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Gedanken zur A-Cybernetik bei anarchie.de Ich will mal nix spezifisches zu den SteuerMANNs-auslegungen sagen, historische Wurzeln + neue A - Dimensionen mit (Männer-)MACHT zu koppeln.
Wahr ist - ALLES ist umkehr- und zerstörbar, es gibt keine STABILE Wahrheit, die alleine aus sich heraus wirkt.
Anarchie als Beispiel und Widerspruch zugleich zeigt, dass der Anarchismus jahrhundertelang ohne die aktive Einbeziehung von FRAUEN geschweige denn Kindern ausgekommen ist.
HERRschaftsfrei heisst nicht herrschen über ANDERE und es wurde + wird sehr wohl noch geHERRscht und wenig reflektiert in anarchistischen Zusammenhängen, auch in Frauen- und Lesbenzusammenhängen, das ist -meine Erfahrung.
Die Gedanken einer anarchistisch-autonomen Betrachtung beleuchten ein ganz spezifisches und sensibles Feld das nicht nur Menschenwürde, sondern auch Liebe zu den Menschen, Tieren + zur gesamten geozentrischen Natur beinhalten will.
Insofern sind alle herausgehörten+ abgeleiteten Negativerscheinungen bestimmt zutreffend, aber eben nicht für anarchistische= herrschaftsFREIE Zusammenhänge, die mindestens vom Anspruch her nicht mehr herrschen wollen und auch nicht mehr beherrscht werden wollen von nieMANNdem und auch von keiner Frau.
An Missverständnisse gewöhnt, weiss ich: "der Mensch erkennt nur das was er kennt " ( auch das ist umkehrbar) Diese ( Arbeits-)Hypothese lässt ahnen wieviel ein Mensch an sich - will heissen von Natur aus schon mitbringen könnte, wenn er der Basis seiner eigenen Erfahrungen gelernt hätte zu trauen.
Da wird bewusst + sichtbar wieviel an Erziehung, Negativ-erfahrung und Gefühls-verfahrung schon gegriffen hat, dass so viele Missverständnisse, Ideologien (+ Religionen ) so greifen können.
Zum Anfang Die A-Cybernetik( mehrdimensional) ist historisch gesehen die Weiterentwicklung der eindimensional ausgelegten Dialektik/ These-Antithese-Synthese - ( vorher war schwarz-weiss-Denken und Handeln lange vorHERRschend) - über die historische Station der CHAOStheorie und eigentlich wie diese eine Naturmethode die Kreis-bzw. Spiralläufe der geoz.+sozialen Bewegungen in( mehrdimensional- vernetzten) Bewusstseins- Zusammenhang bringt incl. aller dialektischen UM-schläge ( Widersprüche).
Bisschen konkreter und am Beispiel sichtbar (PRAXIS = THEORIE) A-Cybernetik meint,dass die aus der Natur + Tierwelt abgeleiteten scheinbar hierarchischen Verhaltensweisen vom Menschen( hier Männern)in Macht-bzw. Zerstörungsauftrag umgedeutet wurden um Basis von HERRschaft zu werden. Die Menschen, die die Phänomene der Natur derartig interpretieren zeigen, dass sie die Natur nur eindimensional und zerstörerisch begreifen können als Feind des Menschen. 2 Mit einer mehrdimensionalen Natur- und Gesellschaftsbetrachtung( der Abläufe und Regelkreise) würden die Menschen begreifen, dass herrschaftsFREIE Betrachtung dem Prinzip des vielschichtigen Lebens viel näher kommt und dass die zerstörte Naturbetrachtung das Resultat eines zerstörten Bewusst-Seins ist.
UM-denken und neue Erfahrungen mitten aus dem zerstörten Leben heraus machen wäre adäquater und beste Trägersubstanz dabei wäre Liebe + Zärtlichkeit in erster Linie mal zu uns selbst.
'Eigentlich ist Zärtlichkeit die schönste Form von Lebendigkeit' finde ich.
Eine wahre Begebenheit.
Und weil der Mensch hier der Mann und seine Frau wenig von derNatur wussten und das wenige was sie wussten, mit Machtausübung gekoppelt zur Zerstörung nutzten ( vom Faschismus bis zur Atombombe) so wurden wir - ihre Kinder in einen Kreislauf von Gewalt und Krieg hineingeboren. (spätere VOLXweisheit zur immer wiederkehrenden Gewaltdiskussion:
Wir haben die Gewalt nicht erfunden- sondern vorgefunden ) Den Kreislauf von Menschen- und Weltzerstörung wollten wir 1968 mit gesellschaftlichen Utopien umkehren.
Erzogen zur Gewalt ( bewusst oder unbewusst hatten diese ALLE autoritär( V-) Erzogenen verinnerlicht) überschätzten wir unsere konstruktiven Ansätze und gerieten in grossen Widerspruch eine FREIE Gesellschaft mit den verinnerlichten Vorstellungen von Strafe- Sanktionen + Gewalt aufbauen zu wollen .
Freiheit kann nur durch (soziale ) Freiheit geschaffen werden und seien die Ansätze auch noch so klein.
Die Unterdrückung der Frauen durch die Männer wurde damals zwar ununterbrochen thematisiert, aber sie blieb.
Die Unterdrückung von Kindern durch Frauen+Männer wurde analysiert, blieb aber auch.
Und die Unterdrückung der Tiere+Pflanzen- der Natur durch ALLE war ein weiterer Kreis-bzw. Spirallauf der Unterdrückung, der stabiler war und ist, als wir alle das damals ahnten und wahrhaben wollten.
Eine der Möglichkeiten diesen verhärteten Strukturen eine Perspektive zu geben sahen wir damals in den sog. bewusstseinserweiternden Substanzen von denen wir uns Impulse und utopische Alternativen erhofften.
Plötzlich eröffneten sich neue 'Realitäten' und die festgefahrenen, verhärteten gesellschaftlichen Strukturen schmolzen so fühlbar, dass manche das als die bereits neue, lebbare Realität ansahen und vergassen, dass diese Verzerrung nicht ohne Sanktionen bleiben würde.
Viele holte die Drogenrealität ein- körperlich + von seiten des Staates.
Ein Trugschluss auch das.
Es gab verschiedenste Wege der Aufbrechenden damals von Konfrontation mit den HERRschenden( bewaffneter Kampf) bis hin zu Flucht aus dem realen ALLtag oder zu dem NEUEN Leben, das sich nur noch im eigenen Kopf abspielte und die Realität so laufen liess.
Anpassung auf unangepasstem (Denk-)Wege.
Die verschiedenen Geschichten und Wege sind inzwischen bekannt durch Bücher + und Filme und füllen auch schon einige Archive.
Es gab auch einige die lagen überall dazwischen - fühlten sich zwar als Militante aber die Waffen waren nicht mehr real. Vage Vorstellungen, Creativität , Utopie plus Erfahrungen aus der Aufbruchsdrogenzeit - tägliches Abmühen als JobberInnen für paar Kröten in Zusammenhang zu kriegen - und ja nicht resignieren im Überlebensk(r)ampf - das sollte eine neue Form vom selbstbestimmten möglichst herrschaftsFREIEN Leben werden - ein vager Aufbruch - Autonome Zentren wie Infoläden ( für unterdrückteMedien) brachten unterschiedlichste Perspektiven hervor 3-allen gemeinsam war - militantes NICHThinnehmen des Gewaltmonopols STAAT - Widersprüche inbegriffen Autonome Kommunisten hiess dort - ohne Partei, aber mit Macht+ Staat , nicht diesem aber einem anderen Staat.
Autonome AnarchstInnen - im Bewusstsein persönlicher und gesellschaftlicher Widersprüche ohne unnötigen Ideologiedruck - den NEUEN, gewaltfreien Menschen sofort präsentieren zu müssen! (und so in den Widerspruch der Graswurzler zu geraten in einem Gewaltstaat eine Nischenideologie als geschlossenes System durchsetzen zu wollen).
CHAOSTHEORIE- eine Umschreibung damaliger Utopie der Wahrheit - und die Überzeugung-WIR sInD dEr geschichte NiX aber auch gaRnIx sChuLdIg..Und dann schlich sich ein,dass Keine+Keiner sich eine freundlich-lebbare Welt mehr vorstellen konnte.
'Drinnen ist es so wie draussen, nur anders' - damit waren die Knäste , genauer Folterknäste gemeint und ihr Äquivalent der Gesellschaftsknast hier draussen.
So verliess man/frau fast unbemerkt die Basis für ein lebenswertes Leben und wurde zerrüttet fast nur im Anti-Kampf, eine ausgebrannte Feuerwehr im hinwegrasenden Sturm. Eine fast (bio-) logische Folge dann die Krebserkrankung bei mir. Und damit war ersteinmal die Art meines Zutuns zur Revolution beendet , in dieser Form gescheitert und ich sah mich gezwungen direkt von mir zu sprechen Die Gedanken vom autonomen Tod oder vielleicht doch zur Genesung wurden Priorität und das nicht nur auf dialektische, sondern bereits cybernetische Weise Als Leben der eigenen Utopie begann die Auseinandersetzung mit dem Tod - dem eigenen Tod und kam direkt im Leben an. Du musst scheinbar gewaltig irren, um die Wahrheit - hier auch Körper - und Bewusstseinswahrheit tief zu erfahren.
Der Kurzschluss im Gehirn dieses dauernde enger werden der Lebensmöglichkeiten diese permanenten eindimensionalen und nur zielgerichteten Aktivitäten all diese energieraubenden Konfrontationen mit den zerstörerischen Institutionen bis hin zum STAAT ( wer ist das eigentlich???) diese Begegnung mit zermarternden Lebensformen( Beziehungen) ohne den befreienden Lebenstraum -
Das ist verengtes Leben,was für creative Menschen nicht ohne Folgen bleibt wobei es letzten Endes austauschbar wird ob der Tiefpunkt - Endpunkt-Knast ist oder Krankheit oder soziales Elend bis hin zur Psychiatrie.
Zwangswirklichkeit in einer Zwangsgesellschaft.
Aber meine Realität nahm eine Wunder-wendung. Ich sah sehr wohl die Möglichkeit im Angesicht des (damals ersehnten) Todes zum Leben zu kommen und zwar zum farbenfrohen Leben- besser kann ich den cybernetischen Lebensentwurf nicht beschreiben.
In einer Welt von täglicherHERRschaft und Gewalt ist es sehr wohl möglich reale Utopie und Liebe zu leben.
Gedanken zurück- Ursprung der Definition von Kybernetik ist vielleicht am besten aus der Vielschichtigkeit der griechischen Naturbetrachtungsweise zu verstehen.
Keinesweg war der Mann+ das Steuer(mit heutigem Bewusstsein betrachtet ) das dominierende Moment der Definition sondern Kybernike als der Steuerman eines Kahns, eines Schiffes im Wasser mit aller Physik.
Vom Bau des Schiffes angefangen mit allen Phasen der Naturbetrachtung und - erfahrung wie es im Wasser liegt und voran kommt, belastbar ist bis hin zur Lenkbarkeit durch den Menschen und für mehr Beweglichkeit des Menschen Ein Durchschreiten verschiedenster Ebenen von Denkstrukturen, Energie und Materie Wetter-, Wasserbedingungen unterschiedlichster Art vorausgedachte Konstruktionen und kunstvolle, spontane Ausgleichmöglichkeiten immer wieder Veränderungen durch Eingreifen und Erfahrung plus Abstraktion im philosphisch-griechischen Sinn das war Kybernike - ein naturbezogener, adäquater Umgang plus Betrachtung von Natur
4-und ein historisches Weitertragen dieser noch offenen, philosophischen Naturbetrachtung.
( Philosophie = Liebe zur Weisheit, zur Wissenschaft) Naturbetrachtung zurück bis ca. 2.500 Jahre vor unserer Zeitrechnung.
Das sog Christusbewusstsein ca. 2.000 Jahre zurück gab der Weltbetrachtung einen bis dahin in der Öffentlichkeit unbekannten sozialen Aspekt.
Diese Denk- und Lebensrichtungen kennen wir heute nur in pervertierter, zerstörter Weise und immer noch stehen wir Frauen bis heute in dieser hierarchisch-strukturierten von Männern( weltweit )dominierten Gesellschaft unter doppeltem Druck.
Und wieder erlebe ich, dass das Bewusstsein sich keineswegs diesem Druck beugen muss, sondern beflügelt einen Gedankengang favorisieren kann dass Logik nicht das von der Natur abgetrennte Männer-phänomen sein muss, sondern als Bio-Logik verstanden und viel kosmischer eingebettet in vielen Frauenzusammenhängen emotional gelebte Ganzheit bedeuten kann die das Leben zum Tanzen bringt - Lebendigkeit wild und anarchistisch.
Cybernetisch ausgehebelt durch vergrössertes Denken ohne Konkurrenz.
Creativ + einfallsreich
unvollständig + spontan
Ich will weder einen eindimensionalen Biologismus aktivieren noch limitierte Polarisierungen wie in unreflektiertenFeminimuszeiten forcieren. Warum aber tauchen auf dem Weg in die soziale FREIHEIT und Utopie immer wieder Lähmungen auf die uns am gemeinsamen Aufbruch hindern. Sind es die traumatischen TABUS die uns hindern + verhindern dass wir das Leben mit befreienden Alternativen heute schon leben?
Die sichtbare Polarisierung in der Globalisierung wird von Tag zu Tag krasser und kein Ende in Sicht.
Da gibt es für mich nur EINS springen + fliegen über alle Widersprüche hinweg in neue Dimensionen.
Bremsklotz Materie aushebeln und Gedanken frei werden lassen, lebendiges Freuen möglich machen.
Auch für die schlimmste Situation - gibt es einen Ausweg das ist meine A-Erfahrung, die ich als Minimum weitergeben kann. Das Beni-Papier, alt und NEU benennt reale Utopien im Ideen-Katalog mit Vorschlägen und das Utopie-Papier von Jonny machte den Anfang der Diskussion die bis jetzt noch viel zu selten geführt wurde.
Wir - die wir ohne Machtanspruch und ohne Druck und ohne Gewalt IDEEN umsetzen können eRsT mAL kLeIne - können uns doch mindestens ALLES Schöne vorstellen was das Leben lebenswert macht und an die,die das wollen auch weitergeben. Dabei meine ich nicht in erster Linie - Essen + Trinken, das ist für uns Menschen kein Luxus, sondern Voraussetzung für ein würdevolles Leben.
Darüber sollte nicht gestritten , sondern eher beraten werden wie wir besser Teilen + vErTeilEn können, sodass die ökonomischen Sorgen uns nicht derart blockieren dass wir keine Freude mehr am Leben haben.
Weil wir keinen MACHT-druck ausüben müssen könnten wir doch viel fröhlichere Menschen sein, als die permanent- konkurrieren -Müssenden die nur in Energieraub + Tricks denken können und sich über Unglücke der Anderen freuen und diese verursachen und sogar damit Geld machen.
Ich hör' jetzt auf - denn Freude gemeinsam zu erleben ist viel spannender als Freude zu beschreiben und nochmal zurück zur Kybernetik als Wissenschaft mag alles sein, aber nicht für mich - immer noch aktuell was Bakunin 1871 zur Wissenschaft gesagt hat und das ist auf der näxten seite zu lesen.
Die Frau, die einfach nur lebthttp://www.zeit.de/2003/18/Blockh_9ftte_neuDarf man in einem Holzhaus wohnen, das kleiner ist als Nachbars Garage? Darf man so wenig arbeiten, wie man möchte? In einem oberschwäbischen Dorf praktiziert eine Frau ihre ganz persönliche Sozialreform Wenn Anne Donath abends Licht braucht, greift sie in eine Schublade. Dort liegen die Streichhölzer für die Kerzen. Wenn sie im Sommer etwas kochen möchte, geht sie vor die Tür. Dort ist die Feuerstelle, drei große Steine, auf denen der Topf steht. Wenn sie in ihrem Haus vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer will und von dort in die Küche, muss sie sich bloß einmal drehen. Es gibt nur ein Zimmer. Das Haus der Anne Donath ist aus Holz und eher eine Hütte, vier Schritte lang, vier Schritte breit. Es hat zwar moderne Dachziegel, wie sie der Bebauungsplan für diese Gegend vorsieht, doch so zu wohnen ist im Lebensplan der Menschen nicht vorgesehen. Die Menschen hier leben in Massivbauhäusern und fahren Mercedes. Sie haben große Gärten und mähen samstags den Rasen, sie haben Vermögen und schauen abends im Fernsehen Wer wird Millionär?. Anne Donaths Leben aber ist geprägt vom Nichthaben. Kein Strom. Kein Telefon. Kein Gas. Und erst recht kein Auto. So lebt Anne Donath. Mitten in einer Einfamilienhaussiedlung. Mitten in einem oberschwäbischen Dorf. Und auf einmal auch mitten in einer gesellschaftlichen Debatte, die vor allem von einem Wort geprägt ist: Verzicht. Jahrzehntelang haben die Politiker in Deutschland den Menschen versichert, dass ihr Leben auch im Alter geordnet verlaufen werde, dass ihre Rente sicher sei. Nun erfahren diese Menschen, dass sie besser privat fürs Alter vorsorgen. Nur wie? Mit Aktien haben viele viel Geld verloren. Die Lebensversicherungen zahlen weniger aus, als sie versprochen haben. Wie ein Bausparvertrag funktioniert, hat sowieso noch nie jemand durchschaut. Nur jeder Achte, heißt es in einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung, hat sich schon einmal Gedanken gemacht, wie viel Geld er im Ruhestand eigentlich braucht. Anne Donath hat nachgedacht. Sie hat überlegt, was sie zum Leben braucht und wie viel sie das kostet. Vor zehn Jahren nahm sie einen Kredit auf und kaufte sich dafür ein Grundstück, sie setzte ihr Blockhaus drauf und zahlte peu à peu den Kredit zurück. Heute lebt sie von 370 Euro im Monat, dafür geht sie arbeiten. »Ich habe«, sagt die 54-Jährige, »meine Lebensumstände vereinfacht.« Vereinfachte Lebensumstände sind es zum Beispiel, wenn Anne Donath im Urlaub nach Griechenland will, aber nicht das Flugzeug, nicht die Bahn nimmt – sondern mit dem Fahrrad fährt. Vereinfachte Lebensumstände sind es auch, wenn dieses Fahrrad kein Mountainbike ist, kein Ultraleichtmodell mit 36 Gängen, mit dem man die Alpen in Richtung Süden überquert. Anne Donath ist vergangenes Jahr mit dem Fahrrad gefahren, das sie sonst auch benutzt: ein altes, kleines BMX-Rad, ohne Gangschaltung; nur einen neuen Sattel hat sie sich gegönnt. Bergauf musste sie schieben. So eine liegt uns auf der Tasche, sagen ein paar Leute im Ort Es ist ein extremes Bild, das diese Frau den Menschen bietet, wie bei einem Zerrspiegel, in den man hineinschaut und nichts Vertrautes sieht, nur Sonderbares. Und wenn etwas sonderbar ist, schreckt es die meisten Menschen erst einmal ab. So eine liegt uns auf der Tasche, wenn das alle machen würden, wäre unsere Wirtschaft bald am Ende, sagen die einen im Ort. Es ist gut, dass sie wenigstens arbeitet, sagen die anderen, dort kann sie ab und zu duschen, und ein warmes Essen bekommt sie auch. Bad Schussenried, auf halber Strecke zwischen Biberach und Bodensee. »Barock, Bier und Betonmischer«, sagt der Bürgermeister, so lasse sich seine Stadt ganz gut beschreiben. 8500 Einwohner, ein altes Kloster mit spätbarockem Bibliothekssaal, eine Brauerei mit Biermuseum, draußen vor der Stadt baut die Firma Liebherr mit 500 Beschäftigten Betonmischer für die Welt. Im Büro des Bürgermeisters hängt das historische Stadtwappen, daneben leidet Jesus am Kreuz. Georg Beetz trägt Rollkragenpulli statt Krawatte und eine rahmenlose Brille, Modell Jürgen Schrempp. Er ist so etwas wie der Moderator im Strukturwandel, den jede Kleinstadt durchmachen muss. »Manche hier haben Angst vor den Veränderungen«, sagt er. An der Hauptstraße von Bad Schussenried entdeckt man noch immer die Informationstafeln der Vereine, der Liederkranz 1859 e. V. lädt zur Jahreshauptversammlung in den Wilden Mann. Am Stadtrand zieht Aldi einen großen Supermarkt hoch, das Hotel am anderen Ende von Bad Schussenried heißt Amerika. Am Anfang haben Anne Donath wohl alle für verrückt gehalten. Im Ortsteil Steinhausen wollte sie bauen. Der Ortschaftsrat verweigerte die Baugenehmigung. Dann gab das Kreisbauamt die Freigabe. »Da sollte man ein Streichholz dranhalten«, sagte ein aufgebrachter Dorfbewohner, als sich das Blockhaus nicht mehr verhindern ließ. Nur die Bank sagte nichts und gab Anne Donath Geld. Viel hat das Haus damals ja auch nicht gekostet: 85000 Mark, inklusive Keller, Kamin und Bullerofen, dazu noch 50000 Mark für das Grundstück und die Erschließungskosten. So etwas finanziert jede Bank, wenn man die Grundschuld eintragen lässt, eine Lebensversicherung aufnimmt und ein solider Arbeitgeber das Gehalt garantiert. Heute ist das kleine Blockhaus so etwas wie die Touristenattraktion von Steinhausen: Wenn im Gasthof Linde an der Hauptstraße eine Familienfeier stattfindet, nutzen die Menschen die Zeit zwischen Mittagessen und Kuchen und gehen »mal gucken, wo die Frau lebt«. Es sind nur ein paar Querstraßen zu Fuß. Anne Donath arbeitet als Krankenschwester im Zentrum für Psychiatrie von Bad Schussenried. Es ist, sagen die Leute dort, ein guter Arbeitgeber, der für seine Angestellten sorgt. Laut Vertrag arbeitet Anne Donath einen Tag pro Woche. De facto sieht das so aus: Im Sommer arbeitet sie als Urlaubsvertretung mehrere Wochen am Stück, dafür hat sie den Rest des Jahres frei. Macht einen Bruttolohn von monatlich 470 Euro – steuerfrei. Abgezogen werden ihr nur die Beiträge für die Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung; das sind knapp 100 Euro. Gerade mal 33 Euro fallen jeden Monat an festen Kosten an: für die Gebäudeversicherung und die Grundsteuer, die Haftpflichtversicherung und den Kaminfeger, die Müllabfuhr und das Wasser, dazu für Holz, Schmierseife und Kerzen – und für die GEZ. Anne Donath besitzt ein batteriebetriebenes Radio. Hinter dem Haus baut sie Gemüse an, Lauch, Zwiebeln, Tomaten und ein paar Kartoffeln, was der Garten eben so hergibt. Sie isst häufig Kartoffeln, am liebsten mit Zwiebeln, und weil der eigene Vorrat nicht reicht, muss sie nach einem langen Winter bei einer Freundin nachkaufen. Wenn Anne Donath das Abendessen vorbereitet, sitzt sie mit angezogenen Beinen auf dem Boden ihrer Hütte, barfuß, so wie sie meist auch herumläuft, man sieht das, ihre Füße sind rau und haben Schwielen. Das Haus ist sparsam möbliert: Neben der Tür der Bullerofen, auf dem jetzt Wasser kocht; daneben ein Korb voll Holz und altem Papier als Brennmaterial; zwei Regale mit Büchern, ein kleiner Schrank für die Lebensmittel und ihre Kleidung; eine Leine, an der sie im Winter die Wäsche trocknet; ein heller, flauschiger Teppich, auf dem sie tagsüber sitzt und liest und nachts schläft oder liest, wenn sie nicht schlafen kann. Links vom Eingang geht es zum Bad: Hinter einem Vorhang ist eine Ecke der Hütte gefliest, an der Wand ein Wasserhahn, davor steht ein Eimer – »Das ist das Waschbecken«, sagt Anne Donath, »man kann sich auch mit drei Litern Wasser gründlich waschen, ohne Dusche«. Es gibt einen Spiegel und eine Toilette. Anne Donath spült mit Regenwasser, das sie draußen in einer Zisterne sammelt. Sie hat Kartoffeln gekocht, dazu gibt es Brot und eingelegten Knoblauch. So ein Essen könnte vielleicht auch die Nachbarin servieren – nur hätte die es bestimmt nicht auf dem Boden zubereitet, barfuß, und die Kartoffelschalen in einer kleinen Pappschachtel gesammelt. Nur der Kartoffelschäler könnte der gleiche sein. Den hat Anne Donath aus dem Supermarkt. Im Grunde lebt sie so, wie es viele Deutsche für ein paar Wochen im Jahr versuchen: einfach, ohne technischen Schnickschnack, in einer kleinen Hütte, die am besten in den Bergen steht oder am Meer. Wer das nicht sucht, hält es zumindest für vollkommen normal, dass die Menschen in Asien oder Afrika so leben. Aber in Oberschwaben? Soziale Gegensätze können eine Gesellschaft zerreißen. Deshalb reden Sozialpolitiker so viel über das »Existenzminimum« oder die »Hilfe zum Lebensunterhalt«. Deshalb horchen die Menschen auf, wenn von »neuer Armut« die Rede ist oder davon, dass Arbeitslose weniger Geld bekommen sollen. 6948 Euro im Jahr beträgt das steuerfreie Existenzminimum in Deutschland; Anne Donaths Einkommen liegt darunter. Offiziell gilt man hierzulande als arm, wenn das Einkommen niedriger ist als die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens der Gesamtbevölkerung. Laut Statistik lag das durchschnittliche Nettoeinkommen zuletzt bei 1440 Euro. Also ist Anne Donath arm. Arm dran kann sie nicht sein. Sie hat sich ja bewusst entschieden, so zu leben. Sie könnte zum Beispiel länger arbeiten, um mehr zu verdienen, in der Klinik hat man ihr das immer wieder angeboten. Dann könnte sie sich auch ein Auto kaufen. Oder wenigstens ein besseres Fahrrad. Oder eine große Wohnung mieten, damit sie nicht in einem Haus leben muss, das kleiner ist als die Garage der Nachbarn. Sie will das nicht. Sie will nicht mehr arbeiten, um dann mehr zu haben. Anne Donath ist genau den umgekehrten Weg gegangen: Sie arbeitet so viel, wie für sie existenziell notwendig ist; mehr nicht. Das Existenzminimum ist für sie keine Barriere, hinter der das Glück beginnt. So ist sie zu dem Leben gekommen, das sie nun lebt. Eigentlich hat sie sich schon vor 50 Jahren auf den Weg gemacht. »Müßiggang ist schöpferisch«, sagt sie – und hat sogar Zeit zum Wollespinnen Malente, Schleswig-Holstein, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Geld ist in Deutschland knapp, insbesondere für jene, die viele Kinder ernähren müssen. Anne Donath hat zwei Brüder. Sie lebt mit ihren Eltern bei der Großmutter, in einem alten Haus. Viel Platz hat die Familie nicht: zwei Zimmer unter dem Dach. Als ein weiteres Kind kommt, ziehen alle in eine größere Wohnung, mit Badewanne und Eisschrank. Manchmal weiß die Mutter nicht, wie sie das Essen bezahlen soll. Als noch ein Kind kommt, wohnen sie in einer noch größeren Wohnung und haben noch weniger Geld. So etwas prägt. Heute sagt Anne Donath über sich, dass sie »einen extremen Hang zur Sicherheit in finanziellen Dingen« habe. Dass sie mit hohen Schulden nicht leben könne. Und dass es für sie immer klar war, »nach einem soliden Besitzstand zu streben« – einem eigenen Haus. Als sie heiratet, zieht sie mit ihrem Mann nach Süddeutschland. Regelmäßig fahren sie im Urlaub nach Algerien, im VW Bus oder Geländewagen. Ihre drei Töchter nehmen sie mit. Im Norden Afrikas sieht Anne Donath, dass man zum Waschen keine Waschmaschine braucht. Dass man auch über einer Feuerstelle kochen kann. Und dass die Beduinen, obwohl sie so viel von Hand machen, immer noch Zeit für ein Gespräch haben. Nach ihrer Scheidung zieht sie mit den Kindern nach Bad Schussenried in eine Mietswohnung. Hochhaus, siebter Stock, bei Föhn kann man die Alpen sehen. Das Fernweh kommt wieder. Als die Töchter erwachsen sind und ausziehen, kauft sich Anne Donath einen neuen Jeep und fährt los. Sechs Wochen verbringt sie 1992 in Mertoutek, einer kleinen algerischen Oase, dann weiß sie, wie sie künftig leben will. Als der Wäschetrockner kaputtgeht, kauft sie keinen neuen. Irgendwann macht die Spülmaschine ihren letzten Waschgang. Anne Donath rechnet. 400 Euro soll sie später als Rente bekommen, mehr nicht, sie hat wegen der Kinder einige Jahre nicht gearbeitet. Aber 400 Euro sind zu wenig, um die Miete zu zahlen und so zu leben wie bisher. Anne Donath rechnet weiter. Was kostet mich das günstigste Haus, vielleicht ein Blockhaus? Wie teuer wäre ein Kredit? Weil sie zwar Abitur hat, aber die Formel für den Zinseszins nicht kennt, schreibt sie lange Zahlenkolonnen aufs Papier. Nur jeder Vierte, heißt es in der Bertelsmann Studie, hat sich schon einmal ausrechnen lassen, wie viel Rente ihm später zusteht. An Heiligabend 1993 zieht Anne Donath in ihr eigenes Haus. Wenn sie die Tür aufschließt und in die Hütte kommt, tastet ihre rechte Hand in den ersten Wochen immer noch nach dem Lichtschalter. Heute kann sie sich kaum vorstellen, noch einmal anders zu leben. Ihre Kinder haben das längst akzeptiert – vielleicht, weil sich gewisse Charakterzüge eben doch vererben. Ihre älteste Tochter wird im Sommer ihren Job aufgeben, um »eine Weile« Schafe zu hüten, wie Anne Donath sagt. Natürlich versucht jeder im Ort, diese seltsame Frau in eine Schublade zu stecken – und wird widerlegt. Die Umweltbewegten sind enttäuscht, weil Anne Donaths Haus einen Betonkeller hat und keinen Lehmboden. Die Vegetarier sind enttäuscht, weil sie bei Freunden Wurst isst. Die Autohasser sind enttäuscht, weil Anne Donath sich von der Freundin mit dem Auto nach Biberach zum Einkaufen mitnehmen lässt. Die Konsumverweigerer sind enttäuscht, weil sie sich ab und zu richtig teure Sachen kauft, Wanderstiefel etwa, für 215 Euro. Die Streitlustigen sind enttäuscht, weil Anne Donath zu ihren Nachbarn ein recht gutes Verhältnis hat; manchmal kommt die Frau von nebenan und bringt Kuchen. Eigentlich sind alle enttäuscht, weil Anne Donath weder gramgebeugt durchs Leben geht noch die viele Zeit, die sie hat, für große Taten nutzen will. Sondern einfach nur lebt. Aus vier Tagen Geldverdienen sind bei Anne Donath vier Tage Zeithaben geworden. »Müßiggang ist schöpferisch«, sagt sie. »Lieber sinniere ich fünf Stunden in der Hängematte und arbeite dann eine Stunde, als dass ich fünf Stunden den Buckel krumm mache und dann eine Stunde grüble, ob das wirklich nötig gewesen wäre.« Oder sie entdeckt, wofür sie jetzt alles Zeit hat. Zum Wollespinnen etwa. Anne Donath macht sich ihre Pullover selbst – nicht, weil sie mit selbst gemachten Pullovern die Textilindustrie boykottieren will. Sondern weil sie irgendwann entdeckt hat, dass der Bauer im Dorf ganz froh ist, einen Abnehmer für die Wolle seiner Schafe zu haben, die er sonst teuer entsorgen müsste. Weil sie einfach probiert hat, wie es ist, wenn man Naturwolle wäscht und kämmt und dann mit einem Holstöckchen spinnt. Zwei Monate braucht sie für einen Pullover. Im Laden würde ein Kleidungsstück aus handgekämmter Schurwolle ein Vermögen kosten. Anne Donath kann es sich leisten. Es kostet sie nur Zeit. Und wenn nun in Bad Schussenried noch jemand auf die Idee kommt, so zu leben, noch ein solches Haus zu bauen? Der Bürgermeister zögert. Vor zehn Jahren war Georg Beetz noch nicht im Amt, aber er hätte, sagt er, nichts gegen Donaths Hütte einzuwenden gehabt. Heute sitzt Beetz in einem Büro, so groß wie das kleine Holzhaus in Steinhausen. Vom Schreibtisch aus blickt er auf eine historische Stadtkarte. »Kommt darauf an, wo dieses Haus hin soll. Direkt im Ortskern, zum Beispiel an der Hauptstraße, geht es natürlich nicht. Es kann eben nicht jeder immer das tun, wozu er gerade Lust hat. Nur so funktioniert eine Gesellschaft.« Lesen Sie hier mehr aus dem Ressort Lebensart.
Foucault konzentriert sich in seinen Ausführungen auf den äußeren Raum: "Wir leben nicht in einer Leere, innerhalb derer man Individuen und Dinge einfach situieren kann. Wir leben nicht innerhalb einer Leere, die nachträglich mit bunten Farben eingefärbt wird. Wir leben innerhalb einer Gemengelage von Beziehungen, die Plazierungen definieren, die nicht aufeinander zurückzuführen und nicht miteinander zu vereinen sind." Es gibt gleichfalls - und das wohl in jeder Kultur, in jeder Zivilisation - wirkliche Orte, wirksame Orte, die in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichnet sind, sozusagen Gegenplazierungen oder Widerlager, tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind, gewissermaßen Orte außerhalb aller Orte, wiewohl sie tatsächlich geortet werden können. Weil diese Orte ganz andere sind als alle Plätze, die sie reflektieren oder von denen sie sprechen, nenne ich sie(...) Heterotopien." In die Überlegungen des Raums muß auch der Begriff der "Macht" einbezogen werden. Im erwähnten mittelalterischen Ensemble ist ein klar hierarchischer Aufbau der Räume ablesbar, der die Machtstrukturen spiegelt: Je weiter oben ein Raum angesiedelt ist, desto mehr Macht wird ihm zugesprochen. Mit der Änderung dieser Gliederung kommt es zur Erzeugung einer gleichwertigen, auf einer "Stufe" befindlichen Ebene. Diese Gleichwerigkeit ist aber nur eine scheinbare: dies drückt sich am deutlichsten in der Zuordnung von "Wertigkeiten" aus, die in einem zugeordneten Volumen oder Ausmaß von "Macht", "Wissen" und ähnlichem ihren Ausdruck finden. Foucaults absolut zutreffende Überlegungen zu den Hetereotopien machen diese Besonderheiten sichtbar: Die in Bezug auf "Macht u.ä. wichtigste Qualität der Hetereotopien ist deren hohes Maß an Varianz. Der übrige "Rest-Raum", der durch das Festmachen der Hetereotopien praktisch zwangsläufig mitkonstituiert und deklariert wird, zeichnet sich durch gewisse statische Verhältnisse, also eine Art von Invarianz aus, die den Wert des "Rest-Raumes" gegenüber der Hetereotopie schmälert. Im Spannungsverhältnis von Varianz und Invarianz zueinander liegt nun das Potential der Hetereotopie mitbegründet. Dieses Potential ist wertfrei, kann und wird aber, wie auch im vorliegenden Fall, einer Position, Intention - oder gar einer Ideologie - untergeordnet und nutzbar gemacht. Die Heterotopie als "ein Ort ohne Ort, der aus sich selber lebt, der in sich geschlossen ist und gleichzeitig dem Unendlichen (...) ausgeliefert ist, verheißt zwar eine Freiheit, aber in dem Maß wie der Prozeß einer Verbürgerlichung greift, wird diese Freiheit inflationär. Das Foucaultsche Labyrinth - Thomas Ballhausen - Hrsg. Marvin Chlada - Gerd Dembowski STERNECK.NET  Archiv : Utopia | Politik | Ökologie | Gender | Sex | Cyber Ritual | Drogen | Musik | Literatur | Vision Die neue Zivilisation Richtlinien für eine neue Zivilisation in dieser Weise formuliert, kann ein hervorragender Ratgeber - auch für den einzelnen sein. Es finden Veränderungen statt, sowohl innerhalb der Menschheit als auch der Staatsführungen, die eine Menge Unruhe erzeugen. Keine Frage, nicht alles davon gefällt uns - aber lassen wir uns alles gefallen, werden wir es mittragen müssen. Ich hoffe die Nationalratswahlen benützen einige um Denkzettel auszuteilen...entzieht ihnen eure Unterstützung. Der Artikel enthält alles wünschenswerte und Zukunftsweisende Aspekte, und ich hoffe ihr findet ihn auch so interessant wie ich.
Der Artikel habe ich der HP der Freezone.org entnommen. Meinen Dank anbei. http://freezone.de/german/d_ncg.htm Eine ZIVILISATION ist eine ökonomische Maschine. Sie basiert auf Ideen und weist im Wesentlichen folgende Bestandteile auf:  Die Überlebenssicherung ihrer einzelnen dynamischen Bestandteile,
 die Erweiterung ihres Wissens,
 ihre Bereitschaft Verantwortung für ihre einzelnen Bestandteile zu übernehmen,
 ihr Affinitäts- und Realitätsniveau sowie ihre Kommunikationsfähigkeit,
 ihre Ethik, ihre Technologie und ihre Verwaltung.
Werden ihre Ideen oder wird ihre Wirtschaft unterdrückt, verändert sie sich negativ. Sie geht ein und verschwendet oder zerstört ihre einzelnen dynamischen Bestandteile. Die Rettung einer absteigenden Zivilisation wird folgendermaßen erreicht:  man findet und identifiziert den unterdrückerischen Einfluß,
 man stellt eine positive und unabhängige Alternative bereit,
 man gibt diese Alternative als einen richtungsweisenden Vektor bekannt,
 man gewährt ihr eine solide und beständige Finanzierung
 und beläßt ihre gute, aufbauende Produktion und ihr Tauschverfahren frei und unabhängig.
 man überprüft diese Alternative laufend, korrigiert sie, wenn nötig, um ihren Einfluß zu vergrößern,
 man verbreitet ihre Werte und ihre Ästhetik in großem Ausmaß
 und man unternimmt verantwortungsvoll durchgeführte Auswertung, Planungsgestaltung und Koordination des Überlebens und der Expansion ihrer einzelnen dynamischen Bestandteile.
Die übergeordnete Verwaltungsorganisation eines Planeten sollte sicherstellen, daß die Zivilisation (gemäß obiger Definition) fortwährend wächst und gedeiht, bei gleichzeitiger Garantie von maximaler Freiheit für das Individuum, da das Individuum der grundlegende Bestandteil einer Zivilisation ist. Ein allgemeines Verstehen dieses Konzeptes wird das Überleben der Zivilisation verbessern und ihre Expansion erhöhen. Unter so funktionierenden Umständen können unterdrückerische Einflüsse nicht überleben, verschwinden bald oder werden schnell in Ordnung gebracht. Die neue Zivilisation ist ein Spiel, in dem jeder gewinnt. Ihre Freiheiten gehören jedem Individuum, so daß die gesamten Überlebens- und Expansionsabsichten erreicht werden können. Gedankenfreiheit, freie Marktwirtschaft und die Teilnahme an allen Bestandteilen einer Zivilisation sind hierin enthalten. Die "alte" Zivilisation enthält Hindernisse, welche die Individuen unterdrücken, indem sie ihnen Dinge gibt, die sie nicht brauchen und nicht haben möchten, wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit, Steuern, Kriege, atomare, biologische und chemische Waffen, eine unsichere Währung, Kriminalität, Drogen, die den Verstand zerstören, Umweltverschmutzung, die Zerstörung des Gleichgewichtes der Natur, Unterdrückung der freien Marktwirtschaft bis hin zum Bankrott, Unterdrückung der Ideen eines besseren Überlebens und Ideen von Expansion und Gesundheit, Unterdrückung der freien Rede, der Presse- und Religionsfreiheit; und Einsätze eines Polizeistaates, der mit psychopolitischen und Computermitteln jedes einzelne Individuum überwachen kann. Das Spiel der Neuen Zivilisation gibt dem Planeten Erde verschiedene neue Ziele. Das erste ist ÜBERLEBEN. Es basiert auf der offensichtlichen Tatsache, daß die Erde eigentlich ein großes Raumschiff ist, mit Lebensraum an ihrer Oberfläche, der das gesamte Rohmaterial für das Überleben einer Zivilisation enthält. Daher ist das erste Ziel: "Unseren Heimatplaneten Erde in Ordnung zu bringen, das natürliche Gleichgewicht, das für das Überleben der neuen Zivilisation notwendig ist, zu erhalten, und eine Zusammenarbeit mit denen, die unser Heim zerstören würden, zu verhindern, abzulehnen oder einzustellen. Das zweite Ziel gilt der EXPANSION. Es basiert auf der offensichtlichen Tatsache, daß abgesehen von der Erde noch andere Welten im Raum existieren, und daß sich die Neue Zivilisation bis hin zu diesen Grenzen ausdehnen wird. Daher ist das zweite Ziel: "Eine wirtschaftliche Technologie und Ausrüstung für den freien Betrieb von privatem und öffentlichem Reiseverkehr zu anderen Planeten und Systemen zu entwickeln, so daß sich die Neue Zivilisation ausdehnen kann und laut gegen diejenigen zu protestieren, die solche Entwicklungen zu militärischen, zerstörerischen und anderen unterdrückerischen Zwecken behalten und verwenden wollen, und jede Kooperation mit ihnen abzulehnen." Das dritte Ziel gilt der PRODUKTION und dem TAUSCHVERFAHREN. Es basiert auf der offensichtlichen Tatsache, daß die Erde nicht genügend Produktion aufweist, um für ihre eigenen Völker ausreichend zu sorgen, geschweige denn über austauschbare Produktionsgüter für den Export zu anderen Planeten und Systemen verfügt. Daher ist das dritte Ziel: "Technologien, Produkte, Güter und Dienstleistungen allen Völkern der Erde zugänglich zu machen und Möglichkeiten zu schaffen, Überschüsse zu anderen Planeten und Systemen zu exportieren, und diejenigen zu verurteilen, welche die Menschen aufgrund persönlicher unterdrückerischer Motive nach wie vor arbeitslos, ungebildet, arm, unterernährt und krank sein lassen wollen, und jede Zusammenarbeit mit ihnen abzulehnen." Das vierte Ziel gilt der VOLKSWIRTSCHAFT. Es basiert auf der offensichtlichen Tatsache, daß Bankiers, Regierungen und Politiker kein stabiles Tauschmittel besitzen. Eines, das einem mit absoluter Sicherheit den entsprechenden Gegenwert an jedem beliebigen Ort des Planeten garantieren würde. Das vierte Ziel ist: "Ein stabiles Tauschmittel zu entwickeln, zu normen und für den allgemeinen Gebrauch einzuführen, damit die Neue Zivilisation sicher, ohne Inflation, ohne Deflation und ohne Krisen wachsen und gedeihen kann. Und außerdem den Menschen die Grundregeln der Volkswirtschaft beizubringen, so daß sie niemals wieder Opfer derjenigen werden - oder solche Personen oder Gruppen unterstützen - die Volkswirtschaft verwenden, um zu unterdrücken." Das fünfte Ziel gilt der FREIHEIT. Es basiert auf der offensichtlichen Tatsache, daß die bestehende "alte" Zivilisation Freiheiten jeglicher Art zum Teil schrittweise, manchmal aber auch ganz plötzlich, unterdrückt; geistige und wirtschaftliche Freiheiten, freies Reisen, die Redefreiheit und die Schriftstellerei und ästhetische Freiheit. Dies führt zu einer mehr oder weniger geistig überwachten, apathischen und unverantwortlichen Gesellschaft, in der Spaß und die Freude am Leben und an kreativen Bemühungen entschwunden ist. Das fünfte Ziel ist: "Alle Arten von kreativem Bemühen, von überlebensfreundlicher und expansionsfreudiger Aktivität zu erkennen, zu bestätigen und zu unterstützen. Die eigene Freiheit als Schlüssel für das Erreichen aller Ziele der Neuen Zivilisation zu schützen, und sich aktiv jeglichem Versuch, persönliche Freiheiten oder Rechte im Spiel der Neuen Zivilisation zu begrenzen oder irgendwelchen Regeln zu unterwerfen, zu widersetzen und ihn zu bekämpfen." Das sechste Ziel bezieht sich auf Vergnügen. Es basiert auf der offensichtlichen Tatsache, daß viel der Freude am Leben in der "alten" Zivilisation verschwunden ist, und darauf, daß ein Spiel interessant sein soll, Spaß machen soll, und Augenblicke des Glücks enthalten soll. Das sechste Ziel ist: "Eine Renaissance von kulturellen, künstlerischen und sozialen Ereignissen wie Sport, Freizeitbeschäftigungen, Lesen, Schreiben, Poesie, Musik, Drama, Schauspiel, Film, und andere kreative und philosophische, künstlerische Bemühungen zu unterstützen, anzuregen, und/oder an ihnen teilzunehmen, denn diese Dinge bringen den Wert, die Zielvorstellungen, die Träume und die Lebensfähigkeit einer Zivilisation am besten zum Ausdruck, und sie helfen darin, ihre Botschaft an alle anderen zu verbreiten, die dem Spiel vielleicht beitreten möchten und auch ihren Spaß daran haben wollen." Das siebte Ziel gilt der KOORDINATION. Es basiert auf der offensichtlichen Tatsache, daß die "alte" Zivilisation aus einem Haufen von Widersprüchen, Konflikten, unnützen und sündteuren Aktionen besteht, die oft von sinnlosen und aufwendigen Verzögerungen begleitet werden. (Kriege, politische Konflikte, Grenzverletzungen, die Verwendung Ihrer Steuergelder zur Anlegung von Waffenarsenalen, die alles Leben auf der Erde und auch die Erde selbst hunderte Male zerstören und vernichten könnten; sehr, sehr langsame Rechtsprechung, Zahlungsverzögerungen für verkaufte Waren und Dienstleistungen, Verzögerungen im Transport-, Post- und Bürowesen und eine allgemein schicksalhafte und hoffnungslose Einstellung). Daher ist das siebte Ziel: "Die Neue Zivilisation anhand ihrer Definition und ihrer Ziele zu koordinieren, damit die Stoßrichtung all ihrer Einsätze in Richtung Überleben, Expansion und Erfolg abgestimmt werden, und auf der dauerhaften Freiheit und dem Glück der betroffenen Individuen aufbauen." Dies alles muß so schnell wie möglich, in Abstimmung mit dem Organisationsplan erreicht werden (hier die englische Ausgabe: The New Civilization Org Board P.S.: Die Neue Zivilisation beschränkt sich nicht auf die obengenannten Ziele. Je nach erfolgter Expansion wird es mehr Ziele geben. Kein Neues wird den hier angegebenen Zielen widersprechen oder sie für null und nichtig erklären. Die Ziele hier gehören für immer Ihnen. Zusatzbemerkungen zum Gebrauch des Organisationsplanes der Neuen Zivilisation: -
Dieser Plan findet in allen Lebensbereichen des Planeten Anwendung. - Bei einem selbst, in der Familie, in der Gruppe, der Nation, der Rasse, den Regierungen und allen existierenden Organisationen. -
Er enthält alles Notwendige für das Überleben und für Expansion, wenn ein wertvolles Ziel vorgegeben wird, das ihn in Bewegung setzt. -
Verwendet eine einzelne Person oder eine Gruppe diesen Plan, so hilft er ihnen, besser zu überleben und schneller zu expandieren. -
Verwendet ihn eine Zivilisation, so hilft er ihr, besser voranzukommen und ihre Ziele schneller zu erreichen. -
Er wird dazu verwendet, in Angelegenheiten, wo Koordination erforderlich ist, Übereinstimmungen zu erzielen und schnellere Entscheidungen zu ermöglichen. Die Neue Zivilisation - WARUM ? Wissen ist Macht, aber Macht ist nicht unbedingt Wissen. Derjenige, der alle Macht besitzt, aber kein oder nur wenig Wissen hat, wird in dem Maße Macht verlieren, wie er sie verwendet. Jemand, der alles Wissen doch keine Macht besitzt, wird in dem Maße an Macht gewinnen, wie er Wissen verwendet. Macht ist eine Fähigkeit, Energie und Kraft einsetzen, um Dinge zu kreieren und/oder zu zerstören. Derjenige, der geringes, falsches oder kein Wissen über die wahre Natur und Beschaffenheit der Dinge hat, der die Ziele und Pläne des Aufbaus allen Lebens ignoriert, derjenige, der ohne Wissen Macht gebraucht, wird mit Sicherheit Zerstörung schaffen und/oder Kreation zerstören. Dies ist in den allerhöchsten Regierungskreisen der "alten" Zivilisation zu beobachten. Dem kleinen Prozentsatz (2% oder 3%) der Leute, welche "Macht ohne Wissen" (= Geisteskrankheit) haben, stehen die Millionen der Erdbevölkerung gegenüber, die wissen, was Leben ist, die auch wirklich wissen, was es heißt, zu überleben, die ihren eigenen Familien und ihren Freunden loyal gegenüberstehen und die den anderen vertrauen, daß auch sie fair und ehrlich, in einer freundlichen Art und Weise, handeln, arbeiten und das Spiel spielen, so wie sie es selbst tun. Diese bei weitem überwiegenden Millionen (etwa 97% der Erdbevölkerung) sind die Ursache aller guten Dinge und sind die Träger des Überlebens einer Zivilisation. Warum ist die "alte" Zivilisation in einer derart schlechten Verfassung? Weil die Macht, die von den 2 oder 3 % Geisteskranken benutzt wird, ihnen ununterbrochen von den 97 % gegeben wird. Sie wird in der Form von finanzieller Energie (Steuern), in Form von Kontrollausübung (indem denjenigen Gehorsam geleistet wird, die Freiheit und Initiative unterdrücken und zerstören), und in Form von Vertrauen (indem diejenigen gewählt werden, die einem die Freude an den Spielen des Lebens entziehen, um für sich selbst mehr Macht zu gewinnen und zu behalten) abgegeben. Diese Macht wird ausgehändigt und die geisteskranken Aktionen werden von den 97 % zu keinem Stillstand gebracht, weil sie: -
Nicht daran glaubten, daß es eine Alternative gäbe, -
weil sie nicht organisiert waren und -
somit nicht erkannten, daß sie ursprünglich selbst die größte Macht auf dem Planeten waren, und -
daß sie selbst die unterdrückerische Kraft waren, die gegen sie verwendet wurde, -
und weiterhin, weil sie nicht erkannten, daß sie die Macht den 2 oder 3 % jederzeit entzögen, würden sie die Leute einfach nicht mehr unterstützen. Bemerkung: Es ist eine offensichtliche Tatsache, daß ein Teil der Macht, die den 2 oder 3% gegeben wurde, eben auch darin bestand, die 97% aufs gründlichste falsch zu unterrichten, womit sie natürlich nichts von 1., 2., 3., 4. und 5. wußten. (z.B. mit Hilfe von kontrollierten Medien, durch die immer wieder der "Glaube" bekannt gegeben wurde, es gäbe keine Alternative.) http://blacksnacks13.spaces.live.com/default.aspxFür Blacks Information Space - Steven Black - am 25.7.2008
BELOHNEN STATT STRAFEN "Es wird sehr viel darüber geklagt, wenn irgendein Übeltäter einmal 'ungestraft' davon kommt. Tatsächlich ist es aber ein weit größerer Skandal, dass die meisten Staaten der Welt all diese wunderbaren Menschen unbelohnt davon kommen zu lassen. Ein Staat, der nicht fähig ist, zu würdigen, hat sein Recht verspielt, zu strafen." Entwurf eines innovativen Justizsystems. (Von Roland Rottenfußer. Erstveröffentlichung in "Der Zeitpunkt", www.zeitpunkt.ch) Zeit: In der nahen Zukunft. In dem (fiktiven) Zwergstaat Nirgendstein, in einer unzugänglichen Bergregion an der Grenze zwischen Österreich und Italien gelegen, wurde seit der Justizreform von 2012 das Strafprinzip zur Gänze durch ein Belohnungsprinzip abgelöst. Es gibt ein Belohnungsgesetzbuch und eine Belohnungsprozessordnung. Der Nirgendsteiner Polizeiapparat wacht 24 Stunden täglich – ausgestattet mit modernsten Fahndungsmethoden – darüber, dass keine belohnenswerte Tat eines Bürgers unbelohnt bleibt. Neben Geldbelohnungen sind wird den Belobigten von Richtern auch der Aufenthalt in extra dafür konzipierten Belohnungszentren (analog zu Gefängnissen) auf Staatskosten ermöglicht. Reporter Roland Rottenfußer, zunächst skeptisch, reiste nach Nirgendstein, um den dortigen Justizminister Tomaso Moro über das innovative Justizsystem des Landes zu befragen: Wir veröffentlichen zentrale Passagen aus dem Interview:
Frage: Ist es wirklich so, dass in Nirgendstein massenweise Straftäter frei herumlaufen?
Moro: Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass es doch bezeichnend sind, dass Sie sich schon zu Beginn unseres Interviews derart auf das Strafen fixieren. Das ist natürlich das Ergebnis einer jahrtausende alten Fixierung der Menschheit auf das Strafen. Generationen sind in dem Sinn erzogen worden, dass schädliche Taten bestraft werden müssen, während nützliche nicht weiter der Rede wert sind. Sie können einem Menschen das Leben retten, indem Sie ihn mit hohem persönlichem Risiko aus einem reißenden Fluss ziehen. Wenn Sie am selben Tag vergessen haben, Ihre Parkscheibe an der Windschutzscheibe zu platzieren, ist das Ergebnis eine Strafe von 20 Euro.
Frage: Sicher wird man bei uns nicht belohnt, aber einen Straftäter frei zu lassen ist doch ungleich schlimmer.
Moro: Warum denn das?
Frage: Er könnte wieder zum Mörder werden.
Moro: Da haben Sie einen wesentlich Punkt angesprochen: die Verbrechensprävention. Die Frage ist also nicht, ob man Verbrechen vorbeugen und potenzielle Opfer schützen soll, sondern wie man das am besten tut. Dazu gibt es allerlei zu sagen. Mein erster Punkt ist: Der einfachste Weg, um Kriminalität zu vermeiden, besteht darin, etwas gar nicht erst zu verbieten.
Frage: Meinen Sie das im Ernst?
Moro: Durchaus. Ein Gesetzesverstoß ist etwas, das per definitionem erst durch ein Gesetz geschaffen wird. Und Gesetze sind ein Spiegel der jeweils herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse, die, wie Sie sicher wissen, nicht immer gerecht sind. Wenn Sie die Kriminalitätsrate herabsetzen wollen, überlegen Sie zuerst, welche im Gesetz verankerte Delikte Sie ersatzlos streichen könnten. Es gibt Fälle, in denen das Verbot eigentlich selbst das größte Verbrechen ist.
Frage: Haben Sie Beispiel?
Moro: Da sind zuerst einmal die typischen politischen Delikte, deren Fixierung im Strafgesetzbuch lediglich nur dient, die alten Machtverhältnisse aufrecht zu erhalten. Verstöße gegen Demonstrationsauflagen, Majestätsbeleidigung, Geheimnisverrat in der Presse, Verschwörung zu terroristischen Aktivitäten usw. Dazu kommen dann haarsträubende Eingriffe in die persönliche Freiheit des Bürgers, z.B. das in einigen Staaten übliche Verbot, Alkohol auf freien Plätzen zu genießen. Ein zweiter Themenkomplex sind Drogen. Menschen werden in der so genannten freien Welt noch immer dafür ins Gefängnis gesteckt, dass sie nichts anderes verbrochen haben als sich selbst zu schädigen.
Frage: Und Eigentumsdelikte?
Moro: Wenn Sie die Zahl der Eigentumsdelikte verringern wollen, sorgen Sie zunächst für Gerechtigkeit. Verringern Sie vor das Volumen des im Überfluss vorhandenen Privateigentums und sorgen Sie dafür, dass ein beträchtlicher Anteil am Eigentum Gemeinschaftseigentum ist.
Frage: Wie erklären Sie es sich dann die einhellige Meinung von Experten aus aller Welt, dass der Verzicht auf den staatlichen Strafanspruch ein unkalkulierbares Risiko für eine Gesellschaft darstellen würde?
Moro: Unser einseitiges Belohnungssystem birgt ein gewisses Restrisiko, dass es zu Ungerechtigkeiten kommen kann. Dies gilt allerdings für das alte Strafsystem nicht weniger. So viel Schaden, wie durch das unmenschliche Gefängnissystem tagtäglich verursacht wird, können wir mit unserem Belohnungssystem gar nicht anrichten. Ich zitiere in diesem Zusammenhang gern Oscar Wilde: „Wenn man die Geschichte erforscht, dann wird man völlig von Ekel erfüllt, nicht wegen der Taten der Verbrecher, sondern wegen der Strafen, die die Guten auferlegt haben.“
Frage: Da ist was dran, aber soll der Staat deshalb dem Schaden, den Verbrecher anrichtet, tatenlos zusehen? Wo bleibt die Solidarität mit den Opfern?
Moro: Wir respektieren den Schmerz und den Verlust der Opfer und tun für deren psychische Betreuung mehr als die meisten anderen Länder. Wir fühlen uns allerdings dem Wohl der Opfer verpflichtet, nicht deren Rachegelüsten, und das beste, was man zugunsten der Opfer tun kann, ist, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, dass Menschen zu Opfern und Tätern werden.
Frage: Und das wollen Sie schaffen, indem Sie auf Abschreckung völlig verzichten!?
Moro: Wenn Abschreckung Verbrechen abschaffen würde, hätten wir längst eine vollkommene Welt. Sehen Sie, manche Verbrechen kann man bis zu einem gewissen Grad wieder gut machen, und unser System macht reuigen Tätern diesbezüglich Angebote. Manche Taten kann man allerdings leider nicht rückgängig machen. Das erzeugt Hilflosigkeit, die die meisten Menschen nicht ertragen können. Und so suchen sie ihrer Verzweiflung Luft zu machen, indem sie ein Mittel wählen, das völlig untauglich ist, diesen Schmerz zu heilen: Sie lassen den Verursacher des Geschehens leiden. Dadurch geschieht aber nichts anderes, als dass das Leiden verdoppelt wird.
Frage: Opfer empfinden es oft als Entlastung, wenn sie das Gefühl haben, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt. Die Vorstellung, dass der Schuldige – z.B. bei einem Autounfall – frei herumläuft und sich seines Lebens freut, ist für viele unerträglich.
Moro: Glauben Sie denn im Ernst, dass sich ein Unfallverursacher nach der Tat „seines Lebens“ freut? Ich denke, wenn er nur ein bisschen sensibel hat, wird er seines Lebens nicht mehr froh. In den Wochen und Monaten nach der Tat durchläuft so ein Unglücksrabe meist einen Prozess der Reue und der Selbsterkenntnis. Für diesen inneren Prozess ist es äußerst schädlich, wenn die Justiz einen Menschen über Jahre durch Strafmaßnahmen an seine Vergangenheit fesselt und ihm die Zukunft verbaut. Unser Motto ist immer: „Frage nicht, was jemand getan hat. Frage lieber, was er hätte werden können.“
Frage: Sie zeichnen da ein reichlich idealisiertes Bild von den Tätern. Es gibt nicht nur Menschen, die nach ihrer Tat Reue empfinden.
Moro: Ja, aber ich bitte Sie, solche Menschen sind doch krank. Wer ein Kind überfährt und dabei nichts empfindet, der gehört in Behandlung – nicht in eine Bestrafungsmaschinerie, die ihn dazu zwingt, nur noch mit anderen Kranken zusammen zu sein und die ihn noch kränker macht als er es ohnehin ist. Was in so einem Fall allein zählt, ist, den Schaden zu begrenzen, auf Opfer- und Täterseite Heilung zu bewirken und eine Wiederholung möglichst unwahrscheinlich zu machen.
Frage: Das heißt konkret?
Moro: Zunächst gibt es bei uns eine Art „Schuld-Coaching“, eine therapeutische und potenzialorientierte Betreuung. Zweitens sind konkrete Angebote zum Schadensausgleich notwendig, die dem Täter unterbreitet werden, ohne ihn zugleich seiner Würde zu berauben. Man muss den schuldig Gewordenen sagen: Wenn du das tust, hast du ebenso viel Nützliches geleistet, wie du Schaden angerichtet hast. Drittens muss der Täter in jeder Phase der Verarbeitung von seiner Umwelt mit eben dem Respekt behandelt werden, den er seinem Opfer vielleicht in konkreten Fall verweigert hat. Man darf ihn nicht als „von Natur aus böse“ behandelt, sondern als jemanden, der das Potenzial zur Umkehr besitzt. Viertens müssen wir alle dafür sorgen, dass die Bedingungen, unter denen die Tat geschehen konnte, so verbessert werden, dass sie sich nicht wiederholen kann. Im manchen fällen ist die Tat ein Warnlicht, das eine ganze Gesellschaft zur Umkehr mahnt. Brecht sagte: „Wir nennen den Fluss böse, der über die Ufer tritt, aber das Ufer, das ihn begrenzt, nennt niemand böse“.
Frage: Aber man wird nie erreichen können, dass alle Mitglieder einer Gesellschaft dem Gesetz zustimmen. Man kann von der Minderheit der Unzufriedenen zumindest verlangen, dass sie sich aus Respekt vor der Mehrheit ruhig verhalten.
Moro: Sie können dies hoffen, aber sie können es nicht erzwingen, jedenfalls nicht, ohne eben jene Prinzipien zu opfern, auf denen das Gemeinwesen aufgebaut ist: Freiheit, Würde und Selbstbestimmung. Hier kommen wir zu einem wesentlichen Punkt: Nirgendstein ist überwiegend auf dem Prinzip der Freiwilligkeit aufgebaut. Die Zustimmung zu unserem Sozial- und Justizsystem erfolgt aus freien Stücken, und wir sind als System stabil genug, um die wenigen Ausnahmen zu tolerieren. Das Justizsystem der alten Welt basiert auf der Vergewaltigung derer, die diesem Rechtssystem nicht oder nicht in allen Punkten zustimmen. Wenn sich Delikte auf einem bestimmten Feld häufen, reagiert Ihr mit dem Ruf nach mehr Polizeiknüppeln und mehr Gefängniszellen. Wir überlegen uns dann eher, ob ein Gesetz, das so viele Bürger als nicht zumutbare Einschränkung ihres Freiraums empfinden, nicht abzuschaffen wäre.
Frage: Aber das ist doch eine Gutwetter-Philosophie! Sie funktioniert, solange die Kriminalitätsrate nicht eskaliert.
Moro: Eine hohe Kriminalitätsrate ist immer auch die Folge eines Versagens der Staatsmacht. Sie zeigt, dass der Staat eigentlich nicht zu seinem Volk passt, und dieses ist ja in der Demokratie der Souverän, also liegt die Notwendigkeit, sich anzupassen, auf der Seite des Staates, oder nicht? Die Tatsache, dass Regelverletzungen bei uns nicht bestraft werden, ermöglicht dem Volk endlich eine ehrliche Stellungnahme zu dem betreffenden Gesetz. Es ist sozusagen eine Abstimmung mit den Füßen: Kommt das Gesetz beim Volk an oder eher nicht?
Frage: Das ist schlüssig bei kleinen Vergehen wie Parksünden, aber nicht bei Mord und Totschlag …
Moro: Sie fokussieren sich sehr stark auf extreme Ausnahmen. Wir aber gehen davon aus, dass der Staat nicht das Recht hat, eine ganze Gesellschaft mit Blick auf die wenigen möglichen negativen Abweichungen zu terrorisieren. Es gibt ja in den meisten Staaten auch mächtige Interessengruppen, denen daran gelegen ist, das Zerrbild, des zutiefst bösen, unbelehrbaren Extremtäters an die Wand zu malen.
Frage: Von welchen Interessen sprechen Sie?
Moro: Das Justiz- und Justizvollzugssystem in der alten Welt ist von Straftätern in ähnlicher Weise abhängig wie das Gesundheitssystem von den Kranken. Beide Sparten nähren sich vom Leid und von der Fehlbarkeit der Menschen. Der größte Alptraum für einen Richter wäre das plötzliche Ausbleiben jeglicher krimineller Energie. Anders herum: So lange noch ein einziger Bürger frei herum läuft, besteht für die Gefängnisindustrie noch Wachstumspotenzial.
Frage: Gefängniswärter und Richter profitieren vielleicht vom Verbrechen, aber sie „machen“ es doch nicht!?
Moro: Es besteht ein eher indirekter Zusammenhang. In der alten Welt ist das Verbrechen sozusagen das Brennmaterial, ohne dessen beständige Erneuerung das Feuer des ganzen Justizapparats erlöschen würde. So besteht die Tendenz, einen immer größeren Teil der menschlichen Verhaltenspalette zu Verbrechen zu erklären, den Bezirk des Erlaubten immer weiter zusammenschrumpfen zu lassen. Denn dieser Lebensbereich ist, das Erlaubte, stellt ja die größte Bedrohung für das ökonomische Florieren der Justizbranche dar.
Frage: Und wie sollten wir dieses Problem lösen?
Moro: Es muss eine Berufsgruppe geben, die sich mit der Verbrechensprävention befasst und ein garantiertes Einkommen bezieht, selbst für den Fall dass das Verbrechen völlig ausstirbt. In diesem Fall besteht das Verdienst der Behörde für Verbrechensprävention gerade darin, dass sie ihr Ziel vollständig erreicht hat, und wir werden sie dann eben gerade nicht auflösen, da wir ja sicher stellen wollen, dass sie ihre erfolgreiche Arbeit fortsetzt. Vergessen Sie auch nicht, wie viele zusätzliche Arbeitsplätze wir durch den Belohnungsvollzug schaffen!
Frage: Ist denn Ihre Bevölkerung wirklich einverstanden mit dem neuen Recht? Ich könnte mir vorstellen, dass es massive Proteste dagegen gibt, dass „Verbrecher frei herum laufen“.
Moro: Die Frage ist berechtigt. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass Schuldzuweisungen seelische entlastend wirken. Diese Entlastungsfunktion fällt in einem Belohnungssystem weg. Wenn Sie auf jemanden mit dem Finger zeigen können und „Du bist schuld“ sagen, dann lenken Sie damit von einem quälenden Zweifel in ihrem Inneren ab, der Ihnen sagt: „Ich bin schuld“.
Frage: Moment, ich habe sicher schon Schuld auf mich geladen, aber ich habe noch keinen Menschen ermordet.
Moro: Ihre naive Meinung, Sie könnten nicht zum Mörder werden, ist so viel wert wie die im Brustton der Überzeugung ausgesprochene Behauptung eines Achtjährigen, er würde nie in seinem Leben ein Mädchen küssen, weil das eklig wäre. Dieser Junge kennt noch nicht die Macht der Sexualität, und Sie kennen noch nicht die Macht mörderischer Aggression.
Frage: Dennoch bezweifle ich, dass man eine Gesellschaftsordnung auf „Gnade“ aufbauen kann.
Moro: Warum nicht? Teilweise passiert das ja schon, auch in Ihrem Land. Manager, die massiv Steuern hinterzogen haben, Banker, die ganze Volkswirtschaften in den Ruin treiben, Politiker, die die Verfassung brechen oder sich mit völkerrechtswidrigen Angriffskriegen solidarisieren – all dies wird von der Justiz mit einem Mantel der „Gnade“ zugedeckt. Um nun Gerechtigkeit herzustellen, hat der Staat zwei Alternativen. Er kann eine strenge Bestrafung dieser Politiker fordern, oder er kann aufhören, die „kleinen Leute“ zu strafen. Wir haben uns für die zweite Lösung entschieden.
Frage: Wenn ein Strafsystem, wie Sie andeuten, den Schatten „anständiger Bürger“ auf die Bestraften projiziert, welche Funktion hat dann ein Belohnungssystem?
Moro: Unser Belohnungssystem bringt endlich den „lichtvollen Schatten“ der Menschen ans Tageslicht bringt: die Vielzahl der sonst unbeachteten kleinen und großen „guten Taten“. Wenn Sie unser Archiv mit zur Anzeige gebrachten Belohnungstaten einmal für einen halben Tag durchblättern würden, dann wären Sie gerührt, in welchem Ausmaß Menschen liebenswert, hilfsbereit und gütig sein können. Es wird sehr viel darüber geklagt, wenn irgendein Übeltäter einmal „ungestraft“ davon kommt. Tatsächlich ist es aber ein weit größerer Skandal, dass die meisten Staaten der Welt all diese wunderbaren Menschen unbelohnt davon kommen zu lassen. Ein Staat, der nicht fähig ist, zu würdigen, hat sein Recht verspielt, zu strafen. Tatsächlich bleibt selbst im strengsten Überwachungsstaat das Böse oft unbemerkt. Das Gute dagegen bleibt immer unbemerkt. Deshalb kann es nicht wachsen, weil es im Schatten verkümmert wie eine Pflanze, die kein Sonnenlicht bekommt. (Quelle - Roland Rottenfusser)
Jede Kunst und jede Kultur, die sich mit der Macht arrangiert, verwandelt sich in Diener einer Ideologie, einerlei ob dies im Namen des sozialistischen Realismus oder des bürgerlichen Pluralismus geschieht. Beide Haltungen beruhen auf Kriecherei vor der herrschenden Klasse. Ideologisierte Kultur und Kunst betreibt man nicht nur, wenn man einer Ideologie oder einem Machtsystem "expressis verbis" hofiert, die ein ausdrückliches Treuebekenntnis vom Künstler und Kulturschaffenden verlangen, wie es bei den gestürzten Regimen Osteuropas der Fall war. Man betreibt sie auch, wenn der Künstler und der Dichter, aus welchen Gründen auch immer, die Widersprüche des Systems schweigend hinnehmen oder gar rechtfertigen. Die Kulturschaffenden werden auch dann zu Claqueueren, wenn sie nicht mit den Händen klatschen und sich in ihre goldene "splendid isolation" zurückziehen. Es genügt ein gleichgültiges oder zynisches Lächeln. Kunst ist Subversion, Infragestellung der Realität, nuß vom Ziel getragen werden, die Entfremdung, das Elend, den Schmerz und die Destruktion zu enthüllen. Eine Kunst, die im Augenblick des schöpferischen Aktes diese Erscheinungen beiseite schiebt, ist keine Kunst, sondern Ästhetisierung der waltenden Häßlichkeit. Wahre Kunst bedeutet den Versuch, das Menschliche immer wieder in Erinnerung zu bringen, sie ist schon deshalb Widerstand gegen das Unmenschliche und zugleich Offenbarung neuer Daseinsalternativen und utopischer Sehnsüchte. Nur wenn sie sich dieses Telos zu eigen macht, erfüllt sie eine befreiende Funktion,stellt sie sich gegen die von der instrumentellen Vernunft herbeigeführte Brutalisierung des Lebens. Kunst ist Transzendenz in ästhetischer Gestalt, und sie ist Transzendenz, weil sie die Darstellung und das Sichtbarmachen des Schönen, Wahren und Gerechten im umfassenden Sinn zur Aufgabe hat. Das heißt aber keineswegs, daß sie erbaulich und positiv sein muß. Das Gegenteil ist der Fall. Sie muß auch den Mut zur Negation haben und sich nicht scheuen, das Schreckliche mit aller Kraft zum Ausdruck zu bringen. Ja, in einer entfremdeten Welt wie der unseren kann echte Kunst nur Verneinung der entfremdeten Wirklichkeit sein; sie ist gezwungen, sich mit dem Häßlichen immer wieder auseinanderzusetzen. Letztendlich geht es um die Entmythologisierung jeder Form von falschem Bewußtsein und institutionalisiertem Schein. Gewiß, Literatur und Kunst sind nicht militant in herkömmlichem, ideologischem Sinn, aber das heißt nicht, daß sie desengagiert sein müssen. Jede große, wahre Kunst und Literatur geht von einer konkreten Weltanschauung aus, und genauso wenig wie es so etwas wie eine wertfreie Wissenschaft gibt, genauso wenig gibt es eine wertfreie Kultur. (Heleno Sana) Dadaismus - von der Gegenkunst zur Kunst. Das fabian hofmann KunstForum beschreibt Mitglieder, Merkmale und Ziele dieser seltsamen Gruppe. „Dadaismus“ ist der heute üblicherweise für diese Kunstrichtung verwendete Begriff. Innerhalb der Dada-Bewegung wurde dieser Begriff bewusst nicht verwendet ...Wie Ball in seinem ersten dadaistischen Manifest formuliert: „Nur ein Wort und das Wort als Bewegung“ demonstriert die Autoreflexivität der Bewegung sowie ... 1914" wird der Dadaismus neben fünfzehn anderen Ismen aufgeführt und von Arp ... Der Dadaismus hat das Bejahen und Verneinen bis zum Nonsens geführt. ... Der Dadaismus kritisiert die jüngsten als modern geltenden Kunstrichtungen des Expressionismus, der "ein inhaltsloses, bequemes und unbewegtes Leben zur ... In Folgenden finden Sie das Bild unter: beuys. ANDERES ...zum hals raus. ... beuys. LEBEN ...schon klein hänschen... PLASTIK ...mehr mit kälte oder mehr mit wärme... beuys ... Im Folgenden finden Sie das Bild unter: Der Hut - Beuys unverkennbares Markenzeichen - überdeckt die nach seiner schweren Verletzung eingepflanzte Silberplatte in der Schädeldecke. ... TAZ - Die temporäre autonome Zone
Libertäre Persönlickkeiten Hier wollen wir Menschen bzw. deren Veröffentlichungen vorstellen, die im libertären Sinne aktiv waren bzw. aktiv sind. Rudolf Diesel - ein Solzialreformer oder gar Sozialrevolutionär? Albert Einstein: Warum Sozialismus? (1949) 13. Oktober - Jahrestag der Hinrichtung des libertären Pädagogen Francisco Ferrer y Guardia (1849 - 1909) „Den Tagen, die da kommen, gewachsen sein“ (Zenzl Mühsam) Wer waren Sacco und Vanzetti? "Her mit dem Tortenstück!" - Das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt - Ein Gespräch mit dem (inzwischen ehemaligen) ersten Museumsleiter Jean-Christophe Ammann Louise Michel -"Sklave ist der Proletarier, Sklave aller Sklaven ist die Frau des Proletariers." Louise Michel - "Warum ich Anarchistin wurde" In Erinnerung an Ilse Schwipper (Anarchafeministin, geb. am 24. Juni 1937 ; gest. am 27. September 2007) von ihrer Berliner Gruppe "Las loccas" www.anarchismus.de
Bild - Gerold
Albert Camus‘ Kritik am Marxismus und an der historischen Revolte in ihrer politisch-geschichtlichen Realisierung im Kapitel „Le Terrorisme d’état et la terreur rationnelle“ seines Essais „L’Homme révolté“ :
Proseminar SS 1997 Literaturwissenschaft: Albert Camus: Essais und Dramen | Dozent: Dr. J. R. | Vorgelegt von Y.S. A.St.I. c/o Á. Jour Brunnenstr. 5 40223 Düsseldorf | | 1.0 Einleitung Im Jahre 1951 erscheint Camus‘ Essai „ L’Homme révolté “, das als gedankliche Weiterführung zu dem die Absurdität behandelnden Essai „Le Mythe de Sisyphe“ gedacht war. Es ist ein Versuch , das damalige Zeitgeschehen zu verstehen, das geprägt ist vom Nachdenken über den deutschen und italienischen Faschismus, dem zweiten Weltkrieg, den Entartungen des Stalinismus , dem Kalten Krieg und der Angst vor dem drohenden Atomkrieg. Camus sucht nach den Ursprüngen von Schreckensherrschaft und Unterdrückung. Dabei entwickelt er aus seinem Absurditätsdenken die Unterscheidung von Revolte und Revolution, die sich durch den Individualismus und das Solidaritätsstreben des Ersten und den Totalität beanspruchenden, dadurch degenerierenden Charakter des Zweiten unterscheiden. Camus‘ Werk bildet sich aus den beiden großen Themenbereichen der metaphysischen und historischen Revolte. In dieser Hausarbeit steht die historische Revolte und insbesondere die Kritik am Marxismus im Mittelpunkt der Untersuchung, weil sie den Kernpunkt der Umkehrung von Gerechtigkeitsstreben in Unterdrückung am Beispiel des Marxismus/Stalinismus herausstellt. Der Abschnitt mit dieser Thematik ist „Le Terrorisme d’état et la terreur rationnelle“ mit Schwerpunkt auf die zweite Hälfte. Die Kernfrage dieses Abschnitts ist die, aus welchen Gründen der Marxismus, der ja eigentlich eine Gesellschaft gleicher und freier Menschen anstrebte, scheitert bzw. sich in sein Gegenteil, die Unterdrückung im Stalinismus, umkehrt. Was sind die Grundlagen der Theorie? Wo liegen die Schwächen und Fehleinschätzungen der Theorie? Wo ist der Wendepunkt , an dem der Marxismus totalitär und unterdrückerisch wird? Welche Rolle spielt die Geschichtsauffassung? Diese Fragen zu beantworten , ist hier die Aufgabe. Erweiternd wird noch ein Beispiel der Kritik aus dem Lager der autoritären Linken gegeben, das den Streit und Bruch Camus‘ mit den Kommunisten um Sartre begründete. Ein Versuch, den libertären Sozialismus und Anarchismus als Alternative und dem Revoltedenken verwandt zu zeigen, bildet den Abschluß dieser Arbeit. Mittels eingehender Betrachtung des Primärtextes, dem gesammelten Wissen aus der verfügbaren Sekundärliteratur und dem historischen Hintergrund sollen die Fragen beantwortet werden. Die Gründe für diese Themenwahl liegen im persönlichen Interesse an Sozialpolitik und Geschichte als auch an dem Umstand, daß Camus für seine politische Arbeit wenig bekannt ist. 2.0 Einführende Erklärungen zu „Le Terrorisme d’état et la terreur rationnelle“ 2.1 Revolte und Revolution: Camus macht in seinem Werk eine essentielle Unterscheidung zwischen Revolte und Revolution. Er definiert zuerst die metaphysische Revolte. Ein Revoltierender sagt nein zu einem unerträglichen Zustand und setzt somit eine Grenze fest. Er fordert ein Recht ein, dessen Existenz in ihm bewußt ist. Doch verneint der Revoltierende nicht nur , er solidarisiert sich mit anderen Unterdrückten und bejaht die Gemeinschaft. Camus prägt diese Vorstellung mit der Aussage „Je me révolte, donc nous sommes. “ . Von ihrem Wesen her kann die Revolte also gar nicht egoistisch sein, da der Revoltierende auch für die anderen kämpft. Sie ist auch nicht imperialistisch , da man sich selbst verteidigt. Die Problematik besteht allerdings darin, fern der Religion Handlungsregeln zu finden. Das metaphysische an der Revolte erklärt folgendes Zitat: „La révolte métaphysique est le mouvement par lequel un homme se dresse contre sa condition et la création tout entière. Elle est métaphysique parce qu’elle conteste les fins de l’homme et de la création.“ Der metaphysisch Revoltierende protestiert gegen die Lebensumstände, die er in seiner Rolle als Mensch ertragen muß. Es muß einen gemeinsamen Wert geben , den alle Menschen teilen. Wird ein Mensch unterdrückt, ist dies nicht mehr der Fall. Es gibt einen Menschen, der die Grundbedürfnisse nach Freiheit und Gerechtigkeit eines anderen leugnet . Der Revoltierende wehrt sich gegen die höhere Gewalt und zieht sie auf eine gleiche Stufe mit ihm. So lehnt sich er zuerst vor allem gegen Gott auf, der über ihn steht und sein Schicksal bestimmt. Die Revolte ist ihrem Wesen nach irrational, weil sie aus dem tiefsten Inneren des Menschen kommt. Sie endet mit dem Mord , der Maßlosigkeit, und ist dann Revolution. Die Revolution ist sehr vom Nihilismus geprägt, der keine Werte anerkennt. Der Nihilismus führt auch die Forderung des Absoluten in die Revolution ein. Entweder lehnt er das Bestehende, die Schöpfung total ab , weil er den Schöpfer haßt, oder er befürwortet nur das momentan Erreichte, weil es ihm lieber als eine beschnittene Freiheit ist. Zerstörung oder Totalität ist die Devise. Die Revolution will mit allen Mitteln die Revolte realisieren und vergißt dabei die Ursprünge beziehungsweise leugnet sie. Die absolute Freiheit fordert absolute Pflichten. Sie findet kein Maß mehr . 2.2 „La Prophétie Bourgeoise“ und „La Prophétie Révolutionnaire“: In den beiden ersten Abschnitten „La Prophétie Bourgeoise“ und „La Prophétie Révolutionnaire“ des Kapitels „Le terrorisme d’état et la terreur rationelle“ seines Essais „L’Homme Révolté“ betrachtet Albert Camus den Marxismus unter dem Aspekt der Prophezeiung (la prophétie). Er stellt hier fest, daß Marx sowohl vom christlichen als auch vom bürgerlichen Messianismus beeinflußt wurde, als er seine Theorie vom Marxismus und somit den von Camus so benannten wissenschaftlichen Messianismus aufstellte. Er weist den Christen die Begründung der linearen Geschichtsauffassung zu. Dazu sagt Camus : „Les chrétiens ont, les premiers, considéré la vie humaine, et la suite des événements, comme une histoire qui se déroule à partir d’une origine vers une fin, au cours de laquelle l’homme gagne son salut ou mérite son châtiment. “ Das Leben des Christen richtet sich auf eine Belohnung oder Bestrafung nach dem Tode, also ein Ziel außerhalb des menschlichen Daseins in einem metaphysischen Bereich . Das bürgerliche Denken des 19. Jahrhunderts setzt dahingegen den Menschen an die Stelle Gottes und den technischen Fortschritt anstelle der christlichen Heilserwartung. Die Konsequenzen daraus veranschaulicht folgendes Zitat: „Lorsqu’on est assuré que demain, dans l’ordre même du monde, sera meilleur qu’aujourd’hui, on peut s’amuser en paix. Le progrès, paradoxalement, peut servir à justifier le conservatisme . [. . . ] À l’esclave, à ceux dont le présent est misérable et qui n’ont point de consolation dans le ciel, on assure que le futur, au moins, est à eux. L’avenir est la seule sorte de propriété que les maîtres concèdent de bon gré aux esclaves. “ Hiermit wird schon das grundlegende Problem deutlich, daß die Revolte zur Revolution degenerieren läßt. Die revolutionäre Prophezeiung ist deshalb revolutionär, weil die Volkswirtschaft nach Marx dem dialektischen System der Produktionsstufen folgt. Jede Produktionsstufe der Wirtschaft läßt Gegenkräfte entstehen, die die derzeitige Produktionsgesellschaft zerstören und eine höhere Produktionsstufe einleiten. Der Kapitalismus soll die letzte dieser Stufen darstellen, denn nach dessen Überwindung durch die Revolution tritt die klassenlose Gesellschaft ein, in der es keine Antagonismen mehr gibt und alle Menschen in Freiheit leben. Die Geschichte ist Wirtschaft und Dialektik zugleich. Mit Erreichen der klassenlosen Gesellschaft ist das Ende der Geschichte erreicht. Dieses Ende der Geschichte ist der Kern des wissenschaftlichen Messianismus. 3.0 „L’Échec De La Prophétie“ In diesem Abschnitt erläutert Camus die Irrtümer und Fehleinschätzungen Marx‘ in dessen Doktrin und zeigt die Konsequenzen, die aus den dadurch entstehenden Problemen gezogen werden. Am Beispiel einiger Revolutionsbewegungen ab 1917 erörtert Camus , wie sich die Wiederkunft (la parousie ),das heißt das “Kommen“ des klassenlosen „Reiches“ ohne Ungerechtigkeit und Unterdrückung, entfernt. Die Oktoberrevolution in Rußland und die Novemberrevolution in Deutschland und Österreich 1917 wecken große Hoffnungen auf den baldigen Umsturz und die Einleitung des realisierten Sozialismus. Doch die Spartakusbewegung wird unterdrückt, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet. Der französische Generalstreik als auch die italienische Revolutionsbewegung scheitern. Die Enttäuschung der Hoffnungen derer, die darauf warten, führt zur krampfhaften Suche nach anderen Mitteln zur Verwirklichung der Parusie. „La foi est intacte, mais elle plie sous un énorme masse de problèmes et de découvertes que le marxisme n’avait pas prévus. “ Die revolutionäre Prophezeiung scheitert an wirtschaftlichen und politischen Umständen. Im einzelnen führt Camus die folgenden Widersprüche zwischen Theorie und Realität an: - Das Kapital wird weniger von Krisen geschüttelt als erwartet, es ballt sich nicht zusammen, sondern es entsteht eine Mittelschicht aus kleinen Besitzenden, die kein Interesse an Umstürzen oder Streiks hat. Das Gesetz der Zusammenballung trifft überhaupt nicht auf nicht auf die Landwirtschaft zu.
- Die nationalen Schranken fallen nicht durch den Kapitalismus, sondern es kommt im Gegenteil zum Kampf der Nationalitäten.
- Das Proletariat wächst nicht unbegrenzt, da der Reformismus und der Syndikalismus zu einer Verbesserung der Lebens-und Arbeitsumstände führen und das soziale Klima ein wenig entschärfen.
- Der wirtschaftliche Fortschritt läßt eine völlig neue soziale Schicht entstehen. Es sind die Techniker/Technokraten, die die Arbeitsteilung durch ihre Funktion unvermeidlich machen. Sie allein kennen den gesamten Plan eines Arbeitsprozesses und dirigieren die Proletarier.
Dazu Camus : Marx „n‘a pas cru que cette concentration pourrait survivre à l’abolition de la propriété privée. Division du travail et propriété privée, disait-il, sont des expressions identiques. L’histoire a démontré le contraire. “ 3.1 Die Demontierung der Sendung und Selbstbestimmung des Proletariats „L’oppression par la fonction“ nimmt dem Proletariat dadurch ein Stück Selbstbestimmung. Die Sendung ( la mission ) des Proletariats wird von den nationalen Barrieren untergraben , wie auch die Rationalisierung der Arbeit ,die die Arbeiter moralisch schwächte und verzweifeln ließ, nicht zur politischen Reife dieser führte. Camus wirft dem Marxismus vor, den Arbeitern nie die Freude der Schöpfung gegeben zu haben, sondern das Elend derer zur Verwirklichung der Revolution in Kauf zu nehmen: „Le socialisme industrielle n’a rien fait d’essentiel pour la condition ouvrière parce qu’il n’a pas touché au principe même de la production et de l’organisation du travail, qu’il a exalté au contraire. “ . Die sozialistischen Ideologen interessieren sich mehr für die Revolution als für die Menschen und leugnen so die Sendung des Proletariats: „Les socialistes autoritaires ont jugé que l’histoire allait trop lentement et qu’il fallait, pour la précipiter, remettre la mission du prolétariat à une poignée de doctrinaires. “ Hiermit ist der Wandel von Befreiung zu Unterdrückung, vom ethischen Streben zu reinem Machtstreben in vollem Gange. Alle anderen Erscheinungen sind nur noch Konsequenzen davon. Camus‘ Bild von der Sendung ist ein anderes. „Elle existe pourtant, non pas au sens exclusif que lui donnait Marx, mais comme existe la mission de tout groupe humain qui sait tirer fierté et fécondité de son labeur et de ses souffrances. Pour quelle se manifeste cependant, il fallait prendre un risque et faire confiance à la liberté et à la spontanéité ouvrière. “ 3.2 Akkumulation und Hegemonialstreben Der autoritäre Sozialismus wird schließlich selbst beherrscht von der sich ständig hochschraubenden Akkumulation. Da die kämpfenden sozialistischen Kollektive (collectivités) ihre Theorien durchsetzen wollen und dabei auf den Widerstand der bürgerlichen Gegner und anderer Feindmächte stoßen, müssen sie selber immer mehr anhäufen, das heißt vor allem aufrüsten, um sich durchsetzen zu können. Das führt letztendlich zum Krieg und damit zum Streben nach der alleinigen Vorherrschaft auf der Welt. „Elle s’équipe, elle s’arme, parce que les autres s’arment et s‘équipent. Elle ne cesse pas d’accumuler et ne cessera jamais qu’à partir du jour, peut-être, où elle régnera seule sur le monde. Pour cela, d’ailleurs,il lui faut passer par la guerre. Jusqu’à ce jour, le prolétaire ne reçoit qu’à peine ce qu’il lui faut pour sa subsistance. La révolution s’oblige à construire, à grands frais d’hommes,l’intermédiaire industriel et capitaliste que son propre système exigeait. “ Schuld an der Entwicklung von der Revolution zur Sklaverei sind nach Camus‘ Meinung die bürgerlichen Feinde, die von außen angreifen, und die nihilistischen Anhänger des autoritären Sozialismus, die die Menschlichkeit und das Maß zugunsten der Ideologie außer acht lassen . 3.3 Ist der Marxismus wissenschaftlich? Wieso der wissenschaftliche Sozialismus der Realität so wenig gerecht wird, beantwortet Camus: „La réponse est simple: il n’était pas scientifique. “ . Die Problematik besteht in dem Anspruch, gleichzeitig deterministisch und prophetisch, dialektisch und dogmatisch sein zu wollen. Der Geist als Spiegelbild der Dinge kann nicht den zukünftigen Lauf der Dinge vorhersehen. Die Ableitung der Theorie von der Wirtschaft kann nur die Vergangenheit beschreiben ,nicht die Zukunft. Der Marxismus ist nur wissenschaftsgläubig, denn er prophezeit im Absoluten , was er nicht beweisen kann. Die Prophezeiung kann nicht bewiesen werden. Um den Marxismus wissenschaftlich zu machen, muß man die gegen den Determinismus gerichtete, auf Wahrscheinlichkeit und Zufall basierenden Wissenschaften leugnen (Quantentheorie, sprunghafte Mutationen... ). Da Wirtschaft und Wissenschaft sich nicht mehr unbeschadet in den Marxismus einfügen lassen, bleibt nur die Prophezeiung. Damit das Warten und Kämpfen für diese nicht unerträglich und absurd erscheint, braucht man einen starken Glauben. Somit bekommt der sich als wissenschaftlich bezeichnende Marxismus eine mystische und religiöse Dimension. Der Glaube an das Ende der Geschichte, die klassenlose Gesellschaft, sind die einzige Aufrechterhaltung der schon lange kämpfenden Proletarier. Das Ende der Geschichte ist ein statischer Endzustand, eine konsequent gedachte Dialektik läßt aber kein Ende zu. Es werden immer neue Antagonismen entstehen, auch nach der Stufe des Kapitalismus und Sozialismus. Ein Ende der Dialektik kann nur gewaltsam aufgesetzt sein, es ist also ein Dogma und das Dogma bleibt die einzige Grundlage des Marxismus, da Wissenschaftlichkeit und Determinismus widerlegt sind und sich die Prophezeiung/Parusie dadurch immer weiter entfernt. Je weiter sie sich entfernt, desto mehr wird sie Glaubensartikel. Es gibt keine göttliche Gnade und keine auf Vernunft basierende Gerechtigkeit mehr. „La volonté de puissance est venue relayer la volonté de justice, faisant mine d’abord de s’identifier avec elle, et puis la reléguant quelque part au bout de l’histoire, en attendant que rien sur la terre ne reste à dominer. “ Was bleibt sind Terror, Willkür und Macht. Dieses Zitat von David Spritzen erklärt die Verwandschaft des russischen Kommunismus mit der Religion und das Problem des Endes der Geschichte: „In the post-enlightenment Western world, people no longer believe in God. Having lost faith in the vertical transcendence of the divine, they have turned toward history for salvation. Since they seem unable to do without the absolute, horizontal transcendence emerges as compensation, holding out the promise of the „end of history“, by which the sufferings of this world will be overcome. From the perspective of this historicized absolute, values become gauges of efficacy. The end justifies the means – any means:“ Zusammenfassend erklärt Walther Neuwöhner in seiner Monographie Ethik im Widerspruch: Nach Meinung des Autors wird die Geschichte damit unvermittelt zum Feld der Realisierung absoluter Zielsetzungen. Sie soll der vollkommene Ausdruck jener Prinzipien sein, die mit der Vernunft klar und deutlich erkannt werden können. Es ist offensichtlich, daß sie in solcher Direktheit der geschichtlichen Wirklichkeit nicht gerecht werden; doch wird von den Protagonisten daraus nicht der Schluß gezogen, der zu einer Moderierung der Prinzipien führen könnte. Vielmehr wird an den Prinzipien festgehalten, um die geschichtliche Wirklichkeit ihnen anzupassen. Wo dies nicht möglich ist, wird sie negiert bis zur physischen Vernichtung. “ 4.0 „Le Royaume Des Fins“ In diesem Abschnitt wird Lenins Theorie und Politik als explizites Beispiel für die Einführung eines (militärischen ) Imperiums mit Führungseliten dargestellt. Das ist der Weg vom Staat für das Volk zum Staat der weltweiten Vorherrschaft. 4.1 Die Kraft der Wirksamkeit Gleich zu Anfang stellt Camus die Hauptkomponente in Lenins Vorstellungen vom Weg zur/der Revolution heraus: Die Effizienz oder Kraft der Wirksamkeit. Dabei ist jedes Mittel recht, so wie ihn Camus zitiert: „Il faut être prêt à tous les sacrifices, user s’il faut de tous les stratagèmes, de ruse, de méthodes illégales, être décidé à celer la vérité, à seule fin de pénétrer dans les syndicats. . . et d’y accomplir malgré tout la tâche commmuniste. “ Moral und Ethik werden bei der Verwirklichung der Revolution zu störenden Hindernissen in der politischen Strategie. Der Reformismus wird von ihm ebenfalls als hindernd empfunden und bekämpft, weil er den Lauf der Geschichte nach der Ideologie stört, obwohl die Lage der Arbeiterschaft durch Reformen verbessert wird. So behauptet Lenin, daß das Proletariat von sich aus keine unabhängige Ideologie erschaffen würde und verneint so die von Camus als Ideal vertretene „spontanité des masses“ als Antrieb der Sendung des Proletariats. „La théorie, dit-il, doit se soumettre la spontanéité*.“ Er verlangt „Berufsrevolutionäre“ und ideologische Führer. Diese müssen auch zuerst organisiert werden, dann das Volk. Damit steht ein kleine Gruppe von Kadern und Ideologen, denen das Volk zu gehorchen hat, an der Spitze der Revolution. Von der ursprünglichen Sendung des Proletariats, das die eigentliche revolutionäre Kraft darstellte bleibt nichts übrig. Es ist nur noch ein quantitatives Machtinstrument, das von „oben“ gesteuert wird. David Sprintzen erläutert: „Since for him questions of metaphysics and morals were essentially resolved in advance, being summed up in the doctrine of the revolution, the only important issues that remained were strategy and tactics. [. . . ]Before the task of organizing the revolution, all other matters were inconsequential. Moral scruples impede revolutionary action. Even more, the revolution is not a matter of personal expression or of collective self-determination. Spontanous protest on its own leads nowhere. The revolution must be organized, and it must have a theory that is strategically useful and believable to the followers.“ 4.2 Der kommunistische Staat Nach der Überlegung zum Wie der Revolution kommt die Frage nach dem Aussehen und der Zukunft des Staates, der in seiner bürgerlichen Form auf Autorität und Unterdrückung fußt. Camus schreibt, daß schon Friedrich Engels erkannte, daß der autoritäre Staat und die klassenlose, freie Gesellschaft nicht einher gehen können, und die Auslöschung des Staates nach dem Verschwinden der Klassengesellschaft zwingend ist. Daher verwirft Lenin die „konkrete Autorität“ Der proletarische Staat im Gegensatz zum bürgerlichen Staat ist nach der Umsetzung der klassenlosen Gesellschaft nicht mehr nötig und löst sich folglich auf. Voraussetzung für die klassenlose Gesellschaft ist jedoch die Diktatur des Proletariats. Sie zerstört die letzten Überbleibsel der bürgerlichen Machtstrukturen durch Enteignung und Sozialisierung der Produktionsmittel und der Bekämpfung bürgerlichen Widerstands. So sehr Lenin das Sterben des proletarischen Staates auch proklamiert, kommt er laut Camus trotzdem zu einer Legitimierung einer zeitlich nicht begrenzten Weiterführung des doch eigentlich provisorischen Staates. Um ein Scheitern wie bei der Pariser Kommune zu verhindern, die blutig niedergeschlagen wurde, hält Lenin auch die unbegrenzte Erweiterung der Befugnisse dieses Staates für rechtens. „[. ] Lenin affirme, en effet, que le pouvoir est nécessaire pour réprimer la résistance des éxploiteurs [. ]. “ Die Macht rückt also in den Mittelpunkt allen Handelns und Denkens. Damit nimmt der Staat eine völlig neue Mission an, die bei Marx und Engels nicht vorgesehen war. Findet man die entsprechenden Begründungen, dann kann man die Diktatur des Proletariats endlos ausdehnen. Es liegt auch nicht in der Hand des Volkes, darauf Einfluß zu nehmen. Den Widerspruch in der Ideologie und der sozialistischen Realität legt Camus folgends dar: „ Ou bien ce régime a réalisé la société socialiste sans classes et le maintient d’un formidable appareil de répression ne se justifie pas en termes marxiste. Ou il ne l’a pas réalisée, la preuve est faite alors que la doctrine marxiste est erroné et qu’en particulier la socialisation de moyens de production ne signifie pas la disparation des classes." Somit tritt der Staatssozialismus eines Ferdinand Lassalle bei Lenin zutage. Im Gegensatz zu Marx stellt für Lassalle der Staat eine „Einheit der Individuen in einem sittlichen Ganzen“ dar, der dazu dient, die Menschen zu erziehen. Die Erziehung der Menschen wird später ein wichtiges Instrument der Machterhaltung. Das offizielle Hauptargument für die Aufrechterhaltung des Staates steht unter dem sozialen Vorzeichen des allgemeinen Wohlstandes. Erst wenn die Devise „Jeder nach seinen Bedürfnissen“ erfüllt ist, also zum Beispiel alle Wohnungen mietfrei sind, das Ziel erreicht ist, dann stirbt der Staat samt seiner Autorität ab. Schließlich leugnen die Machthaber sogar, jemals den tatsächlichen Eintritt , die Realisierung der klassenlosen Gesellschaft, das Paradies der Arbeiter und Sozialisten, versprochen zu haben. An diesem Punkt geht laut Camus das Prinzip der Freiheit endgültig zugrunde. Als historische Beweise dafür nennt er die Einschränkung der Autonomie der Sowjets, den Kampf gegen den Anarchisten Machno in der Ukraine und die blutige Niederschlagung des Matrosenaufstands 1921 durch die bolschewistischen Regierungskräfte. 4.3 Der Übergang zur Totalität Doch die Machthaber gehen noch einen Schritt weiter: Sie stellen den Anspruch, die ganze Welt zu „bekehren“, in ihren Worten, jede Ungerechtigkeit , Ausbeutung und kapitalistische Struktur zu zerstören. Daraus folgt auch die stetige Vergrößerung des Machtapparats zur Bewältigung dieser Anforderung und die Vernachlässigung der eigentlichen Probleme der Bevölkerung. Dieses Weltmachtstreben nennt Camus den „ Imperialismus der Gerechtigkeit“ und dieser verlangt entweder Sieg oder Niederlage. Die Doktrin wird eins mit der Prophezeiung. Die entfernte Gerechtigkeit rechtfertigt die Ungerechtigkeit zur Bekämpfung der Ungerechtigkeit. Der totale Frieden, die totale Gleichheit und Gerechtigkeit sind mystische Ziele, die außerhalb des Jetzt stehen: „La mystification pseudo-révolutionnaire a maintenant sa formule: il faut tuer toute liberté pour conquérir l’Empire et l’Empire un jour sera la liberté. Le chemin de l’unité passe alors par la totalité. “ Zusammenfassend gesagt: Die Prophezeing ist nicht beweisbar und weist die klassenlose Gesellschaft ans Ende der Geschichte. Da aber Probleme auftauchen, wird keine Aussage mehr über das Erreichen dieses Zustands gemacht, allerdings fordert man dann die Erfüllung des allgemeinen Wohlstands und die weltweite Einführung des Kommunismus, bevor man den sozialistischen Staat abschafft, der die Übergangsstufe darstellt. So konstruieren sich die Machthaber eine zeitlich nicht eingeschränkte Option auf die alleinige Macht 5.0 „La Totalité“ Auch hier vergleicht Camus wieder die Revolution und ihre Ausführungen mit der Religion. Diesmal zieht er den Vergleich in Bezug auf den Totalitätsgedanken. Die Totalität ist das Verlangen nach der vollkommenen Einheit aller Menschen in Form einer Heilserwartung, sei es das Ende der Geschichte oder das himmlische Gottesreich. Im real existierenden Marxismus-Leninismus in seiner Umwandlung zum Stalinismus in Rußland wird ähnlich dem Christentum die Gesamtheit der Menschen, die Kollektivität über das Individuum gestellt. Der einzelne Mensch muß das Leid ertragen, um eines Tages allen Menschen die totale Freiheit zu ermöglichen. Die langsame Verknechtung des Individuums erst zugunsten der Aufrechterhaltung der Theorie, dann zur Verwirklichung dieser in ihrer Pervertierung zum Machtstreben findet in dem Anspruch der Totalität ihre Vollendung. Camus nennt das, „[. . . ] appeler la liberté la servitude totale. “ . 5.1 Die Dimensionen der Totalität Ist der Mensch zwar jetzt befreit vom Glauben an Gott und jeder anderen Transzendenz, so muß er sich nun vor der Partei niederwerfen. Er ist gezwungen, sich dem Lauf der Geschichte zu unterwerfen: „La pensée historique devait délivrer l’homme de la sujétion divine; mais cette libération exige de lui la soumission la plus absolue au devenir. “ Die Totalität erstreckt sich auf Raum ,Zeit und Mensch . Der Raum wird durch Kriege erobert, die Zeitvorstellung wird absurd, weil kein Ende der Geschichte in Sicht ist , und der Mensch wird durch Kontrolle und Unterdrückung Werkzeug der Totalität. Die konkrete Form der Totalität ist der universale Staat. Er kann nur unter zwei Bedingungen existieren, anderenfalls wird er durch andere Nationen mit anderen Systemen bekämpft: Entweder es finden in allen größeren Ländern zu nahe beieinander liegenden Zeitpunkten Revolutionen statt, so daß überall gleiche Ziele gelten, oder die Revolutionäre müssen die bürgerlichen Nationen im Krieg besiegen. Die erste Bedingung ist an dem Eingreifen der kapitalistischen Bewegungen gescheitert, obwohl die revolutionären Kräfte in Rußland, Deutschland, Italien und Frankreich im Jahre 1917 sehr stark waren. So bleibt nur der Krieg als Weg zum Ziel. Der Kalte Krieg, die ständige Verteidigung gegen die Feinde lassen die Revolution stocken und kehren sie in einen Apparat von Kontrolle, Strategie und Wirklichkeitsverleugnung um. Dies sind falsche Prinzipien. Hier mahnt Camus zur Umkehr: „Si elle ne renonce pas à ses principes faux pour retourner aux sources de la révolte, elle signifie seulement le maintien pour plusieurs générations, et jusqu’à la décomposition spontanée du capitalisme, d’une dictature totale sur des centaines de millions d’hommes; ou si elle veut précipiter l’avènement de la cité humaine, la guerre atomique dont elle ne veut pas et après laquelle toute cité, au demeurant, ne rayonnerait que sur des ruines définitives. “ 5.2 Die Auswirkungen des Totalitätsstreben auf die Individuen oder die Kennzeichen des rationalen Terrors Die „nature humaine“, das Irrationale, lebt nicht allein von der Geschichte, deshalb ist sie der „ cité universelle“ feindlich. Kultur, Kunst und Traditionen passen nicht in die Doktrin, solange sie sich ihr nicht völlig unterordnen. So wird die menschliche Natur geleugnet. Der Mensch muß geformt werden, das Mittel dazu ist die Propaganda. Je weniger ein Mensch von seiner Natur behält, desto formbarer ist er. Somit wäre er der Idealbürger, da er ganz auf der Linie der Partei ist. Nach dem freudschen Schema bedeutete dies, daß der Mensch lediglich aus sozialem und rationalem Ich bestehen sollte, und daß das unberechenbare Unbewußte getilgt wird. Der Tod als stärkstes irrationales Erlebnis im Leben eines Menschen muß daher auch einbezogen werden. Ein zum Tode Verurteilter wird nur der Öffentlichkeit vorgeführt, wenn er seine Strafe als gerecht erklärt. Die Freundschaft, ein elementarer Teil des menschlichen Lebens, fällt auch der Verformung durch das Regime zum Opfer. Es zählt nur die „politische Freundschaft“ für die Sache der Partei. Persönliche Bindungen dürfen nicht stärker sein als die Bindung an die Lehre des Regimes. Die Solidarität mit anderen Menschen erstreckt sich lediglich auf den Kampf gegen die Feinde außerhalb des Reiches. Die Liebe wird zu einem Abstraktum, konkrete Liebe zu einem Menschen widerspricht dem Bild des zukünftigen, perfekten, befreiten Menschen. Es gibt nur noch das Reich der Sachen, denn das Reich der Menschen ist untergegangen. Das Denunziantentum ist die Konsequenz aus diesen Umständen. Die Beziehung zwischen den Menschen weicht dem Monolog der Propaganda und der Polemik. So wird auch das reale Leben abstrakt wie das Ende der Geschichte. Die Beschäftigung mit der Psyche des Menschen dient allein der Verbesserung der Methoden , die diesen umformen sollen, das heißt den Foltermethoden. Die oben angeführten Umwandlungen im menschlichen Dasein nennt Camus die Kennzeichen des rationalen Terrors. 6.0 „Le Procès“ oder die potentielle Schuld Als man schließlich feststellt, daß Totalität nicht gleich Einheit ist, rückt der Mensch immer mehr ins Zentrum der Schuldzuweisung durch die Partei. Stalin räumt während der großen Säuberung 1936-1938 zum Zwecke der alleinigen Machterlangung seine Gegner, vor allem die Revolutionäre aus den ersten Jahren unter Lenin, in Schauprozessen aus dem Weg . Die Religion der Geschichte lebt am Ende von Schuld und Unschuld, die von willkürlichem Ermessen abhängig sind. Die Revolte hat dieses Recht zu strafen nicht. Marx glaubte an den guten Willen der Geschichte, „la bonne volonté“, der unausweichlich zur klassenlosen Gesellschaft führt. Wenn dies sich nicht erfüllt, muß die Schuld also beim Menschen liegen. Die Vertreter der Geschichtlichkeit strafen jeden Mißerfolg. Der Glaube an sie gekoppelt mit der Aufgabe eigener Interpretationen der Geschichte kann den Einzelnen vor dem Prozeß retten, tut dies jedoch nicht unbedingt. Selbst der absolute Glaube reicht nicht aus, „es richtig zu machen“. Jeder ist potentiell schuldig. "Nothing is more successful in stamping out revolt than a sense of guilt. Individuals must be made to realize that they are nothing by themselves. No wonder the importance of making pride a sin. The unquestioning dominization of a church requires the institution of such guilt, so that the citzenry will feel in advance that they deserve what they get. The church has long known that. And so does the party. “ Camus gibt eine philosophische Definition des Terrors: „[...] [L’objectivité de culpabilité] se résume dans une subjectivité interminable qui s’impose aux autres comme objectivité [...]. “ Das objektive, schuldzuweisende System duldet keine Gleichgültigkeit der Doktrin gegenüber. Neutralität ist gleichbedeutend mit Regimefeindlichkeit. An dieser Stelle ist die Revolution soweit, daß sie ihren Ursprung, die Revolte tötet, um sich selbst am Leben zu halten. Dadurch tötet sie jedoch sich selbst, ist sich dem aber nicht mehr bewußt oder will es sich nicht bewußt machen , weil schon längst andere Ziele gelten als Freiheit: nämlich die Macht. „Ici s’achève l’itinéraire surprenant de Prométhée. Clamant sa haine des dieux et son amour de l’homme, il se détourne avec mépris de Zeus et vient vers les mortels pour les mener à l’assaut du ciel. Mais les hommes sont faibles, ou lâches; il faut les organiser. Ils aiment le plaisir et le bonheur immédiat; il faut leur apprendre à réfuser, pour se grandir, le miel des jours. Ainsi,Prométhée, à son tour, devient un maître qui enseigne d’abord, commande ensuite. La lutte se prolonge encore et devient épuisante. Les hommes doutent d’aborder à la cité du soleil et si cette cité existe. Il faut les sauver d’eux-mêmes. Le héros leur dit alors qu’il connaît la cité, et qu’il est seul à la connaître. Ceux qui en doutent seront jetés au désert, cloués à un rocher, offerts en pâture aux oiseaux cruels. Les autres marcheront désormais dans les ténèbres, derrière le maître pensif et solitaire. Prométhée, seul, est devenu dieu et règne sur la solitude des hommes. Mais, de Zeus, il n’a conquis que la solitude et la cruauté; il n’est plus Prométhée, il est César. Le vrai, l’eternel Prométhée a pris maintenant le visage d’une de ses victimes. Le même cri, venu du fond des âges, retenit toujours au fond du désert de Scythie. “ 7.0 Die Kritik von Francis Jeanson an Camus‘ Werk Camus‘ Essai „L’Homme Révolté“ stieß auf großen Widerspruch gerade innerhalb der kommunistischen Linken um Jean Paul Sartre. In seiner Zeitung „Les Temps Modernes“ wurde im Mai 1952 eine Kritik von Francis Jeanson abgedruckt, die Anlaß für einen heftigen Disput zwischen Camus und den autoritären Kommunisten gab. Diese Kritik ist nicht nur sachlich, sondern auch sehr sarkastisch und persönlich angelegt wie schon der Titel zeigt: „Albert Camus ou l’âme révolté“ . Jeanson beginnt seine Kritik mit Zitaten aus einigen Lobreden über das Essai. Er fragt nach dem Geheimnis von Camus‘ Erfolg und impliziert mittels einer Frage eine Schwammigkeit und Vagheit in dessen Werk, das so unterschiedlich denkende Menschen in ihrer Begeisterung vereint: „Ou bien cette satisfaction générale s’expliquerait-elle par une certaine inconsistance de sa pensée, qui la rendrait indéfiniment plastique et malléable, apte à recevoir maintes formes diverses ?“ Er wirft ihm einen vom Anarchismus belebten vagen Humanismus vor, begleitet von einem starken Hang zur Formalität und der schönen Worte: „Nous plaindrons-nous que sa protestation soit trop belle?Oui, trop belle, trop souveraine, trop sûre d‘elle même, trop accordé à soi. “ Bei der Analyse der metaphysischen Revolte konzentriere sich Camus lediglich auf das Metaphysische, kümmere sich aber nicht um die historischen und ökonomischen, also die materialistischen Hintergründe. Laut Jeanson spricht er der Geschichte jeglichen Einfluß auf das Entstehen einer Revolution ab und reduziert den Begriff Revolution auf die Vergöttlichung des Menschen. Er findet Camus‘ Geschichtsauffassung merkwürdig („ étrange “), abgetrennt von jeglicher konkreten Situation. Es sei ein reiner Dialog von Ideen. Auch sei Camus Marx gegenüber unbarmherzig und entschuldige ihn nur , um ihn erneut anzugreifen. Jeanson kritisiert, daß er sich nicht richtig mit Marx auseinandergesetzt habe. In seinem Abschnitt über den rationalen Terror greife Camus das revolutionäre Phänomen ungerechtfertigterweise an, ohne auf die Umstände seines Auftretens, seiner Begründer und seiner Veränderungen einzugehen. Jeanson ist sich nicht klar über Camus‘ Ziel, dessen Revolutionsgeschichte sei falsch und seine Diskurse über die Ideologien abenteuerlich und schikanös („ les traitements les plus aventureux et les plus cruelles brimades“ ). Ein anderer Vorwurf ist der, daß Camus die Wirksamkeit („efficacité“) verurteilt und sich so alle möglichen Aktionsformen versperrt. „[. . . ] il faut agir, bien sûr, mais simplement pour agir et sans en attendre aucun résultat, sans nourrir l’illusion de donner un sens à ce qui n’en saurait avoir. “ „La suggestion de Camus, finalement, est qu’il y a un mystère de l’inefficacité, et qu’il suffit d’atteindre à l’extrème de celle-ci pour la voir miraculeusement s’inverser et devenir la << veritable>> efficacité. “ Jeanson macht darauf aufmerksam, daß auch gerade die feindlichen Mächte, der Kapitalismus, für das Scheitern der Revolutionen verantwortlich sind und nicht das Kräftemessen von Revolte und Revolution. Die Revolte scheitere nur deshalb nicht, weil sie nichts Konkretes plane: „Ainsi le révolutionnaire est-il à la fois la victime et la dupe de Dieu, parce qu’il projette de l’égaler en puissance et qu’il n’y saurait évidemment parvenir. Le révolté, par contre, est la victime qui se dresse dans un permanent défi: celle qui ne donne pas à Dieu la satisfaction de contempler ses échecs, -- car elle ne projette rien, et ne saurait donc échouer. “ Camus nörgele insbesondere über das „historische Böse“ im Kapitel „La révolte historique“. Überhaupt stelle das Buch ein manichäistisches System dar, das allein auf der Dualität von Gut und Böse beruhe, wobei sich das Böse in der Geschichte manifestiere und das Gute irgendwo außerhalb davon. Man sei gezwungen, sich gegen die Geschichte zu entscheiden, obwohl sich ihr niemand entziehen kann: „L’espoir de Camus serait-il vraiment de supprimer <<le cours du monde>> par le refus de toute entreprise dans le monde? Il reproche aux staliniens ( mais aussi à l’existentialisme...) d’être totalement prisonniers de l’histoire: mais ils ne le sont pas plus que lui, ils le sont seulement d’une autre manière. “ Jeanson behauptet, daß die Geschichte nur durch den Menschen existiert ,und daß, wenn man sich auf gewisse Weise außerhalb von ihr befindet, doch in ihr ist. “Le <<cours du monde>> est à la fois notre prison et notre œuvre [...] nous ne cessons de la [ l’histoire] faire, mais elle nous fait, aussi [...]. “ Abschließend kommt Jeanson zu dem Ergebnis, daß es sich um eine „ pseudo-philosophie d’une pseudo-histoire des <<révolutions>>“ handele. 8.0 Anarchismus, libertärer Sozialismus und Syndikalismus als Alternativen zum autoritären Sozialismus Camus hat sich zwar nie ausdrücklich zu anarchistischen Tendenzen bekannt, ist allerdings eindeutig von diesen Vorstellungen beeinflußt. In seiner politischen Arbeit unterstützte er vor allem Syndikalisten, da deren direkte Aktionen die Lage der Arbeiter sofort verändern und nicht ein in unbestimmter Zukunft liegendes befreites Reich über alles stellen. Horst Wernicke belegt diese Unterstützung :„Wie Herbert Lottmann in seiner Camus -Biographie berichtet, waren die „ libertaires“, die Syndikalisten von der revolutionären Linken, auch die exilierten spanischen Republikaner bis in seine letzten Tage hinein immer seine treuen Freunde, die sich auf ihn verlassen konnten und denen gegenüber Camus voller Sympathie und Vertrauen war, die er unterstützte, wo er es nur konnte. Sein anarchistischer Individualismus war es auch, der ihn die Kriegsdienstverweigerer in den fünziger Jahren unterstützen und verteidigen ließ. “Definiert man Anarchismus, Syndikalismus und libertären Sozialismus, die einander sehr ähnlich sind, sieht man die Parallelen zu seinem Werk „L’Homme révolté“: Der Anarchismus ist ein sozialphilosophisches und politisches Denkmodell, das jegliche Form von Herrschaft über Menschen durch andere Menschen , also zum Beispiel Staat und Kirche ablehnt. Uneingeschränkte Freiheit nach den Prinzipien Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität dienen als Grundlage des Lebens ohne Staat, das dezentral und selbstverwaltet sein soll. Der Syndikalismus lehnt die Partei und den parlamentarischen Kampf als politische Grundlage der Arbeitervertretung ab. Vielmehr tritt er für Selbstverwaltung als ein Mittel der direkten Aktion in den Betrieben selbst ein und organisiert die Arbeiter in Syndikaten. Er lehnt ebenfalls jede Zentralgewalt ab. Der libertäre Sozialismus glaubt gleichsam nicht an eine Schaffung einer freiheitlichen , gerechten Lebensform allein durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Freiheit des Individuums, die Grundrechte und eine aktive Mitwirkung aller Menschen in zum Beispiel Rätesystemen sind der Weg zu dieser Lebensform. Der Anarchismus und gerade sein Vertreter Pierre Joseph Proudhon erkannten schon früh die Gefahren des Marxismus. „Seine [Proudhons ] Revolte richtete sich auch gegen die revolutionären Parteien – vor allem die Marxisten, diese ,Zukunftsregierungscanaillen‘-, die in seinen Augen eines Tages die Freiheit des Menschen zugunsten einer fragwürdigen, blinden Gerechtigkeit verraten würden. “ Die Ähnlichkeit zwischen Camus‘ Idealbild vom Revoltierenden und dem des Anarchisten ist sehr groß. Horst Wernicke erläutert weiter dazu: „Ziel und Motivation des Anarchismus, so wie er sich bei Proudhon und seinem Schüler Bakunin vor allem darstellt, finden sich in Camus‘ „Revolte“-Denken wieder, das die Grundzüge dieses Menschen und dieses gemeinschaftlichen, solidarischen Lebens entwirft und auch den Einfluß Rousseaus noch einmal deutlich werden läßt. Der Anarchist und der „homme révolté“ protestieren gegen jede Art von Diktatur, sie sei „cäsarisch“ oder die des Proletariats, und wollen die Gewalt des „Staates“ ersetzen durch die nicht manipulierte Gemeinschaft der Einzelnen ; darin liegt ein radikaler Unterschied zum orthodoxen Kommunismus. Der „révolté“ im Sinne Camus‘ und sein Bruder, der Anarchist, stehen im gemeinsamen Kampf gegen den deformierenden Staatsapparat und die Gesellschaft einander entfremdeter Menschen und für die Übereinstimmung und das gute Verhältnis zwischen dem Menschen und seinem „Nächsten“ und zur Natur, für eine Autonomie in allen Lebensbereichen gegen jede Kollektivität. “ Camus vertritt insbesondere auch den unblutig eingeführten Sozialismus in Skandinavien, wo die Gewerkschaften und Ombudsmänner großen Einfluß auf das politische Geschehen haben. “Camus praises the political systems of the Scandinavian countries , where socialism has been achieved without recourse to totalitarian means. Revolutionary syndicalism comes close to being an ideal manifestation of revolt, because it proceeds from the individual to the group, rather than being a mass organization that submerges the needs of the individual. “ So scheinen Anarchismus , Syndikalismus und libertärer Sozialismus die einzigen Möglichkeiten zur Umsetzung der Revolte zu sein. Zwar sind gewisse anarchistische Strömungen auch in Terror umgeschlagen, wobei sie sich allerdings gegen einzelne Personen mit hoher Machtposition (Zar, hochrangige Politiker, etc. ...) richteten, doch gab es schon zu Beginn der anarchistischen Strömungen eine Spaltung zwischen terroristischen und nicht-terroristischen Anarchisten. Es bleibt allerdings zu bezweifeln, ob sich Syndikalismus und Anarchismus in der heutigen immer noch sehr kapitalistisch geprägten Welt durchsetzen könnten, ausgenommen der gemäßigteren libertären sozialistischen Strömungen , ohne von außen gewaltsam zerstört zu werden ( siehe zum Beispiel Spanischer Bürgerkrieg, Ukraine ). Eine Umwandlung zum totalitären Streben wäre aber nicht möglich, denn einer der obersten Leitsätze ist: Der Weg ist das Ziel. 9.0 Zusammenfassung Camus will also in seinem Essai die Degeneration der metaphysischen Revolte, in der sich der Mensch gegen den Tod und die absurden Lebensumstände auflehnt, zur unterdrückerischen Revolution aufweisen. Die Revolte sagt nein zur Unterdrückung und ja zu Solidarität und Freiheit. Er erklärt zuerst Marx Vorstellungen von der Revolution und den Marxismus. Dann veranschaulicht er Lenins Veränderungen der Doktrin und endet schließlich mit dem Stalinismus als letzte Konsequenz der Degeneration. Die Ursprünge des marxistischen Messianismus liegen in der linearen Geschichtsauffassung der Christen und dem bürgerlichen Fortschritts- und Wissenschaftsglauben, die Gott durch den Menschen ersetzen. Da der Marxismus allerdings einige politisch-wirtschaftliche Entwicklungen falsch einschätzt, muß das Aktionsprogramm geändert werden. Die Arbeitsteilung wird trotz allem durch die zunehmende Komplexität der Technik unausweichlich, das Proletariat wächst nicht unbeschränkt, die nationalen Schranken fallen nicht und das Kapital wird nicht so stark durch Krisen geschwächt. Das führt zur Beschneidung der Sendung des Proletariats, der eine straffe Organisation durch Eliten vorgezogen wird. Durch die oben erwähnten Fehleinschätzungen verlagert sich die Widerkunft bzw. Prophezeiung der klassenlosen Gesellschaft in unbestimmte Zeit. Camus dementiert die Wissenschaftlichkeit des Marxismus, indem er den Widerspruch der Dialektik und dem Ende der Geschichte aufdeckt und die Prophezeiung als wissenschaftlich nicht beweisbar entlarvt. Es gibt keine Ansätze zur Vermeidung von Entfremdung und der direkten Änderung der Lebensumstände. Wo Wissenschaft und Wirtschaft durch nicht vorhersehbare Entwicklungen nicht mehr ins System passen , bleibt nur noch der Glaube an die Prophezeiung. Die Nihilisten, die Werte wie Maß und Menschlichkeit nicht anerkennen, übernehmen die Führung der Massen. Mit Lenin wird das militärische Imperium eingeführt, in dem das Dogma der Effizienz und der Glaube oberstes Gebot sind. Der weltumfassende Imperialismus der Gerechtigkeit heiligt alle (ungerechten ) Mittel. Der kommunistische Staat als Diktatur des Proletariats nur vorübergehend vorgesehen, wird von Lenin ohne zeitliche Einschränkung unter dem Vorwand des allgemeinen Wohlstands und der weltweiten Gerechtigkeit legitimiert. Diese Totalität des Staates stellt den Lauf der Geschichte, der als letztes Element des Marxismus übriggeblieben ist, über alle Menschlichkeit und ist Charakteristikum des Stalinismus. Da Totalität aber nicht gleich Einheit ist, beansprucht der Stalinismus die totale Kontrolle über die Menschen, indem er ihn als letzten Feind denunziert, der dem „guten Willen“ der Geschichte im Wege steht. Der rationale Terror wird gekennzeichnet durch die Zerstörung der irrationalen, das heißt unberechenbaren Elemente des Menschen in der Form von zwischenmenschlichen Beziehungen, die nicht im Dienste der kommunistischen Politik stehen. Diese negative Bild des Kommunismus stößt natürlich auf harsche Kritik bei den autoritären Linken, wie zum Beispiel Francis Jeanson , der Camus teils berechtigt, wenn auch auf sarkastische Weise kritisiert. Zu metaphysisch, zu abgehoben von der Geschichte als Auslöser einer Revolution sei sein Revoltedenken. Die Reduktion der Revolution auf die Vergöttlichung des Menschen sei falsch. Camus versperre sich alle Möglichkeiten der Aktion, indem er die Effizienz ablehne. Die Revolte im Gegensatz zur Revolution scheitere nicht, weil sie nicht konkret handele. Weiter sei das Buch zu sehr auf die Dualität von Gut (Revolte/Geschichtsunabhängig) und Böse (Revolution/Geschichtsabhängig) konzentriert. Abschließend kommt Jeanson zu dem Ergebnis, daß Geschichte und Mensch wechselseitig agieren, der Mensch macht die Geschichte und lebt in ihr. Vergleicht man nun die libertären, anarchistischen Ideen mit Camus‘ Idee vom Revoltierenden, so entdeckt man, daß beide für Solidarität, Gerechtigkeit und Individualismus stehen. Der Weg über deformierende Institutionen fällt weg. Das so wichtige Maß bei der realen Umsetzung findet sich beim Anarchismus in der Treue zu den Prinzipien. Mit Gewalt und Herrschaft kann kein gewaltloses und freies Zusammenleben entstehen; dem ist sich der Anarchismus von Anfang an bewußt. Beide erkennen niemals über sich stehende Autoritäten an. So ist der Kreis beginnend bei der Revolte , abschließend bei den Aktionsformen der libertären Bewegung , geschlossen.. Es bleibt weiterhin zu untersuchen, inwieweit eine Verquickung dieser beiden Ideen in der realpolitischen Form Erfolg haben würde. | | 9.0 Bibliographie der benutzten Literatur CAMUS, Albert, Der Mensch in der Revolte, |
BERÜHMTE ZITATE Leben und Mensch «Leben heisst handeln.» «Wollen heisst Widersprüche wecken.» «Das Leben ist naturgemäss niemals leicht.» «Stets werde ich mir selbst ein Fremder sein.» «Das Leben verlieren ist keine grosse Sache; aber zuschauen, wie der Sinn des Lebens aufgelöst wird, das ist unerträglich.» «Der Mensch ist nichts an sich. Er ist nur eine grenzenlose Chance. Aber er ist der grenzenlos Verantwortliche für diese Chance.» Freiheit, Liebe, Hoffnung und Phantasie «Man ist immer auf Kosten eines anderen frei.» «Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten.» «Die Liebe ist Ungerechtigkeit, aber die Gerechtigkeit genügt nicht.» «Einen Menschen lieben heisst einzuwilligen, mit ihm alt zu werden.» «Die höchste Form der Hoffnung ist die überwundene Verzweiflung.» «Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können. Der Humor über das was sie sind.» Politik, Gewalt und Strafen «An Kaisern fehlt es uns nicht, nur an Persönlichkeiten.» «Grausamkeit empört, Dummheit entmutigt.» «Warte nicht auf das Jüngste Gericht. Du stehst jeden Tag vor deinem Richter.» «Die Strafe, die züchtigt, ohne zu verhüten, heisst Rache.» «Es ehrt unsere Zeit, dass sie genügend Mut aufbringt, Angst vor dem Krieg zu haben.» «Jede einem Menschen zugefügte Beleidigung, geleichgültig, welcher Rasse er angehört, ist eine Herabwürdigung der ganzen Menschheit.» Christentum «Ich werfe dem Christentum vor, dass es eine Lehre der Ungerechtigkeit ist.» «Christus mag für jemanden gestorben sein, aber jedenfalls nicht für mich.» «Und ich werde mich bis in den Tod hinein weigern, die Schöpfung zu lieben, in der Kinder gemartert werden.» «Wenn ein spanischer Bischof politische Hinrichtungen segnet, ist er kein Bischof mehr und kein Christ, ja nicht einmal ein Mensch; dann ist er ein Hund, genau so gut wie jeder, der von der hohen Warte einer Ideologie aus die Hinrichtung befiehlt, ohne die Arbeit selbst zu verrichten.» Wissenschaften «Ein Intellektueller ist ein Mensch, dessen Geist sich selbst beobachtet.» «Übersetzer sind verwegene Kämpfer, die den Turm von Babel angreifen.» «Man sollte auch gute, ja, ausgezeichnete Bücher verbieten, bloss damit sie mehr gelesen und beachtet werden.» «Die Werke von Kopernikus und Galilei standen bis 1822 auf dem Index. Drei Jahrhunderte Starrsinn, das ist hübsch.» «Die grösste Ersparnis, die sich im Bereich des Denkens erzielen lässt, besteht darin, die Nicht-Verstehbarkeit der Welt hinzunehmen - und sich um den Menschen zu kümmern.» Andere Aussprüche «Wenn die Welt klar wäre, gäbe es keine Kunst.» «Von einem bestimmten Alter an ist jeder Mensch für sein Gesicht verantwortlich.» «Das echte Gespräch bedeutet: aus dem Ich heraustreten und an die Tür des Du klopfen.» «Die meisten grossen Taten, die meisten grossen Gedanken haben einen belächelnswerten Anfang.» «Äussere Ordnung ist oft nur der verzweifelte Versuch, mit einer grossen inneren Unordnung fertig zu werden.»
Kleines Lexikon der sozialen Dreigliederung Mit diesem kleinen Lexikon läßt sich an einzelnen Beispielen gut einschätzen, was eine soziale Dreigliederung zur Erneuerung unserer Gesellschaft beitragen kann. Bei manchen Stichworten wird zusätzlich auf News, Essays und Initiativen zum jeweiligen Thema verwiesen. Ein umfangreicheres Lexikon mit zahlreichen Zitaten finden Sie bei Werner Breimhorst Charakteristisch für die Anthroposophie ist die Überzeugung, daß jeder Mensch die geistige Welt erkennen kann, wenn er nur entsprechend an sich arbeitet. Die Anthroposophie zielt aber nicht nur auf die eigene Weiterentwicklung. Viele konkreten Umsetzungen im pädagogischen, heilpädagogischen, medizinischen und landwirtschaftlichen Bereich zeigen, daß geistige Erkenntnisse auch praktisch relevant werden können. Weniger bekannt ist der aus der Anthroposophie hervorgegangene Ansatz der sozialen Dreigliederung, der Wege zu einer sozialen Umgestaltung in Richtung kulturelle Vielfalt, solidarische Wirtschaft und demokratische Grundrechte aufzeigt. Könnte es sein, daß die einseitige Ausrichtung der Wirtschaft auf die Interessen der Produzenten die Hauptursache der Arbeitslosigkeit darstellt? Diese Frage ist vielleicht ungewöhnlich. Die bisherigen Ansätze scheinen aber nicht viel gegen die Arbeitslosigkeit geholfen zu haben. Angenommen, die Arbeitslosigkeit liegt an falschen Prioritäten: Wie läßt sich dann dafür sorgen, daß die Konsumenten die eigentlichen Arbeitgeber werden? Eine Assoziation ist ein Zusammenschluß von Konsumenten, Händlern und Produzenten mit dem Ziel, die Preise so zu beeinflussen, daß alle Beteiligten damit auskommen können. Das Bevölkerungswachstum ist eher ein Symptom als eine Ursache der Armut - und eine staatliche Familienplanung gehört eher zum Problem als zur Lösung. Zu den Ursachen des Bevölkerungswachstums zählen auch die Benachteilung der Frauen und der Mangel an wirtschaftlicher Solidarität. All diese Ursachen liessen sich gut überwinden, ohne die Menschenwürde anzutasten. Bis es so weit ist, lassen sich die negativen Folgen des Bevölkerungswachstums durch den Ökolandbau viel besser lindern als etwa durch die Gentechnik. Das Bevölkerungswachstum ist eher ein Symptom als eine Ursache der Armut - und eine staatliche Familienplanung gehört eher zum Problem als zur Lösung. Zu den Ursachen des Bevölkerungswachstums zählen - neben der Benachteilung der Frauen - auch der Mangel an wirtschaftlicher Solidarität. Entgegen der Behauptung totalitärer Staaten lassen sich diese Ursachen gut überwinden, ohne die Menschenwürde anzutasten. Bis es so weit ist, lassen sich die negativen Folgen des Bevölkerungswachstums durch den Ökolandbau viel besser lindern als etwa durch die Gentechnik. Daß dies bei der UNO noch nicht so richtig eingesehen wird, liegt vor allem daran, daß an entscheidenden Stellen Menschen stehen, die ihr Geld vorher in der Gentechnikbranche verdient haben - und wahrscheinlich noch verdienen. Der Boykott ist zu einer beliebten Waffe der Zivilgesellschaft gegen die Übermacht der Großkonzerne geworden. Aber auch innerhalb des Wirtschaftslebens selbst kommt dem Boykott eine zentrale Funktion zu - anstelle von Streiks. Eine soziale Dreigliederung macht die Parteiherrschaft überflüssig. Durch die Rückbesinnung des Staates auf seine eigentlichen Aufgaben wird eine wirkliche Demokratie möglich. Unser Eigentumsrecht wird erst dann aufhören, der Gesellschaft zu schaden, wenn es - wie die Urheberrechte - zeitlich begrenzt ist. Dem steht noch das römische Recht entgegen, mit seiner Tendenz, das Eigentum zu verabsolutieren. Dies hat positive Auswirkungen gehabt, weil es der Individualität freien Lauf gegeben hat. Die Bindung an der Familie durch das Erbrecht schränkt aber diesen individuellen Charakter wiederum ein. Dieser Rest an Kollektivismus hindert uns daran, das Eigentum wirklich an die individuellen Fähigkeiten zu binden. Eine Entstaatlichung der Wirtschaft heißt nicht, daß man die Preise dem Zufall überläßt, sondern daß es Aufgabe der Wirtschaft selber ist, das Angebot aktiv an die Nachfrage anzupassen. Ein erster Schritt dorthin sind Faire Preise wie beim Fairen Handel, wo sich die Konsumenten nach den Preisen richten, die Produzenten zum Leben brauchen. Den gewonnenen Spielraum können dann die Produzenten nutzen, um ihr Angebot besser anzupassen. Wenn Sie Geld verdienen wollen, sind Sie hier richtig - um Ihren Horizont zu erweitern. Hier geht es nämlich um die Frage, wie Geld in der Wirtschaft wirkt - und um die Frage, wie man dafür sorgen kann, daß es nur zum besten der Wirtschaft wirkt. Dazu braucht das Geld eine Laufzeit, die an den brauchbaren Produktionsmitteln gekoppelt ist, damit es an der realen Wirtschaft gebunden bleibt und nicht anfängt, sich zu verselbständigen. Zur Wirtschaft gehört auch die Währung, die daher weder von einer nationalen noch von einer europäischen Zentralbank verwaltet werden kann. Globalisierung bedeutet einerseits Weltwirtschaft, was meist nicht so sehr eine gemeinsame Wirtschaft als eine Überwindung der schwachen durch die starken Volkswirtschaften bedeutet. Andererseits meint Globalisierung die Ökonomisierung der Welt und damitdie Tendenz, alles zur Ware zu machen. Diese recht problematischen Entwicklungen lassen sich nur durch eine Stärkung des Fairen Handels und der Zivilgesellschaft umkehren. Es gehört zur Unabhängigkeit der Justiz, daß Richter gar nicht vom Staat eingesetzt werden können, soweit es um Fragen des Straf- und Zivilrechts geht. Konservatismus hat zum Ziel, eingebürgerte Gesellschaftsverhältnisse zu bewahren und zu konservieren. Für die Dreigliederung und Anthroposophie mit einer evolutionären Geschichtsauffassung ist dieser Versuch eine Sünde gegen die Menschheit. Eine Korporation ist ein Zusammenschluß von Menschen auf Grund einer gemeinsamen Kultur, Sprache, Religion, Weltanschauung, Pädagogik oder auch desselben Berufes. Durch ihre Einseitigkeit oder ihren Vorbildcharakter beleben sie das Geistesleben. Die vorhandenen Korruptionsindexe erfassen nur die illegale Korruption. Nimmt man die legale Korruption dazu, würden Länder wie die Vereinigten Staaten an der Spitze stehen. Der Liberalismus steht für geistige Freiheit, so wie die Dreigliederung, aber er steht auch für Freiheit der Wirtschaft, im Sinne des freien, ungeregelten Markts, wo nur Angebot und Nachfrage die Produktion regeln, und im Sinne des Kapitalismus. Der Nationalismus kann nur zerstören. Nation heißt soziales Chaos - ein heilloses Durcheinander von Kultur, Staat und Wirtschaft. Liste aller Stichworte Der Rassismus stellt nicht nur eine Rasse über die anderen, sondern auch die Rasse über das Individuum. Reinkarnation meint die Tatsache, dass der Mensch mehrere Erdenleben durchmacht. In Indien und anderswo ist der Gedanke der Reinkarnation sehr präsent. Im Westen herrschen dagegen Religionen, die den Gedanken der Reinkarnation mehr oder weniger ausgerottet haben und dadurch dem Materialismus zum Siegeszug verholfen haben. Der positive Aspekt des Ausblendens der Reinkarnation ist der weit stärker entwickelte Sinn für individuelle Freiheit. Richtig individuell wird aber der Mensch erst, wenn er trotz gesteigerter Individualität wieder Zugang zur Idee der Reinkarnation findet, weil dies ihn vor der Vereinnahmung durch ein bestimmtes Volk oder ein bestimmtes Geschlecht schützen kann. Nicht das Geld, was eingespart oder angelegt ist, arbeitet für die Rente, sondern die nächste Generation. Wer in freie Bildung investiert, sorgt dafür, daß sie es leichter hat, die ältere Generation mitzutragen. Mehr Bildung durch mehr Schenkung ist daher die beste Rentenreform. Schulfreiheit heißt nicht die Abwesenheit von Schule, sondern die freie Wahl der Schule. Sie schließt die Abschaffung der staatlichen Lehrpläne ein. Der Sozialismus hat seinen Ursprung in einem berechtigten Ideal, der Brüderlichkeit. Er läßt sich aber nicht realisieren ohne die beiden anderen Ideale der Gleichheit und Freiheit dazu zu nehmen. Der Staat ist aus der Machtsucht der Fürsten erwachsen und hat alle gesellschaftlichen Bereiche zentralisiert: Alle rechtlichen Beziehungen monopolisiert und das Geistesleben und Wirtschaftsleben reglementiert. Bei einer reellen Steuerreform wäre es mit einer gestaffelten Ausgabesteuer möglich, die Steuerlast gerecht zu verteilen und gleichzeitig das Steuersystem radikal zu vereinfachen. Subventionen soll sich die Wirtschaft selber geben, statt den Markt für allmächtig zu halten - und trotzdem nach staatlichen Subventionen zu schreien. Der Terrorismus wird oft auf eine Art bekämpft, die ihn nur bestätigt und verstärkt. Wer dem Terrorismus den Krieg erklärt, gibt sich eigentlich geschlagen. Wer den Terrorismus als Vorwand nimmt, um Minderheiten zu kriminalisieren, schafft ihm nur Sympathien. Dies gilt nicht nur für die derzeitige US-Regierung, sondern auch für die europäischen Anhänger eines Kopftuchverbots. Sie halten sich für Vorkämpfer der Freiheit, verbauen aber den anderen den eigenen Weg zur Freiheit. Eine wirkliche Therapiefreiheit setzt eine Entstaatlichung der Arztausbildung voraus. Diese Verstaatlichung trägt wesentlich zur heutigen Kostenexplosion im Gesundheitswesen bei. Die konventionelle Medizin dient eben weniger den Patienten als den Pharmakonzernen. Werbung gibt es überall da, wo die Wirtschaft nicht mehr dient, sondern sich bedient. Die Bedeutung der Werbung ist symptomatisch für unsere Produzentenwirtschaft, wo die Initiative von den Unternehmen ausgeht und ein Heer von Kaufleuten, Psychologen und Künstlern allein damit beschäftigt ist, dem Kunden das Gegenteil zu suggerieren. Es gibt kaum etwas Traurigeres als sich Künstler anzuhören, wenn sie die Werbung in Schutz nehmen, mit dem Argument, sie würden davon leben. Wer von Entwicklungshilfe lebt, kommt wenigstens nicht auf die Idee, die Subventionspolitik der Industrieländer zu loben. Das Einzige, was die Werbung adeln kann, ist das gesellschaftliche Engagement einiger Firmen. Gemeint ist nicht das Sponsoring, das nichts weiter ist als versteckte Werbung, sondern der Einsatz für einen fairen Handel. Die Zivilgesellschaft ist dabei, neben Weltwirtschaft und Weltpolitik eine dritte globale Kraft zu werden. Sylvain Coiplet
- Wenn ich Antonio Gramski heutzutage antworten müßte...Würde ich auf seine Behauptung - die Anarchisten müßten freier in Ihrer Denkweise werden antworten: - Das doch wohl offensichtlich die Kommunisten die größeren Sturköpfe sind und waren! - Aber urteilt selbst: - Hier nun also philosophische Texte von -
Antonio Gramsci 1891 - 1937 ...und wenn wir schon mal beim Kommunismus sind...  Texte von "Paul Mattick"! - Die wegen der Finanzkrise (2008 - 2009 - Untergang???) - wohl leider wieder aktuell sind?
Anton Pannekoek 1873 - 1960Die Marxisten
Otto Bauer
Ernest Belfort Bax
August Bebel
Julian Borchardt
Amadeo Bordiga
Heinrich Brandler
Cajo Brendel
Nikolai Bucharin
Tony Cliff
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Hal Draper
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Antonio Gramsci
Henryk Grossmann
Duncan Hallas
Rudolf Hilferding
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Willy Huhn
Karl Kautsky
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Antonio Labriola
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Wladimir Lenin
Paul Levi
Karl Liebknecht
Wilhelm Liebknecht
Georg Lukács
Rosa Luxemburg
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Tom Mann
Julius Martow
Karl Marx + Friedrich Engels
Paul Mattick
Franz Mehring
Anton Pannekoek
Georgi Plechanow
Evgenij Preobraschensky
Karl Radek
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Otto Rühle
Victor Serge
Jakob Stern
Josef Strasser
Hermann Teistler
August Thalheimer
Leo Trotzki
Clara Zetkin deutsches Archiv der Schriften des Ernesto Che Guevara 1928 - 1967 | | ![[Che-Portrait]](http://www.marxists.org/deutsch/archiv/guevara/images/portrait.gif) | | | | | Reden, Schriften, Briefe u.a.: Links zum Thema Che Guevara! [PDF] Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat - HTML-Version Che Guevara war maßgeblich an der Schaffung von Konzen- ... Che Guevara wurde 1961 Wirtschaftsminister. Sein realitätsblinder ... Der kubanische Revolutionsheld Huber Matos über die Instrumentalisierung Che Guevaras durch Fidel Castro, das manipulierte Bild des Westens von der ...km 21.0 - Interview mit Antonio Negri Der Philosoph ANTONIO NEGRI enthüllt die Blaupausen der grenzenlosen Weltmacht. Sie empfangen uns in einer bizarren Situation, Professor Negri. .. Bild - Indymedia Die freie Gesellschaft Das Ziel der Marxisten ist nicht die Arbeiterrätegesellschaft, sondern die freie Gesellschaft. Die demokratische Arbeiterrätegesellschaft ist nur eine notwendige Übergangsform für die freie Gesellschaft. Hier wird es keine Arbeiter mehr geben, sondern nur noch gleichberechtigte Menschen die nach dem Prinzip leben, „Jedem nach seinen Bedürfnissen, Jedem nach seinen Fähigkeiten". Das wird aber letztlich nur möglich sein, wenn das Geld, der Leistungsdruck und der Staat als Kontrollorgan abgeschafft sind. Und hier erkennt man schon das Problem, warum man diese Gesellschaft nicht direkt einführen kann, wie es die Anarchisten wollen. Anfangs werden noch einige Kapitalisten oder Kapitalistenhelfer trotz ihrer kleinen Minderheit von 5% in Europa im Untergrund alle Hebel in Bewegung setzen, um ihre Entmachtung wieder rückgängig zu machen. Außerdem kann die freie Gesellschaft nicht mit „ordre de mufti" von oben eingeführt werden. Wir haben doch alle die Erfahrung gemacht, dass man einen Kapitalismusanhänger kaum von der Arbeiterräterepublik überzeugen kann, und sei er schon seit 40 Jahre Arbeiter. Die Ideen der Herrschenden sind immer noch die herrschende Meinung. Die Herrschenden verbreiten ihre Meinungen mit der „Millionäspresse". Der Verleger muss auch wie alle Kapitalisten eine Millionen besitzen, um eine Zeitung drucken zu können. Die Werbung wird da nur geschaltet, wenn sie staatstragend ist, wenn sie beispielsweise auf Seiten Israels ist. Ausnahme bildet jetzt das Internet, aber denen glaubt der Uninformierte einfach nicht. Das Internet führt noch eher zu kleinbürgerlichen Theorien wie Geld- 3.- Weg- oder Verschwörungstheorien, denn zur Emanzipation. Jedenfalls führen die Infos der unterdrückten Nachrichten nur im Kleinbürgertum wie z.B. über die „Online-Überwachung" zu stärkeren Demos wie 1984 mit der Volkszählung, aber immerhin. Im Arbeiterbereich bleibt die Mobilisierung zu Internetzeiten eher unter denen, der 70 er Jahre. Das hat noch mit der 68-Bewegung zu tun. In Deutschland ist sie noch weit hinter den Wirtschaftskrisen zurückgeblieben. Aber viele andere Länder sind ja schon viel weiter, gibt es schon viel mehr von der reformistischen Gewerkschaftsführung unabhängige emanzipierte Kämpfe, und dabei wirft auch der Arbeiter ganz schnell seine alte Weltanschauung über Bord und lernt aus dem Internet. Über Ägypten und Griechenland sind wir hier ja schon bestens informiert. In Italien wurden schon bei den Betriebsbesetzungen bei INNSE Mailand, IVECO Suzzara, in der Schweiz bei Officine von Bellinzona und Borregaard-Attisholz bei Solothurn und in Spanien bei Holcim Torredonjimeno erste Erfahrungen mit Streikräten gesammelt. In England ist die Bewegung mit eine ganzen Reihe von Streiks der nicht rituellen Art, mehrere heftige Konfrontationen bei Demonstrationen und Kundgebungen der allerjüngsten Zeit schon eine ganze weiter als hier, so dass die Polizei für den Sommer schon Unruhen erwartet. In all diesen Kämpfen wurden schon demokratische Streikräte gewählt, die noch in der Phase der Doppelherrschaft in Arbeiterräte verwandelt werden. Sie handeln auch nach den drei Prinzipien - jederzeitige Abwählbarkeit
- höchstens einen Facharbeiterlohn verdienen und
- an die Beschlüsse der Basis gebunden sind.
Bis dahin wird alles spontan verlaufen, wie wir das bei der Untersuchung der Geschichte der Rätedemokratiebewegung nachgewiesen haben. Die emanzipierte Arbeiterbewegung wird in revolutionären Verhältnissen die Partei, die ihre objektiven Interessen vertritt, aufbauen (Russland, Portugal), also nicht die Parteien, die andere Staaten mit kleinbürgerlicher Führung vertreten. Diese revolutionäre Arbeiterpartei wird die objektiven Interessen vorantreiben und nach der Machtübernahme durch die Arbeitermassen sehr schnell in einer Basisplanwirtschaft gleichen Lohn in allen Arbeiterstaaten und Austausch der Patente einführen damit auch in allen Arbeiterstaaten nach einer Übergangszeit die gleiche Bedingungen herrschen. Nun herrscht nicht mehr die kleine Minderheit der 5% Kapitalisten über die große Mehrheit der 85% Arbeiterklasse, sondern umgekehrt, die große Mehrheit der Arbeiter herrscht dann über die kleine Minderheit. Die Arbeiter unter sich und mit dem größten Teil des 10% Kleinbürgertums sind dann basisdemokratisch organisiert, zusammen unterbinden sie aber dem Kapital, andere ausbeuten zu können, von ihrer Wertschöpfung den Mehrwert zu unterschlagen, sie üben ihnen gegenüber also noch eine Diktatur aus. Dies meinte Marx mit dem missverständlichen Begriff der „Diktatur des Proletariats", nicht das, was Stalin dann daraus machte, seine Diktatur über die Arbeiterklasse. Da aber nun die Arbeitenden selber über das Produktionskapital und seine Verwendung verfügen und das Privatvermögen auf eine kleine Höhe von ihnen begrenzt wird, wird der ehemalige Kapitalist dann wie alle anderen auch selber arbeiten müssen. Die 85% (Europa) umfassende Arbeiterklasse wird dadurch innerhalb kürzester Zeit die anderen Klassen zu sich herabziehen und in sich integrieren. Wenn die Arbeiterklasse dann die ganze Gesellschaft umfasst, wird es keine Klassengegensätze mehr geben. Keine Profitinteressen treiben mehr die Menschen auseinander, der Mensch kann endlich nach der Vernunft seine Entscheidungen treffen, er tritt ins Zeitalter der Vernunft ein. Die historische Mission des Geldes, der Staaten und der Arbeiterpartei hat sich damit erfüllt. Der Staat ist abgestorben. Diese Situation wird umso schneller erreicht werden, je mehr Länder diesen Reifegrad erreichen. Bei der Globalisierung der Wirtschaftskrise und der Kriege wird dieser Punkt sehr schnell, innerhalb von eins, zwei Generationen nach der ersten Revolution erreicht werden. Es gibt keine Arbeiter mehr und keinen Kapitalisten mehr, es gibt nur Menschen, wir leben dann nach dem Prinzip „Jedem nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen". Das nennen wir Marxisten „Kommunismus", wie in einer Kommune, du arbeitest oder nicht, was Du willst, morgens Arzt, nachmittags Kindergärtner und in einem Jahr schaust Du Dir Amerika an und arbeitest in Peru nach dem Studium als Archäologe. Wenn Du eine neue Küche brauchst für Dein Haus, gehst Du zur städtischen Lagerverwaltung und der Verwalter wird für Dich eine schöne raussuchen und noch ein besseres Fahrrad, alles ohne Geld. Wie das, dann wird doch niemand mehr arbeiten wollen? Engels hat in seiner Untersuchung „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen" festgestellt, dass der Mensch durch die Arbeit (nicht Lohnarbeit) zum Menschen wurde. Wenn Du faul auf dem Sofa rumliegst, fühlst Du doch nur das Tierische in Dir. Du wirst dann Mensch, wenn Du schöpferisch bist. In einem Phoenix-Film über einen brasilianischen Indianerstamm baut ein angesehener Blasrohrbauer einem Jungen ein Blasrohr und zeigt ihm die recht komplizierte Fertigung, für null Euro, denn Geld kennen die überhaupt nicht. Nicht wegen 3,50 Unzen, sondern einfach nur aus Spaß, für die Anerkennung oder die Liebe oder Solidarität seines Stammes. Wenn er wegen des Spaßes arbeitet, wird doch der Mensch zu viel größeren Entwicklungen fähig sein, als wenn er für Drei, Fünfzig arbeiten würde. Na gut, aber der eine Mensch ist doch genialer als der Fensterputzer, das müsste man doch honerieren. In einer freien Gesellschaft sind alle Menschen Genies. Unser Gehirn ist nur zu 10% ausgelastet, warum? Von Geburt an kann jeder Mensch singen und malen. Im Kapitalismus werden alle Fähigkeiten wegen der Zweckorientiertheit kaputt gemacht. Schon das Schulsystem muss die Kinder in Elite, Handarbeiter und Überflüssige aussortieren. Da wird alles Geniale abgetötet. In der portugiesischen Revolution 1974 haben sie eine Arbeiteruniversität gegründet, da haben die Arbeiter die griechischen Philosophen studiert oder die Relativitätstheorie. Außerdem gibt jeder das was er kann, ohne Profit da brauchen wir keine Aufrechnung mehr. Und wer macht die Kanalisation sauber? Der Mensch ist von Natur aus ordentlich und hat es gerne, wenn alles um ihn herum übersichtlich ist. Da sammelt der Mathematiker auch nachmittags um das Haus den wenigen Müll ein. Außerdem gibt es viel mehr Roboter und den Rest kann man sich im Wohnblock aufteilen. Wenn man hochkonzentriert schwierige Probleme löst, führt man gerne zwischendurch zur Entspannung auch mal stupide Arbeiten aus. Es wurde ausgerechnet, wenn man sich auf das Notwendige beschränken würde, würde man weltweit nur 2 Stunden pro Tag arbeiten müssen. Wenn die ganze überflüssige Arbeit wie Waffenproduktion, Kriegsspiel, Werbung, Patentamtsarbeit, Reparatur von Billigware, Krankenpflege von sozial Kranken, Bau von Luxusautos und Luxusyachten, Transport wegen Zollersparnis und und und wegfallen würde, könnte man viel mehr Zeit für die Kindererziehung, für Hobbys und Weiterbildung verwenden, so, dass man letztlich den Unterschied zwischen Arbeit und Hobby feststellen könnte. Die Unterteilung in Kopf- und Handarbeit ist auch aufgehoben. Der Arbeitsablauf wird nicht mehr in Sekundenschritten unterteilt und Du behälst den Überblick über den gesamten Produktionsvorgang. Und wenn alle ein Porsche wollen? Die Ware hat nicht mehr die Form eines Befriedigungsersatzes. Wenn im Kapitalismus jemand Porsche fährt, steigt seine Anerkennung. In der freien Gesellschaft werden die Menschen wahrscheinlich gar keinen Porsche mehr bauen, aber das entscheiden sie ja selber. Sollte einer noch einen alten Porsche haben, werden die Menschen denken, „Oh, ein Angeber mit einem Penisersatz. Dem wollen wir doch den letzten Therapeuten empfehlen." Die gesellschaftliche Anerkennung fällt auf Null. Warum gibt es keinen Staat mehr? Es muss doch weiter ein Wirtschaftsministerium oder einen Familienminister geben? Verwaltungen, die das Wirtschaften organisieren usw. wird es natürlich geben. In der Naturgesellschaft werden all diese Aufgaben auch gesellschaftlich abgestimmt und vom gewählten Häuptling umgesetzt. Staaten gab es erst mit den Klassengesellschaften und Nationalstaaten mit Pass und Staatsbürgern erst mit dem Kapitalismus. Die Aufgabe des Staates ist die Kontrolle der unterdrückten Klasse durch das Innenministerium, die Justiz und den Geheimdienst. In der Naturgesellschaft stand der Mensch im Widerspruch zur Natur, in den Klassengesellschaften steht der Mensch im Widerspruch zum Mensch und in der freien Gesellschaft aber wird der Mensch mit sich in Harmonie leben können. In der Naturgesellschaft herrschte noch Mangel, deshalb konnten die basisdemokratischen Verhältnisse sich nur innerhalb des Stammes durchsetzen. Der Kapitalismus leidet am Überfluss, da können wir leicht eine Welt aufbauen, in der alle Menschen gleichberechtigt solidarisch zusammenleben, ohne Grenzen zwischen den Völkern und zwischen den Menschen. Das ist ja wie im Schlaraffenland Ja richtig. Aber das hier ist wie Tollhaus, zu Krieg sagen wir Frieden und wenn wir einen Hungerlohn verdienen, dann tun wir was für die Arbeitsplätze. In der WG oder Familie kochst Du gerne für alle Kaffee, aber im Kapitalismus hisst es, der nimmt mir einen Arbeitsplatz weg. Wenn weniger produziert wird, dann spricht man vom Gesundschrumpfen und wer die Wahrheit spricht, ist ein Verschwörungstheoretiker und ein Spinner. Es wird Milliarden für Satelliten ausgegeben für eine bessere Ernte und dann wird sie vernichtet, damit nicht zu viel auf den europäischen Markt angeboten wird und jeden Tag verhungern 30.000 Kinder, alles ganz logisch. Es gibt ein Überfluss an Gütern, aber zu viel Armut für eine kaufkräftige Nachfrage. Dieser Widerspruch wird schon in der solidarischen Basisräterepublik aufgehoben und wenn kein Mangel mehr herrscht, braucht es auch kein Marktregulierungsmechanismus mehr, nur die Vernunft, das ist alles.(Norbert Nelte -Linkszeitung) Holloway, John 2002: Change the World Without Taking Power: The Meaning of Revolution John Holloway [1] Folgende Texte von John Holloway haben wir übersetzt und im Wildcat-Zirkular veröffentlicht: »Capital Moves« in Nr. 21; »Der Abgrund tut sich auf: Aufstieg und Fall des Keynesianismus« und »Globales Kapital und Nationalstaat« in Nr. 28/29; Einleitung und Schlußfolgerung des Buchs »Global Capital, National State and the Politics of Money« in Nr. 30/31; »Vom Schrei der Verweigerung zum Schrei der Macht: Zur Zentralität der Arbeit« und »Krise, Fetischismus, Klassenzusammensetzung« in Nr. 34/35. Texte John Holloway: Unser Ort, unsere Zeit. by - - 20.06.2007 15:24. Unser Ort, unsere Zeit, unsere Musik, unser Tanz. Unser Ort. Dies ist unser Ort. Nicht ihrer ...
Abgesehen davon: Milton Friedman ist ein Produkt der Wall Street, ... Daraufhin folgte die Gegenrevolution mit Milton Friedman an der Spitze. ...
[PDF] Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat - HTML-Version Wenn der Name Milton Friedman fällt, dann sind die Begriffe Liberalismus und ... vielen Dank für den interessanten Text, den ich noch nicht zu Ende ... Diskussionsforum zur Diskussion der wesentlichen Bereiche der b?rgerlicher Kultur und ihrer Politik. Hütet euch vor uns, denn wir sind viele und ihr seid wenige / Von Arundhati Roy Kampf dem Imperium - aber wie? Das ist eine große Frage, und ich habe keine einfachen Antworten. Was ist unter "Imperium" zu verstehen - die amerikanische Regierung (und ihre europäischen Satelliten), die Weltbank, der Internationale Währungsfonds, die Welthandelsorganisation, die Multis? Oder mehr? In vielen Ländern hat das Imperium Hilfsagenturen und gefährliche Begleiterscheinungen hervorgebracht: Nationalismus, religiöse Intoleranz, Faschismus und natürlich Terrorismus. Sie alle gehen einher mit der Globalisierung. Ich möchte das erläutern. Indien, die größte Demokratie der Welt, steht gegenwärtig ganz oben auf der Liste der Globalisierer. Indische Regierung und Eliten heißen Privatisierung und ausländische Unternehmen willkommen. Es ist kein Zufall, daß der Premierminister, der Innenminister, der Minister für Kapitalflucht - jene Männer, die das Geschäft mit Enron unterzeichnet haben, die die Infrastruktur des Landes an ausländische Multis verkaufen, jene Männer, die Wasser, Strom, Erdöl, Kohle, Gesundheits- und Bildungswesen und Telekommunikation privatisieren wollen - durchweg Mitglieder oder Sympathisanten des RSS (Rashtriya Swayamsevak Sangh) sind, einer rechtsextremen Gruppierung, deren Anhänger als Bewunderer Hitlers und seiner Methoden auftreten. Die Demontage der Demokratie wird mit dem Tempo und der Effizienz eines Strukturanpassungsprogramms durchgeführt. Forcierte Privatisierung und Arbeitsmarkt-"Reformen" vertreiben die Menschen von ihrem Land und aus ihren Jobs. Dieses Klima von Frustration und nationaler Desillusionierung ist, das zeigt die Geschichte, der ideale Nährboden für faschistische Ideologien. Die beiden Arme der indischen Regierung sind perfekt aufeinander eingespielt. Während der eine Arm eifrig dabei ist, große Teile des Landes zu verkaufen, dirigiert der andere einen wütenden Chor hindu-nationalistischer und religiös-faschistischer Stimmen. Er führt Atomtests durch, schreibt Geschichtsbücher um, brennt Kirchen nieder, zerstört Moscheen. Im März 2002 wurden in Gujarat zweitausend Muslime massakriert. Es war ein mit staatlicher Unterstützung durchgeführtes Pogrom. Muslimische Frauen wurden vergewaltigt und anschließend bei lebendigem Leib verbrannt. Geschäfte, Wohnhäuser und Moscheen wurden in Brand gesetzt. Mythos freier Markt Während Gujarat brannte, stellte der indische Premierminister auf MTV seine neuen Gedichte vor. Im Dezember 2002 wurde die Regierung, die das Morden organisiert hatte, mit einer satten Mehrheit wiedergewählt. Niemand wurde für den Genozid zur Verantwortung gezogen. Narendra Modi, der Architekt des Pogroms, stolzes Mitglied des RSS, hat seine zweite Amtszeit als Chefminister von Gujarat angetreten. Wäre er Saddam Hussein, würde CNN über all diese Greueltaten natürlich berichten. Weil er das aber nicht ist und weil der indische "Markt" globalen Investoren offensteht, ist das Massaker nicht Mal eine peinliche Randerscheinung. Mehr als hundert Millionen Muslime leben in Indien. Eine Zeitbombe tickt in unserem altehrwürdigen Land. Die These vom freien Markt, der nationale Schranken überwindet, ist ein Mythos. Der freie Markt untergräbt die Demokratie. Der Abstand zwischen Reich und Arm wird immer größer, der Kampf um die Ressourcen immer aggressiver. Um ihre Geschäftsinteressen durchzusetzen, um sich unsere Agrarprodukte anzueignen, das Wasser, das wir trinken, die Luft, die wir atmen, und unsere Träume, braucht die Globalisierung einen internationalen Verbund von loyalen, korrupten, autoritären Regierungen in den armen Ländern, damit unpopuläre Reformen durchgepeitscht und Aufstände niedergeschlagen werden können. Die Globalisierung (oder, um es beim Namen zu nennen: der Imperialismus) braucht eine Presse, die so tut, als wäre sie frei. Sie braucht eine Justiz, die so tut, als spräche sie Recht. Gleichzeitig häufen die Länder des Nordens Massenvernichtungswaffen an: Es muß doch gewährleistet sein, daß nur Kapital, Waren, Patente und Dienstleistungen globalisiert werden. Nicht die Bewegungsfreiheit der Menschen. Nicht die Einhaltung der Menschenrechte. Nicht die Abkommen über das Verbot von Rassendiskriminierung, von chemischen und atomaren Waffen, über den Klimaschutz oder, Gott bewahre, über die Errichtung eines Strafgerichtshofs. Das alles ist das "Imperium": diese obszöne Anhäufung von Macht, dieser ungeheure Abstand zwischen Oben und Unten. Unser Kampf, unser Ziel, unsere Vision von einer anderen Welt muß es sein, diesen Abstand aufzuheben. Wir stehen nicht schlecht da. Es hat wichtige Erfolge gegeben, vor allem hier in Lateinamerika. In Bolivien Cochabamba, in Peru der Aufstand von Arequipa. Und die Augen der Welt richten sich auf die Menschen in Argentinien, die darangehen, ihr vom Internationalen Währungsfonds zugrunde gerichtetes Land wiederaufzubauen. In Indien gewinnen die Globalisierungsgegner an Stärke. Und die schillernden Botschafter der Globalisierung - Enron, Bechtel, WorldCom, Arthur Andersen -, wo waren sie letztes Jahr, und wo sind sie jetzt? Dennoch erleben viele von uns dunkle Momente der Verzweiflung. Wir wissen, daß unter dem Schirm des Anti-Terror-Krieges Männer in Anzügen fleißig ihren Geschäften nachgehen. Während Marschflugkörper am Himmel auftauchen, werden Verträge unterzeichnet, Patente angemeldet, Erdölpipelines gebaut, Bodenschätze geplündert, Wasservorkommen privatisiert - und George W. Bush ist entschlossen, Krieg gegen den Irak führen. Betrachtet man diesen Konflikt als eine unmittelbare Konfrontation zwischen dem "Imperium" und jenen von uns, die Widerstand leisten, so scheinen wir die Verlierer zu sein. Man kann es aber auch anders sehen. Wir haben begonnen, das "Imperium" zu zermürben. Wir haben es vielleicht nicht, noch nicht, aufgehalten, aber wir haben es gezwungen, die Maske fallenzulassen. Das Imperium wird vermutlich in den Krieg ziehen, aber es präsentiert sich jetzt ganz offen - und es ist so häßlich, daß es nicht in den Spiegel sehen mag. Nicht einmal die eigene Bevölkerung kann es für sich gewinnen. Über kurz oder lang wird sich die Mehrheit der Amerikaner mit uns verbünden. Vor wenigen Tagen kam in Washington eine Viertelmillion Menschen zusammen, die gegen einen Krieg im Irak demonstrierten. Und die Stimme des Protests wird lauter. Vor dem 11. September hatte Amerika eine verborgene Geschichte. Verborgen besonders vor den Amerikanern. Doch nun sind die Geheimnisse Amerikas Geschichte, und diese Geschichte ist allgemein bekannt. Heute wissen wir, daß die Argumente, die zur Einstimmung auf den Irak-Krieg dienen, Lügen sind. Besonders lachhaft ist die These, die Regierung wolle dem Irak die Demokratie bringen. Menschen zu töten, um sie vor Diktatoren oder ideologischer Verderbnis zu bewahren, ist ein alter Sport amerikanischer Regierungen. Mickey Mouse und Mullahs Niemand bezweifelt, daß Saddam Hussein ein Diktator, ein Mörder ist. Keine Frage, daß es den Irakern ohne ihn besser ginge. Allerdings ginge es der ganzen Welt besser ohne einen gewissen Mr. Bush. Er ist weitaus gefährlicher als Hussein. Es ist sonnenklar, daß Bush entschlossen ist, Krieg gegen den Irak zu führen - ohne sich um Fakten und Weltöffentlichkeit zu scheren. In ihrem Bestreben, Verbündete zu gewinnen, sind die Vereinigten Staaten bereit, Fakten zu erfinden. Die Farce mit den Waffeninspekteuren ist das aggressive, beleidigende Zugeständnis an eine verhunzte Form internationaler Etikette. Im Grunde hat der neue Irak-Krieg schon begonnen. Was können wir tun? Wir können unsere Erinnerung aktivieren, aus der Geschichte lernen. Wir können unsere Stimme erheben, bis sie ein ohrenbetäubender Donner ist. Wir können die Exzesse der amerikanischen Regierung anprangern. Wir können Bush und Blair - und ihre Verbündeten - als die feigen Babykiller, Wasservergifter und kleinmütigen Fernbomber bloßstellen, die sie sind. Wir können auf millionenfache Weise zivilen Ungehorsam praktizieren. Mit anderen Worten: Wir können Schwierigkeiten machen. Wenn George W. Bush ausruft: "Ihr seid entweder für uns oder für die Terroristen", können wir dankend abwinken. Er soll wissen, daß die Völker der Welt nicht zwischen einer böswilligen Mickey-Maus und wildgewordenen Mullahs zu entscheiden brauchen. Unsere Strategie sollte es nicht sein, das Imperium herauszufordern, sondern es zu zermürben. Ihm die Luft zum Atmen zu nehmen. Es zu beschämen. Es zu verspotten. Mit unserer Kunst, unser Musik, unserer Literatur, unserem Starrsinn, unserer Lebensfreude, unserer Phantasie, unserer ganzen Entschlossenheit - und unserer Fähigkeit, unsere Geschichten zu erzählen. Die Revolution der Globalisierer wird scheitern, wenn wir uns ihnen verweigern - ihren Ideen, ihrer Version der Geschichte, ihren Kriegen, ihren Waffen, ihrer Logik. Vergeßt nicht: Wir sind viele, sie sind wenige. Sie brauchen uns mehr als wir sie. Aus dem Englischen von Matthias Fienbork.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2003, Nr. 30 / Seite 35
 Jack Kerouac war aus jenem seltenen Material gebaut, aus dem Legenden gesponnen werden
 Pazifismus ... n dem "Typ des Pazifismus angezogen, so wie er von Leo Tolstoi und Mahatma Gandhi vertreten wurde, und von der Anwendung der Gewaltlosigkeit als einer Gewaltfreiheit Die prinzipielle Gewaltfreiheit, von [[Gandhi]] als [[Satyagraha]], d.h. Festhalten an der Wahrheit, von Luther King als ... | | Transparenter Button 
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Dieser Artikel erschien bei www.kurskontakte.de Im Dezember 2008 trafen sich im Lebensgarten Steyerberg Margrit Kennedy, Heide-Göttner-Abendroth und Johannes Heimrath, um einen ganzen Tag dem gemeinsamen Nachdenken über die auf den ersten Blick so utopisch wirkende, aber doch omnipräsente Ökonomie des Schenkens zu widmen. Der folgende Gesprächsauszug ist ein erstes Ergebnis dieser auch filmisch dokumentierten, produktiven Zusammenkunft. Weitere Veröffentlichungen als Film und in Buchform werden in den nächsten Monaten folgen.
Johannes Heimrath: Bereits im Jahr 2006 saßen wir in dieser Konstellation auf einer Tagung zusammen und haben über ein neues Verständnis von Arbeit, Geld und Sozialstruktur nachgedacht. Damals war noch nicht abzusehen, dass das Finanzsystem einen so großen Zusammenbruch erleiden würde. Unsere Themen waren 2006 noch völlig exotisch, heute ist viel mehr Offenheit in der Bevölkerung da, Wirtschaft anders zu denken.
Margrit Kennedy: Mich fasziniert immer, dass die Globalisierung erst durch Geld möglich war, doch gleichzeitig hat sie zu der Einsicht geführt, dass wir wieder kleinere Wirtschaftsräume brauchen, weil wir sehen, dass das einseitige Verständnis von Kultur und Wirtschaft mit seinem „größer ist besser“, das sich über den Globus ausbreitet, viel Leid im lokalen Bereich mit sich bringt. Heute wird vielen Menschen klar: Wenn sich die Gier nach immer mehr Geld und immer größeren Gewinnen wie ein Krebs über den Globus ausbreitet, müssen wir erst wieder das Kleinteilige schätzen lernen. Mir geht es jetzt darum, beides zusammenzubringen, dass wir einerseits -, Dank unserer Kommunikationstechnologie – das Gefühl haben können, zu einem „Menschheitskörper“ zu gehören, der sich über die ganze Erde hinweg gebildet hat, und zugleich die eigene Region zu spüren und zu stärken. Ich arbeite heute beispielsweise mit einem globalen Netzwerk von Partnern, die alle auf vielfältige Art und Weise regionale Probleme lösen möchten.
Heide Göttner-Abendroth: Ich würde unsere Diskussion gerne mit der Frage nach dem Wesen des Geldes, wie es heute international kursiert, beginnen. Margrit hat es als Krebsgeschwür bezeichnet. Für mich ist es wichtig, klarzustellen: Niemand lebt vom Geld, obwohl das Millionen Menschen glauben. Stattdessen leben wir von den Lebens-Mitteln, die von der Erde kommen, und wir leben durch gute Beziehungen und Gemeinschaft. Das sind Qualitäten, die durch die Mütter ins Leben jedes Einzelnen treten. Die Natur und die Mütter schenken das, was das Leben ermöglicht, deshalb spreche ich von einer „Ökonomie des Schenkens“. Noch niemand hat der Natur Geld für ihre Geschenke gegeben. Ich darf es mal metaphorisch sagen – diese Geschenke kommen von der Mutter Erde. Und des weiteren stammen die Geschenke, die in unserer Gesellschaft kursieren, wesentlich aus der Arbeit der Frauen. Sie schenken Leben und arbeiten 20 Jahre lang, bis das Wesen, dem sie das Leben geschenkt haben, groß geworden ist. Laut einem UNO-Bericht werden zwei Drittel der Arbeit auf der Erde von den Frauen geleistet, das meiste davon unentgeltlich. Das ist ein riesiger Bereich des Schenkens, deshalb existiert die Ökonomie des Schenkens bereits, wir leben beständig darin. Darüber hinaus existiert ein reicher Strom von Geschenken von Menschen, die in großen Wirtschaftsbetrieben arbeiten und den Mehrwert ihrer Arbeit nicht erhalten, sondern weitergeben. Ihr Strom an Geschenken fließt von unten zu ein paar wenigen Menschen, die an der Spitze der Gesellschaft stehen. Deshalb ist die heutige Ökonomie eine parasitäre Ökonomie, die diese Geschenke absaugt, sie zu erzwungenen Geschenken macht und großes Interesse daran hat, die riesige Schenkökonomie unsichtbar zu machen. Alle, die idealistisch arbeiten, bereiten Geschenke, die unsere Gesellschaft ernähren und erhalten Wenn wir diese Perspektive einnehmen, kommen wir der Schenkökonomie auf die Spur.
Margrit Kennedy: Das möchte ich gerne mit Zahlen unterfüttern. Das statistische Bundesamt hat einen Vergleich angestellt zwischen der offiziellen Statistik, die aussagt, was Frauen an Arbeit, die in der Leistung der Kindererziehung stecken. Jedes Jahr leisten Frauen soviel wie die gesamte deutsche Industrie ohne den Bausektor. Ich finde die Forderung, Frauen oder Männer für ihre Arbeit bei der Kindererziehung zu bezahlen, problematisch, da bietet aus meiner Sicht das bedingungslose Grundeinkommen eine bessere Lösung …
Heide Göttner-Abendroth: Ich kenne auch die Argumente in bestimmten Kreisen der Frauenbewegung, in denen Geld für Hausarbeit gefordert wird. Das könnte durchaus ein kleiner, sinnvoller Zwischenschritt sein, aber solche Schritte bleiben systemimmanent und in alten Strukturen verfangen, wenn sie nicht von der Vision einer anderen Gesellschaft getragen sind. Steht jedoch diese Vision bewusst im Vordergrund, kann jeder Schritt dazu dienen, sie Wirklichkeit werden zu lassen. Die Ökonomie des Schenkens ist nicht einmal „nur“ eine Vision, sie ist bereits Praxis. Sie wird auf der ganzen Welt als lebensfördernde Arbeit in Grundzügen ähnlich praktiziert. Die gesamte globalisierte Geld- und Marktwirtschaft lebt davon. Die Ökonomie des Schenkens ist auch nichts Lokales oder nur auf die Frauen Bezogenes. Wenn wir uns das bewusst machen, erkennen wir ein neues Paradigma von Gesellschaft, in dem ein neues Paradigma von Ökonomie eine entscheidende Rolle spielen wird. Das neue lässt kritisch analysierend das alte Paradigma hinter sich, versucht den Dingen, wie sie heute sind, an die Wurzel zu gehen.
Margrit Kennedy: Was wir im Moment erleben, ist ja nicht nur eine kleine Krise, sondern eine tief greifende Erschütterung unseres Geldssystems. Wenn man sieht, wie die Banken mit staatlichen Geschenken gerettet werden, erleben wir Zwangsgeschenke des Steuerzahlers, um dem System das Überleben ermöglichen. Politiker und Banker konzentrieren sich auf bessere Kontrollen, um die Auswüchse des Systems zu begrenzen, stellen es selbst aber nicht in Frage. Wir werden eine harte Lernerfahrung machen müssen, wie hart, das hängt davon ab, wie schnell wir die wirklich fundamentalen und systemimmanenten Dinge ändern können.
Johannes Heimrath: Die sogenannten Rettungspakete kommen mir vor wie kleine Bollwerke zur Lawinenabwehr an einem steilen Berghang. Jeder weiß, dass die Schneemassen übermächtig sind und die Lawine eher früher als später losberechen wird. Ich habe den Eindruck, dass die Menschen, mit denen wir in unseren globalen Netzwerken im Gespräch sind, nicht an der kleinen Lawinenabwehr bauen wollen, sondern sie arbeiten daran, wie man nach der Lawine das Dorf auf der anderen Seite des Tals wieder aufbauen kann. Wie muss unser Denken sein, wenn das gelingen soll? Wie lernt eine Gesellschaft, mit Freiheiten umzugehen, welche Bildungsaufgabe steht uns bevor?
Margrit Kennedy: Ich habe den Eindruck, es geht vor allem um einen anderen Umgang mit Zeit. „Zeit ist Geld“ – das halte ich für Unsinn. Das, was Gott uns geschenkt hat, die Zeit – dürfen wir das vermarkten? Ich glaube, wir brauchen eine völlig neue Definition von Reichtum. Wer Geld hat, soll reich sein? Das ist der größte Unfug, mit dem wir durch unser gehetztes Leben ziehen. Wir sind herausgefordert, eine attraktive Zukunftsvision zu entwickeln. Sie kann einen neuen Umgang mit Zeit, eine neue Definition von Reichtum, einen neuen Umgang mit Politik, unseren gemeinschaftlichen Anliegen und Spiritualität umfassen.
Heide Göttner-Abendroth: Die Krise des alten Paradigmas ist eine Krise des kapitalistisch geprägten Patriarchats. Der Kapitalismus ist gerade erst 500 Jahre alt, patriarchale Strukturen sind nicht älter als 3000 bis 4000 Jahre. Patriarchale Gesellschaften sind so aufgebaut, dass die einen den anderen dienen müssen, sie basieren auf Hierarchie. Heute dient die unter der kapitalistischen Wirtschaft unsichtbar liegende Schenkökonomie den Herrschenden, der Macht und dem Reichtum in den Händen Weniger. In unserer Gesellschaft finden sich alle Werte, die zum Prinzip der Herrschaft gehören: Herrschaft nimmt, ohne zurückzugeben, entwickelt Strategien zur Herrschaftserhaltung und produziert Ideologien wie den heutigen Irrglauben, dass die Menschen von Arbeitsplätzen und Geld leben würden. Das ist für diesen Zusammenhang meine Analyse des Ist-Zustands, des kapitalistischen Patriarchats. Zur Klärung kurz zwei Punkte, zunächst zum Begriff der Strategie: Heute kann man an unserem globalen Geldsystem sehen, dass Herrschaftswissen strategisches Denken ist, ebenso wie Kriege strategisches Denken verlangen. In gewisser Weise sind wir Zeugen eines organisierten Wirtschaftskriegs, der dem Krieg durch eine Militärmacht gleicht. Und zur Klärung des Begirffs „Patriarchat“: Es ist die Herrschaft weniger über alle anderen. Das hat nichts mit Männern versus Frauen zu tun, sondern es geht um ganze Gesellschaftsformen, eben der patriarchalen versus der matriarchalen Gesellschaftsformen, wobei die patriarchale Gesellschaftsform alle anderen beherrscht und ausbeutet.
Margrit Kennedy: Die Art und Weise, wie das Geldsystem uns ausbeutet, muss zunächst einmal mit dem Verstand begriffen werden. Wenn wir verstanden haben, dass das System nur auf exponentiellem Wachstum basiert, können wir auch körperlich spüren, dass es ungesund ist, denn exponentielles Wachstum ist nicht Teil unseres Zellwissens. Die Erfahrung des Schenkens aber wohl. Wir wünschen uns tief in unseren Herzen, anderen etwas zu schenken. Das muss gelebt werden können! Hier im Lebensgarten Steyerberg erfahre ich das seit 20 Jahren immer wieder. Dadurch entsteht eine neue Lebensqualität, von der ich heute sage: Das ist eigentlich das Normale.
Heide Göttner-Abendroth: Auf der Grundlage, dass Schenken eben eine normale menschliche Haltung ist, formuliert Genevieve Vaughan – als die Urheberin dieser Ideen – ihre Gedanken von der Ökonomie des Schenkens. Ein Kind kann das, was die Mutter schenkt – das Leben und viele Jahre der Pflege und Begleitung – nicht zurückgeben, und die Mutter erwartet das auch gar nicht. Aber wenn sie erwachsen sind, schenken die Kinder das Gleiche wiederum ihren Kindern. Wenn wir etwas aus freiem Herzen schenken, erwarten wir nicht, dass es zurückkommt. Das ist kein Tausch, der durch das Äquivalent Geld bestimmt werden kann, sondern das transitive Weiterreichen von Geschenken. So funktioniert nach Genevieve Vaughans Erkenntnissen das Paradigma des Schenkens. Deshalb formuliert sie den Ausstieg aus dem Tausch-Paradigma zum Paradigma des Schenkens als der natürlichen und allen anderen zugrunde liegenden Wirtschaftsweise. Die Geschenke der Mütter liegen obendrein nicht nur auf der körperlichen, sondern auch auf der geistig-seelischen Ebene. Jede Mutter schenkt ihrem Kind die Sprache. In diesem Sinne schenken die kreativen Menschen der Gesellschaft unendlich viel durch Literatur, Kunst, Musik, Gestaltung oder Erfindungen. Nur wird das nicht als Geschenk wahrgenommen, sondern für die herrschende Ökonomie zählt nur, ob man mit etwas Geld machen kann.
Johannes Heimrath: Die Schwierigkeit heute besteht darin, das Selbstverständliche sichtbar zu machen. Als wir gestern nach Steyerberg kamen, hatte ich das gute Gefühl von Normalität: Genau so leben moderne Menschen sinnvoll zusammen! Jeder hat seinen eigenen Lebensraum und möchte zugleich zu etwas Größerem, Gemeinsamem beitragen, in dem jeder wertgeschätzt wird. Trotz dieser augenscheinlichen Normalität ist Steyerberg heute immer noch eine Insel, eine große Ausnahme. Wie finden wir also zu einer Kommunikationsfähigkeit, die verdeutlichen kann, warum diese Gemeinschaften und Nachbarschaften, die auf gegenseitiger Wertschätzung und dem Schenken basieren, das Normale und Natürliche sind? Es geht hier um etwas ganz Unspektakuläres. Ich finde es zum Beispiel schwierig, dass ich meine Wertschätzung gegenüber einer Designleistung in unserer heutigen Gesellschaft kaum äußern kann. Nehmen wir die Teekanne auf diesem Tisch, ich schätze das Design dieser schönen Glaskanne. Jemand hat mir mit dieser Kanne etwas von seiner Gestaltungsfähigkeit geschenkt, und ich möchte gerne meine Wertschätzung an ihn weitergeben. Aber das geht nicht, denn die Kanne ist eine Ware. Hat man sie für Geld im Laden erworben, wird dieser Akt in der Regel vom Gefühl des Anspruchs, ein funktionstüchtiges Objekt zu erhalten, begleitet, nicht vom Gefühl des Beschenktseins. Es ist eine spannende Frage, warum die Wertschätzung gegenüber einer Sache verlorengeht, warum wir das ursprüngliche Geschenk desjenigen, der sie gestaltet hat, vergessen, sobald der Wert einer Sache in Geld bemessen wird.
Heide Göttner-Abendroth: Was passiert denn, wenn Geschenke zu Waren gemacht werden? Wenn ich ein Ding schenke, gebe ich mehr als das Ding, es ist eigentlich nur ein Symbol für alles, was ich an Emotionalem und Intellektuellem mitschenke. Als Waren werden die Geschenke zu toten Gegenständen, jedes emotionalen Werts entkleidet, sie werden mit einem Geldwert verglichen. Und das ist bereits ein Raub, denn das Ding ist mehr wert, als mit Geld beschrieben werden könnte. Gegenstände, Handlungen oder Dienstleistungen werden für den Tausch frisiert, ihrer ideellen Seite entkleidet und dann in der Reklame wieder mit einem emotionalen Pseudo-Wert versehen. Wenn man dann kauft, bekommt man nur ein totes Ding und wird betrogen. Umso schlimmer, wenn dem Geld auch noch ein Wert zugemessen wird. Es wird so getan, als ob das Geld eine Ware ist, das man auch kaufen und verkaufen kann, und das einen Preis hat. Aber das stimmt nicht. Denn Geld ist nur ein abstraktes Äquivalent, aber keine kaufbare Ware. Mit dieser Täuschung setzen dann alle Probleme ein, die wir mit unserer völlig absurden, aufgeblasenen Geldökonomie haben – wie jetzt mit der „Bankenkrise“ zu erleben ist.
Margrit Kennedy: Weil wir alles als Ware betrachten, hängen die Ökonomen an ihren alten Theorien. Auch Geld ist für sie eine Ware, du zahlst etwas für Geld. Warum auch nicht? Oberflächlich betrachtet erscheint das sinnvoll. Erst wenn man tiefer gräbt, stößt man auf das Zins- und Zinseszinsphänomen, auf das exponentielle Wachstum und den Druck, der auf allen lastet, die einen Kredit mit Zins zurückzahlen müssen, die immer mehr produzieren müssen in der Spirale des „immer mehr und immer mehr“, die uns dazu geführt hat, wo wir heute sind. In Sekundenschnelle jagen heute Millionenbeträge um den Erdball, und was die Realwirtschaft aufbringen kann, ist viel zu wenig, um den Zins zu bedienen, da bleibt nur noch die Gewinnerzeugung in der Geldspekulation. Das Verrückte ist, dass weder bei denen, die draufzahlen, noch bei den wenigen Profiteuren die Funktionsweise des Systems bekannt ist. Manchmal erhalte ich die Gelegenheit, mit jemand von den oberen Zehntausend zu sprechen und versuche, ihnen den Widersinn des Geldsystems zu erklären, aber dann winken viele ab und sagen, das sei alles so komplex, dass man es überhaupt nicht verstehen könne. Also lassen wir es weiter existieren. Es ist den meisten schon zur zweiten Natur geworden, wenn es um's Geld geht, den „Ich verstehe es einfach nicht“-Gang einzulegen. Dabei kann jeder offene Mensch in fünf Minuten verstehen, worum es geht. Aber jetzt bricht – nach der Finanzsphäre – gerade die Wirtschaftssphäre zusammen. Und ich denke, dieser Zusammenbruch wird so viel kosten, dass die Letzten aufwachen werden und sich die Theorie und die Praxis verändern wird, während gleichzeitig viele Geldmythen enttarnt werden. Das Buch „Gewaltmetall Gold“ von Paul C. Martin, zeigt beispielsweise, dass das Geld nicht etwa erfunden wurde, um den Tausch zu ermöglichen, sondern um Armeen zu bezahlen und ein bestimmtes Staatsmodell aufrecht zu erhalten. Heute sieht man dieses Prinzip an den USA. Der Rest der Welt erlaubt, dass dieses Land Papier bedruckt, kleine grüne Dollarscheine, mit denen es alles kaufen kann. Wir geben diesem Land die Macht, indem wir diesen absurden Raub zulassen.
Heide Göttner-Abendroth: Ich möchte nur daran erinnern, wie Europa seinen Vorsprung gegenüber der ganzen Welt entwickeln konnte: durch den weltweiten Kolonialismus, die Ausräuberung der Goldschätze der indigenen Völker und das Horten von Gold aus allen Kontinenten. Etwas Vergleichbares hat es früher nicht gegeben.
Margrit Kennedy: Doch Hortung von Gold und Geld gibt es seit Jahrtausenden durch die Entwicklung der Kriegsmaschinerie. Noch heute arbeitet mehr als die Hälfte aller Ingenieure für den Krieg, also für den Tod.
Johannes Heimrath: Ich möchte noch einmal auf Wert und Wertschätzung zurückkommen und auf unser Gespräch über die Entstehung von Geldwert. Ich denke gerade an eine neolithische Gesellschaft, z. B. in Irland im 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung, als die drei großen Sonnentempel im Boyne-Valley entstanden sind. Das konnte nur eine arbeitsteilige Gesellschaft leisten, die neben Fladenbrot auch noch solche Kunstwerke herstellen konnte. Es ist nicht bekannt, dass dort in irgendeiner Form eine Entlohnung stattgefunden hat. Die Gesellschaft als Ganze war in der Lage, alle Menschen zu ernähren. Auch die, die Arbeit verrichtet haben, die nicht unmittelbar dem Nahrungserwerb diente. Wie findet denn hier die Wertschätzung statt, die nicht dem patriarchalen Modell entspricht?
Heide Göttner-Abendroth: In dieser Zeit existierte eine völlig andere gesellschaftliche Organisationsform, eben die matriarchale. Sie basierte auf Gesellschaften ohne Herrschaft und Hierarchie, in der die Mütter im Zentrum stehen, bzw. die Werte, die mit Mütterlichkeit verknüpft sind. Daraus folgt eine bestimmte soziale Ordnung, aus der eine Ökonomie in Kreisläufen des Schenkens hervorgeht. Alle Mitglieder eines Clans geben der Clanmutter oder Matriarchin alles, was sie erwirtschaften, seien es die Feldfrüchte oder Geld, und sie verteilt es an die Mitglieder des Clans als Geschenke von allen an alle.Dieses Prinzip wird nicht nur im Clan, sondern auch auf der Ebene einer Dorf- oder Stadtkultur angewendet. Dabei werden die Überschüsse aus gutem Wirtschaften in einer Festkultur der gesamten Dorfgemeinschaft geschenkt. Denn es gehört zur Ehre eines Clans, diejenigen Feste, für die er Verbindlichkeit übernommen hat, so reich wie möglich zu gestalten und sich schenkend zu verausgaben. Der Gegenwert ist Ehre, soziales Ansehen. Das klingt jetzt wie ein sozialökonomisches Muster, das nur auf der kleinen lokalen Ebene funktioniert, aber es wurde sogar auf der Ebene von Geschenke-Weitergeben und Kommunikation zwischen verschiedenen Stämmen in großräumigen Gebieten angewendet. Bei den Irokesen-Stämmen der berühmten Liga existierte beispielsweise eine weite Gebiete Nordamerikas umspannende Geschenke-Ökonomie. Oder man denke an den Kula-Ring, einen Schifffahrts-Ring, den mehrere Stämme in Melanesien organisiert hatten: Die ringförmige Schiffsroute umfasste viele Inseln über 2000 Seemeilen hinweg. und über dieses Netz mit großen Distanzen wurde Muschelschmuck als Geschenk ausgetauscht und Freundschaften gepflegt. Das sind zwei Beispiele aus matriarchalen Gesellschaften, wobei die ökonomischen Muster ohne eine Spitze, die alles rekrutiert und an sich reißt, funktionieren. Die Güter werden im Geschenke-Kreislauf weitergegeben, wobei das Schenken immer mit Liebeszuwendung verbunden ist. Matriarchate waren und sind bedürfnisorientierte Gesellschaften, und ihre lange Stabilität durch die Kulturgeschichte zeigt, dass exponentielles Wachstum von Geld und Wirtschaft gar nicht zu den Grundbedürfnissen der Menschen zu gehören scheint. Hingegen gehören zu den menschlichen Grundbedürfnissen Sicherheit und Balance.
Johannes Heimrath: Gesellschaften, die über Jahrtausende hinweg solche Prinzipien nicht verraten haben, sind ganz schwer auf uns zu übertragen. Ich stelle mir gerade einen Wolkenkratzer vor: Ist so etwas als Gemeinschaftswerk vorstellbar? Versuchen wir mal, uns einen Wolkenkratzer zu denken, der auf Schenkökonomie basiert.
Heide Göttner-Abendroth: Wolkenkratzer sind spitz und hoch, diese Architektur entspricht symbolisch der Spitze der Hierarchie von patriarchalen Gesellschaften. Deshalb sind sie ja auch Statussymbole von Banken, Konzernen und Machthabern.
Johannes Heimrath: Gibt es denn ein Bedürfnis des Menschheitskörpers nach Wolkenkratzern, oder gibt es ein Bedürfnis nach dieser ganz einfachen Normalität, wie wir sie hier in Steyerberg erfahren?
Margrit Kennedy: Viele Menschen, die uns besuchen, sagen: Ihr lebt eine Utopie. Aber stattdessen, finde ich, leben wir etwas ganz Normales. Ich glaube, dass wir nur durch Beispiele weiterkommen. Gemeinschaften und in der Praxis funktionierende Regionalwährungen sind gute Beispiele, die alle ermutigen. Wenn die Menschen im praktischen Tun begreifen, was wirklicher Reichtum ist, was wirkliche Beziehung ist, werden sie das in die Welt hinaustragen und bei anderen Denkprozesse auslösen, so dass sie verstehen, was denn tatsächlich die menschlichen Bedürfnisse sind.
Heide Göttner-Abendroth: Aber in diesem Stadium sind wir noch nicht angekommen, viele Menschen sagen heute noch: Mein Bedürfnis ist, viel Geld zu haben. Johannes Heimrath: Haben wir denn ein echtes Bedürfnis nach einem Wolkenkratzer?
Heide Göttner-Abendroth: Matriarchale Gesellschaften sind bedürfnisorientiert, sie machen eine biologische Grundtatsache, dass Frauen die Menschheit gebären, zu einem gesellschaftlichen Modell. Im Gegensatz dazu sind patriarchale Gesellschaften machtorientiert. Sie erfüllen nur die Bedürfnisse der herrschenden Elite. Über die Bedürfnisse der anderen wird hinweggegangen, sie werden fortgesetzt nicht erfüllt.Daraus entsteht dann Suchtverhalten, die Sucht nach Geld und Ware, erzeugt durch die psychische Verarmung, die das System mit sich bringt. Die Bedürfnisse, die matriarchale Gesellschaften befriedigen, sind die Bedürfnisse nach Liebe, Anerkennung, Schutz und Kreativität. Eine Kultur der Beziehungen kann all das erfüllen. Und das ist nicht etwa „archaisch“, sondern diese Bedürfnisse sind elementar, sie sind immer da und werden bis zu einem gewissen Grad von den Müttern selbst in patriarchalen Gesellschaften erfüllt. Auch der Ausdruck von Spiritualität gehört zu den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen, ebenso der Wunsch, vielleicht ein fantastisches Gebäude zu bauen. Es bringt ja Freude, schöne Architektur zu schaffen! Aber einen Wolkenkratzer zu bauen, in dem eine Bank oder ein Konzern ausbeutend hoch über den anderen sitzt, ist meiner Ansicht nach kein elementares menschliches Bedürfnis.
Margrit Kennedy: Die Wolkenkratzer sind die Slums von Morgen, der reine Ausdruck von Macht nach dem Motto „Wer hat den Längsten?“.
Heide Göttner-Abendroth: Das Bedürfnis nach immer mehr Macht haben nur die Herrschenden, sie befällt der Wahn, dass diese immer größer werden und ewig wachsen muss. Der Wahn, dass man Herrschaft nur durch Wachstum aufrechterhalten kann, führte schließlich zum Fall aller großen Weltreiche.
Johannes Heimrath: Eine Kultur der Wertschätzung, der Bedürfnisachtung und des Selbstausdrucks – das wär wohl eine „normale“ menschliche Gesellschaft. Ich komme noch einmal zurück auf die Sonnentempel im Tal des Boyne. Die Gesellschaft, die sie geschaffen hatte, musste unheimlich leistungsfähig sein. Darin drückt sich ein Bedürfnis aus, nach etwas, das uns heute an diesen Bauwerken tief beeindruckt. Sie rühren eine andere Frequenz in uns an, als eine ägyptische Pyramide, die einen Einzelnen überhöht. Was ich an dieser Frequenz wahrnehme, hat mit Zyklen zu tun. Eine zyklische Technologie erschafft runde Tempel und Werkzeuge wie eine Steinmühle, die perfekt funktionieren und im Grunde nicht verbessert werden können. Auch wir können heute nichts anderes tun, als einen Motor vor die Mühle hängen, aber das Prinzip zweier sich reibender Steine ist so alt wie die Jungsteinzeit und braucht kein „Wachstum“. Die Mühle ist für mich ein Sinnbild für den Unterschied der Kultur der Tempel zur Kultur der Wolkenkratzer. Ich kann diesen Unterschied nicht gut in Worten ausdrücken …
Heide Göttner-Abendroth: Avebury, Newgrange und andere neolithische Bauwerke sind großartige Werke, die eine hohe Meisterschaft voraussetzen. Damals gab es Städte mit bis zu 10.000 Einwohnern, aber sie wollten keine Pyramide und keinen Wolkenkratzer bauen. Ihre Bauwerke wurden von der Gemeinschaft geschaffen und dienten der Gemeinschaft. Der gesamte Kreislauf von Lebens, Tod und Wiedergeburt wurde dort gefeiert. Deshalb sind neolithische Stätten wie die großen Gräber und Tempel rund oder oval, sie bilden den Uterus der Mutter Erde nach. Aus dem Gedanken der Wiedergeburt aus dem Schoß der mütterlichen Erde ehren sie die Ahnen – denn diese werden ja wiederkehren – und schaffen solche großen Anlagen als Ahnentempel für die ganze Gemeinschaft, während die ägyptische Pyramide nur einem einzelnen, vergöttlichten Pharao dient.
Margrit Kennedy: Wie funktionierte denn damals die Arbeitsteilung ohne Geld? Das ist eine entscheidende Frage, denn wir werden ja nicht in die volle Selbstversorgung zurückkehren, sondern auch nach der Krise eine arbeitsteilige Zivilisation bleiben.
Heide Göttner-Abendroth: Subsistenz heißt doch nicht, dass jeder nun seine eigenen Kartoffeln anbaut. Es heißt, dass eine Region alles erzeugt, was für das Leben in dieser Region gebraucht wird, und das wird in einer differenzierten, arbeitsteiligen Gesellschaft in dieser Region organisiert sein.
Margrit Kennedy: Ins Unreine gesprochen: Das Monopol der Zentralbank wird abgeschafft, so dass viele Regionalwährungen entstehen, damit in einer arbeitsteiligen Gesellschaft die Menschen in den Regionen miteinander kooperieren können, und im überschaubaren Rahmen experimentieren die Menschen mit Schenkökonomie … Aber wo hört das Geld auf, und wo hört der Tausch auf? Ich denke, wir werden auch weiterhin Regionalgeld und internationale Zahlungsmittel brauchen.
Heide Göttner-Abendroth: Ja, wir gehen vom Ist-Zustand aus und fragen uns angesichts dessen, wie die matriarchalen Gesellschaftsmuster funktionieren, und was sie uns lehren könnten. Wenn wir sie wieder einführen wollen, geht das über viele kleine, vernünftige Schritte. Meine Forschung hat mich überzeugt, dass ein hoher Grad an Arbeitsteilung auch ohne Geld möglich ist, das sehen wir an Beispielen wie dem Tempel von Newgrange im Boyne-Valley. Hier ging es nicht darum, Individuen zu bezahlen, weil niemand individuell seine Existenz bestreiten musste. Diese großen Bauwerke sind entstanden aus der Verknüpfung von großen Clans in vielen dort lebenden Dörfern und Städten. Die Bauten sind ja auch nicht über Nacht entstanden, sondern ihr Entwurf wurde über Generationen tradiert als das Symbol des Kosmos auf Erden. Hat man einmal das Symbol gefunden, wie man Kosmos und Erde in einer Architektur abbildet, so wurde das über Jahrhunderte weiter tradiert. Deshalb entstanden diese Bauten über Generationen, über Jahrhunderte hinweg. Dass die Umsetzung dieser Symbole ohne Geld möglich war, hatte mit der Sozialordnung und mit der spirituellen Glaubenswelt zu tun.
Margrit Kennedy: Es gehörte dazu, dass die Menschen sich gegenseitig kannten. Das ist bei 6 Milliarden Menschen, die wir heute sind, nicht mehr gegeben. Wie kommt man dann dahin, dass das, was essenziell in der Kultur, die Newgrange erschaffen hat, vorhanden war – dass man etwas schafft, das größer ist als der Einzelne – wieder entstehen kann?
Johannes Heimrath: Der Clan-Gedanke lässt sich durchaus in die Moderne übersetzen. Heute ist ein Clan nicht mehr ein Haufen Leute, der in einem Langhaus lebt, sondern unter Umständen ein weit über die Welt gespanntes Netzwerk Gleichgesinnter. Mein „Clan“ beispielsweise existiert weltweit, und mit dem bringe ich doch Dinge zuwege, ganz ohne Geld, die absolut erstaunlich sind, beispielsweise die Organisation eines großen internationalen Kongresses. Auch Heides weltweiter „Clan“ hat zum Gelingen eines Kongresses beigetragen. Wir bringen Kompetenzen zusammen, nutzen neue Kommunikationsmöglichkeiten, und es bilden sich Kreise, deren Mitglieder sich gegenseitig wertschätzen und bedingungslos unterstützen.
Heide Göttner-Abendroth: Auch im traditionellen Clanwesen kann ein Clan ein paar tausend Leute umfassen, die sich nicht mehr persönlich kennen.Wir stellen uns das immer zu klein vor. Über Verwandtschaftsverhältnisse waren bis zu 10.000 Menschen miteinander vernetzt, die, ohne sich persönlich zu kennen, gemeinschaftlich handeln konnten. Dieses Prinzip lässt sich auf moderne Wahlverwandtschaften übertragen, natürlich nicht eins zu eins. Aber die Werte und Haltungen die ein solches traditionelles Clanwesen zusammenhielten, lassen sich übertragen.
Johannes Heimrath: Ja, lasst uns diesen Werten anhand konkreter Beispiele nachgehen. Ich frage beispielsweise Heide: Warum schenkst du einen großen Teil deiner Lebensenergie diesem Menscheitskörper, indem du ihn mit deinen Forschungen und Publikationen nährst? Das tust du ja offenbar aus einer Selbstlosigkeit heraus, denn dieser Menschheitskörper gibt dir nicht das, was du unmittelbar zum Leben brauchst. Ist es nicht so, dass das Schenken nicht daran denkt, was es zurückbekommt?
Heide Göttner-Abendroth: Ich denke nicht daran, was ich dafür bekomme, ich habe nur irgendwann erstaunt festgestellt, dass ich einen geistigen Clan habe, der über die ganze Welt ausgebreitet ist. Genevieve Vaughan sagt: „gift creates bonds“, Geschenke erzeugen Beziehungsgefüge. Ihr schenkt ja auch geistige Produkte, und das schafft Verbindungen zu all euren Freundinnen und Freunden. Das ist ein Kreislauf, der uns schützt und stärkt. Die geistige, mütterliche Haltung des Schenkens, das Transitive des Schenkens geht nicht ins Uferlose, wir schenken in dem Rahmen, in dem unser geistiger Clan existiert und funktioniert. Denn wir verausgaben uns nicht völlig, wir veranstalten auch kein permanentes Weihnachtsfest. Margrit Kennedy: Ja, wir tun es für uns selbst, und auf wunderbare Art und Weise bringt das Leben es wieder. Johannes Heimrath: Das ist kein Altruismus, und es ist auch keine Egozentrik.
Heide Göttner-Abendroth: Das mütterliche Modell steht jenseits von Altruismus und Egozentrik, es hat mit den Werten und der Haltung des kreativen Schenkens zu tun. Mutterschaft ist keine sentimentale Kategorie, sondern eine ökonomische. Alle Arbeit der Mütter, der biologischen Mütter wie der symbolischen Mütter und deren geistige Gaben, könnte man in Geld gar nicht bezahlen, und dennoch ist es Ökonomie. Johannes Heimrath: Aber würdest du die mütterliche Liebe als Ökonomie betrachten?
Heide Göttner-Abendroth: In mütterlichen Gesellschaften ist das nicht getrennt. Im Matriarchat ist Liebe gleich Ökonomie, erst das Patriarchat macht diese künstlichen Trennungen.
Johannes Heimrath: Das wäre eine Ökonomie der Liebe, in deren Mittelpunkt Vertrauen steht und ein Gefühl der Fülle … Margrit Kennedy: Wenn du Fülle erfährst und daraus handelst, erhälst du auch Fülle zurück.
Heide Göttner-Abendroth: In unserer Gesellschaft wird alles zu einem knappen Gut gemacht. Auch Zuwendung wird nur knapp gegeben, um die Menschen abhängig zu machen. Fülle aber lässt niemanden abhängig werden. Wo kommt denn diese Fülle her? Sie kommt aus der unerschöpflichen Natur. Deshalb möchte ich vorschlagen, dass wir im letzten Abschnitt unseres Gesprächs unser Augenmerk auf die Subsistenzperspektive legen. Darin liegt auch ein spirituelles Prinzip, denn im Matriarchat versteht man das Leben so, dass es von der Göttin Erde und vom göttlichen Kosmos kommt, und die Beziehung zur mütterlichen Erde wird in warmen Begriffen benannt. Dies ist die Basis für eine Ökonomie der Beziehungen, es ist zugleich ein spirituelles System.
Johannes Heimrath: Wenn diese Dimension hier so klar ausgesprochen wird, findet eine Spiritualisierung der Ökonomie statt. Das in einer desakralisierten Welt zu formulieren, ist ausgesprochen schwierig.
Heide Göttner-Abendroth: Es scheint nur so, als seien wir alle weit entfernt von einer Ökonomie des Schenkens mit ihrem spirituellen Gehalt. Man muss sich immer wieder ins Bewusstsein rufen: Wir praktizieren sie bereits, sonst könnte kein Leben existieren. Dann erscheinen das Matriarchat und eine spirituelle Ökonomie nicht als etwas Fernes, sondern wir leben es ja bereits. Die matriarchale Vision ist nichts Fremdes, es geht darum, sie im Leben zu erkennen. Und wenn diese Werte einmal erkannt sind, zeigen sie sich erstaunlich resistent gegen Angriffe von außen. Dazu eine kleine Anekdote, die ich aus der matriarchalen Stadt Juchitàn in Mexiko – wo Veronika Bennholdt-Thomsen geforscht hat – erzähle: Diese Gesellschaft basiert auf regionalen Märkten, und die Händlerinnen sind die Frauen. Sie kaufen nicht dort ein, wo es am billigsten ist. Die Frauen verstehen sich nicht als Konkurrentinnen, sondern sie kaufen jeweils bei ihren Freundinnen ein, um Beziehungen zu pflegen. Es geht also nicht um Tausch, sondern um ein System der Bindungen. Nun wollte die amerikanische Warenhauskette WalMart in Juchitàn Fuß fassen, und wir Ethnologinnen und Matriarchatsforscherinnen glaubten schon, das sei der Untergang dieser Kultur. So schien es auch, denn in den ersten Tagen waren die Regale des WalMart-Supermarkts völlig leergeräumt, alles war ausverkauft. Der Supermarkt machte in den ersten paar Tagen einen riesigen Umsatz. Doch dann blieben die Käuferinnen aus, und nach zwei Wochen ging keine einzige mehr in den Supermarkt, er war uninteressant geworden. Wir fragten eine Frau aus Juchitàn nach dem Grund, und sie sagte: Ich kann dort keine Gespräche führen, ich kann nicht mit meinen Freundinnen reden, ich kann nichts anderes tun als bezahlen! Nach einer Weile musste WalMart dort schließen. Es ist ein Beispiel, das zeigt, dass Ökonomien des Schenkens auch im größeren Maßstab und in einer modernen Welt funktionieren können. Margrit, wenn eure ganze Region so ähnlich wäre wie der „Lebensgarten Steyerberg“, hättet ihr viele Probleme weniger. Eure Kinder und Jugendlichen könnten in der Region sinnvolles Lernen und sinnvolle Arbeit finden, und man könnte mit einer auf Schenke-Beziehung basierenden Wirtschaft experimentieren.
Margrit Kennedy: Eine Region als einen wahlverwandten Clan zu begreifen, ist ein spannender neuer Gedanke für mich. Im ersten Moment kam er mir total unrealistisch vor, weil ich in großen Regionen und Nationalstaaten denke. Aber auch in dieser Arbeit geht es darum, den kleineren Einheiten möglichst viele Gestaltungsmöglichkeiten zu geben.
Johannes Heimrath: Ich denke oft an ein Europa der Regionen. Das kann sich von innen heraus entwickeln, unabhängig von den jetzt existierenden Staaten. Regionen begreifen sich als eigene Identität und beginnen, von innen heraus eine auf Beziehung basierende Sozial- und Wirtschaftsstruktur zu entwickeln. So entstünden von selbst politische Einheiten, eigentlich nach einem anarchischen Prinzip, aber ich würde lieber von einer „Arché“ statt von Anarchie sprechen. Ich kreiere jetzt mal das Wort „archisch“ – eine „archische“ Gesellschaft, das ist eine Gesellschaft, die sich ihrer Ursprünge bewusst ist.
Heide Göttner-Abendroth: Den Arché-Gedanken finde ich wunderbar. Matriarchat übersetze ich mit: „am Anfang die Mütter“. Denn das griechische Wort arché heißt Anfang, Ursprung und Schoß und keineswegs nur „Herrschaft“ – siehe beispielweise „Archäologie“: die „Lehre von den Anfängen“. In solchen neuen Regionen könnten sich die Menschen das Recht auf ihre eigene Gestaltung ihres Lebens zurückholen. Ein Staat ist dann gar nicht mehr nötig. Wir brauchen keinen Staat, sondern Gemeinschaften und unabhängige Regionen und die Vernetzung von solchen Regionen zu größeren, egalitären Gebilden. Es klingt zwar utopisch, aber zugleich wäre es das Normale und Natürliche: blühende Regionen mit vielen lebendigen Gemeinschaften, die sich international vernetzen.
Johannes Heimrath: Das ist eine schöne Vision für eine lebensfördernde Kultur der Gegenwart. Lasst sie uns weiter pflegen.
Literaturhinweise: Heide Göttner-Abendroth: Der Weg zu einer egalitären Gesellschaft. Prinzipien und Praxis der Matriarchatspolitik, Drachen Verlag, Klein Jasedow 2008. Margrit Kennedy, Bernard A. Lietaer: Regionalwährungen: Neue Wege zu nachhaltigem Wohlstand, Riemann Verlag, München 2006.
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Nicht alles was zählt, läßt sich zählen. . . Nicht alles was sich zählen läßt, zählt.
Heiratsdokumente, Sterberegister, Geburtsbücher, Verkaufsregister, Steuerlisten, überhaupt alles, was Papier ist mit Stempel und Schreiberei. Wenn das alles einmal verbrannt ist, dann weiß niemand mehr, wer er ist, wie er heißt, wer sein Vater war und was seinem Vater gehörte. Dann kommen keine Erben mehr angelaufen, die mit Papieren in der Luft herumwedeln. Dann seid Ihr die einzigen Erben, und dann bleibt ihr die einzigen Erben, weil niemand mehr etwas beweisen kann. Wozu braucht ihr dann Geburtsregister? Ihr habt Hunger und das ist Beweis genug, daß Ihr geboren wurdet und daß Ihr lebt. Und wozu braucht denn die Welt Heiratsregegister? Du lebst mit Deiner Frau zusammen, die Dich gern hat. Was braucht Ihr dann noch Papiere, damit Ihr es wißt? B.Traven  Thesen und Zitate I. HANNAH ARENDT: WAS IST POLITIK? Lit: Arendt, Hannah: Was ist Politik? Fragmente aus dem Nachlass, hrsg. von Ursula Ludz, München/Zürich 1993 - a) Die Haupt-Thesen Hannah Arendts
- 1. "Politik beruht auf der Tatsache der Pluralität der Menschen." (S. 9)
- 2. "Politik handelt von dem Zusammen- und Miteinandersein der VERSCHIEDENEN." (S. 9)
- 3. "Der Ruin der Politik entsteht aus der Entwicklung politischer Körper aus der Familie, da in ihr die ursprüngliche Verschiedenheit ebenso wie die essentielle Gleichheit aller Menschen ausgelöscht ist." (S. 10)
- 4. "DER Mensch, wie ihn Philosophie und Theologie kennen, existiert - oder wird realisiert - in der Politik nur in den gleichen Rechten, die die Verschiedensten sich garantieren." (S. 11)
- 5. "Politik entsteht in dem ZWISCHEN-DEN-MENSCHEN, also durchaus AUSSERHALB DES Menschen, sie entsteht im Zwischen und etabliert sich als der Bezug, nicht als eigentlich politische Substanz." (S. 11)
- 6. "Politik organisiert die absolut Verschiedenen im Hinblick auf RELATIVE Gleichheit und im Unterschied zu RELATIV Verschiedenen." (S. 12)
- 7. "Wenn man in unserer Zeit über Politik reden will, so muß man mit den Vorurteilen beginnen, die wir alle, wenn wir nicht gerade Berufspolitiker sind, gegen Politik hegen." (S. 13)
- 8. "Diese Vorurteile, die uns allen gemeinsam sind, stellen selbst etwas Politisches im weitesten Sinn des Wortes dar ..." (S. 13)
- 9. "Politik hat es ... auch immer und überall mit der Aufhellung und Zerstreuung von Vorurteilen zu tun, was aber nicht besagt, dass es in ihr überhaupt um eine Erziehung zur Vorurteilslosigkeit ging, noch dass diejenigen, die sich um eine solche Aufklärung bemühen, selber von Vorurteilen frei wären." (S. 15)
- 10. "Auf die Frage nach dem Sinn von Politik gibt es eine so einfache und in sich so schlüssige Antwort, dass man meinen möchte, weitere Antworten erübrigten sich ganz und gar. Die Antwort lautet: Der Sinn von Politik ist Freiheit." (S. 28)
- 11. "Unsere heutige Frage entsteht aus sehr realen Erfahrungen, die wir mit Politik gemacht haben; sie entzündet sich an dem Unheil, das Politik bereits in unserem Jahrhundert angerichtet hat, und dem größeren, das aus ihr zu erwachsen droht." (S. 28)
- 12. "Als solches hat das Politische so wenig immer und überall existiert, dass historisch gesprochen nur wenige große Epochen es gekannt und verwirklicht haben. Diese wenigen großen Glücksfälle der Geschichte aber sind entscheidend; nur in ihnen tritt der Sinn von Politik, und zwar sowohl das Heil wie das Unheil des Politischen voll in Erscheinung." (S. 41/42)
- 13. Alle ideologischen politischen Bewegungen haben "die Vorstellung, dass die Freiheit der Menschen der historischen Entwicklung geopfert werden müsse, deren Prozeß von Menschen nur gehindert werden kann, wenn sie in Freiheit handeln und sich bewegen. ... In all diesen Fällen tritt an die Stelle eines wie immer gearteten Begriffes von Politik der moderne Geschichtsbegriff; politische Ereignisse und politisches Handeln werden in geschichtliches Geschehen aufgelöst, und Geschichte wird im wörtlichsten Sinne als ein Geschichtsfluß verstanden." (S. 42/43)
- 14. "Für uns ist hier nur entscheidend, dass wir Freiheit selbst als etwas Politisches verstehen und nicht als den vielleicht höchsten Zweck politischer Mittel, und dass wir einsehen, dass Zwang und Gewalt zwar immer Mittel waren, um den politischen Raum zu schützen oder zu gründen oder zu erweitern, aber als solche gerade selbst nicht politisch sind. Sie sind die zum Phänomen des Politischen gehörigen Randphänomene und darum gerade nicht es selbst." (S. 53)
- 15. "Die Vorstellung, dass es Politik immer und überall gäbe, wo es Menschen gibt, ist selbst ein Vorurteil, und das sozialistische Ideal von einem staatslosen, und das heißt bei Marx politiklosen, Endzustand der Menschheit ist keineswegs utopisch, es ist nur grauenhaft." (S. 79)
- 16. "Im Mittelpunkt aller Politik steht die Sorge um die WELT ... Politik bezweckt Änderung oder Erhaltung oder Gründung von Welt. ... Die Weltentfremdung der Neuzeit ist eingedrungen in die Politik mit Marx, der von der Selbstentfremdung des Menschen spricht. Entscheidend ist, dass Marx die Welt nur verändern wollte, um den Menschen zu erlösen, und zwar von der Welt." (S. 192)
- b) Der rekonstruierte Begriff des Politischen
- Unter Politik versteht Hannah Arendt: das existentiell freiheitsverwirklichende (10-15) und sich dabei um die Welt sorgende (16), reflektiv urteilende (7-9) Zusammen- und Miteinander-Handeln von ursprüngliche gleich(artig)en und zugleich absolut verschiedenen Menschen (1-6).
- vgl. dazu Vollrath, a.a.O., S. 21: "Der enthusiastische Begriff des Politischen ... besagt recht eigentlich, dass das Politische, die politische Art der Verbandsbildung, das Einzige ist, was Menschen zu einem Gemeinsamen zusammenbringen kann, ohne dass sie dabei ihre Unterschiedlichkeit, die ihr Personsein ausmacht, aufzugeben hätten. Sie konstituieren das Politische als jenes Gemeinsame einer Welt zwischen sich als dasjenige, woran sie Anteil haben durch den Beitrag, den sie in ihrer Unterschiedenheit dazu leisten."
- c) Mögliche Vorwürfe an Hannah Arendt
- enthusiastisch? existentialistisch? apolitisch? (Freiheit als Sinn der Politik? Republikgründung als spontaner Akt des gemeinsamen Handelns? Radikale Authentizität der politischen Freiheit?)
- idealistisch? un-realistisch? utopisch? (unter den Bedingungen des gegenwärtigen Zeitalters ohne Aussicht auf Realisierung?)
- normativ? moralisierend? (kognitiv unzuverlässige und daher überholungsbedürfte Variante `der ehrwürdigen Figur des Vertrages´)
- romantisch? (Versuch einer Wiederbelebung der antiken Polis?)
- Bei genauerer Betrachtung treffen alle diese Vorwürfe nicht oder nur zum Teil zu. Näheres dazu später.
II. HANNAH ARENDT: VORURTEIL UND URTEILIn Fragmenten zu ihrer nie erschienenen "Einführung in die Politik", also einem politischem "Lehr"werk, schreibt Hannah Arendt vom "Vorurteil gegen Politik und was Politik in der Tat heute ist" bzw. vom "Vorurteil und Urteil", bevor sie schließlich die Frage aufwirft "Hat Politik überhaupt noch einen Sinn?" und diesen schließlich herauszuarbeiten versucht. Lassen wir Hannah Arendt in einer längeren Passage aus ihren erst seit 1993 zugänglichen Texten zur "Einführung in die Politik" selbst zu Wort kommen: - "Wenn man in unserer Zeit über Politik reden will, so muß man mit den Vorurteilen beginnen, die wir alle, wenn wir nicht gerade Berufspolitiker sind, gegen Politik hegen. Diese Vorurteile, die uns allen gemeinsam sind (die wir miteinander teilen, die uns selbstverständlich sind, die wir einander im Gespräch zuwerfen können, ohne uns erst umständlich über sie erklären zu müssen), stellen selbst etwas Politisches im weitesten Sinn des Wortes dar (- nämlich etwas, was einen integralen Bestandteil der menschlichen Angelegenheiten bildet, in deren Raum wir uns tagtäglich bewegen): Sie entspringen nicht dem Hochmut der Gebildeten und sind nicht dem Zynismus derer geschuldet, die zuviel erlebt und zuwenig verstanden haben. Wir können sie nicht ignorieren, weil sie sich in uns selbst zu Worte melden, und wir können sie nicht mit Argumenten beschwichtigen, weil sie sich auf unleugbare Realitäten berufen können und die wirklich bestehende gegenwärtige Situation getreulich widerspiegeln, und zwar gerade in ihren politischen Aspekten. (Dass Vorurteile eine so außerordentlich große Rolle im alltäglichen Leben und damit in der Politik spielen, braucht man an sich nicht zu beklagen, und man sollte auf keinen Fall versuchen, es zu ändern. Denn ohne Vorurteile kann kein Mensch leben, und zwar nicht nur, weil keines Menschen Klugheit oder Einsicht dazu ausreichen würde, all das neu zu beurteilen, worüber ihm ein Urteil im Laufe seines Lebens abverlangt wird, sondern weil eine solche Vorurteilslosigkeit eine übermenschliche Wachheit erfordern würde.) Dennoch sind diese Vorurteile keine Urteile. (Offenbar hat diese Berechtigung des Vorurteils als Maßstab des Urteilens innerhalb des alltäglichen Lebens ihre Grenzen.) Sie zeigen an, dass wir in eine Situation geraten sind, in der wir uns gerade politisch nicht oder noch nicht zu bewegen verstehen. Die Gefahr ist, dass das Politische überhaupt aus der Welt verschwindet. Aber die Vorurteile greifen vor; sie schütten das Kind mit dem Bade aus, verwechseln das, was der Politik ein Ende machen würde, mit Politik und stellen das, was eine Katastrophe wäre, hin, als wäre es in der Natur der Sache gelegen und daher unabwendbar. (Einer der Gründe für die Wirksamkeit und Gefährlichkeit von Vorurteilen liegt darin, dass sich in ihnen immer ein Stück Vergangenheit verbirgt. Bei näherem Zusehen ist ferner ein echtes Vorurteil daran zu erkennen, dass sich in ihm ein einmal gefälltes Urteil verbirgt, das ursprünglich einen ihm angemessenen legitimen Erfahrungsgrund hatte und zum Vorurteil nur wurde, weil es unbesehen und unrevidiert durch die Zeiten geschleppt wurde. ... Will man Vorurteile zerstreuen, so muß man immer das in ihnen enthaltene vergangene Urteilen erst einmal wieder entdecken, also eigentlich ihren Wahrheitsgehalt aufzeigen. Geht man an diesem vorbei, so können ganze Bataillone von aufklärenden Rednern und ganze Bibliotheken von Broschüren nichts erreichen, wie die schier unendlichen und unendlich fruchtlosen Bemühungen hinsichtlich solcher mit Vorurteilen ältester Art überladener Probleme wie des Negerproblems in den Vereinigten Staaten oder des Judenproblems deutlich zeigen. ... Das Wort Urteilen hat in unserem Sprachgebrauch zwei durchaus voneinander zu scheidende Bedeutungen, die uns doch, wenn wir sprechen, immer durcheinandergehen. Es meint einmal das ordnende Subsumieren des Einzelnen und Partikularen unter etwas Allgemeines und Universales, das regelnde Messen mit Maßstäben, an denen sich das Konkrete auszuweisen hat und an denen über es entschieden wird. In allem solchen Urteilen steckt ein Vor-Urteil; beurteilt wird nur das Einzelne, aber weder der Maßstab selbst noch seine Angemessenheit für das zu Messende. Auch über den Maßstab ist einmal urteilend entschieden worden, aber nun ist dies Urteil übernommen und gleichsam zu einem Mittel geworden, weiter urteilen zu können. Urteilen kann aber auch etwas ganz anderes meinen, und zwar immer dann, wenn wir mit etwas konfrontiert werden, was wir noch nie gesehen haben und wofür uns keinerlei Maßstäbe zur Verfügung stehen. Dies Urteilen, das maßstablos ist, kann sich auf nichts berufen als die Evidenz des Geurteilten selbst, und es hat keine anderen Voraussetzungen als die menschliche Fähigkeit der Urteilskraft, die mit der Fähigkeit zu unterscheiden sehr viel mehr zu tun hat als mit der Fähigkeit zu ordnen und zu subsumieren. ... In jeder historischen Krise geraten erst einmal die Vorurteile ins Wanken, es ist auf sie kein Verlass mehr, und gerade weil sie, in der Unverbindlichkeit des `man sagt´, `man meint´, in dem begrenzten Raum, wo sie berechtigt sind und gebraucht werden, nicht mehr auf Anerkennung rechnen können, verfestigen sie sich leicht zu etwas, was sie von Haus aus ganz und gar nicht sind, nämlich zu jenen Pseudotheorien, die als geschlossene Weltanschauungen oder alles erklärende Ideologien die gesamte geschichtliche und politische Wirklichkeit zu begreifen vorgeben. Wenn es die Funktion des Vorurteils ist, den urteilenden Menschen davor zu bewahren, jedem Wirklichen, das ihm begegnet, offen sich exponieren und denkend gegenübertreten zu müssen, so erfüllen die Weltanschauungen und Ideologien gerade diese Aufgabe so gut, dass sie vor aller Erfahrung schützen, da in ihnen ja angeblich alles Wirkliche irgendwie vorgesehen ist. Gerade diese Universalität, die sie so deutlich von den Vorurteilen trennt, die immer nur partieller Natur sind, zeigt deutlich an, dass nicht nur auf die Vorurteile, sondern auf die Maßstäbe des Urteilens und auf das in ihnen Vor-Geurteilte kein Verlass mehr ist, dass sie buchstäblich unangemessen sind. Dies Versagen der Maßstäbe in der modernen Welt - die Unmöglichkeit, das, was geschehen ist und täglich neu geschieht, nach festen, von allen anerkannten Maßstäben zu beurteilen, es zu subsumieren als Fälle eines wohlbekannten Allgemeinen, sowie die mit dieser eng verbundene Schwierigkeit, für das, was geschehen soll, Prinzipien des Handelns anzugeben - ist oft als ein der Zeit inhärenter Nihilismus beschrieben worden, als eine Entwertung aller Werte, eine Art Götterdämmerung und Katastrophe der moralischen Weltordnung. All solche Interpretationen setzen stillschweigend voraus, dass Menschen das Urteilen überhaupt nur da zugemutet werden könne, wo sie Maßstäbe besitzen, dass die Urteilskraft also nicht mehr sei als die Fähigkeit, das Einzelne richtig und angemessen dem ihm zugehörenden Allgemeinen, über das man einig ist, zuzuordnen. ... Der Verlust der Maßstäbe, der in der Tat die moderne Welt in ihrer Faktizität bestimmt und durch keine Rückkehr zum guten Alten und keine willkürliche Aufstellung neuer Werte und Maßstäbe rückgängig gemacht werden kann, ist also eine Katastrophe der moralischen Welt nur, wenn man annimmt, Menschen wären eigentlich gar nicht in der Lage, Dinge an sich selbst zu beurteilen, ihre Urteilskraft reiche für ein ursprüngliches Urteilen nicht aus." (Arendt, Hannah: Was ist Politik? Fragmente aus dem Nachlass, hrsg. von Ursula Ludz, S. 13-27. Es wurde versucht zwei Fragmente zusammenzulesen, wobei Fragment A zugrundegelegt, Fragment B in Klammern eingefügt wurde.)
Das was Hannah Arendt hier am Phänomen "Politik" über die Urteilskraft des Menschen schreibt, ist durch und durch phänomenologisch. Zunächst gilt es, die Lebenswelt der Vorurteile ernst zu nehmen, als vor-wissenschaftlichen Bereich des Meinens gelten zu lassen und ihr einen Wert zuzusprechen. Es gibt aber Zeiten, Zeiten der Krise, in denen die lebensweltlichen Vorurteile versagen, weil über die hinter ihnen stehenden Maßstäbe kein Konsens mehr erzielt werden kann und sie sich deshalb in Weltanschauungen und Ideologien verwandeln, die nicht mehr entlasten, sondern abhängig machen und so wie sie zusammenbrechen, auch die Menschen, die an sie geglaubt haben, in die Tiefe reißen. Dieser Prozeß kann nur dadurch verhindert werden, wenn frühzeitig ein Vertrauen in die Fähigkeit der eigenen kritischen Urteilskraft ausgebildet wird, das in Krisensituationen von Vorurteilen absehen, die grundsätzliche Frage, z.B. "Hat die Politik noch einen Sinn?" stellen, dabei alles Gemeinte in Frage stellen, so neu zum Eigentlichen, zum Wesen, zum Sinn - hier der Politik, nämlich "Der Sinn der Politik ist Freiheit" (Ebd., S. 28) - vorstoßen und diesen Sinn dann näher entfalten kann. Auf die politische Bildung gewendet heißt dies nichts anderes, als den Schülern im politischen Unterricht und den Teilnehmern außerschulischer politischer Bildung ihre lebensweltliche Perspektivität bewusst zu machen und sie beispielhaft immer wieder Vertrauen in die Fähigkeit ihrer eigenen Urteilskraft gewinnen zu lassen, und sie dabei mit dem notwendigen Wissen zu konfrontieren, dass es ihnen möglich macht, einerseits weltanschauliche und ideologische Verengungen zu erkennen, andererseits den neu gewonnenen, tieferen Sinn eines Phänomens inhaltlich ausfüllen zu können. Dabei werden sie zwangsläufig über "das Faktum menschlicher Pluralität" stolpern, das die Eigenschaft hat, Menschen in ihrem Harmoniebedürfnis zu verunsichern. Es geht um die Frage der "Einfühlung", wie Husserl es genannt hat, die Frage nach der intersubjektiven Mitteilbarkeit, die Möglichkeit der Verallgemeinerung der zunächst individuell gewonnenen Urteile. Diese Problematik muß deshalb eigens thematisiert werden muß. Hannah Arendt schreibt davon in ihrem Buch "Vita activa" im fünften Kapitel "Das Handeln": - "Das Faktum menschlicher Pluralität, die grundsätzliche Bedingung des Handelns wie des Sprechens, manifestiert sich auf zweierlei Art, als Gleichheit und als Verschiedenheit. Ohne Gleichartigkeit gäbe es keine Verständigung unter Lebenden, kein Verstehen der Toten und kein Planen für eine Welt, die nicht mehr von uns, aber doch immer noch von unseresgleichen bevölkert sein wird. Ohne Verschiedenheit, das absolute Unterschiedensein jeder Person von jeder anderen, die ist, war oder sein wird, bedürfte es weder der Sprache noch des Handelns für eine Verständigung; ... Sprechend und handelnd schalten wir uns in die Welt der Menschen ein, die existierte, bevor wir in sie geboren wurden, und diese Einschaltung ist wie eine zweite Geburt, in der wir die nackte Tatsache des Geborenseins bestätigen, gleichsam die Verantwortung dafür auf uns nehmen." (Arendt, Hannah: Vita activa, Stuttgart 1960, S. 164 f.)
Wer wirklich in Beziehung treten will, muß wahrhaftig sein, er muß sagen, wer er ist, woher er kommt, was für eine Lebenswelt er mitbringt und er muß Verständnis aufbringen können, für die Lebenswelt der anderen. Es geht im wahrsten Sinne des Wort um Toleranz um das Ertragen der Pluralität, der Verschiedenartigkeit. Nur so ist ein eigentliches Miteinander möglich. "Ohne diese Eigenschaft, über das Wer der Person mit Aufschluss zu geben, wird das Handeln zu einer Art Leistung wie andere gegenstandgebundene Leistungen auch. Es kann dann in der Tat einfach Mittel zum Zweck werden, sowie Herstellen ein Mittel ist, einen Gegenstand hervorzubringen. Dies tritt immer dann ein, wenn das eigentliche Miteinander gestört ist oder auch zeitweilig zurücktritt und Menschen nur für- oder gegeneinander stehen und agieren, wie etwa im Kriegsfall, wenn Handeln nur besagt, bestimmte Gewaltmittel bereitzustellen und zur Anwendung zu bringen, um gewissen, vorgefasste Ziele für sich selbst und gegen den Feind zu erreichen. In solchen Fällen, von denen die Geschichte der Menschheit so viel zu erzählen weiß, dass man sie lange Zeit für die eigentliche Substanz des Geschichtlichen überhaupt hielt, ist Sprechen in der Tat `bloßes Gerede´, nämlich ein Mittel unter anderen für die Erreichung des Zweckes, ob dies Mittel nun dazu dient, dem Feind Sand in die Augen zu streuen, oder dazu, sich selbst an der eigenen Propaganda zu berauschen." Auf dem Hintergrund dieser Überlegungen wird nochmals deutlich, dass es im politischen Lernprozess nicht darum gehen kann, dem Lernenden seine subjektiven Interessen oder die objektive Bedeutsamkeit dieser oder jener Werte deutlich zu machen, sondern ihn zu befähigen die Voraussetzungen seines Sprechens und Handelns, und damit auch seines Lernens bewusst zu machen, damit "Die Enthüllung der Person im Handeln und Sprechen" - so der Titel des ersten Abschnitts des besagten Kapitels in "Vita activa" - möglich wird, sowohl die der eigenen Person als auch die des anderen. In Bezug auf den Sinn der Politik, die Freiheit, heißt dies nach Hannah Arendt: - "Ursprünglich erfahre ich Freiheit im Verkehr mit anderen und nicht im Verkehr mit mir selbst. Frei SEIN können Menschen nur in Bezug aufeinander, also nur im Bereich des Politischen und des Handelns; nur dort erfahren sie, was Freiheit positiv ist und dass sie mehr ist als ein Nichtgezwungen-werden." (Arendt, Hannah: Kultur und Politik, in: Merkur, 120. Jg., 1958, H. 130, S. 1122-1145.)
Und das Gemeinsame ist schließlich auch "nicht die Identität der immer schon Geeinten", sondern "das, worauf sich Verschiedene und Unterschiedliche als das ihnen Gemeinsame geeinigt haben," (Vollrath, Ernst: Hannah Arendt, in: Ballestrem/Ottmann (Hrsg.): Politische Philosophie des 20. Jahrhunderts, Oldenburg 1990, S. 21.) eine "Gemeinsamkeit, deren Stiftungsgrund gerade die bewahrte Differentialität ist. Sie ist in die Operation der Urteilskraft selbst eingelassen" (Ebd., S. 23) und geht ihr im Grunde voraus: Um die Freiheit des Menschen aufrecht erhalten zu können, muß die Einsicht in das "absolute Verschiedensein jeder Person von jeder anderen, die ist, war oder sein wird" aufrecht erhalten werden, ebenso wie die Einsicht in das Aufeinander-Verwiesen-Sein, was Hannah Arendt die "zweite" oder die "politische" Geburt nennt. (Vgl. dazu die Arbeit von Patricia Bowen-Moor: Hannah Arendt´s Philosophy of Natality, London 1989.)
Nichtder Mensch als solcher ist ein Raubtier, sondern nur der Mensch in Verbindung mit Reichtum ...
 Angst ist das negierte Triebleben und tritt an den Menschen auf, die aufgrund ihrer »Lebenslage« deren Gewalt als Macht gegen sich erfahren müssen, an Menschen also, die in der Gewalt der Triebe stehen und zugleich noch im Gegensatz zu ihnen stehen (also Herrschaft erkennen können). Wird diese Angst wirklich - und das heißt auch körperlich - erkannt, so ist die Revolutionierung des »Seelenlebens« begonnen: aus dem Leiden wird Tätigkeit, - Widerstand gegen psychische Herrschaft. Und da letztlich jede Angst Existenzangst ist - entsteht so auch Widerstand gegen die herrschenden Existenzformen. Ein Mensch, welcher den Sinn seiner Angst nicht erkennt, ist zum ohnmächtigen Fühlen und Lieben gezwungen. Ihm wird sein Körper zur eigenen Tücke: wo er sich regt, da muß er verneint werden Die Formen kultureller Gewalt sind äußerlich und wirken innerlich, wenn sie akzeptiert werden – sie funktionieren so gut, wie die Schnur an einem Hampelmann: Wer akzeptiert, wie er gezogen wird, der muss sich nicht wundern, wie er sich bewegt. Je unabhängiger sich die Menschen fühlen und geben, desto hinterhältiger wirkt ihr gesellschaftlicher Zusammenhang. Nach wie vor sind Menschen nicht wirklich Einzelwesen, die sich zu einer Gesellschaft aufsummieren. Sie sind nur darin Menschen, worin sie sich erkennen und anerkennen. Was sie ausmacht, ist das, was sie durch ihre Gesellschaft sind und was sie in ihr tun, was sie in dieser als Lebensbedingung vorfinden und was sie dort auch als Lebensbedingung erzeugen. Auch wenn sie den ganzen Tag mit einem Computerspiel verbringen, bezeugen sie ihre Gesellschaftlichkeit. Sie sind verstanden, bevor sie das Spiel verstehen, genutzt, bevor sie sich verausgaben können. So auch in ihrer sachlichen Existenz. Was ihre Lebensbedingung ausmacht, das leben sie, auch wenn sie dies nicht wissen. Den isolierten Menschen kann es nicht geben. Und je individualisierter eine Gesellschaft ist, desto mächtiger ist der Druck, der auf den Individuen lastet. Ihm entweichen sie durch ihre Lebensburg, ihrem abgeschotteten Zuhause, einem Geflecht von Selbstbezogenheiten, die sie in einem Gemeinschaftssinn verstecken, in einem Familiensinn oder ähnlichem, der sich zur Erhaltung des Lebensraumes als Pflicht gegen jeden durchsetzen muss. Pillen sind nicht nur Surrogate, sie sind praktische Lebensbekämpfung, Gewalt gegen die Wahrnehmung und ihre Organe. Die Psychiater vertreten mit ihren chemischen Knebeln die Macht einer Gesundheitsvorstellung, die im Körper nichts anderes bewirkt als die Fami1ie im Geist schon bewirkt hatte. Der Kreis hätte sich durch die psychiatrischen "Heilmittel" erst wirklich und zu einer Totalität der Lebensunterwerfung geschlossen. Die Psychopharmaka sind vom Wahnsinn nicht unterscheidbar. Oft erzeugen sie ihn auch erst wirklich, weil sie schon bei Krisen und Problemen jeder Art "empfohlen“ oder auch heimlich eingegeben werden (z.B. in Altenheimen und manchmal sogar auch schon in Kindergärten). Quelle: www.kulturkritik.net 1978 „Arbeit am Wahnsinn“ Allein machen sie dich ein! Es geht daher nicht mehr nur um einzelne Menschen und auch nicht um die Ansammlung von einzelnen, sondern um eine gesellschaftliche Begeisterung, die sich in einem Zusammenhang von Menschen ausdrückt und bestätigt.Es geht hier nicht um ein alternatives Leben (53), nicht um eine neue Familie, um eine kulturkritische Familie. Dies wäre sicher eine Sekte. Es geht um die Lebenszellen der Kultur, die sich nur als Teil des gesellschaftlichen Lebens so begreifen, wie sie auch seinem Zusammenhang entnommen ist. Der ganze Organismus hat viele Zellen. Es sind die Zellen vieler kleiner Wirklichkeiten, die auf eigenem Stoffwechsel beruhen, sich aber auch mit anderen Zellen austauschen. Wolfram Pfreundschuh
Psychopathen - Das verkannte Problem Freitag, Januar 8, 2010, 03:15 PM Da Psychopathen im Hinblick auf das, was sie tun können oder tun werden, um an die Spitze zu gelangen, keinerlei Beschränkungen kennen, werden unweigerlich alle Hierarchien an ihrer Spitze überwiegend mit Psychopathen besetzt. Hinter dem scheinbaren Irrsinn der Zeitgeschichte steht der tatsächliche Irrsinn von Psychopathen, welche darum kämpfen, ihre überproportionale Macht zu bewahren, während wir uns wie Schafe verhalten. Psychopathen fehlt ein genetischer Sinn für Reue oder Einfühlungsvermögen, und dieses Defizit lässt sich durch einen Gehirn-Scan (Hirnszintigraphie)nachweisen! Der folgende Artikel ist weitgehend aus zwei umfangreichen Artikeln extrahiert: Twilight of the Psychopaths
The Trick of the Psychopath's Trade: Make Us Believe that Evil Comes from Others
Beide Artikel sind empfehlenswert. Beide Artikel beziehen sich auf das Buch Political Ponerology: A science on the nature of evil adjusted for political purposes von Andrzej Lobaczewski. Cattoris Artikel ist länger und enthält ein Interview mit den Herausgebern des Buches Laura Knight-Jadczyk und Henry See.
Ich mache mir die Mühe, diese Information weiterzugeben, weil sie mir endlich eine plausible Antwort zu einer lange unbeantworteten Frage gibt:Warum gibt es, egal wie viel intelligenter und guter Wille in der Welt existiert, so viel Krieg, Leid und Ungerechtigkeit? Es scheint keine Rolle zu spielen, welchen kreativen Plan, welche Ideologie, Religion oder Philosophie sich große Köpfe einfallen lassen, nichts scheint unser Los zu verbessern. Seit Anbruch der Zivilisation wiederholt sich dieses Muster wieder und wieder. Die Antwort lautet, dass die Zivilisation, so wie wir sie kennen, weitgehend das Werk von Psychopathen ist.
Sämtliche Zivilisationen, unsere eigene eingeschlossen, sind auf Sklaverei und Massenmord aufgebaut. Psychopathen haben eine überproportionale Rolle in der Entwicklung der Zivilisation gespielt, weil sie mit Lügen, Töten, Betrügen, Stehlen, Quälen, Manipulieren fest verbunden sind und anderen Menschen im Allgemeinen großes Leid zufügen ohne jegliche Reue zu fühlen. So können sie sich ihr eigenes Gefühl der Sicherheit durch Herrschaft verschaffen.
Der Erfinder der Zivilisation � der erste Stammeshäuptling, welcher eine Armee von gesteuerten Massenmördern mit Erfolg einer Gehirnwäsche unterzogen hat � war ziemlich sicher ein genetischer Psychopath. Seit dieser folgenschweren Entdeckung, dass andere Menschen bereit sind, sich zu unterwerfen, genossen Psychopathen im Kampf um die Macht innerhalb von Hierarchien � insbesondere Militärhierarchien � in der Zivilisation einen bedeutenden Vorteil gegenüber Nicht-Psychopathen.
Hinter dem scheinbaren Irrsinn der Zeitgeschichte steht der tatsächliche Irrsinn von Psychopathen, welche darum kämpfen, ihre überproportionale Macht zu bewahren. Und während ihre Macht immer stärker bedroht wird, bemühen sich die Psychopathen umso verzweifelter. Wir sind Zeugen der Vergötterung der Überwelt � der sich überschneidenden kriminellen Syndikate, die über der gewöhnlichen Gesellschaft und dem Gesetz lauern, gerade so wie die Unterwelt von unten lauert.
Während der letzten fünfzig Jahre haben Psychopathen nahezu die Gesamtkontrolle über alle Regierungszweige erlangt. Wenn Sie sorgfältige Beobachtungen anstellen, können Sie feststellen, dass, egal, wie illegal es ist, was ein moderner Politiker tut, ihn niemand wirklich zur Rede stellen wird. All die so genannten Skandale, von denen jeder einzelne eine authentische Regierung abgesetzt hätte, sind bloß Farcen, die für die Öffentlichkeit aufgeführt werden, um diese abzulenken, um sie glauben zu machen, dass die Demokratie noch immer funktioniere. Einer der Hauptfaktoren bei der Frage, wie eine Gesellschaft von einer Gruppe pathologisch Abweichender übernommen werden kann, ist, dass die einzige Beschränkung des Psychopathen in der Teilnahme von empfänglichen Einzelnen innerhalb dieser Gesellschaft liegt. Für die aktivsten Abweichenden gibt Lobaczewski eine Durchschnittszahl von etwa 6% einer bestimmten Bevölkerungszahl an. (1% essenzielle Psychopathen und bis zu 5% anderer Psychopathien und Charakteropathien.) Der essenzielle Psychopath befindet sich in der Mitte des Netzes. Die anderen formen den ersten Rang im Kontrollsystem des Psychopathen.
Der nächste Rang eines solchen Systems besteht aus Individuen, die normal geboren wurden, aber entweder bereits verformt sind, weil sie durch familiäre oder soziale Einflüsse über einen langen Zeitraum psychopathischem Material ausgesetzt waren, oder weil sie durch psychische Schwäche beschlossen haben, für ihre eigenen selbstsüchtigen Ziele den Anforderungen für Psychopathie gerecht zu werden. Laut Lobaczewski liegt diese Gruppe unter normalen Bedingungen zahlenmäßig bei etwa 12% einer bestimmten Bevölkerungszahl. Also sind etwa 18% jeder vorgegebenen Bevölkerung aktiv an der Schöpfung und Einführung einer Pathokratie beteiligt. Die 6%-Gruppe bildet den pathokratischen Adel und die 12%-Gruppe das neue Bürgertum, dessen größter Vorteil die eigene wirtschaftliche Situation ist. Wenn Sie das wahre Wesen des psychopathischen Einflusses verstehen, welches gewissenlos, emotionslos, eigennützig, kalt und berechnend ist, und frei von jeglicher moralischen oder ethischen Norm, packt Sie das Entsetzen, aber gleichzeitig beginnt plötzlich alles einen Sinn zu ergeben. Unsere Gesellschaft wird immer seelenloser, weil die Menschen, die an ihrer Spitze stehen und die ein Beispiel abgeben, seelenlos sind � sie haben buchstäblich kein Gewissen.
In seinem Buch Political Ponerology erklärt Andrej Lobaczewski, dass klinische Psychopathen selbst in gewaltlosem Wettbewerb Vorteile genießen, um die Ränge sozialer Hierarchien zu erklimmen. Weil sie ohne Gewissensbisse lügen können (und ohne Ausschlag bei Lügendetektoren, die den psychologischen Stress messen), können Psychopathen immer alles Notwendige sagen, um zu bekommen, was sie wollen. Vor Gericht können Psychopathen beispielsweise mit unschuldigem Gesicht extreme Lügen auf plausible Art erzählen, während ihre menschlich gesunden Gegner aufgrund einer emotionalen Veranlagung darauf beschränkt sind, nah an der Wahrheit zu bleiben. Zu häufig passiert es, dass der Richter oder die Geschworenen glauben, die Wahrheit müsse irgendwo in der Mitte liegen, und dann fällen sie Entscheidungen, die dem Psychopathen zugute kommen. Wie mit Richtern und Geschworenen verhält es sich ebenso mit jenen, die entscheiden müssen, wer in Konzern-, Militär- und Regierungshierarchien zu befördern ist oder nicht. Das Resultat davon ist, dass alle Hierarchien unweigerlich an der Spitze überwiegend mit Psychopathen besetzt werden. Da Psychopathen im Hinblick auf das, was sie tun können oder tun werden, um an die Spitze zu gelangen, keinerlei Beschränkungen kennen, sind diejenigen, die die Verantwortung tragen, im Allgemeinen pathologisch. Es ist nicht die Macht, die korrumpiert, es sind korrupte Einzelne, welche nach Macht streben.
Wie können wir zwischen Psychopathen und gesunden Menschen unterscheiden? Wie sieht das Portrait eines echten Psychopathen aus? Eine solch gefährliche Frage wurde fast noch nie mit Erfolg gestellt. Der Grund dafür liegt darin, dass wir den Fehler begehen, gesund mit normal zu verwechseln. Die menschliche psychologische Vielfalt ist die Gesundheit unserer Rasse. Es gibt keine Normalität, da sich gesunde Menschen stets über alle normalisierenden Standards hinaus entwickeln. Der Terrorismus, welcher Hierarchien nach jedem durchsucht, der von der Normalität abweicht, ist nichts anderes als Hexenverfolgung oder Inquisition. Sie dürfen nicht vergessen, dass Hierarchien aus solchen niederen Dramen Gewinn ziehen und ihre Opfer solange quälen, bis sie das �Böse� gestehen. Es ist noch nicht allzu lange her, dass die Kirche und der Staat durch Hexenverfolgung und Inquisition kontinuierlich bedeutende Einnahmen und Grundbesitz eingestrichen haben. Das hat sich über einen Zeitraum von zweihundertfünfzig Jahren fortgesetzt. Zehn Generationen von Europäern haben Verfolgung als das normale Leben angesehen. Lassen Sie uns nicht zu diesem Albtraum zurückkehren. Die Prüfung auf Normalität wird garantiert nach hinten losgehen. Es gibt kein Normal. Aber es gibt ein Gewissen. Wir haben sehr wenig empirische Beweise für das Konzept, dass echte Psychopathie das Ergebnis von Missbrauch in der Kindheit ist, und sehr viele empirische Beweise dafür, dass sie genetisch bedingt ist. Das neurobiologische Modell gibt uns die größte Hoffnung darauf, in der Lage zu sein, selbst den gewieftesten Psychopathen zu identifizieren. Andere jüngere Studien führen zu ähnlichen Ergebnissen und Folgerungen: Psychopathen haben große Schwierigkeiten damit, verbales und nichtverbales, gefühlsbezogenes (emotionales) Material zu verarbeiten. Sie neigen dazu, die emotionale Bedeutung von Vorkommnissen durcheinander zu bringen, und das Wichtigste: Diese Defizite werden bei einem Gehirn-Scan (Hirnszintigraphie)sichtbar! Eine fehlende innere Verbindung zwischen dem fühlenden Herz und dem denkenden Gehirn ist feststellbar. Psychopathen sind unfähig, authentische, tiefe Emotionen zu fühlen. In der Tat hat sich dies bei Gehirn-Scans an Psychopathen gezeigt, welche von Robert Hare, einem kanadischen Psychologen durchgeführt wurden, der seine berufliche Laufbahn mit dem Studium von Psychopathie verbracht hat. Er legte zwei Kontrollgruppen jeweils zwei verschiedene Wortgruppen vor, eine Wortgruppe mit neutralen Worten ohne emotionale Assoziationen und eine mit emotional geladenen Worten. In der nicht-psychopathischen Kontrollgruppe leuchteten verschiedene Bereiche des Gehirns auf, während die Psychopathen beide Wortgruppen im gleichen Bereich des Gehirns verarbeiteten, und zwar in jenem Bereich, der mit der Sprache zu tun hat. Sie hatten solange keine emotionale Reaktion, bis sie intellektuell beschlossen, dass es besser wäre, eine zu haben, und dann brachten sie eine emotionale Reaktion hervor, nur zur Schau.
Das einfachste, klarste und echteste Portrait des Psychopathen wird in den Titeln dreier bahnbrechender Werke zu diesem Thema widergespiegelt: Gewissenlos von Robert Hare, The Mask of Sanity von Hervey Cleckley, und Menschenschinder oder Manager: Psychopathen bei der Arbeit (Snakes in Suits) von Robert Hare und Paul Babiak. Ein Psychopath ist exakt das: gewissenlos. Das Wichtigste, was hierbei nicht vergessen werden sollte, ist, dass dieses fehlende Gewissen hinter einer Maske der Normalität verborgen ist, welche oft so überzeugend ist, dass selbst Experten in die Irre geführt werden. Demzufolge werden Psychopathen zu Schlangen in Anzügen, die unsere Welt beherrschen. Psychopathen fehlt ein Sinn für Reue oder Einfühlungsvermögen gegenüber anderen. Sie können extrem charmant sein und sind Experten darin, mit Gesprächen ihre Beute zu umgarnen und zu hypnotisieren.
Sie sind außerdem unverantwortlich. Nichts ist jemals ihre Schuld; es gibt immer jemand anderen oder die Welt im Allgemeinen, welche schuld an all ihren Problemen oder ihren Fehlern ist. Martha Stout identifiziert in ihrem Buch The Sociopath Next Door den Mitleidstrick. Psychopathen benutzen Mitleid, um zu manipulieren. Sie überzeugen Sie, ihnen noch eine weitere Chance zu geben und niemandem zu erzählen, was sie getan haben. Ein weiterer Charakterzug � und ein sehr wichtiger obendrein � ist also ihre Fähigkeit, den Informationsfluss zu kontrollieren. Sie scheinen auch eine geringe Vorstellung von Vergangenheit oder Zukunft zu haben und leben gänzlich für ihre augenblicklichen Bedürfnisse und Wünsche. Aufgrund der trostlosen Qualität ihres Innenlebens, sind sie häufig auf der Suche nach neuem Nervenkitzel, alles vom Gefühl der Macht, andere zu manipulieren, bis zu illegalen Aktivitäten, einfach für den Adrenalinschub. Ein weiterer Wesenszug des Psychopathen ist, wie es Lobaczewski nennt, seine spezielle psychologische Kenntnis des normalen Menschen. Er hat uns studiert. Er kennt uns besser als wir uns kennen. Er weiß genau, wie er unsere Knöpfe drücken kann, um unsere Emotionen gegen uns zu verwenden. Doch darüber hinaus scheint er sogar eine Art hypnotische Macht über uns zu besitzen. Wenn wir anfangen, uns im Netz des Psychopathen zu verfangen, verschlechtert sich unsere Fähigkeit zu denken, sie wird trübe. Es scheint, als verzaubere er uns auf eine gewisse Art. Erst später, wenn wir uns nicht mehr in seiner Gegenwart befinden, außerhalb seines Bannkreises, kehrt die Klarheit der Gedanken zu uns zurück und wir fragen uns, wie es dazu gekommen ist, dass wir nicht in der Lage waren, etwas zu erwidern oder dem, was er getan hat, entgegenzuwirken.
Psychopathen lernen bereits in früher Kindheit, sich untereinander in einer Gruppe zu erkennen, und sie entwickeln eine Bewusstheit über die Existenz anderer Individuen, die ihnen ähnlich sind. Ebenso werden sie sich darüber bewusst, dass sie aus einer anderen Welt stammen als die meisten Menschen, von denen sie umgeben sind. Sie betrachten uns aus einer gewissen Distanz. Denken Sie einmal über die Konsequenzen folgender Aussage nach: Psychopathen sind sich gewissermaßen als Gruppe bewusst, sogar schon in ihrer Kindheit! Im Erkennen ihrer grund-legenden Unterschiedlichkeit zum Rest der Menschheit, neigen sie dazu, ihr Zugehörigkeitsgefühl gegenüber den anderen ihrer eigenen Art zu entwickeln, in diesem Fall gegenüber anderen Psychopathen.
Ihr eigenes verdrehtes Ehrgefühl zwingt sie dazu, zu betrügen und Nicht-Psychopathen und deren Werte zu verunglimpfen. Im Widerspruch zu den Idealen gesunder Menschen haben Psychopathen das Gefühl, dass das Nichteinhalten von Versprechen und Vereinbarungen normales Verhalten ist. Sie begehren nicht nur Macht und Besitz in dem Glauben, sie hätten das Recht dazu, einfach weil sie existieren und sich bedienen können, sie haben auch ein spezielles Vergnügen daran, Dinge an sich zu reißen und anderen wegzunehmen. Was sie stehlen, sich erschwindeln und erpressen können, sind weitaus süßere Früchte als jene, die sie mit ehrlicher Arbeit verdienen können.
Sie lernen auch sehr früh, wie ihre Persönlichkeit eine traumatisierende Auswirkung auf die Persönlichkeit von Nicht-Psychopathen haben kann, und wie sie diese Wurzel des Terrors ausnutzen können, um ihre Ziele zu erreichen. Stellen Sie sich nun vor, wie leicht Menschen, die im Hinblick auf die Existenz von Psychopathen völlig im Dunkeln tappen, von diesen Einzelnen geblendet und manipuliert werden können, wie diese in verschiedenen Ländern zu Macht gelangen, indem sie gegenüber der örtlichen Bevölkerung Loyalität vorgeben und gleichzeitig offensichtliche und leicht erkennbare physische Unterschiede zwischen Gruppen hochspielen (wie Rasse, Hautfarbe, Religion usw.). Psychologisch normale Menschen würden aufgrund von unwichtigen Unterschieden gegeneinander aufgewiegelt werden (denken Sie an Ruanda im Jahre 1994, denken Sie an Israelis und Palästinenser), während jene, die wirklich von der �Norm� abweichen und an der Macht sind, und die einen grundlegenden Unterschied zum Rest von uns aufweisen, ein fehlendes Gewissen haben und unfähig sind, Gefühle für andere Menschen aufzubringen, den Profit einheimsen und die Fäden in der Hand halten.
Wir blicken auf das endgültige, verzweifelte Grabschen nach Macht oder die Endphase (Endgame v. Alex Jones) von brutalen, gerissenen Truppen von CIA, Drogenschmugglern und Präsidentenkillern; Geld-waschenden, internationalen Bankiers und ihren Auftragsmördern � wirtschaftlicher und anderer Art; korrupten militärischen Auftragsnehmern und übereifrigen Generälen; Konzernverbrechern und ihren politischen Möglichmachern; Gehirnwäschern und Verstandesschändern, beschönigenderweise bekannt als Psy-ops und PR Spezialisten � kurz gesagt, die ganze Mannschaft erkennbarer Psychopathen führen unsere so genannte Zivilisation an. Und sie geraten in Panik. Warum befürchtet die Pathokratie, dass sie die Kontrolle verliert? Weil sie durch die Verbreitung von Wissen bedroht wird. Die größte Angst eines jeden Psychopathen ist es, erkannt zu werden.
Psychopathen leben ihr Leben in dem Wissen, dass sie völlig anders sind als andere Menschen. Tief im Innern wissen sie, dass ihnen etwas fehlt. Schnell lernen sie, ihr mangelndes Einfühlungsvermögen zu verbergen. Gleichzeitig studieren sie die Emotionen der anderen sorgfältig, damit sie Normalität imitieren können, während sie kaltblütig die Normalen manipulieren. Heute stehen wir dank neuer Informationstechnologien kurz davor, die Psychopathen zu demaskieren und eine Zivilisation von gesunden Menschen aufzubauen � eine Zivilisation ohne Krieg, eine Zivilisation, die auf Wahrheit beruht, eine Zivilisation, in der die heiligen Wenigen statt der diabolischen Wenigen den Machtpositionen entgegenstreben. Wir haben bereits das nötige Wissen, um psychopathische Persönlichkeiten zu diagnostizieren und sie von Machtpositionen fernzuhalten. Wir haben das nötige Wissen, um jene Institutionen aufzulösen, in denen Psychopathen vorzugsweise gedeihen � Militär, Geheimdienste, Großkonzerne und Geheimbünde. Wir müssen dieses Wissen einfach nur verbreiten, verbunden mit dem Willen, es zu gebrauchen, und das so weit und schnell wie möglich. Bevor dem Wissen und dem Bewusstsein über den pathologischen Menschen nicht die Aufmerksamkeit gewidmet wird, die es verdient, und bevor dies nicht zu einem Teil des Allgemeinwissens aller Menschen wird, gibt es keine Möglichkeit, irgendwelche Dinge auf wirksame und nachhaltige Art und Weise verändern zu können. Wenn die Hälfte der Menschen, die sich für die Wahrheit oder die Beendigung der Kriege oder die Rettung der Erde einsetzen, ihre Bemühungen, ihre Zeit und ihr Geld darauf verwendeten, Psychopathie bloßzustellen, könnten wir an ein Ziel gelangen.
Es könnte die Frage aufkommen, ob die Schwachstelle unserer Gesellschaft in unserer Toleranz gegenüber psychopathischem Verhalten begründet ist? Oder in unserem Unglauben, dass jemand den Anschein eines intelligenten Führers haben könnte und trotzdem betrügerisch und in seinem eigenen Namen agiert, ohne Gewissensbisse? Oder ist es bloß unsere Ignoranz? Wenn sich die allgemeine Wählerschaft nicht darüber bewusst ist, dass eine Kategorie von Menschen existiert, welche wir manchmal als beinahe menschlich empfinden, welche aussehen wie wir, welche mit uns arbeiten, welche in jeder Rasse und jeder Kultur zu finden sind, welche jede Sprache sprechen, aber kein Gewissen haben, wie kann die breite Öffentlichkeit sie dann davon abhalten, an die Macht der Hierarchien zu gelangen? Die allgemeine Ignoranz gegenüber der Psychopathologie könnte sich als Niedergang der Zivilisation erweisen. Wir stehen dabei wie grasende Schafe, während die Elite in Politik und Wirtschaft Armeen unserer unschuldigen Söhne und Töchter gegen künstlich fabrizierte Feinde schleudert, um im gegenseitigen Konkurrenzkampf um die pathologische Vorherrschaft Trillionen an Profit zu erzeugen. Fast jeder, der bisher Teil einer Organisation war, welche sich für soziale Veränderung einsetzt, hat wahrscheinlich die gleiche Dynamik beobachten können: Die gute und aufrichtige Arbeit vieler kann durch die Aktivitäten eines Einzelnen zerstört werden. Das verheißt nichts Gutes, wenn es darum geht, eine Art von Gerechtigkeit auf den Planeten zu bringen! Wenn Psychopathen an der Spitze politischer Hierarchien stehen, ist es in der Tat kein Wunder, dass friedliche Demonstrationen null Auswirkung auf das Ergebnis politischer Entscheidungen haben. Vielleicht ist es an der Zeit, uns auf eine andere Art zu regieren als durch massive, distanzierte Hierarchien?
Erst wenn 75% der Menschheit mit einem gesunden Gewissen begreift, dass wir einen natürlichen Feind haben, eine Gruppe von Menschen, die unter uns leben, die uns als machtlose Opfer ansehen und uns nach Belieben vertilgen, um ihre unmenschlichen Ziele zu erreichen, erst dann werden wir die notwendigen scharfen und sofortigen Maßnahmen ergreifen, um zu verteidigen, was menschlich wertvoll ist. Es wäre weise, psychologisch Abweichenden jedwede Machtposition überMenschen mit Gewissen zu entziehen. Punkt!
Es muss Menschen bewusst gemacht werden, dass solche Individuen existieren, und sie lernen können, wie sie diese und ihre Manipulationen erkennen können. Das Schwierige daran ist, dass man auch gegen seine eigenen Tendenzen wie Mitleid und Güte ankämpfen muss, um nicht selbst zur Beute zu werden. Das wirkliche Problem liegt darin, dass das Wissen über die Psychopathie und auf welche Weise Psychopathen die Welt regieren, bisher wirksam verborgen wurde. Menschen haben nicht das entsprechende, ausführliche Wissen, welches sie brauchen, um von der Basis weg nach oben eine echte Veränderung herbeizuführen. Immer wieder, in der gesamten Geschichte war der neue Chef wie der alte Chef. Wenn es eine Arbeit gibt, die volles Engagement verdient, um der Menschheit in diesen dunklen Zeiten zu helfen, so ist es das Studium von Psychopathie und die Propagierung dieser Information so weit und schnell wie möglich. Es gibt nur zwei Dinge, die einen Psychopathen in die Knie zwingen können:
1. Ein größerer Psychopath. 2. Die gewaltlose, absolute Weigerung, sich der psychopathischen Herrschaft zu unterwerfen, egal, wie die Konsequenzen aussehen werden (gewaltloses Nichtbefolgen, Mahatma Gandhis Satyagraha). Lassen Sie uns Weg 2 wählen! Wenn Einzelne sich einfach hinsetzen und weigern würden, einen Finger zu rühren, um auch nur ein einziges Ziel der psychopathischen Agenda zu unter-stützen, wenn Menschen sich weigerten, Steuern zu bezahlen, wenn Soldaten sich weigerten zu kämpfen, wenn Regierungsbeamte und Konzerndrohnen und Gefängniswächter sich weigerten, zur Arbeit zu gehen, wenn Ärzte sich weigerten, die psychopathische Elite und ihre Familien zu behandeln, dann würde das ganze System mit einem kreischenden Halt zum Stillstand kommen. Echte Veränderung geschieht in dem Moment, in welchem sich eine Person in allen abschreckenden Einzelheiten über Psychopathie bewusst wird. Aus dieser neuen Bewusstheit heraus sieht die Welt ganz anders aus, und es können völlig andere Maßnahmen ergriffen werden. Mit dem Unterscheiden zwischen menschlichen und psychopathischen Eigenschaften entsteht die Grundlage von Verantwortung, auf welcher wir eine tragfähige Kultur aufbauen können.
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Empfehlenswerte Literatur zum Thema:
Menschenschinder oder Manager: Psychopathen bei der Arbeit von Paul Babiak und Robert D. Hare von Hanser Wirtschaft
Gewissenlos. Die Psychopathen unter uns von Robert D. Hare und Karsten Petersen von Springer, Wien
Narzissten, Egomanen, Psychopathen in der Führungsetage: Fallbeispiele und Lösungswege für ein wirksames Management von Gerhard Dammann von Haupt
Der Soziopath von nebenan. Die Skrupellosen: ihre Lügen, Taktiken und Tricks von Martha Stout und Karsten Petersen von Springer, Wien
Die Masken der Niedertracht: Seelische Gewalt im Alltag und wie man sich dagegen wehren kann von Marie-France Hirigoyen und Michael Marx
Der Psychopath: Die Spezies in Politik und Wirtschaft mit Verachtung für Schwache von Advaita Maria Bach von MOKSHA Publishers (Audio CD)
Der Arschloch-Faktor: Vom geschickten Umgang mit Aufschneidern, Intriganten und Despoten in Unternehmen von Robert I. Sutton und Thomas Pfeiffer
Von dem zweiten Titel in dieser Liste gibt es hier eine Leseprobe.Ich würde zum Thema - Psychopathen noch sämtliche Bücher von Arno Gruen empfehlen! G.F.
15. Febr. 2009 ... Ist das Böse im Gehirn zu sehen? Warum sind Gewalttäter meistens männlich? Gerhard Roth über menschliche Abgründe und wie man sie erkennen ... www.tagesspiegel.de/zeitung/Sonntag-Psychologie-Hirnforschung;... "Wenn du eine Frau siehst, denke, es sei der Teufel! Sie ist eine Art Hölle!" (Papst Pius II., 1405-1464)
Fotografie? Da ich selber gerne fotografiere. - Hier ein Text zum Thema! - Das Überleben wird auch in diesem Berufszweig immer schwieriger. "Bildbände fotografieren: Brotlose Kunst", von B.Kannt Früher war es so: Ein Fotograf fühlte sich geehrt, wenn ihn ein renommierter Buchverlag anrief, um ein Buchprojekt zu realisieren. Der Auftrag brachte Spaß, Renommee – und auch ausreichend Honorar. Doch die "schönen Zeiten" sind vorbei. Warum, schildert ein FreeLens-Fotograf aufgrund eigener und den Erfahrungen anderer Mitglieder. Vor einiger Zeit waren die Bücher des Ellert & Richter Verlages, der durch die "Weiße Reihe" bekannt wurde, so schön gestaltet und gedruckt, daß die Mühe lohnte, daran zu arbeiten. Zudem gab es für den Bildautoren fünf Prozent des Nettoverkaufspreises, der im Buchverlagswesen übliche Prozentsatz. Davon zahlte der Fotograf alle Kosten: Filme, Entwicklung und Reisekosten. Aber das rechnete sich durch Imagegewinn und bei manchen Büchern auch durch gute Umsätze. Dann brachte Ellert &Richter die "Billigreihe" heraus, große Reisebücher zu einem Thema für 19,80 Mark. Mit diesem Konzept konnte der Verlag Riesenumsätze machen – und die Autoren profitierten mit, obwohl deren Honorare schon weit von den fünf Prozent entfernt waren. Pro Buch gab es 53 Pfennig für die erste Auflage, danach 50 Pfennig. Diese "Billigreihe" ist sehr erfolgreich und so werden immer mehr Bände produziert, allerdings für die Fotografen zu immer halsbrecherischeren Konditionen. Sie bekommen jetzt nur noch 40 Pfennig. Das bedeutet bei einer Erstauflage von 15.000 Stück, daß der Fotograf seine kompletten Reise-, Film- und Unterkunftskosten von 6.000 Mark bestreiten muß. Er erhält nur noch etwa 2,16 Prozent vom Nettoverkaufspreis, ein schlicht unakzeptabeler Prozentsatz. Doch nicht nur die Honorare werden verschlechtert, sondern auch die Vertragsbedingungen. Der Fotograf soll sämtliche Rechte abtreten, weltweit. Der Fotograf soll dem Verlag die ausgewählten Fotos als Sacheigentum überlassen. Der Verlag erhält das Recht, die Bilder an Werbeagenturen weiterzuverkaufen. Natürlich gibt es dafür 50 Prozent für den Fotografen (nach Abzug aller Kosten). Das Grausen auch bei dieser Vertragspassage bekommt, wer weiß, wie unbefangen der Ellert &Richter Verlag damit umgeht. Er verlangte schlappe 1.000 Mark von einer Werbeagentur für ein Bild, daß dann in ganz Bayern auf große Tafeln geklebt wurde. Dafür hätte jede ordentliche Fotoagentur 5.000 bis 6.500 Mark verlangt und bekommen. Weitere Beispiele aus Verlagsverträgen, die FreeLens-Mitgliedern in den vergangenen Monaten von renommierten Verlagen wie Bucher, Pro Futura, Langenscheidt-Polyglott, Gräfe und Unzer vorgelegt wurden: Der Bucher Verlag, vertreten durch den Südwest Verlag, freut sich, "den geschätzten Autoren für einen Bildband gewonnen zu haben!" – genauer: ein Kleinstführer mit 64 Seiten und etwa 100 Fotos. "Für die Bebilderung bieten wir Ihnen ein einmaliges Pauschalhonorar an von 1.500 Mark. Sie übertragen dem Südwest Verlag für alle Ausgaben und Auflagen sämtliche ausschließlichen Verlagsrechte an diesen Fotos. Der Verlag ist berechtigt, Sonderausgaben, Buchklubausgaben, Taschenbuchausgaben zu veranstalten, bzw. die Rechte für diese Ausgaben sowie die verlagsüblichen Nebenrechte (Werbezwecke, Film, Fernsehen, Radio, Vervielfältigung und Verbreitung von Mikrokopie- und CD-ROM oder CD-I-Ausgaben oder ähnliche Formen des Electronic Publishing) im Rahmen dieses Buches weiter zu übertragen. Wir hoffen auf eine gute, partnerschaftliche Zusammenarbeit!" Eine Partnerschaft bei 15 Mark pro Foto? Da können wohl nur Hobby-Fotografen unterschreiben. Wenn man alle Rechte zusammenzählt, die der Verlag erwirbt, dann bleiben pro Veröffentlichung höchstens Pfennige übrig! Der Langenscheidt Verlag bietet in seinem Vertrag für Polyglott-Reiseführer immerhin stolze 30 Mark pro Bild an. Natürlich kassiert er damit die Rechte für "CDI, DVI, EBP, CD-ROM, Online oder ähnlichen elektronische Medien", ist allerdings bereit, für die CD-ROM-Nutzung nochmal 30 Mark pro Bild zu zahlen. Super! Es folgt ein schöner Passus: "Für den Fall der Veröffentlichung und Verbreitung einer oder mehrerer Lizenzausgaben erhält der Fotograf unabhängig davon, wieviele verschiedene Lizenzausgaben erscheinen, ein einmaliges Honorar in Höhe von 50 Prozent der im Vertrag genannte Honorarsumme." Schönes Geschäft. Besonders Großverlage versuchen, alle gängige Normen zu unterlaufen und mit dem Mittel der Unkenntnis oder gar Angst zu operieren, um auf die schnelle Tour Freischaffenden Copyrights zu Dumpingpreisen abzutrotzen. Das geschieht auch durch Risikoteilung, Mehrfachnutzungsrabatt, Mengenrabatt und ähnlichem. Es läßt sich leicht denken, daß doch sehr viele KollegInnen im einsamen Kämmerlein durch das Unterschreiben solcher Bedingungen zu diesem Zustand beitragen", schrieb uns ein Kollege zu dem Polyglott-Vertrag. Man kann solche Verträge ablehnen, Beispiele gibt es genug. Oder ein Berliner Fotograf. Er schrieb dem Verlag zu seinem Vertrag für "Tucholskys Berlin": "...ein unmoralisches Angebot, daß ich ablehnen muß. Auf die erbetenen Nebenrechte brauche ich damit nicht einzugehen. Ihr weist darauf hin, daß Ihr das Honorar der veränderten Situation angepaßt habt. Verändert soll heißen: verschlechtert. Nur an dieser Verschlechterung sind nicht wir Fotografen schuld, sondern die Verlage selber. Aber wir sollen die Suppe auslöffeln und Euch mit unserem Einsatz und Geld sponsern. Oder geht es Euch gar nicht so schlecht, wie Ihr tut? Wenn nicht, wenn Ihr gut daran verdient, dann ist euer Vertrag doppelt unmoralisch! 4 Prozent vom Nettoverkaufspreis konntet Ihr damals anbieten. Jetzt sind es nur noch 2,16 Prozent! 4 Prozent muß das Ende der Fahnenstange bleiben, das müssen auch meine Kollegen begreifen, die jetzt zu Euren Bedingungen arbeiten. Für weniger kann man seinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten." Daß die Qualität bei alldem auf der Strecke bleibt, stört die Verlage nicht. Ob der Fotograf schöneres Licht abwartet, einen besseren Standort sucht oder einfach draufhält, ist neuerdings offenbar egal. Die Verlage drucken Billigbücher in Großauflagen. Die schlechten Verträge sind nur möglich, weil Fotografen sie entweder nicht lesen oder ihnen das Wasser bis zum Hals steht. Wem ein solcher Vertrag ins Haus flattert, sollte ihn an FreeLens schicken und sich gut überlegen, ob er ihn unterschreiben kann. Wer unterschreibt, sollte nicht glauben, später an bessere Aufträge heranzukommen. Wenn wir nicht aufpassen, dreht sich die Spirale weiter nach unten. Dann allerdings hätten die Verlage Recht: Mit Fotografen kann man alles machen! B.Kannt
Zuhause im Lernen Welche Schulen brauchen junge Menschen in einer sich rasant verändernden Welt? Genügt es wirklich, Schüler auf Effizienz zu trimmen, egal in welche Richtung die erschreckende «Funktionstüchtigkeit» der modernen Wirtschaft driftet?
Von: Roland Rottenfusser
Teilnehmer der Gaia-University im Lebensgarten Steyerberg Ein verdrehtes Bildungsideal, wie es sich im Bologna-Prozess manifestiert, ist mittlerweile nicht nur für die Studierenden, sondern auch für Gesellschaft und Ökosystem zur Gefahr geworden. Bildung meint eben nicht Fremdbestimmung und Konkurrenz, sondern die Freilegung unseres innersten lebensfreundlichen Wesenskerns. Vor diesem Hintergrund müssen Bildungsziele und Schulungsmethoden völlig neu überdacht werden. Ein Beitrag von Kathleen Battke. Weitere kritische und anregende Artikel zum Thema «Schule» finden Sie in unserer aktuellen Zeitpunkt-Printausgabe «Schulfrei», Wenn ein Baum umstürzt, sieht man vielleicht zum ersten Mal seine Wurzeln, sagt ein Sprichwort. Wir leben in einer Ära, in der wir allerlei Bäume stürzen sehen. «Die Schulen wurden von Horace Mann und anderen als Instrumente zur wissenschaftlichen Verwaltung einer Massenbevölkerung entworfen», sagte John Taylor Gatto, New Yorker Lehrer des Jahres 1990, über die Schulbildung in den USA. Und Roland Rottenfußer diagnostizierte auf Zeitpunkt online Schulen als «Leer-Anstalten», «in denen Kinder im Sinne ihrer künftigen Rolle als Konsumenten und Arbeitnehmer zurechtgebogen werden.» Sind das die Wurzeln eines im freien Fall befindlichen Bildungssystems, die wir jetzt sehen? Sind das die eigentlichen Motive des gesellschaftlich organisierten Lernens, mit dem wir heute ringen? Man kann auch «zu effektiv» sein Neuere Forschungsarbeiten über komplexe Systeme zeigen uns einen plausiblen Grund auf, warum unsere Ökonomien, Öko-Systeme und Gesellschaftsformen weltweit ins Wanken geraten: Wir sind einfach zu effektiv. Wenn Produktivität als Wert an erster Stelle steht, leiden Vielfalt und Vernetzung. Diversität und Beziehungen sind aber genau die Faktoren, die die Gesundheit von Öko-Systemen garantieren. Wenn sie vernachlässigt oder gar bewusst zurückgedrängt werden, ist das der Anfang vom Ende. Auch Bildung hat sich in Effektivität verheddert. Angleichung der Zugangs- und Prüfungsvoraussetzungen, einheitliche Curricula, Verkürzung der Schul- und Studienzeiten, Zuschnitt auf Arbeitsmarktbedingungen sollten Bildung nützlicher und billiger machen. Die sinnvollen Resultate dieser Überlegungen halten sich allerdings verglichen mit den Opfern, die sie kosten, in Grenzen. Am Anfang (1999) war auch die Vision von Bologna verheissungsvoll: Die Studierenden Europas sollten grenzenlos lernen können. Die Barrieren von unterschiedlichen Anforderungen und bürokratischen Regelungen sollten fallen und so Mobilität und Weltläufigkeit des wissenschaftlichen Nachwuchses steigen. Doch wir sehen hier ein weiteres Mal, was es bedeutet, wenn die Verwirklichung einer Vision in die Hände von Menschen gelegt wird, die aus ganz anderen Interessen heraus handeln. Es müssen nicht unbedingt böse Absichten dahinter stehen. Und doch können wir beobachten, dass auf Effizienz angelegte Systeme gute Ideen wie von Geisterhand in traurige, menschenfeindliche und undurchschaubare Gebilde verwandeln, die am Ende niemand wirklich gewollt hat. Strukturelle Gewalt «Strukturelle Gewalt» nannte Johan Galtung solche Tendenzen. Auch auf die Studienabschlüssen im Bologna-Raum scheint diese Bezeichnung nun zuzutreffen. Der Bachelor verwirrt die jungen Studierenden und setzt sie so unter Druck, dass sie meinen, sich zwischen einem unverständlichen Curriculum und dem wirklichen Leben entscheiden zu müssen. Eine Studie des Hochschul-InformationsSystems HIS zeigte jüngst auf, dass nur 15 Prozent der Bachelor-Studierenden während des Studiums ins Ausland gehe. Es wurde also genau das Gegenteil der ursprünglichen Bologna-Vision erreicht, die angeblich auf «Weltläufigkeit» abzielte. Der Master indes züchtet Studierende mit Scheuklappen, die alles, was nicht auf Imagepflege und Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt abzielt, ausblenden. Ebenfalls nach einer HIS-Studie schliessen zwischen 17 und 30 Prozent der Promotionswilligen ihre Doktorarbeit nie ab. «Gebildet werden» durch Gott Welche Bildung braucht die Zeit? Wie dient Bildung uns Menschen, um ein gutes und nachhaltiges Leben zu führen? Bildung ist in den Worten von Wilhelm von Humboldt ein umfassender, ganzheitlicher Prozess der Persönlichkeitsentfaltung. Der Begriff entstammt ursprünglich dem christlichen Kontext. Er wird Meister Eckhart zugeschrieben und meint das «Gebildet-Werden» durch Gott. Heute würden wir vielleicht sagen: Bildung soll schrittweise den göttlichen Kern in uns freilegen. Bildung, wie ich sie verstehe, ist der Prozess der Entfaltung der integralen Person. Wobei der Begriff «Person» nicht auf die Stärkung des Ego verweist, sondern darauf, dass der Mensch fähig wird, verantwortungsbewusst zu handeln – in dieser einen, so verletzlichen Welt. Um diese Verantwortung in einer Zeit der Reizüberflutung und der eskalierenden Klimakrise tragen zu können, sollten wir neue Wahrnehmungsorgane entwickeln, die der sich wandelnden Lage angemessen sind. Das heißt, wir müssen lernen, genau und unvoreingenommen hinzuschauen und wirklich zu begreifen, was wir sehen. Das bedeutet auch, unsere Wahrnehmungssinne zu schulen und von Kontaminationen zu reinigen; andererseits qualitativ neue «Sinnesorgane» zu entwickeln, um die Notwendigkeiten und Chancen des aktuellen Zeitalters zu erkennen und darauf lebensfördernd reagieren zu können. Genau dies verstehe ich unter «Bildung». Vom Ich über das Du zum Wir Die Richtung einer gesunden Entwicklung verläuft vom Ich über das Du zum Wir. Dies ist übrigens auch mit den Prinzipien der Permakultur vereinbar, die hier im Lebensgarten Steyerberg gepflegt wird. Vom innersten Wohnbezirk des Individuums geht es in fliessenden Übergängen weiter zu gemeinschaftlich genutzten Bereichen und Räumen der lebendigen Kommunikation mit der Natur und anderen Lebensformen. Einige Beispiele für Qualitäten, die durch Lernen gefördert werden könnten, sind: 1. Ich-Qualitäten: - Welchen Mustern und Glaubenssätzen folge ich? Was ist mir wirklich wichtig? Wie verkörpere ich meine Anliegen in der Welt? - Kann ich mich als kostbar und einzigartig anerkennen? Wie kann ich meine Lebensleistung feiern und bejahen, ohne das Ego zu füttern? Was gibt meinem Leben Würde? - Autonomie und Eigenverantwortung - Bereitschaft und Fähigkeit zu dauerndem Wandel, Leben angesichts der eigenen Endlichkeit, Vergänglichkeitsbewusstsein - Unternehmerische Persönlichkeitsanteile: Kreativität, Stärken, Schaffenskraft - Authentizität: Von Herzen sprechen - Aufmerksamkeit, Präsenz und Energiemanagement 2. Du-Qualitäten: - Zuhören - Empathie - Bereitschaft und Fähigkeit zur Kooperation und zur Auseinandersetzung 3. Wir-Qualitäten: - Wahrnehmung der Allverbundenheit - Blick für Zusammenhänge und Muster - Führungsqualitäten - Von der Gemeinschaft der Lernenden zur Gemeinschaft, die lernt Die Arbeitstechniken, mit deren Hilfe diese Bildungsziele erreichbar sind, können sehr stark variieren: Z.B. Tanz, Theater, Musik und Gartenbau, neue Technologien (Computer), Entwicklungsmodelle wir Jean Gebsers Spiral Dynamics, Arbeit in Lernteams, Mediation, gewaltfreie Kommunikation, verlässliche Beziehungen zu Mentoren, Meditation und spirituelle Praxis, Körperarbeit und biografisches Schreiben, um nur einige zu nennen. Die Räume und Arbeitsmittel, die diese Form des Lernens ermöglichen, sollten Rückzug und intensive persönliche Begegnung ebenso ermöglichen wie Gemeinschaftserleben und Präsentation vor Publikum. Freiheit und Orientierung sollten einander ergänzen ebenso wie moderne Kommunikationstechnik und zeitlose Formen der Begegnung von Mensch zu Mensch, von Mensch zu Natur. Was ich hier beschrieben habe, ist keine Spielerei, sondern Notwendigkeit. «Wer hervorbringt, was in ihm ist, wird durch das gerettet, was er hervorbringt. Wer nicht hervorbringt, was in ihm ist, wird von dem zerstört, was er nicht hervorbringt». Dieses Zitat aus dem Thomas-Evangelium liest sich angesichts der globalen Herausforderungen heute wie ein dringlicher Appell, die eigenen Kräfte und Talente gegen die Zerstörung in die Waagschale zu werfen. Und es ist schon heute Realität. Wir bemühen uns in der Gaia University Deutschland Jahr für Jahr, diese Vision mit Leben zu erfüllen. Zudem können wir derzeit weltweit das Entstehen solcher zukunftsfähigen Bildungslabore und Lernarchitekturen beobachten. Denn wo Not ist, wächst auch das Rettende. Kathleen Battke M.A. Co-Gründerin und -Geschäftsführerin von Gaia University Deutschland Lehrbeauftragte an der Leuphana Universität Lüneburg kathleen.battke(at)gaiauniversity.de Nächster Programmstart bei Gaia University Deutschland: …? Lebensgarten Steyerberg Näheres unter: www.gaiauniversity.de Informationswochenenden zu den Programmen und zur Gründung eines GaiaU-Landeszentrums in der Schweiz können bei Bedarf vereinbart werden. Donnerstag, 05. November 2009 Nachhaltigkeit braucht neues Wirtschaftssystem «World Resources Forum» vom 15./16. September in Davos und Nagoya
Von: Christoph Pfluger Die Eidg. Materialprüfungsanstalt EMPA ist eine erstaunliche Behörde. Sie sorgt nicht nur dafür, dass die Stoffe und Materialien im Wirtschaftskreislauf den Standards entsprechen, sie forscht auch in den verschiedensten Gebieten und organisiert relevante Veranstaltungen. So forderte das von der EMPA mit anderen Organisationen ausgerichtete «World Resources Forum» vom 15./16. September in Davos eine Ausrichtung der Wirtschaft auf die Naturgesetze – bemerkenswert für eine technische Behörde und ein deutliches Zeichen, dass das Umdenken auch auf Ebenen stattfindet, die man nicht von vornherein erwartet. Schon bald dürften die Banker und Politiker die letzten sein, die in den alten Strukturen verharren. Nachfolgend die offizielle Medienmitteilung des WFR: Der Klimawandel ist nur ein Symptom eines viel ernsteren Problems: Unser heutiges Wirtschaftssystem braucht zu viel Ressourcen. Zum Abschluss des «World Resources Forum» (WRF) verabschiedeten die Teilnehmenden am 16. September in Davos eine Deklaration mit Vorschlägen, wie diesem Problem begegnet werden kann. Kernpunkt darin: In internationalen Vereinbarungen muss die Politik einen maximalen materiellen Ressourcenverbrauch pro Kopf und Jahr festlegen. Zum ersten «World Resources Forum» (WRF) trafen sich am 15. und 16. September führende Fachleute aus aller Welt in Davos und im japanischen Nagoya. In seiner Botschaft an das WRF warnte der deutsche Bundesumweltminister Sigmar Gabriel: «Wir Europäer verbrauchen zehn Mal mehr natürliche Ressourcen als Afrikaner oder Vietnamesen. Wenn sich alle auf unserem Planeten so verhielten wie wir, so würden wir im Jahr 2050 mindestens zwei Planeten mehr brauchen, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen». Heutzutage entnimmt die Menschheit pro Jahr der Erde rund 60 Milliarden Tonnen Rohstoffe. Das sind 50 Prozent mehr als vor 30 Jahren. Um einen Franken Bruttoinlandsprodukt zu erwirtschaften, benötigt die Weltwirtschaft zwar etwa 30 Prozent weniger Ressourcen als noch vor 30 Jahren. Trotzdem wächst der Ressourcenverbrauch weiter. Neue politische Rahmenbedingungen gefragt Die Teilnehmenden am WRF sahen die Übernutzung der natürlichen Ressourcen als Hauptursache für die wachsende Störung und Destabilisierung des Ökosystems, was sich unter anderem im Klimawandel spiegelt. Deswegen wurde in der Deklaration zum WRF vorgeschlagen, den Ressourcenverbrauch des westlichen Wirtschaftssystems massiv zu senken, das heisst, die Ressourcenproduktivität drastisch zu erhöhen. Für diese gewaltige Herausforderung braucht es Innovationsschübe. Solange die natürlichen Ressourcen allerdings billig sind im Vergleich zu Arbeit, wird die Industrie nicht freiwillig diesen Weg beschreiten. Nur die Politik kann durch die Änderung der Rahmenbedingungen hier Anreize schaffen. Die Preise für Ressourcen müssen die ökologische Wahrheit zeigen. Diese und viele weitere politische Massnahmen und die gesteigerte Ressourcenproduktivität lassen den aufstrebenden Ländern Raum für ihre Entwicklung. Declaration of the World Resources Forum – Call for Action Wir halten Entscheidungsträger in allen Ländern dazu an, eine Strategie für den Umgang mit Ressourcen zu übernehmen, die mit folgenden Elementen in Einklang steht: 1. Streben nach internationalen Übereinkommen betreffend weltweiten Pro-Kopf-Zielen für die Ausbeutung und den Verbrauch natürlicher Ressourcen, die spätestens bis 2015 in Kraft getreten sein sollen. Das Hauptziel dieser Übereinkommen besteht darin, die ökonomische Entwicklung und der Ressourcenverbrauch vollständig zu entkoppeln, mit der Folge von geringerem Ressourceneinsatz bei gleichzeitig mehr Wert. 2. Einführen von effektiven politischen Massnahmen, um die Ressourcenproduktivität wie auch die Drosselung der Nachfrage über die Zeit stark zu erhöhen. Dies soll in Form von Standards, höheren Steuern für den Ressourcenverbrauch – mit der Möglichkeit von tieferen Steuern in anderen Gebieten –, Obergrenzen, Handelsmechanismen und weiterem geschehen. 3. Einführen – mit Dringlichkeit – von Zielen für den Ressourcenverbrauch in Bereichen mit spezieller Wichtigkeit – wie Süsswasser, Rohstoffe aus den Meeren und tropische Wälder –, um der rapiden Zerstörung der Ökosysteme und der Biodiversität Einhalt zu gebieten. 4. Fokussieren der Forschung und der Entwicklung auf das Ziel hin, die Ressourcenproduktivität zu steigern. Die entstehenden Innovationen erzeugen den Raum für Wirtschaftswachstum und soziale Entwicklung. Als Nebeneffekt werden die einzelnen Volkswirtschaften und Städte weniger abhängig von Ressourceneinfuhren, im Besonderen von fossilen Energieträgern. 5. Streben nach gesellschaftlichem Konsens bis 2012 über ökologische und ökonomische Indikatoren (auf Mikro-, Meso- und Makroniveau) im Einklang mit den Naturgesetzen und jenseits des BIP. Industrie und Politik müssen diese Indikatoren immer anwenden, wenn sie über erreichte Fortschritte in Richtung Nachhaltigkeit berichten. Die Indikatoren müssen auch Gegenstand von Lernprozessen auf allen Ausbildungsstufen werden. 6. Neugestalten der Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, die die Knappheit der natürlichen Ressourcen berücksichtigen, und Erkennen des Bedürfnisses für Gewinnung und Verkauf, um die umweltfreundliche und nachhaltige Entwicklung in den Ländern zu fördern, in denen Gewinnung und Verkauf geschieht. 7. Streben nach Dialog mit der Wirtschaft, um Geschäftsmodelle neu zu gestalten, in denen Einkünfte vermehrt durch die Dienstleistungsqualität statt durch den Verkauf von Gütern erzielt werden. 8. Einen Prozess initiieren, um Lebensstile zu überdenken und Konsummuster zu entwickeln, die auf hinreichender Menge und Qualität und dem sorgfältigen Einsatz natürlicher Ressourcen basieren. Traditionelles Wissen, Weisheit und Spiritualität sollen inspirieren und helfen bei der Gestaltung von Ausbildung und Politik. 9. Stärken der Ausbildung, um das Bewusstsein für die Grenzen der Ressourcen, speziell unter Ökonomen, zu vergrössern, und Fördern der Fähigkeit von Entscheidungsträgern, langfristige und systemische Trends zu analysieren und durch Nachhaltigkeit angetriebene Innovation umzusetzen. Die komplette Deklaration (in Englisch) können Sie unter www.worldresourcesforum.org abrufen. Dienstag, 22. September 2009 Selbstunsicherheitstraining
Seminarleiter Modest Blum erklärt im (fiktiven) Interview, warum Schüchternheit mitunter Stärke ist und warum er Selbstbewusste für die gefährlichste Spezies der Welt hält. (Von Roland Rottenfußer. Ein Beitrag des Webmagazins auf "Hinter den Schlagzeilen") Frage: Herr Blum, ich glaubte am Anfang, mich verlesen zu haben. Meinen Sie in der Werbebroschüre zu Ihrem Seminar wirklich „Selbstunsicherheitstraining“, nicht „Selbstsicherheitstraining“?
Blum: Ich sehe keinen Bedarf, ins selbe Horn zu blasen wie all die Mentaltrainer, Positivdenker und Anbeter einer Ellenbogenmentalität. Es ist unsinnig, allen Hilfesuchenden die gleiche Therapie anzubieten. Magersüchtige brauchen eine andere Behandlung wie Übergewichtige. Es mag krankhaft Schüchterne geben, denen ein bisschen Durchsetzungsfähigkeit gut täte, aber es gibt mindestens so viele Angeber und Marktschreier, die lernen müssten, sich mal ein bisschen zurückzunehmen und anderen Raum zu geben. Im Übrigen sehe ich in Scheu und Zurückhaltung das geringere Problem. Die Welt wurde nicht von Schüchternen an den Rand des Abgrunds geführt, sondern von grundlos Selbstbewussten.
Frage: Wie meinen Sie das?
Blum: Sehen Sie, es wird viel über den Zustand der Welt gejammert. Es ist aber doch offensichtlich, dass wir nicht von demselben Menschenschlag aus der Krise geführt werden können, die diese Krise verursacht hat.
Frage: Und das sind nach Ihrer Meinung die selbstbewussten Menschen!?
Blum: Selbstbewusste sind die gefährlichste Spezies der Welt. Feministinnen weisen mit Recht darauf hin, dass alle großen Menschheitsverbrecher, ob Hitler, Stalin oder die Verantwortlichen der kirchlichen Inquisition eines gemeinsam hatten: Sie waren Männer. Ich mache gern noch auf einen zweiten Zusammenhang aufmerksam: Ob Linke wie Honecker oder Rechte wie Haider, Männer wie Bush oder Frauen wie Thatcher – all diese Menschen hatten eines gemeinsam: sie waren selbstbewusst, das heißt sie glaubten an sich und ihre Mission und konnten diese charismatisch und autoritär vertreten. Das Phänomen beschränkt sich aber nicht auf die Politik. Das Selbstbewusstsein mancher Akteure der Kulturszene steht in einem peinlichen Widerspruch zu ihrer tatsächlichen künstlerischen Substanz. Ein selbstunsicherer Dieter Bohlen wäre uns erspart geblieben, weil er sich gar nicht getraut hätte, an die Öffentlichkeit zu gehen. In manchen Fällen wären berechtigte Selbstzweifel ein Segen.
Frage: Ist es nicht eher so: Selbstbewusstsein verstärkt die Wirkung jeder Weltanschauung, die ein Mensch vertritt? Sicher war Hitler von sich und seiner Mission hundertprozentig überzeugt. Aber gilt das nicht auch für Gandhi?
Blum: Gandhi war zu Beginn seines politische Wirkens extrem schüchtern. Später hat er es geschafft, mit den Mächtigen seines Landes zu verhandeln und Reden vor tausenden von Leuten zu halten. Die Frage ist aber: Wie hat er das gemacht? Hat er „Selbstsicherheitstrainings“ bei der Volkshochschule besucht? Hat er Ratgeber gelesen über die Kunst, sich durchzusetzen? Nein. Gandhi hat zuerst Dinge getan, die es ihm erlaubten, mit gutem Grund stolz auf sich zu sein. Er hat sich z.B. als Sprecher der indischen Minderheit gegen die südafrikanische Regierung aufgelehnt und dafür Schläge und Gefängnis in Kauf genommen. Aus diesen Taten erwuchs begründete Selbstachtung. Aus der Selbstachtung im zweiten Schritt auch ein selbstsicheres Auftreten. Die meisten Menschen gehen aber einen anderen Weg. Wenn sie spüren, dass sie zu feige sind, kaufen sie sich ein Selbsthilfebuch und lernen eine Autosuggestionsformel auswendig: „Ja, ich bin ein selbstbewusster und mutiger Mensch“.
Frage: Ich verstehe, was Sie meinen. Es wäre dann aber fairer, Ihr Seminar: „Training gegen unbegründete Selbstsicherheit“ zu nennen. Damit würden Sie zugeben, dass es auch begründete Selbstsicherheit gibt.
Blum: Ich würde Ihnen Recht geben, leider sind die Gandhis aber so selten, dass man daraus keine Trend ableiten kann. Viel häufiger sind die anderen Beispiele. Denken Sie an den ehemaligen deutschen Kanzler Gerhard Schröder, der als junger Mann an den Pforten des Kanzleramts rüttelte und rief: „Ich will da rein“. Ein solch plumper Wille zur Macht ist doch peinlich, und er ist nicht deswegen weniger abstoßend, weil die spätere Wahl zum Kanzler Schröder scheinbar Recht gegeben hat. Ein guter Staatsmann ist nicht, wer davon überzeugt ist, der Größte zu sein, sondern wer wirklich etwas für sein Volk tut. Mit Schröder erreichte die neoliberale Ära, deren katastrophale Auswirkungen wir heute deutlicher erkennen können, in Deutschland einen traurigen Höhepunkt. Hätte er doch gezögert, hätten ihn Zweifel geplagt, ob es wirklich richtige ist, Arbeitslose zu entrechten und drangsalieren und im gleichen Atemzug die Vermögenssteuer abzulehnen …!
Frage: Sind also Selbstbewusste doch die schlechteren Menschen – mit nur wenigen Ausnahmen?
Blum: Ich glaube in der Tat, dass Selbstbewusstsein nicht nur negativen Geisteshaltungen mehr Durchschlagkraft verleiht, sondern dass es selbst eine problematische Geisteshaltung ist. Ich nenne nur einige der offensichtlichsten Beispiel: Selbstbewusste überrennen Grenzen und dringen in die intimen Schutzräume Anderer ein. Ich denke dabei an die typische „Vertreter-Mentalität“, die sich keineswegs nicht nur beim Berufsstand des Vertreters findet. Scheue Menschen scheinen dagegen immer zu fragen: „Bin ich erwünscht? Ist es richtig, wie es mache?“ Ein erträgliches Zusammenleben ist deshalb eigentlich nur unter relativ Schüchternen möglich. Sind zwei Selbstsichere zusammen, gibt es beständig Kämpfe um die Rangordnung, ein Wettrüsten der starken Egos. Trifft ein Selbstsicherer auf einen Unsicheren, wird letzterer ohne jeden Skrupel unterdrückt.
Frage: Personen, die bei jeder Gelegenheit fragen: „Mache ich auch alles richtig? Magst du mich auch wirklich noch?“ können aber auch beträchtlich nerven.
Blum: Ja, es gibt Menschen, die es mit ihrer Vorsicht übertreiben. Ich bezweifle auch nicht, dass es „krankhafte Schüchternheit“ gibt, in einem gesunden Maß ist es aber eine durchaus liebenswerte und sozialverträgliche Eigenschaft.
Frage: Und gesundes Selbstvertrauen – ist das etwa keine liebenswerte Eigenschaft?
Blum: Ich glaube, dass hinter Selbstbewusstsein eine grundlegende Fehleinschätzung steht. Selbstunsichere haben ein realistischeres Bild von sich und der Welt. Schauen Sie: Nichts ist sicher, nichts ist wirklich verlässlich, schon gar nicht das „Selbst“ – die so schwankende, so zerbrechliche menschliche Seele. Jederzeit können wir versagen, können uns Schicksalsschläge ereilen, kann aus dem Abgrund unseres Körpers eine tödliche Krankheit hervorbrechen. Selbstsichere sind Menschen, die diese radikale Unsicherheit der menschlichen Existenz vor sich selbst leugnen. Entweder sind sie blind für die Realität, oder sie haben nicht den Mut, sie sich einzugestehen. Gerade solche Menschen sind m.E. am wenigsten dazu berufenen, andere zu führen. Das wirklich Tragische ist nun, dass sich fast nur Selbstsichere für Führungsämter bewerben. Und dass gerade die arrogantesten von ihnen, diejenigen, die sich weigern, den Balken im eigenen Auge zu sehen, auch noch die besten Chancen haben, sich durchzusetzen. Die Mehrheit betet nicht Güte und Rücksichtnahme an, sondern Stärke, den nackten Willen zur Macht.
Frage: Und wie erklären Sie sich dieses Verhalten der Mehrheit?
Blum: Es ist ein archaisches Bedürfnis nach Schutz und Orientierung. Wir kennen dieses Phänomen bei Frauen, die sich selbst oft händeringend die Frage stellen: Warum gerate gerade ich immer an die größten Arschlöcher? Männer, die Frauen kalt behandeln oder grob und dominant, von denen sie aber trotzdem nur schwer los kommen. Des Rätsels Lösung ist: Es sind meist charmante und vor allem selbstbewusste Arschlöcher. „Wer stark genug ist, meinen Willen zu brechen, ist auch stark genug, mich und meine Brut vor Gefahren zu schützen“ – so lautet der unbewusste Grund hinter so mancher Partnerwahl.
Frage: Der Macho pflanzt seine Gene fort, der Softie geht leer aus!?
Blum: Ja, ist ein Mann gütig und rücksichtsvoll, fragt er bei einer Frau vorsichtig nach, ob er auch alles richtig macht, dann hat die Frau Angst, bei diesem Mann nicht genug Halt und Schutz zu finden. Dabei bräuchte die Welt nichts dringender als gütige Männer, die ihre Wesensart in der Partnerschaft, in der Wirtschaft, in der Politik voll entfalten können.
Frage: Dann wären also die Frauen an allem schuld?
Blum: Nein, es gibt natürlich auch bei selbstunsicheren Männern die Tendenz, sich extrem forsch und selbstgewiss auftretenden Alpha-Tieren willfährig unterzuordnen. Es besteht eine unbewusste Neigung zu sagen: „Je schlechter mich jemand behandelt, desto eher kann ich mich ihm anvertrauen.“
Frage: Damit haben Sie sozusagen die Psychopathologie der Untertanen erklärt. Wie steht es aber mit den Alpha-Tieren selbst? Warum sind die so?
Blum: Ich will es mal provozierend formulieren: Selbstsicherheit kann Schwäche sein, Selbstunsicherheit Stärke.
Frage: Das müssen Sie aber jetzt schon näher erklären!
Blum: Unsichere lassen Kritik an sich heran und stellen sich selbst in Frage. Sie haben dadurch die Chance, immer weiter zu lernen. Es steckt eine Haltung dahinter wie bei Sokrates: „Ich weiß, dass ich nicht weiß“. Paradoxerweise macht dieses Wissen die Selbstunsicheren weniger angreifbar und dafür auf einer tieferen Ebene „sicherer“. Wenn ihnen jemand vorwirft, fehlerhaft zu sein, sagen sie lächelnd „ich weiß“. Wenn jemand ihre Weltanschauung angreift, räumen sie ein: „Es mag sein, dass das, was ich für Wahrheit halte, nur eine vorläufige und höchst unvollständige Wahrheit ist. Sag mir, was du denkst, vielleicht sind wir zusammen schlauer.“
Frage: Und Selbstsichere glauben, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben!?
Blum: Selbstsichere entwickeln Charisma ja gerade deshalb, weil sie unbequeme Wahrheiten abwehren wollen. Sie entwickeln rhetorische „Oberhandtechniken“, die es ihnen ermöglichen, aus möglichst allen Konflikten als Sieger hervorzugehen. Warum ist ihnen das so wichtig? Gehören Niederlagen nicht wie Siege zu den selbstverständlichen Begleiterscheinungen des Menschseins? Nein, solche Menschen tun alles, um Niederlagen zu vermeiden, weil sie nicht stark genug sind, diese notfalls zu ertragen. Sie erringen Positionen, die es ihnen ermöglichen, die demütigende Erfahrung der Machtlosigkeit niemals selbst machen zu müssen. Stattdessen zwingen sie diese Erfahrung andauernd anderen Menschen auf. Ein gewöhnlicher Mensch ist häufig mit Kritik konfrontiert und lernt dadurch, im Spiegel dieser Kritik an sich selbst zu arbeiten. Ein Machtmensch dagegen lernt nichts aus Kritik, er bestraft lieber den Kritiker wegen Majestätsbeleidigung oder versucht ihn auf andere Weise mundtot zu machen. So kommt es zu dem merkwürdigen Phänomen, dass Autoritäten im selben Maße selbstsicher und unduldsam werden, wie sie an Legitimität verlieren.
Frage: Wen meinen Sie damit speziell? Das Militär, bestimmte Diktatoren?
Blum: Ja, aber auch die neuen Herren der liberalen Wirtschaftsordnung mit ihren Maßanzügen, ihrem selbstgefälligem Grinsen, ihrem Phrasenrepertoire aus der Managementschule. Je erbärmlicher die Inhalte sind, die jemand zu bieten hat, desto mehr Energie muss logischerweise in die Abwehr berechtigter Kritik investiert werden. Je selbstsicherer jemand auftritt, desto mehr Angst hat er wahrscheinlich vor der Entdeckung der verborgenen Wahrheit über sich selbst. Wenn man sich die Selbstsicheren der Welt genauer anschaut, dann hätten paradoxerweise eigentlich die Unsicheren allen Grund, stolz auf sich zu sein.
Frage: Sicher gibt es charismatische Persönlichkeiten, die uns abstoßend erscheinen. Aber übertreiben Sie nicht etwas, wenn Sie Menschen darin unterweisen, unsicherer zu werden?
Blum: Es geht in meinen Kursen zuerst einmal darum, die Masken abzulegen. Selbstsicherheit ist ja auf der oberflächlichen Ebene ohnehin nur Fassade, Schauspielkunst. „Ein gutes Auftreten“ – solche Erziehungsziele, die uns die Bewerbungstrainer vermitteln, sind doch entlarvend. „Auftritt“, „Performance“ – das sind Begriffe aus der Theatersprache, die darauf hindeuten, dass sich jemand eben nicht dessen bewusst ist, wer er ist. Oder dass er Angst hat, so wie er ist, bei anderen nicht gut anzukommen. Darin liegt eine Überbewertung des Urteils anderer Menschen, also nicht wirkliches Selbstbewusstsein. Dieses falsche Selbstbewusstsein in Frage zu stellen gehört noch zu den leichteren Übungen in meinen Seminaren. Unter dieser maskenhaften Schicht liegt aber eine tiefere, die wirkliche und nachhaltige Überzeugung, dass die eigene Persönlichkeit von Wert ist.
Frage: Nun bin ich aber gespannt, was Sie daran auszusetzen haben.
Blum: Das habe ich ja im Zusammenhang mit Gandhi zu erklären versucht. Es geht nicht darum, an seinen eigenen Wert zu glauben, sondern darum, wertvoll zu sein. Nicht von seiner eigenen Güte überzeugt zu sein, ist wichtig, sondern tatsächlich gütig zu sein und zu handeln. Man kann jeden Augenblick seines Lebens nur für einen einzigen Zweck verwenden. Ein Moment den man nutzt, um sich einzureden, dass man gut ist, hätte man besser genutzt, etwas Gutes zu tun.
Frage: Aber Selbstsicherheitstrainings, wie sie auf dem Seminarmarkt angeboten werden, versuchen ihren Kursteilnehmern doch keineswegs das Gute auszureden. Sie versuchen ihnen nur das nötige Selbstvertrauen zu vermitteln, um es in die Tat umzusetzen.
Blum: Die Dynamik solcher Kurse ist in Wahrheit höchst zweischneidig. Wenn Sie sich entschließen, Selbstbewusstsein zu trainieren, reden Sie sich ja selbst ein, dass Ihnen dieses fehlt, dass Sie also ein unvollkommenes, behandlungsbedürftiges Wesen sind. Selbstsicherheitstrainer verkaufen Ihnen dann eine Stufenleiter zum erwünschten Idealzustand – Grundkurs, Aufbaukurs – und weisen Ihnen einen Platz auf dieser Stufenleiter zu: ganz unten. Indem Sie den Kurs besuchen, nehmen sie dieses implizite Urteil an und stimmen Ihrer eigenen Entwertung zu. Sie stimmen zu, dass Ängste und Selbstzweifel, Rücksichtnahme und Scheu Krankheiten sind, die „herausoperiert“ werden müssten, obwohl doch offensichtlich ist, dass die Welt gerade von diesen Eigenschaften mehr bräuchte.
Frage: Menschen versuchen, Ängste und Selbstzweifel loszuwerden, weil diese sie quälen. Wollen Sie sie dafür verurteilen?
Blum: Gehen wir die Liste der Begriffe durch: Ängste sind die realistische Wahrnehmung menschlicher Unsicherheit und Verwundbarkeit. Selbstzweifel sind die realistische Wahrnehmung der eigenen Fehlbarkeit, der nur relativen Gültigkeit aller menschlichen Urteile und Weltanschauungen. Rücksicht meint das Bewusstsein der Verletzlichkeit anderer, die Achtung vor deren Schutzräumen. Und Scheu ist speziell das Wissen um die eigene Verwundbarkeit durch andere Menschen, das Wissen um die vielleicht großen Wirkungen kleiner Entscheidungen. Scheu tritt speziell dort auf, wo viel auf dem Spiel steht. Bei der Partnersuche zum Beispiel, weil gerade das menschliche Herz, wo es sich für Liebe öffnet, am verletzlichsten ist. Nun sehen Sie, wenn diese vier Eigenschaften den Selbstunsicheren ausmachen, dann folgt daraus, dass der Mensch der Zukunft eigentlich der Selbstunsichere ist. Anders ausgedrückt: Es muss auf der Welt mehr Unsichere geben, oder es wird bald keine Welt mehr geben.
(Erstveröffentlichung dieses Artikels im Schweizer "Zeitpunkt" - www.zeitpunkt.ch) Bundestag: Petition- Internet - Keine Indizierung und Sperrung von InternetseitenDenn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit. Angela Merkel
Es liegt eine neue Energie in der Luft. Vor allem die junge Generation bringt eine völlig neue Qualität in die Welt. Und trotz aller Misstände und Ungerechtigkeiten ist diese Zeit auch eine Zeit der Hoffnung, des Zusammenwachsens, der Kreativität und Menschlichkeit. Ein Zeitalter der Gerechtigkeit scheint zum Greifen nah.
Was macht diese neue Qualität aus? Auf der Webseite www.culturalrevolutionaries.org wird versucht, das in Worte zu fassen, was viele von uns schon lange in sich spüren. Diese "Erklärung kultureller Revolutionäre" wird derzeit in immer mehr Sprachen übersetzt, als Plakate in Städten verteilt und verbreitet sich rasend schnell im Internet.
--------> Dies ist ein offenes Experiment. Ein in Worte fassen von dem, was bereits in der Luft liegt. Je häufiger diese Erklärung gelesen, gedacht oder ausgesprochen wird, umso mehr wird ihre Energie sich in unserer Welt und Gesellschaft manifestieren. Wenn du das Gefühl hast, was du hier liest, in dir wiederzufinden, mach es zu deinem Statement. Finde Wege, die Erklärung zu lesen, sie zu teilen und in Aktion umzuwandeln.
In immer mehr Menschen wächst der Wunsch, anders zu leben: harmonischer, erfüllter, nachhaltiger. Nicht selten wird der oder die Einzelne dabei aber von der scheinbaren Undurchdringlichkeit einer egoistischen und materialistischen Gesellschaft und Welt entmutigt: "Ist es nicht hoffnungslos, wenn ICH allein ...?"
Tatsächlich geht es aber wohl Millionen von Menschen so - Millionen von Menschen, die darauf warten, dass die Welt sich ändert, oder die anderen sich zuerst ändern. Bei sich selbst zu beginnen, den ersten Schritt selbst zu tun, scheint noch immer schwierig. Dabei ist eigentlich klar: "Warte nicht auf andere - denn die warten auf dich!" Netzwerke bildenWas also fehlt, scheint nach wie vor die derzeit vielzitierte Vernetzung zu sein. Um dem abzuhelfen, haben sich in der letzten Zeit viele Initiativen und Netzwerke gebildet. Eines davon ist die Initiative "Aufbruch - anders besser leben". Das bundesweite Netzwerk will Menschen zu einem nachhaltigen und zukunftsfähigen Lebensstil anregen und miteinander in Kontakt bringen. Ziel ist ein Wandel "von unten" - also aus der Gesellschaft selbst heraus. Dabei geht es der Initiative weniger darum, die Menschen über Missstände zu informieren, sie spricht vielmehr gezielt jene Menschen an, die längst Bescheid wissen über den Zustand der Welt und dessen Ursachen. Diese - und das dürften in Deutschland einige Millionen sein - sollen an ihr meist verdrängtes Wissen erinnert und zu neuen, konsequenteren Handlungsschritten motiviert werden. Bisher hat die Initiative 2000 Unterstützer und etwa 20 regionale Gruppen. Konkret werdenGemeinsam haben die Initiatoren einen Basistext mit Tipps zu konkreten Handlungsschritten verfasst, der die Gründe, die Ebenen und den Weg zu einer zukunftsfähigen Lebensweise, wie sie sich die Initiatoren vorstellen, kurz und leicht verständlich darstellt. Jeder kann durch seine Unterschrift den Basistext unterstützen und damit seine Breitschaft "anders zu leben" signalisieren - vor allem als Zeichen an all die anderen: "Wir sind viele!" Zudem soll der Text natürlich zur Verbreitung eines eines neuen Verständnisses und Weltbildes beitragen, das sich derzeit schon an vielen Stellen entwickelt. Ganzheitlich denkenWichtig ist der Initiative Aufbruch dabei stets ganzheitlich zu denken. Die vielen Organisationen im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit sind meistens auf ein Thema spezialisiert, während "Aufbruch" versucht, viele Themenfelder der Nachhaltigkeit / Zukunftsfähigkeit zusammenzufassen und sie ganzheitlich zu vertreten - einschließlich der geistig-kulturellen und spirituellen Aspekte. Denn der Konsumismus unserer Gesellschaft wurzelt nicht zuletzt in einem materialistischen Wertesystem, dass sich ohne eine geistige Neuorientierung nicht überwinden lässt. Das gilt für Einzelne ebenso wie für die ganze Gesellschaft. Es liegt daher nahe, dass in Zukunft das Geistige (lat.spiritus) und die Spiritualität (im Sinne einer undogmatischen Religiosität) einen höheren Stellenwert bekommen müssen. Und das passiert ja auch schon auf breiter Ebene. Hier geht es zur Webseite der Initiative Einem Staatsapparat der Arbeitslose wie den letzten Dreck behandelt, obwohl dieses Scheiss-System mit seiner "Spekulationsaktienbörsengier" & seinem für die Umwelt & Menschlichkeit schädlichen Wachstumswahn - "Arbeitslose" am laufenden Band produziert und den Superreichen die arbeitsloses Zinseinkommen, in unvorstellbaren Summen kassieren - Steuergeschenke macht, gleichzeitig die Gier, der Banken und Börsenmakler mit Staatsgeldern belohnt , die nur durch noch mehr Schuldenmachen, finanziert werden können, frage ich mich langsam wie viel Untertanengeist, dieses deutsche Volk noch an den Tag legt? Weit und breit keine Revolution in Sicht, es wird etwas geschimpft, auf die sogenannte korrupte Politik und auf die gierigen Bankmanager, mehr aber auch nicht. Die wahren Verursacher der Krise werden belohnt, die Arbeitslosen unterjocht und die arbeitende Masse ausgebeutet, bis zum geht nicht mehr. Wo bleibt die rote "Arschtrittkarte" für diese beschissene staatliche Bürokratie und politische überhebliche Ignoranz? Gerold Flock "Wie lange wollen wir uns die gierigen Reichen & Ihre schmarotzenden Politiker noch leisten?" Durch und durch anarchistisch. - Gegen jede Macht! In Folgenden finden Sie das Bild unter: www.liste13.ch/spip.php?rubrique27 
Deutschlands umfangreichstes Arbeitslosen-Portal! Hier finden Sie Informationen zum Sozialabbau, Jobbörsen, Bewerbungstipps und Alternativen zur Bewerbung. Wer macht eigentlich die ganze Arbeit?
Am 7.3. fand in Dortmund ein "Tribunal" der Linkspartei zum Thema: "Wer macht eigentlich die ganze Arbeit?" Ellen Diederich war dort als Zeugin eingeladen. Hier sind ihre kritischen Anmerkungen. (Ein Beitrag des Webmagazins auf "Hinter den Schlagzeilen") Tribunal Dortmund, 7. März 2009 Wer macht eigentlich die ganze Arbeit?
"Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Methoden irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden", sagt John Maynard Keynes in seiner allgemeinen Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes
"Ein Gespenst geht um in Europa!" – So beginnt das Kommunistische Manifest. Das Gespenst von heute ist die so genannte Finanzkrise. Im Gegensatz zu Marx' Gespenst von damals ängstigt es vor allem die ArbeiterInnen und Angestellten, und erst recht die, die am Rande der Gesellschaft leben, hier oder in der Dritten Welt. Denn ihnen droht, so heißt es, Arbeitslosigkeit, Konsumverzicht und das Ende jeder Gesundheits- und Sozialpolitik. Den SteuerzahlerInnen dämmert es allmählich, dass sie auf Jahrzehnte hinaus die unglaublichen Gelder werden abtragen müssen, die der Staat in das marode Bankensystem pumpt. Ein Großteil der Menschen in diesem Land und international ist bereits dort, wohin weitere Millionen kommen werden: in ein Leben in Armut.
Frauen sind von diesen Entwicklungen in besonderem Maße betroffen: Sie machen weltweit 2/3 aller Arbeit. Wir bekommen dafür 1/10 des Lohnes. Etwa die Hälfte aller Arbeit ist Hausarbeit, weitgehend unbezahlt. Hiervon machen Frauen etwa 95%, die Arbeit zur Subsistenzsicherung in kleinen Versorgungseinheiten mit eingeschlossen. Darüber hinaus leisten Frauen etwa die Hälfte der Erwerbsarbeit.
Der Lohnabstand zwischen Männern und Frauen in Deutschland hat sich 2008 weiter vergrößert. Innerhalb der EU gehört Deutschland mit 23% Differenz zu den Staaten mit größter Ungleichheit. In den Weltmarktfabriken stellen Frauen den großen der Teil der Arbeitskräfte unter grauenvollen Bedingungen. Keine Kranken-, Sozial-, und Rentenversicherung. 12–14 Stunden Arbeitstag. Minimale Löhne.
Bei uns ist ein Wort das Synonym für die soziale Misere geworden: Hartz IV. Nimmt man die römische IV als Buchstaben, so heißt Hartz IV abgekürzt HIV. Es gibt durchaus Parallelen zwischen Aids und Hartz IV: Ausgrenzung, keine Zukunftsperspektiven, Verweigerung von Heilung, von bezahlbaren Lösungen. "Hartz IV" heißt die neue Krankheit, die sich ab dem 1. Januar 2005 epidemieartig bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ausbreitet: Ursache: Soziale Ungerechtigkeit. Symptom: Armut.
Meine Erfahrungen mit Hartz IV
Ich bin Lang-Zeit erwerbslos. Tag für Tag, Nacht für Nacht, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Die Stiftung, mit der ich viele Jahre zusammen gearbeitet habe, ist Pleite gegangen. Ich bin "zu alt" für den Arbeitsmarkt, und habe viel zu viel subversive politische Arbeit gemacht, um eine bezahlte Arbeit zu finden. Ich bin erwerbslos, nicht arbeitslos, darauf bestehe ich. "Die wollen doch gar nicht arbeiten!" Ich arbeite immer, nie arbeite ich nicht. Arbeit ist ein anderes Wort für Leben.
Arbeitslos sind die "Anderen". Die sich langweilen, die die Gerichts- oder Talkshows in den Privatsendern schauen. Die keine Zeitung mehr lesen, das Saufen anfangen. Die "Anderen", das sind die mit den grauen Gesichtern, die in der Schlange im Arbeitsamt vor und hinter mir stehen. Wo ich verzweifelt überlege, was ich da tun kann? Musik mitbringen? Tango tanzen? Clownin spielen, um die stundenlange Wartezeit zu verkürzen? Aus dem Leitfaden zum SGB II vorlesen, damit die Menschen über ihre Rechte informiert werden?
Ich eine von denen? Ich doch nicht. Ich falle doch nicht in dieses Loch. Ich habe mich doch noch niemals gelangweilt. Ich bin ja aufgehoben. In der Linken, der Frauenbewegung, der Gewerkschaft. Ich treffe mich doch mit denen, die Bescheid wissen, die auf ihre Fahnen geschrieben haben, dass sie sich nicht mit den Plänen der Herrschenden abfinden. Hier, wo die Erwartungen an solidarisches Handeln am größten sind, sind die Enttäuschungen am gewaltigsten.
Ich analysiere. Das kann ich ja. Alles analysieren. Ich weiß ja Bescheid. Warum das so ist und wie mit der Globalisierung, wie es kommt, dass täglich mehr Menschen keine bezahlte Arbeit mehr haben. "Wenn man das weltweite Arbeitsvermögen betrachtet, so sind in den nächsten zehn Jahren etwa die Hälfte der Menschen überflüssige Menschen, die auf die eine oder andere Weise von diesem Planeten verschwinden müssen", sagt die Ökonomin Susan George, eine der Gründerinnen von attac bei einem Vortrag in Stockholm.
Der Satz trifft mich wie ein Blitzschlag. Genau das geschieht ja längst. Durch die Verweigerung von Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, bezahlbaren Medikamenten, durch Krieg um Ressourcen, die die Lebensmöglichkeiten unvorstellbar reduzieren. Durch Erwerbslosigkeit. Erwerbslose in Deutschland haben inzwischen eine 7 Jahre niedrigere Lebenserwartung, sagt eine Studie der Humboldtuniversität in Berlin. Ich analysiere weiter. Wie die Welthandelsorganisation arbeitet, welche Funktion die Weltbank und der Internationale Währungsfond haben, was eine Freihandelszone ist, wie die verschiedenen Formen der Sklaverei heute aussehen. Ich kann alles ableiten. Leiten wohin?
Die Wellen von Angst, die durch den Körper gehen, vor der Bedrohung, die Wohnung zu verlieren und davor, von der Teilhabe am sozialen, kulturellen Leben ausgeschlossen zu sein, sind durch noch so viel Reflexion nicht wegzubringen. "Freiheit, Wecker, Freiheit, das heißt keine Angst haben vor nix und niemand", sagt der Willy im Lied von Konstantin Wecker, "Angst essen Seele auf" heißt ein Film von Rainer Werner Fassbinder.
Ja, ich, ich bin eine von denen!
Ich soll weg. Ich bin eine Frau von etwa 700.000 Menschen in Deutschland, die einen Brief von einer Arbeitsagentur bekommen haben oder in den nächsten Wochen bekommen werden: Ihre Wohnung ist zu groß, zu teuer. In sechs Monaten soll ich die Kosten senken, mit dem Vermieter verhandeln, dass er die Miete reduziert. Ich soll Fenster abdichten, Isolierungen einbauen, um Heizkosten zu sparen – das geht wunderbar von 345 Euro Hartz IV im Monat. Oder ich soll Untermieter aufnehmen. Oder ich soll in eine "angemessene" Wohnung einziehen: 45 Quadratmeter, 216 Euro Miete als Obergrenze.
Jeden Monat soll ich einen Nachweis über meine Anstrengungen einreichen. Ziehe ich nicht um, werden nach sechs Monaten nur noch die Kosten übernommen, die ich hätte, wenn ich umgezogen wäre. Seit ich diesen Brief bekommen habe, heißt Wohnen auch: Nächte ohne Schlaf, Erhöhung der Stromkosten, weil Radio oder Fernsehen laufen, um die bohrenden Gedanken zu übertönen. Wenn ich einschlafe, wache ich bald auf, weil Wellen von Angst durch den Körper gehen. Ich träume, dass ich losfahre mit einem Ziel, aber nie dort ankomme, sondern immer irgendwo lande, wohin ich gar nicht will. Ich fahre ans Meer und kann es nicht erreichen. Ich träume von zerbrochenen Brillen, ausgefallenen Zähnen, die ich nicht mehr ersetzen kann. Phantasien von Vertreibung, Flüchtlingsdasein, Obdachlosigkeit geistern durch die Träume. Ich, die ich so gut wie nie krank war, bin mit einem Mal dauernd krank, Blasenentzündungen, (die Psychologie definiert Blasenentzündungen als ungeweinte Tränen), Erkältungen, eine Gürtelrose.
Umzugsvisionen. Wohin mit den vielen tausend Büchern? Mit den Gegenständen von Menschen, zumeist Frauen aus der ganzen Welt, die Ausdruck von Friedenssehnsucht und -willen sind? Die Angst vor der Enteignung des gelebten Lebens steigt hoch. Ich tappe, wie so viele, die betroffen sind, in die Angstfalle. Doch meine Wut wächst.
Im Zusammenhang mit der Aufforderung, die Wohnungen zu räumen, hat die größte Vertreibungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland begonnen. Arme Menschen sollen nicht mehr das Recht haben, ihren Wohnort zu bestimmen, werden herausgerissen aus sozialen Zusammenhängen. Jetzt sind wir nicht nur erwerbslos, jetzt sollen wir auch unser Zuhause verlieren. Die durch das Grundgesetz garantierte Unverletzlichkeit der Wohnung ist mit dem Sozialgesetzbuch II und vor allem mit den neuen Bestimmungen außer Kraft gesetzt. Die Menschen werden vertrieben, sollen sich billigeren Wohnraum suchen, der nicht vorhanden ist. Es läuft eine beispiellose Kampagne der Diskriminierung von Erwerbslosen. In Talk-Shows, Gerichtssendungen werden immer mehr Fälle konstruiert, in denen Menschen als "Sozial-schmarotzer", als "Parasiten" dargestellt werden. Ein genereller Vorverdacht ist gang und gebe: Wir haben glaubhaft zu machen, daß wir nicht kriminell sind. Mit welchem Recht maßt sich diese Regierung an, Erwerbslose unter Generalverdacht zu stellen?
Wir werden immer schneller aus dem Kulturleben ausgegrenzt. Das Geld reicht nicht für einen Theater- oder Kinobesuch, für ein Zeitungsabonnement. Ich schäme mich, FreundInnen gegenüber zu sagen: Das kann ich mir nicht leisten. Eine Bestimmung treibt meinen Zorn ins Unermessliche: "Nicht mehr geschützt für Erwerbslose sind Gegenstände, die zur Befriedigung geistiger, kultureller und wissenschaftlicher Bedürfnisse dienen." Das heißt, Arbeitsagenturen sind berechtigt, in meine Wohnung zu kommen und zu schätzen, was von diesen Gegenständen verkauft werden kann. Ich bin Pazifistin. Aber ich werde meinen ganzen Pazifismus verlieren, sollte sich jemand an meinen Büchern vergreifen wollen.
Ich bin immer fremder in dieser Welt. Worüber wird geredet? Neue Automodelle, Häuser, Handys, Konsum, die ganzen Koch-Shows, exquisite Gerichte kochen? Das Hartz IV Kochbuch (das gibt es wirklich!) hat die guten Vorschläge für uns bereit: Z.B statt Kapern können wir das Gelbe aus den Gänseblümchen nehmen und einlegen. Ich stelle mir im Ruhrgebiet, wo ich lebe, die Jagd von einigen Tausend Frauen auf Gänseblümchen vor.
Die Würde des Menschen steht unter Finanzierungsvorbehalt
Im alten Sozialhilfegesetz hieß es: Sozialhilfe soll ein Leben in Würde ermöglichen. Das Wort "Würde" ist in dem neuen Gesetz gestrichen.
Einige Beispiele, was in den Regelsätzen für Hartz – IV – Abhängige vorgesehen ist: Für die Anschaffung einer Waschmaschine: 2,10 € monatlich. Bei einer 300 € teuren Waschmaschine heißt das, ich muss 12 Jahre sparen. Hygieneartikel, Toilettenpapier, Taschentücher: 1,78 € monatlich. Durchfall kann ich mir nicht mehr leisten. Monatsbinden auch nicht mehr. Ausgaben für Medikamente und Praxisgebühr: 9,03 € D.h. wenn ich zum Arzt gehe, kann ich mir erst im darauf folgenden Monat die nötigen Medikamente leisten! Für Zahnbehandlungen und Zahnersatz ist gar nichts vorgesehen. Für Telefonkosten sind vorgesehen: 17.85 € monatlich Das deckt gerade mal die Grundgebühr Für Renovierung/Instandhaltung der Wohnung: 1,69 €/Monat. Bei 300m² Wand (60m²-Wohnung) bezahle ich für Material (ohne Lohn) 800 €. Dafür muß ich 40 Jahre sparen!
Welche Lösungen werden uns angeboten?
Z.B. die Durchsetzung von Frauenrechten durch Gender mainstreaming. Das Wort-Ungetüm "Gender-Mainstreaming" hat das Ziel der Verwirrung und nicht der Aufklärung. Wir hatten ja mal klare Worte: "Her mit der Staatsknete! Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Mein Bauch gehört mir!" Gender macht die Frauen wieder unsichtbar, nachdem die Frauenbewegung so sehr dafür gekämpft hat, sie sichtbar zu machen. Und Mainstream ist die neoliberale kapitalistische Politik, in die sich die Frauen ohne Widerstand integrieren sollen. Wir erfahren den Bluff mit Gender-Mainstreaming vor allem durch die Tatsache, dass wir als erste die Arbeitsplätze verlieren. Und dass die Projekte der Frauenbewegung, die Frauenhäuser, der Frauennotruf, die Beratungsstellen ausgetrocknet werden. Eine spezielle Frauenförderung sei ja nicht mehr nötig. Wir haben ja Gender-Mainstreaming - und alle müssen ja sparen! Also: Augen auf!
Was not tut? Uns zusammenzuschließen. In örtlichen und regionalen Gruppen gegen die Erwerbslosigkeit, in Projekten, die unsere Lage nachhaltig verändern. Eine Reihe von Vorschlägen gibt es beim Internationalen Frauenfriedensarchiv.

Viele Menschen müssen mehr Überstunden leisten, als ihnen lieb ist. Trotzdem finden Millionen keinen Arbeitsplatz. Gleichzeitig bleibt jede Menge Arbeit liegen. Alwine Schreiber-Martens vom INWO-Vorstand geht diesen Widersprüchen auf den Grund.
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Dateigrösse: 338.48 Kb hinzugefügt am: 15. Oktober 2007 Downloads: 939 Könnte es sein, daß die einseitige Ausrichtung der Wirtschaft auf die Interessen der Produzenten die Hauptursache der Arbeitslosigkeit darstellt? ... DIE GLÜCKLICHEN ARBEITSLOSEN. ABWRACKPRÄMIE für Menschen Von SaarBreaker am Sonntag, 17. Mai 2009, 21:38 Uhr Der folgende Beitrag wurde uns von “Jürgen” per Email übermittelt: Ich habe den nachfolgenden Text im Internet [vermutlich hier] entdeckt, den ich toll finde und jetzt überall hin verschicke. Vielleicht bewegt das etwas: Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel … Ich habe eine ganz tolle Idee, die Sie und andere Volksvertreter begeistern könnte: Eine „Abwrackprämie für Menschen“ ab 50+. Ein tolles Konzept, das ich Ihnen als Betroffener vorstellen möchte: Als Folge der maßlosen Gier unsere Banker, dem rücksichtslosen Streben unserer Mitmenschen nach immer mehr (was auch immer), dem ewigen Größenwahn von Managern und Politikern, habe ich zum Jahresanfang einen langen und hart umkämpften Arbeitsplatz verloren und dazu noch einen tollen Chef. Zwei Jahre lang war ich zuvor erwerbslos, habe bis heute über 800 Bewerbungen und Anfragen ergebnislos verschickt und bin in wenigen Wochen HARTZ IV – Empfänger, weil mich die Gesellschaft (Personalvermittler, Personalchefs und all die Leute, die mich gar nicht kennen) nicht wollen oder eine Chance geben. Mit HARTZ IV verliere ich alles, was ich mir in den Jahren meines Lebens in diesem Land angeschafft habe. Dafür wird der Gerichtsvollzieher schon sorgen. Mit dem Zwangsverkauf meines Wagens habe ich in der tiefsten Provinz nicht mal mehr die Möglichkeit, auf Jobsuche zu gehen bzw. zu Vorstellungsgesprächen zu fahren, wenn denn noch mal welche zustande kommen. Inzwischen musste ich lernen, dass alles was ich bis heute an umfangreichen Erfahrungen, Kenntnissen und Qualifikationen angesammelt habe, niemanden interessiert und junge, pickelige Personalchefs und Personalsachbearbeiter/innen mit 22 Jahren auch gar nicht wissen und einschätzen können, welchen Schwung und Dynamik ich zusätzlich noch mitbringe. Sie bestimmen aber mit ihren Ferndiagnosen über meine Existenz und mein Leben. Da ich zudem noch den Makel besitze, demnächst zur „50+ Generation“ zu gehören, sind Lebenslauf und Zeugnisse von vornherein unwichtig und zweitrangig. Ihre aufmunternden Worte „In jeder Krise liegt auch die Chance für einen Neuanfang“, war sicherlich nicht für unsere Altersgruppe gedacht. Denn all die, die in diesem Alter ihre Existenzgrundlage verlieren, werden nie wieder Arbeit finden. Politiker sind ja professionelle Sprücheklopfer, Das erkennt man auch an dieser Aussage: „Wir werden verstärkt aus der Krise gehen!“ Ja, das stimmt, denn Politiker haben keine Existenzangst und überstehen jede Krise, in dem die einfach ausgesessen wird und Unternehmer haben sich dann mit Staatshilfe so gesundgeschrumpft, dass sie die “Alten“ praktisch losgeworden sind. Sie glauben wirklich an das, was auch Sie sagen? Nach der Krise kommt der große Aufschwung? Das mag schon sein, aber für wen? Nicht für die „Abteilung 50+“ !!!!!!!!! Um es etwas abzukürzen: Ich lebe in einem Land und dort in einer strukturschwachen Region, Unternehmen sind an mir nicht interessiert, alle Bewerbungen führen zu nichts und mit HARTZ IV findet bei mir der große „Ausverkauf“ statt, denn mit HARTZ IV beginnt für mich die Armut und ich muss alles verkaufen, was irgendeinen Wert hat, bevor der Gerichtsvollzieher alles abholt. Ich bin nicht verantwortlich für Bankenkrise, Wirtschaftskrise, Rezession, Fehlentscheidungen, Missmanagement und asozialem Verhalten der Bevölkerung gegenüber, aber ich muss nun alles alleine ausbaden, wofür andere verantwortlich sind ????? All das lassen Sie zu? Das Menschen die Bankenkrise jetzt ausbaden müssen? alles geht so weiter, als wenn nichts passiert ist ????? Banker, Manager und „Volksvertreter“ sind für all das verantwortlich, weil sie vor lauter Geltungssucht und Raffgier den Hals nicht voll bekommen und ich muss nun damit rechnen, dass auf Grund meiner Arbeitslosigkeit der Gerichtsvollzieher meine Wertsachen abholt, weil ich meinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann ???? Wo bitte bleibt für Menschen in meiner Situation die staatliche Hilfe, Existenzerhaltungskredite, Bürgschaften? Wo bleiben staatliche Hilfsmaßnahmen für die, die alles verlieren, das bisschen an Hab und Gut, das sie sich in ihrem Leben angeschafft haben ???? Alles was uns jetzt bleibt, sind 20 Jahre bis zum Renteneintrittsalter von 70 (wenn man es bis dahin überhaupt schafft), anschließend Altersarmut, alleine / isoliert leben und sterben, niemand interessiert sich für unser und mein Schicksal und dann ist man noch in einem kleinen Dorf gestrandet, von dem man nicht mal mehr ohne fremde Hilfe weg kommt. Da Sie und Ihre Volksvertreterkollegen ein bzw. zwei Konjunkturpakete verabschiedet haben, von denen ich / wir wie üblich noch nichts abbekommen habe, skrupellose Banker und Mitmenschen Millionen von Menschen in die Arbeitslosigkeit schubsen, die für all das, wie auch Volksvertreter, niemals zur Rechenschaft gezogen werden und wir Bürger am Ende der „Nahrungskette“ wie Arschlöcher und Sklaven von Profit und Gier behandelt werden, die noch nicht einmal mehr berufliche Zukunftsperspektiven haben und ihrem Schicksal, das durch andere verursacht wurde, alleine gelassen werden, schlage ich nun die „Abwrackprämie für Menschen“ vor. Sie hatten mit dem Vorläufer „Abwrackprämie für alte Autos“ doch so einen großen Erfolg. Der könnte sich doch wiederholen !!! ??? Sehen wir das doch mal ganz pragmatisch: „Alte Menschen“ oder die, die auch schon ab 40 für die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt offensichtlich völlig wertlos geworden sind, die von Personalchefs und Volksvertretern nicht mehr beachtet und geachtet werden, sind in diesem asozialen Sozialstaat Deutschland ungeliebt. Es werden immer mehr und niemand will sie. Zudem sind diese Menschen so dreist und wollen auch noch eine Rente bzw. Altersversorgung. Unverschämte Forderungen, denn die Verantwortlichen haben die Rentenkassen ja schon längst geplündert. Mit HARTZ IV und dem bevorstehenden Renteneintrittsalter (= je leerer die Rentenkasse, desto höher das Renteneintrittsalter) von 70 kann man die jammernden Alten ab 50 einigermaßen ruhig halten. Unterkunft, Scheibe Brot in die Wohnung werfen und dann muss Ruhe sein. Übrigens ist das auch von unseren „Volksvertretern“ Peter Hartz und Wolfgang Clement raffiniert gelöst: Wie bekommt man es hin, dass wir einen lästigen Teil der Bevölkerung los werden oder „ruhig stellen“ HARTZ IV = Schnauze halten und ab in die Armut. Gilt natürlich nicht für Politiker. Bei einer unbegrenzten Anzahl von Nebenbeschäftigungen in Aufsichtsratvorständen hat man auch kaum Zeit, sich um die Bedürfnisse des gemeinen Volkes zu kümmern. Mit 40 bekommen viele schon keine Arbeit mehr, weil sie unter anderem „zu alt“ in unserer Gesellschaft sind. Das gilt natürlich nicht für verkalkte Politiker / Betonköpfe, die noch mit über 65 an ihrem Stuhl / an ihrer Macht kleben. Politiker, egal woher sie kommen, egal was sie gelernt haben und egal wie unfähig sie sind, werden nie ihren Job los, nur weil sie zu alt sind. Zurück zu meiner tollen Idee: Also, wie wäre es, wenn eine „Abwrackprämie für Menschen ab 50“ (auf Wunsch auch eher) eingeführt wird. Gilt dann für all diejenigen, die in unserem asozialen Land unerwünscht sind und das Land leider nicht mit ausreichend Eigenkapital verlassen bzw. auswandern können (es sind laut Medien seit einigen Jahren jährlich ca. 100.000). Endlich verlassen die Deutschen freiwillig ihre Heimat. Warum das wohl so ist? Für die, die zurückbleiben und die asoziale deutsche Mentalität weiter ertragen müssen dieser Vorschlag: Sie bzw. die Bundesrepublik bezahlt allen, die freiwillig von der „Langen Anna“ auf Helgoland springen, eine bestimmte Summe im Voraus. Das Geld wird von den Betroffenen noch einmal auf einer Weltreise als “Abschlussfeier” verjubelt, letzter Stopp wäre dann Helgoland und nach dem Sprung vom Felsen kehrt endlich Ruhe in der ewig jammernden Bevölkerungsschicht ein. Volkswirtschaftlich ist das eine tolle Idee: Jammernde Erwerbslose, die in diesem Land nie wieder Arbeit finden, sind Sie dann los, die Zahl derjenigen, die so dreist sind und HARTZ IV überleben und dann noch Rente einfordern, wird reduziert, die Sozialkassen werden entlastet, es werden mehr Wohnungen frei. Millionen von Menschen ab 50, die sich immer wieder erfolglos bewerben entlasten somit die Unternehmer und den Rest der Bevölkerung. Und ganz wichtig: Niemand wird diese ewig nervenden Fragen stellen: Wo ist das Geld der Rentenkassen geblieben? Immer weniger werden endlich immer mehr raffen können, die nur noch von Ihnen vertreten werden und zwar in einer “Einheitspartei der Reichen und Schönen”. All das, was unsere Volksvertreter begeistern wird: Hemmungslos reich werden!!! Und diese tolle Idee fördert das bereits gute Verhältnis der jungen Generation gegenüber den Alten, für die sie nicht mehr aufkommen müssen und die ihnen bei der Karriere im Weg stehen. Wir, der „Kaffeesatz der Bundesrepublik“, die über keine Vertretung in der Gesellschaft verfügt, würde dann nach und nach immer weniger werden, denn was haben wir für eine Zukunft in einem Land, in dem uns niemand mehr will, wir für den Rest der Bevölkerung nur eine Belastung und Belästigung darstellen? 20 Jahre mit HARTZ IV und völlig perspektivlos mit Sklavenarbeit (= 1-€-Jobs) dahinvegetieren? Ist da eine „Abwrackprämie für Menschen“ und Sterbehilfe nicht humaner? Viele Bundesbürger/innen vereinsamen durch HARTZ IV, leben und sterben alleine und warten nur noch auf einen „schnellen Abgang“. Wo bitte, liebe Frau Merkel, sind wir noch ein Sozialstaat, wenn es für die Bevölkerungsgruppe ab 40 keine Existenzmöglichkeit in einer der reichsten Industrienation der Welt gibt? Die Bundesregierung und alle Parteien haben das große Glück, dass über 20 Millionen HARTZ IV –Empfänger und Rentner schweigen und alles wie eine dumme Schafherde hin nimmt, die zum Schlachthof gefahren wird. Einmal regt man sich noch auf, es wird einmal geblökt und sich dann dem Schicksal ergeben. Nur das ist der Grund, warum sich gewissenlose Volksvertreter und Manager mit uns alles erlauben können, weil sie niemand in ihrem asozialen Handeln bremst. So gesehen ist die Idee mit der „Abwrackprämie für Menschen“ doch nicht schlecht. Oder? Zum Schluss noch folgende Begebenheit in „Ihrem“ Land: Vor einigen Tagen sprach ich mit einem zwanzigjährigen, drogensüchtigen jungen Mann, der sich seit Schulabschluss „hauptberuflich“ von einer Therapie zur anderen schleppt, sich bei „Hotel Mama“ eingenistet hat, sogar zu faul ist HARTZ IV zu beantragen und sich durchs Leben schnorrt, ob er sich nicht mal Gedanken über seine beruflichen und privaten Zukunftsperspektiven und eine Berufsausbildung machen wolle, gab er folgende Antwort: Ich bin 20 Jahre alt, mir geht es gut, es reicht zum Leben und Überleben, mein Beruf ist das Schnorren und das kann ich gut. Wozu soll ich eine Lehre machen? Damit ich so ende wie du? Einen Aktenordner mit Zeugnissen unter dem Arm und trotzdem 20 Jahre HARTZ IV und Altersarmut? Ich mache drei Jahre eine Lehre, mit Pech geht es dann schon nicht mehr weiter, ständig Existenzängste im Nacken, ob ich weiterleben darf oder den Job verliere und von 40 – 70 von HARTZ IV leben? Dazu brauche ich doch keine Ausbildung machen. Ich lebe nach dem Motto: „Wer nichts hat, der kann auch nichts verlieren bzw. dem kann man auch nichts nehmen! Ich habe keine Verlustängste, schlafe ruhig und sorgenfrei nach einer Kiste Bier und was ich sonst noch brauche das schnorre ich mir!“ Recht hat der Junge !?!?!?!?!?!? Liebe Grüße aus der Unterschicht, von der Basis !!! Lesen – nachdenken – kopieren – weiter verschicken – etwas bewegen in diesem asozialen Land Ähnliche Beiträge Arbeitslosigkeit - Helmut Creutz - Widersprüche - Politisches Reden & Handeln in Sachen Arbeitslosigkeit Zunehmend hört man von den Politikern Widersprüchliches. Da ruft man die Bürger zu vermehrten Konsumausgaben auf, gleichzeitig zur Erhöhung der Alters-Rücklagen. Da werden ältere Arbeitnehmer immer früher entlassen, gleichzeitig das Renten-Eintrittsalter erhöht. Da wird über fehlende Arbeitsplätze geklagt, gleichzeitig eine Verlängerung der Arbeitszeiten gefordert, usw. Sogar in ihrem eigenen Verantwortungsbereich widersprechen die Politiker vielfach ihren lautstark vertretenen Forderungen. Und das nicht nur im Hinblick auf die eigenen lukrativen Frührenten und Rentenhöhen, sondern auch auf ihre Appelle an Dritte. Denn während man die Unternehmer zu mehr Investitionen & zur Schaffung von Arbeitsplätzen aufruft, wird im öffentlichen Bereich beides radikal heruntergefahren. So hat man z.B. die Investitionsausgaben, gemessen an den Steuereinnahmen, seit 1965 auf ein Drittel zurückgeschraubt, mit der Folge entsprechender Aufttrags-Rückgänge und Beschäftigungen in der Wirtschaft.
Noch gravierender als diese indirekten Beschäftigungsrückgänge, sind die von der Politik zu verantwortenden direkten Stellenabbauten im öffentlichen Bereich. Die Zahl der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst wurde seit 1991 von 5,1 auf 2,7 Millionen und damit fast auf die Hälfte reduziert! Den viel beklagten Anstieg der gesamten Arbeitslosigkeit in der gleichen Zeit von 2,8 auf 4,8 Millionen, kann man also rechnerisch in voller Höhe den staatlichen Arbeitsplatz-Abbauten anlasten! Zweifellos war 1991 die Zahl der öffentlichen Beschäftigten, als Folge der Übernahme des aufgeblähten DDR-Staatsapparats, deutlich überhöht. Bezogen auf den Bevölkerungszuwachs wäre nur eine Zunahme auf etwa 4,5 Millionen realistisch gewesen. Außerdem kam es Anfang der 1990er Jahre auch noch zur Ausgliederung von Bahn und Post aus dem Bereich des Öffentlichen Dienstes. Doch auch wenn man diese Zahlen herausrechnet geht zumindest der Anstieg der Arbeitslosigkeit von 1995 bis 2005, um eine runde Million, voll zu Lasten der Personal-Reduzierungen in Bund, Ländern und Gemeinden! Betrachtet man die langfristigen Entwicklungen, dann wurde die nach dem Kriege anfangs sehr hohe Arbeitslosigkeit (deren Quote übrigens 1950 mit 11,1 Prozent genau so hoch war wie Ende 2005!) Dann war nicht zuletzt die Folge radikaler Arbeitszeit-Verkürzungen, die z.B. im Bereich der IG-Metall zwischen 1956 und 1966, also innerhalb von 10 Jahren, von 48 auf 40 Stunden reduziert wurden! Danach hat man allerdings den Fehler gemacht und die 40-Stundenwoche bis 1985, also 19 Jahre lang, praktisch eingefroren. Diese unterlassenen bzw. ungenügenden Anpassungen der Arbeitszeit an die steigende Produktivität, dürften ein entscheidender Grund für den anschließenden kontinuierlichen Anstieg des Arbeitslosen-Sockels gewesen sein. Die sich darauf aufsattelnden zwischenzeitlichen steilen Anstiege der Arbeistlosenzahlen waren dagegen jeweils Folgen der Hochzinsphasen um die Jahre 1963, 1973, 1982, und 1992. Dass die mit den sinkenden Zinsen normalerweise auch wieder fallenden Arbeitslosenzahlen in den letzten zehn Jahren ausblieben, trotz der historisch niedrigen Zinssätze, dürfte verschiedene Gründe haben. Einmal werden die Vorteile sinkender Zinssätze durch die im Übermaß steigenden Geldvermögen- und Schuldenbestände zunehmend neutralisiert. Nach 1991 bzw.1995 aber spieglen sich in dem steilen Aufstieg der Arbeitslosenzahlen die hohen Entlassungen im Öffentlichen Dienst gegenüber derjenigen in der Wirtschaft zurück, aber in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren war das auch absolut der Fall.
Die demonstrativen Auftritte führender Politiker bei Firmenschließungen, vor allem in Wahlkampfzeiten, sind darum nichts als Augenwischerei). Und selbst die ständigen Klagen (die ja auch für viele Unternehmen gelten!), sind so lange nicht ernst zu nehmen, wie man in der Politik nicht die Frage nach den Ursachen dieser Entwicklungen stellt, vor allem nicht die Frage, wo das Geld denn eigentlich geblieben ist! Denn ginge man dieser unvorbelastet nach, dann würde sich zeigen, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit in einem fast identischen Verlauf vom Anstieg der öffentlichen Schulden begleitet wird. Das gilt sowohl für die Wiedergabe der Schulden in Milliarden Euro als auch für die Schuldenquote des BIP! Diese seit den 1970er Jahren explosiv steigenden Öffentlichen Schulden sind aber leztendlich die Folge politischer Fehlentscheidungen in der Haushaltspolitik. Denn statt sich bei den Ausgaben an den Einnahmen zu orientieren, wie das jeder verantwortliche Hausvorstand macht, schloss man die zunehmenden Löcher in den öffentlichen Kassen, durch immer neue Kreditaufnahmen. In Folge dieser Politik stiegen die öffentlichen Schulden von 1970 bis 2005 von 62 auf 1.480 Milliarden Euro an und damit auf das 23-fache! Gemessen an den jährlichen Steuereinnahmen bedeutet das ein Anstieg von 78 auf 307 Prozent und damit auf eine vier Mal so hohe Belastung des laufenden Etats! Das Problematischste an dieser Verschuldungseskalation der Öffentlichen Haushalte aber ist, dass sie zu nichts nutze war! Denn diese Kreditaufnahmen in Höhe von 1.480 Milliarden wurden nicht für Investitionen oder Löhne ausgegeben, sondern sind in voller Höhe in den Zinsendienst geflossen! Was heißt, sie haben einzig und alleine auf direktem Weg diejenigen in gleicher Höhe reicher gemacht, die bereits über große Geldüberschüsse verfügten und an den Staat ausleihen konnten! Und diese Subventionierung der Reichen über die gezahlten Zinsen, ging zu Lasten derjenigen, denen man heute mangelnden Konsum bzw. Rücklagen für das Alter vorwirft! Bedenkt man, dass die im Gleichschritt mit den Schulden gestiegenen öffentlichen Zinslasten inzwischen mit rund 66 Milliarden Euro p.a. zu Buche schlagen und diese Summe ausreichen würde, um rund 2 Millionen Arbeitnehmer einzustellen, dann schließt sich der Kreis und es wird erkennbar, welche Bedeutung dieser Kostenfaktoer Schuldenzinsen in Bund, Länder und Gemeinden für die Beschäftigung hat. Und während die vom Staat finanzierten Investitionen (und damit die Auftragsvergabe und Beschäftigung in der Wirtschaft) in den letzten 40 Jahren von 22 auf 7 Prozent der Steuereinnahmen abgebaut wurden, stiegen die Zinslasten der Öffentlichen Haushalte von 3 auf 14 Prozent dieser Vergleichsgröße an!
Bedenkt man dann noch, dass die Schulden- und Zinslasten in der Wirtschaft drei Mal so hoch sind wie die des Staates, dann lassen sich ebenfalls die Schwierigkeiten ermessen, die sich aus diesen monetären Überentwicklungen für die Unternehmen ergeben. Und das erklärt auch deren Zwangslage, die mit den Schulden steigenden Zinsbelastungen durch Kostensenkungen ausgleichen zu müssen. Gleichgültig ob sie das über Investitionsrückstellungen, Lohnsenkungen oder Entlassungen versuchen, in allen Fällen erhöhen sich die Arbeitslosenzahlen. Verantwortlich für diese Entwicklungen sind jedoch nicht die Unternehmer, sondern die Politiker. Denn sie sind letztlich auch für die Fehlstrukturen in unserem Geldsystem zuständig, die uns heute zu solchen immer höheren Verschuldungen zwingen. Helmut Creutz Kieler Online-Forum, das die Möglichkeit bietet, sich über Arbeitsbedingungen oder Stress mit Arbeitsamt und Sozialamt auszutauschen. Hartz IV Informationen- Nachrichten. Aktuelles zur Arbeitsmarktreform Hartz-IV und den Sozialleistungen. Tipps & Tricks bei Hartz IV, Arbeitslosigkeit, ... www.gegen-hartz.de/ - 46k - Im Cache - Ähnliche Seiten In Folgenden finden Sie das Bild unter: de.indymedia.org/2006/06/148895.shtml
Verteilung des Leistungskuchens zwischen Arbeit und Kapital  Nr. 302
Das Volkseinkommen wird zwischen Kapital und Arbeit aufgeteilt. Der oft erwähnte Dritte im Bunde, der Staat, greift seinerseits weitgehend nur auf diese verteilten Einkommen zurück. Bei der Verteilung zwischen Kapital und Arbeit hat das Geldkapital immer Vorrang. Seine Ansprüche sind im voraus und unverrückbar durch die vereinbarten Zinsen festgelegt. Nur um den Rest des Kuchens streiten sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Sektor Arbeit. Da jedoch die Geldvermögen rascher wachsen als die Wirtschaftsleistung, bleibt für den Sektor Arbeit von Jahr zu Jahr zwangsläufig weniger übrig. Auszugleichen sind diese Verluste nur durch ständiges Wirtschaftswachstum. Da die Steigerung der Wirtschaftsleistung aber schon seit langem nicht mehr mit dem Wachstum der Geldvermögen Schritt halten kann, gehen die anfangs nur relativen Verluste der Arbeitseinkommen immer mehr in absolute Verluste über. Quelle:
"Wer Geld Arbeiten Lässt, Lässt Andere Für Sich Arbeiten" Helmut Creutz
Ökologische und ethische Kredite lösen die Probleme nicht Im Zuge der allgemeinen Börseneuphorie haben sich auch jene Fonds ausgeweitet, die ihren Namen oder ihre Programme mit den Attributen ethisch oder ökologisch verbinden. Sie machen kritischen Menschen den Einstieg in solche Anlagen leichter und mindern häufig auch das schlechte Gewissen, dass für viele immer noch mit Börsen-, Spekulations- und Zinsgeschäften verbunden ist. Entsprechen diese speziellen Anlagen aber wirklich ihren Attributen und was ist überhaupt der Grund für die ganze Börseneuphorie der letzten Jahre? Sehen wir uns dazu ein paar Zahlen an: Ende 1999 lagen die privaten Geldvermögen in Deutschland bei 6.750 Milliarden DM, was je Haushalt bzw. je Erwerbstätigen einen Betrag von rund 190.000 DM ergab. Nimmt man die Geldvermögen aus dem Unternehmenssektor noch hinzu (die ja weitgehend wieder den privaten Haushalten gehören), kommt man sogar auf 270.000 DM je Haushalt. Und das ist keinesfalls ein Endzustand. Denn täglich wachsen diese Geldvermögen um etwa 1,3 Milliarden DM weiter an, wovon wiederum rund drei Viertel aus den täglichen Zinsgutschriften stammen. Selbst die Deutsche Bundesbank schrieb darum bereits von der "Selbstalimentation der Geldvermögen".
Verständlich, dass inzwischen fast jeder Bürger an dieser wunderschönen Reichtumsvermehrung teilhaben möchte und bemüht ist, seine Ersparnisse möglichst optimal anzulegen. Da aber die Wirtschaft schon lange nicht mehr im gleichen Tempo wie die Geldvermögen wächst, wird es immer schwerer, die Ersparnisse über normale Kredite in die Wirtschaft zurück zu schleusen. Außerdem verringern viele Staaten ihre Neukreditaufnahmen und die Risiken des Geldeinsatzes in Asien oder auf der Südhalbkugel werden immer größer. Vor diesem Hintergrund war die Börse eine Möglichkeit, die überquellenden Geldvermögen zu binden, wobei mit den ethischen und ökologischen Anlagefonds der Kreis der Mitmacher zusätzlich erweitert werden konnte.
Woher die Dividenden an den Börsen bzw. die Zinseinnahmen auf den Anlagekonten kommen, darüber mach sich jedoch kaum jemand Gedanken. Schließlich kann Geld -- glaubt man den Bankenwerbungen -- wachsen, sich vermehren oder sogar arbeiten, obwohl das bislang noch nie ein Mensch gesehen hat. Die Wirklichkeit ist darum auch viel simpler: Die Zinsen oder Dividenden die Fonds und Banken laufend an die Geldanleger zahlen, kassieren sie bei den Unternehmen oder staatlichen Stellen, die das Geld erhalten haben. Diese aber legen ihre Kosten für das aufgenommene Kapitla genau so auf die Preise oder Gebühren um, wie jene für das Personal und Material. Alleine die deutschen Banken verbuchten auf diese Weise 1999 Zinseinnahmen in Höhe von 625 Milliarden DM, wovon wiederum 473 Milliarden an die Anleger gingen! Umgerechnet auf die bundesdeutschen Privathaushalte bzw. Erwerbstätigen machten diese Bankzinserträge von 625 Milliarden rund 17.ooo DM aus, wovon rund 4.000DM auf die Bedienung der öffentlichen Schulden entfielen. Zusammen mit der Verzinsung des schuldenfeien Sachkapitals kommt man je Haushalt oder Erwerbstätigen sogar auf eine gesamte Zinsbelastung von rund 26.000 DM p.a. Umgelegt auf die Haushaltsausgaben ergibt das inzwischen rund 40 Pfennig in jeder ausgegebenen Mark! In den Wohnungmieten sind es sogar 60 bis 80 Pfennig, die man mit jeder Mark in den Zinstopf zahlt. Und da die Geldvermögen und Schulden weiterhin rascher als die Wirtschaftsleistung steigen, nimmt dieser Zinsanteil in allen Preisen laufend weiter zu! Was sind die Konsequenzen? Die Sache mit den Zinsen hat also zwei Seiten: Fast jeder Haushalt ist heute zweifellos ein Zinsbezieher, ganz sicher aber ist er - auch wenn er keinerlei Schuldverpflichtungen eingegangen ist - ein Zinszahler. Gewinner bei diesem wechselseitigen Zinstransfer sind jedoch nur diejenigen Haushalte, die mehr Zinsen kassieren als sie selbst mit ihren Ausgaben laufend bezahlen. konkret: bei denen die Zinserträge 40 Prozent ihrer Jahresausgaben übersteigen! Zu diesen Zins-Monopoly-Gewinnern gehören etwa 10 Prozent der Haushalte. Bei weiteren 10 Prozent sind die Zinseinkommen und -lasten in etwa ausgeglichen, während die übrigen 80 Prozent der Haushalte Verlierer sind, so sehr sie sich durch ihre Zinseinkünfte auch als Gewinner fühlen mögen. Aufgrund dieser Gegebenheiten fließt von den 80 bis 85 Prozent der Haushalte tagtäglich ein Strom von etwa 500 Millionen Mark zu der Gewinner-Minderheit, die damit noch reicher wird und im nächsten Jahr noch mehr Geld gegen Zinsen ausleihen kann. Da aber alle Zinsen in der Wirtschaft nicht vom Himmel fallen und darum täglich erwirtschaftet werden müssen, ist auch der Slogan von dem Geld das arbeiten oder sich vermehren kann, nichts als Verdummung und Augenwischerei. "Wer Geld arbeiten lässt, lässt immer andere für sich arbeiten!
Nun wird man keinem der Verliererhaushalte verüblen können, wenn er seine Verluste mit eigenen Geldanlagen etwas aufzubessern versucht. Und natürlich ist es auch richtig und wichtig sich darum zu kümmern, wo und wofür das eigene Geld zum Einsatz kommt. Darum sind ökologisch und ethisch orientierte Banken und/oder Anlagefonds grundsätzlich zu begrüßen, auch wenn sich mit ihnen die negativen Investitionen in der Welt kaum verringern lassen. Denn selbst wenn es morgen in Deutschland tausend alternative Institute wie die Ökobank geben würde, käme nur jede dreißigste Kreditmark auf diese Weise in den Verkehr. Doch auch für die Verzinsung dieser dreißigsten Öko- oder Ethikmark würden wir immer noch andere für uns arbeiten lassen. Da diese Ausbeutung der Arbeitsleistenden aber kaum als ethisch zu bezeichnen ist, gibt es solange keine wirklich ethischen Geldanlagen, wie diese mit Zinseinnahmen verbunden sind. Aber auch ökologische Geldanlagen sind unter unseren heutigen Gegebenheiten mehr als fragwürdig, da jeder Schuldner seine steigenden Zinslasten nur über Leistungssteigerungen erwirtschaften kann, also über ein wachsendes Sozialprodukt. Das aber ist ohne Zunahme des Ressourcenverbrauchs und der Umweltbelastungen kaum umzusetzen. Von wirklichen ethischen und ökologischen Geldanlagen kann also nur dann geredet werden, wenn wir auf Zinseinnahmen verzichten, zumidest auf solche, die über die Inflationsrate hinausgehen. Dieser Verzicht ist aber moralisch nur jenen 10 Prozent der Haushalte zuzumuten, die auf der Gewinnerseite leben, die also mehr Zinsen beziehen als sie im Laufe des Jahres mit ihren Ausgaben bezahlen. Denn alle übrigen Haushalte würden mit Zinsverzichten zwangsläufig ihren heutigen negativen Saldo noch mehr verschlechtern. Mit alternativen Geldanlagen allein ist das Zins-Problem also nicht zu lösen. Wem die Erhaltung unserer Umwelt und des sozialen Friedens ein Anliegen ist, der muss sich schon intensiver mit der gegebenen Geldordnung befassen. Vor allem mit ihren Fehlstrukturen, die heute das Überwachstum der Geldanlagen und Spekulationen zur Folge haben und damit auch den daraus resultierenden Wachstumszwang. Ohne eine Korrektur der Fehlstrukturen wuchern die Geldvermögen, Schulden und Zinsströme weiter und treiben uns aus einfachen mathematischen Gründen schließlich unausweichlich in den ökologischen und sozialen Kollaps, gleichgültig wo und wofür wir unser Geld auch immer einsetzen. Helmut CreutzViele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern !Die von den Regierungen der NATO-Länder behaupteten humanitären Ziele erweisen sich als glatte Lüge. Schon das Verhältnis von Kriegsausgaben zu zivilen Programmen ist entlarvend: 85 Milliarden Dollar wurden von 2002 bis 2006 für den Militäreinsatz der NATO ausgegeben, für den Wiederaufbau dagegen nur 7,5 Mrd. Dollar (Die Welt, 25.7.07). Und von dem zivilen Zehntel wandert das meiste in die Taschen korrupter Regierungsmitglieder, Sicherheitsspezialisten und Privatisierungsgewinnler.
Der 10.Oktober 1981 wurde zu einem historischen Datum, denn da wurde im Westen Deutschlands mit einem Schlage offenbar, welche bedeutenden Fortschritte die ehedem so obrigkeitsgläubigen und -hörigen Untertanen, Männer wie Frauen, in ihrem emanzipatorischen Prozeß gemacht hatten: Gegen den erklärten Willen aller Autoritäten, nicht nur der Regierung, sondern auch der parlamentarischen Opposition, gegen die öffentliche Meinung in Presse, Funk und Fernsehen, gegen die Weisungen der Zentralen von SPD, DGB und auch der mächtigen Industriegewerkschaft Metall, erst recht gegen den Willen der Kirchenoberen beider christlichen Konfessionen und schließlich auch entgegen aller Warnungen der Polizei, kam die größte je von der Basis her organisierte Massendemonstration der deutschen Geschichte zustande, die Hundertausende in Bonn zusammenströmen ließ. Sie beiendruckte die Weltöffentlichkeit vor allem durch ihre absolute Gewaltlosigkeit, ihre friedlich-heitere Ungezwungenheit die strikte, wenngleich ganz unmilitärische Disziplin sowie durch das immens breite gesellschaftliche und politische Spektrum, das sie repräsentierte. Über Nacht wurde so die westdeutsche Friedensbewegung zu einem Faktor der internationalen Politik, den niemand mehr ignorieren konnte. Die in Erwartung von Chaos und Krawall vollzählig präsenten Medien sorgten überdies dafür, daß die Bevölkerung der BRD und ihrer Nachbarländer diese machtvolle, ohne den geringsten Zwischenfall verlaufene Willensbekundung so zahlreicher, in Sonderzügen und Buskolonnen zusammengeströmter Gegnerinnen und Gegner des Rüstungswahnsinns staunend und überwiegend mit Bewunderung zur Kenntnis nehmen konnte, und schon am Abend dieses denkwürdigen Tages begann in den Zentralen der Parteien, Gewerkschaften und Kirchen das große Umdenken und die eilige Korrektur der jeweiligen Programme. Diese basisdemokratische Bewegung, mal für Frieden und Abrüstung, gegen Giftgasdepots und Tiefflugübungen oder auch gegen kriegerische Aktionen der Großmächte in der sogenannten "Dritten Welt", mal gegen Umweltzerstörung, atomare Gefahren, Rassismus, Ausländefeindlichkeit oder auch für mehr Demokratie, mehr Rechte für benachteiligte Grupppen und für die Abschaffung obrigkeitsstaatlicher und klerikal-konservativer Relikte wie beispielsweise den Paragraphen 218 des Strafgesetzbuches, wurde im Westen Deutschlands in dem auf den 10.Oktober 1981 folgenden Jahrzehnt zu einer aus dem öffentlichen Leben nicht mehr zu verdrängenden Kraft, die zwar bislang noch nicht imstande war, ihre Ziele samt und sonders durchzusetzen, wohl aber viele punktuelle Erfolge erzielen und dem Übermut der Mächtigen deuliche Grenzen ziehen konnte. Vor allem aber wirkte sie zweifellos ermutigend und beispielgebend auf die mutigen basisdemokratischen Gruppen in Ostdeutschlands, die im Herbst 1989 die exakt zweihundert Jahre zuvor proklamierte Volkssouveränität und ihr Recht der Abwählbarkeit einer nicht länger zu ertragenden politischen Führung ausübten. (Quelle - Bernt Engelmann) Die Globalisierungsgegner und die vielen NGOS sind die Fortsetzung dieser basisdemokratischen Geschichte, die hoffentlich in der Auflösung der Macht endet. G.F. Wir wollen Frieden. Wir wollen in einer wirklich und eindeutig menschlichen Welt leben. Wir wollen den Tag erleben, an dem Kriege aufhören und die Freude der Menschen explodiert. Das ist unser Bestreben. Wir glauben, dass es möglich ist...zum Manifest
 Ich gegen meinen Bruder. Ich und mein Bruder gegen unseren Cousin. Ich, mein Bruder und unser Cousin gegen unsere Nachbarn. Wir alle gegen die Fremden. "Beduinen-Sprichwort"
Mayday-Berlin: HOL DIR DEIN LEBEN ZURÜCK! - Der Aufruf für 2007 - - Alles super? - Super-fleißig, super-billig, super-freundlich. Super-kreativ, super-motiviert, super-flexibel - wir sollen uns aufführen, als wollten wir Stars werden, Superstars. Das Leben als Casting-Show. In der Jury sitzen sie, die Dieter Bohlens und Heidi Klums der Gesellschaft: die Personalchefs und SachbearbeiterInnen, die ArbeitsmarktreformerInnen und Wirtschaftsweisen, die ChefredakteurInnen, HochschulrektorInnen, RichterInnen und Polizeipräsidenten. Sie entscheiden, wer rausfliegt und wer weiterkommt. Und weil sie uns täglich eintrichtern, dass nur die eine Chance haben, die ständig alles geben, machen wir den Rest fast von allein. Das schlechte Gewissen, vielleicht nicht alles versucht zu haben, ersetzt den besten Sklaventreiber. Das Hamsterrad dreht sich, wir laufen. Das prekäre Leben winkt uns zu. - Jung, dynamisch, flexibel, gefeuert - „Prekär“ nennen wir ein Leben in materieller Unsicherheit, Existenzangst und Stress. Und prekäre Verhältnisse sind auf dem Vormarsch. Die Überstunden an der Supermarktkasse, die durchgearbeiteten Nächte vorm Computer, die Ungewissheit, wo Arbeit aufhört und Freizeit anfängt. Die unbezahlten Praktika, die 1-Euro-Jobs, die Geldsorgen und 1000 Nöte, in denen wir stecken, sind Teil desselben Problems. Wo freie Zeiteinteilung, Selbstverwirklichung und Eigeninitiative draufsteht, ist meist Arbeitshetze, Ausbeutung und Rechtlosigkeit drin. Im Kapitalismus gehören Prekarität und Arbeit sowieso zusammen. Wer vom Verkauf seiner Arbeitskraft leben muss, kann sich nicht in Sicherheit wiegen. Aber für die Unsicherheit gab es lange Zeit Einschränkungen – zumindest in Deutschland und anderen reichen Ländern der Welt. Dafür sorgten fest geregelte Verhältnisse im Arbeitsleben und sozialstaatliche Institutionen, die ein gewisses Maß an materieller Sicherheit boten. Das galt noch nie für Flüchtlinge und MigrantInnen und für Frauen auch nur mit Abstrichen. Aber Arbeiter, Angestellte und Akademiker mit deutschem Pass mussten sich zumindest keine Sorgen machen vor dem Absturz ins Bodenlose. Das hat sich geändert. - Prekäre Perspektiven - Die alltägliche Ungewissheit ist nicht nur persönliches Lebensgefühl für immer mehr Menschen – sie ist die neue Normalität geworden, an der sich das Leben aller ausrichten soll. Und sie hält nicht nur die unmittelbar Betroffenen auf Trab. Die bloße Angst vorm Abstieg genügt, um auch diejenigen zu Höchstleitung anzuspornen, die noch ein geregeltes Arbeitsverhältnis haben. Als abschreckendes Beispiel dienen die Erwerbslosen, die nach ein oder zwei Jahren Arbeitslosigkeit als unvermittelbar gelten. Der Abbau sozialer Sicherheiten und die Drohung, man sei jederzeit ersetzbar, verschärfen die Konkurrenz untereinander. Erwerbslose werden gegen Beschäftigte in Stellung gebracht, LeiharbeiterInnen gegen Stammbelegschaften ausgespielt, Flüchtlinge und Erwerbslose zu Sündenböcken für den Rest gemacht, zum Blitzableiter für den Frust der Mehrheit. Um sicher zu stellen, dass Flüchtlinge nicht auf der Suche nach einem besseren Leben einreisen, rüstet Europa seine Außengrenzen zu modernen Festungen hoch. Wer es trotzdem schafft, die Grenzen zu überwinden, ist ohne gültige Papiere der Willkür der UnternehmerInnen ausgeliefert. Oder nimmt deutschen Familien die Arbeit im Haushalt und bei der Aufzucht der Kleinen ab – damit Mami und Papi sich voll dem Beruf widmen können… - Wir sind doch keine Aufziehpuppen! - Prekarität ist überall – und überall ein bisschen anders. Aber eines ist klar: Ohne die Prekären läuft hier gar nichts! Abgekoppelt und überflüssig – soll das ein Witz sein? Wie kann ein Mensch überflüssig sein? In diesem Leben werden wir keine Stars mehr. Ist auch nicht nötig, denn wir sind Helden – Heldinnen und Helden des prekären Alltags. Wir wissen, wie man überlebt in Zeiten von Prekarisierung und Hartz IV. Wir jonglieren mit mehreren Jobs, Kindern und Studium. Wir sind erwerbslos und über Fünfzig. Wir sind Hauptschulabgänger ohne Lehrstelle. Wir haben keinen gesicherten Aufenthalt und sind von Abschiebung bedroht. Und wir haben mehr gemeinsam, als man uns glauben macht. - Hol dir dein Leben zurück… - Der Mayday lädt alle ein, nicht länger für sich allein zu bleiben, sondern gemeinsam für ein besseres Leben auf die Straße zu gehen. Von Arbeit muss man leben können – ohne Arbeit auch! Um dem täglichen Konkurrenzkampf und der Vereinzelung zu entgehen, solidarisieren, vernetzen und organisieren wir uns. Dem Ruf nach Selbstausbeutung und permanenter Verwertbarkeit halten wir unsere Forderung nach einem schönen Leben und freier Bildung für alle entgegen! Nationalismus und Rassismus erteilen wir mit der internationalen Mayday-Organisierung eine klare Absage! Am 1. Mai treten wir aus der gesellschaftlichen Unsichtbarkeit heraus und tauschen uns über Ideen und Alternativen gegen die täglichen Zumutungen aus. Wir lassen uns inspirieren vom Beispiel der Flüchtlinge, die vor zwei Jahren auf der Baustelle der Berliner Rathauspassage um ihren Lohn betrogen wurden. Sie haben sich organisiert, den Auftraggeber unter Druck gesetzt und ihr Geld schließlich bekommen. Wir berichten von denjenigen Erwerbslosen, die nur noch in Gruppen ins Jobcenter gehen. Zusammen schaffen sie es, den täglichen Schikanen etwas entgegen zu setzen und sich nicht klein machen zu lassen. Und auch von den SuperheldInnen aus Hamburg werden wir sprechen. Sie haben vor einem Jahr vorgemacht, dass man sich seinen Teil am Reichtum nehmen kann, ohne groß zu fragen. Sie haben die Waren aus einem Luxussupermarkt kurzerhand an die Prekären der Hansestadt umverteilt. - …Solidarität statt Prekarität! - Erst in Italien, inzwischen fast überall in Europa hat sich die Bewegung der Prekären formiert. Vor einem Jahr erreichte sie auch Berlin. Mehr als 6000 zogen auf der ersten Berliner MaydayParade durch Kreuzberg und Neukölln und protestierten gegen die Prekarisierung von Arbeit und Leben. Sie beteiligten sich auf vielfältige und kreative Weise an der Gestaltung des Umzugs und bewiesen so, dass auch in Berlin am 1. Mai neue Formen von Protest und Widerstand nötig und möglich sind. Daran knüpfen wir an. Kommt zur Parade, beteiligt euch, macht Aktionen, lasst euch was einfallen! Kommt am 1. Mai 2007 um 14 Uhr zum Lausitzer Platz in Kreuzberg. Hol dir dein Leben zurück - Solidarität statt Prekarität! Mayday in Berlin! Milano! Malaga! Helsinki! Leon! Hamburg! Hanau! Wien! Copenhagen! Napoli! Liège! …
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