frankreich verärgert, indem er die Exportsubvention streicht, dann ist er weg vom Fenster. Das Agrardumping ist mörderisch.

Von der ländlichen Bevölkerung sind 43 Prozent marktgebunden. Das heißt, deren eine Ernte genügt nicht, um bis zur zweiten Ernte zu überleben. Sie müssen also bereits die zweite Ernte mit Krediten belasten. 43 Prozent sind auf Markt-Zusatzkäufe angewiesen. Kausalitäten, die die ländliche Bevölkerung ruinieren, und Kausalitäten, die jede Bevölkerung zu Grunde richten, die in den Kanisterstädten lebt, die also keinen Zugang zur Produktion hat. 2,2 Milliarden Menschen leben nach Weltbankstatistik in extremster Armut unterhalb des Existenzminimums, haben nicht das absolut Nötigste zum Überleben. In den Favelas von Sao Paulo, in den Smokey Mountains von Manila, in den Kanisterstädten von Karatschi – dort muss das letzte Reiskorn gekauft werden. Zu Beginn des Jahres (2008) sind die Agrarpreise unglaublich in die Höhe geschnellt (sie sind gerade ein wenig zurückgegangen und wohl in Bewegung wie die anderen Börsenprodukte auch): Von Januar bis Juni ist der Weltmarktpreis für Reis um 83 Prozent gestiegen, für Weizen um 114 Prozent und für Mais um 110 Prozent. 70 Prozent ungefähr aller Nahrungsmittel auf der Welt sind die drei Grundnahrungsmittel: Reis, Weizen und Getreidemais. Alle diese Preise, Weltmarktpreise „Free On Board“, sind explodiert und haben weitere Hunderte und Hunderte von Millionen Menschen in den Abgrund gerissen. Die Hungerzahlen, die wir dann im nächsten World Food Report für das Jahr 2008 lesen können, werden fürchterlich sein. Sie werden vielleicht ein Drittel höher sein als heute, glaubt die Weltbank.

Woher kommt die Verwüstung durch Weltmarktpreisexplosionen für Grundnahrungsmittel? Es gibt zwei evidente Kausalitäten: die Agrartreibstoffe und die Spekulation. Letztes Jahr haben die Vereinigten Staaten unter dem Bioethanol-Programm 138 Millionen Tonnen Mais verbrannt, ein Drittel der Maisernte, und Hunderte von Millionen Tonnen Weizen. Ich gebe nur ein Beispiel: Wenn Sie ein Bioethanol-getriebenes Auto mit einem 50-Liter-Tank haben und Sie füllen den Tank auf, müssen Sie dafür 358 Kilo Mais verbrennen. Mit 358 Kilo Mais lebt ein Kind in Sambia oder in Mexiko, wo der Mais Grundnahrungsmittel ist, ein Jahr lang. Ein Jahr lang! Also die Agrartreibstoffe, auch die der zweiten Generation, sind mörderisch. Die EU ist auf dem gleichen Weg: Im Jahr 2020 sollen 10 Prozent aller Treibstoffe in den 27 EU-Ländern pflanzlichen (im Original: „vegetal“) und nicht mehr fossilen Ursprungs sein. Selbst die EU-Ökonomen sind einverstanden, müssen jedoch eingestehen: „Selbst wenn man in Europa das Brachlandverbot aufhebt, hätte die europäische Landwirtschaft nicht die Kapazität, Biotreibstoffe in der benötigten Menge zu liefern.“ Afrika, der von Hunger verwüstete Kontinent, müsste – um die europäische Mobilität zu sichern – die Rohstoffe für diese Agrartreibstoffe liefern.

Der zweite Grund ist die Spekulation. Die Finanzkrise hat ja schon im letzten November – Dezember (2007) angefangen. Die Hedge-Fonds sind abgewandert an die Chicago Stock Exchange, also an die weltgrößte, älteste Nahrungsmittel- und Agrarrohstoffbörse der Welt. Dort investiert man in gewohnter Manier Milliarden und Abermilliarden Spekulationskapital in Termingeschäfte, in so genannte Futures usw. Sie können jetzt schon die ganze Sojaernte vom nächsten September von Brasilien aufkaufen – zum festen Preis. In Genf gibt es die UNCTAT (United Nations Conference on Tariff and Trade), eine UNO-Organisation. Dort sitzt Prof. Heiner Flassbeck, Oskar Lafontaines ehemaliger Staatssekretär. Er ist jetzt dort Chefökonom und hat errechnet – in dem so genannten Flassbeck-Bericht vom 1. Juli 2008, der heute als autoritativ gilt – dass 37 Prozent (!) der Weltmarktpreissteigerung der drei genannten Grundnahrungsmittel reine Spekulationsgewinne sind. Punkt.

Die ganze neoliberale Theorie ist eine Lüge

Das Menschenrecht auf Nahrung wird bekämpft von den Vereinigten Staaten, von Großbritannien, von Australien, Kanada und von den Söldnern der Organisation des internationalen Finanzkapitals: der Weltbank, des Weltwährungsfonds und der Welthandelsorganisation. Und zwar prinzipiell bekämpft von allen Neoliberalen.

Eine Kapitalart hat sich autonomisiert: das Finanzkapital. Liberalisierung und Privatisierung sind unglaublich fortgeschritten. Das ist die so genannte Globalisierung. Laut Weltbankstatistik hat sich das Weltbruttosozialprodukt in der Zeit von 1992 bis 2002 mehr als verdoppelt und der Welthandel mehr als verdreifacht. Der Energieverbrauch verdoppelt sich alle vier Jahre. Aber gleichzeitig steigt der Hunger. Gleichzeitig wachsen die Leichenberge.

In Darfur ist ein fürchterlicher Vernichtungskrieg gegen den afrikanischen Bevölkerungsteil im Westen im Gang, gegen die Masalit, die Zaghawa und die Fur – verantwortet von dem islamistisch-diktatorischen Regime unter General Omar al-Bashir. 300.000 Menschen sind umgebracht worden und 2,2 Millionen „displaced persons“ leben in siebzehn Lagern, die nach der Konvention der Vereinten Nationen von 1951 der Verantwortung der UNO unterstehen. Das heißt also, alle drei Tage kommen die weißen Lastwagen mit der UNO-Fahne in diese Lager, bringen Mehlsäcke, Reissäcke, Milchpulver, Wasser, Grundbasismedikamente usw. für diese Menschen. Die Leute leben also ausschließlich vom World Food Programm, dem Welternährungsprogramm. Die Tagesration für Erwachsene in den Camps beträgt heute 1.500 Kalorien. Das von der Weltgesundheitsorganisation festgesetzte Existenzminimum liegt jedoch bei 2.200 Kalorien. Die westlichen Staaten, die Industrienationen geben kein Geld mehr für die humanitäre Hilfe aus. Und die UNO redet nicht gern darüber. Ich sage es, weil die Leute es wissen sollen, in demokratischen Staaten muss man das wissen: Die UNO organisiert die Agonie des Hungers in den Lagern, auch in Somalia, auch in Nordkenia, wo die blau-weiße UNO-Flagge weht – dort, wo die UNO gemäß Völkerrecht verpflichtet ist, die Menschen am Leben zu erhalten. Also die ganze neoliberale Theorie ist eine reine „contrevérité“, ich würde gern „Lüge“ sagen, aber dann heißt es wieder, der ist ein dogmatischer Paleo-Marxist. Ich sage jetzt einmal: entspricht nicht der Wirklichkeit.

Ich habe in meinem Guatemala-Bericht einige Empfehlungen gegeben. In Guatemala leben 10 Millionen Einwohner, 5 Prozent ausländische und einheimische Großgrundbesitzer kontrollieren über 85 Prozent des bebaubaren Bodens. Auf der Sierra del Yucatán sehen die Mayafrauen mit 30 Jahren aus, als ob sie 80 wären: keine Zähne mehr, grauer Teint. Die Kinder haben Arme und Beine wie Zündhölzer. Eine meiner Empfehlungen in dem Bericht an die UNO war: Agrarreform in Guatemala und Schaffung eines Grundbuches. Es gibt nicht einmal ein Grundbuch seit 1825, also seit der Entstehung des postkolonialen Nationalstaates. Die Latifundias, die großen Besitzer schicken einfach die Pistoleros und wenn sie ein Mayadorf in Besitz nehmen wollen, dann erschießen sie ein paar Leute, die anderen fliehen. Und da habe ich Agrarreform und Grundbuch verlangt! Der amerikanische Botschafter ist auf mich losgegangen wie auf einen Aussätzigen und hat gesagt: „Wie können Sie! Diese Zeiten sind vorbei, wo die Diktatur den Markt beherrscht, wo Staaten in das Marktgeschehen eingreifen sollten!“

Wurde abgelehnt. Total abgelehnt. Ganz konkret. Das einzige, was ich da herausholen konnte, ist, dass die Weltbank jetzt vier Helikopter bezahlt, um wenigstens eine topografische Erfassung des Landes zu machen. Das sind die Voraussetzungen, damit vielleicht einmal im Jahr 3500 ein Grundbuch kommt und dann im Jahr 4000 eine Agrarreform.

Die 500 größten transnationalen Konzerne der Welt haben letztes Jahr 52 Prozent des Weltbruttosozialproduktes kontrolliert, also alle auf der Welt in einem Jahr produzierten Güter, Dienstleistungen, Patente, Kapitalien. Eine Macht, wie sie nie ein Kaiser, nie ein König, nie ein Papst auf diesem Planeten gehabt hat. Die Finanzoligarchien haben eine Macht, wie sie nie bestanden hat in der Geschichte der Menschheit ...

„Die Unmenschlichkeit, die einem anderen angetan wird, zerstört die Menschlichkeit in mir.“ (Immanuel Kant)

Natürlich, die Situation ist düster. Die Aussichten sind düster. Ein Beispiel: Am 12. Oktober (2008) sind im Élyséepalast die 15 Staats- und Regierungschefs der Eurozone unter dem Vorsitz von Frau Merkel und Nicolas Sarkozy zusammengekommen. Sie haben dreieinhalb Stunden getagt und sich geeinigt, 1.700 Milliarden Euro freizusetzen, zu mobilisieren und freizugeben für die Interbankenkredite sowie die Eigenkapitalrendite der Banken von drei auf fünf Prozent heraufzusetzen. 1.700 Milliarden! Die acht Milleniumsziele (inkl. Abschaffung – zuerst Halbierung und dann Abschaffung des Hungers), die die 192 Staatschefs der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen im September 2000 zu Beginn des neuen Jahrtausends festgesetzt haben, würden pro Jahr 81 Milliarden Dollar kosten, auf fünf Jahre. Das sind etwa 1 Prozent der Riesensummen, die jetzt von den Eurozone-Staatschefs in die Bankruinen hineingeworfen werden – düstere Aussichten. Und natürlich: Die 81 Milliarden pro Jahr bekommt niemand aus eben jenen Staaten, die 1.700 Milliarden für ihre spekulierenden Bankhalunken freisetzen. Das ist eine düstere Aussicht.

Die mörderische Weltordnung des Raubtierkapitalismus kann gebrochen werden


Georges Bernanos, der französische (Schriftsteller),hat gesagt: „Dieu n'a pas d'autres mains, de le nôtre“ – Gott hat keine anderen Hände als die unseren. Entweder wir ändern diese Welt oder sonst tut es niemand. Der moralische Imperativ muss organisiert werden und er wird organisiert. Die planetarische Zivilgesellschaft ist im Entstehen, das neue historische Subjekt ist in der Genesis – steht an seinem Beginn. In Wien gibt es eine unglaublich aktive Attac-Sektion. Die habe ich in Heiligendamm letztes Jahr kennen gelernt. Heiligendamm, die G-8-Staatschefs hinter Stacheldraht. Ein Unterseeboot, Polizeihelikopter, 12.000 schwer bewaffnete Polizisten vor diesem Hotelkasten – von Wilhelm II. an die baltische See gesetzt – und jenseits des Stacheldrahtes Mecklenburgs die Zelte von 180.000 Menschen: Gewerkschafter, links, rechts. Alles, was sie wollen, alle Altersklassen, aus 41 Ländern, die gesagt haben: „So eine Welt nicht, wie ihr sie da fabriziert“.

Am 22. bis 28. Januar kommen wir zusammen zum neuen Weltsozialforum in Belém do Pará, im Norden Brasiliens. Die planetarische Zivilgesellschaft – die gibt es, sie ist ein identifizierbares, historisches Subjekt! Das ist kein vages Projekt, sondern Bewegungen, die sich langsam koordinieren, wie eine lebendes Internet, die wachsen und getragen sind ausschließlich vom moralischen Imperativ. Nicht von einer politischen Theorie. Es gibt kein Zentralsekretariat, es gibt keinen Vorstand, es gibt kein Programm, das man verteidigen kann. Nichts.

Es sind Leute, die im Kampf stehen: Frauen für die Gleichberechtigung, Katholiken in Köln für die Entschuldung, Attac für die Tobin-Steuer – also die Anti-Spekulationssteuer – Greenpeace für die Erhaltung der Natur, die noch vorhanden ist usw. usw. Es sind die Widerstandsfronten, die sich in diesen sozialen Bewegungen mobilisieren. Aber die so mächtig sind, dass heute keine Welthandelskonferenz mehr auf europäischem Boden stattfinden kann. Das muss man auch wieder sagen: In Seattle war das letzte Mal (stürmischer Applaus).

Jeder redet von der Doha-Runde. Jetzt soll die EU die Sache zum Abschluss bringen. 2001 war die letzte Verhandlungsrunde. Die Doha-Runde ist jetzt gestoppt, sie ist paralysiert wegen des Agrarabkommens. Doha, wissen Sie wo das ist? Ich habe das nämlich nicht gewusst. Das ist ein absolut obskures Scheichtum im Persischen Golf (Katar). Wo Menschenrechte nicht einmal im Flüsterton erwähnt werden können. Da gibt es eine Insel – dazu noch mit Kriegsschiffen umgeben. Dort wurde die letzte Welthandelskonferenz, die Doha-Runde beschlossen. Nach Doha müssen die heute, die Herren der Welt. Nach Doha! Verstehen Sie? Das zeigt deren demokratische Legitimität. Die ist nämlich null.

Ich will zum Schluss kommen. Ich möchte, dass Sie mir glauben, dass dieses historische Subjekt heute eine soziale Kraft ist und wächst und kumulative Kraft hat. Die Koordination wird immer stärker, und zwar jenseits von Parteien, Gewerkschaften usw. Diese planetarische Zivilgesellschaft ist die Hoffnung im theoretischen Klassenkampf, wie Sartre sagt; das sind die neuen Bewusstseinsinhalte wie im praktischen Klassenkampf, nämlich dem Kampf um die Herrschaftsbeziehungen, wie sie tatsächlich auf dieser Welt sind.

Willy Brandt – ich war lange Zeit im Büro der sozialistischen Internationale, die jetzt ein ziemlich verkommener Haufen ist, aber sie war unter Willy Brandt eine großartige Kraft, die älteste internationale politische Organisation der Welt. Karl Marx war der erste Generalsekretär. Und Willy Brandt – der leider im September 1992 gestorben ist – hat uns immer gesagt: „Wenn ihr öffentlich redet, was immer ihr auch sagt“, die Analyse muss ja stimmen, auch wenn sie absolut düster ist, „am Schluss muss Hoffnung sein. Keiner darf aus dem Saal ohne Hoffnung gehen.“

Und drum schließe ich jetzt mit dem letzten Vers vom „Canto General“ von Pablo Neruda. Am 11. September 1973 ist Salvador Allende gestorben in der brennenden Moneda, im Präsidentenpalast von Santiago. Einen Monat später, vor Kummer und Verzweiflung, ist sein intimster Freund, Pablo Neruda, der Dichter, auf der Isla Negra gestorben und der letzte Vers des Canto General, dieses unglaublichen epischen Gedichtes heißt: „Podrán cortar todas las flores, pero no podrán detener la primavera.“

Sie – unsere Feinde – können alle Blumen abschneiden, aber den Frühling werden sie nie aufhalten können.

Ich danke Euch.



Auszüge aus der Wiener Rede – transkribiert, überarbeitet und gekürzt: Redaktion HINTERGRUND

Jean Ziegler Jean Ziegler sprach am 18. November 2008 im Festsaal des Wiener Rathauses vor 2.500 Gästen im Rahmen der „Wiener Vorlesungen“. Veranstalter war die Kulturabteilung der Stadt Wien.

Jean Ziegler ist Soziologe, Politiker und Sachbuchautor. Bis zu seiner Emeritierung im Mai 2002 war er Professor für Soziologie an der Universität Genf und ständiger Gastprofessor an der Sorbonne in Paris. Er war bis 1999 Abgeordneter im Nationalrat des Schweizer Parlaments, von 2000 bis 2008 UN-Sonderberichterstatter. Am 26.3.2008 wurde Jean Ziegler in den Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats gewählt.

Jean Ziegler, Die neuen Herrscher der Welt

So das Fazit von Jean Ziegler in seinem Bericht aus dem Innern der neuen Weltwirtschaft. Die Globalisierung polarisiert die Weltgesellschaft: Den Wenigen
, ...

 

"Ich habe mir geschworen, nie wieder, auch nicht zufällig, auf der Seite der Henker zu stehen." (J. Ziegler)

http://diepresse.com/images/uploads/2/5/e/381534/pressefreiheit20080505125459.jpgBild - Reporter ohne Grenzen


Das politische System der BRD und des weltweiten Kapitalismus befindet sich in der Krise oder sollen wir sagen im Niedergang. Es hat seine Integrationskraft verloren. Immer weniger Menschen trauen den herrschenden Eliten zu, daß sie die anstehenden Probleme lösen können.
Dies wäre eigentlich eine gute Gelegenheit für Menschen, die die herrschende Ordnung ablehnen, die gesellschaftlichen Strukturen in ihrem Sinne zu verändern.

Die verschiedenen Strömungen der sogenannten "Linken" in der BRD sind jedoch nicht in der Lage, diese Chance wahr zu nehmen. Sie haben weder ein überzeugende Analyse, die die Probleme der Menschen erklärt, noch ein Angebot, wie sich durch gemeinsames Handeln die Lage verändern ließe.

Die allumfassende und andauernde Ausbeutung, Unterdrückung, Verdummung und Deformation bis in die innersten Bereiche der Persönlichkeit ist nicht nur von "oben" aufgezwungen. Den Menschen fehlt das Vertrauen in sich selbst, ihre Angelegenheiten ohne Führung der "Eliten" aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft zu regeln.

Ein Diskussions- und Handlungszusammenhang, der die herrschenden Verhältnisse verändern will, kann sich nur auf die Fähigkeit des Menschen (und des Lebens ganz allgemein) zur Selbstorganisation stützen. Eine neue Elite aus Funktionären mit einer neuen Ideologie und neuen Patentrezepten welcher Art auch immer kann kein klar denkender Mensch wollen.

Laßt uns also gemeinsam erforschen wie das herrschenden System unsere Fähigkeit zur Selbstorganisation beschneidet und zerstört, um daraus seinen Nutzen zu ziehen. Sei das auf dem Gebiet der Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, der Produktions- und Eigentumsverhältnisse der Wissenschaft, des Denkens, der öffentlichen Meinung, der Kunst des Persönlichen Selbstbildes, der Identität, des Rollenverhaltens, der Sexualität.

Laßt uns unsere vergrabenen und zerstörten Fähigkeiten der Selbstorganisation wieder entdecken - Das Universum ist lebendig und intelligent, es entwickelt sich und wir können Teil dieses Prozesses sein, ob als Einzelner oder als Gruppe. Kann uns das Bewußtsein, Teil eines intelligenten, lebendigen Universums zu sein, helfen, uns trotz der allgegenwärtigen

Bedrohung und Verarschung gemeinsam zu entwickeln und zu organisieren?ww

www.anarchie.de

 

 

Das Ende der Arbeit

Was viele bei der Diskussion um die Wirtschaftskrise vergessen: Unser gegenwärtiges System kann schon deshalb nicht länger funktionieren, weil uns ganz einfach die Arbeit ausgeht. Endlich wird die Arbeit knapp!

Denn mit der technischen Entwicklung und der Steigerung der Arbeitsproduktivität haben sich die Voraussetzungen für Arbeit fundamental verändert. In einem Interview mit der Stuttgarter-Zeitung brachte US-Ökonom Jeremy Rifkin die Entwicklung jüngst auf den Punkt:

"Wir sind mitten in einer Umwälzung, die die industrielle Revolution noch übertrifft. Durch die ersten Mechanisierungsschübe verloren Millionen von Menschen ihre Jobs und wanderten vom Land in die Städte, um dort mit den Maschinen zusammen zu arbeiten. Aber die Computer und Informationstechnik von heute machen immer mehr Menschen ganz überflüssig. [...] Wir vollziehen gerade einen Wandel hin zu einem Markt, der zum allergrößten Teil ohne menschliche Arbeitskraft funktioniert. Bis 2010 werden nur noch zwölf Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Fabriken gebraucht. Bis 2020 werden es weltweit nur noch zwei Prozent sein."

Sein Fazit: "Langfristig wird die Arbeit verschwinden."

Das sollte eigentlich eine gute Nachricht sein. Schon jetzt müssten wir nach verschiedenen Berechnungen nur noch 3-6 Stunden arbeiten, um das gleiche Wohlstands-Niveau zu halten, wie vor 10 Jahren - wenn es bei Arbeit überhaupt darum ginge, die Sachen herzustellen, die alle Menschen brauchen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.

Auch die Befürworter des Bürgergeldes verweisen immer wieder auf die Tatsache, dass es völlig absurd ist, ein System zu erhalten in dem Arbeitslosigkeit ein Problem darstellt, während es gleichzeitig Arbeitslosigkeit produziert:

"In Zeiten produktivitätssteigernder Rationalisierungen stellen Aufrufe zur Vollbeschäftigung nichts als einen Ausdruck von Realitätsverlust dar.

Um "Vollbeschäftigung" herzustellen müsste man die Wirtschaft an der Modernisierung hindern, massiv Löhne senken oder künstlich steuerfinanzierte "Arbeit" schaffen." schreibt die Bundesagentur für Einkommen in ihrem Aufruf zum 1. Mai.

 

Die Lüge erhalten

Die Regierung tut dennoch alles erdenkliche, um die Illusion aufrecht zu erhalten - noch immer ist die Reduzierung der Arbeitslosigkeit Thema Nummer eins in den Wahlkämpfen und für die Herkunft der Arbeitslosigkeit bekommen wir immer wieder dieselben Lügen aufgetischt:

1. Arbeitslosigkeit entsteht, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern

Die Wahrheit: Die Zahl der Jobs die in Deutschland verschwinden, weil sie zum Beispiel nach Osteuropa oder China verlagert wird, ist verschwindend gering. Sie macht gerade mal ein Prozent der abgebauten Stellen aus.

Der wirkliche Jobkiller ist der technologische Fortschritt.

2. Arbeitslosigkeit entsteht, weil die Leute für die bestehenden Jobs nicht richtig ausgebildet sind.

Die Wahrheit: Selbst wenn alle Arbeitslosen in Deutschland Professor Dr. Dr. Ing. wären, hätten sie immer noch keinen Job.

3. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind.

Die Wahrheit: Die Vergleiche zu den USA, mit denen hier immer wieder argumentiert wird, greifen kaum, wenn man sich die Auswirkungen eines abgespeckten Sozialsystems genauer anschaut: Allein 2 Millionen Menschen sitzen in den USA zum Beispiel in Gefängnissen.

Die Lüge muss aber aufrecht erhalten werden, weil nur durch das gegenwärtige System eine Umverteilung des Reichtums von unten nach oben möglich ist. Nur in der bestehenden Logik können Menschen gezwungen werden, menschenunwürdige oder moralisch bedenkliche Arbeit anzunehmen.

 

Die Zeit nach der Arbeit

Es wird Zeit zu erkennen, das Lohnarbeit nicht mehr notwendig ist, sondern nur der perverse Auswuchs eines Systems ist, dass soziale Ungerechtigkeit manifestiert und langfristig zum Scheitern verurteilt ist. Es gilt nun Utopien zu wagen für eine Zeit nach der Arbeit. Das sieht auch Jeremy Rifkin ähnlich:

"Ich sehe zwei Alternativen für unsere Zukunft. Die eine ist eine Welt mit Massenarmut und Chaos. Die andere ist eine Gesellschaft, in der sich die von der Arbeit befreiten Menschen individuell entfalten können.

Das Ende der Arbeit kann für die Menschheit einen großen Sprung nach vorn bedeuten. Wir müssen ihn aber auch wagen."

Wie das Aussehen könnte, wird zur Zeit an vielen Stellen diskutiert: Bürgergeld/Bedingungsloses Grundeinkommen, Währungen auf Zeitbasis, massiver steuerfinanzierter Ausbau des Non-Profit Sektors, Ressourcenbasierte Ökonomie ... Vorschläge gibt es genug. Alle Vorschläge werden aber nur dann funktionieren, wenn sich gleichzeitig auch das Bewusstsein der Menschen ändert: Wenn nicht mehr gearbeitet wird, um eine Minderheit Reich zu machen, sondern ein erfülltes Leben in Wohlstand für alle zu ermöglichen.

Dazu muss zunächst der mit der Lohnarbeit zusammenhängende, fast religiöse Wahn beendet werden, zu dem wir alle konditioniert wurden. Menschen können sich durch gegenseitige Kooperation aus dem Zwang der Lohnarbeit zumindest teilweise befreien. Wenigstens im Kopf sollten wir wieder frei werden, denn:

Eine mögliche Welt ist anders!

(Quelle - David Rotter - www.sein.de)


 

ARBEIT - Erst die Arbeit - dann das Vergnügen! Das ist das Leitmotiv, das wie ein Abzählvers klingt und vom Kopf nach unten den Bewegungen des Körpers, einen militärischen Rhythmus gibt. Das ist die alte Leier, harmlos, aber eindringlich, die den Rückzug der entstehenden Intelligenz begleitet. Und sicherlich wird bald eine andere Intelligenz unter der Führung der Arbeit das Feld besetzen, eine Intelligenz, bei der das Herz am wenigsten zählt und am besten versteinert.

Bild - Gerold


Techniken:

Es scheint , daß man einigen Anregungen von Jürgen Habermas folgend drei Haupttypen von Technik unterscheiden kann: die Techniken zur Erzeugung, Umformung, Manipulierung von Dingen; die Technik zur Verwendung von Zeichen; und schließlich die Technik zur Bestimmung des Verhaltens von Individuen, zur Aufzwingung gewisser Zwecke oder, Ziele. Also die Produktionstechniken, die Signifikations- oder Kommunikationstechniken und die Herrschaftstechniken.


Ich aber wurde mir mehr und mehr bewußt, daß es in allen Gesellschaften noch einen anderen Typ von Technik gibt: Techniken, die es Individuen ermöglichen, mit eigenen Mitteln bestimmte Operationen mit ihren eigenen Körpern, mit ihren eigenen Seelen, mit ihrer eigenen Lebensführung zu vollziehen, und zwar so, daß sie sich selber transformieren, sich selber modifizieren und einen bestimmten Zustand von Vollkommenheit, Glück, Reinheit, übernatürlicher Kraft erlangen. Nennen wir diese Techniken Technologien des Selbst.



Diese Selbsttechnologie impliziert wohl in jeder Kultur eine Reihe von Wahrheitsverpflichtungen: die Wahrheit aufdecken, durch die Wahrheit erleuchtet werden, die Wahrheit sagen. All das soll für die Konstitution oder für die Transformation des Selbst wichtig sein. Michel Foucault

 http://www.t-oni.de/bilder/nachdenkliches/ton_steine_scherben.jpg

 

Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace

Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch,

Vertreter einer vergangenen Zeit: Laßt uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr.

Wir besitzen keine gewählte Regierung, und wir werden wohl auch nie eine bekommen - und so wende ich mich mit keiner größeren Autorität an Euch als der, mit der die Freiheit selber spricht. Ich erkläre den globalen sozialen Raum, den wir errichten, als gänzlich unabhängig von der Tyrannei, die Ihr über uns auszuüben anstrebt. Ihr habt hier kein moralisches Recht zu regieren noch besitzt Ihr Methoden, es zu erzwingen, die wir zu befürchten hätten.

Regierungen leiten Ihre gerechte Macht von der Zustimmung der Regierten ab. Unsere habt Ihr nicht erbeten, geschweige denn erhalten. Wir haben Euch nicht eingeladen. Ihr kennt weder uns noch unsere Welt. Der Cyberspace liegt nicht innerhalb Eurer Hoheitsgebiete. Glaubt nicht, Ihr könntet ihn gestalten, als wäre er ein öffentliches Projekt. Ihr könnt es nicht. Der Cyberspace ist ein natürliches Gebilde und wächst durch unsere kollektiven Handlungen.

Ihr habt Euch nicht an unseren großartigen und verbindenden Auseinandersetzungen beteiligt, und Ihr habt auch nicht den Reichtum unserer Marktplätze hervorgebracht. Ihr kennt weder unsere Kultur noch unsere Ethik oder die ungeschriebenen Regeln, die unsere Gesellschaft besser ordnen als dies irgendeine Eurer Bestimmungen vermöchte.

Ihr sprecht von Problemen, die wir haben, aber die nur Ihr lösen könnt. Das dient Eurer Invasion in unser Reich als Legitimation. Viele dieser Probleme existieren gar nicht. Ob es sich aber um echte oder um nur scheinbare Konflikte handelt - wir werden sie lokalisieren und mit unseren Mitteln angehen. Wir schreiben unseren eigenen Gesellschaftsvertrag. Unsere Regierungsweise wird sich in Übereinstimmung mit den Bedingungen unserer Welt entwickeln, nicht Eurer. Unsere Welt ist anders.

Der Cyberspace besteht aus Beziehungen, Transaktionen und dem Denken selbst, positioniert wie eine stehende Welle im Netz der Kommunikation. Unsere Welt ist überall und nirgends, und sie ist nicht dort, wo Körper leben.

Wir erschaffen eine Welt, die alle betreten können ohne Bevorzugung oder Vorurteil bezüglich Rasse, Wohlstand, militärischer Macht und Herkunft.

Wir erschaffen eine Welt, in der jeder Einzelnen an jedem Ort seine oder ihre Überzeugungen ausdrücken darf, wie individuell sie auch sind, ohne Angst davor, im Schweigen der Konformität aufgehen zu müssen.

Eure Rechtsvorstellungen von Eigentum, Redefreiheit, Persönlichkeit, Freizügigkeit und Kontext treffen auf uns nicht zu. Sie alle basieren auf der Gegenständlichkeit der materiellen Welt. Es gibt im Cyberspace keine Materie.

Unsere persönlichen Identitäten haben keine Körper, so daß wir im Gegensatz zu Euch nicht durch physische Gewalt reglementiert werden können. Wir glauben daran, daß unsere Regierungsweise sich aus der Ethik, dem aufgeklärten Selbstinteresse und dem Gemeinschaftswohl eigenständig entwickeln wird. Unsere Identitäten werden möglicherweise über die Zuständigkeitsbereiche vieler Eurer Rechtssprechungen verteilt sein. Das einzige Gesetz, das alle unsere entstehenden Kulturen grundsätzlch anerkennen werden, ist die Goldene Regel. Wir hoffen, auf dieser Basis in der Lage zu sein, für jeden einzelnen Fall eine angemessene Lösung zu finden. Auf keinen Fall werden wir Lösungen akzeptieren, die Ihr uns aufzudrängen versucht.

In den Vereinigten Staaten habt Ihr mit dem "Telecommunications Reform Act" gerade ein Gesetz geschaffen, das Eure eigene Verfassung herabwürdigt und die Träume von Jefferson, Washington, Mill, Madison, Tocqueville und Brandeis beleidigt. Diese Träume müssen nun in uns wiedergeboren werden.

Ihr erschreckt Euch vor Euren eigenen Kindern, weil sie Eingeborene einer Welt sind, in der Ihr stets Einwanderer bleiben werdet. Weil Ihr sie fürchtet, übertragt Ihr auf Eure Bürokratien die elterliche Verantwortung, die Ihr zu feige seid, selber auszüben. In unserer Welt sind alle Gefühle und Ausdrucksformen der Humanität Teile einer umfassenden und weltumspannenden Konversation der Bits. Wir können die Luft, die uns erstickt, von der nicht trennen, die unsere Flügel emporhebt.

In China, Deutschland, Frankreich, Rußland, Singapur, Italien und den USA versucht Ihr, den Virus der Freiheit abzuwehren, indem Ihr Wachposten an den Grenzen des Cyberspace postiert. Sie werden die Seuche für eine Weile eindämmen können, aber sie werden ohnmächtig sein in einer Welt, die schon bald von digitalen Medien umspannt sein wird.

Eure in steigendem Maße obsolet werdenden Informationsindustrien möchten sich selbst am Leben erhalten, indem sie - in Amerika und anderswo - Gesetze vorschlagen, die noch die Rede selbst weltweit als Besitz definieren. Diese Gesetze würden Ideen als nur ein weiteres industrielles Produkt erklären, nicht ehrenhafter als Rohmetall. In unserer Welt darf alles, was der menschliche Geist erschafft, kostenfrei unendlich reproduziert und distribuiert werden. Die globale Übermittlung von Gedanken ist nicht länger auf Eure Fabriken angewiesen.

Die zunehmenden feindlichen und kolonialen Maßnahmen versetzen uns in die Lage früherer Verteidiger von Freiheit und Selbstbestimmung, die die Autoritäten ferner und unwissender Mächte zurückweisen mußten. Wir müssen unser virtuelles Selbst Eurer Souveränität gegenüber als immun erklären, selbst wenn unsere Körper weiterhin Euren Regeln unterliegen. Wir werden uns über den gesamten Planeten ausbreiten, auf daß keiner unsere Gedanken mehr einsperren kann.

Wir werden im Cyberspace eine Zivilisation des Geistes erschaffen. Möge sie humaner und gerechter sein als die Welt, die Eure Regierungen bislang errichteten.

John P

 

http://www.enrico111.com/page28/page24/files/page24_blog_entry0_2.jpg"Warum ist unsere Fahne schwarz?"

       

Schwarz ist ein Hauch von Verneinung. Die schwarze Fahne ist die Negation aller Fahnen. Sie ist die Negation der Nationalitäten, die die Menschen dazu treiben, einander zu zerfleischen und die Einheit der Menschen zu leugnen.

Schwarz ist ein Gefühl von Zorn und Wut angesichts aller im Namen der Treue zu irgendeinem Staat gegen die Menschlichkeit begangenen abscheuchlichen Verbrechen. Sie ist Zorn und Wut angesichts der Verhöhnung der menschlichen Intelligenz, die durch die Forderungen, Heucheleien und lächerlichen Schikanen der Regierungen verspottet wird.

Schwarz ist auch eine Farbe des Leids und der Traurigkeit; die schwarze Fahne, die die Nation leugnet, beweint auch deren Opfer, die zahllosen, durch äußere und innere Kriege zum Ruhm und für den Fortbestand eines blutigen Staates vernichteten Millionen Menschen. Sie beweint jene, denen die Arbeit weggenommen wird und die als Kostenfaktor bewertet werden, damit die Ermordung und Unterdrückung anderer Menschen bezahlt werden kann. Sie beweint nicht nur den physischen Tod, sondern auch die Verkümmerung des dem hierarchischen und autoritären System unterworfenen Geistes; sie beweint die Millionen von Neurosen, die ausgeschaltet werden, ohne je wieder die Möglichkeit zu haben, der Welt ihr Licht zu schenken.

Schwarz ist eine Farbe der Entschlossenheit, der Entschiedenheit, der Stärke, eine Farbe, bei der alle anderen Farben ins Licht gerückt werden. Schwarz ist das Geheimnis, welches das Keimen, die Fruchbarkeit, den ertragreichen Boden des entstehenden Lebens umgibt, das sich stets im Dunkel entwickelt, erneuert, verjüngt und fortpflanzt.

Das in der Erde verborgene Samenkorn, die wundersame Reise der Samenflüssigkeit, das verborgene Wachsen des Embryos, in der Gebärmutter werden alle von Schwärze unhüllt und beschützt. Howard Ehrlich - Reinventing Anarchy (1979)

        anarchy_lwh.gif (9977 bytes)

ERKLÄRUNG KULTURELLER REVOLUTIONÄRE

Kulturelle Revolutionäre

_leben, handeln und arbeiten mit und nicht gegen die Natur
_wissen, dass Leben zu komplex ist, um es zu intellektuell zu verstehen
_schaffen und unterstützen lokale, autonome Ökonomien
_wertschätzen und bewahren Vielfalt aller Art
_wertschätzen und praktizieren gegenseitige Abhängigkeit, da sie wissen, dass nichts getrennt existiert
_betrachten sich als gleichwertig zu allen Lebensformen
_beschützen und unterstützen Leben
_lieben und unterstützen Kinder bedingungslos
_arbeiten an sich selbst, hin zu grösserer Bewusstheit
_kennen ökologische Prinzipien und integrieren sie in ihr Leben
_sehen Musik und Tanz als integrale Bestandteile ihres Ausdrucks und ihrer Kommunikation
_leben auf einer lebendigen Erde und betrachten sie als heilig
_wissen wie sie ihre Nahrung anbauen
_wissen ihr sinnliche Bewusstheit zu schätzen
_feiern das Leben
_kooperieren
_verlagern ihr Denken von ‘Entweder oder’ zu ‘Sowohl als auch’
_teilen ihr Wissen
_verstehen und integrieren Prozess als eine Art und Weise zu sein
_sind nicht mit ihrem Körper, ihren Gedanken oder Emotionen identifiziert
_sehen den Verstand als Werkzeug
_erkennen, dass es kein richtig oder falsch gibt
_sind nicht mit einem sozialen Etikett, ihrer Vergangenheit oder Zukunft identifiziert
_sind sich bewusst, dass die Essenz dessen was sie sind das Leben selbst ist
_übernehmen Verantwortung für ihre Emotionen
_sind sich ihrer Beziehungen zu ihrer lebendigen und scheinbar nicht-lebendigen Umgebung bewusst und wertschätzen diese
_wertschätzen und integrieren die Weisheit von Frauen
_wertschätzen und integrieren die Weisheit von indigenen Kulturen
_wertschätzen das Wissen von Generalisten
_sind sich über Wandel und Veränderung als eines der Kernprinzipien der Evolution bewusst
_arbeiten in Richtung Diversifikation und Dezentralisierung
_nehmen an dem Ort, an dem sie leben, Anteil und bauen Beziehungen zu ihm auf
_werden von abhängigen Konsumenten zu verantwortungsvollen Produzenten
_suchen nach Wegen, dass ihre Interessen und Talente sich entfalten können
_haben den Mut sich Gesetzen, die Selbstregierung, Selbstversorgung und Selbstbestimmung illegal machen, zu widersetzen und ihnen nicht zu folgen
_sind über das derzeitige Geldsystem informiert und identifizieren es als kontemporäre Form der Versklavung
_identifizieren und boykottieren biologische, kulturelle, soziale und philosophische Monokulturen
_boykottieren Monopole jeglicher Art
_stellen jeden in Frage, der eine einzelne Lösung vorschlägt
_wertschätzen Umwelt- und menschliche Ethik mehr als Profit Maximierung
_boykottieren Konzerne und Banken, die auf Profit Maximierung hinarbeiten
_fordern Land und Wälder als Gemeingut zurück
_fordern Wasser als Gemeingut zurück
_fordern biologische Vielfalt und Wissen als Gemeingut zurück
_sind sich bewusst, dass sie zu jeder Zeit am Prozess der Ko-Kreation teilnehmen
_erlauben dem Leben sich durch sie zu entfalten

   

 

 http://www.friedenskunst.ch/bilder/fackeln.jpg


 
 
 
Hans A. Pestalozzi:

AUFRUF ZUR REBELLION

Sie behaupten, sie wollten den Frieden - und bereiten den Krieg vor.

Sie behaupten, sie müßten den Krieg vorbereiten, um den Frieden zu schützen, und verschweigen, daß diese Formel noch immer zu Krieg geführt hat.

Sie behaupten, sie wollten unsere Souveränität schützen, und machen uns vom Ausland abhängig.

Sie behaupten, sie wollten das Volk schützen, und provozieren seine Vernichtung.

Sie behaupten, vor dem Regime in Moskau auf der Hut sein zu müssen, und liefern uns dem Regime in Washington aus.

Sie behaupten heute, gegen die kommunistische Weltrevolution kämpfen zu müssen, und behaupten morgen, das Sowjetsystem sei am Ende.

Sie behaupten, mit dem Bundesgrenzschutz die Grenzen der Republik verteidigen zu müssen, und setzen ihn gegen die eigenen Bürger ein.

Sie behaupten, uns vor totalitären Staaten schützen zu müssen, und arbeiten mit faschistischen Regimes zusammen.

Sie werfen uns »Zerstörung des politischen Friedens« vor, und meinen Polizeieinsatz gegen Andersdenkende.

Sie predigen Dialog, und drohen mit dem Rücktritt.

Sie geben sich demokratisch, und verbieten die Teilnahme an Demonstrationen. Sie loben den Schutz der Minderheiten, und berufen sich auf eine angebliche schweigende Mehrheit. Sie pochen auf die Ganzheit der Demokratie, und schließen die Randgruppen aus.

Sie werfen uns vor, kritiklos irgendwelchen Drahtziehern zu folgen, und knieten zwölf Jahre vor dem »Führer«.

Sie nennen uns Chaoten, Kriminelle, Asoziale, und machen aus der Polizei brutale Schlägerbanden.

Sie geben vor, den Rechtsstaat schützen zu müssen, und verhaften unsere Nachkommen gleich massenhaft.

Sie berufen sich auf internationale Abmachungen, und knallen uns mit chemischen Waffen nieder, die im Kriegsfall verboten sind.

Sie warnen uns vor der Militarisierung der Jugend im Osten, und führen bei uns den Wehrkundeunterricht ein.»Der Mensch ist böse.« So lautete die richtige Antwort auf die Frage im Religionsunterricht, ob der Mensch gut oder böse sei. Sie war Anlaß zu meiner ersten tiefgreifenden Rebellion. Ich befand mich mitten in einer unerhört positiven Aufbruchstimmung, trotz oder vielleicht gerade wegen der Pubertätsprobleme, die alles Bisherige in Frage stellten. Ich glaubte an meine Zukunft, das Kriegsende öffnete die Welt; Kameradschaften und Freundschaften schufen Beziehungen, die endlich die Elternbindung zu lösen erlaubten; die fordernde Sexualität versprach bisher Unvorstellbares. Und nun die Ohrfeige von »höchster Instanz«, denn der Religionslehrer, der Pfarrer verkörperte doch- so war uns beigebracht worden - die höchste Autorität, das A und O unseres Lebens: »Du bist böse, deine Freundinnen und Freunde sind böse, deine Mitmenschen sind böse!« Ich begann mich zum erstenmal grundsätzlich zu verweigern. Vom Verstand her konnte ich es wohl noch kaum erfassen. Das Gefühl sagte mir: Auf dieser Basis wirst du nie ein eigenes Leben gestalten können. Wenn diese Voraussetzung stimmt, ist es unmöglich, gemeinsam mit deinen Mitmenschen eine Zukunft aufzubauen. Du wirst immer von der Autorität abhängig sein, die darüber befindet, wie du dich zu verhalten hast, um »gut« zu werden. Ein Leben in Angst, böse zu bleiben? Ein Leben unter dem Zwang, den Anforderungen der »Autorität« gerecht werden zu müssen? Ein Leben in Schuldgefühlen, zu wenig zu leisten, nicht zu genügen, immer wieder zu versagen? Angst und Schuld als Basis meines Lebens?

Was ich intuitiv nicht erfassen konnte: Schuldgefühle und Angst sind in dieser unserer Gesellschaft nötig; ihre Prinzipien, Strukturen und Abhängigkeiten wären sonst nicht möglich. Angst ist nötig, um »freiwillig« zu gehorchen. Angst ist Voraussetzung der »freiwilligen« Unterordnung. Schuldgefühle bringen mir bei, daß Eltern und Lehrer mich erziehen müssen. Schuldgefühle lassen mich Strafe akzeptieren. Schuldgefühle machen mich abhängig von der »Autorität«.

»Du willst nicht mehr böse sein? Komm, wir sagen dir, wie du dich zu verhalten hast!«

Es ist so. Es gibt Leute, die daran interessiert sind, daß ich Angst habe. Es gibt Leute, die ohne meine Schuldgefühle nicht sein könnten. Es sind die Leute, die an der Macht sind.

Es dauerte lange, sehr lange, bis ich merkte, daß dieses Prinzip, wogegen ich mich im Bereich der Religion erfolgreich zur Wehr gesetzt hatte, unser ganzes Leben beherrscht.

»Du bist krank! Du bist unzufrieden! Du vernachlässigst deine Kinder! Du bist unfähig, deine Freizeit zu gestalten! Glaube nicht, du könntest einfach so gesund und zufrieden sein. Wir, die Wirtschaft, sagen dir, was du zu schlucken, zu schlürfen, anzuschaffen, den Kindern zu kaufen hast.«

Eine Gesellschaft, die ihren »Erfolg« einzig und allein daran mißt, wieviel Ware in einem Jahr hergestellt und wieviele Dienstleistungen erbracht wurden, ohne nach dem Sinn zu fragen, muß von einem negativen Lebensprinzip ausgehen. Zufrieden sein, glücklich sein, gesund sein sind in einer solchen Gesellschaft wertlos: Positive Zustände erhöhen das Bruttosozialprodukt nicht. Unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft können in ihrer heutigen Konzeption nur überleben, wenn wir unglücklich, unzufrieden, krank, unfähig sind. Wenn Wirtschaft darin besteht, negative Zustände zu beseitigen, und wenn die gleiche Wirtschaft behauptet, ständig weiter wachsen zu müssen, dann kann sie nur ein Interesse haben: die negativen Zustände zu verstärken. Und dies tut sie mit Erfolg. Gleichzeitig gibt sie uns aber vor, die Menschen glücklich zu machen. »Es geht euch ja so gut wie noch nie!« Damit hat sie uns bei der Angst: »Paßt auf! Wenn ihr euch nicht so verhaltet. wie wir es sagen, verliert ihr euren Wohlstand - das, was euer Glück ausmacht!«

Auf die Politik übertragen: Jede Politik, die in den letzten zehn bis zwanzig Jahren betrieben wurde, hat das Gegenteil dessen erreicht, was sie anstrebte.

Die Verkehrspolitik hat dazu geführt, daß der Stau auf unseren Straßen noch nie so groß und das Defizit der Bundesbahn noch nie so hoch war.

Die Landwirtschaftspolitik hat dazu geführt, daß Hunderttausende von Bauern liquidiert wurden, wir in unserer Nahrungsmittelversorgung völlig vom Ausland abhängig geworden sind und unsere Böden zerstört werden.
Entwicklungspolitik hat dazu geführt, daß die armen Länder immer ärmer wurden und die reichen Länder immer reicher.

Die Mittelstandspolitik hat das Geschäft der Großen gemacht. Die Großen wurden immer größer, die Kleinen wurden liquidiert.

Friedenspolitik hat dazu geführt, daß wir dem Krieg so nahe sind wie nie mehr seit dem Zweiten Weltkrieg.

Anders ausgedrückt: Kein einziges Problem, welches vor zehn oder zwanzig Jahren bestanden hat, ist einer Lösung auch nur einen Schritt näher gebracht worden. Im Gegenteil: Die Probleme haben sich verschärft. Aber alle Politiker und alle Regierungen haben nur das eine Ziel: genauso weiterzumachen wie bisher oder die bisherigen Trends sogar nach Möglichkeit noch zu verstärken. Und auch dafür brauchen sie unsere Angst. Angst vor dem Neuen, das nötig wäre - keine Experimente! Also Angst vor der Zukunft.

Wie soll in einer solchen Gesellschaft Frieden etwas anderes sein können als Abwesenheit von Krieg? Ist da nicht eine derartig perverse Einstellung selbstverständlich, die behauptet, je mehr man rüste, desto mehr sichere man den Frieden? Wenn für die Herren dieser Gesellschaft positive Zustände nicht nur nicht denkbar, sondern die negativen Zustände für die Aufrechterhaltung der eigenen Macht notwendig sind, wie sollten sie da zugeben können, daß Frieden eben nicht Abwehr des Krieges durch Militär ist, sondern Kriegsbereitschaft und Militär den Frieden gefährden und verhindern?

»Wir brauchen wieder einen Krieg, damit unsere Wirtschaft wieder einen Auftrag hat; sie muß von vorne beginnen können«, sagte mir kürzlich ein Exponent des deutschen Managements. Es ist so: In einer friedlichen Gesellschaft kann diese Wirtschaft nicht so weitermachen.

Wir brauchen die Drohung mit dem Krieg. Eine friedliche Gesellschaft macht keine Geschäfte mit Waffen.

Wir brauchen die Angst vor dem Krieg. Eine friedliche Gesellschaft braucht keine »Autoritäten«.

Wir brauchen die Angst vor dem Feind. Eine friedliche Gesellschaft kann auf Machtstrukturen verzichten.

Wir brauchen die Angst, unseren Lebensstandard verlieren zu können. Eine friedliche Gesellschaft braucht keine Ausbeutung der Natur, der Dritten Welt, der kommenden Generationen.

»Wir brauchen deine Angst. Denn nur so können wir dir einreden, es müsse so sein, wie es heute ist!«Die Antwort jenes Pfarrers bleibt mir unvergeßlich, dem die Frage gestellt wurde, was er vom Motto »lieber rot als tot« halte. Er stellte die Gegenfrage: »Was wäre Ihnen lieber: Wenn Ihre Tochter zerfetzt in einem Bombentrichter bei Bonn liegen oder friedlich in ihrer Wohnstube in Leipzig sitzen würde?«

Was ist denn das eigentlich, das mehr wert sein soll als unser Leben? Mehr wert als das Leben unserer Kinder? Mehr wert als Leben auf diesem Planeten überhaupt? Oder nach Haig: Mehr wert als der Frieden? Was ist denn das eigentlich, das wir verteidigen wollen oder sollen? Was ist dieser Wert, der mehr wert sein soll als alles übrige?

Sie sagen: Die Freiheit.

Freiheit auf der Basis von Angst und Schuldgefühlen? Wessen Freiheit? Welche Freiheit?

Ist es die Freiheit, für die unsere Väter, deren wir in Ehrfurcht zu gedenken haben, gefallen sind - wie es ein Spitzenpolitiker kürzlich formulierte?

Oder ist es die Freiheit, nach der Pfeife Washingtons tanzen zu müssen?

Die Freiheit, aufrüsten zu müssen, Waffen herstellen zu müssen, Waffen expor tieren zu müssen?

Oder ist es die Freiheit des Konsumenten,
zwischen dem Einkaufszentrum Ost und dem Einkaufszentrum West wählen zu dürfen;zwischen Waschmitteln mit und ohne blaue Kügelchen wählen zu dürfen;
zwischen Fertigmahlzeiten von Maggi und solchen von Knorr wählen zu dürfen?

Oder die Freiheit
des Arbeiters, zwischen einem Fließband bei Opel und einem solchen bei VW wählen zu können;
der Kassiererin, zwischen einer Supermarktkasse bei Coop und einer solchen bei Edeka wählen zu können?
des Computerfachmanns, zwischen IBM und Siemens wählen zu können?

Oder die Freiheit des Lehrers, sich kritiklos unterzuordnen oder entlassen zu werden?
Die Freiheit des Journalisten, auf die Inserenten Rücksicht zu nehmen oder entlassen zu werden?
Die Freiheit des Pfarrers, dem Bischof zu gehorchen oder entlassen zu werden?
Die Freiheit des Staatsangestellten, die eigene politische Überzeugung zu verheimlichen oder entlassen zu werden? Die Freiheit des Politikers, sich dem Fraktionszwang zu fugen oder ausgeschlossen zu werden?

Die Freiheit, am Wochenende mit dem Wagen möglichst weit wegfahren zu können, weil man es an seinem Wohnort nicht mehr aushält?
Die Freiheit, im Urlaub vom Hochhaus im Vorort von Frankfurt in ein Hochhaus an der Costa Brava übersiedeln zu können? Die Freiheit, eine Zweitwohnung haben zu können, weil die Verhältnisse in der Erstwohnung unerträglich sind?
Die Freiheit, ohne Geschwindigkeitsbegrenzung über die Autobahn rasen zu können,
keine Sicherheitsgurte tragen zu müssen?
tausend Kinder im Jahr umzubringen, um mobil zu sein?
Ist es diese Freiheit, für die wir unser Leben hergeben sollen?

Eine Freiheit, die gar keime echten Alternativen offenläßt? »Du kannst ja gehen, wenn es dir nicht paßt«, als Inhalt unserer Freiheit?

Oder eine Freiheit, die in Rücksichtslosigkeit, Schrankenlosigkeit, Bindungslosgkeit besteht - also eine rein negative Freiheit?

Wäre echte, positive Freiheit, die nicht nach dem »frei wovon«, sondern »frei wofür« fragt, nicht etwas ganz anderes? Eine Freiheit, die die Möglichkeit gibt, gestalten zu können? Und ist es nicht genau diese positive Freiheit, die uns in unserer Gesellschaft verwehrt wird? Weil die alles dominierende Freiheit die negative Freiheit der Wirtschaft ist; die negative Freiheit des Kapitals, sich dorthin begeben zu können, wo es am meisten rentiert? Ohne Rücksicht auf den Menschen? Ohne Rücksicht auf die Möglichkeit, Zukunft gestalten zu können?

Wenn es unseren Politikern und Militärs ernst wäre mit der Behauptung, es gehe in der weltweiten Auseinandersetzung um die Wahrung unserer Freiheit, weshalb tun dann gerade sie ihr möglichstes, um die echte positive Freiheit immer weiter abzubauen: Überwachung, Computerkontrolle, Radikalenerlasse, Berufsverbote, Verstärkung der Polizei, Schließung von Freiräumen, die Diffamierung all jener, die Neues zu schaffen versuchen?

Würde nicht die wichtigste Verteidigungsmaßnahme darin bestehen, endlich jene Freiheit zu schaffen, die mich erst fähig macht, mich einem äußeren Feind zu widersetzen, d. h., innerlich autonom zu werden?

Sie sagen: Die Demokratie!

Welche Demokratie? Wo haben wir denn überhaupt Demokratie? Demokratie in der Schule, in der Kirche, in der Wissenschaft, an der Universität, in der Familie, im Sport, in der Wirtschaft, in der Bundeswehr? Wo in all diesen Bereichen haben wir wenigstens das demokratische Bekenntnis? Beschränkt sich denn unsere Demokratie nicht einzig und allein auf einen Teilbereich der staatlichen Entscheidungsfindung? Und besteht die Möglichkeit des einzelnen Bürgers nicht nur darin, alle vier Jahre zwischen einigen Damen und Herren wählen zu können? Und wenn ich da - weil es keine echten Alternativen gibt - nur noch zwischen Pest und Cholera wählen kann, will ich dann nicht lieber gesund bleiben?

Wäre Demokratie nicht etwas völlig anderes als das Ablaufen von bestimmten staatlichen Institutionen? Eine Demokratie, die auch durch einen »Feind«, eine »Besetzung« nicht zu zerstören ist? Weil sie in meiner inneren Einstellung und meinem Verhalten den Mitmenschen gegenüber bestehen würde? Aber weshalb werden nun ausgerechnet jene, die es ernst meinen mit dieser echten Demokratie und die versuchen, demokratische Prinzipien auf andere Lebensbereiche wie Schule, Wirtschaft, Kirche zu übertragen, als Feinde unserer Demokratie bezeichnet? Geht es also gar nicht um Demokratie, sondern um die autoritären Machtstrukturen, die sich so leicht unter dem Mäntelchen Demokratie verbergen lassen? Sind es nicht eben diese Strukturen, die uns für einen totalitären Feind anfällig machen? Er muß ja lediglich die »führenden Persönlichkeiten« auswechseln.

Wäre dann nicht die wichtigste Verteidigungsmaßnahme die Veränderung der heutigen Strukturen, die Verwirklichung echter Demokratie? Dies ist aber nicht möglich, solange das Prinzip Militär unsere Gesellschaft beherrscht.

Sie sagen: Unseren Wohlstand.

Das Leben hergeben für zwei statt einem Kotelett pro Woche; für einen Wagen' der 250 statt nur 120 Sachen fährt; für den Urlaub an der Costa Brava, statt in den Bayerischen Alpen; für frisches Gemüse aus der Sahel-Zone im Winter, statt der eigenen Kartoffeln; für das geheizte Chlor-Schwimmbad im Keller, statt des sauberen Freibades im Sommer?

Das Leben hergeben für einen Wohlstand, der die Natur ausbeutet, die Dritte Welt ausbeutet, die kommenden Generationen ausbeutet?

Und welches ist das größere Versagen, das größere Verbrechen einer Gesellschaft: Von Zeit zu Zeit nicht all jene Waren zu haben, die wir angeblich in sinnloser Überfülle haben müssen, oder jedes Jahr Tausende von Tonnen Nahrungsmittel zu vernichten, während Millionen Menschen verhungern?

Sie sagen: Die soziale Marktwirtschaft.

Das Leben hergeben für ein wirtschaftliches Instrument? Um die Marktwirtschaft auszuschalten; braucht es die Russen nicht. Die Unternehmer mit ihren Kartellen, Fusionen, Verflechtungen, Bankabhängigkeiten sorgen selbst dafür.

Sie sagen: Unsere Kultur.
Micky Maus, Frankfurter Skyline, Hamburger, Autobahnen, Konservendosen, Konservenmusik, zwanzig Fernsehprogramme, Bild-Zeitung, Ketch-up, Musicals, Cowboy-Filme, Peep-Shows, Blue-Jeans, Miss World, Mr. Universum. Mein Leben wert?

Sie sagen: Das Staatsgebiet.
Die Konsequenz ist die Neutronenbombe. Alles intakt; das Volk versaftet.

Sie sagen: Das Volk, uns selbst.
Wieviel Prozent: 90%, 50%, 25% Überlebende? Oder reichen die 5%, die uns in Aussicht gestellt werden?

Wäre es für uns - wenn Demokratie, Freiheit, Kultur usw. uns ausmachen - nicht viel wichtiger, an deren Verwirklichung zu arbeiten und diese Begriffe mit echtem Inhalt, mit Leben zu erfüllen, statt, wie das Kaninchen, gebannt auf die imaginäre Schlange zu starren, die all diese unsere angeblichen Errungenschaften verschlingen will?

Ist es nicht ein alter Trick der Mächtigen, einen äußeren Feind aufzubauen, um die eigenen Konflikte unterdrücken und die eigene Unfähigkeit verbergen zu können?

Sollten die Fragen nicht ganz anders lauten:
Was ist das, was ich erhalten will?
Was macht mich aus?
Was würde machen, daß ich ich sein kann, wir wir sein können?
Was wollen wir mit unserer Gesellschaft?
Was wäre Gemeinschaft, in der ich mich wohl fühle?
Was ist meine, unsere Eigenart, die ich schützen will?

Wodurch ist all dies 'bedroht'?

Ist es vielleicht die Gefahr eines ökologischen Kollapses? Weshalb kämpfen wir dann nicht in erster Linie gegen all jene Manager, Gewerkschaftsführer und Politiker, für die das Bruttosozialprodukt noch immer wichtiger ist als unsere Umwelt?

Ist es vielleicht die Verschärfung des Nord-Süd-Konflikts? Warum kämpfen wir dann nicht in erster Linie gegen jene, die behaupten, wir müßten weiter wachsen - womöglich, um der Dritten Welt helfen zu können -, während dieses Wachstum zu Lasten der Dritten Welt geht?

Ist es vielleicht die Groß-Technologie, die uns immer abhängiger vom Ausland macht? Die immer weniger Leuten immer mehr Macht über immer mehr Menschen verleiht? Die unsere Gesellschaft für Störungen immer noch anfälliger macht? Warum kämpfen wir dann nicht in erster Linie gegen AKWs, Autobahnen, Großindustrien?

Ist es vielleicht der Anspruch der multinationalen Unternehmen, die Nationalstaaten zu überwinden und die menschliche Gesellschaft der Zukunft zu gestalten? Weshalb kämpfen wir dann nicht in erster Linie gegen jene, für die der Profit der alleinige Steuerungsfaktor für unsere Zukunft sein soll?

Ist es vielleicht die Entwicklung unserer Wirtschaft, die mit ihrer Konzentration, ihrer Zentralisation, ihren Großstrukturen, ihren Verflechtungen, ihren Abhängigkeiten Demokratie unmöglich macht? Weshalb kämpfen wir nicht in erster Linie gegen jene, die uns - nach ihren eigenen Aussagen - immer mehr von sogenannten Sach-- und Systemzwängen abhängig machen?

Ist es vielleicht die Vermassung durch Standardisierung, Normierung, Massenproduktion, Massenkommunikation? Weshalb kämpfen wir dann nicht in erster Linie gegen jene, die behaupten, Sozialismus sei die Unterdrückung des Individuums, während sie selber einerseits den genormten Menschen verlangen, andererseits durch das Konkurrenz-Prinzip Egoisten, Egozentriker, Narzißten züchten?

Oder ist all das, was unsere Eigenart ausmacht, das wir schützen wollen, einzig und allein, oder doch vordringlich, durch die russischen Atomraketen und Panzerarmeen bedroht?

Wer setzt denn diese kuriosen Prioritäten?

Was wäre ein Problemen gelöst, wenn die Sowjetunion kapitalistisch würde?

Was will eigentlich die Friedensbewegung?

Selbstverständlich geht es in erster Linie einmal um den Kampf gegen die Mittelstrecken-Raketen. Dieser Kampf allein ist schon ein wichtiger Teil der Bewegung. Wenn er erfolgreich sein sollte: Ist Abbau von Angst nicht allein schon wichtig? Ist die Verhinderung einer weiteren Eskalation nicht bereits etwas Entscheidendes? Ist die Geste des Verzichts nicht ein wichtiger Schritt?

Und doch die Vorbehalte:
Wenn der Erfolg der Friedensbewegung einzig und allein in diesem Schritt bestehen würde, könnte sie sogar das Gegenteil dessen bewirken, was sie anstrebt. Entspannungsgefühle müssen noch keine Entspannung sein. Eine Entspannung, die darin besteht, daß wir nur - wie bisher - x-mal umgebracht werden können, statt - wie geplant - y- mal, ist kein Schritt in die Zukunft. Eine solche Entspannung kann uns einlullen, indem sie uns einen Frieden im Sinne der Militärs und Politiker vorgaukelt: Es besteht keine unmittelbare Kriegsgefahr. Sind wir dadurch einem echten Frieden näher gekommen? Einem Frieden, der nicht in der Kriegsabwehr besteht?

Ist der nächste Schritt schon wesentlich mehr: Der Verzicht auf Atomwaffen in Europa? Oder gar der Aufbau einer rein defensiven Territorial-Truppe in der Bundesrepublik, z. B. ohne Panzer?

Ist nicht erst der Verzicht auf Militär ganz allgemein das Entscheidende? Wäre nicht erst der Verzicht auf Militär die einzige realistische Lösung, während alle anderen, d.h. die militärischen Lösungen reine Spekulation bleiben? Hat sich nicht - wenn wir endlich aus der Geschichte lernen wollten - militärische Spekulation noch immer als falsch erwiesen? Führt diese Spekulation nicht immer entweder zur Niederlage oder zu noch mehr Kriegen oder zur Übernahme der Mentalität des Besiegten durch den Sieger und damit schließlich zum Sieg des Besiegten? Also Entmilitarisierung, Blockfreiheit, Neutralität als das Entscheidende der Friedensbewegung? Haben wir dann Frieden?

Können wir friedlich sein in einer Gesellschaft, die auf dem Konkurrenz-Prinzip beruht?
Konkurrenz heißt Kampf. Konkurrenz hat zwar immer einen Gewinner, den man groß vorzeigt. Sie hat aber immer auch einen Verlierer, einen Besiegten, einen Versager;
die Karriere schon dem jungen Menschen als Lebensziel vorgibt?
Karriere heißt ebenfalls Kampf. Kampf gegen den Mitmenschen. Ich muß ihn übertrumpfen, unterdrücken wollen;
die Hierarchie als selbstverständliches Ordnungsprinzip befürwortet?
Hierarchie heißt, daß es Mächtige gibt und Ohnmächtige, daß es Leute gibt, die befehlen dürfen, und solche, die gehorchen müssen.

Friedensbewegung muß viel mehr sein und ist viel, viel mehr als Bekämpfen der Mittelstrecken- Raketen, Blockfreiheit und Neutralität, als Entmilitarisierung. Die Friedensbewegung kann zur entscheidenden Bewegung dieses Jahrhunderts werden. Sie kann Anfang einer Revolution - einer Umwälzung - sein, die an die Französische Revolution anschließt. In der Friedensbewegung haben sich all jene Kreise zusammengefunden, die mit dem Bekenntnis unserer Gesellschaft zu Demokratie, Christentum, Humanität, Gerechtigkeit endlich ernst machen wollen. Es sind unzählige Kreise, Vereinigungen, Gruppen, Grüppchen, die sich in Bonn versammelt hatten. Sie lassen sich inhaltlich nicht erfassen. Vor allem lassen sie sich nicht organisieren, nicht strukturieren. Es wäre ein Widerspruch in sich, denn das Neue besteht u. a. in der Nicht- Organisation, der Nicht-Strukturierung. Das Wesentliche ist, daß all diesen Gruppen, die wir insgesamt als Alternativ-Bewegung bezeichnen können, eine gemeinsame Grundhaltung zu eigen ist:

Rücksichtnahme statt Eigennutz Liebe statt Ablehnung Solidarität statt Konkurrenz Eingeordnetsein statt Überwindung Hoffnung statt Angst Sein statt Haben.

Die Friedensbewegung versucht, all jenes zu verwirklichen, das erst Frieden echt machen würde. Wir probieren Gemeinschaften aus,
die nicht denjenigen prämieren, der den anderen unterdrückt, sondern wo jeder den anderen als Partner akzeptiert;
in denen nicht derjenige Gewinner ist, der den anderen fertigmacht, sondern wo jeder mit jedem für jeden leben will;
die nicht von Starken beherrscht werden, sondern in denen Menschen leben, die sich nach dem Schwachen richten;
die nicht rational sein wollen, sondern in denen man Gefühle haben und zeigen darf.Friedensbewegung ist
der Aufstand der Bürger gegen die Experten;
der Aufstand von Menschen mit Zukunft gegen die alten kranken Männer, die uns regieren; der Aufstand der Optimisten gegen die Pessimisten;
der Aufstand der autonomen Menschen gegen die Autoritäten;
der Aufstand der realistischen Träumer gegen die defaitistischen Spekulanten.
»Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin.«

Friedensbewegung
macht bewußt; löst Betroffenheit aus; macht fähig, sich zu verweigern; macht fähig, an eine Zukunft zu glauben.Frieden ist
nicht passiv sein;
nicht nachgeben;
nicht Ruhe;
nicht Anpassung.
Frieden ist Konfrontation:
Wie soll ich sonst den anderen erkennen können? Frieden ist Konflikte suchen:
Frieden ist Konflikte suchen:
Wie soll ich sonst wissen, wo die Probleme liegen?
Frieden ist Polarisation. Oder gibt es nur den einen Pol, den Pol der Mächtigen?
Frieden ist Auseinandersetzung. Oder will ich den anderen überwältigen?
Frieden ist Einvernehmen. Oder will ich der Minderheit diktieren?

Anpasser, Angepaßte, aufgepaßt:
Ihr wollt überleben?
Mit Rüstung? Mit Atomwaffen? Mit der Neutronenbombe? Mit Militär?
Ihr wollt überleben?
Indem sie euch zu Tode rüsten? Indem sie aus unserem Europa ihr Schlachtfeld
machen?
Überleben werdet ihr nur ohne Waffen.
Überleben wird aber nur, wer Widerstand leisten kann.
Widerstand leisten können nur jene, die schon vorher Widerstand geleistet
haben.
Widerstandsfähig war nie die schweigende Mehrheit.
Widerstandsfähig sind nur die Rebellen.
Die schweigende Mehrheit - die Angepaßten - passen sich unverzüglich auch
einem neuen Herrscher an.
Rebellen bleiben Rebellen.
Wollt ihr überleben?
Dann rebelliert!
Hier und jetzt!

(1982).

Dank an Hans A. Pestalozzi für die Erlaubnis der Veröffentlichung. (2001).

Hans A. Pestalozzi: * 1929 in Zürich; † 14. Juli 2004 in Steintal bei Wattwil, Toggenburg, Schweiz.

 Außenseiter werden alles mögliche genannt: AußenseiterInnen, Ronin, Freischaffende, Unabhängige, Eigenständige, Nonkonformisten, SpinnerInnen, UnruhestifterInnen, Verrückte, Visionäre, IkonoklastInnen, EinzelgängerInnen, AngeberInnen, Aufständische, Träumende...sie werden als alles mögliche  bezeichnet: schlau, kreativ, unternehmenslustig, phantasievoll, aktiv, produktiv, genial, erfindungsreich, originell, talentiert, exzentrisch.

"Die Eigenschaften des Stadtguerillero sind Initative, Einfallsreichtum, Flexibilität, Vielseitigkeit, und Geistesgegenwart." Timothy Leary

 

Verantwortung. - Niemand will Verantwortung. Die wollen, das ihnen gesagt wird, was sie machen sollen, was sie glauben sollen, was wirklich wahr ist und was wirklich falsch ist. (Charles Manson)

Klar es sind die richtigen Leute eingesperrt, aber die Motive, die hinter unseren Verurteilungen standen - speziell der meinen - waren absurd. Die Medien, Regisseure und Buchautoren haben aus einer Maus einen Elefanten gemacht. Der Mythos Charles Manson hat mehr Leuten den Kopf verdreht, als jemals mit mir Kontakt hätten haben können. Zum Teufel, in dem Buch, das diesen District Attorney reich gemacht hat, war ich imstande, seine Armbanduhr zum Stehen zu bringen! In einem Film konnte ich die Zeiger einer Uhr mit einem bloßen Blick bewegen. Die einzige Weise, auf die ich je eine Uhr zum Stehen gebracht habe, war, darauf zu treten! Seit diesem Film hab ich jede Uhr angestarrt, die mir untergekommen ist. Und weißt du was? Wie sehr ich mich auch angestrengt habe, keine Uhr blieb jemals stehen und Zeiger bewegten sich auch keine. Aber all dieser Scheiß macht Leute glauben, ich hätte irgendwelche magischen Kräfte! (Charles Manson)

 

Niemand mit wirklichem Selbstrespekt würde Sachen auf die Straße schmeißen, stehlen, lügen oder irgend jemanden bescheißen. Du würdest niemanden so behandeln, wie du dich nicht selbst behandeln würdest. Wenn ich mich selbst respektiere, brauche ich meinen Schmerz oder meine Schwäche nicht an anderen auszulassen. - Je mehr du über dich selbst weißt, desto weniger Schaden wirst du anderen zufügen. (Henry Rollins)

 


http://media.de.indymedia.org/images/2007/06/182037.jpgBild - Indymedia


"MENSCHEN SIND FÄHIG SICH SELBST ZU VERWALTEN, WENN MAN SIE LÄSST".

 

 Der neue Mensch

Die Funktion der neuen Gesellschaft ist es, die Entstehung eines neuen Menschen zu fördern dessen Charakterstruktur folgende Züge aufweist:

die Bereitschaft, alle Formen des Habens aufzugeben, um ganz zu sein

Sicherheit, Identitätserleben und Selbstvertrauen, basierend auf dem Glauben an das, was man ist, und auf dem Bedürfnis nach Bezogenheit, auf Interesse, Liebe und Solidarität mit der Umwelt, statt des Verlangens, zu haben, zu besitzen und die Welt zu beherrschen und so zum Sklaven des eigenen Besitzes zu werden

Annahme der Tatsache, daß niemand und nichts außer uns selbst dem Leben Sinn gibt, wobei diese radikale Unabhängigkeit und Nichtheit (no-thingness) die
Voraussetzung für ein volles Engagiertsein sein kann, das dem Geben und Teilen gewidmet ist

die Fähigkeit, wo immer man ist, ganz gegenwärtig zu sein Freude aus dem Geben und Teilen, nicht aus dem Horten und der Ausbeutung anderer zu schöpfen

Liebe und Ehrfurcht vor dem Leben in allen seinen Manifestationen zu empfinden und sich bewußt zu sein, daß weder Dinge noch Macht, noch alles Tote heilig sind, sondern das Leben und alles, was dessen Wachstum fördert

bestrebt zu sein, Gier, Haß und Illusionen, so weit wie es einem möglich ist, zu reduzieren

imstande zu sein, ein Leben ohne Verehrung von Idolen und ohne Illusionen zu führen, weil eine Entwicklungsstufe erreicht ist, auf der der Mensch keiner Illusionen mehr bedarf

bestrebt zu sein, die eigene Liebesfähigkeit sowie die Fähigkeit zu kritischem und unsentimentalem Denken zu entwickeln

imstande zu sein, den eigenen Narzißmus zu überwinden und die tragische Begrenztheit der menschlichen Existenz zu akzeptieren

sich bewußt zu sein, daß die volle Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und der des Mitmenschen das höchste Ziel des menschlichen Lebens ist

Wissen, daß zur Erreichung dieses Zieles Disziplin und Anerkennung der Realität nötig sind

Wissen, daß Wachstum nur dann gesund ist, wenn es sich innerhalb einer Struktur vollzieht, und den Unterschied zwischen »Struktur« als Attribut des Lebens und »Ordnung« als Attribut der Leblosigkeit, des Toten, zu kennen

Entwicklung des eigenen Vorstellungsvermögens, nicht nur zur Flucht aus unerträglichen Bedingungen, sondern als Vorwegnahme realer Möglichkeiten

andere nicht zu täuschen, sich aber auch von anderen nicht täuschen zu lassen; man kann unschuldig, aber man soll nicht naiv sein

sich selbst zu kennen, nicht nur sein bewußtes, sondern auch sein unbewußtes Selbst - von dem jeder Mensch ein schlummerndes Wissen in sich trägt

sich eins zu fühlen mit allem Lebendigen und daher das Ziel aufzugeben, die Natur zu erobern, zu unterwerfen, sie auszubeuten, zu vergewaltigen und zu zerstören, und statt dessen zu versuchen, sie zu verstehen und mit ihr zu kooperieren

unter Freiheit nicht Willkür zu verstehen, sondern die Chance, man selbst zu sein - nicht als ein Bündel zügelloser Begierden, sondern als fein ausbalancierte Struktur, die in jedem Augenblick mit der Alternative Wachstum oder Verfall, Leben oder Tod
konfrontiert ist

Wissen, daß das Böse und die Destruktivität notwendige Folgen verhinderten Wachstums sind

Wissen, daß nur wenige Menschen Vollkommenheit in allen diesen Eigenschaften erreicht haben, aber nicht den Ehrgeiz zu haben, das Ziel zu erreichend, eingedenk, daß ein solcher Ehrgeiz nur eine andere Form von Gier und Haben ist

was auch immer der entfernteste Punkt sein mag, den uns das Schicksal zu erreichen gestattet - glücklich zu sein in diesem Prozeß stetig wachsender Lebendigkeit, denn so bewußt und intensiv zu leben, wie man kann, ist so befriedigend, daß die Sorge darüber, was man erreichen oder nicht erreichen könnte, gar nicht erst aufkommt.

Erich Fromm: Haben oder Sein (1976)

 

 

“Ich gehöre zu einem 6 Milliarden – jetzt bald 7 Milliarden zählenden Wesenskollektiv, genannt Menschheit und bin Gehirn gewaschen worden!” Ooopsss - ach je, da war doch noch was gewesen, was war das noch gleich? Oh, jau, die Meinung von ca. 7 Milliarden anderen Menschen. Aber das sprichst du ihnen ja sowieso ab, denken können wir auch nicht - wie "gut", das wir dich haben, was?


Jeder einzelne von uns ist aufgerufen dazu, zum Revolutionär im ureigensten Interesse zu werden. Und dem seiner Kinder, sie sind die allerletzte Hürde, uns haben sie schon im Sack. Die Mikrochippung der Kinder wird der Schlussakt sein, dieses teuflischen Planes zur Eroberung des Planeten. WIR sind die EINZIGE Hilfe, die Kinder noch bekommen können. Viele Eltern kommen ihrer Pflicht einfach nicht mehr nach, ich selbst kann jeden Tag beobachten, wie sie zusehends sich selbst überlassen bleiben. Denn ihre Eltern sind sooo “im Stress” .. .

http://www.ineedmotivation.com/blog/wp-content/uploads/2008/11/stress.gif

Das Optimum kann mit mir beginnen ..Wir sind “Agenten der Veränderung”, wenn ihr mich fragt, Träger der Frequenz und damit Stabilisatoren um ein ganz bestimmtes Niveau des Bewusstseins zu ermöglichen. Für einige von uns, braucht es wirklich nicht mehr, als einfach DA zu sein. Nicht jeder will kämpfen oder Revolutionen lostreten, die besten Revolutionen sind sowieso jene, die gar nicht als solche erkannt werden und plötzlich, kaum hat man sich “umgedreht”, schon ist ein ganzes Paradigma gefallen! Darauf trinke ich – mögen die alten Paradigmen fallen!

Es ist sinnlos, die Massen zum umdenken zu bewegen, aus den ganz einfachen und teilweise heute angestellten Überlegungen heraus, weil die Masse ein Riesenschaf ist, das schon Hitler verstanden hat, für seine Zwecke abzurichten. Deswegen müssen es die einzelnen Individuen sein, die den Karren aus dem Dreck holen müssen! Ja, das denke ich, indem wir uns einfach auf uns selbst konzentrieren, uns selbst verbessern und uns selbst ein Freund sind, was im Moment noch viel zu wenig Anwendung findet, so glaube ich, das wir auf das große Ganze einen positiven Einfluss ausüben ..  thats it!


 

Wird es soweit kommen, dass Blogger inhaftiert werden? Mir werden immer wieder derlei Unkenrufe “mitgegeben”, ich werd euch was sagen: “Wenn schon, ist mir Sch … egal, dies ist meine Form des Protestes und des gewaltfreien Widerstandes, liebt mich oder lasst es .. ist mir gleich! Und das werde ich auch jedem Staatspolizisten – in Österreich, noch immer mit dem liebevollen Wort STAPO belegt – sagen, sollten sie vor der Haustür stehen. Es ist wichtig, das Menschen das tun. Stellt euch vor, wenn keiner was sagen würde oder anderer Meinung, als die vorgegebene hätte … schrecklich, das finde ich furchtbar, Leute. Ganz ernsthaft: Dafür in den Knast zu gehen, stelle ich mir sicher nicht “prickelnd” vor, aber es gibt wenig in diesem Leben, dass einen Sinn ergibt – dass ist eins dieser Dinge, die für mich ganz ohne Zweifel Sinn ergibt! Man muss bereit dazu sein, auch etwas aufs Spiel zu setzen, wenn es um etwas wertvolles geht. Die Freiheit und die geäußerte Meinungsfreiheit, die WAHRHEIT wenigstens sagen zu dürfen, dürfte eins vom wertvollsten sein, das wir als Menschen und als Nation “besitzen” und wir sollten dafür auch eintreten! Sonst ist alles nur laue Luft und ohne Substanz, wenn es niemanden gibt, der bereit ist etwas von sich zu geben ..


„Das Schlachtfeld der Zukunft wird das menschliche Gehirn sein“. Zu dieser Schlussfolgerung kam die Defense Intelligence Agency, das militärische Pendant zur CIA, auf der Basis einer Studie, mit der sie führende Wissenschaftler beauftragt hatte. Zu den wichtigsten Zukunftsvisionen der Militärs gehören heute weniger Bomben oder Raketen, sondern vielmehr neuartige Bewusstseins verändernde Drogen, Scanner, die den mentalen Zustand eines Menschen analysieren können, Sinnesverstärker für besseres Hören und Sehen usw. Auf dem Schlachtfeld wird möglicherweise gar nicht mehr geschossen werden, sondern man wird „pharma­ko­logische Landminen“ ausstreuen, mit denen der Gegner nur verteidigungsunfähig gemacht wird. Militär- und Geheimdienstforscher lenken jetzt also das Schwergewicht ihrer Bemühungen auf die Gehirn- und Bewusstseins Forschung, wobei außer­sinnliche Wahrnehmungsformen wie die Telepathie eine herausragende Rolle spielen. (Steven Black)

 

Was stellt sich tatsächlich der Einführung der Freiheit, Gleichheit & Brüderlichkeit unter uns entgegen? Der Ehrgeiz, d.h. das Verlangen, das Volk zu beherrschen, zu regieren. - Wo steckt der Ehrgeiz? - In den Parteien, d.h. in denen, welche das Volk zu beherrschen & zu regieren wünschen. - Worin schöpft eine Partei den Grund ihrer Existenz? - In der Sicherheit, wenn sie siegreich ist, zu ihrem Nutzen, die nationalen Freiheiten und Steuern mit Beschlag belegen zu können, d.h. in der Möglichkeit, sich der Autorität über alles zu bemächtigen & sich so dem Volk & den rivalisierenden Parteien aufzuzwingen.

http://www.wahlwette.net/files/plenarsaal.jpg www.ausgestrahlt.de

Wie kann sich eine Partei aufzwingen? - Indem sich sich der Verwaltung (administration) bemächtigt. Was ist die Administration? - Sie ist etwas gewisses Abstraktes, Unbestimmtes, Unlogisches, Widerspruchsvolles, Dunkles, Unbegreifliches, Willkürliches, Absurdes, Ungeheuerliches. Etwas das nicht von Herzen kommt, da es trocken & gefühllos ist, noch von der Wissenschaft, da sich niemand darin auskennt. Ein Werkzeug ohne Form, Ausdruck & Proportionen. Ein unheilvoller & feiger Mythus, dessen Kultus eine Million ebenso unverschämter wie fanatischer Geistlicher beschäftigt. Etwas Blindes, das alles sieht, etwas Taubes, das alles hört, impotent & allvermögend, unwägbar & alles erdrückend, unsichtbar & alles erfüllend, ungreifbar & alles berührend, unfaßbar & alles packend, unverletzlich & alles verletzend. Ein leuchtender Nebelschwaden, der Donner, Blitz & Erstickung enthält...Das ist die Regierung! Anselme Bellegarrigue

Kritik am Staat!

In der Tat gibt es keine einzige Dienstleistung des modernen Staates, die spezifisch staatlich wäre. In Wirklichkeit hat sich der Staat im Laufe der Jahrhunderte eine ganze Latte positiver gesellschaftlicher Errungenschaften schlicht unter den Nagel gerissen. Nicht eine davon ist wirklich mit dem Prinzip der Staatlichkeit verknüpft - wie man gerade heute heute überall beobachten kann, wo die meisten Regierungen versuchen, gerade diese positiven Aufgaben wieder loszuwerden - weil sie ihnen zu teuer geworden sind. Angefangen von der Post über die Eisenbahn, Krankenhäuser, Straßen- und Städtebau, Universitäten und Schulen bis hin zur Rentenversorgung, Altersversicherung und Arbeitslosenunterstützung gibt der Staat die Verantwortung für Bereiche zurück, die er sich irgendwann dort angeeignet hat, wo sie entstanden sind in der Gesellschaft. Denn alle diese Einrichtungen haben sich dereinst unabhängig von Königen, Kaisern oder Regierungen entwickelt - aus der gesellschaftlichen Kreativität der Menschen. Aber Gesellschaft ist nicht gleich Staat. Die Ursprünge dieser sozialen Errungenschaften liegen in Dorf- und Stadtgemeinden, Klöstern, Handwerkergilden, Privatfirmen, Einzelinitiativen oder der kollektiven Selbsthilfe Betroffener. Und wie das Wort "Errungenschaft" ahnen lässt, mussten sie der Obrigkeit nicht selten regelrecht abgetrotzt werden. Erst nach langer Zeit, oft unter dem Druck von Sozialreformern und gegen den Widerstand von Regierungen, haben sich Staaten solche Einrichtungen angeeignet. Ob unsere modernen "Sozialstaaten" mit ihrem bürokratischen Apparat diese Aufgaben optimal, human, gerecht und effektiv erfüllen, ist eine Frage, die selbst Politiker zunehmend bezweifeln. Die Tatsache, dass immer mehr dieser Bereiche in die Privatwirtschaft zurückgegeben werden - was natürlich kaum eine bessere Alternative ist -, lässt eher auf das Gegenteil schließen.

Soziale Aufgaben machen den Staat nicht aus. Was den Staat tatsächlich ausmacht - und was er auch nie privatisieren würde -, sind seine spezifischen Institutionen wie Regierung, Parlament, Gesetzgebung, Bürokratie, Staatsbeamtentum, Steuerhoheit, Geld- und Erziehungsmonopol, Justiz, Polizei, Armee, Zoll, Geheimdienste - und nicht zuletzt das Recht, jeden zu bestrafen (und notfalls zu töten), der gegen eines dieser Dinge aufbegehrt. Dies sind die eigentlichen Manifestationen von Herrschaft - sie sind genuin staatlich. Alles andere ist ursupiert. Der moderne "demokratische" Staat ist gerade mal hundert Jahre alt, aber schon tut er so, als läge ausgerechnet im Sozialen sein Wesen. HORST STOWASSER

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 Was zum Teufel will mich da regieren? Die da? Sogar mein Zahnarzt ist besser, als deren Ihrer!

 

"Regiert sein, d.h. unter polizeilicher Überwachung stehen, inspiziert, spioniert, dirigiert, mit Gesetzen überschüttet, reglementiert, eingepfercht, belehrt, bepredigt, kontrolliert, eingeschätzt, abgeschätzt, zensiert, kommandiert zu werden durch Leute, die weder das Recht noch das Wissen noch die Kraft dazu haben... Regiert sein heißt, bei jeder Handlung, bei jedem Geschäft, bei jeder Bewegung notiert, registriert, erfaßt, taxiert, gestempelt, vermessen, bewertet, versteuert, patentiert, lizensiert, autorisiert, befürwortet, ermahnt, behindert, reformiert, ausgerichtet, bestraft zu werden.

D.h. unter dem Vorwand der öffentlichen Nützlichkeit & im Namen des Allgemeininteresses ausgenutzt, verwaltet zu werden; schließlich beim geringsten Widerstand, beim ersten Wort der Klage unterdrückt, bestraft, heruntergemacht, beleidigt, verfolgt, mißhandelt, zu Bodengeschlagen, entwaffnet, geknebelt, eingesperrt,füsiliert, beschossen, verurteilt, verdammt, deportiert, geopfert, verkauft, verraten & obendrein verhöhnt, gehänselt, beschimpft und entehrt zu werden: Das ist die Regierung, da ist die Gerechtigkeit, das ist ihre Moral..." Pierre Joseph Proudhon

 

Angst?

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 ...er wußte nun plötzlich was Angst ist, und dass sie nur von dem überwunden werden kann, der sie erkannt hat. Man hatte vor tausend Dingen Angst, vor Schmerzen, vor Richtern, vor dem eigenen Herzen, man hatte Angst vor dem Schlaf, Angst vor dem Erwachen, vor dem Allleinsein, vor der Kälte, vor dem Wahnsinn, vor dem Tode - namentlich vor ihm, dem Tode. Aber all das waren nur Masken und Verkleidungen. In Wirklichkeit gab es nur eines, vor dem man Angst hatte: das Sich-fallen-Lassen, den Schritt in das Ungewisse hinaus, den kleinen Schritt hinweg über all die Versicherungen, die es gab. Und wer sich einmal, ein einziges Mal hingegeben hatte, nur einmal das große Vertrauen geübt, und sich dem Schicksal anvertraut hatte, der war befreit. Er gehorchte nicht mehr den Erdgesetzen, er war in den Weltraum gefallen und schwang im Reigen der Gestirne mit. So war das. Es war so einfach, jedes Kind konnte das verstehen, konnte das wissen. (Hermann Hesse)

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Wer bin ich, wenn ich bin, was ich habe, und dann verliere, was ich habe? Nichts als ein besiegter, gebrochener, erbarmenswerter Mensch, Zeugnis einer falschen Lebensweise. Weil ich verlieren kann, was ich habe, mache ich mir natürlich ständig Sorgen, dass ich verlieren werde, was ich habe. Ich fürchte mich vor Dieben, vor wirtschaftlichen Veränderungen, vor Revolutionen, vor Krankheit, vor dem Tod, und ich habe Angst zu lieben, Angst vor der Freiheit, vor dem Wachsen, vor der Veränderung, vor dem Unbekannten. So lebe ich in ständiger Sorge und leide an chronischer Hypochondrie, nicht nur in Bezug auf Krankheiten, sondern hinsichtlich jeglichem Verlust, der mich treffen könnte; ich werde defensiv, hart, misstrauisch, einsam, von dem Bedürfnis getrieben, mehr zu haben.  (Erich Fromm)

   
 
 

 

Wir alle leben inmitten eines Meeres aus Konfusion und Irrationalität!

Wieso sind die Menschen auf dieser Welt alle so verwirrt? Wissen weder woher sie kommen, noch warum sie auf der Welt sind? Habt ihr euch das schon einmal gefragt? Ich bin sicher, einige von euch tun das! Manche werden sich das sogar öfters fragen, dann gibts da noch so welche, die pausenlos an nichts anderes mehr denken können – und ja, schließlich haben wir dann noch jene unter uns, die an “sowas keine Zeit verschwenden”. Die völlig zufrieden sind damit, am morgen aufzustehen, zu frühstücken und einen “gepflegten Schiss” hinzulegen, in ihre monotone Arbeitsstelle fahren, das dafür erhaltene minimale Gehalt für ein Fahrzeug anzuzahlen, dass, wenn sie mit abzahlen fertig sind, nur mehr den Schrottwert besitzt, während sie den kümmerlichen Rest ihres “Lohns” in Versicherungen investieren, die einen gegen die “Übel der Welt” “schützen” sollen. Und das tun sie Tag für Tag, für Monat für Jahre, manche schaffen das sogar ganze Jahrzehnte lang, wo sie dann den “Lohn für ihre Mühen” bekommen – die Rente. (Steven Black)


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Die Dummheit...

Wie dumm ist die Dummheit?

Betrachtet man jedoch diese grenzenlose Monotonie etwas genauer,

so leuchtet plötzlich die Vielfalt auf,

die keine Mitte,

kein Oben,

kein Jenseits hat.

Ein knisterndes Licht läuft umher und beleuchtet reihum diese losen Etikette,

diese starren Momentaufnahmen,

die sich nun wortlos und für immer Zeichen zuwerfen:

mit einem Male wird die alte,

dunkle träge Gleichgültigkeit von den Zebrastreifen des Ereignisses

zerrissen

und das ewige Phantasma spricht aus dieser Dose,

aus diesem einzelnen körperlosen Gesicht.

Die Intelligenz antwortet der Dummheit nicht: Michel Foucault

 


 

Von der Volksherrschaft des Kapitals
zur demokratischen Erwirtschaftung des gesellschaftlichen Reichtums

 Die Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass das Geld auf dem Finanzmarkt immer wieder die Wirtschaft in eine Fiktion des Wertwachstums treibt, weil sie Geld zu verwerten sucht, das nur beschränkt anwendbar ist. Das Geld saugt dort, wo es nicht verwertbar ist, wo es also kein wirkliches Mehrprodukt schafft, alle Werte auf, die es auch durch nichts Wirkliches ersetzen kann. Das Geld, das die Banken auf den Markt werfen und um das die Aktienmärkte kämpfen, zergeht immer wieder in immer größere Blasen, welche zunächst die Krisen des Finanzmarkts und dann auch die reale Wirtschaft, Betriebe und Arbeitsplätze niedermachen. Und das Zerstörte verbleibt als ungeheuere Schuldenlast des Staates, welche seine Bürger zu tragen haben, die gerade noch die Werte für das Geld erzeugen mussten, bevor es sich in erneuerte Schuld auflöste. Das Kapital betreibt diesen Unsinn schon sein über 200 Jahren und verschärft ihn zu immer größeren Verwertungslöchern. Da hinein gestopft werden muss dann wieder realer Wert, also menschliche Arbeit, die nichts anderes zu bringen hat, als die Löcher des Finanzmarktes wieder zu flicken.

Auf der anderen Seite hat sich gezeigt, dass die Politik nicht mehr in der Lage ist, diesen Entwertungskreislauf wirklich aufzufangen. Die Mittel, die hierfür früher noch tauglich waren, vor allem die Eroberung von wirtschaftlichem Einfluss auf andere Märkte und Länder durch Kriege und anschließender Marktentwicklung auf verbrannter Erde, sind immer weniger tauglich, die Marktentwicklung für das Kapital sicher zu stellen. Die Politik ist nun auch für alle sichtbar in einem Dilemma. Nur schwer kann sie die Hintergründe verbergen, auch wenn sie sich nur angebliche Fehlleistungen der Banken oder Manager in den Vordergrund stellt. Nein, sie haben nicht falsch funktioniert. Die Banken mussten Kredite verschleudern, um ihr ungedecktes Geld loszuwerden. Und die Manager mussten in Geld schwimmen, um der Wirklichkeit ihrer Taten entzogen zu bleiben. Betrug, Korruption, Insolvenzverschleppung, Lohndumping, Betriebsschließungen usw. waren zur Selbstrettung nötig um privat zu sichern, was gesellschaftlich sowieso schon wertlos war. Ja, es war pure Notwehr der Klasse der Geldbesitzer gegen die Entwertungstendenz ihrer Wirtschaft.

Und so ähnlich funktioniert auch die Selbstrettung des bürgerlichen Staates, die Notwehr der Politik gegen ihre eigene Überflüssigkeit. Aber sie ist noch weit grotesker, als die der Wirtschaft. Das Strecken der derzeitigen Krise auf 20 Jahre Staatsverschuldung ist schon von der Rückzahlung her eine Illusion, wäre die ganze Wirtschaftsleistung 20 Jahre dazu gezwungen, einen Berg von 1,6 Billionen Euro abzutragen. Bislang in relativ guten Zeiten war man schon glücklich, wenn alleine die Neuverschuldung sich reduzieren ließ. Aber Geld funktioniert auf dem Finanzmarkt eben anders: Es wird durch Banken geschöpft und durch Banken vertan und durch National- und Länderbanken vergeben und kreditiert. Es handelt sich bei dem Geld, das in der sachbezogenen Wirtschaft zirkuliert, bei dem Geld also, das noch wirklich als Zahlungsmittel auftritt, gerade noch um ca. 3-5 % der vorhandenen Werte. Die anderen Werte bestehen nur noch aus Verpflichtungen durch Schuldverhältnisse, sei es in Form von Wertpapieren, Devisen, Staatsschulden oder Kredite. Aber das ist alles nicht so schlimm, wenn man weiß, dass es letztlich ja des Bürgers Pflicht ist, das Allgemeine zu erhalten und also sich auch der übergroßen Schuld pflichtschuldigst zu beugen. Die einfache Vorstellung eines besseren Lebens hat auch schon mal ganze Volkswirtschaften vom Übel der Gegenwart erlöst und mit dem Heil einer großen Zukunft, mit der Fiktion von Größe und Weltmacht versorgt. So lässt sich auch im Abgrund leben. Es genügt vielleicht schon, wenn die Westerwelle noch weiter in den Osten schwappen kann. Arbeitsloigkeit und Niedergang ist man dort ja längst gewohnt.

Die Verschuldungsspiralen der Nationalwirtschaft  können auf Dauer weder durch Ökonomie noch durch Politik aufgehalten werden. Alleine die Zinsen für die Staatsverschuldung von derzeit ca. 74 Milliarden Euro pro Jahr fressen alles auf, was erwirtschaftet werden könnte – mal ganz zu schweigen davon, dass die Tilgung nicht von denen getragen wird, die sie verursacht haben, sondern von den Bürgern, die nichts anderes einsetzen können, als ihr Leben und ihre Kraft. Die Politik kann die Probleme nicht mehr lösen, sondern diese nur in immer engerer Logik forttreiben, weil sie nicht mehr auf den Punkt kommen kann, wo sich das System wieder auf Null stellen lässt. Die alten Mechanismen versagen. Die Illussion ist ungemein teuer.

Ein dritter Weltkrieg lohnt sich nicht mehr wirklich, auch wenn permanente Kriege die Deckungskrisen der Wirtschaft und Politik in der Waage halten müssen. Es ist inzwischen schon vielen  ganz normalen Nationalökonomen und Politkern klar, dass die Wirtschaft sich innerhalb des bestehenden Systems nicht mehr erholen kann. Nur die herrschende Politik und das herrschende Kapital wollen das grausame Spiel noch weitertreiben, weil sie eben davon leben. Die anderen müssen mit einer versteinerten Welt zurecht kommen. Hoffnungslosigkeit, Depressionen und Aggressionen machen sich breit, wenn die Beteiligung an der gesellschaftlichen Entwicklung keine Zukunftsperspektive mehr ist.

Den Preis zahlen die Menschen. Die einen durch ihre Arbeit, die anderen mit der Armut, in sie sie geraten, wenn sie aus den Arbeitsverhältnissen herausfallen oder schon draußen sind. Allein schon das Vorhaben der sogenannten Steuerreform wird die Länder und Kommunen schwer belasten. In Niedersachsen spricht man schon vom Kollaps der Landespolitik. Das konkrete Sozialverhältnis in den Städten und Gemeinden wird immer mehr Armut zu bewältigen haben, weil immer mehr Armut und immer weniger Sozialgeld durch die Zerschlagung der Arbeitsstätten oder Arbeitsplätze da sein wird. Und wer die soziale Entwicklung unter solchen Bedingungen kennt, der weiß auch, dass sich hier der gesellschaftliche Niedergang in der Verwahrlosung von großen Teilen der Bevölkerung forttreibt und reaktionäre Erregungen in Gang setzt. Die sozialen Probleme werden auch die politischen zu Platzen bringen.

Die ökonomische Form der bürgerlichen Gesellschaft hat die politische Form ihrer Repräsentanz voll im Griff. Die bürgerliche Gesellschaft, die Gesellschaft, die sich durch versammelte Meinungen in ihren Parlamenten repräsentiert sehen will und sich durch Gütertausch ökonomisch erhält, ist längst am Ende. Der Kapitalismus in der jetzigen Form aber noch lange nicht. Der Verschuldungskapitalismus könnte noch einige Zeit so weiterlaufen, wenn dem Verbrauch von Menschen, Natur und Kultur nicht endlich durch die Menschen selbst ein Ende gesetzt werden kann. - Doch wie kann dies gehen?    (Quelle - www.kulturkritik.net- Wolfram Pfreundschuh)


 

http://www.welt.de/multimedia/archive/00290/Autonome_DW_Politik_290622a.jpg In Folgendem finden Sie das Bild unter: www.welt.de/politik/deutschland/article970939...

Autonomie?

 Autonomie beinhaltet die Fähigkeit, ein Selbst zu haben, das auf dem Zugang zu eigenen Gefühlen und Bedürfnissen gründet. Da bei einer Fehlentwicklung der Autonomie Gefühle und Bedürfnisse Ausdruck der Ideologie des Herrschens und nicht einer inneren Integration sein können, müssen wir erkennen, daß die Bedürfnisse und Gefühle selbst nicht mit Autonomie gleichzusetzen sind. Es ist wichtig, sie im Rahmen ihrer Entwicklung zu differenzieren.

Die MACHTPOLITIKEN, die uns als Realismus vorgehalten werden, bringen die Welt jeden Tag dem Abgrund näher. Es war immer schon so, nur hatten die Mächte nie solche Vernichtungsmittel zur Verfügung. Und wie schon früher, so auch jetzt, versucht man im Namen der Realität, uns den tödlichen Ausgang und die tödliche Gesinnung zu verneinen. Jene, die an der Macht sind, behaupten uns ohne Eigennutz beschützen zu wollen. Aber wie Friedrich Nietzsche es über die Philosophen in "Jenseits von Gut und Böse" sagte, gibt es nichts Unpersönliches.

Wenn Staatsmänner(oder -frauen) in ihrem Sein gespalten sind, müssen sie fortwährend mit einer Lüge leben. Was sie uns offerieren, kann dann nur vom Gefüge des Menschlichen getrennt sein. Wir werden dieses aber erst erkennen können, wenn wir selbst aufhören, nach Göttern zu suchen. Dafür muß man sich von den Ängsten befreien, die einen dazu brachten; das Göttliche außerhalb des eigenen Selbst zu finden. Wenn nicht dann führt Rebllion nur dazu, eine Kirche zu stürzen, um eine andere auferstehen zu lassen. Die Mächte und ihre Ausstrahlungen dauern an. Unter solchen Bedingungen schafft man nur neue Formen der TYRANNEI.

Es ist Mitgefühl und Liebe, die die Wandlung zu einem wahren Selbst möglich machen. Es ist unsere Aufgabe, falsche Lehren zu bekämpfen, indem wir die WAHRHEIT in uns offenbaren....Es ist die große Aufgabe, alle Menschen über den Weg des gegenseitigen Verstehens zu vereinigen. Der Schlüssel ist Barmherzigkeit...

Es gibt keine Methode oder Technik, die zu einem Selbst führen. Die Erwartung solch einer Lösung entspricht schon einem Selbst, das ohne Bewußtsein in der Annahme gefangen ist, daß ein Mensch wie ene Maschine auf Knopfdruck funktioniere. Die Einstellung ist der Schlüssel zur Autonomie. Wenn man sein Mitgefühl und seine Liebe zu anderen wirken läßt, wird man sie finden. Die Mannigfaltigkeit der Wege zu ihr entspricht der Einzigartigkeit des einzelnen. Deswegen muß man seinen Weg alleine finden. Begleitung und Freunde sind dabei nötig, aber die Verantwortung für die Wahl des Weges muß die eigene sein. Auf diesem Weg gibt es kein "you take care of me" (sorge für mich). Man muß es wagen, das eigene Selbst zum Erleben zu bringen, um zu erfahren, daß die Angstgespenster, die im Wege stehen, eigentlich machtlos sind.

Es ist unser Schicksal daß, wenn wir nie die Chance hatten, uns aufzulehnen, wir die Absurdität durchleben müssen, nie ein eigenes Selbst gelebt zu haben. Durch Rebellion allein macht noch keinen Menschen. Sie ist nur ein erster Schritt zu einem langen, schwierigen und nie endenden Weg zur Überwindung der Furcht vor der Freiheit, ein eigenes Selbst und ein menschliches Herz zu haben. (Quelle - Arno Gruen - Der Verrat am Selbst)

 

HAUPTFEIND - Es sei daran erinnert, daß jeder, aber auch jeder Staat einen Hauptfeind Nr. 1 besitzt, nämlich die eigene Bevölkerung. Wenn im eigenen Land die Politik ausbricht & die Leute auf der Straße aktiv werden, können sich daraus schreckliche Folgen ergeben. - Darum ist Ruhe die erste Bürgerpflicht, nicht zu vergessen Gehorsam & Passivität. Noam Chomsky

 


SPIEGEL - "Wir sind das Ende die Fortsetzung und der Anfang, Wir sind der "Spiegel", der eine Linse ist, die ein Spiegel ist, der eine Linse ist. Wir sind die Rebellion. Wir sind die unbeugsame Geschichte, die sich sellbst wiederholt, um sich nicht länger zu wiederholen, der Blick zurück, um nach vorne gehen zu können. Wir sind die große Herausforderung des Neoliberalismus, der wunderbarste Unsinn, der respektloseste Taumel, der menschliche Wahnsinn. Wir sind Menschen, die das tun, was in der Realität getan werden muss: Wir träumen..." Notes from Nowhere

 

 

 

KONZERNE - Früher oder später muß man der Tatsache ins Auge sehen, daß ein Konzern zu den totalitärsten Einrichtungen der menschlichen Geschichte gehört: Er wird zentral verwaltet, das Autoritätsgefälle geht von oben nach unten, die Kontrolle liegt in der Hand von Besitzern und Investoren. Noam Chomsky


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STAAT - Die Wirkungen staatlicher Propaganda sind umso größer, je mehr sie von den gebildeten Schichten unterstützt & keine Kritik daran zugelassen wird. Diese Lektion haben Hitler & viele andere gelernt, bis auf den heutigen Tag.

 

Man muß zuerst begreifen, wie die Welt funktioniert. Sie belohnt nicht Ehrlichkeit & Unabhängigkeit, sondern Gehorsam & Dienstfertigkeit. Noam Chomsky


 

 

 

DAS KARTELL DER KASSIERER - "Wer den Gebührenschneidern der Banken entkam, den Verlockungen der Absahner auf dem grauen Markt widerstand & den Strukis der Versicherer die Tür wies, darf sich gratulieren. Gewonnen hat er damit aber noch lange nicht. Das gierigste Mitglied im Kartell der Kassierer wird ihn auf jeden Fall erwischen: der Staat. Gegen die Räuber in den Parlamenten & in der öffentlichen Verwaltung nehmen sich selbst die Herren der Allianz & der Deutschen Bank wie Zwerge aus." - Blasenartig steigen aus dem Lobbysumpf immer wieder neue Steuerskandale auf, die von der Komplizenschaft zwischen Politikern, Bürokraten & dem großen Kapital künden. Günter Ogger

 

SELBSTBEDIENUNGSLADEN - Der von Beamten & Angestellten des öffentlichen Dienstes beherrschte & von vielen Parlamentarieren in Stadt, Land & Bund auf Touren gehaltene "Selbstbedienungsladen" namens "STAAT" betrachtet seine Bürger als lästige Störfaktoren deren Nützlichkeit sich allein an der Höhe ihrer Steuerzahlungen bemißt.

 

Der Spiegel der Macht bietet uns zum Ausgleich: die Lüge der Niederlage der Hoffnung, die Lüge der Niederlage der Menschheit, die Lüge der Niederlage der Würde. Der Spiegel der Macht bietet uns zum Ausgleich: die Lüge des Sieges des Zynismus, die Lüge des Sieges der Unterwürftigkeit, die Lüge des Sieges des Neoliberalismus. Subcommandante Marcos

 

Der Schrei - Im Anfang war der Schrei. Wir schreien. Wenn wir schreiben oder lesen, vergessen wir schnell, dass im Anfang nicht das Wort ist, sondern der SCHREI.

 

Angesichts der Verstümmelung des menschlichen Lebens durch den Kapitalismus, ein Schrei der Trauer, ein Schrei des Entsetzens, ein Schrei des Zorns, ein Schrei der Verweigerung: NEIN.

 

Nein ist das Subjekt der Revolution, die zum Ausbruch bereite Antriebskraft gesellschaftlicher Veränderung. NEIN zur Unterdrückung. NEIN zur stumpfsinnigen, gefährlichen Zerstörung durch das Kapital. Dieses NEIN ist ein Fest, eine Explosion neuen Lebens ein Experimentieren mit neuen Formen gesellschaftlicher Organisation. John Holloway


War ein Kampf des Lorbeers wert,
spart dem Tod die Spende,
aber nehmt des Toten Schwert:
führt den Kampf zu Ende.

Erich Mühsam

 ”Viele Leute finden Sicherheit in der Masse, Glück in der Anonymität und Würde in der Routine. Sie wollen nichts besseres sein als ein Schaf unter einem Hirten, ein Soldat unter einem Hauptmann, ein Sklave unter einem Tyrannen. Die wenigen, die sich entfalten müssen, werden Hirten, Hauptmänner und Führer dieser willigen Gefolgschaft.” Ich tat reinen Gewissens und gläubigen Herzens meine Pflicht.
Adolf Eichmann, deutscher SS-Obersturmbannführer und Massenmörder (1906-1962)

feind

Was wäre, wenn wir in einer Gesellschaft lebten, in der nicht Banker, sondern Lehrer, Krankenschwestern usw. mit finanziellen Belohnungen überschüttet würden? Was wäre, wenn wir ein Finanzsystem hätten, das Fairness belohnt statt Gier? Das ist Ihnen zu utopisch?"

Wer ohne Geld auf die Welt kommt, läuft sein Leben lang im Hamsterrad. Und vor lauter „Streß“ in unserer „schnelllebigen Zeit“ hat er nicht einmal die Zeit, um darüber nachzudenken.

Wer moralisch und ethisch einwandfrei ist, wer der Gesellschaft Nutzen stiftet und arbeitet, der kann der Zinsfalle kaum entkommen. Wer hingegen andere Menschen belügt und betrügt und ihnen geschickt das Geld abjagt, der kassiert Boni, Abfindungen, Provisionen, Diäten, Pensionen, Yachten, Schlösser, Dienstwagen und so weiter, ganz ohne Fleiß, nur durch den Verkauf des eigenen Gewissens und der Menschen, die einem vertraut haben. Diese Negativ-Selektion führt logisch und konsequent zum Zerfall der Gesellschaft.


„Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.“ (Henry Ford, 1863 - 1947).

 

“Du sollst den Glauben an die Menschheit nicht verlieren. Die Menschheit ist ein Ozean; auch wenn ein paar Tropfen des Ozeans schmutzig sind, so wird davon nicht der ganze Ozean schmutzig.“

Mahatma Gandhi

 


"In Erwägung, dass wir hungrig bleiben

Wenn wir dulden, dass ihr uns bestehlt

Wollen wir mal feststellen, dass nur Fensterscheiben

Uns vom guten Brote trennen, das uns fehlt."

Bertolt Brecht

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Im Folgenden finden Sie das Bild unter: ansorde.blogspot.com/2008/01/warum-den-3-und-..


 

 

Während kaum jemand noch etwas mit Politik zu tun haben will und auf sein Mitspracherecht pfeift(Is uncool), die Kultur in den Erdboden versackt, sprachliche Desorientierung sich immer mehr ausbreitet, Geschichtswissen verschwindet, unsere Kinder sich in “Grund und Boden”, auf tiefstem Niveau selbst-verwirklichen, werden Schicht um Schicht der Bürgerlichen Freiheiten und Pflichten ausgetauscht und wichen etwas, was man als “Light Version” davon betrachten kann. Der große Bruder ist keine Angst mehr vor einem Alleswissenden Staat, sondern er ist Realität geworden.

Die aufmerksame Beobachtung der Weltpolitik zeigt uns, daß große machtpolitische Bewegungen nach ganz bestimmten Regeln und Mustern ablaufen, die sich – teilweise - seit Jahrtausenden nicht verändert haben. Demjenigen, der diese Regeln nicht kennt, oder sich nicht dafür interessiert, werden viele machtpolitische Abläufe immer ein Rätsel bleiben. Einige von euch, werden wahrscheinlich sagen, ach was, Paranoiker, ich glaube das nicht - das steht jedem von euch frei.. niemand zwingt euch irgendwas zu glauben! Doch jenen möchte ich zu bedenken geben, das die “Strategie der geistigen Unterwanderung” von Völkern keineswegs neu ist! Ganz im Gegenteil, sie ist sehr, sehr alt! Krieg und glaubt mir bitte, wir befinden uns in einem – KRIEG BERUHT AUF TÄUSCHUNG

Wir müssen etwas tun, wenn nicht zu unserem eigenen Schutz, dann doch wohl zum Schutze unserer Kinder, jenen Menschen, denen wir diese verkommene Welt hinterlassen müssen. Ich selbst möchte mich nicht als besserwissender Erzieher sehen, bei Gott nicht! Doch jeder von uns hat einen Kopf – benutzt ihn!

Es ist sicher nicht lustig, das sie nun einmal existieren, aber wir selbst, in einer oder mehreren unserer Inkarnationen sind daran beteiligt gewesen, dass sie überhaupt soviel Macht anhäufen konnten. Als die Menschheit noch Verantwortungsbewusster gewesen ist, haben sie Probleme gemeinsam gelöst, erst im laufe der Gewohnheiten, der geistigen Manipulation und dem aufkommen von Angst ging man dazu über “Stellvertreter” zu wählen, die für den Stamm, das Dorf, Stadt und die NATION einige Zeit Entscheidungen fällten, man nennt diese Leute Politiker. Für gewöhnlich sehr Geltungskranke Individuen die alles, wirklich alles versprechen würden und es auch tun, um gewählt zu werden. Politiker haben keine wirkliche Macht, die sitzt hinter dem “Thron”, wirklich mächtige Leute würden niemals an der vordersten Peripherie und damit schutzlos, ihre Macht ausüben. Dafür haben sie Politiker, die nach deren Pfeife tanzen …

Das Delegieren von Verantwortung hat uns soweit gebracht, das kaum jemand sich für irgendwas zuständig fühlt. Die Indoktrinierung und Gehirnwäsche über die Massenmedien tun ihr übriges, uns das vergessen zu machen das wir Verantwortung haben. Und so stehen wir heute da, haben uns unsere Selbstbestimmung rauben lassen und sind uns sogar meistens nicht mal bewusst, dass es etwas wie Selbstbestimmung gibt oder was das sein soll.

(Steven Black)

Stopp?

  
Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zur Zeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht. - Kurt Tucholsky

 

Die grundsäztliche Akzeptanz von Konkurrenz und Profitprinzip ebenso wie die politizistische Oberflächenhuberei haben offenbar die Kultur einer reflekrierten Kritik der politischen Ökonomie derart ruiniert , daß sogar die primitivsten Denkfiguren der bürgerlichen ökonomischen Ideologie in den linken Diskurs eingemeindet worden sind. Robert Kurz

 

"Das was Huntington Kampf der Kulturen" genannt hat, hat zuerst im Schosse des Abendlandes selbst stattgefunden. Die von den gegenwärtigen Machteliten der USA und Westeuropa emsig betriebene Eliminierung aller Wertvorstellungen, Gesellschaftsmodelle und Lebensweisen, die ihren Expansionsinteressen zuwiderlaufen, kann nur deshalb auf Weltebene durchgeführt werden, weil die kulturelle GLEICHSCHALTUNG im Innern der westlichen Gesellschaft schon vollzogen worden ist. Heleno Sana


 

 

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„Ein Mensch soll nicht alles tun, sondern etwas; und weil er nicht alles tun kann, soll er nicht ausgerechnet etwas Unrechtes tun.“
Henry David Thoreau

 Ich bin nicht geboren, um mein Schicksal in die Hände von Sadisten, Betrügern, Lügnern und Machtmenschen zu legen, die aus mir ein willenloses Partikel ihres Herrschaftswahns machen wollen. Was ich bin oder werden will, entscheide ich, nicht sie. Ich bin geboren, um meine Freiheit, meine Selbstachtung und mein angeborenes Recht auf ein von mir gewähltes Leben bis zu meinem Tode zu verteidigen. (Quelle - Zitat von Heleno Sana aus seinem Buch -  "Würde und Widerstand)

http://www.humanist-net.org/start_bilder/4haende.jpe

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„Armer Mann und reicher Mann / standen da und sah’n sich an. / Und der Arme sagte bleich: / Wär’ ich nicht arm, wärst du nicht reich.“ Bertolt Brecht

 

Wohlstand ist, wenn man mit Geld, das man nicht hat, Dinge kauft, die man nicht braucht, um damit Leute zu beeindrucken, die man nicht mag.

Alexander von Humboldt



Wir waren es gewöhnt, in einer Welt der Lügen zu leben, darum wurden die Verbrecher immer sicherer und frecher!

Sie haben UNS mit nahezu allem ausgeplündert und betrogen, was man sich nur vorstellen kann.

Wir leben in einer verlogenen Welt, on einer verlogenen Zeit, haben eine verlogene Währung, die von verlogenen Banken gedruckt und ausgegeben wird. Dieses Währungssystem ist ein Schuld-Zins-Knecht-System und kein richtiges Geld! Es ist nur ein Zahlungsversprechen, was JEDERZEIT verfallen kann. Alle 60 Jahre MUSS es Crashen und eine neue verlogene Währung ausgegeben werden, damit das “Spiel” von neuem beginnen kann – wieder 60 Jahre lang! Früher wusste man:

Ging es auf die 60 Jahre zu, wird es Krieg geben, der Krieg wurde zum entschulden genutzt. Heute hat man andere “Instrumente”! In dieser verlogenen Welt, arbeiten rund um die Uhr verlogene Politiker, im Verein und Hand in Hand, mit verlogenen Wissenschaftlern. Man hat verlogene Institutionen zugelassen, die sich das Vertrauern der Bürger erschlichen, um sie um ihr hart verdientes Geld zu bringen. Alles was wir zu Wissen glauben, fast alles – ist FALSCH!(Steven Black)

 

http://www.reinhard-eberhart.com/cards/gross/partei/keine_partei.jpg

 


Die Entscheidungsmöglichkeiten des Nationalstaates nehmen in finanzieller und ökonomischer Hinsicht immer mehr ab, aber dies heißt nicht, daß er seine Macht verlieren wird. Die multinationalen Konzerne und die supranationalen Organisationen sind die ersten, die den Staat brauchen, um die Widersprüche des neoliberalen Kapitalismus in den Griff zu bekommen. Sie brauchen ihn auch als Repressionsinstrument gegen Unzufriedenheit und soziale Revolte. Dies  ist die Rolle, die jetzt der Staat übernimmt, auch innerhalb der Europäischen Union, die sich im übrigen in zunehmenden Maße als ein Superstaat entwickelt, der sich als noch zentralistischer, bürokratischer und interventionistischer erweist als der klassische Nationalstaat. (Quelle - Heleno Sana)


 


Freiheit erreicht man in erster Linie nur, mit sozialer Verantwortung, Solidarität und Mitmenschlichkeit. Eine Freiheit, die sich dieses moralischen Imperativs glatt entledigt und keine Augen für die Bedürfnisse der Benachteiligten und der in Not geratenen Menschen hat, ist keine wahre Freiheit, sondern eine Variante der Rücksichtslosigkeit.

Ein Reich des Egoismus und des Materialismus in dem der Wert des Einzelnen durch die Höhe seines Bankkontos gemessen wird. Freilich: Damit kann man vielleicht die Habgier und andere niedrige Triebe des Menschen befriedigen, aber langfristig keine wirkliche freie und rationale Gesellschaftsordnung aufbauen, wie schon jetzt der besorgniserregende Zustand der Welt ahnen läßt. Daß es noch schlimmer werden kann, läßt sich unschwer voraussehen. (Quelle -Heleno Sana)

 

 


 
"Cuándo querrá Dios del cielo
Que la justicia se vuelva
Y los pobres coman pan
Y los ricos coman ... mierda."
 
(Wenn Gott im Himmel es einmal will,
Daß das Recht sich wendet
Und die Armen essen Brot
Und die Reichen fressen ... Scheisse.)
Quelle: Abel Paz - DURUTTI.  - Vers aus Anadalusien.
 
Politisches Gedicht von Roland Rottenfußer (Ein Beitrag des Webmagazins auf "Hinter den Schlagzeilen")
Die Ausgegrenzten ziehen Wartenummern.
Die Luft ist stickig und verbraucht, nirgendwo Mut.
Die Händler schreien und die Sänger werden stummer,
Nur in den Schächten schwelt verhalten etwas Wut.

Die Visionäre sparen sich kühnere Entwürfe,
Selbst die Satiren wirken blutleer, wie kastriert.
Die Demonstranten fragen scheu, was sie noch dürfen,
Und an der Börse wird ein Gesslerhut platziert.

Die Menschenwürde, hieß es, wäre unantastbar.
Jetzt steht sie unter Finanzierungsvorbehalt.
Ein Volk in Duldungsstarre, grenzenlos belastbar.
Die Wärmestuben überfüllt, denn es wird kalt.

Wie effizient ihr uns in euer Netz einspinnt – ich muss euch fast Bewunderung zollen!
Aber habt ihr uns gefragt, ob wir die Welt, die ihr geschaffen habt, auch wollen?

Für eure Spielschulden bezahlen unsere Kinder.
Die habt ihr fürsorglich schon pränatal versklavt.
Ab und zu muckt ein Grieche auf oder ein Inder,
Die Deutschen nicht, die sind seit jeher eher brav.

Und die Altvorderen fördern keinen mehr, sie casten.
Die Jungen leben nur noch für den Lebenslauf.
Man mahnt die Ausgezehrten, konsequent zu fasten,
Und tischt den Übersättigten ein Festmahl auf.

Die Saubermänner fordern harte Strafen,
So können sie sich jede Selbstkritik ersparen.
Denn sehr viel leichter regiert es sich mit Schafen,
Die sich verstört um ihre schlechten Hirten scharen.

Wir dürfen wählen, was wir wollen, solang wir nur das denken können, was wir sollen.
Aber habt ihr uns gefragt, ob wir die Welt, die ihr geschaffen habt, auch wollen?

Den Technokraten ist es peinlich, noch zu fühlen,
Und statt der Güte hofiert man Bonität.
Ihr lullt uns ein mit Euren Hamburgern und Spielen,
Schauen wir vom Bildschirm auf, ist es vielleicht zu spät.

Zu tausenden als Nutzmenschen gezüchtet,
Den Ökonomen zur Verwertung überstellt.
Ein wenig Aufschub finden wir nur in den Süchten.
Gibt es noch etwas, irgendetwas, was uns hält?

Die Diktatur ist nicht ganz ausgereift, sie übt noch.
Wer ihren Atem spürt, duckt sich schon präventiv.
Und nur der Narr ist noch nicht ganz erstarrt, er liebt noch
Und wagt zu träumen, deshalb nennt Ihr ihn „naiv“.

Und mit sanfter Penetranz sachzwängt ihr uns in unsere vorgeschriebenen Rollen.
Aber habt ihr uns gefragt, ob wir die Welt, die ihr geschaffen habt, auch wollen?




 

Gelenkte Scheindemokratie, Angriff auf die Menschenwürde und «faschistische Verschiebung» - Ein Versuch, unsere Epoche zu porträtieren, einmal nicht als Essay, sondern als politisches Gedicht. (Von Roland Rottenfußer)



  • Grundrechtsterror
 
 

Der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble - für viele ein Vorkämpfer für Überwachungs- und Polizeistaat.

Habt ihr uns gefragt?

 

Die Ausgegrenzten ziehen Wartenummern.

Die Luft ist stickig und verbraucht, nirgendwo Mut.

Die Händler schreien und die Sänger werden stummer,

Nur in den Schächten schwelt verhalten etwas Wut.

 

Die Visionäre sparen sich kühnere Entwürfe,

Selbst die Satiren wirken blutleer, wie kastriert.

Die Demonstranten fragen scheu, was sie noch dürfen,

Und an der Börse wird ein Gesslerhut platziert.

 

Die Menschenwürde, hieß es, wäre unantastbar.

Jetzt steht sie unter Finanzierungsvorbehalt.

Ein Volk in Duldungsstarre, grenzenlos belastbar.

Die Wärmestuben überfüllt, denn es wird kalt.

 

Wie effizient ihr uns in euer Netz einspinnt – ich muss euch fast Bewunderung zollen!

Aber habt ihr uns gefragt, ob wir die Welt, die ihr geschaffen habt, auch wollen?

 

Für eure Spielschulden bezahlen unsere Kinder.

Die habt ihr fürsorglich schon pränatal versklavt.

Ab und zu muckt ein Grieche auf oder ein Inder,

Die Deutschen nicht, die sind seit jeher eher brav.

 

Und die Altvorderen fördern keinen mehr, sie casten.

Die Jungen leben nur noch für den Lebenslauf.

Man mahnt die Ausgezehrten, konsequent zu fasten,

Und tischt den Übersättigten ein Festmahl auf.

 

Die Saubermänner fordern harte Strafen,

So können sie sich jede Selbstkritik ersparen.

Denn sehr viel leichter regiert es sich mit Schafen,

Die sich verstört um ihre schlechten Hirten scharen.

 

Wir dürfen wählen, was wir wollen, solang wir nur das denken können, was wir sollen.

Aber habt ihr uns gefragt, ob wir die Welt, die ihr geschaffen habt, auch wollen?

 

Den Technokraten ist es peinlich, noch zu fühlen,

Und statt der Güte hofiert man Bonität.

Ihr lullt uns ein mit Euren Hamburgern und Spielen,

Schauen wir vom Bildschirm auf, ist es vielleicht zu spät.

 

Zu tausenden als Nutzmenschen gezüchtet,

Den Ökonomen zur Verwertung überstellt.

Ein wenig Aufschub finden wir nur in den Süchten.

Gibt es noch etwas, irgendetwas, was uns hält?

 

Die Diktatur ist nicht ganz ausgereift, sie übt noch.

Wer ihren Atem spürt, duckt sich schon präventiv.

Und nur der Narr ist noch nicht ganz erstarrt, er liebt noch

Und wagt zu träumen, deshalb nennt Ihr ihn naiv.

 

Und mit sanfter Penetranz sachzwängt ihr uns in unsere vorgeschriebenen Rollen.

Aber habt ihr uns gefragt, ob wir die Welt, die ihr geschaffen habt, auch wollen?

 

Montag, 05. Oktober 2009
 
 

Hier in Frankreich herrscht gegenwärtig    die grösste Ruhe.
Nur ein leiser, monotoner Tropfenhall. Das sind die Zinsen, die
fortlaufend hinabträufeln in die Kapitalien, welche beständig
anschwellen; man hört ordentlich, wie sie wachsen, die Reichtümer
der Reichen. Dazwischen das leise Schluchzen der Armut.
Manchmal klirrt etwas wie ein Messer, das gewetzt wird.
(Heinrich Heine 1842)
 

 

 

Steht nicht an meinem Grab und weint. - Ich bin nicht da, ich schlafe nicht. - Ich bin in tausend wehenden Winden. - Ich bin der glitzernde Diamant auf dem Schnee. - Ich bin die Sonne auf dem reifen Korn. - Ich bin der weiche Septemberregen. - Wenn du erwachst in der Stille des Morgens, - Bin ich im huschenden Flug eines Vogelschwarms. - Ich bin das zärtliche Licht der Sterne, - die leuchten des Nachts. - Steht nicht an meinem Grab und weint; - Ich bin nicht da, - ich bin nicht gestorben. (Unbekannter Autor des Makah-Stammes)

 

 

Er glaubt in einer freien Gesellschaft, einer wahren Demokratie zu leben, wo "Meinungsvielfalt herrscht. Schließlich kann er an jeder Ecke wo es Zeitungen gibt sehen, wieviele  täglich verkauft werden. Und auch, wenn es viele Zeitungen gibt erkennt er nicht das ihre Ansichten gar nicht so verschieden sind. Denn alle wichtigen Meinungsbildenden Medien sind streng zentralisiert, und agieren gemeinschaftlich unter der Regie von gerade mal 5 Konzernen, die eine weltweite Kontrolle von Meinungen ermöglicht. Es ist eine tägliche Flut von sich anscheinend widersprechenden Ansichten-höchstens drei - dies erzeugt ein Dickicht "Globaler Einheit".. unsichtbar und subtil. Würde er sich erinnern, das keine zwei Meinungen von Einzelpersonen gleich sind, würde er realisieren das es sich bei den öffentlich verkauften Zeitungen und Magazinen-den Massenblättern, um eine gut organisierte Methode handelt um das Denken zu kontrollieren.     

"Es steht ja in der Zeitung, also muss es wahr sein.." kann er überall hören. Wenige erkennen, das die vorgegebenen Ansichten auf eine bestimmte AGENDA hin, einer Weisungsrichtung der Wirtschafts-Politik handelt, um die Menschen zu gängeln-und einem "Tunnelblick" unterzuordnen.Nicht Individualität, sondern UNIFORMITÄT ist erwünscht.


Die Polizei?

Ich zitiere:
Die Polizei ist eine große einheitsstiftende Kraft in einer ohne sie dem Zerfall geweihten Welt. Natürlicherweise erkennen und anerkennen daher die Polizeien vrerschiedener und auch verfeindeter Regime gewisse gemwinsame Interessen, in denen Zusammenarbeit geboten ist, Auf dem Gebiet der Zirkulation von Büchern...
Wird man soweit gelangen, die Zensurmethoden der verschiedenen Regime zu vereinheitlichen?
Nicht zu vereinheitlichen, aber ein System zu schaffen, in dem sie einander ausbalancieren und sich gegenseitig unterstützen...
WELTKARTE:
Das feinabgestufte Farbenschema bezeichnet:
- die Länder, in denen alle Bücher systematisch beschlagnahmt werden;
- die Länder, in denen nur die vom Staat publizierten oder genehmigten Bücher zirkulieren dürfen;
- die Länder, in denen eine grobe, summarische und unberechenbare Zensur herrscht;
- die Länder, in denen die Zensur feinnervig, gebildet, sensibel für die unterschwelligen Implikationen und Assoziationen ist und von ebenso penbiblen wie raffinierten Intellektuellen ausgeübt wird;
- Die Länder, in denen es zwei Distributationsnetze gibt, ein legales und ein clandestines;
- die Länder, in denen es keine Zensur gibt, weil es keine Bücher gibt, aber viele potentielle Leser;
- die Länder, in denen es keine Bücher gibt und niemand ihr Fehlen beklagt;
- die Länder schließlich, in denen jeden Tag Bücher für jeden Geschmack und jede Geistesrichtung erscheinen bei allgemeiner GLEICHGÜLTIGKEIT.
Nirgendwo wird heute das geschriebene Wort so hochgeschätzt wie in Polizeiregimen...Gibt es ein besseres Kriterium zur Unterscheidung der Nationen, in denen Literatur eine wirkliche Achtung genießt, als das der zu ihrer Kontrolle und Repression bereitgestellten Summen?
---------_______________________Italo Calvino________

 

 





Wenn die Kämpfe um die Wiederaneignung der Reproduktion, jene der Arbeiter_innen in Produktion und Dienstleistung, aber auch die weltweiten revoltierende Massenarmut miteinander kommunizieren, sich von unten koordinieren und Selbstverwaltungsstrukturen außerhalb und gegen die kapitalistische Verwertung organisieren (auch als Projekte der „Solidarischen Ökonomie“ bezeichnet), dann kann sich die Krise zu eine Chance für eine revolutionäre Umwälzung entwickeln.


Mit anderen Worten: Es geht um die Verbindung von Anarchismus, Kommunismus und Sozialismus. Massimo de Angelis (2007, S. 245, Übersetzung von mir): „Anarchistische Praxen ohne kommunistische sind individualistisch oder gettoisiert. Kommunismus ohne Anarchismus ist hierarchisch und repressiv.“Der Anarchismus bietet die lebendige Perspektive der Selbstorganisation, der Kommunismus die Fähigkeit zur Organisation. (Quelle - Robert Foltin - Wir sind die Krise des Kapitalismus. www.grundrisse.net)

Bis zum entgültigen Zusammenbruch der Sowjetunion im August 1991 lebten fast ein Drittel der Menschheit unter dem korrupten System des Staatskapitalismus, das sich fälschlicherweise kommunistisch nannte.

 

An Geld mangelt es nie, wenn man damit auf die große Erlösung mit großen Erlösen spekulieren kann. Der Kapitalismus ist schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts in einer Endlosschleife von Wiederaufbau, Wirtschaftswunder, Überproduktion, Kapitalvernichtung, Naturzerstörung, Kulturzerstörung, imperialer Selbstermächtigung, Weltordnungskrieg und wieder von vorn. Und so könnte das auch wieder weitergehn – allerdings mit immer weniger Lebenssubstanz und immer weniger Natur und einer zunehmenden Barbarisierung der menschlichen Kulturen. (W.Pfreundschuh)

 

 

 

In unserem Zusammenhang sind vor allem die Folgen dieser mit Lohndumping, Sozialabbau und Outsourcing einhergehenden neoliberalen Politik von Relevanz. Die von den Neoliberalen eingeleiteten Reformen brachten bald die ihnen immanenten, unüberwindlichen Widersprüche zum Vorschein. Die stagnierenden Löhne, die Steuergeschenke an Wohlhabende und der Sozialabbau ließen tatsächlich bald die Profite und die Vermögen kräftig wachsen, doch zugleich sank die Massennachfrage. Zu den Warenbergen, die keine Käufer fanden, gesellten sich Berge von Kapital, das kaum in der weiteren Warenproduktion profitable Investitionsmöglichkeiten finden konnte. Es drohten somit klassische Überproduktions- und Überakkumulationskrisen.Abhilfe schuf hier der seit den 80er Jahren immer weiter expandierende und fortwährend deregulierte Finanzsektor, der zu einer regelrechten finanziellen Explosion ansetzte, für die sich im angelsächsischen Raum schnell der Begriff "Financialisation of capitalism", Fiiianzialisierung des Kapitalismus, etablierte. 

Die Tragik unserer Epoche besteht nur darin, dass weit und breit keine revolutionäre Klasse, kein revolutionäres Subjektauszumachen ist. Der ideologische Sieg des Kapitalismus scheint gerade in seiner Niederlage absolut zu sein, für breiteste Bevölkerungsschichten sind Alternativen zur kapitalistischenvergesellschaftung schlicht undenkbar. Sollte keine breite, progressive, antikapita,listische Bewegung innerhalb des einsetzenden Krisenprozesses entstehen, droht uns der zivilisatorische Zusammenbruch. Die Aufgabe der revolutionären, antikapitalistischen Linken besteht zuvorderst darin, das öffentliche Bewusstsein über diese  höchst gefährliche Situation - die jederzeit in Barbarei umschlagen kann - zu verbreitern und postkapitalistische,jenseits der uferlosen, fetischisierten Kapitalreproduktion angesiedelte gesellschaftliche Alternativen zu diesem autodestruktiven, spätkapitalistischen System zu diskutieren und aufzuzeigen. Wir müssen - in den konkreten Kämpfen vor Ort - zuerst revolutionäres Bewusstsein schaffen; also das Bewusstsein darüber, dass wir uns in einer revolutionären Situation befinden, dass das kapitalistische System an seine Entwicklungsgrenzen gestoßen ist. Die konkrete Aktion, der Abwehrkampf vor Ort, der Streik, die Betriebsbesetzung, die Straßenblockade, die Demonstration - diese vor uns liegenden Kämpfe müssen bereits alsteil des Ringens um eine postkapitalistische Gesellschaft aufgefasst und propagiert werden.Wir müssten ja an konkreten Kämpfen ansetzen - mit den Menschen streiten, die in dieser Krise unterzugehen drohen, diese konkreten Kämpfe zusammenführen zu ihrem gemeinsamen, objektiven, um des Überlebens der menschlichen Zivilisation willen absolut notwendigen, scheinbar so "abstrakten" Ziel: der Überwindung dieses über uns zusammenbrechenden kapitalistischen Systems.

Das Räsonieren über Konjunkturprogramme - die ohnehin nur die mit der Finanzialisierung untergegangene Defizitkonjunktur in staatlicher Regie bis zum Staatsbankrott fortftihren werden - können wir getrost der CDU und SPD überlassen. Ein "Zurück" zum bereits in den 70ern in der Krise befindlichen Keynesianismus, zu massiven Konjunkturprogrammen, wird ebenso wirkungslos bleiben wie eine erneute Regulierung der Finanzmärkte. Genauso könnte man einen Krebskranken mit Hustenbonbons zu heilen versuchen. (Quelle - www.kulturkritik.net)

 

       
 
 

 

(Sozial-)Staatlichkeit, Neoliberalismus und Anarchie

Der Sozialstaat kann als ein Kompromiß zwischen Kapital und organisierter ArbeiterInnenbewegung betrachtet werden, der die Reproduktionsbedingungen des Kapitals mit denen der Arbeitskraft zum gegenseitigen Vorteil verband. Mit der Krise des Fordismus wurde dieser Kompromiß, der sowie so nur in den westlichen Industriestaaten bestand hatte, aufgekündigt. Zu einem durch das Kapital, aber auch durch die Neuen Sozialen Bewegungen, die sich gegen die Entmündigung, Disziplinierung, Normierung und Normalisierung durch den Wohlfahrtsstaat im „Modell Deutschland“ auflehnten, denn der Wohlfahrtsstaat ist – nicht nur in Deutschland – an den Obrigkeits- und Bevormundungsstaat gekoppelt. Die soziale und kulturelle Krise des Fordismus wird durch die „68er-Bewegung“ und dem Entstehen der Neuen Sozialen Bewegungen markiert. Große Teile der Neuen Sozialen Bewegungen und der Subkultur der 70er Jahren erkannten, „daß im Sozialstaat nicht tatsächlich Demokratie, Basisdemokratie oder ähnliches verwirklichbar war, sondern daß der Sozialstaat im Kern bürokratisch war, zu einer Enteignung von Subsistenz- und Selbstorganisationsfähigkeiten führte und vor allem: weil finanzielle Zuwendung immer und unmittelbar mit sozialer Kontrolle verknüpft war. Die Bürokratisierung des Sozialstaats basierte auf kontrollpolitische Erfassung wie Volkszählung, Rasterfahndung, Registrierung, Verrechtlichung aller Lebensbereiche. Je differenzierter die gesellschaftliche Organisation, je bürokratischer der Apparat, der die Chose am laufen hielt, desto hysterischer die Reaktion auf oppositionelles Verhalten, das irgendwo einen Keil in die verzahnten Abhängigkeiten treiben konnte. Atomstaat, Polizeistaat, 'Sicherheitsstaat' (...) waren die unabwendbaren Begleiter des Sozialstaats selbst auf dem Höhepunkt seiner Ausformung“ (Marin 1997, 7). Aus einer anarchistische Perspektive gibt es keinen Grund den disziplinierenden und normalisierenden Sozialstaat zu verteidigen, weil er den Prinzip der individuellen Freiheit in einer freien Gesellschaft im Weg steht, und kein Schritt in Richtung Sozialismus und Anarchismus ist. Der Sozialstaat hat vielmehr eine Schutzfunktion gegen sozialrevolutionäre Bewegungen.
Der Neoliberalismus als eine neue kapitalistische Formation bedeutet kein Abschied vom Sozialstaat, sondern nur ein Umbau, der eine Ökonomisierung des Sozialen bedeutet, d.h. auch daß der Staatsrassismus nicht mit dem Neoliberalismus verschwinden wird, sondern ebenfalls eine neue Dimension erreichen wird. Eine Frage wird sein, wie sich die Entwicklung der Gentechnologie auf die Privatisierung der Versicherungstechnologien auswirken wird: „Die fortschreitende Entschlüsselung des Genoms produziert immer mehr genetische Dispositionen, Mutationen und Krankheitsrisiken“ (Lemke 2000, 237). Eine angebliche „genetische Dispositionen“ kann eine Auswirkung auf die Art und Weise bekommen, wie Menschen sich versichern können, dies betrifft vor allem Lebens- und Krankenversicherungen. Die genetische Diagnostik produziert eine unbekannte Anzahl genetischer Risiken und RisikoträgerInnen, die versicherungstechnisch reflektiert werden müssen. Versicherungen könnten bei bestimmten genetische Risikopotentiale eine bestimmte Lebensführung verlangen, bestimmte Risiken nicht oder nur bei erhöhten Beiträgen versichern. Während die (sozial-)staatliche Versicherungstechnologien von kollektiven sozialen Risiken ausgehen, wird durch eine Privatisierung eine Individualisierung der Risiken stattfinden. Jedes Individuum stellt eine unterschiedliches Risiko für die Versicherung dar, da jedes Individuum unterschiedliche Risikofaktoren (Arbeit, genetische Disposition, Alter etc.) besitzt. Neben einer Naturalisierung und Biologisierung sozialer und ökonomischer Verhältnisse findet nun auch noch eine „Genetifitierung“ (vgl. Lemke 2000) statt: „Gene werden für Phänomene verantwortlich gemacht, von denen bisher angenommen wurde, dass sie soziale, ökologische oder psychologische Ursachen haben“ (Lemke 2000, 232). Der neoliberale Staatsrassismus ist aber nicht vergleichbar mit der klassischen Eugenik, es geht um eine genetische Regierungskunst, die Heilung von diesseitigen Übels verspricht und bei guter Führung – Wohlbefinden und Wohlstand, Gesundheit und Glück.
Der Neoliberalismus ist ökonomisch betrachtet eine Reaktion auf die ökonomische Krise des Kapitals in der Mitte der 70er Jahren. Der sozialstaatliche regulierte Kapitalismus war unwiderruflich in die Krise geraten. In dessen Folge suchte das Kapital nach neuen Akkumulationsmöglichkeiten. Bei diesen Weg mußte die starre Form der Regulation aufgebrochen werden. Die Deregulierung und Flexibilisierung ist somit ein zentrales Moment des Neoliberalismus und kann als „Klassenkampf von oben“ begriffen werden. Der Neoliberalismus ist aber nur ein andere kapitalistische Formation als der fordistische Sozialstaat. Häufig wird heute in der Linken die Kritik am Neoliberalismus mit einer Verteidigung des Sozialstaates gekoppelt. Der Neoliberalismus wird in diesem Diskurs nicht mehr als eine kapitalistische Formation sehen, die Neoliberalismuskritik ist keine Kapitalismuskritik mehr. Anstatt für eine sozialrevolutionäre Überwindung kapitalistischer Vergesellschaftung zu kämpfen, wird der sozialdemokratische Reformkapitalismus im Gewand des Sozialstaates verteidigt. Der Kampf gegen den Neoliberalismus kann nur ein Kampf gegen den Kapitalismus sein. Die Verteidigung des Sozialstaates sollten AnarchosyndikalistInnen und anderen AnarchistInnen den SozialdemokratInnen, demokratischen SozialistInnen und reformistischen Gewerkschaften überlassen. (Quelle - Jürgen Mümken - (http://www.postanarchismus.net) Besiegelt

http://www.chefduzen.de

 Die 5-Stunden-Woche!

Die Ursache der Not, insbesondere in den nicht industrialisierten Ländern, sowie die Ursache dafür, dass wir heute 40 Stunden pro Woche arbeiten, liegt darin, dass heute 3/4 aller Weltbürger, Menschen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren, von den notwendigen güterwirtschaftlichen Arbeiten durch die Geldwirtschaft ferngehalten werden, so daß auch ein erheblicher Teil der Weltbevölkerung arbeitslos ist.

Mit einer weltweiten Verbreitung modernster umweltschonender Produktionsmittel zur Anhebung der Produktivität des arbeitenden Menschen, mit der Nutzung des Energieträgers Wasserstoff und dessen Produktion für den Weltbedarf in den Wüsten der Erde und mit einer dezentralen Erzeugung von Wasserstoff in den höheren Breitengraden können wir mit nur 5 Stunden Arbeit pro Woche leben!

In meiner Berechnung in meinem ersten Band, "Die 5-Stunden-Woche", zeige ich, dass mit der heutigen Technik fünf Stunden Arbeit pro Woche vollauf genügen, ohne dass auch nur für einen von uns eine Einbuße im Luxus oder in der Lebensqualität entsteht. Dies ist bei einer gleichzeitigen Verbesserung des Umweltschutzes möglich, so dass auch die Qualität und Gesundheit unserer uns umgebenden belebten Natur erheblich steigen wird!

Vorerst führe ich einen rein rechnerischen Nachweis, ohne den Versuch zu unternehmen, auf die Frage nach der Fähigkeit des heutigen Menschen für eine solch fortschrittliche Gesellschaft eine Antwort zu finden.

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die ich für eine 5-Stunden-Woche andeute, gehören zum angenommenen Idealbild einer Gesellschaft, die gerade von Egoisten mit dem eigennützigen Ziel entwickelt werden könnte, durch einen allgemeinen, straffen Zusammenschluss die 5-Stunden-Woche und ihre vielseitigen materiellen Vorzüge zu verwirklichen!

Die Zukunft wird zeigen, ob dem Egoismus der Allgemeinheit und somit dem Eigennutz des einzelnen eine 5-Stunden-Woche näher liegt als eine 40-Stunden-Woche. (Quelle-A-Kongress 2009) Hier der Direktlink zu dieser Page!  

              5-Stunden-Woche Hauptseite

http://smilies-world.de/smilies_pictures/1880.gif

 

 Diese Suche nach äußerer Stimulation führt zu einer Sucht, die nicht als solche erkannt wird. Wir werden nicht müde, unseren Besitz zu vergrößern, ständig müssen wir unsere Herrschaft über Dinge, Personen und wirtschaftliche und politische Systeme erweitern. Je mehr wir diesem Bestreben folgen, um so mehr geraten wir in eine Abhängigkeit von diesem Aktionismus. Zugleich sind die äußeren Dinge in ihrer Rückwirkung auf unser Selbst Grund dafür, daß unser Erlebnishunger nicht mehr zu stillen ist und die Abhängigkeit von äußerer Stimulation immer größer wird. Denn diese Art der Bewegung, die innere Prozesse wie unser Bedürfnis nach Zuwendung und Liebe nicht tangiert, verstärkt das künstlich geschaffene Verlangen nach dieser Art Bewegung, die den Anschein von Lebendigsein gibt. Das kreative Innere jedoch bleibt unberührt und deshalb leer.

Wenn das äußere keinen Halt mehr gibt, bricht auch die Persönlichkeitsstruktur von Menschen immer mehr auseinander. Diese Gefahr besteht zum Beispiel, wenn das soziale Gefüge einer Gesellschaft zerfällt, weil die Verteilung von Status und Besitz zu immer größerer Ungleichheit führt, wenn Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden, wenn Menschen immer weniger Mitgefühl empfinden, weil der andere im Kampf um den sozialen Status als Bedrohung erlebt wird, denn sich mit ihm zusammenzutun könnte den eigenen Status herabsetzen. Dadurch wächst die Isolation des Einzelnen. Solche Vorgänge verstärken das Gefühl, Opfer zu sein. Der Haß, der damit einhergeht, muß immer mehr nach außen projiziert werden. Die Folgen sind Fremdenhaß, die Suche nach vermeintlichen Feinden, Progrome, Genozide, überhaupt eine erhöhte Bereitschaft zur Gewalttätigkeit.

Menschen, die ihren  Haß nicht nach außen verlagern können, verlieren unter solchen Bedingungen das Gefühl, ihr Leben im Griff zu haben. Sie fühlen sich ohnmächtig und hilflos, neigen zu Depressionen oder entwicklen Krankheiten. Auch das sind Folgen einer Sozialisation, in deren Verlauf sich entweder eine eigene Identität herausbildete oder es durch Verlust des Eigenen zu einer Nicht-Identität kam. Bei Menschen, die sich im Laufe dieser Entwicklung nicht völlig mit äußeren Autoritäten identifiziert haben, führt das Aufsteigen des eigenen Opferseins zu einer nach Innen gelenkten Aggression. Je stärker solche Menschen noch in der Lage sind, Schmerz und Leid als Teil ihrer Selbstentwicklung zu erleben, desto mehr werden die nach Innen gelenkten Aggressionen Depressionen hervorrufen. Bei denjenigen, die Schmerz und Leid weniger als eigene seelische Erfahrung zulassen können, wird es eher zu Auswirkungen auf der somatischen Ebene kommen.  (Quelle - ARNO GRUEN - Der Fremde in uns)

 

 

 

Reflexionen des Genossen Fidel

 

DIE ANDERE TRAGÖDIE

 

Während meinem Treffen am 13. Juli mit den Wirtschaftsfachleuten des Forschungsinstituts über die Weltwirtschaft CIEM habe ich diesen von dem ausgezeichneten Dokumentarfilm des französischen Regisseurs Yann Arthus-Bertrand erzählt, in dem die bewundernswertesten und am besten informierten internationalen Persönlichkeiten zu Worte kommen und der über eine weitere schreckliche Gefahr für die menschliche Gattung handelt, die vor unseren eigenen Augen abläuft: die Zerstörung der Umwelt.

Der Dokumentarfilm behauptet klipp und klar und kurz und bündig Folgendes:

„Bei dem großen Abenteuer des Lebens auf der Erde hat jede Art eine spezielle Rolle zu spielen, nimmt jede Art ihren Platz ein. Keine ist unnütz oder schädlich, alle tragen zum Gleichgewicht untereinander bei. Und hier ist es, wo du, Homo sapiens, intelligentes menschliches Wesen, in die Geschichte eintrittst. Dir kommt ein großartiges, von der Erde zur Verfügung gestelltes Erbe von 4 Milliarden Jahren zugute. Dich gibt es erst seit 200 000 Jahren, aber du hast schon das Angesicht der Welt verändert.“

„Die Erfindung der Landwirtschaft hat unsere Geschichte verändert. Das war vor knapp 10 000 Jahren.“ 

„Die Landwirtschaft war unsere erste große Revolution. Sie führte zu den ersten Überschüssen und zum Entstehen der ersten Städte und Zivilisationen. Die Erinnerungen an die tausenden Jahre auf der Suche nach Nahrung verflogen. Durch die Verwandlung des Korns in die Hefe des Lebens haben wir die Anzahl der Sorten vervielfältigt und gelernt, diese an unsere Boden- und Klimaverhältnisse anzupassen. Wir sind wie alle Arten auf der Erde. Unsere tägliche Hauptsorge besteht darin, uns zu ernähren. Wenn der Boden nicht gerade sehr fruchtbar ist und das Wasser sehr knapp wird, dann sind wir fähig, außerordentliche Anstrengungen zu unternehmen, um der Erde ausreichend zu entnehmen, um am Leben zu bleiben.“

„Die Hälfte der Menschheit bearbeitet den Boden, mehr als drei Viertel davon mit den Händen.“

„Energie pur. Die Sonnenenergie, die über Millionen Jahre von Millionen Pflanzen eingefangen wurde, seit mehr als 100 Millionen Jahren. Sie ist Kohle. Sie ist Gas. Aber vor allem ist sie Erdöl.“

„In den letzten 60 Jahren hat sich die Erdbevölkerung fast verdreifacht. Und über 2 Milliarden Menschen sind in die Städte umgezogen.“ 

„New York. Die erste Megalopole der Welt ist das Symbol der Ausbeutung jener Energie, welche die Erde dem menschlichen Erfindergeist zur Verfügung stellt. Die Arbeitskraft von Millionen Immigranten, die Energie der Kohle, die unumgängliche Macht des Erdöls. Die Vereinigten Staaten waren die Ersten, die auf die phänomenale, revolutionäre Macht des ‚schwarzen Goldes’ gesetzt haben. Auf dem Lande wurden die Menschen durch die Maschinen ersetzt. Ein Liter Erdöl erzeugt soviel Energie wie 100 Händepaare in 24 Stunden.“

 „Sie erzeugen ausreichend Getreide, um 2 Milliarden Menschen zu ernähren. Aber ein Großteil von diesem Getreide wird nicht dazu verwendet, Menschen zu ernähren. Hier und in anderen Industrienationen wird es zu Viehfutter oder Biokraftstoffen verarbeitet.“

„So weit wie das Auge reicht, unten Düngemittel, oben Kunststoff.  Die Gewächshäuser von Almería, Spanien, sind der Garten von Europa. Eine Stadt von pflanzlichen Erzeugnissen einheitlicher Größe wartet jeden Tag darauf, dass hunderte LKWs sie in die Supermärkte des Kontinents bringen. Je entwickelter ein Land ist, umso mehr Fleisch verbrauchen seine Einwohner. Wie kann die weltweite Nachfrage befriedigt werden, ohne auf Tierfarmen im Stil von Konzentrationslagern zurückzugreifen? Immer schneller. Wie der Lebenszyklus des Viehs, das vielleicht niemals eine Wiese gesehen hat.“

„In diesen Nahrungsmittelposten-Anlagen, die mit Millionen Tieren voll gestopft sind, wächst keine einziger Halm Weidegras. Ein Fuhrpark von LKWs aus jedem Winkel des Landes bringt tonnenweise Getreide, Sojafutter und Proteinkörner, die zu vielen Tonnen Fleisch werden. Im Ergebnis werden 100 Liter Wasser benötigt, um ein Kilogramm Kartoffeln zu erzeugen, 4 000 Liter für ein Kilogramm Reis und 13 000 Liter für ein Kilogramm Rindfleisch. Ohne das im Produktionsprozess und bei der Beförderung verbrannte Erdöl zu berücksichtigen.“

„Wir wissen, dass das Ende des billigen Erdöls nahe bevorsteht, aber wir weigern uns, es zu glauben.“

„Los Angeles.  In dieser Stadt, die sich auf über 100 Kilometer erstreckt, ist die Anzahl der Autos fast genau dieselbe wie die Anzahl der Einwohner.“

„Der Tag scheint nur eine blasse Widerspiegelung der Nächte zu sein, die die Stadt in einen Himmel voller Sterne verwandeln.“

„Überall schürfen die Maschinen und fördern und entnehmen der Erde die in ihren Tiefen seit ihrer Schaffung vergrabenen Sternenstücke… die Mineralien.“ 

„…80% dieses Mineralreichtums wird von 20% der Weltbevölkerung verbraucht. Vor Ende dieses Jahrhunderts werden durch den übermäßigen Bergbau fast die gesamten Reserven des Planeten zu Ende gehen.“

„Seit 1950 hat sich das Volumen des Welthandels um zwanzig Mal vergrößert; 90% des Handels erfolgt über den Meeresweg. Fünfhundert Millionen Container werden jährlich transportiert und in die größten Verbrauchszentren geschickt…“

„Seit 1950 hat sich der Fischfang um fünf Mal erhöht, von 18 auf 100 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Tausende Fabrik-Schiffe sind dabei, die Ozeane auszuleeren. Drei Viertel der Fischereigebiete sind erschöpft, am Ende oder laufen diese Gefahr.“

„Fünfhundert Millionen Menschen leben in den Wüstengebieten der Welt, mehr als die Bevölkerung von Europa insgesamt.“

„Israel hat die Wüste in Ackerland verwandelt. Auch wenn diese Farmen jetzt Tropfen für Tropfen bewässert werden, so steigt doch der Wasserverbrauch in dem Maße wie die Exporte zunehmen.“

„Der einstmals mächtige Fluss Jordan ist jetzt nur ein Flüsschen, sein Wasser wurde in Kisten mit Früchten und Gemüse in die Supermärkte auf der ganzen Welt geflogen.“

„Indien läuft Gefahr, zu dem Land zu werden, das im kommenden Jahrhundert am meisten unter Wassermangel zu leiden haben wird. Die großflächige Bewässerung hat seine zunehmende Bevölkerung ernährt und in den letzten 50 Jahren wurden 21 Millionen Brunnen gegraben.“

„Las Vegas wurde in der Wüste gebaut. Dort leben Millionen Menschen. Weitere Tausende kommen jeden Monat an. Ihre Bewohner gehören zu den größten Wasserverbrauchern der Welt.“

„Palm Springs ist eine weitere Stadt in der Wüste mit tropischer Vegetation und luxuriösen Golfplätzen. Wie lange noch wird dieses Trugbild weiter blühen?  Die Erde kann dies nicht aushalten.“

„Der Fluss Colorado, der diese Städte mit Wasser versorgt, ist einer der Flüsse, die schon nicht mehr bis zum Meer gelangen.“

„Schon vor dem Jahr 2025 könnte der Wassermangel 2 Milliarden Menschen betreffen.“

„Die gesamte lebende Materie ist miteinander verbunden: Wasser, Luft, Erde, Bäume.“

„Die primitiven Wälder verschaffen drei Viertel der Artenvielfalt des Planeten ein Habitat, das heißt dem gesamten Leben auf der Welt.“

„…in nur 40 Jahren wurde der größte Regenwald der Welt, im Amazonasbecken, um 20% vermindert, er musste Viehranchs oder Sojafarmen weichen; 95% dieses Soja wird als Vieh- und Geflügelfutter in Europa und Asien verwendet. So wird ein Wald in Fleisch verwandelt.“

„Über 2 Milliarden Menschen, knapp ein Drittel der Weltbevölkerung, hängt noch von der Kohle oder Holzkohle ab. In Haiti, einem der ärmsten Länder der Welt, ist die Holzkohle eines der wichtigsten Konsumgüter der Bevölkerung.“

„Auf den Hügeln von Haiti sind nur noch 2% der Wälder übrig…“

„Jede Woche erhöht sich die Stadtbevölkerung der Welt um eine Million Menschen. Ein Mensch von je sechs lebt jetzt in einem prekären, ungesunden und überbevölkerten Umfeld ohne Zugang zu solch täglichen Bedürfnissen wie Wasser, Entwässerung, Stromversorgung.  Der Hunger breitet sich erneut aus. Er betrifft knapp 1 Milliarde Menschen. Auf dem gesamten Planeten kämpfen die Armen ums Überleben, während wir weiter nach Ressourcen graben, ohne die wir schon nicht mehr leben können.“

„Unsere Tätigkeiten geben riesige Mengen Kohlendioxyd in die Atmosphäre ab. Ohne dass wir uns dessen bewusst geworden sind, Molekül um Molekül, haben wir das Klimagleichgewicht der Erde gestört.“  

„Die Eisdecke des Nordpols schmilzt aufgrund der globalen Erderwärmung, die Eisdecke hat in 40 Jahren 40% ihrer Dicken verloren. Ihre Oberfläche während des Sommers wird von Jahr zu Jahr geringer. Schon um das Jahr 2030 könnte diese in den Sommermonaten vollkommen verschwinden. Manche sagen um 2015.“

„Bis zum Jahr 2050 könnte ein Viertel der Arten der Erde vom Aussterben bedroht sein.“

„…da Grönland sich sehr schnell erwärmt, fließt das Süßwasser eines gesamten Kontinents in das Salzwasser der Ozeane.“

„Das Eis von Grönland enthält 20% des gesamten Süßwassers der Erde. Wenn es schmilzt, wird der Meeresspiegel um circa sieben Meter steigen. Die Atmosphäre unseres Planeten ist ein unteilbares Ganzes. Es ist ein Gut, das wir alle miteinander teilen.“ 

„In Grönland tauchen schon Seen in den Landschaften auf. Die Eisschicht schmilzt mit einer Geschwindigkeit, die vor 10 Jahren nicht einmal die pessimistischsten Wissenschaftler vorausgesehen haben. Jene von Gletschern ernährten Flüsse vereinigen sich immer mehr und erscheinen an der Oberfläche. Man war der Meinung, dass das Wasser tief unter dem Eis gefrieren würde, aber im Gegenteil, es fließt unter dem Eis und führt die Eiskruste zum Meer, wo diese zerbricht und zu Eisbergen wird.“

„Allein im 20. Jahrhundert hat die Ausdehnung des Wassers durch die Erwärmung eine Erhöhung von 20 Zentimetern verursacht. Alles wird unbeständig. Die Korallenriffe reagieren äußerst sensibel auf die geringsten Temperaturschwankungen des Wassers; 30% sind verschwunden. Sie sind ein wesentliches Glied in der Kette der Arten.“

„Wenn der Meeresspiegel immer schneller so steigen wird, was werden dann die großen Städte wie Tokio, die bevölkerungsreichste Stadt der Welt, tun?“

„…in Sibirien und in vielen Teilen der Welt ist es so kalt, dass der Boden ständig gefroren ist. Das ist als Permafrost bzw. Dauerfrostboden bekannt. Unter dieser Oberfläche ruht eine klimatische Zeitbombe: Methan, ein zwanzig Mal mächtigeres Treibhausgas als Kohlendioxyd. Wenn der Permafrost schmilzt, könnte der Methanausstoß an die Luft verursachen, dass der Treibhauseffekt außer Kontrolle gerät, und zwar mit solchen Folgen, die niemand voraussagen kann.“

„Zwanzig Prozent der Bevölkerung der Welt verbraucht 80% ihrer Ressourcen.“

„Die Welt investiert zwölf Mal mehr in Militärausgaben als in Hilfe für die Entwicklungsländer.“

„Fünftausend Menschen sterben jeden Tag aufgrund dessen, dass sie verseuchtes Wasser trinken, 1 Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu Trinkwasser.“

„Circa eine Milliarde Menschen leiden an Hunger.“

„Über 50% des auf der Welt gehandelten Getreides wird als Viehfutter oder Biokraftstoff verwendet.“

„Die Arten sterben tausend Mal schneller aus, als es gemäß dem natürlichen Rhythmus geschehen würde.“

„Drei Viertel der Fischereigebiete sind erschöpft, weisen verminderten Fischbestand auf oder derselbe geht gefährlich zurück.“

„Die Durchschnittstemperatur in den letzten 15 Jahren ist die höchste je registrierte.“

„Die Eisschicht ist 40% dünner als vor 40 Jahren.“

In den letzten Minuten des Dokumentarfilms schlägt der Regisseur Yann Arthus-Bertrand einen etwas sanfteren Ton an, um einige positive Tatsachen und Ereignisse von jenen Ländern zu loben, - ohne jemandem zu nahe treten bzw. beleidigen zu wollen - die er sich zu nennen verpflichtet sah.

Seine abschließenden Worte lauteten:

„Es ist an der Zeit, dass wir uns alle zusammentun. Nicht das, was vorbei ist, ist wichtig, sondern das, was bleibt. Wir haben noch die Hälfte der Wälder der Welt, tausende Flüsse, Seen und Gletscher und tausende erfolgreiche Arten.  Wir wissen heute, dass die Lösungen hier sind. Wir haben alle die Macht zum Verändern. Worauf warten wir also? 

Es hängt von uns ab zu schreiben, was das Nächste ist. Gemeinsam.“ 

Das Thema, das den größten Teil meiner Bemühungen in Anspruch genommen hat – die unmittelbare Gefahr eines Krieges, welcher der letzte der Vorgeschichte unserer Gattung sein würde und dem ich seit dem 1. Juni neun Reflexionen gewidmet habe, - stellt ein Problem dar, das sich mit jedem Tag verschlimmert.

Wie es logisch ist, hegen 99,9% der Menschen die Hoffnung, dass sich ein elementarer gesunder Menschenverstand durchsetzt. 

Leider sehe ich aufgrund aller Elemente der Realität, die ich wahrnehme, schon nicht mehr auch nur die geringste Möglichkeit, dass dem so sei.

Deshalb meine ich, dass es viel praktischer wäre, dass unsere Völker sich darauf vorbereiten, dieser Realität ins Auge zu sehen. Darin wird unsere einzige Hoffnung bestehen.

Die Iraner haben genau das gemacht, was wir im Oktober 1962 getan haben, wo wir uns entschieden haben, eher zu sterben als unsere Sache aufzugeben.

Das war sowohl gestern als auch heute aufgrund des Zufalls, nicht wegen Verdiensten der Intelligenz oder der individuellen Geschichte von irgendeinem von uns.

Die jeden Tag aus dem Iran kommenden Nachrichten entfernen sich keinen Millimeter von der von ihnen aufgezeigten Position, ihre gerechten Rechte auf Frieden und Entwicklung aufrecht zu erhalten, nur ein Element ist neu: es ist ihnen schon gelungen 20 Kilogramm 20prozentig angereichertes Uran herzustellen, ausreichend, um ein atomares Geschoss zu bauen, was diejenigen noch mehr verrückt macht, die schon seit langem die Entscheidung getroffen haben, sie anzugreifen.  Das habe ich am Freitag, dem 16., mit unseren Botschaftern analysiert.

Nicht einmal Obama könnte diese verändern, wozu er auch in keinem Augenblick den Willen gezeigt hat.   

 

Fidel Castro Ruz

18. Juli 2010

16:28 Uhr
  
Aktualisiert ( Mittwoch, 21. Juli 2010 um 21:42 )
 


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