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Geschrieben von: Gerold Flock
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Vorsicht Anarchist! Vorsicht! Sie verlassen gerade den ökonomischen Sektor und befinden Sie sich bereits in der "Autonomen Zone." Diese Page ist nichts für den/die üblichen 08/15 Politiker/in & selbstverständlich ist diese Page nichts für Lügner/innen & die Korruption. - Diese Page ist selbstverständlich auch nichts für konservative Spießbürger/Innen. Diese Page ist der Versuch eines Handbuches mit Theorien & Ideen, für Menschen, die die Welt verändern wollen! - Alles klar? Wer bin ich eigentlich bis jetzt? - Ich selbst definiere mich als kritischer "Übender Freigeist", denn als unabhängiger, autonomer Anarchist, der ich gerne wäre, kann ich mich als "Ökonomischer Gefangener" im realen Kapitalismus, nicht bezeichnen, denn nur meine Gedankenwelt ist einigermaßen frei, obwohl auch dort der kapitalistische Feind, sich Stützpunkte in meinem Kopf, durch Manipulation in meiner Erziehungs-Matrix, Schule, Ausbildung, Medien, Staats- und Parteienpropaganda, Marktschreierei, Werbung, soziales Umfeld usw. usf. schaffen konnte, die ich immer wieder Erkennen und Vernichten, bzw. Eliminieren muß. - Je weniger Stützpunkte also der kapitalistische Feind, in meinem Kopf hat, umso freier mein Geist. Dieser mein Verteidigungsmechanismus beginnt mit einem Nein. Nein zu sagen, innerlich und äußerlich zu allem was ich als "Übender Freigeist" ablehnen muß, um mich selbst, einigermaßen bewußt und kreativ Verwirklichen zu können und somit dann hoffentlich auch der Gesellschaft, oder wie auch immer ich, die heutige verwirrte, Menschheit nennen will, mit der Hoffnung eines lebenslang "Übenden Freigeistes" zu unterstützen?
Don't walk behind me; I may not lead. Don't walk in front of me; I may not follow. Just walk beside me and be my friend. (Albert Camus)
Wir müssen es wagen und lernen wieder wirkliche autonome Individuen zu sein.
..Mahatma Gandhi: "Sei Du die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst." Willkommen auf meiner Baustelle der Anarchie!Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vorneherein ausgeschlossen erscheint." Albert Einstein GeroldFlock.de - Mutant mit Substanz, "Philosoph als Samurai", Übender Freigeist, Wichtiger Informant, Ungültig-Wähler von Verblödungsparteien, Direktor aller Punks, "Superfreak", Guerilla-Pazifist , "Archivar", Verleiher von Stimmungen, Häuptling ohne Macht, Alternativer Querdenker, Geächteter der intellektuellen & politischen Eliten, Zeitzeuge des Zorns, Selbstermächtigter, Erwarter des Unerwarteten, Analytiker der Macht, "Professioneller Amateurphotograph",Sklave des Wachstums, Culture Jammer, Selbstorganisator, Opfer der Umweltzerstörung, Unbequemer Unangepasster, "Postanarchist ohne Fallschirm", Gärtner ohne Grenzen, Autonomer Blogger, Anarcho-Reformator, Beelzebub der Revolte, Gelangweilter-schlecht zu motivierender Arbeitsplatzbesitzer auf der Titanic, Politikwissenschaftler ohne Genehmigung, Antiker- Situationist, Selbstloser Prophet, Visionssucher, Fakir der Koexistenz, "Hardcore-Mindfreak", Beobachter von Beobachtern, Anstifter zum Aufruhr, Naturfreund, Meditierendes Erfahrungstier, Taoist, Solidarischer Jäger im Großstadtdschungel, Freie Lanze, Asketischer Extremist, Chamäleon, Apokalyptischer Zeitzeuge, Verbündeter der Entrechteten, "Atomic" im ausgebeuteten Schlaraffenland, Rebell, Benutzer technischer Oberflächen, Vertreter der extremen fairen Realisten, Agent der Veränderung, Ökonomischer Gefangener, Gläsener Mensch, Empfänger & Sender für Informationen, Pionier der Anstalt-Erde, Kritiker des Verblendungszusammenhangs, Vertikaler Freiheitstheoretiker, Sonderform eines "Trotzdem-Denkenden", Militanter Untertan, Utopischer Sadhu, Engagierter Yogi, Traumfänger, Gut organisierter Dissident, Dandy & Ironiker der selbstgewählten Armut, Eingeweihter auf allen Zauberbergen, Andersdenkendes Phantom, Schrammelgitarrengott, Sternenstaubverkäufer mit Dreiviertelreife, Revolutionärer Widerstandskämpfer & Eremit, Genügsamer Aussenseiter, Basisdemokratischer Anarchist, Parasit der Welt, Humanistischer Überlebensanwärter,Psychohistoriker, Erleuchteter auf eigene Rechnung, Weltenwanderer, Freund der Verfemten, Denker der Entsagung. Botschafter der Transformation des Seins, Nomadischer Zombie in der Egogesellschaft, Lebenskünstler, Troll im Internet, Agent im Netzwerk der Netzwerke, Whistleblower, Entfremdeter Berufs-Evolutionär, Freiheitssucher, Weltverbesserer, Aufständischer Seiltänzer, Wahrsager der Unendlichkeit, Kollaborateur der übermächtigen Umstände, Geist der Epoche, "Kreuzungspunkt der Archetypen", Orthopäde des Geistes, Kapitän aller Leidenden, Kritischer gewöhnlicher Sterblicher, Zeitzeuge der parlamentarischen-verlogenen Laienprediger/Innen, Existenzieller Akrobat, Mitfühlender Skeptiker, Unparteiischer Gedankenbeobachter, Autonomes neuzeitliches Individuum, Psychedelischer Religionsbeobachter, Stadtguerillero, "Zeitreisender User", Bürgerlicher Ausbrecher aus der Gewöhnlichkeit, Kult-Discjockey, Widerstandsexistenzialist, Erfolgreicher-paralysierter Nachtwächter, Meister der Realität, Mysteriöse-Leseratte, Visionär, Entschleunigter Single, Operator der objektiven Ironie der Welt, Lieber-sensibler Cyborg..."Freischaffender Künstler" der sich als "Knecht des Geldes" & kreativer Zeitdieb über Wasser hält! Permanenter Revolutionär und all die anderen Metamorphosen...Da seht Ihr lieben Mitmenschen mal, was man alles "Sein" kann, wenn man sich genügend "Zeit zum Leben" nimmt! Lassen Sie nicht zu! - Daß auf meinem Grabstein steht: "Er starb an der Bürokratie". Freiheit für Absurdistan! An dieser Stelle möchte ich die "Langweiligen" mit einer kriecherischen Verbeugung ehren! - Leben ist Erfahrungen sammeln! Anarchie fickt besser!
Übender ist, wer durch Fehler lernt & sich an ihrer Eleminierung versucht.
...wie "Mensch als Erfahrungstier" weitermacht, wenn einem alles fehlt & einem alles zuviel ist? Es ist dein Leben. Tu was du liebst und tu es oft. Wenn dir etwas nicht gefällt, ändere es. Wenn dir dein Job nicht gefällt, kündige. Solltest du auf der Suche nach der Liebe deines Lebens sein, Lass es; sie wird dich finden,, wenn du anfängst die Dinge zu tun, die du liebst. Hör auf alles zu analysieren, das Leben ist einfacher als es aussieht. Alle Gefühle sind wertvoll, wenn du isst; geniesse jeden Bissen. Öffne dein Herz für neue Menschen und Dinge; Unsere Unterschiede einen uns alle. Reise viel, sich zu verirren wird dir helfen dich zu finden. Manche Gelegenheiten bieten sich nur ein Mal; ergreife sie. Das Leben dreht sich um die Menschen die du triffst und die Dinge die du mit ihnen erschaffst. Also zieh los und erschaffe etwas. Das Leben ist kurz; also lebe deinen Traum und teile deine Leidenschaft.
Ja. Ich weiß meine Ansichten und Einsichten (Gedanken) sind eigentlich für Morgen (POST) Ähm...Also meine Gedanken sind zwar Zeitgemäß, nur ist die Zeit für diese Gedanken noch nicht reif? - Oder der allgemeine Zeitgeist hat sich in antiken kommunistischen, liberalen & kapitalistischen Theorien sozusagen selber ein Beingestellt ...VERHEDDERT, wäre wohl das zeitgemäße Wort...???...Aber wer weiß Heutzutage schon was VERHEDDERT wirklich bedeutet? - Es ist Tatsache. - Mir sind die antiken, anarchistischen Theorien nicht zeitgemäß genug, obwohl ich sie mag & deswegen komme ich immer wieder beim Studieren anarchistischer Theorien zum Postanarchismus. - Ich bezeichne mich also weiterhin als POSTANARCHIST. Meine Sympathie für die Graswurzler und die Syndikalisten der FAU bleibt natürlich bestehen, aber ich denke doch, daß sich die Anarchisten dem Zeitgeist zuwenden sollten und Ihre totale Verweigerung aller Herrschaftsstrukturen, so wie ich es als Postanarchist mache, zwar beibehalte, mich aber dennoch mit Lösungen für den realen Kapitalismus beschäftige und somit befürworte ich natürlich Lösungsansätze wie mehr Direktdemokratie und Mitbestimmung in allen Bereichen für die Menschen, Selbstverwaltung der Arbeit und deswegen befürworte ich noch immer diese korrupten Gewerkschaften...!!!...Weiterhin bin ich dann natürlich für das Verbot von Hedgefonds, für das Verbot von Steueroasen, für die Tobinsteuer, für ein bedingungsloses Grundeinkommen, für Vegetarier, oder wenigstens Fleischkonsum in Maßen, für Migration, gegen Neonazis, für die Stilllegung aller Atomkraftwerke und ich bin ein Gegner von Parteispenden, Parteidiäten und Poltikerpensionen...???...(Provokativ? - Mehr als das, denn Poltiker, die sich Anmaßen Ihre Mitmenschen zu Regieren & denen dann bei einer Krise, die der Reichtum und die Banken verursacht haben, nichts Besseres einfällt, als die arbeitende Bevölkerung auszupressen & die Arbeitslosen zu drangsalieren, gehören demnächst abgeschafft!!!) - , Korrupte Bürokratie und Beamtenapparat!!! usw. usf. - Und ich sag das auch offen, nur mit dem Unterschied, daß ich mich als Postanarchist nicht unbedingt einer Organisation zugeselle, sondern im Großen und Ganzen mache was ich will, denn Parteien und Nichtregierungsorganisationen gibt es schon genügend und mich gar nicht mal soviel ins politische und bürokratische, korrupte Geschehen einmische. - Ich sehe mich eher als Unterwanderer dieses Herrschaftssystems, indem ich selbst schon versuche andauernd revolutionär und anders zu Leben und mich so in meiner gesamten Art zu Leben, schon vollkommen vom Ottonormalkonsumenten unterscheide. Mein NEIN, ist also nicht nur ein NEIN, sondern mein ganzes Wesen lebt schon dieses NEIN und das nimmt auch jeder Spießer und jeder Parteifuzzi und jeder Kapitalist wahr, ich bin in meinem ganzen SEIN schon eine Verneinung und zwar eine positive Verneinung, dieser kranken, korrupten, kapitalistischen, neoliberalen Ellebogengesellschaft und ihrer korrupten Bürokratie und ihrer korrupten Parteien und ihrer bewaffneten Polizei und ihrer Kriegsbundeswehr, daß wenn Untertanengeist und Herrschaftsgeilheit mich sieht schon keine SCHUBLADE mehr für mich übrig hat, in die mich Staatsbefürworter und Spießbürger stecken können und das reicht erstmal vollkommen. - Denke ich. Sozialismus? - Liberalismus? - Direktdemokratische Nichtregierungsorganisationen, wie z.B. Attac, Antiatomkraftgegner, Gewerkschaften, Umweltschützer, Geld- & Bodenreformer, Grundeinkommenbefürworter, Friedeninitiativen, Antifaschisten, Kulturkreative, Menschenrechtsorganisationen usw. und in neuerer Zeit auch Occupy (Empört Euch), alle berufen sich im Grunde doch immer wieder, trotz aller Protest- und Widerstandskultur auf den Staat und somit auf die Kriegsmaschine und die Macht. Aber der Staat und besonders der sogenannte Sozialstaat nimmt Euch die Freiheit, so zu Leben wie Ihr es wollt. Weil der Sozialstaat und seine Befürworter so tun, als würden sie für Euch sorgen wollen, Euch aber im Grunde schon immer und auch in Zukunft an den Kapitalismus verkaufen und Euch zu eingelullten Schafen machen wollen! - Ja. Das will der Sozialstaat und der Sozialismus.. . So tun, als würde Papi-Sozialstaat für Euch sorgen, indem Euch Sozialstaat ausnimmt wie die Weihnachtsgänse und Euch knechtet, ohne daß Ihr es mitbekommt und die Herrschenden sich eben auf Kosten von Euch fette Diäten und Pensionen gönnen und den Reichtum bedient. So war es und so hat es der Sozialstaat immer gemacht und so wird Euch der Sozialstaat und der Sozialismus, übrigens auch der neoliberale Liberalismus - Versklaven und Ausbeuten bis zum Nimmerleinstag!!! - Selbstermächtigung? Klar. Wir sollten uns Selbstermächtigen und unser Endziel sollte eine selbstverwaltete Gesellschaft ohne Herrschaftsstrukturen sein und so sollten wir auch versuchen zu Leben. Täglich so zu tun, als wären SIE die korrupten Politiker, Beamten, Spießbürger, Untertanen, und die Kapitalisten gar nicht da und wenn sie mich doch mal blöd von der Seite anquatschen, dann Unterhalten sie sich mit einer MAUER. Jedoch ...NICHT MIT MIR! - Jedenfalls lasse ich sie Auflaufen und zwar so, daß sie es nicht mal merken! Was noch? - Libertäre Grüße! Gerold P.s. Übrigens: Es gibt außer Facebook ,im wirklichen Leben tatsächlich Menschen, mit denen "mensch" sich Austauschen kann. - Mensch muß es nur wagen! in: springerin. Hefte für Gegenwartskunst, Band XVII, Heft 2, Frühjahr 2011, Wien, S. 77. Duane Rouselle/ Süreyyya Evren (Hg.): Post-Anarchism. A Reader. New York: Pluto Press 2011. Text: Jens Kastner Im deutschsprachigen Raum ist der Postanarchismus weitgehend unbekannt. Oder unbeliebt. Bernd Drücke, koordinierender Redakteur der größten anarchistischen Monatszeitung Deutschlands, graswurzelrevolution, hielt den Begriff 2007 noch „für problematisch.“ Das erste, woran man dabei denke, witzelte er im Interview mit der Wochenzeitung Jungle World, seien „vielleicht Anarchisten, die sich bei der Telekom organisiert haben.“ Die Herausgeberinnen des Buches „Post-Anarchism. A Reader“ hingegen meinen, der Postanarchismus sei in den Debatten radikaler Intellektueller der letzten zehn Jahre von großer Wichtigkeit gewesen. Das Präfix „Post“ beschreibt bei diesem wie bei anderen Begriffen neben Kontinuitäten immer auch Brüche. Das macht ihn umstritten und für AnarchistInnen ohne Vorsilbe wie Drücke eben lästig. Dabei ist auch der Postanarchismus wie seine arbeiterbewegten Vorläufer im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts und wie der Neoanarchismus um 1968 ein Phänomen zwischen Theorieproduktion und sozialer Bewegung. So wie der Anarchismus als radikalisierende Synthese von Liberalismus und Sozialismus in der Theorie entstand, wurde auch der Postanarchismus etwa aus der Frage entwickelt, ob die politische Theorie des Poststrukturalismus anarchistisch sei. Gestellt hatte sie der US-amerikanische Philosoph Todd May bereits 1989 in einem Aufsatz, der sich jetzt auch im Reader befindet. Seine Antwort lautete Ja. Der Poststrukturalismus sei im Grunde noch anarchistischer als der traditionelle, an der Aufklärung orientierte Anarchismus, denn er nehme dessen zentrale Botschaft weitaus ernster: „the refusal of representation by political or conceptual means in order to achieve self-determination [...].“ (44) Die Verknüpfungen, die von May und Saul Newman, ebenfalls im Band, zwischen dem Anarchismus und Jacques Lacan, Michel Foucault, Gilles Deleuze und Jean-Francois Lyotard hergestellt wurden, waren sicherlich wegweisend. Dass sich aber die Bezeichnungen „poststrukturalistischer“ oder „postmoderner Anarchismus“ nicht durchsetzen konnten, ist dennoch konsequent. Denn der Anarchismus, darauf weist Tadzio Mueller in seinem Beitrag hin, war immer schon nicht allein Gedachtes und Geschriebenes, sondern neben Theorie auch Praxis. Gleiches gilt für den Postanarchismus. So wie der Anarchismus aus sozialen Kämpfen heraus entstanden ist, so haben sich auch postanarchistische Strömungen in sozialen Bewegungen entwickelt. Einer der wichtigsten Kontexte war in dieser Hinsicht in den letzten fünfzehn Jahren die Globalisierungskritik. Über die Ausmaße der gegenseitigen Bezugnahmen allerdings gehen die Meinungen auch innerhalb des Buches weit auseinander: Während Herausgeber Süreyyya Evren den (Post-)Anarchismus etwas überschwänglich als „defining orientation of prominent activist networks“ (2) beschreibt, hält Sandra Jeppesen diesen Zusammenhang überhaupt für überinterpretiert: Anarchismus heute sei nicht auf die globalisierungskritische Bewegung zu beschränken, spiele in dieser keine zentrale Rolle und sei ohnehin nicht aus ihr entstanden. Anarchistische Kritik ziele weder auf die Beteiligung an Entscheidungsprozessen etwa bei Freihandelsverträgen oder Maßnahmen des IWF, noch ginge es um Forderung an staatliche Instanzen. Zentraler Angelpunkt anarchistischer Praxis sei heute wie damals die „direkte Aktion“, und diese sei schließlich „not a form of protest, it is a way of life.“ (156) Richard J.F. Day nennt dies „politics of the act“ im Gegensatz zu „politics of demand“ (107). Day allerdings sieht solche Politiken – wie schon in seinem Buch „Gramsci is dead“ (2005) – durchaus innerhalb der Kämpfe gegen die neoliberale Ideologie und für globale Gerechtigkeit am Werk. Er beschreibt sie als „non-hegemonic struggles“ (113). Diese zielten nicht darauf, neue Hegemonien zu erringen, sondern der gegenwärtigen neoliberal-kapitalistischen Dominanz andere, auf einer „logic of affinity“ beruhenden Beziehungen entgegenzusetzen. Diese Idee geht nicht zuletzt auf Gustav Landauer (1870–1919) zurück. Der Räte-Anarchist hatte den Staat als Verhältnis beschrieben, das weniger frontal zu bekämpfen, als vielmehr vor allem durch andere Beziehungen zu untergraben bzw. zu ersetzen sei. Während Day sonst, wie Newman und May, zu denjenigen gehört, die für den Traditionsanarchismus starken Erneuerungsbedarf anmelden, zeigt das Anknüpfen an Landauer aber auch, wie fließend die Grenzen zwischen altem und neuestem Anarchismus tatsächlich sind. Zum Postanarchismus gehört schließlich auch die Re-Lektüre der Klassiker. Im Band liest Hilton Bertalan die Schriften von Emma Goldman (1869–1940) neu und stellt fest: Sie griff nicht auf Vorstellungen der Natur des Menschen zurück, zielte nicht auf die Befreiung eines universellen Selbst und weitete die Analyse der Herrschaft von Klassen- auf Geschlechter- und Alltagsbeziehungen aus. War also schon Goldman Postanarchistin? In mancherlei Hinsicht nahm sie damit tatsächlich dem Denken von Michel Foucault, Judith Butler und Gloria Anzaldúa einiges vorweg. Die Begeisterung über die visionären Gedanken der anarchistischen Vordenkerin wird allerdings dadurch getrübt, dass der Autor kein Wort zu den Unterschieden verliert, die offenkundig zwischen Goldman und den verglichenen, poststrukturalistischen Ansätzen bestehen. Diese Differenzen zu erwähnen, wäre nicht nur aus Gründen wissenschaftlicher Redlichkeit, sondern auch dafür wichtig, wesentliche Desiderata der anarchistischen Diskussion benennen und schließlich bearbeiten zu können. Historisierendes und genealogisches Denken (wie bei Foucault) findet sich nämlich im Anarchismus ebenso wenig wie ein theoretisches Verständnis performativer sozialer Effekte (wie bei Butler) und eine systematische Konzeptualisierung der Verknüpfung von Geschlechterhierarchien und ethnischer Klassifizierung (wie bei Anzaldúa). Um die Verbindung solcher Fragen mit einer antiautoritären, libertären Perspektive geht es postanarchistischem Denken und Handeln schließlich auch. Der Band dokumentiert insofern vor allem zweierlei: dass aus den Reihen der viel geschmähten Libertären zeitgemäße und bewegungsnahe Theorieproduktion hervorgeht und dass diese sich, entgegen der anti-postmodernen Haltung in der graswurzelrevolution oder auch unter prominenten Anarchisten wie Noam Chomsky, durchaus mit poststrukturalistischen Ansätzen verträgt. www.antifaschismus2.de/ Diese Website enthält Antifaschistische Nachrichten, Informationen über Neofaschismus im WEB 2.0 sowie Hintergründe, Vernetzungen und Verbindungen ...Kunst war ein Traum, der unnötig geworden ist." "Ich verbringe meine Zeit ganz leicht, doch ich wüßte nicht, wie ich Ihnen sagen soll, was ich tue...ich bin ein Atmer." Marcel Duchamp Die Macht ist ihrem Wissen nach das, was unterdrückt, das, was die Natur, die Triebe, eine Klasse, Individuen unterdrückt. Man findet diese wiederkäuende Defintion der Macht als das, was unterdrückt, im zeitgenössischen Diskurs, doch ohne dass dies letztlich eine Erfindung des zeitgenössischen Diskurses ist. Wenn die Macht bereits in sich selbst die Einsetzung und Entfaltung eines Kräfteverhältnisses ist, muss man sie dann nicht, anstatt sie in Ausdrücken wie Abtretung, Vertrag, Veräußerung zu analysieren, und anstatt sie gar in der funktionalen Terminologie einer Verlängerung der Produktionsverhältnisse zu analysieren, zuerst und vor allem in einer Terminologie von Kampf, Konfrontation und Krieg analysieren? Man hätte damit gegenüber der ersten Hypothese welche besagt: Der Menchanismus der Macht ist grundsätzlich und wesentlich die Unterdrückung, eine zweite Hypothese, und die würde besagen: DIE MACHT IST DER KRIEG, ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Und man würde so in diesem Moment den Satz von Clausewitz umkehren und würde behaupten, die POLITIK sei die Fortsetzung des KRIEGES mit anderen Mitteln. Michel Foucault
<Spiele das Spiel. Gefährde die Arbeit noch mehr. Such die Gegenüberstellung. Aber sei absichtslos. Vermeide die Hintergedanken. Verschweige nichts. Sei weich und stark. Sei schlau, lass dich ein und verachte den Sieg. Beobachte nicht, prüfe nicht, sondern bleib geistesgegenwärtig bereit für die Zeichen. Sei erschütterbar. Zeig deine Augen, winke die anderen in die Tiefe. Sorge für den Raum und betrachte jeden in seinem Bild. Entscheide nur begeistert. Scheitere ruhig. Vor allem hab Zeit und nehme Umwege. Lass dich ablenken, mach sozusagen Urlaub. Übersehe keinen Baum und kein Wasser. Kehr ein, wo du Lust hast und gönn dir die Sonne. Vergiss die Angehörigen, bestärke die Unbekannten, bücke dich nach Nebensachen, kehre ein in die Menschenleere, pfeif auf das Schicksalsdrama, missachte das Unglück, zerlach den Konflikt. Bewege dich in deinen Eigenfarben, bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süss wird. Geh über die Dörfer. Ich komme dir nach. Bewege dich in deinen Eigenfarben, bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süss wird.> (Peter Handke) Gleichheit und Repräsentation. Der Sozialpakt, auf dem die modernen Demokratien basieren, wird zwischen vorgeblich homogenen und gleichgestellten Individuen geschlossen, die Wahlmehrheiten konstituieren, um sich auf Grundlage des Repräsentationsprinzips zu regieren. Homogenität und Gleichheit sind jedoch reine Illusionen. Sie werden gewaltsam aufgezwungen, schaffen lediglich Ungleichheit und fördern Privilegien. Was die Wahlmehrheiten angeht, sind sie nichts als ein fiktives Ganzes von vermeintlich vernünftigen Individuen. Das System basiert auf dem Mythos, daß dieses Ganze das rationale Interesse jedes einzelnen ausdrücken und durch die Wahlstimme in eine politische Form gebracht werden kann. Daß also die Individuen mittels der statistischen Auseinanderreihung in der Lage wären, die Ergebnisse der politischen Aktion zu bestimmen. Es ist ein System, das überall zur Quelle von Korruption und Mißregierung geworden ist, den unheilbaren Krankheiten der sogenannten demokratischen Gesellschaften. Wir sind Personen, Knoten von konkrten Beziehungsgeflechten. Wir wollen es nicht nur bleiben (der Mensch kann gar nichts anderes sein), sondern auch die Gesellschaft auf eine Weise aufbauen, damit wir so behandelt werden können, wie wir sind, und nicht als Individuen und Massen. Der personalisierte Umgang ist die übliche Beziehung unter den !armen" in ihren eigenen Zusammenhängen, in den Gemeinschaften und Stadtvierteln: Juan ist dieser singuläre und einzigartige Mensch, Träger eines konkreten Beziehungsgeflechts, das ihn definiert. Und in seinem Raum wird er immer als der anerkannt und behandelt, der er ist. In den modernen Demokratien besitzen nur die Superreichen dieses Privileg. "Treten Sie doch bitte ein, Herr Rockefeller", sagt der Bankdirektor, während er die anderen in die Schlange verweist. Der Zapatismus fordert für alle diese Art der sozialen Beziehung. Wir sind weder homogen und noch viel weniger gleich. Wir sind hetoregen und unterschiedlich. Die Illusion der Gleichheit ist zu einem Volksvorurteil und zur kontinuierlichen Quelle von unrechtmäßigen Privilegien und Ungleichheit geworden. auch wenn sie als Ideal in Gesellschaften verbreitet ist, in der alle wirklichen Männer und Frauen entwurzelt worden sind und keine konkreten soziale Gefüge mehr besitzen, die sie vor den Mißbräuchen der Macht schützen. Gegenüber diesen Täuschungen geht der Zapatismus von der Anerkennung der Vielfältigkeit aus und fordert die Macht des Volkes. Wir sind unterschiedlich und wollen es auch bleiben. Um in Harmonie koexistieren zu können, verlangen wir die Achtung aller Personen, Völker und Kulturen auf Grundlage unserer Vielfältigkeit. Und wir wollen uns selbst regieren; das Volk soll seine Macht ausüben, um seine kollektiven Probleme zu lösen. Anstatt diese Macht auf den Markt oder den Staat zu übertragen, unter der Annahme, daß seine Vermittlung unumgänglich ist, und sich später über das Durcheinander zu beklagen, das sein Bürokratismus, seine Gefräßigkeit und Korruption verursacht, wollen wir uns von der sozialen Basis aus neu konstituieren, in politischen Körpern, in denen das Volk seine Macht ausüben kann. Gewisse beschränkte Funktionen, die nicht von diesen politischen Körpern getragen werden können, würden neuen Institutionen übertragen werden, in denen das Prinzip des gehorchenden Befehlens angewandt werden kann und nicht das der Repräsentation. Davon handelt der Zapatismus. (Subcommandante Marcos) Ich mach mal ausnahmsweise Kinowerbung. Also wenn Ihr die Möglichkeit habt, Euch den Film anzukucken, dann werdet Ihr danach die Welt mit anderen Farben sehen. Ziemlich surreal und abgefahren. www.matre-filmproduktion.de/filmografie_ia.php
Film- und BuchtippsAutorenfilmImpressumLinks · Startseite :: Vita :: Filmografie :: Rezensionen ... DIE BESTE ALLER MÖGLICHEN WELTEN – EIN NACHRUF. Online-Premiere des Filmkunstwerks "Problema" Frei im Netz: Der neue Film von Ralf Schmerberg Manipulation zu Schuld und Sühne Die Manipulation beginnt im Alltag der zwischenmenschlichen Beziehungen. Anderen wird ein schlechtes Gewissen gemacht durch die Fiktion, sie seien an etwas schuld und müßten einen Ausgleich schaffen. Auch im Wirtschaftsleben gibt es perfide Tricks, um finanzielle Vorteile zu erringen. Wir sind konditioniert, programmiert und reagieren emotional; wir funktionieren dank unseres Stammhirnes, auch Reptiliengehirn genannt, berechenbar. Wer sich dem entzieht, wird gemobbt, bis er wieder klein bei gibt. Menschen, die ihrem Bewußtsein folgen, brauchen das alles nicht. Sie sind schuldenfreie Außenseiter. Daher wird das Erwachen Einzelner mit großer Energie behindert. Die Ergüsse des Verstandes verschleiern alles so kompliziert, daß ein Leben für die Schuldsklaven nicht ausreicht, um sich aus der Schuldfalle herauszuwinden. Hans Kolpak Deutsche ZivilGesellschaft ...und hier noch 3 wichtige Links! - Frank Kopperschläger, Gai Dao & Oya. [改道] (gǎidào – einen anderen Weg gehen) Wir müssen erstmal vor allem unseren Lebensinhalt auf revolutionäre Weise verändern und erst nachgeordnet unseren Kampf auf welthistorische Veränderungen ausrichten, die wir selber womöglich gar nicht mehr erleben werden. So vermeiden wir das Gefühl der Wertlosigkeit und Entfremdung, das entsteht, wenn man meint, man müsse sich für die Sache aufopfern. Statt dessen können wir die Früchte unserer Arbeit genießen...in dieser Arbeit selber. URI GORDON - Hier und Jetzt - Anarchistische Praxis und Theorie - Seite 65. Angst haben und trotzdem weiter gehen. Zweifeln und trotzdem vertrauen. Verletzt sein und trotzdem vergeben. Anderer Meinung sein und trotzdem verstehen. Unterschiedlich sein und sich trotzdem akzeptieren. Abgelehnt werden und trotzdem zu sich stehen. Hindernisse erkennen und trotzdem nach Lösungen streben. Fallen und trotzdem an sich glauben. Geben und sich trotzdem nicht vergessen. Scheitern und sich trotzdem nicht aufgeben. Allein sein und sich trotzdem lieben. |  | - 6 Min. - 28. Sept. 2009 - Hochgeladen von DianTheSaintNoch immer denken die meisten Menschen bei " Anarchie" an Chaos und blinde Zerstörungswut. Dass Anarchie in Wahrheit etwas ...www.youtube.com/watch?v=47z9fTESM1k |
Als der kapitalistische Krieg endlich vorbei war... Der Reichtum und seine Gefährten Der Hass, der Tod, die Macht, die Gier, der Neid, die Lügen, die Zwietracht, die Rechthaberei, der Hochmut, der Egoismus, der Neoliberalismus, der Parlamentarismus, der Fanatismus, der Terrorismus, der Religionswahn, die falschen Götter, die Scheinheiligkeit, die Bosheit, der Faschismus, die Korruption, die Überheblichkeit, die Falschheit, die Sklaventreiber und Ausbeuter, die Bankiers und Spekulanten, elend verreckt sind. Die Wut verweht und die Wahrheit und die Hoffnung wieder erwachte. Als der Frieden, die Freude und die Freiheit, Freunde suchte... Die Künstler die Farben und Pinsel auspackten. Die Musiker die Instrumente. Klopften und läuteten sie dort, wo die Liebe wohnt. Einer der Überlebenden..Es dient der Welt nicht, wenn Du Dich klein machst!
*Ehrlichkeit ist die Schönste aller vergessenen Künste!* (M.Twain)
„Öffne dich und fließe mein Freund. Fließe in der totalen Offenheit des lebendigen Moments. Wenn nichts in dir starr ist, lösen äußere Dinge sich von selbst. In Bewegung: Sei wie Wasser. In Stille: Sei wie ein Spiegel."
„Der Anarchismus ist nicht eine Utopie, die endgültig Gestalt angenommen hat. Der Anarchismus ist eine Bewegung, die sich in unaufhörlicher Entwicklung befindet und die heute wie gestern die Fähigkeit besitzt, neue Formen anzunehmen, (...) alle neuen Tatsachen zu verstehen und zu akzeptieren“Anarchie. Federcia Montseny
Erdbeben, Tsunami und drohende Atomkatastrophe in Japan Fassungslosigkeit anhand der Naturkatastrophen, aber auch Wut anhand der selbstgemachten drohenden atomaren Katastrophe, die weltweit Konsequenzen hat und bei anderen AKWs jederzeit drohen kann. Daher alle Atomanlagen stilllegen - sofort! Die Atomwirtschaft und die sie unterstützenden Banken und Unternehmen sowie die verharmlosenden Medien und PolitikerInnen abschalten! Aber auch Atomwaffen abschaffen - sofort! Informiert euch, beteiligt euch an Aktionen und Demonstrationen, werdet aktiv! Wenn nicht jetzt, wann dann! Gegen die Spaltung von Mensch und Atom - Für die soziale Revolution! | |  | Es ist unsere kleine Welt - wir haben nur „die Eine“ Es liegt an uns, sie für unsere Kinder zu bewahren. |
Frieden ist der Dialog und die Mitmenschlichkeit ."Die Umgestaltung der Welt im befreienden, emazipatorischen Sinn kann nur von unten und dezentral vor sich gehen. Anders zu denken, ist Pseudo-Universalismus und politischer Formalismus". Selbstverantwortung? Leid ist etwas, daß zu den Bedingungen des Menschseins gehört. Man kann das Leid nicht mit Patentrezepten beseitigen. Der Schmerz muß akzeptiert werden. Auf die innere Stimme sollte man hören können. ...ich ganz tief in meinem Innern mein eigener Freund sein zu können und die Fähigkeit über sich selbst zu lachen. (Arno Gruen) www.wri-irg.org/node/11934
 Offizielle Website zum Film 'Let's make MONEY' von Erwin Wagenhofer. www.letsmakemoney.at/ Eines Tages allerdings formierte sich Zweifel. Viele behaupteten, es sei das Umweltbewußtsein gewesen, das diese goldene Zeit des MEHR beendete. Andere sagen, Sterne hätten in ungünstiger Konstellation den Gott MEHR vertrieben. Wieder andere sagten, es seien die Ungläubigen gewesen, die zwar in geringer Anzahl, aber doch in unnach- giebiger Weise die Segnungen des MEHR angezweifelt hätten, bis es zu Fall kam. Tatsache aber ist: Als das MEHR nicht mehr ständig mehr wurde, versank die Welt in einer schweren Sinnkrise, und Kummer und Sorgen verbreiteten sich. Lange noch versuchten staatliche Instutionen mit Durchhalte- parolen und Stützkäufen das MEHR künstlich zu erhalten. Denn das MEHR, das war allen klar, war ja nur eine Glaubens- sache, eine Gottheit, eine Einbildung ohne realen Bezug, die man auch wieder beleben könnte, wenn man nur daran glauben würde. Oder wie es gewiefte Werber formulierten: "Das MEHR beginnt im Kopf." Die letzten Erdölreserven wurden ausgeschöpft, die armen Länder noch ein letztes Mal ausgebeutet und die Natur geschunden, um das MEHR zu bewegen, wieder zurück zu kommen. Doch es kam nicht mehr. Das MEHR war vorbei. Es war GENUG. Die weltweite Angst Die, die arbeiten, haben Angst ihre Arbeit zu verlieren, Die, die nicht arbeiten, haben Angst, niemals Arbeit zu finden. Wer keine Angst vor dem Hunger hat, hat Angst vor dem Essen. Die Autofahrer haben Angst vor dem Zufußgehen, und die Fußgänger haben Angst davor, überfahren zu werden. Die Demokratie hat Angst vor dem erinnern, und die Sprache hat Angst davor zu sprechen. Die Bürger haben Angst vor den Militärs, die Militärs haben Angst davor nicht genügend Waffen zu bekommen, und die Waffen haben Angst, dass es nicht genügend Kriege geben könnte. Dies sind Zeiten der Angst. Angst der Frauen vor der Gewalt, der Männer und Angst der Männer vor den Frauen ohne Angst. Angst vor den Dieben, Angst vor der Polizei, Angst vor der Tür ohne Schloss, vor der Zeit ohne Uhr, dem Kind ohne Fernsehgerät, Angst vor der Nacht ohne Schlaftabl- ten und vor dem Tag ohne Wachmacher. Angst vor der Menge, Angst vor der Einsamkeit, Angst vor dem, was war und dem, was werden mag, Angst vor dem Ster- ben, Angst vor dem Leben. Eduardo Galeano (Quelle: Das Buch - Die Füße nach oben - Zustand und Zukunft einer verkehrten Welt.
Kriege & Konflikte entstehen immer, wenn Menschen nicht mehr miteinander Reden können. - Ihr wolltet uns nie Zuhören & nie mit uns Reden. . Ihr verlogenen, korrupten, parlamentarischen Faker.- Jetztz wollen wir nicht mehr!
Anarchismus? - Anarchismus verstehe ich hierbei als eine Idee, die eine Gesellschaft ohne Herrschaft anstrebt. Das gesellschaftliche Zusammenleben soll nach anarchistischen Ideen selbstverwaltet und nach freiem Ermessen des Einzelnen organisiert werden. Entgegen allgemeiner Annahmen und der alltäglichen Verwendung des Begriffs sieht der Anarchismus eine gesellschaftliche Ordnung vor. Gleich vorweg! Nur weil ich kein Millionär bin, bedeutet das nicht, das meine Aufklärungsversuche weniger wert, oder schlechter wären als die Eurer Konzernpresse! - Eher ehrlicher & mehr Lösungen sind hier gesammelt. Pressekonzerne bieten wohl kaum Lösungen für das Finanzdesaster, oder alternatives Leben usw. an. Warum? Pressekonzernchefs werden reich durch die Spekulations- und Zinswirtschaft!
Lesen Sie erstmal weiter, bevor Sie Ihr Laptop auf den Müll schmeissen!
Steter Tropfen höhlt den Stein. - Wer glaubt, er wäre zu klein, um einen Unterschied zu machen, hat noch nie eine Nacht mit einem Mosquito verbracht.!
Sicherheit?Dieses Leben wird nie ein sicherer Ort sein. So sehr wir uns das auch wünschen. Sicherheit ist nicht die Mustersprache des Lebens. Das Leben ist stetiger Wandel, stetiges Wachsen und Vergehen - nichts bleibt, wie es ist. Unsere wissenschaftlichen Konzepte und gesellschaftlich verankerten Vorsichten können uns da nicht weiterhelfen. Unser rationales Denken ist hilfreich,aber in individuell isolierter Form nicht umfassend genug. Es ist weder flexibel noch fließend genug,um Antworten zu finden in einer Welt, die so komplex vernetzt ist wie die unsere. Wir können diese Welt in unserem Kopf allein nicht fassen. Wir müssen Fähigkeiten verfeinern, die wirlange vernachlässigt haben: Einfühlungsvermögen und Intution. Wir brauchen die Weisheit undgesunde Bescheidenheit, uns wieder als Teil eines größeren Ganzen zu begreifen.Kosha Anja Joubert (Aus dem Buch - Die Kraft der kollektiven Weisheit)
Der neue Archivar kündigt an, daß er sich mit nichts anderem beschäftigen will als mit Aussagen. Frei beweglich wird er sich in einer Art von Diagonalen einrichten, die sichtbar macht, was bislang weder zu sehen noch zu hören war, eben genau die Aussagen. Im Bereich der Aussagen gibt es weder Mögliches noch Virituelles; alles ist hier real, und jede Realität ist manifest: das allein zählt, was formuliert worden ist, da, in dem und dem Moment, mit bestimmten Lücken und weißen Stellen. Gilles Deleuze über Michel Foucault Kritisches Denken! - Das kritische Denken ist die einzige Waffe und Abwehr, die der Mensch gegen die Gefahren im Leben zur Verfügung hat. Wer nicht kritisch denken kann, ist in Wirklichkeit allen Einflüssen, Suggestionen, allen Irrtümern und Lügen ausgesetzt, die verbreitet werden und mit denen er vom ersten Tag an indoktriniert wird. Man vermag nicht frei sein, sich selbst bestimmen und sein Zentrum in sich selbst finden, wenn man nicht kritisch denken und in einem gewissen Sinne auch zynisch sein kann. (Erich Fromm)
Nur 5 Prozent des weltweiten Militärbudgets würden ausreichen um die gesamte Menschheit mit Nahrung, Wasser, medizinischer Betreuung und Grundausbildung zu versorgen. - Das kapitalistische Europa beteiligt sich weiterhin und an führender Stelle an der Beherrschung und der Ausbeutung der Dritten Welt. Krieg ist zu einem selbstverständlichen Mittel der deutschen Außenpolitik geworden. Krieg darf kein Mittel der Politik sein! Krieg und Gewalt verschärfen Probleme. Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Krieg ist organisierter Massenmord. Krieg schafft die Voraussetzungen für neue Kriege und neue Gewalt. Dieser gefährlichen Dynamik müssen wir uns entgegenstellen, indem wir uns für Abrüstung, Entmilitarisierung, gewaltfreie Konfliktlösung und die Beseitigung aller Kriegsursachen einsetzen Wir treten ein für: - Rückzug der Bundeswehr von allen Auslandseinsätzen - Austritt aus der NATO -Abzug der Besatzungsmächte aus Irak und Afghanistan; - Abschaffung aller Kriegs- und Zwangsdienste - Ende der Verfolgung von Kriegsdienstverweigerern - Geld für Konversionsprojekte statt Rüstungsausgaben - zivile Nutzung von Militäranlagen und Rüstungsfabriken (Rüstungskonversion) - Beendigung aller Waffenexporte - Abschaffung aller Atomwaffen, auch der in Büchel (Eifel) stationierten Atombomben - Stilllegung aller Atomkraftwerke - Abkehr vom Öl zugunsten erneuerbarer Energien - eine Lebens- und Produktionsweise, die mit deutlich weniger Energie auskommt; Klimapolitik ist Friedenspolitik! - Sicherung und Verteidigung sozialer und politischer Errungenschaften und damit gegen Polizeigewalt, Sozialabbau, Überwachungsstaat und Bundeswehreinsatz im Innern. - eine gerechte Weltwirtschaftsordnung. Graswurzelrevolution ausgabe april 2011/358 Klick hier und erfahre, was Du tun kannst.Die von der VENRO e.V. in Deutschland getragene Aktion ist Bestandteil einer weltweiten Aktion gegen Armut. Es werden die genauen Positionen und Ziele ...www.deine-stimme-gegen-armut.de/ (...) Und angesichts dieses Gefühls Segensworte zu sprechen für die Profite und Propheten der Wahrheit, für die Befreier und Märtyrer der Wahrheit, für die Voltaires, Galileos und Principias der Wahrheit, für die Gutenbergs, Marconis und Internets der Wahrheit, für die Serienmörder der Täuschung, jene brutalen, getriebenen und besessenen Bergleute der Wirklichkeit, die jedes vermoderte Gebäude zerschmettern, zerschmettern, zerschmettern, bis alles in Ruinen liegt, für die Saat des Neuen. Der gebürtige Australier versteht sich Hofmanns Recherche zufolge vielmehr als Teil der Bewegung der Krypto-Anarchisten, die sich dem Widerstand gegen autoritäre Strukturen verschrieben haben. Die von Hackern entwickelte krypto-anarchistische Philosophie unterstellt Staaten neben einer systemimmanenten Geheimniskrämerei zugleich die Absicht, die Kommunikation ihrer Bürger möglichst vollständig überwachen zu wollen – was die gegenwärtig wieder aufgeflammte Debatte um die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland eindrucksvoll belegt. In seinem Manifest kehrt Assange die Verhältnisse um: Nicht die Bürger sind zu Transparenz verpflichtet, sondern die Regierungen stehen dem Bürger gegenüber in der Verantwortung. Tatsächlich aber verhalten sich die Regierungen wie Verschwörer, die mit allen Mitteln der Geheimhaltung Machtstrukturen etablieren, um absolute Kontrolle über die Bürger zu gewinnen. Die krypto-anarchistische Strategie gegen den Machtmissbrauch derartiger staatlicher »Verschwörungen« besteht darin, das Netz der kommunikativen Kanäle zwischen den einzelnen Verschwörern so zu schwächen, dass die Funktion des Gesamtsystems nicht mehr gewährleistet ist. Etwa durch die Enthüllung von Regierungsgeheimnissen sollen die staatlichen »Verschwörer« derart verunsichert werden, dass sie ihre interne Kommunikation minimieren oder sogar ganz einstellen müssen. – Im Fall der internen Datenbank des amerikanischen Außenministeriums, so Niklas Hofmann, habe dieser Plan bereits funktioniert: Der Zugang zu diesem Netz wurde nach der jüngsten WikiLeaks-Veröffentlichungswelle stark eingeschränkt – ob deswegen nun weniger Geheimes geschieht, sei dahingestellt. "News(Julian Assange) «Wenn wir die Rechte der Natur verteidigen, dann verteidigen wir auch die Menschenrechte.» Evo Morales Das anarchische Element, der Ort des Widerstands ist heute das Internet. Allerdings: Da dort jeder und jede irgendeinen Quatsch als "Nachricht" einstellen kann, ist es mindestens ebenso schwierig wie in den konventionellen Medien, Relevantes von Irrelevantem, Aufhebenswertes von Belanglosem, Richtiges von Falschem zu unterscheiden. Wir haben also nicht nur das Problem des sog. "digital divide", also des sozial ungleich verteilten Zugangs zu diesem Medium, sondern auch die Schwierigkeit der Internetnutzer zu entscheiden, was sie aus dem Meer der Belanglosigkeiten für wahr halten sollen. Es gibt nur zwei Wege, dieses Dilemma zu überwinden: Entweder man verbringt unendlich viel Zeit mit der Nachrichtenanalyse - oder man verlässt sich auf ein gänzlich antiquiertes Prinzip des Informationsaustauschs: Vertrauen in die Quelle. In jedem Fall kostet das Informieren über die Geschehnisse der Welt heute viel Zeit und viel Geld. Das können sich die meisten nicht leisten. Das bleibt den Nachrichtenabteilungen der grossen Unternehmen und der Politiker überlassen, die ja tatsächlich Informationen über wirkliche Ereignisse suchen und für ihre Entscheidungen brauchen. Dafür gibt es mannigfach kleine, spezialisierte Nachrichtenmedien, die sich an ein genau definiertes Publikum richten, z.B. die zahlreichen Börsenbriefe - aber auch, auf der Linken, z.B. den Informationsbrief Weltwirtschaft und Entwicklung (12). Informieren ist zu einem eigenen Beruf geworden, zu einem Privileg, das sich nur wenige leisten können. Wir leben, das ist nicht mehr zu übersehen, in einer manipulierten Gesellschaft. George Orwell hat sie 1948 vorhergesehen und beschrieben. Er hatte erschreckend recht. (Quelle - Peter Hamm)
Eine bedeutende Organisation, die zu einem zentralen Thema A sagt, aber sich standhaft weigert B zu tun, ist die Kirche. Das Zinsverbot der Bibel gilt, aber sowohl die katholische , als auch die evangelische Kirche haben keine Hemmungen, ihr Geld zinsbringend anzulegen & damit von der weiteren Umverteilung von arm zu reich zu profitieren. Und nicht nur das: Sie weigern sich sogar, ihre Gelder bei weniger profitorientierten Banken zu deponieren. Die Kirchen sind sich der Mittäterschaft sehr wohl bewußt, der Kontrast zwischen Wort & Tat ist aber extrem krass. Heutzutage ist der Mammonismus die stärkste Form des Götzendienstes, das blinde Vertrauen in das Geld als jener Macht, die uns gutes Leben, Sicherheit, Erfolg & Status verleiht, eine Macht in der sich all unsere Wünsche verdichten & uns geradezu religiöse Kraft gibt. Warum liest man nie von kriminellen Gewinnen? Wenn es darum geht, den Tanz um das goldene Kalb, wenigstens in der Kirche zu unterbinden, den Verkaufsstand mitten im Kirchenraum aufzuheben, oder die Pensionskassengelder anders anzulegen, lehnt die scheinheilige Kirche das ab. Die Kirche sollte stattdessen zum Bekennen Ihrer eigenen Sünden und Schuld aufrufen! Anstatt nur Anträge zu schreiben, zu stellen & zu diskutieren & scheinheilig von der Kanzel herab zu predigen, sollte die Kirchenväter selbst mit der Tempelreinigung endlich beginnen! - Sie geht auf die biblische Episode zurück, nach der Jesus die Händler & Geldwechsler, aus dem Tempel in Jerusalem vertrieb. Bei einer Tempelreinigung der neuen Art steht ein Banker während des Gottesdienstes auf & fordert im Mittelgang schweigend aber hartnäckig von einem Bettler seinen Tribut. Dann erscheint Jesus & vertreibt den Banker in langsamen Bewegungen aus der Kirche. Unterwegs verliert der Banker sein Geld, über die die Kirchgänger am Ende des Gottesdienstes schreiten müssen: So könnte ein Gottesdienst heute aussehen, stattdessen wird weiter antiker, unzeitgemäßer Kram gepredigt! Quelle: Zeitpunkt-Magazin (Etwas gekürzt.) Aktuell, kritisch, aktiv! Mischen Sie sich ein und gestalten Sie Politik! Nirgendwo geht das so umfassend und schnell wie bei Campact. www.campact.de Staat? - Gesellschaft? - Zeit? - Arbeit? - Politischer Kampf?
Die Arbeit schafft das Kapital & den Kapitalismus, eine Welt, die im Zeichen der Arbeit geschaffen ist. Arbeit ist grausam, sie entmenschlicht, sie ist gerade das Gegenteil der BEWUSSTEN LEBENSTÄTIGKEIT, die die potentielle Grundlage unseres Menschseins ist, aber sie ist noch mehr als nur das. DIE ARBEIT IST EINE SPINNE, DIE EIN FEINES NETZ GESELLSCHAFTLICHER BEZIEHUNGEN WEBT. Indem wir arbeiten, bauen wir um uns herum ein vielblödiges Zuchthaus. Das macht es so schwierig, vom Kapital wegzulaufen, nicht mehr zu dienen und den Tyrannen in sich zusammensinken zu lassen. Der Begriff des Abstrakten erinnert uns daran. Die Arbeit, die wir in der Fabrik, im Büro, an der Universität verrichten, ist nicht nur eine Plackerei, sondern eine Spinnarbeit, ein Prozess, in dem wir uns selbst in unserer eigenen Falle festsetzen. Aber der Begriff der abstrakten Arbeit erinnert uns auch noch an etwas anderes: dass dies nur eine Seite des Doppelcharakters des Tätigseins ist, und dass die andere Seite, noch im Dunkeln, unserer harrt.
Der Staat sagt zu uns, einfach schon dadurch, dass es ihn gibt, "Ich bin die Kraft, die die Gesellschaft im Innersten zusammenhält, Ich bin der Mittelpunkt, Ich bin die Bestimmung der Gesellschaft. Du willst die Gesellschaft verändern? Dann mußt Du Dich auf MICH konzentrieren, MICH mußt du erobern! DOCH DER STAAT LÜGT. Was die Gesellschaft wirklich im Innersten zusammenhält und ihren Kurs bestimmt, liegt hinter Staat und Wirtschaft verborgen: es ist die Art und Weise, in der unser Alltagshandeln organisiert ist, die Unterordnung unseres Tätigseins unter das Diktat der abstrakten Arbeit, also Wert, Geld Profit. Diese Abstraktion ist es schließlich, der der Staat seine Existenz verdankt. Wir wollen die Gesellschaft verändern? Dann müssen wir die Unterordnung unseres Tätigseins unter die abstrakte Arbeit beenden, wir müssen anders handeln.
Wir entäußern unsere Vermögen, unsere Macht freilich noch auf viele andere Weisen, wenn wir anderen Macht über uns geben - Ärzten, Klempnern, Geliebten, Freunden und so weiter, hier aber konzentrieren wir uns auf den Staat.
Eines der subtilsten und doch stärksten Elemente des Netzes, das wir spinnen, um un darin selbst gefangen zu setzen, ist die Zeit. Abstrakte Arbeit bringt abstrakte Zeit hervor, abstrakte Arbeit produziert die Uhr. - Jegliches Herrschaftssystem muss sich auf das Andauern der Zeit verlassen können, auf die Annahme nämlich, dass etwas, das in diesem Moment existiert, auch im nächsten Moment noch existieren wird. Der Herr nimmt an, dass er morgen herrschen wird, weil er gestern schon herrschte. Wir lassen unseren Blick schweifen. Wir sehen die Politiker und die Kapitalisten. Wir sehen ihre großen Gebäude und ihre Polizei und ihre Armeen. Wir sehen eine Welt von großer Komplexität und Korruption. Wir wissen, sie ist ungerecht, gewalttätig, zerstörerisch und wir wollen, dass sie sich ändert. Aber wir nehmen an, dass sie auch morgen noch da sein wird. Und morgen. Und morgen. Die Uhr macht uns taub: taub gegen die katastrophalen Gefahren, taub vor allem aber gegen die Möglichkeit, dass wir selbst die Dinge radikal ändern könnten. Uhrenzeit ist die Zeit unserer Hilflosigkeit, unserer Unterordnung unter Dinge. Es ist die Zeit nicht des Lebens, sondern des Überlebens, des sich Durchschlagens, die Zeit des Stumpfsinns. Uhrenzeit ist die Zeit einer nicht von uns kontrollierten Welt, einer Welt, die auf unsere Leidenschaften nicht antwortet. Sie ist eine außer uns befindliche Zeit. Sie ist historische Zeit, aber die Zeit einer außer uns befindlichen Geschichte, die Geschichte einer uns fremden Welt. Dies ist die Zeit des Lustaufschubs. Die Uhrenzeit ist aber vor allem die Zeit des Opfer Jetzt, gemessener Arbeit, Arbeit, an der es nichts zu genießen gibt, eben weil sie von der Uhr gemessen wird. Die aufgeschobene Uhr ist jenseits der Uhr, jenseits des Regenbogens. Die ist die Zeit der in die Zukunft verschobenen Revolution: eine logische Absurdität, denn der Begriff dieser Zukunftsrevolution setzt den der abstrakten Zeit, die abstrakte Zeit der abstrakten Arbeit, voraus.
Wir schaffen eine Gesellschaft die auf unserer eigenen Ausbeutung beruht. Die von uns geschaffene Welt dreht sich um die Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital.Die Abstraktion des Tätigseins zu Arbeit wird erst dann über alle Bereiche der Gesellschaft hinweg verallgemeinert, wenn die ARBEITSKRAFT selbst zur WARE geworden ist. Was dem Kapitalismus problematisch ist, ist dann nicht etwa die Arbeit, sondern dass die Arbeit in Ketten geht, dass ihr nicht erlaubt wird, sich voll zu entfalten. Die Revolution soll dazu da sein, die Arbeit von ihren Ketten zu befreien. Politischer Kampf ist, ist der Kampf, um die Übernahme der Staatsgewalt, mit deren Hilfe dann die Produktionsmittel zu sozialisieren und die Lohnarbeit abzuschaffen seien. (John Holloway) 
...und unsere Kinder und deren Kinder werden entsetzt auf unsere Zeit zurückblicken,auf eine Zeit der Verschwendung und des Mülls, die den Planeten für 1000 Jahre aus dem Gleichgewicht brachte.Wir brauchen keine Millionen Aktivisten, um diese Revolution zu beginnen. Wirbrauchen nur eine einflussreiche Minderheit, die im geeigneten Moment eine Reihevon gut koordinierten sozialen Demarketing-Strategien auslöst. Was wir brauchen, istein bestimmtes Niveau an kollektiver Desillusionierung (ein Punkt, den wir bereitserreicht haben) und anschließend eine Weltkrise, wie beispielsweise einenZusammenbruch der Aktienmärkte oder ein Missmanagement bei einer Umweltkrisewie etwa die Klimaveränderung, an der die Führer der Überflussgesellschaften der"Ersten Welt" ihren Anteil haben. Wenn man den richtigen Augenblick abpasst und die Culture Jammer synchron zuschlagen, kann ein weltweites Netzwerk ausein paar Hundert Aktivisten ausreichen. Wie J.K.Galbraiths Prototyp des Revolutionärswerden wir die morschen Türen eintreten und das Vakuum füllen. Wir werden einen plötzlichen, unerwarteten Augenblick der Erkenntnis erzeugen,eine globale Veränderung des Denkens, von der sich die Truppen der Konzerne und des Kommerz nicht mehr ganz erholen werden. (K.L.)
Respekt? - Er geht weit über Höflichkeit und gesellschaftliche Normen hinaus, denn in ihm offenbart sich eine Überzeugung, eine Lebenseinstellung: Respekt heißt, den anderen nicht nur anzuerkennen, sondern zu achten, wertzuschätzen, sich mit ihm auf Augenhöhe zu stellen. Im Wunsch nach Respekt spiegelt sich ein Grundbedürfnis des Menschen wider: Aus Anerkennung schöpfen wir Kraft für unser Selbstbild. - Psychopathen kennen keinen Respekt! Hierzu gleich ein Link! Psychopathen - Das verkannte Problem weiterlesen...


Transparenz schützt Menschenrechte: Kennzeichnungspflicht für Polizisten, Polizeiübergriffe unabhängig untersuchen, Vorgänge in Polizeigewahrsam aufnehmenwww.amnestypolizei.de/ - Polizeigewalt in Stuttgart! Die Kritik an der Polizeigewalt im Rahmen der Stuttgart 21-Proteste ist groß. Jetzt übten auch Polizisten im Hamburger Abendblatt Kritik an ihren KollegInnen. So wird ein Polizeikommisar aus Mannheim zitiert, man habe in Stuttgart "ein Exempel statuiert, Macht demonstriert, ganz sicher auch schon mit Blick auf den nächsten Castor-Transport". Ein Einsatzpolizist bestätigte zudem die Annahme, es habe ein gezielter Einsatz von Provokateuren stattgefunden: "Ich weiß, dass wir bei brisanten Großdemos verdeckt agierende Beamte, die als taktische Provokateure, als vermummte Steinewerfer fungieren, unter die Demonstranten schleusen", wird der Polizist zitiert. "Sie werfen auf Befehl Steine oder Flaschen in Richtung der Polizei, damit die dann mit der Räumung beginnen kann. (www.fau.org) Reiche zahlen keine Steuern. Das bischen Geld, dass sie mehr oder weniger freiwillig dem Finanzamt zukommen lassen, kann vernachlässigt werden. Mal ganz abgesehen von den unzähligen Milliarden, die ihnen der Staat nach einer "Finanzkrise" in den A., in die Tasche schiebt.Arme zahlen hauptsächlich indirekte Steuern. Reiche zahlen keine Steuern. Wer zahlt eigentlich Steuern? Der Depp. Der gutmütige Depp, der noch an den Wert einer Gemeinschaft glaubt, und sich seiner Verpflichtung nicht entziehen will. Der zahlt Steuern. Der Depp ist meist bürgerlich. Der Depp wählt CDU/CSU/Grüne/SPD, weniger FDP, kaum PDS. Der Depp demonstriert gegen Stuttgart 21. Der Depp unterstützt alternative Energien. Der Depp liebt Natur. Der Depp weiß, dass der Klimawandel durch Menschen verursacht wird. Der Depp arbeitet fleißig. Der Depp zieht oft Kinder groß. Der Depp ist Demokrat. ... Ein Depp wie du und ich. Einer muss den Staat ja tragen. (Quelle - Der Freitag)
Lobbyismus für Dummies Wunderbar – Alexander Lehmann, bekannt für seine süffisant-ironisch-entlarvenden Animationskurzfilme (z.B. „Du bist Terrorist“), hat für Extra 3 einen neuen Clip erstellt. „Lobbyismus für Dummies“ beleuchtet den Einfluss der Wirtschaftslobbys in unserem Land und die Folgen für uns Bürger, die unter den „wirtschaftsfreundlichen Gesetzen“ am Ende zu leiden haben…
Von: konsumpf.de Hier der Link zum Film: www.ndr.de 11. Juni 2009 ... Alle Personen und Namen in "Du bist Terrorist" sind frei erfunden und haben keinen Bezug zur Realität. Mögliche Übereinstimmungen sind ... www.dubistterrorist.de/ Anarchie, nicht Chaos Überall "Hardcore-Anarchisten" derzeit – doch Wikileaks hat wenig mit den Ideen des Anarchismus zu tun, und auch das Klischee des Steinewerfers wird ihnen nicht gerecht >> mehr
"Lebt in vollen Zügen. Feiert. Lasst es krachen. Ignoriert alle Vorsorge- und Anlage-Angebote!"
Diese Kolumne wendet sich speziell an jüngere Leser. Was ist die beste Altersvorsorge? Diese Frage geht jeden jungen Menschen an. Ich bin der Einzige, der euch diese Frage wirklich ehrlich beantwortet.Als ich selber jung war, schrieben die Zeitungen das Gleiche wie heute, die Politiker sagten auch schon das Gleiche: »Man muss vorsorgen! Die staatliche Rente reicht nicht!« Ich schloss also eine Zusatzversicherung ab. Jeden Monat floss Geld in die Versicherung. Ich habe getan, was die Politiker verlangten. Ich dachte: »Wenn ich gaga werde und nicht mehr schreiben kann – kein Problem.« In jedem Jahr schickte die Versicherung einen Brief, in dem stand, wie viel Geld ich eines Tages bekommen würde. Das war ein total schöner Brief jedes Jahr.Auf einer Party traf ich unlängst einen Herrn, der gerade in den Ruhestand gegangen war. Er hatte die gleiche Versicherung. Er sagte: »Die Summe, die in dem Brief steht, können Sie vergessen.« Es würde ein Haufen Krankenkassenbeiträge von der Summe abgezogen werden. Ich fragte, wieso, ich zahle doch jeden Monat für die Krankenkasse, von dem Rest, der übrig ist, spare ich was fürs Alter – wo ist da die Logik? Der Herr sagte, es sei nicht logisch, es hänge damit zusammen, dass der Staat Geld brauche. Bei seiner Suche nach Geld habe der Staat festgestellt, dass einige Menschen, auf Anraten des Staates, für ihr Alter etwas gespart hätten. Davon würde er sich jetzt ein Stück abschneiden. Ich sagte: »Als ich den Vertrag abgeschlossen habe, hat keiner was davon erzählt.« Der Herr sagte: »Klar. Das haben die ja erst kürzlich eingeführt.« Ich sagte, man kann doch in einem laufenden Vertrag während der Laufzeit nicht die Spielregeln ändern, das ist sittenwidrig. Der Staat aber ist in seiner Geldnot so verzweifelt, dass er auf Sitten keine Rücksicht nehmen kann.Wenn ich die Summe verjubelt oder versteckt hätte, statt vorzusorgen, wäre nichts abgezogen worden. Versteht ihr? Es ist Betrug. Hinter dem ganzen Vorsorge-Gerede steckt ein gigantischer Betrug. Sie wollen, dass wir unser Geld irgendwohin bringen, wo sie es unter Kontrolle haben, dort nehmen sie es uns dann ab. Riester, Rürup, Lebensversicherung, daran verdienen die Versicherungen und der Staat, für dich selbst, mein Freund, bleibt fast nichts übrig.Mehr zum Thema Hier mein Rat an die Jugend.Lebt in vollen Zügen. Feiert. Lasst es krachen. Ignoriert – das ist das Wichtigste! – alle Vorsorge- und Anlage-Angebote. Eine überdurchschnittliche Rente wird euch sowieso weggenommen, in 30 Jahren wird der Staat noch viel klammer sein als heute. Verlasst euch auf die staatliche Grundsicherung. Wenn ihr im Alter nichts habt, radikal nichts, seid endlich mal ihr auf der Gewinnerseite – der Staat gibt euch was! Kauft rechtzeitig alle Sachen, die ihr im Alter brauchen könnt und die haltbar sind, Kleidung, Möbel, Weinkeller, Cognac, Bücher, Musikanlage, das werden sie euch nicht wegnehmen, weil der Verwaltungsaufwand zu groß ist. Besorgt euch zum Obst- und Gemüseanbau einen Garten, und zwar über einen Strohmann, sonst wird das Obst von der Grundsicherung abgezogen. Spart heimlich Geld, tut es ins Kopfkissen. Dort kriegt ihr zwar keine Zinsen, aber es wird nicht versteuert, keinerlei Abzüge, glaubt mir, at the end of the day fahrt ihr mit einem Kopfkissen besser als mit Banken und Versicherungen. Ich habe gelesen, dass allein im letzten Jahr 20 Prozent der Berufstätigen ihre Vorsorge reduziert oder gekündigt haben, es werden immer mehr. Es ist eine Massenbewegung. (Quelle - Martenstein-Zeitmagazin)
i Intellektuelle? Intellektueller scheint mir ein seltsames Wort zu sein. Intellektuelle - ich habe noch nie welche getroffen. Ich habe Leute getroffen, die Romane schreibem und andere, die mit Kranken arbeiten. Leute, die ökonomische Analysen machen, und andere, die elektronische Musik komponieren. Ich habe Leute getroffen, die lehren, Leute die malen, und Leute, bei denen ich nicht so recht verstanden, ob sie überhaupt etwas machen. Aber Intellektuelle, nie. Ich habe indessen viele Leute getroffen, die über den Intellektuellen reden. Und durch vieles zuhören konnte ich mir ein Bild davon machen, was dieses Lebewesen sein mag. Das ist nicht schwer, es ist der, der schuld hat. Schuld an allem Möglichen: zu sprechen, zu schweigen, nichts zu tun, sich in alles einzumischen...Kurz, wo es um Rechtsfindung, Aburteilen, Verurteilen und Ausschließen geht, muß der Intellektuelle her. Ich finde nicht, daß die Intellektuellen zu viel reden, für mich gibt´s sie ja nicht. Ich finde, daß der Diskurs über die Intellektuellen stark um sich greift und wenig Anlaß zur Ruhe gibt. Ich habe eine gräßliche Angewohnheit. Wenn die Leute so daherreden, versuche ich mir vorzustellen, was das, umgeschrieben in der Realität ergäbe. Wenn sie irgendeinen "kritisieren", wenn sie vor seinen Ideen "warnen", wenn sie "verurteilen", was er schreibt, stelle ich sie mir in der idealen Situation vor, da sie alle Macht über ihn hätten. Die Wörter, die sie benutzen, lasse ich ihren Lauf zuück in einen ursprünglichen Sinn nehmen: "zerstören", "schlachten", "zum Schweigen bringen", "begraben". Und ich sehe den strahlenden Staat am Horizont, in dem der Intellektuelle im Gefängnis säße und natürlich aufgehängt würde, wenn er außerdem noch Theoretiker ist. Zugegeben, wir leben nicht in einem Regime, wo man die Intellektuellen zur Reisernte schickt; aber haben Sie nicht auch schon von einem gewissen Toni Negri reden gehört? Befindet er sich nicht im Gefängnis, insofern er ein Intellektueller ist? MICHEL FOUCAULT Untersucht man aber genauer, woraus das Denken besteht, erkennt man, dass es überwiegend aus eingespeicherten Programmen besteht Wohin geht ihr? Woher kommt ihr? Was wollt ihr erreichen? - Das sind unnütze Fragen. - Von der Mitte ausgehend, durch die Mitte hindurch, eher gehen und kommen als aufbrechen und ankommen. Ein Strom ohne Anfang oder Ende, der seine beiden Ufer unterspült und in der Mitte immer schneller fließt. (Gilles Deleuze-Felix Guattari)
" Der Müßiggänger" Er hat kein Handy, in der Brusttasche, keinen Bleistift im Ohr, keinen Organizer in der Tasche, keinen Steuerknüppel in der Hand, oder eine sonstige der Steigerung des Wirkungsgrades dienende Gerätschaft, überhaupt erscheint er wenig elektrifiziert, digitalisiert oder motorisiert. Nimmt er Drogen? - Nein, er hat Zeit. Zeit zu leben. - Schaut einfach so aus dem Fenster... Ein Taugenichts - für Seele, Raum und Frieden. Das Gewebe der Muße: Sie ist Kontemplation, das ungeteilte Sich-Vertiefen, der Zugang zu den ewigen Wahrheiten, Meditation, Sammlung und Einkehr, Schweigen und Empfänglichkeit. Die Zeit, in der wir das tun, was uns wertvoll ist, am Herzen liegt. Das einfache Nichtstun. Das Leben im Hier und Jetzt. Die satte Trägheit, ja Faulheit, die Siesta unter kühlen weißen Laken. Die verdöste Stunde, das Treibenlassen der Gedanken, Musik und Träumerei, die Poesie des Augenblicks. Wo wären wir? Wenn alle Denker, Mönche, Dichter, Grübler, Narren, Künstler, die über die Jahrzehnte und Jahrhunderte ihre müßigen Spinnereien gelebt haben, einer sinnvollen Arbeit nachgegangen wären? Was wäre aus unserer Kultur geworden, ohne die Taugenichtse? Alle Menschen! ...zerfallen, wie zu allen Zeiten - so auch jetzt noch, in Sklaven und Freie; denn wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich hat, ist ein Sklave, er sei übrigens, was er wolle: Staatsmann, Kaufmann, Beamter, Handwerker, Arbeiter, Gelehrter. Was wäre dann? ...wenn alle nur soviel arbeiten würden, wie sie nötig haben, um ihre Vorstellungen vom Leben zu realisieren? Wenn Ihnen Zeit wichtiger wäre als Geld? Freiheit wichtiger als Status? Lebensfreude wichtiger als Erfolg? Wäre die Welt dann schlechter? Die Lebenszeit...wird solange gegen Geld verkauft, bis sie vorüber ist... "Nicht alles, was sich zählen läßt zählt." - "Nicht alles was zählt...läßt sich zählen!" Weil das Universum vielleicht in zehn Millionen Jahren den "Wärmetod" (Entropie) durch Mangel an "freier Energie" erleidet, "deswegen" wäre es streng genommen schon Vergeudung, "nutzlos" spazieren zu gehen oder sich zu lange auf der Toilette aufzuhalten!Der Weg ist das Ziel? " Der Spaziergänger" Umwege und Abwege. Wir könnten uns verlieren in dem grenzenlosen, unbekannten Terrain abseits der großen Straßen, in dem die Zeit so anders fließt, nicht eingedämmt von Terrain-, Fahr- oder Stundenplänen, nicht kanalisiert und kontrolliert, vom Sekundenzeiger zerhackt, Minute für Minute der Nutzung zugeteilt - nein, wild, unvorhersehbar, träg mal und dann wieder turbulent, bewegungslos und dann wieder wie wahnsinnig tosend, unberechenbar, ziellos. Einfach so. Den Augenblick genießen, den Verheißungen in der Luft nachspüren, empfänglich sein für das Leben ringsum. Einer Sehnsucht folgen. Sich treiben lassen. ...ich hätte mir notieren sollen, wer das geschrieben hat. G.F. ...er kannte überhaupt eine Menge Leute in dieser Gegend und darum reiste er auch so gerne. Man konnte immer wieder neue Freundschaften schließen und mußte nicht Tag für Tag mit denselben Leuten auskommen. Wenn man, wie im Seminar, immer dieselben Menschen um sich hat, dann lassen wir sie zu einem festen Teil unseres Lebens werden. Und wenn sie dann ein fester Teil davon geworden sind, wollen sie unser Leben verändern. Und wenn wir dann nicht so werden, wie sie es erwarten, sind sie enttäuscht. Denn alle Menschen haben immer genaue Vorstellungen davon, wie wir unser Leben am besten zu leben haben. Doch nie wissen sie selber, wie sie ihr eigenes Leben am besten anpacken sollen. Wie jene Traumdeuterin, die nicht fähig war, die Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Paul Coelho - Der Alchimist Was stellt sich tatsächlich der Einführung der Freiheit, Gleichheit & Brüderlichkeit unter uns entgegen? Der Ehrgeiz, d.h. das Verlangen, das Volk zu beherrschen, zu regieren. - Wo steckt der Ehrgeiz? - In den Parteien, d.h. in denen, welche das Volk zu beherrschen & zu regieren wünschen. - Worin schöpft eine Partei den Grund ihrer Existenz? - In der Sicherheit, wenn sie siegreich ist, zu ihrem Nutzen, die nationalen Freiheiten und Steuern mit Beschlag belegen zu können, d.h. in der Möglichkeit, sich der Autorität über alles zu bemächtigen & sich so dem Volk & den rivalisierenden Parteien aufzuzwingen. Wie kann sich eine Partei aufzwingen? - Indem sich sich der Verwaltung (administration) bemächtigt. Was ist die Administration? - Sie ist etwas gewisses Abstraktes, Unbestimmtes, Unlogisches, Widerspruchsvolles, Dunkles, Unbegreifliches, Willkürliches, Absurdes, Ungeheuerliches. Etwas das nicht von Herzen kommt, da es trocken & gefühllos ist, noch von der Wissenschaft, da sich niemand darin auskennt. Ein Werkzeug ohne Form, Ausdruck & Proportionen. Ein unheilvoller & feiger Mythus, dessen Kultus eine Million ebenso unverschämter wie fanatischer Geistlicher beschäftigt. Etwas Blindes, das alles sieht, etwas Taubes, das alles hört, impotent & allvermögend, unwägbar & alles erdrückend, unsichtbar & alles erfüllend, ungreifbar & alles berührend, unfaßbar & alles packend, unverletzlich & alles verletzend. Ein leuchtender Nebelschwaden, der Donner, Blitz & Erstickung enthält...Das ist die Regierung! Anselme Bellegarrigue
The Matrix Es ist das Jahr 2199. Maschinen haben die Macht übernommen. Die Welt ist nicht nur grau, sie ist grausam: Künstliche Intelligenz (KI) züchtet die Menschen als Biobatterien heran, die ihnen, den Superrobotern, die notwendige Energie für Ihr Funktionieren liefern. Damit die Menschen erst gar nicht auf die Idee kommen, eine Revolte gegen die Roboter anzuzetteln, gaukeln diese ihnen eine Traumwelt vor - die "Matrix". Auf endlosen Feldern dämmern die Menschen vor sich hin, in schleimigen Kokons, kontrolliert von den KIs. Nur haben sie von der tristen Lage, in der sie sich befinden, nicht die geringste Ahnung, weil ein Implantat in ihren Köpfen eine perfekte Scheinwelt ist die, die sie alle kennen. Die sie täglich um sich herum sehen. Die sie spüren, schmecken, riechen können. Die Welt in der sie abends ins Bett gehen und in der sie morgens wieder aufstehen, um sich auf den Weg zur Arbeit zu machen - es ist die Welt, die sie für die Realität halten.
Zurück in die Gegenwart, ins 21.Jahrhundert. Bei uns ist es wohl kein Superroboter, der das Hirn reizt, sondern die Realität. Unsere Matrix ist die Welt "da draußen". Und doch unterscheiden wir uns in einer Hinsicht nicht im Geringsten von den Menschen in der Matrix: Auch unsere Wirklichkeit ist eine Simulation. Beeinflusst durch TV-Werbung, eingelullt von Politikern, die von Lobbyisten des Großkapitals in Hinterzimmern bestochen werden... Einer Propagandamaschine aus Zeitungen usw. die auch nur riesige Konzerne sind, wird uns eine sogenannte eigene Meinung einsuggeriert und wir glauben auch noch müde und ausgebrannt von dieser Leistungsgesellschaft, von der in Wahrheit nur 10 %Prozent der Gesellschaft profitieren, das wir eine eigene Meinung hätten...Wie bitte schön soll man sich in diesem Zustand und unter dauernder Manipulation durch die Konzernmedien, denn eine wirkliche eigene Meinung bilden? Dafür bräuchte es etwas mehr an Zeit und Recherche! Wer hat heutzutage schon Zeit? Doch wohl die Wenigsten.«Die neue Ordnung brachte den Frieden. Abschaffung des Parlamentarismus und der Demokratie, Einführung der genetischen Menschenzucht, Triebnormierung durch Schlafhypnose, Luxus und Wohlstand für die herrschenden Alphas und Betas, Vollbeschäftigung und Zufriedenheit für die schuftenden Deltas und Epsilons, freie Sexualität, gefühlsechte Filme und tröstendes Soma-Ecstasy für alle. Wer alt wird, stirbt den sanften Tod durch Euthanasie.»
Wir nehmen uns die Symbole der geistigen Umweltverschmutzung vor und schlagen sie in ihrem eigenen Spiel
Wir machen ihre Millionen-Dollar-Marken weniger cool mit Anti-Werbung im Fernsehen, in Zeitschriften, im Internet und in der Landschaft, auf dem Billboard direkt neben ihrem.
Wir übernehmen die Kontrolle über die Rolle, die Konzerne in unserem Leben spielen, und wir definieren die Ziele ihrer Branchen neu.
Wir werden die Marketingfritzen der Popkultur jammen und ihre Bilderfabrikation zu einem Stillstand bringen.
Auf dem Schutt der alten Kultur werden wir eine neue aufbauen, eine nichtkommerzielle, eine mit Herz und Seele. Das Culture Jamming-Manifest Warum ist unsere Fahne schwarz?
Schwarz ist ein Hauch von Verneinung. Die schwarze Fahne ist die Negation aller Fahnen. Sie ist die Negation der Nationalitäten, die die Menschen dazu treiben, einander zu zerfleischen und die Einheit der Menschen zu leugnen. Schwarz ist ein Gefühl von Zorn und Wut angesichts aller im Namen der Treue zu irgendeinem Staat gegen die Menschlichkeit begangenen abscheuchlichen Verbrechen. Sie ist Zorn und Wut angesichts der Verhöhnung der menschlichen Intelligenz, die durch die Forderungen, Heucheleien und lächerlichen Schikanen der Regierungen verspottet wird. Schwarz ist auch eine Farbe des Leids und der Traurigkeit; die schwarze Fahne, die die Nation leugnet, beweint auch deren Opfer, die zahllosen, durch äußere und innere Kriege zum Ruhm und für den Fortbestand eines blutigen Staates vernichteten Millionen Menschen. Sie beweint jene, denen die Arbeit weggenommen wird und die als Kostenfaktor bewertet werden, damit die Ermordung und Unterdrückung anderer Menschen bezahlt werden kann. Sie beweint nicht nur den physischen Tod, sondern auch die Verkümmerung des dem hierarchischen und autoritären System unterworfenen Geistes; sie beweint die Millionen von Neurosen, die ausgeschaltet werden, ohne je wieder die Möglichkeit zu haben, der Welt ihr Licht zu schenken. Schwarz ist eine Farbe der Entschlossenheit, der Entschiedenheit, der Stärke, eine Farbe, bei der alle anderen Farben ins Licht gerückt werden. Schwarz ist das Geheimnis, welches das Keimen, die Fruchbarkeit, den ertragreichen Boden des entstehenden Lebens umgibt, das sich stets im Dunkel entwickelt, erneuert, verjüngt und fortpflanzt. Das in der Erde verborgene Samenkorn, die wundersame Reise der Samenflüssigkeit, das verborgene Wachsen des Embryos, in der Gebärmutter werden alle von Schwärze unhüllt und beschützt. Howard Ehrlich - Reinventing Anarchy (197 
(…) Doch scheint es, als täten wir nun das Gegenteil dessen, was wir eigentlich wollten: Wir buchen Flüge zu Preisen, von denen wir wissen, dass sie auf Niedriglöhnen und Stellenabbau beruhen. Wir kaufen ein in Supermärkten, deren Preise angemessene Gewinne für die Produzenten ausschließen – ebenso wie eine umwelt- und tiergerechte Produktion. Wir haben gelesen, dass den Angestellten hinter der Kasse landesübliche Rechte vorenthalten werden. Wir wissen, dass Hosen und Pullover, Computer und DVD-Player, die wir zu Spottpreisen kaufen, nicht in Deutschland, sondern im Ausland gefertigt werden, in so genannten Niedriglohnländern. Sozialdumping, Stellenabbau, Verlagerung der Produktion ins Ausland – als Kunde fördern wir alles, was uns als Bürger empört. Wir tun genau das, was wir Politikern und Managern vorwerfen. Wie die Manager an der Spitze der Konzerne treiben wir Globalisierung und Deregulierung voran. Die Manager schauen auf jeden Cent und nehmen nur das Billigste? Genau das tun wir, als fortwährend rechnende und vergleichende Kunden, als knallharte Manager unserer Lebenshaltung. Wir drücken die Preise, bis als Produktionsstandort unserer Waren nur noch Fernost infrage kommt. Wir selbst sind die globalen Heuschrecken. Volk und Elite sind sich einig in ihrem radikalen Ökonomismus. Und wie die Elite sind wir teils getrieben, teils Treibende. Arbeitslose und Geringverdiener müssen auf jeden Cent schauen. Der Rest hat aus seinem Portemonnaie einen Fetisch gemacht wie die Manager aus dem Shareholder-Value. (…) Wir sind Schizophrene. Die Diagnose trifft die Völker aller westlichen Demokratien. Als Bürger sind wir Sozialisten – Verfechter der alten sozialen Errungenschaften. Als Kunden sind wir Neoliberale. Marktradikale. Uns ist Recht, was billig ist. »Für 19 Euro nach Barcelona.« Noch nie war Doppelmoral so preiswert. (…) (…) Einen einfachen Weg gibt es nicht. Einerseits brauchen wir eine globale Bewegung für eine globale Zivilisierung des Kapitalismus. Andererseits sollte man das Licht in der Küche ausmachen, wenn man nicht in der Küche sitzt. Wir müssen einen anderen, einfacheren Lebensstil entwickeln. Doch geht es nicht um die quasireligiöse Wandlung des Einzelnen zum guten Konsumenten, zum Rad fahrenden Vegetarier mit Heiligenschein. So, wie im 19. Jahrhundert keine private Hilfsbereitschaft die Bismarcksche Sozialgesetzgebung überflüssig gemacht hätte, macht heute kein Konsumverhalten eine globale Umwelt- und Sozialgesetzgebung überflüssig. Ein Einkaufszettel ersetzt kein Regierungsprogramm. Arbeit und Konsum beziehen sich aufeinander nicht durch die Menschen, sondern durch einen Widerspruch ihrer Verhältnisse auf dem Warenmarkt. Geld ist Ausdruck einer Verkehrung der menschlichen Lebensverhältnisse zu einer Gesellschaftsmacht der Lebensbedingungen, welche die Menschen dazu zwingt, nicht für ihre Bedürfnisse und Entwicklungen zu arbeiten, sondern für Geld, das sie je nach ihrem Vermögen entweder durch Arbeit zum Lebensunterhalt erwerben müssen, oder das sie besitzen und anlegen, um es durch die Arbeit anderer Menschen zu verwerten, indem sie also durch die Macht der Preisbildung, durch die Verfügung über deren Existenznot zu ihrem persönlichen Profit zu machen. Darin realisiert sich eine Mehrarbeit, welche die arbeitende Bevölkerung unbezahlt verrichten, bzw. ihre Arbeit insgesamt unterwertig preisgeben muss, weil sie der Existenzmacht des Geldes zu folgen hat. Dies macht das Klassenverhältnis aus, das vom Verhältnis des Geldes untrennbar ist, weil es aus ihm hervorgeht. Es macht die Reichen immer reicher, weil sie sich aus dem entwickeln, was sie durch solche Macht den Menschen an Leistungen für sich abringen können, was sie also der gesellschaftlichen Arbeit enteignen, privatisieren und in eigenen Geldbestände sichern. Für sie ist es der Ertrag ihres Risikos beim Einsatz von Geld, für die anderen ist es pure Not, die sie bewältigen müssen - und die wird umso größer, je isolierter und abhängiger sie von dieser Gesellschaftsmacht sind. Arbeit ist keineswegs identisch damit, daß Menschen die Natur umformen und sich tätig aufeinander beziehen. Solange es Menschen gibt, werden sie Häuser bauen, Kleidung und Nahrung ebenso wie viele andere Dinge herstellen, sie werden Kinder aufziehen, Bücher schreiben, diskutieren, Gärten anlegen, Musik machen und dergleichen mehr. Das ist banal und selbstverständlich. Nicht selbstverständlich aber ist, daß die menschliche Tätigkeit schlechthin, die pure “Verausgabung von Arbeitskraft”, ohne jede Rücksicht auf ihren Inhalt, ganz unabhängig von den Bedürfnissen und vom Willen der Beteiligten, zu einem abstrakten Prinzip erhoben wird, das die sozialen Beziehungen beherrscht.
und meinen anderen Infopageseiten! G.F. Che Guevara? Das Buch CHE GUEVARA - Die Andere Seite wolbern-verlag Carlos A. Gebauer berichtet von einer scheinbar harmlosen Stehparty, die sich für ihn innerhalb von Minuten zu einem Tribunal wandelte: "Die Frage meiner linksseits freundlich lächelnden Kreisnachbarin, ob ich denn schon einmal ...dort (in Kuba) gewesen sei, verneinte ich wahrheitsgemäß. Zur vorsorglichen Mitleidsprophylaxe fügte ich an, Exekutionsgeräusche aus dem Hinterland jenseits der Dünen für unattraktiv zu halten, während ich in der Gischt bade, weswegen ich von Sonnenurlauben in Diktaturen bislang generell abgesehen habe. In weniger als zwei Atemzügen war ich nun nicht mehr Teil des lockeren Gesprächskreises, sondern gleichsam Angeklagter eines Partytribunals...Erst jetzt erkannte ich, dass jenseits der starken Schulter meines rechtsseitigen Nebengastes bäuchlings ein breites Konterfei entschlossen, wenn auch leicht verwaschen, in den Raum blickte: Che Guevara war schon vor mir zur Feier erschienen. Warum nur, fragte ich mich auf dem bald angetretenen Heimweg, tragen bundesrepublikanische Akademiker mit Wehrdienstverweigererhintergrund ein solches Hemd? Kann es vierzig Jahre nach dem Tode Che Guevaras im bestens informierten deutschen Bildungsstaat tatsächlich noch Wissenslücken über diesen Mann geben?" Dies scheint keine Frage der Informiertheit zu sein, sondern es ist eine Glaubensfrage, die religiös- fundamentalistische Züge trägt. Darum helfen Argumente im Blick auf Guevara zunächst nicht weiter. Das Buch von Jacobo Machover wurde aus dem Blickwinkel eines vom "Glauben Abgefallenen" geschrieben - nicht aus religiösem Eifer, sondern in genauer Recherche über die Hintergründe von Guevaras eigenen Aussagen und derer, die seine Vertrauten waren. Das Buch ist zugleich eine Entmythologisierung eines zum "Heiligen" Aufgestiegenen und eine Aufarbeitung der eigenen religiösen Projektionen ("Ich habe lange zu den Bewunderern von Che Guevara gehört."- so beginnt das Buch)des Verfassers zu Guevara. Es wird gezeigt, dass Guevara selbst an seiner Legende gestrickt hat. Sein Engagement im Guerillakrieg stellt er (Guevara) später hochdramatisch als "Dilemma" zwischen seinen "medizinischen Aufgaben" und seiner "Pflicht als Soldat der Revolution" dar. Bei genauerem Hinsehen finden sich eher Belege dafür, dass Guevara sein Medizinstudium nicht abgeschlossen hat, selber mehrfach seine Lustlosigkeit und Aversion gegen dieses Studium bekundete und schon gar nicht - wie "Brockhaus online" immer noch behauptet - gar promoviert hat. Weitere spätere Aussagen Guevaras selbst und seines Vaters Guevara Lynch, die ein frühzeitig erwachendes politisches Bewusstsein unterstellen, entsprechen nicht der Wahrheit. So wird ein weiteres dramatisch-prophetisch klingendes Ereignis überliefert aus einer Zeit, als Guevara zu keiner politischen Stellungnahme - geschweige denn ein politisches Verständnis für die Vorgänge in Lateinamerika hatte - fähig war: dass er auf einem Bahnsteig, im Begriff eine weitere seiner Reisen anzutreten, ausgerufen hat: "Ich bin ein Soldat Lateinamerikas". Derartige Beispiele lassen sich fortsetzen und sind in diesem Buch zahlreich zu finden. Ein weiteres Thema ist die bei Guevara selbstverständliche Bereitschaft, "im Kampf" - religiös ausgedrückt - als Märtyrer zu sterben. Er suchte den Tod "im Kampf". Man könnte fast schon von einem Todestrieb sprechen. Sein Todestrieb hat die erstaunliche Besonderheit an sich, "für die Sache" auch andere in den Tod zu befördern, was er offensichtlich teilweise genüsslich tat. In diesem Punkt ähnelt er islamischen Selbstmordattentätern. Es wäre eine weitere Untersuchung wert, heraus zu bekommen, welche (gemeinsame) psychologische Wurzel derartiges Märtyrertum hat. Guevara wurde von seinen Anhängern auch mit Christus verglichen - obwohl der entscheidende Unterschied zwischen beiden ist, dass Jesus nicht andere geopfert hat, sondern sich selbst. Dieses Buch ist der Anfang für eine notwendige Entmythologisierung eines zum "Heiligen" erhobenen Massenmörders, über den es im Moment noch mehrheitlich Hagiografien gibt. Es wird vermutlich auch nicht jene Gläubigen überzeugen, für die Guevara zum Messias geworden ist. Denn Information ist nicht mit Bildung gleichsetzbar. Vielleicht kann dieses Buch helfen, die nächste Generation vor linkem Aberglauben zu bewahren. Als Geschenk für junge Leute, die noch bereit sind, sich mit dem selbstverständlich Überlieferten der älteren Generation auseinander zu setzen, ist es besonders geeignet. Der " Projekt A"-Entwurf entstand so um 1984 und ab 1985 ging Horst Stowasser, der Autor, mit dem frischgedruckten Buch "Das Projekt A" an die Öffentlichkeit ...www.anarchismus.de/...tage/.../projekt-a.htm Das Projekt A, wie es in diesem Text von Horst Stowasser vorgestellt wird, ist Mitte der 90er-Jahre gescheitert. Trotzdem enthält der Text viele ...www.anarchismus.at/txt5/projekta1.htm Anarchie und Selbstorganisation. Über die Möglichkeiten der Selbstorganisation einer herrschaftsfreien Gesellschaft. In: Schwarzer Faden, Nr. 72, 2/2001, S. 46-50 Christian Fuchs
Die Gesellschaft, in der wir leben, befindet sich heute in einem dauerhaften Krisenzustand: ökonomische und ökologische Krisen, Verschärfung der globalen Probleme, Massenarmut und -arbeitslosigkeit, Prekärisierung der Lebensverhältnisse weiter Teile der Weltbevölkerung, Rassismus, Nationalismus, Kriege, nationalistische Demagogie, Stagnierung der Löhne etc. Gleichzeitig wird von den unkritischen und fortschrittsoptimistischen Apologeten des Kapitalismus in Politik, Ökonomie, Wissenschaft und Kultur von den Chancen der "New Economy" gesprochen, von den Vorteilen flexibler Arbeitsverhältnisse und der "Internetgesellschaft" gesprochen. Kritisches Denken ist heute nicht unbedingt in Mode, obwohl oder gerade da die soziale Situation der Menschen sich permanent verschärft. Ist all dies aber Anlaß genug, um in einen Kulturpessimismus zu verfallen und vom baldigen Ende der Menschheit auszugehen? Keineswegs. Die Welt kann bleiben wie sie ist, dann sind solche Befürchtungen nicht unrealistisch. Das kapitalistische Weltsystem befindet sich in einer Entwicklung, die die Herrschaft über Menschen und die Zerstörung der Natur konsequent vorantreibt. Die Welt darf allerdings nicht bleiben, wie sie ist. Nur die Etablierung einer qualitativ anderen Gesellschaft wäre die Basis für die Lösung der globalen Probleme. Dazu bedarf es aber dem aktiven gesellschaftstransformierenden und emanzipatorischen Handeln des Menschen. Welche Rolle kann dabei die Gesellschaftstheorie und -kritik einnehmen? Ein kritisches praktisches Handeln muß wissen, worauf es sich bezieht, was es verändern will und wogegen bzw. wohin eine Aufhebungsbewegung stattfinden soll. Eine kritische Theorie der Gesellschaft kann dabei die Rolle spielen, bestehende Verhältnisse und die Möglichkeit deren Veränderung zu verdeutlichen. Was sie nicht kann und nicht soll, ist den Menschen vorzugeben, wie ein alternativer Gesellschaftsentwurf auszusehen hat. Denn eine Transformations- und Aufhebungsbewegung in Richtung einer anderen Gesellschaft kann nur eine von unten sein. Was Kritische Theorie leisten kann, ist das Bewußtmachen der Möglichkeiten, zu denen die geschichtliche Situation selbst herangereift ist. Sie umfaßt immer auch die Anregung zur Phantasie, denn als Einbildungskraft bezeichnet diese "einen hohen Grad der Unabhängigkeit vom Gegebenen, der Freiheit inmitten einer Welt von Unfreiheit. Im Hinausgehen über das Vorhandenen kann sie die Zukunft vorwegnehmen" (Marcuse 1937, S. 122). Das aktive selbstorganisierte Handeln der Menschen ist also von grundsätzlicher Bedeutung. Und hier kommt nun ein neues wissenschaftliches Paradigma ins Spiel: Die Theorie der Selbstorganisation. Dieser interdisziplinäre Ansatz kann emanzipatorisch gefaßt die Möglichkeiten gesellschaftskritischen Handelns näher analysieren sowie Grenzen und Perspektiven verdeutlichen. Ziel der Arbeit "Soziale Selbstorganisation im informationsgesellschaftlichen Kapitalismus" ist, eine kritische Bestandsaufnahme des postfordistischen Kapitalismus zu geben und Möglichkeiten von emanzipatorischer sozialer Selbstorganisation heute und in anderen Gesellschaftsformationen (als potentiellen Zukünften) zu verdeutlichen.
Anarchie - Demokratie - Selbstorganisation
Im Anarchismus wird eine Vorstellung von Demokratie als Repräsentativdemokratie abgelehnt, da dies die Verwaltung einer Mehrheit durch eine Minderheit bedeute, also die Herrschaft von gewählten RepräsentantInnen, die im Parlament Entscheidungen treffen, über das Volk. Nichtsdestotrotz gibt es Ansätze, die Anarchie als Demokratie begreifen. Demokratie nicht im Sinne einer Repräsentationsherrschaft, sondern im Sinn einer unmittelbaren, direkten Selbstbestimmung von Entscheidungen durch die Betroffenen. Die bürgerliche Demokratie koppelt dazu im Gegensatz stehend Entscheidung von den Betroffenen ab. "Demokratie" kommt von den Wörter "demos" (Volk) und "kratein" (herrschen, Macht ausüben) und bedeutet damit eigentlich "Volksherrschaft". Herrschaft wird aber über jemanden ausgeübt. Damit wären eine Vereinbarung von Demokratie und Selbstorganisation also geradezu ausgeschlossen. Wird allerdings Demokratie als die Möglichkeit und Macht des Volkes, sämtliche Entscheidungen selbst zu treffen, gesehen oder als "Volks-Selbstbestimmung" (Burnicki 1998, S. 9), so kann Anarchie sehr wohl als direkte Form der Demokratie bezeichnet werden. "Direkte Demokratie meint also die unmittelbare 'Volk'-Selbstbestimmung. [...] [Das Volk] sind alle Leute, die von einer Politik betroffen sind, egal, welche Sprache, Religion, Hautfarbe oder Ohrengröße sie haben. [...] Anarchie heißt Herrschaftslosigkeit. Die Umsetzung von Herrschaftslosigkeit bedeutet Direktdemokratie. Das, was Anarchie beinhaltet, ihr Gegenstand also, ist Direktdemokratie. Direktdemokratie bedeutet, daß sich die Menschen - ohne Eliten zu bilden - selbst organisieren" (Burnicki 1998, S. 9f).
Damit ist der Zusammenhang Anarchismus - Demokratie - Selbstorganisation hergestellt, es bedarf aber noch einer genaueren Untersuchung, inwiefern dieses Verständnis von Selbstorganisation mit einem Konzept sozialer Selbstorganisation vereinbar ist. Im Gegensatz zu einem unreflektierten und undialektischen Verständnis von Demokratie, das die Dialektik von Allgemeinem und Besonderem gewisser Begriffe vernachlässigt, erscheint die anarchistische Philosophie bei näherer Analyse als eine eigenständige Konzeption von Demokratie. Unterschiedliche anarchistische Ansätze wie Mutualismus, Individualanarchismus, kommunistischer Anarchismus, libertärer Kommunalismus und Anarchosyndikalismus vereint ein Verständnis, das sich gegen jede Form der Herrschaft wendet. Insbesondere wird in Frage gestellt, daß es einer staatlichen Autorität bedarf, um Entscheidungen verantwortungsvoll zu treffen. Der Staat wird als eine Instanz gesehen, die die kapitalistische Gesellschaft durch Gewalt, Repression und Zwang aufrechterhält. Dazu ist die staatliche Autorität und die Zurechtweisung der BürgerInnen durch Gesetze notwendig. Das Menschenbild des Anarchismus ist eines, das davon ausgeht, daß die Menschen bei Aufhebung der bestehenden kapitalistischen Widersprüche die Kompetenz erlangen können, Entscheidungen verantwortlich zu treffen und ein hohes Maß an Solidarität, Altruismus, Kooperation und Gemeinsinn zu zeigen. Dazu sind partizipatorische Strukturen notwendig, die den Menschen ein hohes Maß an Autonomie ermöglichen und ihnen die Möglichkeit geben, an allen Entscheidungen, die sie betreffen, teilzunehmen. Die entsprechenden in Betracht gezogenen Organisationsformen sind zumeist Rätemodelle auf der Basis von Versammlungen von Betroffenen. Unter sozialen Informationen können wir allgemein Strukturen verstehen, die aus dem Zusammenwirken mehrerer Individuen emergieren. Emergenz heißt dabei, daß eine Einzelperson die entsprechende Struktur nicht etablieren könnte und daher mit anderen zusammenwirken muß. Als eine Art sozialer Information können Gesetze gesehen werden. Der Anarchismus wendet sich gegen Gesetze, da er sie als staatliche Mittel zur Entmächtigung, Beherrschung und Disziplinierung der Individuen begreift. Peter Kropotkin (1985) beschrieb in diesem Zusammenhang Gesetze als modernen Fetisch. Die meisten Menschen können sich demnach ein Zusammenleben ohne Gesetze nicht vorstellen, die Ermöglichung des gesellschaftlichen Umgangs wird Gesetzen zugeschrieben. Der tatsächliche Zweck der Gesetze ist jedoch der Schutz von Privateigentum und Kapitalismus. Wenn AnarchistInnen sich gegen Gesetze aussprechen, was sind dann die sozialen Informationen der Gesellschaft, die sie sich vorstellen? Es wird davon ausgegangen, daß im Anarchismus Entscheidungen getroffen werden können, mit denen die Menschen leben können, da sie selbst an der Ausarbeitung als Betroffene teilgenommen haben. Nichtsdestotrotz gibt es in jeder Form der Gesellschaft soziale Normen und Werte. Der Anarchismus geht davon aus, daß diese Normen und Werte darin bestehen, daß die Menschen in einer herrschaftsfreien Gesellschaft verantwortungsvoll, solidarisch und altruistisch handeln und daß sie die Eigennutzenmaximierung zu Gunsten der Berücksichtigung allgemeiner Interessen aufgeben. Durch eine Sozialisierung in einem gesellschaftlichen System, das auf Werten wie Kooperation, Solidarität und Altruismus an Stelle von Konkurrenz, Eigennutzenmaximierung und Egoismus basiert, kann dies sehr wohl möglich sein. So etwas ist aber für viele Menschen unter den bestehen Verhältnissen nur schwer vorstellbar, da im Kapitalismus alle gesellschaftlichen Bereiche dem Konkurrenzprinzip unterworfen sind. Soziale Informationen im Anarchismus sind also Entscheidungen und Werte wie Solidarität, Kooperation, Altruismus, Verantwortung und Selbstbestimmung. Wie sieht es nun mit dem Selbstorganisationsgrad anarchistischer Entscheidungsstrukturen aus? Unter sozialer Selbstorganisation wird verstanden, daß Individuen, die von Strukturen betroffen sind, Eintreten, Form, Verlauf und Ergebnis des Prozesses der Strukturetablierung selbst bestimmen und gestalten können, indem sie durch Wechselwirkungen auf der Mikroebene Strukturen auf der Makroebene hervorbringen. Wir können von einem mangelnden Selbstorganisationscharakter repräsentativdemokratischer Modelle ausgehen; des weiteren ist direktdemokratischen Strukturen - wie sie auch im Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft verwirklicht sind - , bei denen die Entscheidungsausarbeitung von den Betroffenen entkoppelt wird, die Gefahr eines Übergangs zu plebiszitären Modellen immanent, bei denen jegliche Selbstorganisation erlischt und durch Führungspersonen verunmöglicht wird. So war beispielsweise das Gesellschaftsmodell des Nationalsozialismus an Vorstellungen eines plebiszitären Führersystems angelehnt. Der Anarchismus koppelt die Entscheidungsfindung unmittelbar und relativ vollständig an die Betroffenen. JedeR soll dieselbe Möglichkeit haben, Entscheidungen, die ihn/sie betreffen, mitzugestalten. Staatskritik wird dabei immer auch als Parlamentarismuskritik verstanden, da in einem derartigen politischen System den Menschen die Verantwortung, Entscheidungen zu treffen, abgesprochen werde, um die Beherrschung einer Mehrheit durch eine Minderheit (vgl. z.B. Bakunin 1995, S. 118; Bakunin 1999, S. 130f) aufrechtzuerhalten. Moderne Staatswesen können daher kaum als Demokratien im Sinn der unmittelbaren Volksselbstbestimmung in allen gesellschaftlichen Belangen aufgefaßt werden, sondern vielmehr als oligarchische Systeme. AnarchistInnen wie Murray Bookchin sehen den Anarchismus als die Form tatsächlicher Demokratie, da es hier keine Entmächtigung des Volkes durch die Wahl von RepräsentantInnen und die Entkopplung der Entscheidungsfindung von den Menschen, die mit den einmal getroffenen Entscheidungen leben müssen, gäbe (vgl. z.B. Bookchin 1992, 1996). Anarchistische Entscheidungsmodelle entsprechen daher der Vorstellung von sozialer Selbstorganisation besser als die modernen Staatswesen, die auf repräsentativ- und in eingeschränktem Ausmaß auf direktdemokratischen Mechanismen beruhen. Es gilt in der anarchistischen Theorie geradezu als wesentliches Ideal, daß Betroffene kooperieren, um durch Wechselwirkungen Entscheidungen, die einen basisdemokratischen Rückhalt haben, hervorzubringen. Und dies ist auch der Inbegriff sozialer Selbstorganisation. Exklusvie soziale Informationen werden in einem sozialen System etabliert, in dem es soziale Hierarchien gibt. Dabei üben Teilsysteme, die in der Hierarchie weiter oben stehen, Herrschaft über weiter unten stehende Teilsysteme aus. Außerdem zeichnet sich diese Hierarchie durch eine asymmetrische Machtverteilung aus. In einem solchen hierarchischen sozialen System entstehen häufig Entscheidungen dadurch, daß sie von mächtigeren Teilsystemen getroffen werden, indem sie die Vorteile, die sie dadurch besitzen (z.B. bessere Verfügbarkeit von notwendigen Ressourcen, Informationen, usw.), nutzen. Die Ergebnisse solcher Entscheidungen bezeichnen wir als exklusive soziale Informationen; die sozialen Informationen in Gesetzesform, die unsere moderne Gesellschaft wesentlich prägen, sind exklusiv, da sie von einer Minderheit, die sich alle paar Jahre durch Wahlen legitimieren läßt und sich dadurch auch verändern kann, unter dem Ausschluß der Mehrheit getroffen werden. Gesetze stellen also grundsätzlich immer eine Form der exklusiven sozialen Information dar und sind daher den sozialen Selbstorganisationspotenzen der Menschheit entgegengesetzt. Der Anarchismus wendet sich gegen Herrschaft, Hierarchien und asymmetrische Machtverteilungen. Es ist daher naheliegend, daß es ihm um die Eliminierung der Dominanz exklusiver sozialer Informationen geht. Bei näherer Betrachtung wird deutlich, daß die Vorstellungen über anarchistische Entscheidungsprozesse tatsächlich durch inklusive soziale Informationen geprägt sind. Als inklusive soziale Informationen sehen wir soziale Informationsstrukturen, die sich dadurch auszeichnen, daß alle Elemente eines sozialen Systems, die von der Anwendung der entstehenden sozialen Information betroffen sind, diese durch Wechselwirkungen gemeinsam hervorbringen und daß jedes Individuum dieselben Möglichkeiten und Mittel hat, um die entstehende Informationsstruktur in seinem eigenen Sinn zu beeinflussen. Dem Anarchismus geht es um die unmittelbare Entscheidungsfindung durch Betroffene unter Abwesenheit von Autorität, Herrschaft und Hierarchie. Die Abwesenheit solcher Strukturen, Verhältnisse und Prozesse kann als Annäherung an eine Symmetrisierung der Machtverhältnisse gesehen werden. Symmetrische Macht bedeutet, daß jedeR Betroffene dieselben Möglichkeiten und Ressourcen besitzt, entsprechende Entscheidungen im eigenen Sinn zu beeinflussen. Partizipatorische Basisdemokratie, alle Betroffenen entscheiden alles, das sie betrifft - so könnte ein Ideal des Anarchismus formuliert werden. Und dieses Ideal kommt der Vorstellung der Etablierung inklusiver sozialer Information durch Prozesse der sozialen Selbstorganisation sehr nahe. Es kann gesagt werden, daß der Anarchismus i.A. von kleinen organisatorischen Einheiten ausgeht, in denen basisdemokratische Entscheidungen getroffen werden. Dabei ist es eine Streitfrage, ob ein Konsens erzielt werden sollte oder ob Mehrheitsabstimmungen über Entwürfe, an deren Ausarbeitung alle Betroffenen beteiligt waren, stattfinden sollten. Mehrheitsbeschlüsse erhöhen den Exklusionsgrad demokratischer Prozesse, da der Mehrheitswille verbindlich gilt und der Wille der Minderheit unberücksichtigt bleibt. Der Selbstorganisationsgrad sinkt dadurch also und soziale Informationen, die in dem Sinn inklusiv sind, daß jedeR dieselbe Möglichkeit der Gestaltung und Mitbestimmung hat, bekommen einen zusätzlichen, nämlich exklusiven Charakter. In einer anarchistischen Entscheidungsstruktur mit Mehrheitsprinzip haben Entscheidungen einen inklusiv-exklusiven Charakter: Die Exklusion besteht im Mehrheitsprinzip, die Inklusion in dem hohen Maß der Beteiligung aller Betroffenen. Konsensentscheidungen wären also die Idealform, um inklusive soziale Informationen zu etablieren. Allerdings müssen auch jene Einwände gegen das Konsensprinzip beachtet werden, die Murray Bookchin und andere einbringen (vgl. z.B. Bookchin 1994): Es kann nicht von homogenen Interessen und Meinungen ausgegangen werden, daher werden mehrheitsfähige Meinungen Minderheitenpositionen möglicherweise unterdrücken oder jene, die sich der Mehrheit nicht anschließen wollen, aus dem Entscheidungsprozeß hinausdrängen. Dann entsteht ein formaler Konsens, eine formelle inklusive soziale Information, die jedoch in dem Sinn wiederum exklusiv ist, daß der Konsens nur ein Konsens der Mehrheit ist, die sich gegen Minderheiten wendet. Es kann wohl keine allgemeine Empfehlung für die Anwendung von Konsens- oder Mehrheitsprinzip von AnarchistInnen gegeben werden, da dies eine praktische Frage ist, die einzig von Gruppen, die einen basisdemokratischen Anspruch haben, in konkreten Situationen gelöst werden kann. Sehr wohl aber meinen die meisten AnarchistInnen, daß ein Konsens darüber erreicht werden sollte, ob in einer konkreten Entscheidungssituation das Konsens- oder das Mehrheitsprinzip anzuwenden ist. Ansonsten entsteht nämlich sehr leicht Handlungsunfähigkeit. Charakteristisch für Rätemodelle, auf die sich der Anarchismus häufig bezieht, sind föderalistische Vorstellungen, nach denen Entscheidungen, die nicht nur eine Organisationseinheit betreffen, sondern mehrere, in der Form von Föderationsräten behandelt werden sollten. Im allgemeinen wird in der Demokratietheorie davon ausgegangen, daß direkt- und basisdemokratische Entscheidungsmechanismen in großen Organisationsstrukturen schwierig sind und für kleinere organisatorische Einheiten geeignet sind. Im Fall von Versammlungsmodellen scheitert ein Rat, in dem alle Betroffenen direkt miteinander diskutieren, spätestens dann, wenn es zu viele Menschen sind, die eine Entscheidung miteinander gestalten wollen. Zehntausende können nicht auf demokratische Weise in einer Versammlung direkt miteinander kommunizieren. Daher sind Föderationsmodelle für den Anarchismus naheliegend. Nach anarchistischen Vorstellungen sind in Föderationsräten Delegierte der unterhalb der Föderation liegenden organisatorischen Einheiten vertreten. Die unterschiedliche Gestaltungsweise dieser Räte hat Einfluß auf den Inklusions- und Exklusionsgrad der entstehenden sozialen Informationen. Eine wesentliche Frage besteht darin, ob Delegierte entscheidungsbefugt sind oder ob sie als reine kommunikative Schnittstellen betrachtet werden. Viele Rätemodelle gehen davon aus, daß Delegierte von ihrer Basis gewählt werden sollen und jederzeit von ihr abberufen werden können. Damit ist die Vorstellung verbunden, daß diese Delegierten im eigenen Ermessen in Föderationsräten entscheiden. Es entsteht damit aber die Gefahr der Loslösung von Entscheidungen von ihrer Basis. Insbesondere ist dies problematisch, wenn es mehrere Föderationsstufen gibt und dieselben Delegierten die Möglichkeit haben, in mehreren Stufen vertreten zu sein und unabhängig von ihrer Basis Entscheidungen zu treffen. Es kann dann sehr leicht, so eine häufig lautende anarchistische Kritik, zur Ausbildung von Hierarchien und asymmetrischer Machtverteilung kommen. Ist dies der Fall, so werden der Selbstorganisations- und Inklusionsgrad der in den Föderationsräten entstehenden sozialen Informationen deutlich abgeschwächt. Entscheidungen, die in Föderationsräten entstehen, betreffen viele Menschen. Im beschriebenen Fall, hat aber nicht mehr jedeR dieselbe Möglichkeit, Entscheidungen zu beeinflussen. Delegierte haben dann mehr Macht als ihre Basis. Wiederum anders zu betrachten ist ein horizontales Modell, das davon ausgeht, daß Delegierte keinen Spielraum zur selbständigen Entscheidung bekommen sollten, sondern Kommunikationsschnittstellen zwischen organisatorischen Einheiten oder Interessensgruppen darstellen. Soll eine Entscheidung getroffen werden, so treffen Delegierte aller Einheiten und Interessensgruppen, die davon betroffen sind, zusammen und diskutieren das Problem. Sie können allerdings keine Entscheidungen treffen, müssen also wiederum Rücksprache mit ihren Basen halten, deren Meinung sich durch den übergreifenden Diskussionsprozeß möglicherweise geändert hat. Die Delegierten vertreten die Interessen ihrer Basis in Diskussionen mit anderen Gruppen und sind Kommunikationsschnittstellen zwischen ihrer Basis und den Menschen, die sich in anderen Gruppen und Einheiten organisieren. Der Selbstorganisations- und Inklusionsgrad des horizontalen ist im Vergleich zum hierarchischen Rätemodell höher, da die Delegierten darin nicht eine Kompetenz erlangen, die es erlaubt, Entscheidungen von ihrer Basis loszulösen. Denkbar ist es z.B., daß in derartigen Föderationsräten sehr wohl ein Konsens hergestellt werden kann, indem die Delegierten im Auftrag ihrer jeweiligen Basis miteinander diskutieren und die Interessen und Meinungen ihrer jeweiligen Basis darlegen. Auch Mehrheitsentscheide in der Form von Wahlen, bei denen die Stimmen einzelner organisatorischer Einheiten gewichtet werden, um Machtasymmetrien auf Grund verschiedener Größen der Einheiten zu minimieren, sind vorstellbar. Eine weitere Möglichkeit sind Mehrheitsentscheidungen, bei denen die Delegierten des Föderationsrates im Auftrag ihrer jeweiligen Basis abstimmen. Dabei muß zuerst eine eindeutige Festlegung der Basis erfolgen, was bei einer Abstimmung, an der alle Betroffenen direkt beteiligt sind, nicht der Fall ist. Es muß jedoch gesagt werden, daß auch derartige Mehrheitsentscheide auf föderaler Basis den Inklusions- und Selbstorganisationscharakter der entstehenden sozialen Informationen schwächen. Allgemein kann festgehalten werden, daß anarchistische Entscheidungsmodelle, die sich durch Dezentralität, Basisdemokratie, kleinere organisatorische Einheiten, Rätemodelle, den Föderationsgedanken und die Selbstbestimmung Betroffener charakterisieren lassen, der Vorstellung von sozialer Selbstorganisation näher kommen als etablierte repräsentativ- und direktdemokratische (Volksentscheid, Volksbegehren, Volksinitiative usw.) Modelle und Elemente, da sie die Etablierung inklusiver sozialer Informationen zu einem wesentlichen Bestandteil ihres Ansatzes machen. Es geht dabei um die Vorstellung, daß Betroffene die Entscheidungsprozesse, als deren Ergebnisse soziale Informationsstrukturen entstehen, selbst bestimmen und gestalten können und daß sie unter veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auch die Fähigkeiten entwickeln können, dies in der Praxis durchzuführen. Es wird von anarchistischer Seite argumentiert, daß der bestehende Gesetzes- und Staatsfetisch sowie die kapitalistischen Verhältnisse dazu beitragen, daß unter den herrschenden Bedingungen eine radikale Basisdemokratie, wie sie der Anarchismus befürwortet, für die Menschen nur schwer vorstellbar ist. Der Selbstorganisationscharakter von Repräsentativmodellen ist gering, da Entscheidungen, von den Menschen, die von den resultierenden (exklusiven) sozialen Informationen betroffen sind, entkoppelt werden. Moderne direktdemokratische Vorstellungen, die sich auf große Staatswesen beziehen, tragen die Gefahr in sich, daß damit autoritäre und plebiszitäre Elemente transportiert werden. Die Geschichte hat gezeigt, daß Systeme mit Führungsfiguren und plebiszitären Entscheidungsstrukturen zum Erlöschen jedes Selbstorganisationscharakters führen. Der Selbstorganisationsgrad von direktdemokratischen Mechanismen kann i.A. höher eingestuft als jener von repräsentativdemokratischen. Dieser Selbstorganisationsgrad ist aber noch immer ein sehr eingeschränkter, der vielfältigen Limitierungen und Exklusionen unterliegt. Anarchistische Entscheidungsmodelle können als eine Alternative zum bestehenden Mangel an inklusiver sozialer Information betrachtet werden, sie betonen die soziale Selbstorganisation und können als eine Form partizipatorischer Basisdemokratie betrachtet werden.
Literatur:
Bakunin, Michael (1995) Gott und der Staat. Grafenau/Wien. Trotzdem/Monte Verita
Bakunin, Michael (1999) Staatlichkeit und Anarchie. Berlin. Karin Kramer Verlag
Bookchin, Murray (1992) Die Neugestaltung der Gesellschaft. Grafenau. Trotzdem
Bookchin, Murray (1996) Die Agonie der Stadt: Aufstieg und Niedergang des freien Bürgers. Grafenau. Trotzdem.
Bookchin, Murray (1994) What is Communalism? In: Left Green Perspectives 31. http://www.leftgreen.org/issues/lgp31.html Burnicki, Ralf (1998) Anarchie als Direktdemokratie: Selbstverwaltung, Antistaatlichkeit - Eine Einführung in den Gegenstand der Anarchie. Moers. Syndikat
Kropotkin, Peter: Gesetz und Autorität (Anarchistische Texte 2). Berlin. Libertad. 5. Auflage 1985
Marcuse, Herbert (1937) Philosophie und kritische Theorie. In: Herbert Marcuse (1965) Kultur und Gesellschaft I. Frankfurt/Main. Suhrkamp. S. 102-127 Die Texte der Flugblätter zitiert aus: "Die Weiße Rose" von Inge Scholl, Fischer Taschenbücher, ISBN 3-596-11234-6, Januar 1992 Erstes Flugblatt Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique «regieren» zu lassen. Ist es nicht so, daß sich jeder ehrliche Deutsche heute seiner Regierung schämt, und wer von uns ahnt das Ausmaß der Schmach, die über uns und unsere Kinder kommen wird, wenn einst der Schleier von unseren Augen gefallen ist und die grauenvollsten und jegliches Maß unendlich überschreitenden Verbrechen ans Tageslicht treten? Wenn das deutsche Volk schon so in seinem tiefsten Wesen korrumpiert und zerfallen ist, daß es, ohne eine Hand zu regen, im leichtsinnigen Vertrauen auf eine fragwürdige Gesetzmäßigkeit der Geschichte das Höchste, das ein Mensch besitzt und das ihn über jede andere Kreatur erhöht, nämlich den freien Willen, preisgibt, die Freiheit das Menschen preisgibt, selbst mir einzugreifen in das Rad der Geschichte und es seiner vernünftigen Entscheidung unterzuordnen - wenn die Deutschen, so jeder Individualität bar, schon so sehr zur besitzlosen und feigen Masse geworden sind, dann, ja dann verdienen sie den Untergang. Goethe spricht von den Deutschen als einem tragischen Volke, gleich dem der Juden und Griechen, aber heute hat es eher den Anschein, als sei es eine seichte, willenlose Herde von Mitläufern, denen das Mark aus dem Innersten gesogen und die nun ihres Kerns beraubt, bereit sind, sich in den Untergang hetzen zu lassen. Es scheint so - aber es ist nicht so; vielmehr hat man in langsamer, trügerischer, systematischer Vergewaltigung jeden einzelnen in ein geistiges Gefängnis gesteckt, und erst als er darin gefesselt lag, wurde er sich das Verhängnisses bewußt. Wenige nur erkannten das drohende Verderben, und der Lohn für ihr heroisches Mahnen war der Tod. Über das Schicksal dieser Menschen wird noch zu reden sein. Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt, werden die Boten der rächenden Nemesis unaufhaltsam näher und näher rücken, dann wird auch das letzte Opfer sinnlos in den Rachen des unersättlichen Dämons geworfen sein. Daher muß jeder einzelne seiner Verantwortung als Mitglied der christlichen und abendländischen Kultur bewußt in dieser letzten Stunde sich wehren, soviel er kann, arbeiten wider die Geißel der Menschheit, wider den Faschismus und jedes ihm ähnliche System des absoluten Staates. Leistet passiven Widerstand - Widerstand -, wo immer Ihr auch seid, verhindert das Weiterlaufen dieser atheistischen Kriegsmaschine, ehe es zu spät ist, ehe die letzten Städte ein Trümmerhaufen sind, gleich Köln, und ehe die letzte Jugend des Volkes irgendwo für die Hybris eines Untermenschen verblutet ist. Vergeßt nicht, daß ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt! Zweites Flugblatt Man kann sich mit dem Nationalsozialismus geistig nicht auseinandersetzen, weil er ungeistig ist. Es ist falsch, wenn man von einer nationalistischen Weltanschauung spricht, denn wenn es diese gäbe, müßte man versuchen, sie mit geistigen Mitteln zu beweisen oder zu bekämpfen - die Wirklichkeit aber bietet uns ein völlig anderes Bild: Schon in ihrem ersten Keim war diese Bewegung auf den Betrug des Mitmenschen angewiesen, schon damals war sie im Innersten verfault und konnte sich nur durch die stete Lüge retten. Schreibt doch Hitler selbst in einer frühen Auflage «seines» Buches (ein Buch, das in dem übelsten Deutsch geschrieben worden ist, das ich je gelesen habe; dennoch ist es von dem Volke der Dichter und Denker zur Bibel erhoben worden): "Man glaubt nicht, wie man ein Volk betrügen muß, um es zu regieren" Wenn sich nun am Anfang dieses Krebsgeschwür des deutschen Volkes noch nicht allzusehr bemerkbar gemacht hatte, so nur deshalb, weil noch gute Kräfte genug am Werk waren, es zurückzuhalten. Wie es aber größer und größer wurde und schließlich mittels einer letzten gemeinen Korruption zur Macht kam, das Geschwür gleichsam aufbrach und den ganzen Körper besudelte, versteckte sich die Mehrzahl der früheren Gegner, flüchtete die deutsche Intelligenz in ein Kellerloch, um dort als Nachtschattengewächs, dem Licht und der Sonne verborgen, allmählich zu ersticken. Jetzt kommt es darauf an, sich gegenseitig wiederzufinden, aufzuklären von Mensch zu Mensch, immer daran zu denken und sich keine Ruhe zu geben, bis auch der Letzte von der äußersten Notwendigkeit seines Kämpfens wider dieses System überzeugt ist. Wenn so eine Welle des Aufruhrs durch das Land geht, wenn <es in der Luft liegt>, wenn viele mitmachen, dann kann in einer letzten, gewaltigen Anstrengung dieses System abgeschüttelt werden. Ein Ende mit Schrecken ist immer noch besser als ein Schrecken ohne Ende. Es ist uns nicht gegeben, ein endgültiges Urteil über den Sinn unserer Geschichte zu fällen. Aber wenn dieseKatastrophe uns zum Heile dienen soll, so doch nur dadurch: durch das Leid gereinigt zu werden, aus der tiefsten Nacht heraus das Licht zu ersehnen, sich aufzuraffen und endlich mitzuhelfen, das Joch abzuschütteltn, das die Welt bedrückt. Nicht über die Judenfrage wollen wir in diesem Blatte schreiben, keine Verteidigungsrede verfassen - nein, nur als Beispiel wollen wir die Tatsache kurz anführen, die Tatsache, daß seit der Eroberung Polens dreihunderttausend Juden in diesem Land auf bestialische Art ermordet worden sind. Hier sehen wir das fürchterlichste Verbrechen an der Würde des Menschen, ein Verbrechen, dem sich kein ähnliches in der ganzen Menschengeschichte an die Seite stellen kann. Auch die Juden sind doch Menschen - man mag sich zur Judenfrage stellen, wie man will -, und an Menschen wurde solches verübt. Vielleicht sagt jemand, die Juden hätten ein solches Schicksal verdient; die Behauptung wäre eine ungeheure Anmaßung; aber angenommen, es sagte jemand dies, wie stellt er sich dann zu der Tatsache, daß die gesamte polnische adelige Jugend vernichtet worden ist (gebe Gott, daß sie es noch nicht ist!)? Auf welche Art, fragen Sie, ist solches geschehen? Alle männlichen Sprößlinge aus adeligen Geschlechtern zwischen 15 und 20 Jahren wurden in Konzentrationslager nach Deutschland zur Zwangsarbeit, alle Mädchen gleichen Alters nach Norwegen in die Bordelle der SS verschleppt! Wozu wir dies Ihnen alles erzählen, da Sie es schon selber wissen, wenn nicht diese, so andere gleich schwere Verbrechen des fürchterlichen Untermenschentums? Weil hier eine Frage berührt wird, die uns alle zutiefst angeht und allen zu denken geben muß. Warum verhält sich das deutsche Volk angesichts all dieser scheußlichsten menschenunwürdigsten Verbrechen so apathisch? Kaum irgend jemand macht sich Gedanken darüber. Die Tatsache wird als solche hingenommen und ad acta gelegt. Und wieder schläft das deutsche Volk in seinem stumpfen, blöden Schlaf weiter und gibt diesen faschistischen Verbrechern Mut und Gelegenheit, weiterzuwüten - und diese tun es. Sollte dies ein Zeichen dafür sein, daß die Deutschen in ihren primitivsten menschlichen Gefühlen verroht sind, daß keine Saite in ihnen schrill aufschreit im Angesicht solcher Taten, daß sie in einen tödlichen Schlaf versunken sind, aus dem es kein Erwachen mehr gibt, nie, niemals? Es scheint so und ist es bestimmt, wenn der Deutsche nicht endlich aus dieser Dumpfheit auffährt, wenn er nicht protestiert, wo immer er nur kann, gegen diese Verbrecherclique, wenn er mit diesen Hunderttausenden von Opfern nicht mitleidet. Und nicht nur Mitleid muß er empfinden, nein, noch viel mehr: Mitschuld. Denn er gibt durch sein apathisches Verhalten diesen dunklen Menschen erst die Möglichkeit, so zu handeln, er erleidet diese «Regierung», die eine so unendliche Schuld auf sich geladen hat, ja, er ist doch selbst schuld daran, daß sie überhaupt entstehen konnte! Ein jeder will sich von einer solchen Mitschuld freisprechen, ein jeder tut es und schläft dann wieder mit ruhigstem, besten Gewissen. Aber er kann sich nicht freisprechen, ein jeder ist schuldig, schuldig, schuldig! Doch ist es noch nicht zu spät, diese abscheulichste aller Mißgeburten von Regierungen aus der Welt schaffen, um nicht noch mehr Schuld auf sich zu laden. Jetzt, da uns in den letzten Jahren die Augen vollkommen geöffnet worden sind, da wir wissen, mit wem wir es zu tun haben, jetzt ist es allerhöchste Zeit, diese braune Horde auszurotten. Bis zum Ausbruch des Krieges war der größte Teil des deutschen Volkes geblendet, die Nationalsozialisten zeigten sich nicht in ihrer Gestalt, doch jetzt, da man sie erkannt hat, muß es die einzige und höchste Pflicht, ja heiligste Pflicht eines jeden Deutschen sein, diese Bestien zu vertilgen. «Der, des Verwaltung unauffällig ist, des Volk ist froh. Der, des Verwaltung aufdringlich ist, des Volk ist gebrochen. Elend, ach, ist es, worauf Glück sich aufbaut. Glück, ach, verschleiert nur Elend. Wo soll das hinaus? Das Ende ist nicht abzusehen. Das Geordnete verkehrt sich in Unordnung, das Gute verkehrt sich in Schlechtes. Das Volk gerät in Verwirrung. Ist es nicht so, täglich, seit langem? Daher ist der Hohe Mensch rechteckig, aber er stößt nicht an, er ist kantig, aber verletzt nicht, er ist aufrecht, aber nicht schroff. Er ist klar, aber will nicht glänzen.» Lao-tse «Wer unternimmt, das Reich zu beherrschen und es nach seiner Willkür zu gestalten; ich sehe ihn sein Ziel nicht erreichen; das ist alles.» «Das Reich ist ein lebendiger Organismus; es kann nicht gemacht werden, wahrlich! Wer daran machen will, verdirbt es, wer sich seiner bemächtigen will, verliert es.» Daher: «Von den Wesen gehen manche voraus, andere folgen ihnen, manche atmen warm, manche kalt, manche sind stark, manche schwach, manche erlangen Fülle, andere unterliegen.» «Der Hohe Mensch daher läßt ab von Übertriebenheit, läßt ab von Überhebung, läßt ab von Übergriffen» Lao-tse Wir bitten, diese Schrift mit möglichst vielen Durchschlägen abzuschreiben und weiterzuverteilen. Drittes Flugblatt «Salus publica suprema lex» Alle idealen Staatsformen sind Utopien. Ein Staat kann nicht rein theoretisch konstruiert werden, sondern er muß ebenso wachsen, reifen wie der einzelne Mensch. Aber es ist nicht zu vergessen, daß am Anfang einer jeden Kultur die Vorform des Staates vorhanden war. Die Familie ist so alt wie die Menschen selbst, und aus diesem anfänglichen Zusammensein hat sich der vernunftbegabte Mensch einen Staat geschaffen, dessen Grund die Gerechtigkeit und dessen höchstes Gesetz das Wohl aller sein soll. Der Staat soll eine Analogie der göttlichen Ordnung darstellen, und die höchste aller Utopien, die civitas Dei, ist das Vorbild, dem er sich letzten Endes nähern soll. Wir wollen hier nicht urteilen über die verschiedenen möglichen Staatsformen, die Demokratie, die konstitutionelle Monarchie, das Königtum usw. Nur eines will eindeutig und klar herausgehoben werden: jeder einzelne Mensch hat einen Anspruch auf einen brauchbaren und gerechten Staat, der die Freiheit der einzelnen als auch das Wohl der Gesamtheit sichert. Denn der Mensch soll durch Gottes Willen frei und unabhängig im Zusammenleben und Zusammenwirken der staatlichen Gemeinschaft sein natürlicher Ziel, sein irdisches Glück in Selbständigkeit und Selbsttätigkeit zu erreichen suchen. Unser heutiger >Staat< aber ist die Diktatur des Bösen. «Das wissen wir schon lange», höre ich Dich einwenden, «und wir haben es nicht nötig, daß uns dies hier noch einmal vorgehalten wird.» Aber, frage ich Dich, wenn Ihr das wißt, warum regt Ihr Euch nicht, warum duldet Ihr, das diesen Gewalthaber Schritt für Schritt offen und im verborgenen eine Domäne Eures Rechts nach der anderen rauben, bis eines Tages nichts, aber auch gar nichts übrigbleiben wird als ein mechanisiertes Staatsgetriebe, kommandiert von Verbrechern und Säufern? Ist Euer Geist schon so sehr der Vergewaltigung unterlegen, daß Ihr vergeßt, das es nicht nur Euer Recht, sondern Eure sittliche Pflicht ist, dieses System zu beseitigen? Wenn aber ein Mensch nicht mehr die Kraft aufbringt, sein Recht zu fordern, dann muß er mit absoluter Notwendigkeit untergehen. Wir würden es verdienen, in aller Welt verstreut zu werden wie der Staub vor dem Winde, wenn wir uns in dieser zwölften Stunde nicht aufrafften und endlich den Mut aufbrächten, der uns seither gefehlt hat. Verbergt nicht Eure Feigheit unter dem Mantel der Klugheit. Denn mit jedem Tag, da Ihr noch zögert, da Ihr dieser Ausgeburt der Hölle nicht widersteht, wächst Eure Schuld gleich einer parabolischen Kurve höher und immer höher. Viele, vielleicht die meisten Leser dieser Blätter sind sich darüber nicht klar, wie sie einen Widerstand ausüben sollen. Sie sehen keine Möglichkeiten. Wir wollen versuchen, ihnen zu zeigen, daß ein jeder in der Lage ist, etwas beizutragen zum Sturz dieses Systems. Nicht durch individualistische Gegnerschaft, in der Art verbitterter Einsiedler, wird es möglich werden, den Boden für einen Sturz dieser «Regierung» reif zu machen oder gar den Umsturz möglichst bald herbeizuführen, sondern nur durch die Zusammenarbeit vieler überzeugter, tatkräftiger Menschen, Menschen, die sich einig sind, mit welchen Mitteln sie ihr Ziel erreichen können. Wir haben keine reiche Auswahl an solchen Mitteln, nur ein einziges steht uns zur Verfügung - der passive Widerstand. Der Sinn und das Ziel des passiven Widerstandes ist, den Nationalsozialismus zu Fall zu bringen, und in diesem Kampf ist vor keinem Weg, vor keiner Tat zurückzuschrecken, mögen sie auf Gebieten liegen, auf welchen sie auch wollen. An allen Stellen muß der Nationalsozialismus angegriffen werden, an denen er nur angreifbar ist. Ein Ende muß diesem Unstaat möglichst bald bereitet werden - ein Sieg des faschistischen Deutschland in diesem Kriege hätte unabsehbare, fürchterliche Folgen. Nicht der militärische Sieg über den Bolschewismus darf die erste Sorge für jeden Deutschen sein, sondern die Niederlage der Nationalsozialisten. Dies muß unbedingt an erster Stelle stehen. Die größere Notwendigkeit dieser letzten Forderung werden wir Ihnen in einem unserer nächsten Blätter beweisen. Und jetzt muß sich ein jeder entschiedene Gegner des Nationalsozialismus die Frage vorlegen: Wie kann es gegen den gegenwärtigen «Staat» am wirksamsten ankämpfen, wie ihm die empfindlichsten Schläge beibringen? Durch den passiven Widerstand - zweifellos. Es ist klar, daß wir unmöglich für jeden einzelnen Richtlinien für sein Verhalten geben können, nur allgemein andeuten können wir, den Weg zur Verwirklichung muß jeder selber finden. Sabotage in den Rüstungs- und kriegswichtigen Betrieben, Sabotage in allen Versammlungen, Kundgebungen, Festlichkeiten, Organisationen, die durch die nationalsozialistische Partei ins Leben gerufen werden. Verhinderung des reibungslosen Ablaufs der Kriegsmaschine (einer Maschine, die nur für einen Krieg arbeitet, der allein um die Rettung und Erhaltung der nationalsozialistischen Partei und Diktatur geht). Sabotage auf allen wissenschaftlichen und geistigen Gebieten, die für eine Fortführung des gegenwärtigen Krieges tätig sind - sei es Universitäten, Hochschulen, Laboratorien, Forschungsanstalten, technischen Büros. Sabotage in allen Veranstaltungen kultureller Art, die das >Ansehen< der Faschisten im Volke heben könnten. Sabotage in allen Zweigen der bildenden Künste, die nur im geringsten im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus stehen und ihm dienen. Sabotage in allem Schrifttum, allen Zeitungen, die im Solde der >Regierung< stehen, für ihre Ideen, für die Verbreitung der braunen Lüge kämpfen. Opfert nicht einen Pfennig bei Straßensammlungen (auch wenn sie unter dem Deckmantel wohltätiger Zwecke durchgeführt werden). Denn dies ist nur eine Tarnung. In Wirklichkeit kommt das Ergebnis weder dem Roten Kreuz noch den Notleidenden zugute. Die Regierung braucht das Geld nicht, ist auf diese Sammlungen finanziell nicht angewiesen - die Druckmaschinen laufen ja ununterbrochen und stellen jede beliebige Menge von Papiergeld her. Das Volk muß aber dauernd in Spannung gehalten werden, nie darf der Druck der Kandare nachlassen! Gebt nichts für die Metall-, Spinnstoff- und andere Sammlungen. Sucht alle Bekannten auch aus den unteren Volksschichten von der Sinnlosigkeit einer Fortführung, von der Aussichtslosigkeit dieses Krieges, von der geistigen und wirtschaftlichen Versklavung durch den Nationalsozialismus, von der Zerstörung aller sittlichen und religiösen Werte zu überzeugen und zum passiven Widerstand zu veranlassen! Aristoteles, >Über die Politik<: »...ferner gehört es« (zum Wesen der Tyrannis), »dahin zu streben, daß ja nichts verborgen bleibe, was irgendein Untertan spricht oder tut, sondern überall Späher ihn belauschen, ... ferner alle Welt miteinander zu verhetzen und Freunde mit Freunden zu verfeinden und das Volk mit den Vornehmen und die Reichen unter sich. Sodann gehört es zu solchen tyrannischen Maßregeln, die Untertanen arm zu machen, damit die Leibwache besoldet werden kann, und sie, mit der Sorge um ihren täglichen Erwerb beschäftigt, keine Zeit und Muße haben, Verschwörungen anzustiften. ... Ferner aber auch solche hohe Einkommensteuern, wie die in Syrakus auferlegten, denn unter Dionysios hatten die Bürger dieses Staates in fünf Jahren glücklich ihr ganzes Vermögen in Steuern ausgegeben. Und auch beständige Kriege zu erregen, ist der Tyrann geneigt...« Bitte vervielfältigen und weitergeben! Viertes Flugblatt Es ist eine alte Weisheit, die man Kindern immer wieder aufs neue predigt, daß wer nicht hören will, fühlen muß. Ein kluges Kind wird sich aber die Finger nur einmal am heißen Ofen verbrennen. In den vergangenen Wochen hatte Hitler sowohl in Afrika, als auch in Rußland Erfolge zu verzeichnen. Die Folge davon war, daß der Optimismus auf der einen, die Bestürzung und der Pessimismus auf der anderen Seite des Volkes mit einer der deutschen Trägheit unvergleichlichen Schnelligkeit anstieg. Allenthalben hörte man unter den Gegnern Hitlers, also unter dem besseren Teil des Volkes, Klagerufe, Worte der Enttäuschung und der Entmutigung, die nicht selten in dem Ausruf endigten: "Sollte nun Hitler doch... ?" Indessen ist der deutsche Angriff auf Ägypten zum Stillstand gekommen, Rommel muß in einer gefährlich exponierten Lage verharren - aber noch geht der Vormarsch im Osten weiter. Dieser scheinbare Erfolg ist unter den grauenhaftesten Opfern erkauft worden, so daß er schon nicht mehr als vorteilhaft bezeichnet werden kann. Wir warnen daher vor jedem Optimismus. Wer hat die Toten gezählt, Hitler oder Goebbels - wohl keiner von beiden. Täglich fallen in Rußland Tausende. Es ist die Zeit der Ernte, und der Schnitter fährt mit vollem Zug in die reife Saat. Die Trauer kehrt ein in die Hütten der Heimat, und niemand ist da, der die Tränen der Mütter trocknet. Hitler aber belügt die, deren teuerstes Gut er geraubt und in den sinnlosen Tod getrieben hat. Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist Lüge: Wenn er Frieden sagt, meint er den Krieg, und wenn er in frevelhaftester Weise den Namen des Allmächtigen nennt, meint er die Macht des Bösen, den gefallenen Engel, den Satan. Sein Mund ist der stinkende Rachen der Hölle und seine Macht ist im Grunde verworfen. Wohl muß man mit rationalen Mitteln den Kampf wider den nationalsozialistischen Terrorstaat führen; wer aber heute noch an der realen Existenz der dämonischen Mächte zweifelt, hat den metaphysischen Hintergrund dieses Krieges bei weitem nicht begriffen. Hinter dem konkreten, hinter dem sinnlich Wahrnehmbaren, hinter allen sachlichen logischen Überlegungen, steht das Irrationale, d.i. der Kampf wider den Dämon, wider den Boten des Antichrists. Überall und zu allen Zeiten haben die Dämonen im Dunkeln gelauert auf die Stunde, da der Mensch schwach wird, da er seine ihm von Gott auf Freiheit gegründete Stellung im ordo eigenmächtig verläßt, da er dem Druck des Bösen nachgibt, sich von den Mächten höherer Ordnung loslöst und so, nachdem er den ersten Schritt freiwillig getan, zum zweiten und dritten und immer mehr getrieben wird mit rasend steigender Geschwindigkeit - überall und zu allen Zeiten der höchsten Not sind Menschen aufgestanden, Propheten, Heilige, die ihre Freiheit gewahrt hatten, die auf den Einzigen Gott hinwiesen und mit seiner Hilfe das Volk zur Umkehr mahnten. Wohl ist der Mensch frei, aber er ist wehrlos wider das Böse ohne den wahren Gott, er ist wie ein Schiff ohne Ruder, dem Sturme preisgegeben, wie ein Säugling ohne Mutter, wie eine Wolke, die sich auflöst. Gibt es, so frage ich Dich, der Du ein Christ bist, gibt es in diesem Ringen um die Erhaltung Deiner höchsten Güter ein Zögern, ein Spiel mit Intrigen, ein Hinausschieben der Entscheidung in der Hoffnung, daß ein anderer die Waffen erhebt, um Dich zu verteidigen? Hat Dir nicht Gott selbst die Kraft und den Mut gegeben zu kämpfen? Wir müssen das Böse dort angreifen, wo es am mächtigsten ist, und es ist am mächtigsten in der Macht Hitlers. "Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne; und siehe, da waren Tränen derer, so Unrecht litten und hatten keinen Tröster; und die ihnen Unrecht taten, waren zu mächtig, daß sie keinen Tröster haben konnten.Da lobte ich die Toten, die schon gestorben waren, mehr denn die Lebendigen, die noch das eben hatten..." (Sprüche) Novalis: "Wahrhafte Anarchie ist das Zeugungselement der Religion. Aus der Vernichtung alles Positiven hebt sie ihr glorreiches Haupt als neue Weltstifterin empor ... Wenn Europa wieder erwachen wollte, wenn ein Staat der Staaten, eine politische Wissenschaftslehre uns bevorstände! Sollte etwa die Hierarchie...das Prinzip des Staatenvereins sein?... Es wird solange Blut über Europa strömen, bis die Nationen ihren fürchterlichen Wahnsinn gewahr werden, der sie im Kreis herumtreibt, und von heiliger Musik getroffen und besänftigt, zu ehemaligen Altären in bunter Vermischung treten, Werke des Friedens vornehmen und ein großes Friedensfest auf den rauchenden Walstätten mit heißen Tränen gefeiert wird. Nur die Religion kann Europa wieder aufwecken und das Völkerrecht sichern und die Christenheit mit neuer Herrlichkeit sichtbar auf Erden in ihr friedenstiftendes Amt installieren." Wir weisen eindrücklich darauf hin, daß die Weiße Rose nicht im Solde einer ausländischen Macht steht. Obgleich wir wissen, daß die nationalsozialistische Macht militärisch gebrochen werden muß, suchen wir eine Erneuerung des schwerverwundeten deutschen Geistes von innen her zu erreichen. Dieser Wiedergeburt muß aber die klare Erkenntnis aller Schuld, die das deutsche Volk auf sich geladen hat, und ein rücksichtsloser Kampf gegen Hitler und seine allzuvielen Helfershelfer, Parteimitglieder, Quislinge usw. vorausgehen. Mit aller Brutalität muß die Kluft zwischen dem besseren Teil des Volkes und allem, was mit dem Nationalsozialismus zusammenhängt, aufgerissen werden. Für Hitler und seine Anhänger gibt es auf dieser Erde keine Strafe, die ihren Taten gerecht wäre. Aber aus Liebe zu kommenden Generationen muß nach Beendigung des Krieges ein Exempel statuiert werden, daß niemand auch nur die geringste Lust je verspüren sollte, Ähnliches aufs neue zu versuchen. Vergeßt auch nicht die kleinen Schurken dieses Systems, merkt Euch die Namen, auf daß keiner entkomme! Es soll ihnen nicht gelingen, in letzter Minute noch nach all diesen Scheußlichkeiten die Fahne zu wechseln und so zu tun, als ob nichts gewesen wäre! Zu Ihrer Beruhigung möchten wir noch hinzufügen, daß die Adressen der Leser der Weißen Rose nirgendwo schriftlich niedergelegt sind. Die Adressen sind willkürlich Adressbüchern entnommen. Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen, die Weiße Rose läßt Euch keine Ruhe! Bitte vervielfältigen und weitersenden! Fünftes Flugblatt Aufruf an alle Deutsche! Der Krieg geht seinem sicheren Ende entgegen. Wie im Jahre 1918 versucht die deutsche Regierung, alle Aufmerksamkeit auf die wachsende U-Bootgefahr zu lenken, während im Osten die Armeen unaufhörlich zurückströmen, im Westen die Invasion erwartet wird. Die Rüstung Amerikas hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, aber heute schon übertrifft sie alles in der Geschichte seither Dagewesene. Mit mathematischer Sicherheit führt Hitler das deutsche Volk in den Abgrund. Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur noch verlängern! Seine und seiner Helfer Schuld hat jedes Maß unendlich überschritten. Die gerechte Strafe rückt näher und näher! Was aber tut das deutsche Volk? Es sieht nicht und es hört nicht. Blindlings folgt es seinen Verführern ins Verderben. Sieg um jeden Preis, haben sie auf ihre Fahne geschrieben. Ich kämpfe bis zum letzten Mann, sagt Hitler - indes ist der Krieg bereits verloren. Deutsche! Wollt Ihr und Eure Kinder dasselbe Schicksal erleiden, das den Juden widerfahren ist? Wollt Ihr mit dem gleichen Maße gemessen werden, wie Eure Verführer? Sollen wir auf ewig das von aller Welt gehaßte und ausgestoßene Volk sein? Nein! Darum trennt Euch von dem nationalsozialistischen Untermenschentum! Beweist durch die Tat, daß Ihr anders denkt! Ein neuer Befreiungskrieg bricht an. Der bessere Teil des Volkes kämpft auf unserer Seite. Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt! Entscheidet Euch, eh' es zu spät ist! Glaubt nicht der nationalsozialistischen Propaganda, die Euch den Bolschewistenschreck in die Glieder gejagt hat! Glaubt nicht, daß Deutschlands Heil mit dem Sieg des Nationalsozialismus auf Gedeih und Verderben verbunden sei! Ein Verbrechertum kann keinen deutschen Sieg erringen. Trennt Euch rechtzeitig von allem, was mit dem Nationalsozialismus zusammenhängt! Nachher wird ein schreckliches, aber gerechtes Gericht kommen über die, so sich feig und unentschlossen verborgen hielten. Was lehrt uns der Ausgang dieses Krieges, der nie ein nationaler war? Der imperialistische Machtgedanke muß, von welcher Seite er auch kommen möge, für alle Zeit unschädlich gemacht werden. Ein einseitiger preußischer Militarismus darf nie mehr zur Macht gelangen. Nur in großzügiger Zusammenarbeit der europäischen Völker kann der Boden geschaffen werden, auf welchem ein neuer Aufbau möglich sein wird. Jede zentralistische Gewalt, wie sie der preußische Staat in Deutschland und Europa auszuüben versucht hat, muß im Keime erstickt werden. Das kommende Deutschland kann nur föderalistisch sein. Nur eine gesunde föderalistische Staatenordnung vermag heute noch das geschwächte Europa mit neuem Leben zu erfüllen. Die Arbeiterschaft muß durch einen vernünftigen Sozialismus aus ihrem Zustand niedrigster Sklaverei befreit werden. Das Truggebilde der autarken Wirtschaft muß in Europa verschwinden. Jedes Volk, jeder einzelne hat ein Recht auf die Güter der Welt! Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa. Unterstützt die Widerstandsbewegung, verbreitet die Flugblätter! Sechstes und letztes Flugblatt Kommilitoninnen! Kommilitonen! Erschüttert steht unser Volk vor dem Untergang der Männer von Stalingrad. Dreihundertdreißigtausend deutsche Männer hat die geniale Strategie des Weltkriegsgefreiten sinn- und verantwortungslos in Tod und Verderben gehetzt. Führer wir danken dir! Es gärt im deutschen Volk: Wollen wir weiter einem Dilettanten das Schicksal unserer Armeen anvertrauen? Wollen wir den niedrigsten Machtinstinkten einer Parteiclique den Rest unserer deutschen Jugend opfern? Nimmermehr! Der Tag der Abrechnung ist gekommen, der Abrechnung der deutschen Jugend mit der verabscheuungswürdigen Tyrannis, die unser Volk erduldet hat. Im Namen des ganzen deutschen Volkes fordern wir vom Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut der Deutschen zurück , um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen. In einem Staat rücksichtsloser Knebelung jeder freien Meinungsäußerung sind wir aufgewachsen. HJ, SA und SS haben uns in den fruchtbarsten Bildungsjahren unseres Lebens zu uniformieren, zu revolutionieren, zu narkotisieren versucht... Der deutsche Name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich, ihre Peiniger zerschmettert und ein neues geistiges Europa aufrichtet. Studentinnen! Studenten! Auf uns sieht das deutsche Volk! Von uns erwartet es, wie 1813 die Brechung des Napoleonischen, 1943 die Brechung des nationalsozialistischen Terrors aus der Macht des Geistes. Beresina und Stalingrad flammen im Osten auf, die Toten von Stalingrad beschwören uns! Frisch auf mein Volk, die Flammenzeichen rauchen! Unser Volk steht im Aufbruch gegen die Verknechtung Europas durch den Nationalsozialismus, im neuen gläubigen Durchbruch von Freiheit und Ehre.
Zweite Erklärung Aus La Realidad Botschaft der EZLN auf dem "Interkontinentalen Treffen für die Menschheit und gegen den Neoliberalismus." Brüder und Schwestern aus Afrika, Asien Amerika, Europa und Ozeanien: In Erwägung, daß wir: gegen die Internationale des Todes, gegen die Globalisierung des Krieges und der Rüstung sind; gegen Diktatur, Autoritarismus und gegen Repression; gegen die Politik der wirtschaftlichen Liberalisierung, gegen den Hunger, gegen die Armut, gegen den Raub, gegen die Korruption; gegen das Patriarchat, gegen die Ausländerfeindlichkeit, gegen die Diskriminierung, gegen den Rassismus, gegen das Verbrechen, gegen die Zerstörung der Umwelt, gegen den Militarismus; gegen die Dummheit, gegen die Lüge, gegen die Ignoranz; gegen die Sklaverei, gegen die Intoleranz, gegen die Ungerechtigkeit, gegen die Militarisierung, gegen das Vergessen; gegen den Neoliberalismus. In Erwägung, daß wir: für eine Internationale der Hoffnung, für einen neuen, gerechten und würdigen Frieden sind; für eine neue Politik, für die Demokratie, für die politischen Freiheiten; für die Gerechtigkeit, für ein würdiges Leben und Arbeiten; für die Zivilgesellschaft, für volle Rechte der Frauen in allen Bereichen, für den Respekt, gegenüber alten Menschen, Jugendlichen und Kindern, für die Verteidigung und den Schutz der Umwelt; für die Intelligenz, für die Kultur, für die Bildung, für die Wahrheit; für die Freiheit, für die Toleranz, für das Einschließende, für das Gedächtnis; für die Menschheit. Erklären wir: Erstens: Daß wir ein kollektives Netz aller unserer spezifischen Kämpfe und Widerständigkeiten schaffen werden. Ein internationales Netz des Widerstandes gegen den Neoliberalismus, ein internationales Netz des Widerstands für die Menschheit. Das internartonale Netz des Widerstands strebt danach, mit anderen Widerständigkeiten aus aller Welt zusammenzukommen, indem es Unterschiede anerkennt und Gemeinsamkeiten erkennt. Dieses internationale Netz des Widerstands ist das Mittel, mit dem sich die verschiedenen Widerständigkeiten gegenseitig unterstützen. Dieses interkontinentale Netz ist keine organisatorische Struktur, es besitzt weder ein Leitungs- noch ein Entscheidungszentrum, es besitzt weder eine zentrale Befehlsgewalt noch Hierarchien. Das Netz sind wir alle, die wir Widerstand leisten. Zweitens: Daß wir ein Kommunikationsnetz zwischen allen unseren Kämpfen und Widerständen schaffen werden. Ein interkontinentales Netz alternativer Kommunikation für die Menschheit. Dieses interkontinentale Netz alternativer Kommunikation wird versuchen, die Verbindungen zu knüpfen, damit das Wort alle Wege beschreiten kann, die Widerstand leisten. Dieses interkontinentale Netz alternativer Kommunikation wird das Mittel sein, damit die verschiedenen Widerstände miteinander kommunizieren können. Dieses internationale Netz alternativer Kommunikation besitzt weder ein Leitungs- noch ein Entscheidungszentrum, es besitzt weder eine zentrale Befehlsgewalt noch Hierarchien. Das Naetz sind wir alle, die Widerstand leisten. Wir erkären hiermit: Sprechen und Zuhören für die Menschheit und gegen den Neoliberalismus. Kämpfen und Widerstand leisten für die Menschheit und gegen den Neoliberalismus. Für die ganze Welt: Demokratie! Freiheit! Gerechtigkeit! Aus jeder Wirklichkeit eines jeden Kontinents. Brüder und Schwestern: Wir schlagen vor, daß das Treffen für die Menschheit und gegen den Neoliberalismus auf jedem Kontinetn, in jeder Nation, in Stadt und Land, in jeder Wohnung, in jeder Schule und an jedem Arbeitsplatz fortgesetzt wird, an dem menschliche Wesen leben, die eine bessere Welt wollen. Brüder und Schwestern: Wir weder unbequem bleiben. Es ist falsch, was die Theoretiker des Neoliberalismus uns erklären: daß alles unter kontrolle ist, selbst das, was nicht unter kontrolle ist. Wir sind das Überdruckventil für die Aufständigkeit, die den Neoliberalismus destabilisieren kann. Es ist falsch, daß unsere rebellische Existenz die Macht legitimiert. Die Macht fürchtet uns. Deshalb verfolgt und belagert sie uns. Deshalb sperrt sie uns ein und töten uns. In Wirklichkeit stellen wir eine Möglichkeit dar, die sie besiegen, die für die Menschheit kämpfen, die gegen den Neoliberalismus kämpfen. Wir sind Männer und Frauen, die in der ganzen Welt kämpfen. Wir sind Frauen und Männer, die Demokratie! Freiheit! Gerechtigkeit! für die fünf Kontinente wollen. Aus den Bergen des mexikanischen Südostens Für das Geheime Revolutionäre Indigene Komitee - Generalkommandatur des Ejercito Zapatista de Liberacion Nacional La Relidad, Planet Erde. “Der politische Kampf” von Giuseppe Ciancabilla This entry was posted Saturday, 10 March, 2012 at 4:34 am Dieser Text erschien 1899 in der italienischsprachigen anarchistischen Zeitung L‘Aurora. Er steht im Kontext von zwei weiteren Artikeln von Ciancabilla mit dem Titel „der ökonomische Kampf“ und „der individuelle Kampf“. Gefunden auf an die Waisen des Existierenden. I Es scheint uns unnütz, zu erklären – da alle es bereits wissen –, dass wir unter dem Namen des politischen Kampfes denjenigen verstehen, den wir gegen die Regierung kämpfen. Es scheint uns viel nützlicher, zu definieren und zu präzisieren, was die Regierung ist, welche Interessen sie vertritt, und folglich, mit welchen Waffen wir sie heute bekämpfen sollten, und vor allem, wie wir verhindern sollten, dass sie nicht morgen, nachdem wir sie besiegten, unter einer neuen, wenn auch abgeschwächten Form von Unterdrückung wieder auftaucht. Viele sozialistische Schulen, darunter speziell die legalitäre Schule, definieren die Regierung als den direkten Auswuchs der ökonomischen Macht, als die ausschliessliche Vertretung der ökonomischen Interessen der Bourgeoisie, der Besitzerin und Ausbeuterin des individuellen Eigentums; ja sie bezeichnen die Regierung sogar, mit einer häufig benutzten Phrase, als das Dach des ökonomischen Gerüsts der kapitalistischen Gesellschaft. In Anbetracht dieser Auffassung des Regierungswesens erweist es sich als offensichtlich, dass der einzige radikal revolutionäre Akt, der zum Aufkommen ihrer idealen Gesellschaft führen wird, für diese sozialistischen Schulen darin besteht, das individuelle Eigentum abzuschaffen und die Produktions- und Tauschmittel zu vergemeinschaften. Da sie die Regierung als die ausschliessliche Vertretung der bourgeoisen Interessen betrachten, folgern sie daraus logisch, dass die Regierung und für einige auch der Staat, wenn die Borgeoisie einmal beseitigt ist, von selbst aufhören würden, zu existieren. Wir sagten, dass nur von einigen und nicht von allen angenommen wird, dass der Staat aufhören wird, zu existieren, denn heute, da die sozialistisch-demokratische oder legalistische Doktrin mit ihren versöhnlerischen Anpassungen gegenüber dem aktuellen System der Dinge immer mehr ihren ursprünglichen sozialistischen Charakter verliert, haben tatsächlich viele unter den aufrichtigsten Legalisten keine Probleme damit, die künftige Existenz eines neuen Staates gutzuheissen, welcher der proletarische Staat sein wird. Die Diskussion läuft auf die künftige Existenz einer Regierung hinaus, die wir für erforderlich erachten, wenn man die Existenz eines Staates gutheisst, wie proletarisch dieser auch sein mag, und wenn man die Eroberung der politischen Macht anstrebt, wie sehr man auch behaupten mag, dass diese in den Händen der Sozialisten als Werkzeug zur Emanzipierung der Arbeiterklasse dienen soll. Wir, als Anarchisten, und vor allem als Libertäre, haben eine andere Auffassung der Regierung. Wir erkennen durchaus an, dass die Regierung im aktuellen kapitalistischen Regime die Interessen der bourgeoisen Klasse vertritt und auch verkörpert, und dass sie die effektivste Verteidigung der Bourgeoisie und des Kapitalismus ist. Aber dies glauben wir nicht, weil die Regierung, in sich selbst als absolute Einrichtung verstanden, der Auswuchs dieser Interessen ist, sondern weil die Regierung selbst, gegenüber dem ökonomischen System des individuellen Eigentums und der Existenz von zwei Klassen, die eine von Ausgebeuteten, die andere von Ausbeutern, Interesse daran hat, die Angelegenheiten des Kapitalismus und der Bourgeoisie zu vertreten, um mit ihrem zugrundeliegenden Prinzip, welches das Autoritätsprinzip ist, kohärent zu sein. Lasst uns das deutlicher und ausführlicher erklären. Für uns ist die Regierung nicht die Konsequenz aus dem Prinzip des individuellen Eigentums und aus der ökonomischen Ausbeutung des Menschens durch den Menschen, sondern der direkte Auswuchs des Autoritätsprinzips, welches völlig unabhängig vom Prinzip des Privateigentums ist und schon vor ihm existierte. Wenn wir auf die Entstehungsgeschichte des Autoritätsprinzips, und darauf, wie sich dieses in der Welt entwickelte und durch welche Phasen es ging, bevor es sich in der aktuellen politischen Form von Regierung und Staat verkörperte, genauer eingehen müssten, dann müssten wir in die tiefsten Stufen der Geschichte, nicht nur des Menschens, sondern aller lebendigen Wesen hinabsteigen. Das Autoritätsprinzip, das wir auch unter den Tieren bestehen sehen, bloss dass diese nicht in kapitalistischen Systemen und auf Basis von individuellem Eigentum leben, ist, so könnte man sagen, der Natur des wilden Wesens inhärent. Es ist das Gesetz des Stärkeren, das sich dem Schwächeren auf brutale Weise aufzwingt. Am Anfang war der grundlegende Kampf ums Leben und um die eigene physische Entwicklung. Wenn die primitiven Bedingungen der wilden und nicht kultivierten Natur den Lebewesen die Beschaffung der elementarsten Lebensmittel erschwerten, setzten sich die organisch stärkeren Tiere und Spezies gegen die Schwächeren durch, um ihnen, zum eigenen alleinigen Vorteil, den Genuss dieser begrenzten Mittel zu entreissen. Ebenso geschieht es bei der Spezies Mensch. Im Grunde sehen wir, soweit man auch zurück in die entlegensten Epochen der Menschheit steigen will, von denen sich entweder in Form von Legenden, oder von Traditionen, oder von archeologischen Ausgrabungen Erinnerungen zusammenfügen, dass die Frau, die physisch schwächer ist als der Mann, schon immer bei allen Völkern vom Mann unterworfen und von ihm abhängig war. Sie musste ihm in seinem Umherziehen folgen, oder musste eine den Bräuchen des Stammes und der Familienhöle unterworfene Sklavin bleiben, musste sich um die Beaufsichtigung der Kinder kümmern, um die sich der Mann mit bequemer Verachtung nicht kümmerte, musste schliesslich – wie es im Allgemeinen leider auch heute noch der Fall ist! – die Sache, vielmehr als die Gefährtin des Mannes sein. Auf den schwachen weiblichen Schultern sehen wir, wie sich die schwerste Last der menschlichen Schmerzen, Demütigungen und Leiden immer und unaufhörlich entlädt. So dominierte der stärkere Mensch über den schwächeren. Am Anfang waren die individuellen Kämpfe und die individuellen Behauptungen des Rechtes des Stärkeren, des Autoritätsprinzips; der Schwächere musste dienen, musste die mühsameren Arbeiten zu Gunsten der Stärkeren erledigen. Später, mit der Verdichtung der Bevölkerungen, wird der Kampf von individuell zu kollektiv: es auferlegt sich die Familie der Familie, der Stamm dem Stamm. Und so, nach und nach, gelangen wir bis zur heutigen Form von Autorität und Unterdrückung, die vom Staat repräsentiert, von der Regierung zusammengehalten, vom Gesetz kodifiziert und respektiert, und von der Armee und den anderen militärischen Institutionen verteidigt wird. Das Autoritätsprinzip, hergeleitet aus der Entwicklung und dem Wandel der Organismen auf dem wilden Planeten, geht also dem Prinzip des Privateigentums, der Verteidigung der individuellen Aneignung und Ausbeutung voraus. Die Regierung ist also der Auswuchs, die direkteste Synthese dieses Autoritätsprinzips, das sich in unterschiedlichen Formen von der entlegendsten Nacht der Jahrhunderte bis heute überliefert hat; sie ist die Heiligsprechung, scheinbar zivilisiert, aber in Wirklichkeit nicht weniger barbarisch als in den wilderen Epochen, des brutalen Rechts des Stärkeren. Und weil das Recht des Stärkeren heute in dem individuellen Eigentum, in der Usurpation durch wenige der Lebensmittel für alle, in der parasitären Ausbeutung einer Minderheit von Privilegierten gegenüber der überwiegenden Mehrheit der Individuen liegt, weil sich schliesslich das Recht des Stärkeren heute auf die Struktur einer kapitalistischen Gesellschaft stützt, die die ökonomische Macht in ihren Händen hält, während sie nach ihrem Gefallen und zu ihren Gunsten über sie verfügt, aufgrund all dessen, macht sich die Regierung in der kapitalistischen Gesellschaft zur ausschliesslichen Vertretung der kapitalistischen Interessen, während sie die meisten zu Gunsten der wenigen unterdrückt. Es ist also nicht so, dass die Regierung die Konsequenz der aktuellen Gesellschaft und ihrer ungleichen ökonomischen Ordnung ist, und dass folglich, wie einige Sozialisten behaupten, wenn diese Ordnung einmal zerstört wäre, die Regierung und der Staat keinen Grund mehr zu existieren hätten, weil sie keine Interessen mehr zu vertreten hätten. Die Regierung, oder besser gesagt, das Autoritätsprinzip, kann in seinem Wesen bestens intakt bleiben, auch in einer Gesellschaft, die die Produktions- und Tauschmittel vergemeinschaftet hätte, auch in einer sozialistischen Gesellschaft. Form, Name, Aussehen werden sich verändern, aber die Substanz wird dieselbe bleiben. Wir müssen also die Kräfte jener zusammenbringen, die wirklich die Emanzipation und das Glück des Menschen wollen, im politischen Kampf gegen die Regierung, nicht nur, um das absurde und bösartige Prinzip des individuellen Eigentums zu bekämpfen, sondern auch und vor allem, um das Autoritätsprinzip zu zerstören, welches das hauptsächliche Hindernis für das Aufkommen der Freiheit ist, ohne welche kein Glück möglich sein wird. Wir müssen die Gesellschaft also nicht nur ökonomisch, sondern auch – und hauptsächlich – geistig verändern. Wie dies möglich ist, und auf welche Weise, sehen wir gleich. II Um zur Darlegung der Mittel überzugehen, die sich eignen, um das Autoritätsprinzip zu zerstören und dessen Wiedereinrichtung zu verhindern, bedarf es insbesondere einer Untersuchung seines Wesens und seiner Entstehungsgeschichte, da es einfacher sein wird, sie zu bekämpfen. Was ist Autorität? Sie ist ein direkter oder indirekter Einfluss, den ein oder mehrere Menschen über den Willen anderer Menschen ausüben. Jede von einem oder mehreren Individuen beeinflusste Bestimmung über ein oder mehrere andere Individuen ist Autorität, denn sie entzieht denjenigen, die freiwillig oder unfreiwillig, direkt oder indirekt, einem solchen Einfluss unterzogen werden, einen mehr oder weniger begrenzten Teil ihrer eigenen Individualität. Wann immer durch Gewalt oder durch Suggestion, durch Respekt oder durch Ehrfurcht, durch Leidenschaft oder durch Auferlegung, einem Individuum ein beliebiger Teil seines Willens entrissen wird, wird ein Autoritätsakt vollzogen. Es ist also klar, dass eines der best geeignetsten Mittel, um die Autorität zu bekämpfen und Individuen herauszubilden, die fähig sind, ihr zu widerstehen, darin besteht, die Empfindung der eigenen Individualität in allen Wesen so stark wie möglich zu entwickeln. Darauf werden wir aber später näher eingehen. Die Autorität, die sich – wie wir sahen – von einer Überlegenheit in physischer Stärke herleitet, nimmt schliesslich mit dem Wandel der Gesellschaft unterschiedliche Formen an. Wann immer mehrere Individuen erkennen, dass sie gemeinsame Interessen zu verteidigen, oder besser gesagt, gemeinsame Privilegien aufrechtzuerhalten haben, werden sie sich vereinigen, um mit vereinigter Stärke dafür zu sorgen, dass die anderen das akzeptieren, was ihnen besser passt. Ausgehend davon entwickelte sich die embryonale Form der egoistischen und kleinen Familie, des Dorfes, des Patriarchats, des Stammes, des Feudalwesens bis hin zu den am furchtbarsten zentralisierten und autoritären Formen des heutigen Staates und der heutigen Regierung mit all ihrem Zubehör. Es ist also klar, dass es zur Bekämpfung dieses Regimes, das mit physischer Gewalt, das heisst, mit dem über der ganzen Gesellschaft lastenden direkten Zwang einer materiellen Autorität erbaut, gestützt und erhalten wird, um nichts anderes gehen kann, als ihr eine andere materielle Gewalt entgegenzustellen, die sich auflehnt und gegen die Unterdrückung rebelliert. Es ist also klar, dass der einzig mögliche politische Kampf gegen die konstituierte Regierung der sowohl individuelle wie kollektive revolutionäre Kampf ist. Und innerhalb dieser ausschliesslich revolutionären Auffassung des politischen Kampfes stehen wir vielen entgegen, die zwar die Notwendigkeit einer ökonomischen Veränderung der Gesellschaft und der Abschaffung des individuellen Eigentums verstehen, oder zumindest verfechten, es aber für möglich halten, diese mittels einer friedlichen politischen Evolution innerhalb des legalen Rahmens des Staates umzusetzen, während sie sich jener selben Funktionen bedienen, die heute dazu dienen, zu unterdrücken, um stattdessen die Emanzipation zu erlangen. Dies sind die parlamentarischen oder demokratischen Sozialisten. Wie widersprüchlich und unlogisch – und folglich, wie unfruchtbar und wirkungslos – der Kampf ist, den sie fördern wollen, stellt man auf Anhieb fest, wenn man nur betrachtet, wie absolut lächerlich es ist, der Regierung, welche die Interessen der Bourgeoisie ausführt, zuzumuten, dass sie angesichts der platonischen Bekräftigungen des Volkes freiwillig die Waffen niederlässt, obwohl sie doch alle möglichen materiellen Mittel zum Widerstand und zur Gegenwehr zu ihrer Verfügung hat: Polizei, Gerichte, Gefängnisse, Gewehre, Kanonen und Soldaten. Es wäre dasselbe, wie anzunehmen, dass sich die Regierung und die bürgerliche Klasse auf einmal zu barmherzigen Zugeständnissen gegenüber der von ihr ausgebeuteten Klasse bekehren würde, was ihrem Selbstmord gleichkäme. Aber der legale Kampf, sagen einige von jenen, die sich gelegentlich als Revolutionäre aufspielen, ist nur vorübergehend: bei passender Gelegenheit, wenn wir dazu gezwungen sein werden, werden wir zu den anderen Waffen greifen. Absurd, auch dies ist nicht weniger irreführend, wenn nicht geradewegs böswillig. Denn, wenn ihr die Unausweichlichkeit des gewaltsamen Konfliktes erkennt, wieso dann dem Volk weiterhin falsche Hoffnungen machen und seine rebellischen Energien dämpfen und vergeuden, indem ihnen weisgemacht wird, ihre Emanzipation sei mit friedlichen und legalen Mitteln möglich? Wieso die Leichtgläubigen täuschen, wenn ihr davon überzeugt seid, dass es keinen anderen Ausweg gibt, als den revolutionären Konflikt, und dass es sich nur für diesen, und ab heute, und mit allen Mitteln vorzubereiten gilt, ohne mit falschen Politikantenmanövern Zeit zu verlieren? Auf diese drängenden Fragen gibt es eine Antwort: und die ist, dass die sogenannte legalitäre, parlamentarische oder demokratische sozialistische Partei keine sozialistische Partei mehr ist; denn ansonsten würde sie logischerweise verstehen, dass man, um das individuelle Eigentum abzuschaffen, nur über die Revolution gehen kann. Die heutigen sozialistisch-demokratischen Parteien sind nichts anderes mehr als bastardhafte Ableitungen des antiken und weit entfernten zugrundeliegenden Konzeptes des Sozialismus, mit Sozialismus haben sie aber nichts mehr zu tun. Sie sind nichts anderes, als reformistische Parteien, die im legalen Rahmen des Staates manövrieren, über dessen Mechanismen sie sich bemächtigen wollen, nicht, um sie abzuschaffen, sondern, um sich ihrer zu ihrem Vorteil zu bedienen und um eine neue Form von Staat und Regierung zu konstituieren. Sie mögen durchaus mehr oder weniger gute Absichten haben; aber, was mittlerweile eine unbestrittene Tatsache ist, ist ihre unausweichliche und rasche Entwicklung hin zur reinsten Verbürgerlichung. In Frankreich an die Macht gelangt, um dort die republikanischen Regierungsinstitutionen und -methoden zu verteidigen, in Italien auf der ermüdenden Suche nach einer egal ob radikalen oder monarchischen Demokratie, wenn diese ihr nur erlauben würde, Wahlpropaganda zu machen und der Regierung beizutreten, in Deutschland gespalten in Reformisten und Possibilisten, die einen unlogischer als die anderen, aber sogar soweit zugerichtet, dass sie die Notwendigkeit der Rüstung für den heutigen Staat verfechten, wovon sie die verbissensten und unbeugsamsten Feinde sein müssten. Für diejenigen, die ehrlich beabsichtigen, das Aufkommen des Sozialismus und der Anarchie, das heisst, die Abschaffung des individuellen Eigentums und der Regierung zu wollen, ist also nur ein einziger Kampf möglich; und dies ist der strikt, unnachgiebig und unversöhnlich auf revolutionärer Ebene gehaltene Kampf. Ein revolutionärer Kampf, geteilt in die zweifache Ausführung von konstanter, eifriger und hartnäckiger Vorbereitung, geistiger und materieller Vorbereitung, Vorbereitung der Gemüter und der Arme, und gleichzeitig von unmittelbaren, entschlossenen und wagemutigen Aktionen, die das Volk dazu antreiben, sich aufzulehnen. Der revolutionäre Kampf gegen das konstituierte Regime darf sich nicht, wenn auch nur vorübergehend, für Zugeständnisse von Akzeptierungen verweichlichen lassen, die die Anerkennung des gegenwärtigen Staates implizieren; der revolutionäre Kampf darf keine Kompromisse, Anpassungen und Transaktionen annehmen, sondern muss streng, in seiner Gesamtheit vollzogen werden. Gegen das Hindernis der Regierung, die über rohe Stärke, Präpotenz und all die praktischsten Gewaltmechanismen verfügt, ist kein anderer Kampf möglich, als ihr, für revolutionäre Ziele, die Stärke des Volkes gegenüberzustellen, wenn diesem verständlich gemacht wurde, dass die Stärke der Regierung im Grunde eine negative Stärke ist, da sie die Hilfe des Volkes und die Stärke selbst des Volkes benötigt, um dann gegen es selbst zu funktionieren. III Doch der revolutionäre Kampf gegen das bereits konstituierte Autoritätssystem genügt nicht. Wir müssen ebenfalls dafür sorgen, dass morgen, nachdem das System von Eigentum und Autorität zerstört ist, das uns heute unterdrückt, nicht wieder eine andere Form von Autorität aufkommt, wie verhüllt diese auch erscheinen mag: eine beliebige Form von Zentralisierung, von Verwaltung, von autoritärer Delegation, die später Gefahr laufen kann, sich in ein neues, aber immer identisches Machtinstrument zu verwandeln. Sicher, für die autoritären Sozialisten, oder für jene Sozialisten von anderen Schulen, die die ganze Frage der menschlichen Emanzipation auf die Lösung der ökonomischen Frage, das heisst, auf die Abschaffung des individuellen Eigentums und auf die Umwandlung des kapitalistischen Regimes in eine kollektivistische oder kommunistische Gesellschaft reduzieren, existiert diese Besorgnis um das Morgen nicht. Für sie ist der Kampf nur unilateral: das Eigentum abschaffen, die Mägen zufriedenstellen, und… denn Rest sehen wir dann. Weil es unter den Anhängern dieses universellen Kampfes, auch wenn sie es nicht eingestehen oder sich dessen nicht bewusst sind, auch einige Anarchisten gibt, ist es wichtig, uns richtig zu verstehen und dies ausgiebig zu erklären. Ist die soziale Frage eine Frage des Magens oder eine Frage des Geistes? Für uns gibt es keinen Zweifel darüber, dass sie die Frage beider Terme ist, die eben das Binom Sozialismus-Anarchie bilden: Sozialismus, Abwesenheit von individuellem Eigentum und folglich Beseitigung der ökonomischen Sklaverei; Anarchie, Abwesenheit von Regierung und Autorität und folglich Beseitigung der politischen Sklaverei. Wenn wir aber unser Denken präzisieren müssten, würden wir hinzufügen, dass der überwiegende der beiden Terme für uns die Frage des Geistes ist. Die Lösung der sozialen Frage darf nicht nur die Lösung des Problems implizieren, die physischen Bedürfnisse der Menschen befriedigen zu können, darf sich nicht nur auf die Besorgnis reduzieren, die Bedürfnisse des Magens und des Bauches zufriedenzustellen, sondern muss auf die grösst mögliche Erlangung des Wohlstands, des individuellen und kollektiven Glücks abzielen. Nun, dieser Wohlstand und dieses Glück werden nur erreicht, oder besser gesagt, werden um so mehr erlangt, je mehr Freiheit das Individuum in der Gesellschaft geniessen kann. Darum müssen alle Kräfte des menschlichen Wesens konstant darauf ausgerichtet sein, sich von allen Fesseln, von allen Unterwerfungen, von allen Zwängen, von allen Hindernissen jeder Art zu emanzipieren, die sein freies Agieren in der Gesellschaft hemmen können. Das wirkliche Glück für die menschlichen Wesen wird einzig in der Freiheit liegen. Was nützt es, wenn sich morgen ein Staat oder eine autoritäre Verwaltung um ein gutes Mahl, um eine gute Wohnung und um gute Bekleidung kümmern werden, wenn sie uns, unter dem Vorwand, die Produktion steuern und die sozialen Beziehungen regulieren zu wollen, eine neue Form von autoritärer Unterdrückung auflasten, die uns zu Gunsten einiger neuer Parasiten daran hindern wird, das zu tun, was uns besser erscheint? Sicher, es kann keine Freiheit geben, solange das Individuum nicht ökonomisch emanzipiert ist. Einverstanden: aber niemand kann verneinen, dass es auch ein Regime von autoritärem Kommunismus oder Kollektivismus geben kann, das, auch wenn es uns die volle Zufriedenstellung unserer physischen oder animalischen Bedürfnisse verschafft, die freie Entfaltung, die freie und völlige Zufriedenstellung unserer geistigen Bedürfnisse einschränken oder verhindern wird. Wir also, die nicht nur Sozialisten, sondern vor allem Anarchisten sind, sollten eben die Erlangung des grösst möglichen Regimes der Freiheit anstreben, welches mit den sozialen Verhältnissen vereinbar ist, die vom Verlangen des Individuums bestimmt werden, frei und glücklich für sich zu sein und gleichzeitig die Freiheit und das Glück für die anderen zu wollen. Und dies nicht aus einem sogenannten altruistischen Gefühl des bequemen Humanitarismus, sondern aus der egoistischen logischen Überzeugung, dass es die eigene Freiheit und den eigenen Wohlstand ohne die Freiheit und den Wohlstand der anderen nicht geben kann. Und um in einem sozialistischen Regime die grösst mögliche Freiheit zu erlangen, ist es unerlässlich, dass die Individuen, die in solchen Regimes leben werden, heute bereits heftig und drängend den Anreiz, den Ansporn, den entschlossenen Willen verspüren, frei zu sein und gegen jeden Versuch eines Übergriffs auf die eigene Freiheit zu reagieren. Und weil dieses Bedürfnis nach Freiheit etwas ist, das entwickelt wird, braucht es heute bereits die Entwicklung einer libertären Bildung, die das Individuum daran gewöhnt, immer stärker das Bedürfnis zu verspüren, die eigene Individualität zu entwickeln und heute bereits allen unheilvollen autoritären Tendenzen zu widerstehen, die die fruchtbaren Freiheitskeime töten, die als einzige das Aufkommen einer anarchistischen Gesellschaft zu ermöglichen vermögen. Leider aber wird auch unter eben den Anarchisten der politische Kampf gegen die Regierung und die Autorität, und für die Verwirklichung der Anarchie, von einigen mit Grundsätzen geführt, die wir für das gute Gelingen unserer Sache für absolut schädlich halten. IV Diese Grundsätze sind vor allem jene sogenannten Organisationsgrundsätze, die gebraucht werden, um die anarchistischen Kräfte in komplizierten und besonders zentralisierenden Organismen einzureihen, die wir für mehr als schädlich für die freie Entwicklung des Individuums halten, und die zum zwangsläufigen Ergebnis die Erstickung der individuellen Initiativen und seiner Freiheit haben. Und hier wird es notwendig, auf eine, sagen wir, vorurteilsbehaftete Frage einzugehen. Einige Anarchisten, die das oben gesagte nicht so sehen wie wir, finden es oft bequem, uns für etwas hinzustellen, was wir nicht sind; und so geschieht es oft, dass sie gegen Ideenwindmühlen anrennen, die wir nie erdachten, und dadurch bei den Leichtgläubigen imponieren. So haben uns die Parteiorganisatoren, oder mit präzisieren Worten, die Föderalisten der Anarchie oft als Leute hingestellt, die das Chaos, die Zersplittung, die Isolierung wollen, als Leute, die sich weder ein harmonisches Ideal einer zukünftigen Gesellschaft, noch eine gegenwärtige Basis von Zusammenschlüssen unter Individuen vorstellen können, die für dasselbe Ziel kämpfen, und die sich – gelegentlich – in der vorübergehenden Wahl von identischen Kampfmitteln zusamenfinden können. So werden wir, im Glauben, uns an den Pranger zu stellen, als systematische Gegner des Organisationsprinzipes hingestellt. Aber, mit Verlaub, von welcher Organisation sprecht ihr denn? Auch die heutige Gesellschaft ist eine organisierte Gesellschaft, und wie! Und dennoch sind wir alle ihre Feinde. Darum lasst uns einander einmal richtig verstehen, nur um alle Missverständnisse zu beseitigen. Wir sind gegen das Organisationsprinzip innerhalb der gegenwärtigen Gesellschaft, denn in ihr kann sich jede Organisation – auch wenn sie sich anarchistisch nennt – nur als autoritär erweisen. Innerhalb der gegenwärtigen Gesellschaft werden wir der eisernen Organisation des Systems unterzogen, das uns erstickt: unser Kampf muss also konstant gegen das Prinzip selbst der Organisation, so wie sie sich heute realisieren kann, gerichtet sein, und wir, die Anarchisten, dürfen nicht jene sein, die neue Vorrichtungen kreieren müssen, die das Individuum, welches die Möglichkeit einer Gesellschaft von freien Wesen zu erahnen beginnt, an Hindernisse und Fesseln binden, die seine Individualität beeinträchtigen. Wir stellen uns aber durchaus ein harmonisch organisiertes Gesellschaftsideal vor, wenn, nachdem das individuelle Eigentum einmal abgeschafft und jedes Prinzip und jede Art von Autorität zerstört wurde, und unter den Individuen keine Gründe für Interessenskonflikte mehr bestehen, die Einheiten von sich aus im organischen Ganzen ihren natürlichen Platz finden werden und die Gesellschaft organisch in einer prächtigen Harmonie von zusammenlaufenden, nicht mehr im Konflikt zueinander stehenden Kräften funktionieren wird. Aber wie kann man sich vorstellen, heute, in einer derart schlimm organisierten Gesellschaft, die Kerne von neuen Organismen kreieren zu wollen, die, da sie nicht frei sein können und sich selbst innerhalb von anderen, noch schlimmeren, grösseren Organismen bewegen müssen, zwangsläufig von dem Übel beeinflusst werden, welches das ganze System verseucht, und sich vor allem mit dem übermässigsten Autoritarismus beschmutzen müssen? Oder bildet ihr euch ein, dass eine Organisation, aus dem blossen Grund, sich anarchistisch zu nennen, ein Gebilde von Perfektionen ist? Lasst uns diese Organisationen etwas genauer betrachten, in deren Bildung sich für so viele unserer Kameraden die ganze Kraft ihres Kampfes gegen die Regierung konzentriert. Diese Organisationen, sagt man, seien spontan. Aber wenn die Organisation heute ein derart spontanes Prinzip ist, dass selbst die Anarchisten – ja sogar die wahren und einzigen Anarchisten, wie einige sagen – nicht ohne sie auskommen können, sondern sich zwingend und notwendig organisieren müssen, wieso geschieht es dann nie und ist es nie geschehen, dass sich eine anarchistische Organisation spontan bildete, infolge des freien Spiels der natürlichen Tendenzen im Kampf, und erforderte sie stattdessen immer, immer, das Werk eines energischen Organisators, der die künftige Organisation auf seine Weise zu gestalten begann? Die Organisation der anarchistischen Kräfte ist eben ein antilibertäres Prinzip, das in seiner forcierten Anwendung entweder die grosse Masse der anarchistischen… Nichtigkeit einverleibt und unter dem Einfluss der angesehensten Personen die halbe Energie zerbricht, oder jene vergrault, die weder die bürgerliche Disziplin, noch die anarchistische Disziplin gut leiden können. Es heisst: die Organisation bildet sich spontan, indem sie, stets spontan, ein einheitliches Programm von Kampfgrundsätzen annimmt. Das Programm ist aber derart spontan, dass es damit beginnt, von einer Guppe, wenn nicht gar von einem Individuum diktiert zu werden. Insofern ist das Programm für die zukünftigen Organisierbaren bereits eine vollendete Tatsache, und die Organisation bildet sich – wohlverstanden – nicht, um über die Zusammenstellung eines gemeinsamen Programmes übereinzukommen, sondern, um ein bereits erstelltes und bereits verkündetes Programm zu akzeptieren. Wie man sehen kann, ist der Grundsatz ein komplett anderer und verschiebt er die Frage völlig, da wir im Bewusstsein über die allgemeine Mentalität der Individuen wissen, dass diese unterschiedliche geistige Veranlagungen haben, wenn es darum geht, eine bereits vollendete Sache entweder abzusegnen, zu akzeptieren oder durchgehen zu lassen, oder aber ihren wenn auch geringen Beitrag an eigener Individualität zu einem gemeinsamen Werk beizutragen. Wenn wir uns mit der Frage der sogenannten spontanen Bildung der Organisation und der ebenso spontanen Zusammenstellung ihres Programmes aufhalten, ist das, weil man uns die Tatsache der von gewissen Anarchisten gebildeten Organisation als eine natürliche Erscheinung verkaufen will, die sich – stets spontan – ausgehend von der Gesamtheit der gemeinsamen Kampfgrundsätze, die sich die Anarchisten vornehmen, zusammenstellen soll, sodass man schliesslich weismachen will, dass man kein Anarchist sei, wenn man dem Prinzip der (anarchistischen) Organisation nicht zustimmt. Wir aber behaupten, dass die sogenannten anarchistischen Organisationen hingegen und eben gerade eine Einzwängung der freien Kampftendenzen der Anarchisten sind, eine Einzwängung, die selbstverständlich über jene Individuen Griff bekommt, die weniger resistent und weniger fähig sind, sich frei zu fühlen; und diese Organisationen sind keineswegs spontan, sondern sind immer Ausstrahlungen des persönlichen Einflusses eines stärkeren, befähigteren, resistenteren, wenn nicht des listigsten Individuums, welches diese Organismen auf seine Weise gestaltet und aus ihnen, vielleicht ohne es zu wollen, ausschliesslich seine Sache macht. Doch die anschliessende Frage des Programms wird von einer präjudiziellen Überlegung gelöst, die dem Stier den Kopf abschlägt. Und sie ist, so scheint es uns, eine besonders anarchistische Überlegung. V Obwohl es unsere organisatorischen Kameraden gelegentlich bequem finden, zu behaupten, dass jedes Ideal, jeder Zweck, jedes Ziel, das erreicht werden will, an sich schon ein Programm sei (eine sehr diskutable Behauptung, bei der wir aber nicht verweilen wollen), ist es offensichtlich, dass wir, wenn wir von Programm sprechen, in diesem spezifischen Fall das taktische Programm meinen, das sich die anarchistischen Organisationen mit einem bestimmten Schema, mit Artikeln, Massnahmen, etc. festlegen. Ist es denn möglich, dass sich die Anarchisten verpflichten – und es handelt sich um wahre Verpflichtung, in einigen uns bekannten Fällen sogar unterzeichnet mit sehr vielen Unterschriften –, sich wenn auch freiwillig verpflichten, einer im Voraus festgelegen Verhaltenslinie zu folgen? Wenn wir die freie Initiative des Individuums sicherstellen und schützen und auch entwickeln wollen, wie sich die Organisationen damit brüsten, zu welchem Zweck dann für alle eine einheitliche und permanente taktische Linie festlegen? Lasst doch jeden sich so verhalten, wie er will; lasst das Individuum wirklich frei und lasst es Herr darüber, sich in all den unterschiedlichen Umständen, die sich im individuellen und kollektiven Kampf gegen das System ergeben, zu entscheiden, welche Kampfmittel ihm am besten entsprechen, frei, sich mit jenen zu vereinigen, die innerhalb dieser gegebenen Umstände gleiche Mittel benutzen und mit ihm einverstanden sind; frei schliesslich, sich so zu bewegen, wie es ihm gefällt, ohne Sorge, sich von einem fiktiv homogenen Ganzen loslösen zu müssen, ohne Skrupel, Zwiste und Spaltungen zu kreieren, ohne Angst, sich in gewisser Weise an den Pranger gestellt und missverstanden zu fühlen, wenn man wie ein Häretiker der Mehrheit agieren will. Denn letztenendes bedarf es, dass wir uns von folgendem überzeugen: dass die Anarchisten, aufgrund der Tatsache, solche zu sein oder sich so zu nennen, weder perfekte Individuen noch Engel sind; sie sind Menschen, Kinder der Umwelt, die den üblichen Vorurteilen der heutigen falschen Gesellschaft unterworfen sind. Daher weiss jeder, der unbefangen nachdenken will, wie sehr sich in den kollektiven Gemischen der Mengen eine falsche, fehlerhafte Psychologie bildet, die eher das Unrecht, die Vorurteile, die Fehler entwickelt, denn die gute Qualität. Der Stärkste und der Fähigste inmitten der Menge verspüren den Instinkt der Beherrschung und das Drängen, die anderen dazu anzutreiben, so wie sie zu denken und zu handeln, am stärksten; die Schwächeren und die Unfähigeren hingegen gewöhnen sich daran, sich eher unter die Menge zu mischen, eher in der Gesamtheit der anderen Energien unterzugehen, die sie flankieren und die für sie sagen, was zu tun ist. So ist in jeder politischen Organisation der gegenwärtigen Gesellschaft, und wenn sie sich auch anarchistisch nennt, jede Individualität, die nicht aussergewöhnlich stark oder gekonnt intrigant ist, dazu bestimmt, sich unter die Menge zu mischen, von der Gesamtheit absorbiert zu werden. All dies steht also im Kontrast zu unserer libertären Bildungsaktion, die stattdessen darauf abzielen sollte, auf möglichst weitgehende, ja sogar übertriebene Weise die Auffassung der eigenen Individualität und der freien Initiative in einem jeden Individuum zu entwickeln. Um auf das Programm zurückzukommen, so gibt es für jene, die nicht dabei bleiben, mit der Kehrseite des gesunden Menschenverstandes zu argumentieren, keinen Zweifel darüber, dass man, wenn man die menschliche Individualität wirklich schützen und respektieren will, zugestehen muss, dass kein Individuum, das jeweils unterschiedlich von den anderen geprägt wurde und mit seinem eigenen Kopf argumentiert, jemals seine Verhaltenslinie auf systematische, permanente und einheitliche Weise auf jene von anderen abstimmen kann; sich nicht verpflichten kann, einem abgesteckten und aufgrund von Mehrheitsbeschlüssen auferlegten Handlungsschema zu folgen, ohne dem Willen dieser Mehrheit zu entsagen, nicht mit freiem Geist akzeptieren kann, sein Verhalten auf ein taktisches System zu vereinheitlichen, dessen Qualität im Allgemeinen nach dem Prüfstein einer Organisation umso mehr Wert ist, je zahlenreicher es ist, während man sich wenig darum kümmert, darüber nachzudenken, dass die Mehrheiten, gegenüber den mutigen und voranschreitenden Minderheiten, stets in der rückwärtsgewandteren und reaktionäreren Haltung stagnieren. Es heisst, und dies ist der ewige Einwand, dass jene, die einer Organisation beitreten und ihr Programm akzeptieren, dies freiwillig und von sich aus tun. Wohl wahr, aber wir müssen widerholen, was wir zuvor bereits sagten: die Menschen sind keine perfekten Individuen, die fähig sind, die Wahrheit herauszulesen. Und die Mentalität dieser Individuen, gerade wenn sie noch am Beginn der Bildung ihres anarchistischen Bewusstseins stehen, tendiert auf verhängnisvolle Weise vielmehr dazu, von den folgenden vorurteilsbehafteten und üblichen Eindrücken geformt zu werden: 1) dass jene, die mehr sind, recht haben, weil sie mehr sind; 2) dass Parteiorganisation dasselbe wie Zusammenschluss sei, und dass die nicht Organisatoren Verrückte sind, die als isolierte Moleküle für Krawall gegen das System sorgen wollen; 3) dass die Beschlüsse der Kongresse und die in den föderalistischen Organisationen verwässerten taktischen Programme das Evangelium des anarchistischen Kampfes seien; 4) dass die Organisation, die Föderation und die anarchistische Partei der unverfälschte und reine Ausdruck der Anarchie seien; der ganze Rest seien hingegen Abstrusitäten, Besserwissereien und Metaphysikereien der theoretischen Dissidenten, die sich den wirklichen praktischen Temperamenten entgegenstellen. Und aus dieser Herangehensweise bildet sich ein zunächst embryonales und schliesslich definitives Bewusstsein, das ewig unter dem Einfluss dieser falschen Auffassung der anarchistischen Bewegung steht. All dies wird freiwillig getan. Sehr wahr, wir wiederholen: aber genau darum, genau weil es keinen schlimmeren Sklaven als den freiwilligen Sklaven gibt, behaupten wir, dass es umso schlimmer ist; denn wer freiwillig eine Auferlegung akzeptiert, glaubt, frei zu sein, und denkt nicht mehr daran, sich zu befreien. Geht beispielsweise einem überzeugten Katholiken sagen, dass er Sklave des Priesters sei: er wird euch ins Gesicht lachen und euch schwören, dass niemand freier sei, als er. Einmal abgesehen von diesen, sagen wir, prinzipiellen Fragen, werden wir ausserdem genauer betrachten, was die bürokratischen Apparate dieser anarchistischen Organisationen unnützes und schädliches an sich haben. VI Denn, abgesehen von der Unvernünftigkeit und der, sagen wir, theoretischen Ungenügsamkeit vom anarchistischen Standpunkt aus der föderalistischen und zentralisierenden Taktik, behaupten wir auch ihre praktische Unützlichkeit und Schädlichkeit. In den anarchistischen Organisationen beginnt man damit, eine Korrespondenzkommission zu ernennen, die den Ablauf der Austauschbeziehungen zwischen Gruppe und Gruppe, zwischen Lokalität und Lokalität in ihren Händen zentralisiert. Nun, welche Notwendigkeit sollte es je für solche Korrespondenzkommissionen geben, wenn nicht, um eine Art Führungskomitee der Bewegung zu haben, welches die Fäden der Organisation in seinen Händen hält? Welchen Bedarf haben die Gruppen daran, auf eine Korrespondenzkommission zurückzugreifen, um ihre Ideen unter sich auszutauschen und die wechselseitigen Initiativen unter sich zu kommunizieren? Man antwortet: aber dies ist, um die Beziehungen zwischen den Gruppen zu vereinfachen, denn, wenn eine Gruppe eine Initiative bekannt zu machen hat, genügt es, dass sie der Korrespondenzkommission schreibt, da diese sich darum kümmert, es alle anderen föderierten Gruppen wissen zu lassen. Und man fügt hinzu, was auch die Sozialdemokraten bezüglich ihrer Abgeordneten antworten: aber die Kameraden der Korrespondenzkommission erbringen den anderen Kameraden doch einen Dienst. Nun gut, wir denken, dass die Kameraden auch ohne die von anderen erbrachten Dienstleistungen auskommen können, wenn sie es ebensogut selbst tun können. Wir denken, dass die Anarchisten, die dem Volk lernen, selbst zu tun, auch in ihrer Taktik und in ihrer Bewegung versuchen sollten, sowohl die Zentralisierung der Aufgaben in den Händen von wenigen, wie die Delegation eben dieser so weit wie möglich zu verhindern. In praktischer Hinsicht halten wir es für viel besser, wenn eine Gruppe, die den anderen Gruppen etwas mitzuteilen hat, dies selbst tut, auf ihr eigenes Konto, und alle Briefe schreibt, die sie für nötig hält, ohne auf die Hilfe der Korrespondenzkommission zurückgreifen zu müssen, die nichts vereinfacht, wie alle anderen zentralisierenden Organismen, sondern nur durch die zwangsläufige Häufung der Fäden der Bewegung in ihren Händen Macht kreiert, die ihrerseits Autorität generiert. Denn dies ist wahrlich eine ernste Pattsituation. Wir wollen den Kameraden der Korrespondenzkommission alle guten Absichten, allen besten Willen der Welt zugestehen; doch diese Kameraden sind Menschen, die wesensgemäss versuchen, das eigene Ich überwiegen zu lassen, nicht mehr, nicht weniger, als alle anderen Menschen. Nun, wieso sollte die Kommunikation zwischen den Gruppen und vor allem die Verbreitung der Initiativen durch diese Kommission von Kameraden monopolisiert werden? Wie wird man bemerken können – oder wie viel Zeit wird eine Gruppe benötigen, bevor sie bemerkt –, dass beispielsweise eine ihrer Initiativen… wenig gefördert wurde? In einem Zirkular, das von eben einer solchen Korrespondenzkommission von Barre, Vt., an die Kameraden der Vereinigten Staaten gerichtet war, lesen wir beispielsweise, dass sie „sich um die Übermittlung aller Vorschläge an alle Gruppen kümmern wird, die von einer beliebigen Gruppe stammen und für die Propaganda von Interesse sind“. Hier macht sich also die besagte Korrespondenzkommission zum Richter: sie urteilt darüber, welche Vorschläge für die Propaganda von Interesse sind und welche nicht. Und dies ist eine schwierige und äusserst breite Aufgabe, denn es mag tausend Urteilskriterien geben, die einen Vorschlag gleichermassen annehmbar machen oder nicht. Nun, die Korrespondenzkommission urteilt und entscheidet darüber, ob ein Vorschlag für die Propaganda von Interesse ist oder nicht, bevor sie ihn an die anderen Gruppen übermittelt, und sie wird mit eigenen Kriterien urteilen, und in ihrem Urteil wird sie notwendigerweise – und dies ist logisch und richtig – das bevorzugte individuelle Kriterium ihrer Mitglieder überwiegen lassen. All dies ist nicht blosse Erledigung von Aufgaben, oder es ist es nur, das wollen wir zugeben, in der Absicht von jenen, die zur Ernennung solcher Kommissionen schreiten, und auch von jenen, die ernannt wurden. Stattdessen konstituiert es unserer Meinung nach ein Machtprinzip, ein Autoritätsprinzip. Und wer diese Macht besitzt, tendiert, auch ohne sich zunächst darüber bewusst zu sein, dazu, um sich herum eine kleine Klasse zu kreieren, und versucht, nicht mehr und nicht weniger, als es alle Menschen zu tun gewohnt sind, die Kinder der gegenwärtigen Umwelt sind und die in eben dieser gegenwärtigen Umwelt leben und funktionieren, diese Macht zu erhalten und dieses Privileg zu erhalten. Es heisst, dass die anarchistische Organisation der Föderationen und der Komitees die Initiativen entwickelt und fördert. Stattdessen geschieht genau das Gegenteil; denn jene mit halbem Bewusstsein, und das sind die meisten (egal was unsere Gegner behaupten), wenn sie einmal wissen, dass es welche gibt, die machen, die sich darum kümmern, für die anderen zu machen, die die Aufgaben und die Fäden der Bewegung in ihren Händen zentralisieren, sorgen sich nicht mehr darum, verspüren nicht mehr den Ansporn, auf eigene Rechnung zu handeln, sich anzustrengen, um ihr embryonales Bewusstsein zu ergänzen, es zu stärken, es wirklich eigen und echt zu machen: es gibt sowieso welche, die es für uns erledigen, und wir können ja ruhig bleiben, heisst es. Ohne schliesslich die Gefahren miteinzuberechnen, die diese zentralisierten Organisationen darstellen, die sich auf kleine Komitees berufen, insofern unglücklicherweise, aber nicht unwahrscheinlicherweise der intrigante, ambitiöse Typ hinzustossen kann, der sich ihrer für persönliche Zwecke oder für Spekulationen bedient, die nichts mit der anarchistischen Sache zu tun haben. Je zentralisierter das Funktionieren der Organisationen ist, desto einfacher wird es sein, sich ihrer zu bemächtigen und sie auszunutzen. Und wir haben noch nicht einmal auf die grosse Gefahr hingewiesen, die solche Organisationen in jenen Ländern eingehen, in denen die Reaktion herrscht, da sie die Arbeit der Polizei und ihrer Spione zweifellos begünstigt. Wir wissen bestens, dass diese und jene ihre Aktionen mit ebensoviel Brutalität auch gegen die isolierten Anarchisten führen; aber es ist nicht abzustreiten, dass das System der Mitgliederlisten, der Adressen, der zentralisierten Gruppen, der Korrespondenzkommissionen, etc. die Überwachung und bei Gelegenheit das schändliche Werk der Bullerei vereinfachen kann, die, anstatt ihre Kräfte gegen nicht zentralisierte Individuen und Gruppen in tausend Scheisshaufen abtreten zu müssen, gute Aussichten darauf haben, wie man sagt, einfach aus dem Haufen picken zu können, wenn es ihnen gelingt, in solche Organisationen einzudringen, die eine Bürokratie und eine Aufgabenzentralisierung haben. VII Es wird nun Zeit, sich an die Schlussfolgerung zu machen, indem wir unsere Konzepte noch einmal zusammenfassen und vom kritischen Teil zum positiven Teil unserer Auffassung des politischen Kampfes übergehen. Wir glauben nicht – und wir sind es bereits müde, es zu wiederholen – an die Effizienz des ausschliesslich isolierten Kampfes des Individuums gegen die Gesellschaft, ausser in den äusserst seltenen Fällen von individueller Rebellion, auf die wir später eingehen werden. Darum glauben wir an die Notwendigkeit, die Kräfte jener zusammenzuschliessen, die die Gesellschaft nach bestimmten generellen Ideen zerstören und wiederaufbauen wollen. Dieser Zusammenschluss sollte aber spontan geschehen, dieser Zusammenschluss darf und kann aber – wenn er sich den Namen anarchistisch verdienen will – nicht auf eine permanente und konstante Art organisiert sein, die sie all ihre Kräfte auf eine im Voraus festgelegte Weise ausrichten lässt. Zerstören, das haben wir bereits gesehen, genügt nicht; es ist notwendig, wiederaufbauen zu wissen und fähig zu sein, wiederaufbauen zu können. Darum sollten diejenigen, die sich Anarchisten nennen, heute bereits so stark wie möglich den Kern von materiellen Aktivitäten und geistigen Tendenzen bilden, von dem aus sich die Gesellschaft der Zukunft ausbreiten wird. Darum ist es notwendig, dass das Prinzip des freien Zusammenschlusses, das die Grundlage der künftigen Gesellschaft bilden wird, indem es dem Individuum ermöglichen wird, sich so zu bewegen und so zu funktionieren, wie es ihm gefällt, mit wem es ihm gefällt – vorausgesetzt natürlich, dass es vom notwendigen Grundsatz angetrieben wird, dass das eigene Wohl auf dem allgemeinen Wohl basieren muss –, dass also dieses Prinzip auf möglichst breite und möglichst libertäre Weise entwickelt und ausgerichtet wird. Keine künstlichen, in bürokratische Normen gezwängten Organisationen, die von Bindungen zusammengehalten werden, die aufgrund einer Mehrheit verhängt wurden und in Komitees und Korrespondenzkommissionen zentralisiert werden, die die Aktion und die allgemeine Bewegung monopolisieren. Keine wie Rezepte a priori festgelegten taktischen Programme, die dazu neigen, sich immer stärker im Dogma zu kristallisieren, anstatt dazu, sich in Abhängigkeit der neuen Anforderungen und der verschiedenen Umstände des sozialen Lebens zu verändern. Keine Delegation in die Hände von wenigen – auch nicht unter dem Anschein einer illusorischen Kontrolle – von jenen Aufgaben, die Hand in Hand von all jenen ausgeführt werden können, die sich in einem gegebenen Moment geeignet und dazu imstande fühlen, sich ihrer anzunehmen. Keine Entscheidungen aufgrund von Mehrheiten und Minderheiten innerhalb der Gruppen: sondern Darlegung und Diskussion jeder Initiative, jedes Vorschlags, jedes Mittels des Kampfes und der Propaganda: spontane Akzeptierung und Zusammenarbeit seitens jener, die jenen Vorschlag oder jene Initiative oder jenes Mittel für nützlich und gut erachten; Verweigerung der Zusammenarbeit und der Teilnahme von jenen, die dies nicht denken. Folglich das freie Individuum, und nicht die Gruppe, die sich dazu verpflichtet, irgendetwas als Kollektivität auszuführen, auch wenn eine Minderheit von ihr davon nichts wissen will. Die Vereinigung macht die Stärke aus: genau; es wurde aber nie gesagt, dass die Organisation einer Partei ihre Stärke ausmacht. Wir glauben und verfechten, dass sie im Gegenteil ihre Schwäche ausmacht. Der scheinbare Zusammenhalt der Nichtigkeiten und der ungeeigneten Stärke zählt im Wesentlichen wenig, auch wenn sie die Illusion eines zahlenmässigen Auftretens verschafft. Das Paradox von Max Nordau, das von uns einmal zitierte wurde, und das einigen so sehr auf die Nerven stiess, ist mehr denn je wahr. Wir wollen stattdessen das Individuum bis zum höchsten Grad entwickeln und wir wollen dem Individuum, wenn auch in übertriebenem Masse – und die Übertreibung innerhalb der eisernen Konstitution der heutigen Gesellschaft, wird, wenn sie nicht in offener Rebellion ausbricht, nie genug sein für die notwendige Realität der künftigen Gesellschaft –, das rebellische und stolze Bewusstsein der eigenen Kraft, der eigenen Energie, der eigenen Fähigkeit, zu wollen, zu handeln und zu erschaffen geben. Die Parteiorganisation, mit ihren Programmen, die zur Disziplin werden, mit ihren Föderationen, die zu bürokratischen Sackgassen werden, mit ihren zentralen Kommissionen, die sich, auch ohne es zu wollen, zur Führung und Autorität machen, mit ihren einheitstaktischen Einschränkungen, die die Gruppen und Individuen lähmen, sind nach unserer Überzeugung nicht nur unnütz, sondern schädlich für die Entwicklung jenes Empfindens der eigenen Individualität, auf deren Entwicklung die Anarchisten all ihre Kräfte der libertären Bildung zusammenführen sollten, wenn sie nicht nur die Revolutionäre und Zerstörer des Heute, sondern auch die Wiederaufbauer und Erschaffer des Morgens sein wollen. Die Anarchisten können sich in jeder Örtlichkeit zu Propaganda- oder Studiengruppen vereinigen; sie sollten aber nicht damit beginnen, diesen Gruppen ein taktisches Programm vorzuschreiben, während jene, die es akzeptieren, in der Gruppe sind, und jene, die es nicht akzeptieren, ausserhalb von ihr sind. In den Gruppen – das heisst, in jenen periodischen Zusammentreffen von Kameraden einer bestimmten Örtlichkeit, die die Notwendigkeit verpüren, sich zu bewegen und Propaganda zu machen – wollen wir keine Exklusivitätshaltungen, während wir uns bestens vorstellen können, dass es in ihnen Initiativen geben mag, die die Kräfte aller Kameraden, seien es Organisatoren oder nicht, auf sich ziehen, so wie es andere geben mag, die sie nur teilweise auf sich ziehen, ebenso, wie es solche geben mag, die nur die Zustimmung der Vorschlagenden erhalten. Und die Kameraden einer Örtlichkeit werden – falls sie es benötigen und wann sie es benötigen – mit den einzelnen und gruppierten Kameraden der anderen Örtlichkeiten in Verbindung bleiben, ohne sich deswegen in einer fiktiven taktischen Übereinstimmung zu föderieren, ohne deswegen durch die zentrale und unnütze Prozedur der Kommissionen oder Komitees zu gehen, die auf verhängnisvolle Weise darin enden, die Fäden der Bewegung nach ihrem Gutdünken zu bewegen, während sie sich von Erledigern von Aufgaben zu Orchesterdirigenten machen. So verstehen wir den freien Zusammenschluss; dieser ist wirklich das Resultat der Willen und der Kräfte all jener Kameraden, die sich vorübergehend, aus vielfältigen Entscheidungen und unterschiedlichen Kampfgrundsätzen zusammenschliessen, Mitwirkende für ihre Initiativen suchen und ihre Kräfte mit jenen, die dieselbe Kampfauffassung haben, gegen das Eigentum und die Autorität in Übereinstimmung bringen. Wir brauchen nicht die alte Leier zu wiederholen, dass man, wenn man zu zweit ist, bereits organisiert ist, und dass wir doch nichts anderes als Organisatoren anderer Art seien. Der Beweis dafür, dass wir keine Organisatoren sind, liegt in der Tatsache, dass wir die Organisatoren bekämpfen und sie uns bekämpfen. Wenn wir alles Organisatoren wären – wenn wir also die Substanz der Sache akzeptieren würden –, wieso sollten wir so sehr auf der Form beharren? Der Unterschied, der uns in der Taktik trennt, liegt eben gerade in der Substanz. Und wer das Gegenteil behauptet, versucht, die Dinge anders ausschauen zu lassen, als sie sind, um glauben zu machen, wir seien Dissidenten aus Liebe zur… Dissidenz. Wir sind also am Ende angelangt. Der Kampf gegen die Regierung ist der Kampf gegen die Autorität: gegen sie genügt es nicht, die zerstörerischen Energien der anarchistischen Kampfauffassung zu richten, sondern müssen wir den Boden vorbereiten, der anschliessend nicht erlaubt, das solch bösartige Pflanzen erneut aufkommen und sich entwickeln können. Deshalb, während wir zusammengeschlossen unsere Kräfte gegen das Regierungswesen, gegen diesen Gipfel der Synthese des Autoritätsprinzips richten, der heute vom Staat verkörpert wird, streben wir danach, die Wurzeln der Autorität, unter welcher Form auch immer sie erscheinen mag, zu bekämpfen und auszureissen, auch wenn von Kameraden, in bester Absicht, aber von Illusionen umwoben, ein Kampfsystem, eine Taktik gepriesen wird, die in ihrem Innern den verwerflichen Keim der verhassten Autorität schützt und bewahrt. [L‘Aurora, Jahr I, nr. 5 vom 28/10, nr. 6 vom 4/11, nr. 7 vom 11/11, nr. 8 vom 18/11, nr. 10 vom 2/12, nr. 11 vom 9/12, nr. 12 vom 16. Dezember 1899. Originaltitel: la lotta politica] Übersetzung ins Deutsche, Zürich, März 2012 Giuseppe Ciancabilla ist 1872 in Rom geboren. Nachdem er vor der Repression nach dem Aufstand von 1898 in Milano aus Italien flüchten musste, setzte er seine Agitation für eine kurze Zeit in der Schweiz fort. Dort war er einer der einzigen, der mit einem Artikel in seiner in Neuenburg gegründeten Zeitung L‘Agitatore den Anarchisten Luigi Luccheni offen verteidigte, der in Genf die Prinzessin Elisabet von Österreich mit einer Feile ermordete. Dies nahmen die Schweizer Autoritäten dann auch zum Anlass, um ihn zusammen mit 35 anderen italienischen Anarchisten aus dem Land auszuweisen. So reist Ciancabilla für einige Zeit nach England und schliesslich in die Vereinigten Staaten, wo er eine wichtige Figur der migrierten Bewegung war, die sich Ende 19. Jahrhundert dort zusammenfand. Er lässt sich in Paterson, New Jersey, nieder, wo eine grosse Gemeinschaft italienischer Anarchisten lebt. Dort wird er Redakteur von La Questione Sociale, einer zweimonatlichen Zeitung, die gemeinsam mit Errico Malatesta, Carlo Tesca, Luigi Galleani, Aldino Felicano und anderen von der Gruppe Diritto all‘esistenza herausgegeben und von deren Verlagshaus, Era nuova, gedruckt wurde. Er wird die Zeitung L‘aurora gründen, und später in Chicaco in der Zeitung La Protesta umana schreiben, wo er, von der Analyse der Situation in seinem Herkunftsland Italien und auf der Welt, in sozialer Hinsicht, sowie in Bezug auf die anarchistische Bewegung, bis zur Darlegung seiner Perspektiven für die soziale Revolution, von der Kritik des Parlamentarismus, des Organisationismus und der Synthese unter Anarchisten bis zur Verteidigung der Enteignung und der individuellen Angriffe gegen die Macht, wie jene von Gaetano Bresci und Leon Czolgosz, eine Vielfalt von Artikeln verfasst. Am 15. September 1904 stirbt er im Spital von San Francisco, im Alter von 31 Jahren.
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